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2016

Bebend vor Ausdruckswillen

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Béla Bartóks 3.Klavierkonzert mit Markus Bellheim im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. Für ihr „Impressionen aus Ost“ betiteltes Orchesterkonzert wählten Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit zwei „Slawischen Tänzen“ von Antonín Dvorák (aus op. 46 und op. 72) eine sinnfällige Eröffnung. Die explodierenden Akzente der mitreißenden „Furiant“ und die schwelgerischen Folklore-Farben des „Starodávný“ stimmten im Mühlacker Uhlandbau auf das Hauptereignis des Abends ein – Béla Bartóks Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 mit dem renommierten Pianisten und Münchner Musikhochschulprofessor Markus Bellheim.

Rhythmische Finessen
Nach wie vor spiegelt Bartóks Musik eine eigene Welt, die beim Hören einem kurzweiligen Abenteuer gleicht und wegen rhythmischer Finessen, eigenwilliger Farben und komplexer Spieltechniken eine Herausforderung für die Interpreten darstellt, die in Mühlacker bravourös gemeistert wurde. Mit Triller-Wirbeln, glasklar gehämmerten Oktavgängen und konturscharfen Skalen präsentierte Bellheim den ersten Satz („Allegretto“), bebend vor Ausdruckswillen, kühn und entschlossen. Einfühlsames Orchester-Geflirre füllte die Oktav-Abstände des zupackend vorgetragenen Klavier-Themas aus.

Das innere Zentrum der Bartók-Wiedergabe bildete der langsame Mittelsatz („Adagio“) mit dem Zusatz „religioso“ – von Wallinger am Pult, dem Pianisten und dem Orchester einer Andacht gleich zelebriert. Fließenden Streicherpassagen antwortete das Klavier mit Fragmenten einer Choralmelodie. In Einschüben verstärkten vor allem von Blasinstrumenten lautmalerisch nachempfundene Vogelrufe die ergreifende Klangmagie. Energisch und spannungsgeladen folgte der dritte Satz („Allegro vivace“) als ein lebensprühendes Finale.

„Die Moldau“ zum Abschluss
Zum Konzertabschluss erfreuten Wallinger und sein Ensemble mit abwechslungsreichen musikalischen Bilder-Folgen. Alexander Borodins „Steppenskizze aus Mittelasien“ und Friedrich Smetanas Tondichtung „Die Moldau“ entfalteten mit feiner Einfühlung die romantisch-lyrischen Liedschönheiten des slawischen Genres und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen.

Eckehard Uhlig

Markus Bellheim brilliert am Flügel

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Glanzstücke im Uhlandbau

Mühlacker. Vier bekannte Komponisten des Ostens hatte Peter Wallinger bei seinem Frühjahrskonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ auf dem Programm versammelt. Wer mitreißende Melodien auf dem Weg zum Konzert im Ohr hatte, wurde im Verlauf des Samstagabends im Uhlandbau bestätigt. Furios gestaltete Wallinger auch den Programmauftakt, in dem er im ersten der beiden Slawischen Tänze op. 46, Nr. 8 Presto (Furiant) von Antonin Dvorák ein furioses Tempo vorlegte. Der zweite Tanz op. 72, Nr. 2 geriet gemäßigter, dennoch wollte Wallinger auch hier nicht zu schwärmerisch werden.

Glanzstück des Abends war der Auftritt des Pianisten Markus Bellheim. Bereits die ersten Töne des dritten Klavierkonzerts von Béla Bartók ließen aufhorchen. Mit größter Selbstverständlichkeit verwandelte Bellheim die Gedanken des Komponisten in Klang, mit schwebender Leichtigkeit glitten seine Finger über die Tastatur. Immer wieder suchte er dabei den Kontakt zu den Orchestermitgliedern: Motive und Gedanken wurden beantwortet und weitergetragen, so dass ein plastisch schönes Tongemälde entstand, in dem es viele Farben und Stimmungen zu entdecken gab. Der Wunsch, mehr vom Pianisten zu hören, wurde dem Publikum erfüllt. Noch einmal trat er an den Flügel und faszinierte die Zuhörer mit einem schmissigen Ragtime von Edward Elzear „Zez“ Confrey.

Der zweite Teil des Abends war der Programmmusik gewidmet. Alexander Borodins Auftragswerk zum 25. Thronjubiläum des Zaren Alexander entführte in die Steppe Mittelasiens. Bedrich Smetanas Vertonung der „Moldau“ schloss den Abend ab. Quirlig sprudelten die beiden Querflöten als frisch entsprungene Bächlein, bald erschienen vor den Augen die bekannten Szenen entlang des Flusses. Hier konnten die elegischen Streicher, das warme Holz und die strahlenden Blechbläser noch einmal in voller Schönheit glänzen. Mit warmem Applaus dankte das Publikum den Musikern für einen ohrenöffnenden Abend.

Irene Schallhorn

Musiker laden Zuhörer zu Winterreise ein

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Süddeutsche Kammersinfonie und eine herausragende Bratschistin begeistern das Publikum

Die Bratschistin Hiyoli Togawa begeistert mit ihrem ausdrucksstarken Spiel beim Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie. Foto: Appich

Ein erfrischender Klangkörper, eine herausragende Bratschistin und zwei sprachgewandte Vortragskünstler haben am Sonntag mit mehr als 150 Gästen eine musikalisch-literarische „Winterreise“ unternommen.

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger hatte im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ zu einer Matinee mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáček geladen, und zum winterlichen Melodienreigen passten sowohl die Gedichte, die Nathalie Cellier und Peter Steiner vortrugen, als auch die Schneeflocken, die draußen leise rieselten.

Mit erfrischenden, beschwingten Tanzliedern eröffnete das Streichorchester das vormittägliche Klangerlebnis, und die beiden Schauspieler des Karlsruher Xenia-Theaters rezitierten deutsche und französische Texte von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin und Elodie Santos und betrachteten Winternacht und Winterabend in Worten von Gottfried Keller und Georg Trakl. In einer eigens für diese Matinee verfassten Bearbeitung von vier Liedern aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ verzückte die mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Solobratschistin Hiyoli Togawa das Mühlacker Publikum. Sie verstand es, den Konzertbesuchern den besonderen Charakter des lyrischen „Ichs“ im Stück „Wetterfahne“ nahezubringen und die stakkatohaft symbolisierten „Gefrorenen Tränen“ zu versinnbildlichen, das tempogeladene Erwachen des Frühlings musikalisch darzustellen und ein ergreifendes Abbild des schlichten, wunderlichen „Leiermanns“ mit Tönen zu malen. Ihr zweiter Auftritt nach drei von der Kammersinfonie in Perfektion vorgetragenen Sätzen der Suite für Streichorchester von Leos Janáček erinnerte die Solistin musikalisch an ein Kuriosum des Instrumentenbaus, dem Franz Schubert mit der „Arpeggione-Sonate“ ein bleibendes Andenken schuf, und Togawa spielte dessen Part in der Fassung für Viola und Streichorchester mit einem melodisch-warmen Ton.

Das nächste Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau findet am 19. März statt und steht im Zeichen von „Impressionen aus Ost“.

Rainer Appich

Mit dem Orchester auf Winterreise

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Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ in der Kelter

Dirigent Peter Wallinger und die Solistin Togawa an der Viola. Foto: Martin Kalb

Bietigheim-Bissingen. Originell zusammengestellte musikalische und literarische Köstlichkeiten verpsrach das Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“, das am Sonntag in der Bietigheimer Kelter aufgeführt wurde.

Unte der Leitung von Peter Wallinger begaben sich alle auf „Eine Winterreise“ mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáek. Im Mittelpunkt standen die vier Lieder „Wetterfahne“, „Gefrorene Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ aus Schuberts „Winterreise“ in einer eigens für das Konzert verfassten Bearbeitung für Solo-Viola und Streichorchester. Den Solopart spielte die preisgekrönte Bratschistin Hiyoli Togawa, deren Solodebüt bei der Mühlacker Gartenschau und in der Frauenkirche Lienzingen im September vergangenen Jahres mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Auch in Schuberts beliebter „Arpeggione“Sonate agierte sie gekonnt als Solistin.

Eine interessante Variation stellten die einzelnen Sätze aus Janáeks Suite für Streichorchester und verschiedene Tänze von Schubert dar. Passend zur Musik wurden Gedichte zum Thema „Winter“ von Friedrich Hölderlin über Ulla HAhn und Hermann Hesse bis erich Kästner vorgetragen von Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater Karlsruhe.

Von Bratschen-Soli gekrönt: Stimmungsvolle Neujahrs-Matinee

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mit Gedichten und virtuos gespielter Musik

Herausragend: Hiyoli Togawa Foto: Henkel

Mühlacker. Peter Wallinger und seine Mitstreiter sind originell. Die Neujahrs-Matinee der von ihm geleiteten sueddeutschen kammersinfonie führte nicht in das Reich der Walzer, Polkas und Operetten, vielmehr wurde im Mühlacker Uhlandbau für das begeisterte Publikum ein Poesie-Strauß aus stimmungsvollen Gedichten und musikantischen Orchester-Stücken gebunden.

Jahreszeitlich passend dem Winter gewidmet, wobei auch im übertragenen Sinn frühlingshafte Sonnenstrahlen die Kälte aufmischten. Elegant musizierte das Streichorchester und stattete nicht nur die „Deutschen Tänze“ von Franz Schubert (aus D 90) und dessen Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89) mit spielfreudig herausgearbeiteten Akzenten aus. Kunstvoll rezitierte das Schauspieler-Duo Nathalie Cellier und Peter Steiner vom deutsch-französischen Xenia-Theater dazu Winter-Lyrik von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin, Gottfried Keller, Georg Trakl, Hilde Domin, Droste-Hülshoff und Hermann Hesse – auch mimisch-gestisch begleitet und von zauberhaften Überleitungen zu den Musiknummern ergänzt. Zudem hatte Simon Wallinger vier Lieder aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ sinnfällig für Soloviola und Streicher bearbeitet, die nun mit faszinierendem Bratschen-Gesang Wirkung erzielten.

Ohnehin war Solistin Hiyoli Togawa mit ihrer Viola das Ereignis der Konzert-Matinee. Nachdem die beiden Vortragskünstler mit Erich Kästners karnevaleskem „Februar“-Gedicht für heitere Pointen gesorgt hatten, interpretierte die exzellente Bratschistin zusammen mit der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung Schuberts „Arpeggione“-Sonate (D 821). Die schwebende Klarheit des Orchesters und der sangliche, samtweich-dunkle Ton der Viola erzeugten einen Klang wie aus einem Guss, der auch in rasanten Passagen von virtuosen Bratschen-Soli gekrönt wurde.

Eckehard Uhlig

Neujahrskonzert erstmals ausverkauft

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Knapp 200 Zuhörer bei der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Leitung von Peter Wallinger

Neujahrskonzert in Murr, mit der Kammersinfonie. Foto: Holm Wolschendorf

Passend zum ersten Schnee des Winters, stand das Neujahrskonzert unter dem Motto „Eine Winterreise“. Für Schubert-Fans eine Gelegenheit in Romantik zuschweigen.

Kulturamtsleiter Matthias Bader freute sich riesig. Erstmals in über 20 Jahren war das Konzert der SÜddeutschen Kammersinfonie Bietigheim uasverkauft. Unter den knapp 200 Zuhörern im Bürgersaal seien rund 8 Prozent Stammgäste, die sich schon lange vor dem Auftritt die Karten sicherten, schätzt er. Traditionell spielt sich das Ensemble unter der Leitung von Peter Wallinger hier in Murr für die Auftritte in der Heimatstadt und in Mühlacker warm.

Auf dem Programm stand hauptsächlich Franz Schubert mit den deutschen Tänzen Nummer eins und drei. Die Lieder „Wetterfahne“, „Gefrome Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ aus dem Zyklus Winterreise. Das Menuett NR. drei in d-Moll und die „Arpeggio“-Sonate. Dazu wurden drei Sätze aus der Suite für Streichorchester des tschechischen Komponisten Leos Janacek aufgeführt.

Herausragend, mit welcher Leichtigkeit und sensibler Raffinesse die Musiker die Stücke interpretierten. Hervorzuheben ist dabei unbedingt die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, die musikalische Zwiesprache mit der Solistin Hiyoli Togawa an der Viola hielt. Mit viel Gefühl waren die beiden die Reiseleiterinnen durch eine verschneite Winterlandschaft, die aber außerordentliche und stimmungsvolle Wärme verbreiteten.

Der Gründer und Leiter der Bietigheimer Kammersinfonie setzt Akzente und er führt die Musiker zu empathischem Ausdruck. Gemälde von Landschaften entstehen beim zuhören in den Köpfen, bei den Tänzen kribbelt es in den Beinen.

Musik wird so mit allen Sinnen erlebbar. Auch weil etwa die Texte der Lieder aus der Winterreise dem Programm zum Mitlesen beigelegt waren.

Auch so war der musikalische Abend mit literarischen Noten gewürzt. Nathalie Cellieiir und Peter Steiner vom Xenia-Theater Karlsruhe lasen Gedichte und Texte namhafter Schriftsteller. Erheiterndes wie Claudius‘ „Ein Lied hinterm Ofen zu singen“, dem Schiller’schen „Punschlied“ oder Kästners Beschreibung des Februar. Hönderlin wurde zitiert, Keller, Trakl und Domin soie Ulla Hahn, Annette von Droste-Hülshoff und Hermann Hesse. Auch Sprache wird so zur Melodie. Insbesondere wenn Cellier das Gedicht „Toile d’Hiver“ auf Französisch sprach. Das Publikum ist wie in einen Bann gezogen, immer bevor sich begeisterter Applaus seinen Bann bricht, herrscte eine beinahe andachtsvolle Stille, in der man Stecknadel fallen hören könnte. Die Künstler bescherten dem Publikum einen grandiosen, sehr stimmungsvollen Abend. Ein leicht verspätetes Weihnachtsgeschenk, auf das es sich absolut zu Warten lohnte.

Thomas Faulhaber