2018
Erhabener Glanz, zarte Innerlichkeit
Der Ausnahme-Trompeter Wolfgang Bauer und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielten unter der Leitung von Peter Wallinger im Kronenzentrum. Von Dr. Dietmar Bastian

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielte mit Stargast Wolfgang Bauer ein Konzert unter dem Titel „Musica Adventus“ im Kronenzentrum. Foto: Martin Kalb
Zweierlei Horizonte verbinden sich mit dem Wort Advent (Ankunft): Das von den Römern geknechtete jüdische Volk hoffte auf die Ankunft des Messias, eines Königs, Erlösers und Befreiers. Das in einer Futterkrippe im Stall geborene Knäblein hingegen, von dem die Evangelisten im Neuen Testament berichten, entsprach nun ganz und gar nicht dieser Vorstellung, sondern offenbarte den Willen Gottes, dass das Starke im Schwachen Gestalt annehmen und mächtig werden sollte. Genau diese Widersprüchlichkeit griff das Programm „Musica Adventus“ auf, das der Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, Peter Wallinger, am Samstagabend im Kronenzentrum zur Aufführung brachte.
Wallinger hatte den grandiosen Trompeter Wolfgang Bauer engagiert, der gleich zwei Solokonzerte spielte: Johann Baptist Georg Nerudas „Concerto für Diskanthorn und Streichorchester“ sowie das bekannte Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn, dessen „Ohrwurmthemen“ wohl viele Zuhörer schon auf den Lippen führten. Die optisch sehr jung wirkende Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musizierte auf gewohnt hohem Niveau, begleitete klangschön und transparent und hob den heiter-festlichen Charakter der Werke hervor.
Strahlend und eindringlich
Kein Zweifel, dass der vielfach ausgezeichnete Wolfgang Bauer, der weltweit unterwegs ist und eine Professur in Stuttgart inne hat, ein Großer seines Fachs ist. Beim Konzert von Neruda, das noch heute als einziges Werk des ansonsten fast vergessen Frühklassikers aufgeführt wird, traf Bauer genau jenen galanten Ton, den der damalige Zeitgeist evoziert hatte. Den Haydn spielte er auswendig, mit großer Strahlkraft und Eindringlichkeit. Hier hätte man sich vielleicht gewünscht, dass Bauer die Nebenthemen und Überleitung zurücknimmt und nicht durchgängig forciert.
Doch genau die leiseren Töne, die ebenso zum Advent gehören, gab es auch: Peteris Vasks‛ „Musica Adventus I“ war die eigentliche Überraschung des Abends. In eindrucksvoll-zarten Klanggesten und fein gesponnenen Tongeweben nimmt das Stück des zeitgenössischen lettischen Komponisten jene geheimnisvollen Vorgänge auf, die das Geschehen im Stall ausmachen. Im Choralzitat „Vom Himmel hoch“ macht Vasks deutlich, das er jenem inneren Licht nachspürt, das uns im Advent erreichen möchte. Sehr gerne hätte man nicht nur den 1. Satz, sondern die komplette etwa 25-minütige „Musica Adventus“ gehört, doch dies hätte den Rahmen gesprengt.
Die bekanntesten der neuen Sinfonien Beethovens werden sehr häufig gespielt, die anderen leider viel zu wenig. Dieses Schicksal ist auch dem Schlussstück des Abends, der achten Sinfonie in F-Dur, beschieden. Dabei muss man dieses an überraschenden Modulationen und harmonischen Experimenten so reiche Werk eigentlich im Zusammenklang mit der Neunten hören, in der Beethoven endgültig eine musikalische Zeitenwende herbeiführt. Man hätte der Kammersinfonie und Bauer volle Reihen gewünscht, denn es war ein denkwürdiger Musikabend, der wunderbar in ein Adventwochenende hineingepasst hat.
Trompeter Wolfgang Bauer begeistert beim Concerto im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. In höchsten Lagen säuseln und zupfen die Streicher. Man meint, ferne sphärische Engelsstimmen zu hören und fühlt sich bestätigt, als bei stärker werdendem Streicherton Melodie-Fragmente des Weihnachtschorals „Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her“ zu vernehmen sind.
Peteris Vasks „Musica adventus“, die unter Peter Wallingers Leitung von der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim zart und einfühlsam interpretiert wird, gibt dem Auftakt der neuen Cocerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau sein Motto und stimmt sinnfällig auf die Vorweihnachtszeit ein.
Im Mittelpunkt des Konzertgeschehens steht freilich der exzellente Stuttgarter Trompeter und Echo-Klassik-Preisträger Wolfgang Bauer mit virtuos-festlicher Bläser-Musik. Im Concerto per Corno Primo von Johann Baptist Neruda für kleines Diskanthorn und Streicher entfaltet der Solist barocke Klangpracht in ihrer ganzen Farbigkeit: Im rasanten Wiegeschritt wirbeln die Skalen und Läufe des einleitenden Allegro-Satzes. Das breit ausgezogene Largo bestimmen fließende Linien. Im Vivace glänzt das Horn mit jagdlichen Tonfolgen.
Eines der beliebtesten Trompetenkonzerte ist Joseph Haydns Es-Dur-Konzert (Hob. VII e 1). Alle bedeutenden Trompeter haben es im Repertoire. Dabei nimmt Bauers meisterliche Interpretation in Mühlacker gewiss eine Spitzenposition ein. Die chromatischen Gänge, Triller und staccatierten Figurationen im ersten Satz (Allegro) werden mit makelloser Technik und Klarheit bewältigt. Von der Kammersinfonie sanft untermalt, singt im Andante eine empfindungsreich galante Bläser-Melodie, die im Piano lyrischen Charakter aufzeigt. Im Finale strahlt fanfarenartiges Forte. Die begeisterten Zuhörer erklatschen sich eine Zugabe: eine Berceuse des seinerzeit berühmten russischen Trompeters Wassili Brandt (1869-1923).
Ratternde Rhythmen
Bemerkenswerte Klangenergien entwickelt Wallingers Ensemble bei der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens achter Sinfonie (in F-Dur, op. 93). Die Interpreten verzichten auf übertriebenes Pathos und konzentrieren sich in dem kontrastreichen Werk mit dynamischer Wucht auf einen von Fall zu Fall energisch gesteigerten Ausdruck. Fast solistisch agieren immer wieder die Bläsergruppen. Im Finale wird die Pauke mit ratternden Rhythmen und drängenden Tempi in den instrumentalen Diskurs eingebunden. So formen Wallinger und seine Instrumentalisten eine tönende Architektur, spannungsreich akzentuiert und straff durchgezogen. Der heftige Applaus ist überfällig.
Eckehard Uhlig
Die volle Bandbreite ausgelotet
Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert am zweiten Adventssonntag ein festliches Programm im Uhlandbau

Mit dem Konzert für Diskanthorn und Streicher von Johann Baptist Georg Neruda war wohl mit Bedacht ein fulminanter Einstieg gewählt worden, als die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am vergangenen Sonntag im Uhlandbau konzertierte.
Mühlacker. Der Solist des Werkes, der mehrfach ausgezeichnete Trompeter Wolfgang Bauer, verstand es, seinem Instrument einen energischen und doch weichen Klang zu entlocken, ja ihm fast schon eine Stimme zu verleihen, die in ihrem melodischen Fluss den Streichern um nichts nachstand und mit dem differenzierten Orchesterklang überzeugend harmonierte.
Einen reizvollen Kontrast im Programm der Reihe „Mühlacker Concerto“ bildete das Moderato aus der „Musica adventus“ des zeitgenössischen lettischen Komponisten Peteris Vasks. Der zarte Einsatz der Streicher wirkte geradezu schüchtern und zurückhaltend. Fließend und dynamisch illustrierte das Orchester auf dieser Basis eine ausgedehnte Entwicklung. Immer wieder schien sich vor den leisen Streicherklängen im Hintergrund eine organische Bewegung gleich einem leisen Protest zu erheben, der jedoch gleich wieder verebbte. Das fast schon perkussive Spielen mit dem Bogenholz rief dabei den Eindruck einer kalten und einsamen Winterlandschaft hervor. Erst in Verbindung mit Fragmenten des Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, die sich zunehmend herauskristallisierten, entlud sich das Stück in einem vielschichtigen, eigentümlichen Höhepunkt.
Lebhafter wurde es wieder mit dem Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn. In drei Sätzen bewies Wolfgang Bauer auch in diesem Stück sein hohes Niveau als Trompeter. Mal kraftvoll, fanfarenhaft oder musikalische Kapriolen schlagend, mal mit ruhiger Linienführung präsentierte er die volle Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments. Das Finale glich einem prächtigen Feuerwerk. Mit der Berceuse des russischen Komponisten und Trompeters Vassily Brandt verabschiedete der Solist sich und das Publikum in die Pause.
Im zweiten Teil folgte dann Ludwig van Beethovens 8. Sinfonie. Hier überzeugte das Orchester mit vollem Klang und stimmiger Dynamik – beste Voraussetzungen für eine gelungene Interpretation des heiteren, vielschichtigen Werks in vier Sätzen. Der Wechsel zwischen dramatischen Spannungsbögen und ruhigeren Passagen gelang fließend. Durch das dynamische, expressive Dirigat von Peter Wallinger erhielt das Orchester entscheidende rhythmische Impulse. Für den stürmischen Beifall bedankte sich das Ensemble mit einer kurzen Zugabe, ehe es das Publikum in den Abend entließ.
Sina Willimek
Episch, nordisch, kurios
Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert im Kronenzentrum ihr Adventskonzert

Bietigheim-Bissingen. Für manches Ohr gehören Trompetenklänge zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Spekulatius, Bratäpfel und Zimtsterne, Adventskranz und Kerzenlicht. Dass die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) zu ihrem diesjährigen Adventskonzert mit Wolfgang Bauer einen Virtuosen der Trompete eingeladen hat, fügt sich also ins jahreszeitliche Bild. Das Trompetenkonzert Es-Dur (Hob VIIe:1) von Joseph Haydn hat der langjährige Professor an der Musikhochschule Stuttgart bereits 2006 mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn aufgenommen, von souveräner Geläufigkeit zeugte auch seine Wiedergabe mit der SKB am Samstagabend. Der demonstrative Charakter der Musik kommt nicht von ungefähr: Anton Weidinger hat die drei Sätze 1796 in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten der von ihm erfundenen Klappentrompete aufzuzeigen; bis heute zählt das erste Konzert für dieses Instrument zum Standardrepertoire der Trompetenliteratur. Erweitert um Halb- und Ganztonschritte jenseits der Naturtonreihe, präsentiert sich die Trompete darin als vollwertiges Melodieinstrument, bis hin zu chromatischen Durchgängen im Allegro und fast streicherartigem Legato im kantablen Andante. Ohne oberflüssige Exaltation gestaltete Bauer diese technisch anspruchsvollen Passagen, was die plakativen Züge in Haydns Demo-Konzert wohltuenderweise moderierte.
Nun wäre dies kein Adventskonzert der SKB, hätte sich die Darbietung im Rahmen des Erwartbaren erschöpft. Ihr Dirigent Peter Wallinger ist ein Freund überraschender Kombinationen: Stets verbinden seine Programme sorgfältig ausgewählte Schlüssel und Gipfelwerke der Klassik mit weniger bekannten oder auch obskuren Stücken. Nicht allzu viel weiß man über den böhmischen Violinisten und Komponisten Johann Baptist Georg Neruda (1707 – 1780), das „Concerto per Corno Primo“ gilt als das heute populärste Werk des Dresdner Hofkapellmeisters. Im galanten Stil gehalten, fordert es einen Meister des Clarinspiels, müssen die hohen Lagen auf diesem Diskanthorn doch wie bei der Barocktrompete vollständig mittels der Ansatztechnik realisiert werden. Indes blieb Bauer diesbezüglich zu mindest bei der Aufführung im Kronensaal – das Konzert wurde tags darauf in Mühlacker wiederholt – unterhalb des Möglichen, wirkte sowohl hinsichtlich der Intonation als auch der Präzision seiner Einsätze gehemmt. Dies fiel umso mehr ins Gewicht , als die SKB seine Soloexpositionen, die tendenziell wie instrumentale Opernarien angelegt sind, unter Wallingers konziser Stabführung lebendig, transparent und klar konturiert einzubetten bemüht war.
So aber wurde das zwischen den beiden Konzerten platzierte Moderato aus Peteris Vasks’ „Musica adventus“, so auch der Titel des Adventskonzerts, zum heimlichen Höhepunkt des Abends: In höchster kammermusikalischer Konzentration und Sammlung durch die Streichergruppen, allen voran Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, exzellent realisiert, evozieren lang gehaltene Liegetöne in der 1996 vollendeten Bearbeitung des 3. Streichquartetts des lettischen Komponisten die Weite nordischer Landschaften, während im Pianissimo knackende Pizzicati und mit dem Bogenholz erzeugte Klänge vor diesem Horizont Bilder kristalliner Kälte aufziehen lassen, irgendwo zwischen Sibelius Pärt.
Im langen Schatten der Neunten steht von heute aus gesehen Beethovens 1814 uraufgeführte Sinfonie Nr. 8 in F-Dur, ihre vermeintliche Konventionalität, der Eindruck heiterer Lebensfreude, ist pure Fassade. Vielmehr wirkt der Umgang des ertaubenden Komponisten mit der Tradition hier vielfach gebrochen, nachgerade von bitterem, sardonischen Lachen erfüllt. Mal auf engstem Raum, mal mit ausgebreitetem Schwung schäfte Wallinger die enormen gestischen und dynamischen Kontraste der ausladenden Ecksätze wie des kuriosen „Allegretto scherzando“ und des parodistischem „Tempo di Menuetto“. Epische Sinfonik als kammermusikalisches Kondensat. Auch wenn an ein, zwei heiklen Anschlussstellen noch Luft nach oben bestand, eine höchst ansprechende, eindrucksvolle Vorstellung dieses gleichermaßen ambitionierten wie qualifizierten Kammerochesters.
Harry Schmidt
Wirkungsvolle Tongemälde
Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim tritt in der Lienzinger Frauenkirche gemeinsam mit dem Klarinettisten Sebastian Manz auf

Klarinettist Sebastian Manz. Foto: Filitz
Mühlacker-Lienzingen. Am Sonntagvormittag war die Lienzinger Frauenkirche erneut ein Anziehungspunkt für viele Musikfreunde. In ihrer Reihe „Musikalischer Sommer“ hatte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit ihrem Dirigenten Peter Wallinger zum Konzert geladen. Als Gast sorgte Sebastian Manz für wahre Beifallsstürme, der mit seiner Klarinette alles machte, was mit diesem sensiblen Instrument überhaupt nur anzustellen ist. Das Programm bot jedoch auch den Streichern reiche Möglichkeiten, ihr Können, ihr harmonisches Zusammenspiel unter dem einfühlsamen, aber auch zwingenden Diktat ihres Dirigenten zu beweisen. Solopassagen der ersten Geige, von Viola und Violoncello ließen allemal aufhorchen.
Eröffnet wurde die vormittägliche Konzertstunde mit einem Orchester-Quintett Es-Dur in drei Sätzen von Josef Mysliveček. Dieser Komponist kam 1734 in Prag zur Welt und starb 1781 völlig verarmt in Rom. Nachzulesen ist, dass Mysliveček in Italien einst der bestbezahlte Opernkomponist war und als „il divino Boemo – der göttliche Böhme“ gefeiert wurde. Er war Zeitgenosse Mozarts, mit dem er freundschaftliche Kontakte gepflegt haben soll. Unter beschwingter Führung setzte das Orchester zu einem heiteren Allegro con brio an, im nachfolgenden Largo dann mit dominierenden Passagen der ersten Geige. Der Beginn des dritten Satzes Presto schien sich in den ersten Takten ein wenig an Mozart zu orientieren. Mit beherzten Tempi, melodischen Dialogen zwischen erster Geige und Viola, furiosem Aufspielen des Orchesters mit starken Bässen, dann wiederum mit dem Ausloten der dynamischen Möglichkeiten bis hin zu zartem Piano endete dieser „böhmische Teil“ des Konzerts und hinterließ beste Eindrücke. Allein 28 Opern hat Mysliveček komponiert, dazu ein reiches Werk an Vokalmusik aus Messen, Oratorien, Kantaten. Er hat Sinfonien, vielseitige Konzerte, umfangreiche Kammermusikwerke, dazu noch Werke für Klavier und Violine geschaffen. Heute sind sein Name und seine kaum zu zählenden Kompositionen vergessen. Dankenswert, dass es Orchester gibt, die sich dieses reichen Erbes annehmen.
Dann betrat der Star des Konzerts die Bühne. Was soll man über einen Künstler schreiben, der in seinem Metier alle Preise und höchste Auszeichnungen, die es zu gewinnen gibt, gehortet hat? War der Beifall für das Orchester schon herzlich und anhaltend, so wurde Sebastian Manz bereits gefeiert, ehe nur ein Ton aus seiner Klarinette erklang. Viele der Zuhörer hatten ihn wohl bereits bei seinen Auftritten in Mühlacker im Dezember 2011, dann im Juli 2015 und im März 2017 gehört, verteilten also keine Vorschusslorbeeren, sondern sie wussten, was sie von diesem Tonkünstler erwarten durften. Und er enttäuschte sie nicht. Er vertiefte sich mit Hingabe in das Klarinettenkonzert B-Dur von Johann Stamitz, ebenfalls Zeitgenosse Mozarts. Mit lebhaftem Körpereinsatz unterstrich er die Wirkung seiner Tongemälde. Es entfaltete sich ein harmonisches Zusammenspiel mit dem Orchester, mal fragend, mal fordernd, wechselnd zwischen hellstrahlendem Klang und dunklen, warmen Akkorden. Dann gab es eine längere Solopassage, in der die große Meisterschaft nicht nur durch die Geschwindigkeit seiner Finger sicht- und hörbar wurde, auch die exakte Atemtechnik war dem vollendeten Klangbild dienlich. Das Orchester zeigte seine Brillanz in einer stets einfühlsamen Begleitung.
Nicht auf dem Programm stand eine kleine Einführung vom fachlich bestens vertrauten Solisten in „Klarinettenkunde“ des 18. Jahrhunderts. „Die damalige Klarinette hatte nur fünf Klappen, nicht wie die heutige 24“, erklärte Manz, „Es musste viel improvisiert werden, und es bleibt letztlich den Interpreten überlassen, was am Ende dabei herauskommt. Da kann ich mich so richtig austoben auf meinem Instrument. Gut 70 Prozent der Töne sind so im ersten Darmstädter Konzert von Carl Stamitz im Original nicht vorhanden“, lautete eine kleine Vorwarnung ans Publikum. Den dritten Satz, ein Rondo aus besagtem Klarinettenkonzert Es-Dur, interpretierte Manz dann auch so, dass es einen vom Hocker reißen konnte. Da schaute er kaum auf sein „Notenblatt“, denn dies war ohnehin ein zeitgemäßes Tablett, und umgeblättert wurde mit einem Kick auf ein Fußplättchen. Als Dank für den nicht enden wollenden Beifall stimmte er seelenvoll ein Adagio von Mozart an. Noch einmal ließ er die Zuhörer an der ganzen Klangschönheit seiner Klarinette teilhaben.
Mit Leoš Janacek stimmte die Kammersinfonie einen vierten böhmischen Komponisten an. Sechs Sätze aus der „Suite für Streicher“ boten den Musikern Gelegenheit, das Publikum ein weiteres Mal von der Fülle, der Präzision, der Harmonie und der lebhaften Spielfreude, gepaart mit fundiertem Können an den Instrumenten, zu überzeugen. Eine Konzertstunde ging zu Ende, die lange nachklang.
Eva Filitz
Bläser-Laufwerk im Affenzahn: Klarinettist Sebastian Manz
Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Pianist Markus Bellheim

Sebastian Manz
Mühlacker-Lienzingen. Am 3. Dezember 1778 schrieb Mozart an seinen Vater: „Ach, wenn wir nur (für die fürstbischöfliche Kapelle in Salzburg) auch Clarinetti hätten! Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Clarinetten einen herrlichen Effect macht.“
Er hatte das Blasinstrument zum ersten Mal in Mannheim bei der dortigen Hofkapelle in Kompositionen von Johann Stamitz und dessen Sohn Carl kennengelernt und war begeistert. Begeistert waren auch die Besucher des „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche, wo Peter Wallingers „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ einen Teil dieser Werke zusammen mit dem preisgekrönten Ausnahme-Klarinettisten Sebastian Manz aufführte.
Das dreisätzige Klarinettenkonzert B-Dur von Stamitz Vater (1717-1757) eröffnete mit solistischen Skalen im „Allegro moderato“ und einer facettenreichen Solo-Kadenz. Dann folgte ein „Adagio“, das mit weichen Haltetönen und leuchtenden Klangbögen über der Orchester-Grundierung stimmungsvollen Klarinetten-Sologesang zelebrierte – der war so schön wie im langsamen Satz von Mozarts (Jahre später komponierten) Klarinettenkonzert. Im Finalsatz des Stamitz-Werke („Poco presto“) beeindruckten die fein ausdifferenzierten Lautstärke-Abstufungen und – wie in den voraufgegangenen Sätzen – das auf genaue Tempi achtende, einfühlsame Zusammenspiel des Solisten mit dem von Wallinger geleiteten Streichorchester. Im tänzerischen „Rondeau“ aus dem Es-Dur-Klarinettenkonzert von Stamitz Sohn (1745-1801) ging Manz bis an alle spielerisch-technischen Grenzen, denn der Affenzahn mit dem er wirbelnde Läufe absolvierte, war geradezu überirdisch.
Als Zugabe für die „Klatscharbeit“ des Publikums musizierten er und die Kammersinfonie Wolfgang Amadeus Mozarts zauberhaftes „Adagio“ KV 580A, eine Vorarbeit zum Klarinettenkonzert – auch, um nochmals das Mannheimer Bekehrungs-Erlebnis des späteren Wiener Meisterklassikers zu illustrieren. Eingerahmt wurden die solistischen Höhepunkte mit der Wiedergabe des Orchester-Quintetts Es-Dur von Josef Mysliveček (1734–1781), dem „Divino Boemo“, den auch Mozart schätzte. Und von einer temperamentvollen Interpretation der Suite für Streicher von Leos Janáček (1854-1928), wobei unter Wallinger am Dirigentenpult die kontrastreichen Charaktere der sechs Suitensätze mit feinem Gespür für unterschiedlichste Rhythmen und Farben exzellent herausgearbeitet wurden.
Eckehard Uhlig
Akustischer Blütenstaub
Sebastian Manz brilliert mit Klarinettenliteratur der ersten Stunde und Interpretationen

SACHSENHEIM. Nachdem die Premiere 2017 aufgrund der unsicheren Wetterlage ausfallen musste, hat es nun geklappt mit dem Open Air des Sommerkonzerts der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB). Mit rund 140 Besuchern präsentiert sich der Serenadenhof des Lichtenstern-Gymnasiums am frühen Samstagabend lediglich passabel gefüllt. Ein wenig verwunderlich, ist mit Sebastian Manz doch ein Klarinettist zu Gast, mit dem die SKB bereits häufiger zusammengearbeitet hat, zuletzt im vergangenen Jahr bei einem gefeierten Auftritt im Kronensaal mit Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur (KV 622). Zudem ist er ein hochdekorierter Ausnahmevirtose, der unter anderem 2008 mit dem seit 40 Jahren zum ersten mal wieder vergebenen ersten Preis des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD sowie mit drei Echo-Klassik-Preisen ausgezeichnet wurde.
Mit Werken von Johann und Carl Stamitz hatte Manz Klarinettenliteratur der ersten Stunde mitgebracht. Das Klarinettenkonzert des böhmischen Komponisten Johann Stamitz (1717-1757), der zum Gründer der Mannheimer Schule wurde, zählt zu den frühesten in der Musikgeschichte. In seiner einheitlich den Affekt pastoraler Zuversicht ausstrahlenden Wirkung besitzt das B-Dur Konzert deutlich erkennbar noch barocke Züge. Mit butterweichem Ansatz, vogelleichten Trillern und jubilierendem Diskant gestaltet Manz seinen Part im Allegro moderato, ein schwirrendes Ostinato in der Kadenz. Langgezogene Haltetöne eröffnen das Adagio, gefolgt von lyrischem Legato. Hauchzart der extemporierte Teil.
Sympathische und verbindliche Künstlerperönlichkeit
Im rasanten Walzer des Poco presto geht Manz federnd in die Knie, wendet sich nach links, nach rechts – schon die Publikum wie Orchester gleichermaßen zugewandte Körpersprache erzählt viel über diese so sympathische wie verbindliche Künstlerpersönlichkeit. Noch mehr erfährt man zwischen den Werken von Manz persönlich: Von Carl Stamitz, dem Sohn des Mannheimer Hofkapellmeisters, seien elf Klarinettenkonzerte überliefert, denen bereits eine ganz andere Virtuosität eigne. Vieles bleibe darin der individuellen Ausgestaltung des Interpreten überlassen. Dies zeigt sich im Rondeau, dem dritten Satz des siebten der elf Klarinettenkonzerte von Stamitz jr. Mehr als 70 Prozent dessen, was er spielt, habe er den kantablen Themen hinzugefügt, hochindividuell seine Ad-lib-Passagen, akustischer Blütenstaub und fließende Akkordbrechungen, in einer fulminant zugespitzten Strettaendend. Den Applaus der Zuhörer quittiert Manz mit einer wundervollen Zugabe: süßholzatemdurchströmt eine Bearbeitung von Mozarts Adagio (KV 580a), die ferne Antwort der Violinen, Vogelgezwitscher in den Bäumen des umliegenden Parks.
Bei alldem agiert die SKB, das von Peter Wallinger vor mehr als 30 Jahren gegründete Projektorchester, so feinfühlig und diskret, dass man ihre Anwesenheit fast vergessen könnte. Und doch garantiert ihr souveräner, sorgfältiger und sensibler Zugriff, ihr schlanker und wendiger Ensembleklang dem Solisten ein stabiles Parkett. Dafür wurde die Qualität der SKB bereits in dem zur Eröffnung gegebenen Orchesterquinetett in Es-Dur des tschechischen Mozartzeitgenossen Josef Myslivecek (1734-1781) – auf Spitze getanzt hebt das Allegrio con brio an, auch das Largo metrisch durchpulst, berückend das Presto – und im Anschluss mit Leoš Janàceks 1877 entstandener „Suite für Streicher“ nochmals vollends deutlich. Bei dem zwischen Spätromantik und Vormoderne changierenden Werk des Mähren gelingt Wallinger und der SKB eine durchgehend pointierte, in den Ecksätzen und im Presto streckenweise sensationelle Wiedergabe.
Harry Schmidt
Unerschütterliche Begeisterung für die Klassik
Konzert Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und Klarinettist Sebastian Manz spielten in Sachsenheim

Klarinettist Sebastian Manz und die „sueddeutsche kammersinfonie Bietigheim“ mit Peter Wallinger am Pult spielten im Lichtenstern-Gymnasium. Foto: Helmut Pangerl
Sachsenheim. Was in der Vergangenheit selten klappte, konnte diesmal umgesetzt werden: das Sachsenheimer Sommerkonzert als Open Air. Gut 80 Besucher waren am Samstagabend ins Lichtenstern-Gymnasium gekommen, um sich die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter ihrem Dirigenten Peter Wallinger und den Ausnahmeklarinettisten Sebastian Manz anzuhören.
Manz ist einer der ganz Großen der Klassik-Szene, momentan Solo-Klarinettist beim SWR Symphonieorchester, als solist international gefragt. Ein solcher Status verleitet viele Musiker dazu, einen imaginären Zaun um sich herum zu bauen, und sich abzuschotten. Die Vermeintliche Unantastbarkeit der Künstler macht es einem Fan-Kult ungemein schwer – doch genau der mag wichtig für den Fortbestand der Szene sein. „Wir sind selbst Schuld“, meinte Sebastian Manz im Gespräch mit der BZ zu diesem Thema.
Dabei kann man ihm am allerwenigsten einen Vorwurf machen – im Gegenteil. Sebastian Manz stand nach seinem Auftritt in T-shirt und kurzer Hose auf der Wiese des Lichtenstern-Gymnasiums, unterhielt sich mit seinen Fans, erzählte ihnen von der Notwendigkeit des Sports für einen Musiker und von den Vorteilen eines digitalen Notenblatts.
Große Ausstrahlung
Bei seinem Auftritt ergriff er wie selbstverständlich das Wort, fütterte das Publikum mit Hintergrundinformationen zu den Stücken, erklärte, warum er für die Zugabe eine andere Klarinette holen muss. Vor allem aber strahlte Manz, Jahrgang 1986, nach vielen Jahren in diesem Metier eine Begeisterung für seinen Job aus.
Bevor er am Samstag an der Reihe war, spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ Josef Mysliveceks „Orchesterquintett in Es-Dur“. Der Böhme Myslivecek, Zeitgenosse und Freund des viel berühmteren Wolfgang Amadeus Mozart, komponierte in heiterer Klassik-Manier. Diesen stilistischen Geist legte die „sueddeutschte kammersinfonie bietigheim“ unter Peter Wallinger unprätentiös, aber klangvoll offen.
Obwohl die Werke, die am Samstagabend aufgeführt wurden, in einem Zeitraum von über einhundert Jahren entstanden sind, ergänzten sie sich hervorragend zu einem stimmigen Programm. Zwischen den reinen Orchesterstücken interpretierte Sebastian Manz gemeinsam mit dem 16-köpfigen Orchester das „Klarinettenkonzert in B-Dur“ von Johann Stamitz sowie den dritten Satz aus dem „1. Darmstädter Konzert“ von Stamitz’ Sohn Carl. Als Zugabe spielte Manz das „Adagio KV 580a“, bei dem Mozart den Melodieanfang seines berühmten „Ave Verum“ wiederverwertet hat.
Sebastian Manz macht Musik offenbar nicht um ihrer selbst Willen, sondern weil er seinen Zuhörern etwas mitteilen möchte. Der gebürtige Hannoveraner verfügt über eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz und das liegt bei Weitem nicht nur an seinem großen Bewegungsradius. Auch beim Open-Air-Konzert im Lichtenstern-Gymnasium fesselte er nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen des Publikums.
Klavierkonzert mit finalem Klangfeuerwerk
Umjubelter Abschluss der Reihe Concerto Mühlacker
Mühlacker (eu). Eine „Suite française“ mit betörenden Stücken von Claude Debussy und Maurice Ravel sorgte jüngst für einen begeisternden Saisonabschluss der MühlackerConcerto-Reihe im Uhlandbau. Das zum Konzertauftakt präsentierte „Prélude à l’après-midi d’un faune“ demonstrierte nicht nur erneut die Souveränität Peter Wallingers als Dirigent und die Versiertheit seiner Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, sondern präsentierte vor allem einen Debussy vom Feinsten.
Ätherisch schwebend bezauberte das einleitende Flötensolo, das die sinnliche Schwüle des gleichnamigen Mallarmé-Gedichtes spüren ließ. Dann faszinierte das Wogen und Wallen der naturidyllischen, hitzig aufgeladenen Nachmittagsstimmungen des lüsternen Halbgotts, ausgedrückt auch in Harfengezirpe und Geisterglöckchen. Rauschhafte Crescendi mündeten in leuchtende Klangflächen. Der Höhepunkt des Konzertabends war die Wiedergabe von Ravels G-Dur-Konzert für Klavier und Orchester – eine Herausforderung für den Pianisten und die Kammersinfonie, die der Münchener Musikhochschulprofessor Markus Bellheim als Solist am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meisterten. Mit kühlem Kopf, ja mit erstaunlicher Frische und scheinbarer Leichtigkeit bewältigte Bellheim den motorischen Schwung mancher Passagen, die Klang-Raffinements, die jähen Umschwünge der Dynamik, die Farbkontraste.
Mit einem Peitschenknall begann das Ravel-Konzert, dann folgten nach Klaviertremoli energisch lärmende Skalen, auch ein zackig-jazziger Piccoloflöten-Marsch. Im zweiten Satz zelebrierte ein gedehntes Klaviersolo stimmungsvolle Melancholie. Im letzten Satz entfaltete sich nach vorwärtstreibenden, scharf konturierten Rhythmen ein musikantisch tobendes, finales Klangfeuerwerk.
Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Orchester Ravels „Pavane pour une infante défunte“ als gemächlichen Schreittanz mit kapriziösen Bläsereinwürfen, sowie Ravels ursprünglich für Klavier komponierte „Valses nobles et sentimentales“ mit heftig durchgezeichneten Strukturen, lebhaften Klanggesten und fesselnder Expression. Das Publikum im Mühlacker Uhlandbau reagierte mit jubelndem Applaus.
Eckehard Uhlig
„Suite française“ zum Abschluss
Saisonfinale der Klassikreihe „MühlackerConcerto“: Musiker meistern höchst anspruchsvolle Aufgaben.

Mit Leidenschaft und Esprit begeistern die „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ und Klaviersolist Markus Bellheim. Foto: Fotomoment
Ein Programm „voller Farben, voller Leidenschaft und Esprit“ war zum Saisonende der Klassikreihe „MühlackerConcerto“ angekündigt. Tatsächlich erlebten die Besucher am vergangenen Samstagabend im Uhlandbau Mühlacker einen faszinierenden Konzertabend, betitelt mit „Suite française“.
Mühlacker (pm). Den Titel hat der Veranstalter der Konzertreihe gewählt in Anlehnung an den lesenswerten, gleichnamigen Roman von Irène Némirovsky; gespielt wurden Werke von Claude Debussy und Maurice Ravel, die als die Hauptvertreter des französischen Impressionismus gelten.
38 Musikerinnen und Musiker der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ und Markus Bellheim, der sich als hervorragender Klaviersolist zeigte, haben sich unter der Leitung von Peter Wallinger dieser höchst anspruchsvollen Aufgabe angenommen – und sie bravourös gemeistert. Eine Einführung in die hierzulande nicht eben geläufigen Werke gab in gewohnt kurzweiliger und zugleich kompetenter Weise die Musikwissenschaftlerin und Flötistin Dr. Christina Dollinger.
Ein betörendes Flötensolo, klangschön zelebriert von Verena Guthy-Homolka, eröffnete den Abend und führte hinein in die Sinneswelt eines Panflöte-spielenden Fauns an einem schwülen Sommertag. 1894 schreib Debussy sein „Prélude à l’après-midi d’un faune“, angeregt von der Atmosphäre des gleichnamigen Mallarmé-Gedichts, und läutete mit nie zuvor gehörten, farbig-schillernden, von der Harfe unterstützten Klangschattierungen den musikalischen Impressionismus ein.
Völlig andere Töne werden in Ravels Klavierkonzert G-Dur angeschlagen. Ein Peitschenknall zu Beginn des ersten Satzes löst ein buntes an eine Zirkusarena erinnerndes Treiben aus mit Klangkaskaden und allerhand folkloristischen Anspielungen, auch solchen des Jazz. Meisterhaft bewältigte Markus Bellheim, der als Professor an der Münchner Musikhochschule lehrt, den hochvirtuosen Solopart. Im Wechsel mit dem Klavier mischten die Musiker der Kammersinfonie, insbesondere die Bläser, mit halsbrecherischen Soloeinlagen in den rasanten Ecksätzen kräftig mit. In stärkstem Kontrast dagegen der schwerelos schwebende zweite Satz, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Ein ausdrucksvoll vorgetragenes Englischhorn-Solo gesellt sich zur fast schon gläsern wirkenden Melancholie des ausgedehnten Klavierparts hinzu. Ein Feuerwerk wird schließlich von Solist und Orchester im furiosen letzten Satz entfacht. Ein Ragtime folgte als Zugabe und demonstrierte noch einmal die pianistischen Qualitäten von Markus Bellheim.
Wieder andere Färbungen zeigten zwei Werke Ravels nach der Pause: In eine imaginäre, längst versunkene Märchenwelt führte die „Pavane pour une infante défunte“. Wunderschön vorgetragen wurde das Solo-Horn von Reimer Kühn über den würdevollen Schritten der Pizzicato-Begleitung.
Eine letzte französische Delikatesse servierte das Orchester mit Feinsinn und Verve mit Ravels „Valses nobles et sentimentales“, dessen Titel auf Schuberts 1825 und 1827 veröffentlichte Walzerfolgen anspielt. Der Tonfall der acht Walzer reicht von „sehr zart und ein wenig schmeichelnd“ bis hin zu kühn auftrumpfenden Klangeruptionen in Ravels meisterhaft raffinierter Instrumentierung und oftmals mit maskenhaft parodistischen Zügen.
Begeisterter Beifall und als Zugabe noch mal den ersten Ravel’schen Walser beschlossen den beeindruckenden Konzertabend.