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02.04.19

Dunkler Einstieg, lichtheller Ausklang

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Peter Wallinger

Mühlacker. Mit dunklem Kolorit malte und gestaltete das Orchester die fantastische Klanglandschaft. Jean Sibelius’ Stück „Der Schwan von Tuonela“ (op. 22, Nr. 2), eine an das Totenreich aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ erinnernde Tondichtung, setzte mit nebulösem Piano ein, um sich dann in breit ausgezogenen Bögen mit schwerblütiger Poesie zu entfalten. Da leuchteten Cello und Englischhorn, da flirrten die Geigen im Tremolo – musikalische Verläufe, den weiten finnischen Seen und dem Flug des mythischen Schwans nachempfunden.

Mit großer Empathie

Sibelius erlebt, gerade auch in der Pforzheimer Region, eine Renaissance, nachdem der Komponist wegen seiner Glorifizierung im „Dritten Reich“ lange gemieden wurde. Und Peter Wallingers sueddeutsche kammersinfonie bietigheim, die das Werk bei ihrem „Frühjahrskonzert“ im ausverkauften Mühlacker Uhlandbau mit großer Empathie aufführte, hat einen gewichtigen Anteil daran.

Danach kontrastierte die Kammersinfonie unter Wallingers Leitung das düstere Sibelius-Gemälde mit Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart in lichthellem C-Dur. Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begeisterten mit Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299), das zu Recht als eines der schönsten Solokonzerte des Wiener Klassikers gilt. Der einführende „Allegro“-Satz, in dem beide Soloinstrumente in parallelem und alternierendem Spiel dominierten, erfreute mit reichen musikantischen Einfällen.

Wunderschön dann das „Andantino“ mit melodienseligem Gesang der Flöte, vom Saiten-Geglitzer der Harfe umzirpt und von zarten Orchester-Einwürfen begleitet. Im abschließenden „Rondo. Allegro“ zeichneten sich die Solistinnen auch durch originelle Kadenzen aus. Ihre Zugabe, ein Stück aus Astor Piazzollas „Café 1930“, bestätigte ihr hohes künstlerisches Niveau.

Festliche Tanzeslust

Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Ensemble Mozarts „Linzer Sinfonie“ (KV 425). Das vielgestaltige und abwechslungsreiche sinfonische Werk wurde in mitreißender Frische geboten, wobei sowohl die sinnlich zelebrierten Momente (in der „Adagio“-Einleitung) und die festliche Tanzeslust (im „Menuett“) als auch der furios-temperamentvolle Jubelton (im finalen „Presto“) voll zur Geltung kamen. Mit solcher Musik kann der Frühling Einzug halten.

Eckehard Uhlig

Klangkörper präsentiert sich in Bestform

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim lässt zum Abschluss der Winter-Konzertreihe Sibelius und Mozart erklingen


Die Solistinnen Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begeistern das Publikum im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

Das Licht und Dunkel zwei Seiten einer Medaille sind, hat ein Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Uhlandbau in Mühlacker gezeigt.

Mühlacker. Der Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, Peter Wallinger, ist bekannt für seine intelligenten und durchdachten Programmzusammenstellungen, die stets einem übergeordneten Motto folgen.

Das Frühjahrskonzert, das gleichzeitig den Schlusspunkt der diesjährigen Winter-Konzertreihe markierte, trug die Überschrift „Licht und Dunkel“. Dies seien keine Gegensätze, sondern zwei sich ergänzende Seiten einer Medaille, sagte Dr. Christina Dollinger in ihrer gut besuchten Einführung vor dem Konzert. Nicht nur das Leben ist gefangen in dialektischen Wechselspielen, auch die Ausdrucksformen der Künste sind ohne Anspannung und Entspannung, Werden und Vergehen, Freude und Trauer nicht denkbar. In der abendländischen Musik spiegeln sich diese formstiftenden Parameter etwa in der Kadenz-Harmonik, der Dur-Moll-Tonalität und der Klangdynamik wider. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zeigte sich am Sonntag in Bestform.

Allem Anschein nach hatten sich die Musiker mit ihrem Dirigenten Peter Wallinger akribisch auf das Konzert, das mitgeschnitten wurde, vorbereitet. Als erstes Stück erklang „Der Schwan von Tuonela“ des finnischen Komponisten Jean Sibelius, der infolge seiner intensiven kompositorischen Auseinandersetzung mit den Heldensagen und dem Volksgut als Nationalkomponist Finnlands verehrt wird. Der Schwan, hinreißend auf dem Solo-Englischhorn vom Ensemble-Mitglied Andreas Vogel gespielt, lebt in Tuonela, dort, wo in der finnischen Mythologie die Hölle liegt. Das eher dunkel gehaltene Klanggemälde erhielt durch die singenden Streicher eine mystisch-weiche Färbung.

Deutlich heller wurde es im „Konzert für Flöte, Harfe und Orchester“ C-Dur KV 299, einem Juwel in Mozarts Schaffen. Die Aufführung des selten gespielten Werks wurde zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die Solistinnen Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begegneten sich musikalisch auf Augenhöhe. Im Mittelpunkt des technisch anspruchsvollen Doppelkonzerts steht das Zwiegespräch der beiden Soloinstrumente. Mehrere Kadenzen von sublimer Schönheit und virtuoser Eleganz eröffneten den beiden Künstlerinnen ausgiebig Gelegenheiten, ihr Können zu zeigen. Das Orchester begleitete dabei angemessen zurückhaltend und sensibel. Bei genauem Hinhören ist das Werk trotz sprühender Lebensfreude nicht heiter und gefällig in einem oberflächlichen Sinn. Mozart, der das Stück als Auftragswerk für einen Flöte spielenden französischen Aristokraten und seine Tochter komponiert hat, lässt „zwischen den Tönen“ durchaus erkennen, in welch verzweifelter Lage er sich 1778 in Paris befand. Diese Reise, auf der tragischerweise noch seine Mutter starb, führte zu keiner Anstellung und keinen nennenswerten Erfolgen. Guthy-Homolka und Bertrand erhielten langanhaltenden Applaus und gaben vor der Pause noch eine Zugabe.

Die „Linzer Sinfonie“ Mozarts aus dem Jahr 1783 war das stilistisch gut gelungene Abschlussstück des Konzerts. In dieser späten Sinfonie erweist sich das Genie Mozart als Meister subtiler, verborgener Nuancen, die es zu entdecken gilt. Inmitten strahlenden Lichts erklingen zweifelnde Töne, in den fragenden Überleitungen hemmen Synkopen einen allzu glatten melodischen Fluss und in kurzen Moll-Momenten verdunkelt Mozart die vermeintlich heile Welt. Yehudi Menuhin, der große Geiger, meinte einmal, niemand hätte so trauriges Dur und so heiteres Moll wie Mozart komponieren können. Tatsächlich hatte Mozart in seinen letzten Sinfonien, der „Linzer“, der „Prager“, der großen g-Moll-Sinfonie und der „Jupitersinfonie“ längst eine vollendete Meisterschaft erreicht. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Peter Wallinger spielte die „Linzer“ mit rasantem Schwung und großem Bogen, gleichzeitig detailverliebt, etwa bei der Herausarbeitung von Echostellen oder Überleitungen. Die rasenden Zweiunddreißigstel in den hohen Streichern jagten das halbstündige Werk zum strahlenden C-Dur-Schlussakkord. Der überaus herzliche Applaus am Ende zeigte, dass die mehr als zweihundert Zuhörer, die ihren Frühlingsspaziergang wegen des Konzerts verkürzt hatten, ihre Entscheidung nicht bereut haben.

Dietmar Bastian

Ein ungetrübtes Vergnügen

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt mit Solistinnen im Kronenzentrum


Sorgsam abschattierte Transparenz: Die Süddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum. Foto: Oliver Bürkle

Bietigheim-Bissingen. „Licht und Dunkel“, so hat Peter Wallinger das traditionelle Frühjahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) überschrieben. Viel Helligkeit und nur wenig Schatten war am Samstagabend im Kronensaal beim ersten der beiden Konzerte dieses ersten wirklichen Frühlingswochenendes zu verzeichnen. Anderntags wurde das Programm nochmals in Mühlacker gegeben. Ein Großteil des Abends war indes Mozart gewidmet – nachdem Verena Guthy-Homolka, die Solo-Flötistin der SKB, bei der letzten SKB-Zusammenarbeit mit der französisch-amerikanischen Harfenistin Anne-Sophie Bertrand dessen Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299) ins Gespräch gebracht hatte. Mit der 36. Sinfonie, die unter dem Beinamen „Linzer Sinfonie“ bekannt geworden ist, hat Wallinger eine Auswahl getroffen, mit der das glanzvolle Doppelkonzert von 1778 nicht nur den Komponisten, sondern auch die Tonart C-Dur teilt.

Für den Grafen de Guines, einen ambitionierten Amateurflötisten, und dessen Harfe spielende Tochter geschrieben, stellt es bezüglich der Harfenstimme mehr noch als spieltechnische Anforderungen, derer es freilich nicht mangelt. Der Part gilt als hochanspruchsvoll, meldet jedoch gleichzeitig gemeinhin mit dem Instrument verbundene Spielweisen wie Glissandi oder vollflächige Akkorde. Aufgrund dieser Ablehnung eines sich durch plakative Effekte legitimierenden Virtuosentums liegt die ungleich größere Herausforderung im Bereich der musikantischen Gestaltungsmöglichkeiten und Ausdrucksfähigkeit. Kurzum: Verhältnismäßig schwer zu spielen, bietet es dennoch vergleichsweise wenig Gelegenheit zu glänzen. Vor allem aber darf darüber – denn darin besteht, gerade bei Mozart, nahezu die ganze Kunst – die elegante Leichtigkeit dieser Musik nicht abhanden kommen. So hochkonzentriert wie gelöst nahm sich Bertrand dieser heiklen Aufgabe an.

Innige Klangschmelze trifft auf andächtige Stille

Insbesondere begeistere die ungeheuer klare Artikulation, mit der die Musikerin intonierte. Mit Guthy-Homolka stand ihr eine Solistin auf Augenhöhe zur Seite. Nicht so komplex, dafür häufiger als die Harfe in der Führungsrolle ihre Flötenstimme – in Guthy-Homolkas Legato flossen die Töne zu einer innigen Klangschmelze zusammen. Andächtige Stille herrschte im bedauerlicherweise nur mäßig besuchten Saal während der Flothuis-Kadenzen. Maßgeblich zum überaus gelungenen Eindruck, den diese Wiedergabe des Doppelkonzerts hinterlässt, hat auch Wallingers Interpretation mit der SKB beigetragen, sorgsam abschattierte Transparenz auf die fragile Harfenstimme. Das ungemein harmonische Duo der Solistinnen auf sich allein gestellt in der vom enthusiastischen Beifall erzwungenen Zugabe: Berückend gestaltete Melancholie, als mitten in Astor Piazzollas „Café 1930“ die Perspektive umbricht, aus Präsens im nächsten Takt schon Perfekt geworden ist. Der Abend dieses Tages, an dem der Frühling erwacht ist – Magnolienblüten öffnen sich, am Enzufer chillen Horden von Halbwüchsigen zu den neusten Cloud-Rap-Hits, Grillgut sei ausverkauft, hört man im Bus -, er war von ungetrübten vertrüben geprägt.

Welch exquisites Projektorchester Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat und im 35. Jahr ihres Bestehens leitet, in dieser Zeit geformt hat, davon legte bereits der Auftakt mit Jean Sibelius’ „Schwan von Tuonela“, dem zweiten Satz aus dessen „Lemminkäinen-Suite“ (Op. 22), Zeugnis ab, wundervoll das solistische Englischhorn von Andreas Vogel im Dialog mit Chihiro Saito, Stimmführerin der Celli (das Lotus String Quartet komplett in Reihen der SKB an diesem Abend). Ausgedehnte Horizontalität, dunkel grundiert, Paukengrollen knapp oberhalb der Hörschwelle. Gleich einem zarten Gesang der Ensembleklang, den Wallinger seinem Orchester dann im Kopfsatz der „Linzer Sinfonie“ entlockte. Lebendige, atmende Pausen und seine vielgestaltige Schlagtechnik weisen ihn als exzellenten, an Differenzierung und Kontrastbildung interessierten Klanggestalter von großem Formgefühl aus. Locker aus Handgelenk geschüttelt: die Stretta des Finales.

Harry Schmidt