04.04.2011
„Tête-à-tête“ zweier Hochkaräter
„Leider finden sich im Konzertleben viel zu selten zwei gleichrangige, hochkarätige Solisten für dieses einzigartige Kabinettstück“, schreibt ein Konzertführer, doch Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ präsentierten diese Rarität: Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur (KV 364) für Violine, Viola und Orchester. Das Werk war als Haupt- und Mittelstück des Saison-Abschlusses der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ am vergangenen Samstag in der Pauluskirche der Senderstadt zu hören – zusammen mit der Geigerin und Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters, Ursula Schoch, und dem Viola-Spieler Michael Gieler, der als Solobratschist ebenfalls Mitglied des Concertgebouw ist.
Ein eingespieltes „Tête-à-tête“ zweier Hochkaräter also, die in minutiöser gegenseitiger Feinabstimmung das Doppelkonzert als typischen Mozart ausgestalteten – heiter und fröhlich im Grundcharakter, mit eingeblendeten düsteren, abgründig dunklen Seiten.

In die prächtige, von Hörner- und Oboen-Klängen angereicherte Orchester-Einleitung mit den temperamentvollen Steigerungspassagen fügten sich die Solo-Streicher fast unmerklich ein und entfalteten, aus hoher Lage in ihre ersten Einzeleinsätze absteigend, ein farbenreich brillantes, sich einander ständig imitierendes Spiel. Bis dieser erste Satz („Allegro maestoso“) in eine technisch anspruchsvolle Solisten-Kadenz einmündete, die Mozart für beide Instrumente auskomponiert hat. Das folgende „Andante“ brachte tiefsinnig schwermütige Moll-Stimmungen in den zunächst vorherrschenden Optimismus ein, wobei die Solisten über einem durchdringenden Hörner-Halteton mit melodischer Intensität eine geradezu schmerzhafte Dissonanz ausformulierten. Das Finale bot die vergnüglich und virtuos musizierte, lebhafte „Presto“-Erlösung.
Eingerahmt wurde die bravouröse Mozart-Wiedergabe von Joseph Haydns Sinfonie Nr.6 D-Dur, genannt „Le Matin“, und von Igor Strawinskys „Pulcinella“-Suite für Orchester. Unter Wallingers motivierender Stabführung zeichnete Inspiration und Frische beide Interpretationen aus, so dass sich beim begeisterten Publikum konzertantes Vergnügen einstellte. Bei Haydn trumpfte das Ensemble insbesondere im Einleitungssatz mit munteren Bläser-Einwürfen auf und ließ den programmatischen morgendlichen Sonnenaufgang klangmalerisch nachempfinden, um im zweiten Satz der exzellenten Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi solistische Gelegenheiten für fein ausgearbeitete, getragene Melodiebögen zu bieten. In der lustigen Strawinsky-Komposition „Pulcinella“, die der zu allerhand Scherzen aufgelegten venezianischen Commedia dell’Arte-Figur alle Ehre macht, brillierten vor allem die ausgezeichneten Bläsergruppen und der Kontrabass des Bietigheimer Orchesters mit pfiffigen Brechungen, rhythmischen Sprüngen, burlesken Tänzen und brachial lärmenden Akzenten.
Eckehard Uhlig
Burlesker Spaß mit Mozart und Pulcinella
Großer Orchesterklang gepaart mit glanzvollen Instrumental- soli von Ursula Schoch und Mi- chael Gieler prägten das Kon- zert der Süddeutschen Kam- mersinfonie Bietigheim. Das Publikum im Kronenzentrum war hingerissen von der mit eleganter Finesse interpretier- ten Sinfonia Concertante in Es-Dur von Mozart und ande- ren Werken.
Die zum Soundtrack des legendären Mozart-Filmes „Amadeus“ gehörende Sinfonia Concertante ist ein Werk mit vielen Facetten. Das von Peter Wallinger dirigierte Orchester erfüllte den Konzertsaal zunächst mit spannungsreichen, raumgreifenden Klängen, bevor die beiden Solisten eine intensiv-melancholische Note hinzufügten. Die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Violinistin Ursula Schoch, die nach dem Abitur am Ellentalgymnasium in Köln Musik studierte und heute international gefragt ist, hatte an diesem Abend ein Heimspiel. Den Erwartungsdruck des Publikums erfüllte sie mühelos in einem hingebungsvollen Duett mit dem Österreicher Michael Gieler an der Viola. Den Mittelteil des berühmten Mozart- Werkes prägten die beiden Solisten mit Seelentiefe und treibender Virtuosität, bevor das Orchester mit einem übermütigen und rasanten Presto schloss.
Die Mozart-Komposition war aber nicht das einzige musikalische Erlebnis, das die renommierte Kammersinfonie unter dem Titel „Konzertantes Vergnügen“ kredenzte. Passend zu diesem sonnigen Wochenende beschrieb das Orchester in der Haydn-Sinfonie „Le Matin“ Morgenstimmung in vollendeter Schönheit. Getragen von den Streichern trillerten Flöten, Holzbläser und Hörner erwachten, die Natur präsentierte sich schließlich in ihrer ganzen Pracht. Besonders gefiel der fast schon intime Dialog von Fagott, Cello und Viola im Mittelteil.
Die Süddeutsche Kammersinfonie ist bekannt dafür, dass sie auch neue, ungewohnte Musik einem breiten Publikum näherbringt. Das gelang mit der Suite „Pulcinella“ von Igor Strawinsky, dessen eigenwillige Kompositionen in den 20er Jahren für Skandale sorgten. Die Suite begann mit kurzen Sequenzen von barocker Klarheit, entwickelte sich aber im weiteren Verlauf zu einem burlesken, theatralischen Geschehen. Kein Wunder, denn Pulcinella ist eine Figur aus der Commedia dell’Arte und so wurde die Suite immer mehr zum heiteren Spaß, der in einem komischen Dialog von Posaune und Kontrabass gipfelte. Die von Verfremdungen und Dissonanzen geprägte Suite setzte die Kammersinfonie der- art souverän und amüsant um, so dass deren Komplexität fast schon in den Hintergrund geriet.
Angelika Baumeister