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05.02.2013

Paolo mit der Sonnenbrille

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Musiktheaterstück für Kinder nach Motiven der Rossini-Oper „Das Aschenputtel“ in der Bietigheimer KelterGestern hatte in der Bietigheimer Kelter „Aschenputtel räumt auf“, ein Musiktheaterstück speziell für junges Publikum, Premiere. Die Fassung verbindet Rossinis Musik aus „La Cenerentola“ mit dem bekannten Märchen.

Einmal im Jahr lädt das Kulturamt der Stadt Bietigheim-Bissingen in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim Grundschüler zu einem Kinderkonzert in die Kelter ein. An drei Tagen führen bei sechs Vorführungen professionelle Musiker, Sänger und Schauspieler kindgerecht und mit viel Spaß in die Welt der Musik ein.
Dieses Mal steht mit Gioachino Rossinis „La Cenerentola“ ein Klassiker der Opernliteratur auf dem Programm: Die Geschichte vom schönen Aschenputtel, das im Hause des geizigen Vaters von den eifersüchtigen Stiefschwestern Clorinda und Tispe gegängelt wird, hat Rossini dereinst für ein großes Orchester verfasst. Im Musiktheaterstück „Aschenputtel räumt auf“ sehen die sechs- bis zehnjährigen Konzertbesucher dieser Tage eine pfiffige, lehrreiche und sehr unterhaltsame Bearbeitung für Harfe, Flöte und Fagott von Ulf-Guido Schäfer.
Als Erzähler fungiert ein glänzend aufgelegter Jörg Schade: Er spielt nicht nur den treuen Schlossgärtner Paolo, der mittels übergroßer bunter Legosteine im Handumdrehen neue Schauplätze gestaltet und immer einen Rat parat hat, sondern auch den herrschsüchtigen Schlossherrn Don Magnifico, Aschenputtels Vater: Die Stimme sonorer, der Rücken gerader, die Kopfbedeckung aristokratischer – fertig ist der despotische Herr Papa. Genauso flugs mutiert der Schauspieler dann wieder zum schlauen Gärtner, der das bezaubernde Aschenputtel auf den Ball begleiten will: Unter der großen Anteilnahme der Besucherschar zieht er sich ein schickes Westchen über, klaut der Harfenistin Marlene Angerer den Schal, der Flötistin Verena Guthy-Homolka eine Sonnenbrille, lässt sich vom Fagottisten Frank Lehmann bewundern und setzt seine Mütze verkehrt herum auf.
Diese Agilität gefällt den Grundschülern ebenso wie die atemberaubende Verwandlung des unscheinbaren Aschenputtels zur Ballkönigin: Als sich Aschenputtel (gespielt und gesungen von der bezaubernden Mezzosopranistin Maria-Rebecca Stöhr) auf der Flucht vor dem strengen Vater in die Zuschauerreihen begibt, wollen alle das schöne Mädchen neben sich sitzen haben.
Ein tolles Angebot, das das Kulturamt der Stadt Bietigheim-Bissingen und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger den Schulen des Kreises da machen: Grundschulkinder bekommen bei diesen Aufführungen nicht nur einen spielerischen und gleichzeitig sehr niveauvollen Zugang zu klassischen Werken, sondern dürfen sich aktiv in das Geschehen einbringen. Ein Konzept, das bei der ersten Aufführung am Montag Vormittag geradezu vorbildhaft aufging: Die Jungen und Mädchen der Grundschule Ludwigsburg-Pflugfelden erwiesen sich als konzentrierte und wache Zuhörer, die mit viel Spaß bei der Sache waren und mit Beifallsbekundungen nicht sparten.

Miriam Staudacher

Aschenputtel mit Lego und Arien

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Theaterstück von Jörg Schade und Franz-Georg Stähling begeistert mit Schlichtheit, Witz und klassischer Musik

Auf der Bühne sitzt ein schönes Fräulein im Ballkleid auf einer Kutsche aus überdimensionalen Legosteinen. 250 Kinder erzeugen im Publikum trommelnd laute Donnergeräusche und sorgen mit kleinen Wasserpistolen für Regenschauer. Auf Fagott, Harfe und Querflöte begleitet ein Musiktrio direkt neben dem ungewöhnlichen Bühnenbild das Geschehen mit klassischer Musik. Das Schauspiel in der Bietigheimer Kelter erinnert auf den ersten Blick kaum an einen Besuch in der Oper oder an das bekannte Märchen vom Aschenputtel.
Doch mit eben dieser Kombination aus Gioachino Rossinis „La Cenerentola“ und der bekannten Erzählung der Gebrüder Grimm begeistert das Musiktheaterstück „Aschenputtel räumt auf“ von Jörg Schade und Franz Georg Stähling nicht nur die kleinen Besucher. In Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger hat der Schauspieler, Autor und Regisseur Jörg Schade neben der Darbietung einer unterhaltsamen Show für Kinder ab sechs Jahren vor allem ein Ziel: „Ich möchte Kindern die Scheu vor der klassischen Musik nehmen, sie dafür begeistern“, so der Künstler aus Bad Pyrmont.
Und das gelingt dem Team seit 2004 mit so großem Erfolg, dass die Schülerkonzertreihe des Kulturamts Bietigheim-Bissingen dieses Jahr vom 4. bis 6. Februar sechsmal in der ausgebuchten Kelter vorgeführt wird. „Jörg Schade ist einfach ein kreativer Kopf und ein genialer Künstler“, so Peter Wallinger. In der Rolle des Schlossgärtners von Montefiasco führt Schade alias Paolo als Erzähler durch das Märchen und gestaltet die Kulisse mit nur zehn Legosteinen aus Schaumstoff immer wieder neu – so wird die Küche mit wenigen Handgriffen zum Schloss und dieses wiederum zur Kutsche. „Die Lego- steine kommen aus der Lebenswelt der Kinder und regen ihre Fantasie an“, kommentiert Schade seine ausgefallene Idee. Von Anfang an bezieht er das junge Theaterpublikum ins Geschehen ein, sorgt mit frechen Sprüchen und lustigen Kostümen für Lacher und führt die Kinder geschickt an die Musikwelt der Oper heran. So erfahren sie, dass der klare Klang des „Engelflügels“ von Harfenistin Marlene Angerer auf 47 Saiten und mit Pedalen erzeugt wird, die silberne Flöte von Verena Guthy-Homolka eine sogenannte Querflöte ist und das große Blasinstrument von Frank Lehmann nicht – wie in der Raterunde vermutet – als Trompete oder Saxofon, sondern als Fagott bezeichnet wird.
Schade schlüpft außerdem in die Rolle des geizigen Barons Don Magnifico, der gemeinsam mit seinen beiden verwöhnten Töchtern Clorinda und Tisbe zum Schloss des Fürsten Ramiro eingeladen wird. Einzig der dritten Tochter des Hauses wird der Gang zum Ball und damit die Chance auf eine Hochzeit mit dem Fürsten verwehrt. Nämlich dem Aschenputtel, gespielt von Mezzosopran-Sängerin Maria Rebekka Stöhr, die damit die harmonische Zwei-Mann-Show auf der Bühne komplettiert. „Es ist beeindruckend, wie einfach sie eine so fantasievolle Welt gestalten“, sagt Sabine Martz, die als Lehrerin der Grundschule Benningen jedes Jahr die Schülerkonzertreihe besucht. Mehr als zwei Akteure, das Musiktrio und die Lego-Kulisse braucht die Inszenierung auch nicht. Den Rest übernehmen die Schulkinder selbst. Sie sorgen für die gewünschte Wetterlage auf der Bühne und verstecken das Aschenputtel, nachdem dieses seinen Schuh auf dem Ball verloren hat. Sängerin Maria Rebekka Stöhr freut sich als Aschenputtel natürlich über ein glückliches Ende und sorgt mit einer finalen italienischen Arie für staunende Kinderaugen. „So einen Gesang habe ich noch nie gehört. Das war toll“, sagt die siebenjährige Mona strahlend.

Laura Wolf