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06.04.2009

Lauter strahlende Gesichter Jubel im Festkonzert der Süddeutschem Kammersinfonie Bietigheim

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Jubel beim Festkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Im ausverkauften Kronenzentrum feierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihr 25-jähriges Bestehen mit einem außergewöhnlichen und umjubelten Konzertprogramm.

Werke von Mozart, Schumann und Hans Georg Pflüger erklangen mit einer solchen Frische und musikalischem Können, dass erneut deutlich wurde, welch hervorragender Klangkörper in der Stadt beheimatet ist.

Unter dem obligatorischen Applaus betraten die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie die Bühne. Es folgte das ebenso bekannte Einstimmen, seltsam war nur, dass Dirigent Peter Wallinger dabei bereits seinen Taktstock schwenkte. Das sorgte für manch einen irritierten Blick ins Programmheft. Dort stand als erste Komposition des Abends Hans Georg Pflügers „Strahlende Pforte“ aus dem Jahre 1989. Anlässlich des zehnten Todestages des Künstlers, der in Bietigheim gelebt hat, erklang sein serielles Werk – und dieses beginnt tatsächlich bereits mit dem Einstimmvorgang.

Nahtlos setzte anschließend eine Geige nach der anderen ein, Töne wurden aufeinander gelagert, bis schließlich alle zwölf Halbtöne gleichzeitig erklangen. Frei atonal ist das Stück komponiert, Dissonanzen bestimmen es, der Instrumentenklang ist teils verfremdet. Das pathetische Hauptmotiv, an Filmmusik erinnernd, erscheint durch seine Wiederholung als verbindendes Element. Und der Titel „Strahlende Pforte“ ist laut Pflüger weder programmatisch noch apokalyptisch zu verstehen, sondern verweist auf die strahlenden Blechbläserklänge, die sich immer wieder über minimalistische Streicherrepetitionen erheben.

Nach diesem faszinierenden, klanggewaltigen Werk wurde es lieblich: Mozarts Violinkonzert Nummer 4 in D-Dur stand auf dem Programmzettel. Den Solopart hatte Ursula Schoch übernommen, eine Schülerin Peter Wallingers, die quase mit dem Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim aufgewachsen ist. Inzwischen spielt sie in Amsterdam im berühmten Concertgebouw-Orchester. Hingebungsvoll entlockte sie ihrer Geige die zauberhafte Mozartsche Leichtigkeit, die das Orchester gekonnt aufgriff. Beide sind langjährig vertraut und traten in einen fließenden Dialog. Bei ihren Solostellen ging Ursula Schoch recht energisch zur Sache, ohne an Virtuosität einzubüßen.

Nach der Pause präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie einen besonders frischen und temporeichen Schumann. Seine Sinfonie Nummer 4 in d-Moll ist eigentlich ein Jugendwerk. Schumann hat es später überarbeitet und geglättet, so Peter Wallinger, der die Urfassung mit ihren schnelleren Tempi genauestens studiert hat. Herausgekommen ist ein stürmischer, wilder, klangintensiver Schumann, eine entfesselte Musik von tiefem Ausdruck. Bekanntes immer wieder aufregend neu zu machen, lautet das Credo des Orchesters. Und das ist der Kammersinfonie mit ihrem Festkonzert erneut aufs Vortrefflichste gelungen.

Helga Spannhake

Sinfonisches Glück in vollen Zügen Peter Wallinger dirigierte das Festkonzert „25 Jahre Kammersinfonie“ in Mühlacker

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Auf ausgetretenen Pfaden wandelt Peter Wallingers „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“, die mit einem Festkonzert im Mühlacker Uhlandbau ihr 25-jähriges Bestehen feiern konnte, gewiss nicht. Das Eröffnungsstück des Bietigheimer Komponisten Hans Georg Pflüger (1944-1999) ist selten zu hören, bildete nicht nur wegen seines Titels „Strahlende Pforte“ einen sinnfälligen Konzert-Eingang und konfrontierte das überraschte Publikum mit freier Atonalität. Unmittelbar aus dem Stimmvorgang des Orchesters entwickelte sich über dissonant schrillen Streicherflächen assoziativ und aufwendig gestalteter Bläserklang. Trompeten-Akzente oder lärmende Tutti mündeten in ein mitreißendes Finale ein.

Dann erlebten die Zuhörer als ausgleichenden, wohltuenden Ohrenschmaus Wolfgang Amadeus Mozarts D-Dur-Konzert (KV 218) für Violine und Orchester. Und zwar mit einer hochkonzentriert aufspielenden Sologeigerin Ursula Schoch, die 1990 am Beginn ihrer Karriere als Debütantin bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen schon einmal mit diesem Werk des Salzburger Musikgiganten reüssierte. Seinerzeit überhäuften die Kritiker „die junge Nachwuchskünstlerin“ mit überschwänglichem Lob und attestierten „eine großartige, im Dienst der Musikalität stehende Technik und hohes Gestaltungsvermögen“. Dem ist auch heute wenig hinzuzufügen. Der Dialog mit dem Orchester im „Allegro“ zeichnete sich durch geschmeidige Flexibilität aus. Mit samtig voller Klangpracht strömte im Mittelsatz („Andante cantabile“) die innige Melodie wie sinnlich weicher Gesang. Die tänzerisch temperamentvollen Abschnitte im „Rondeau“-Finale wirkten ungemein frisch. Bemerkenswert fein ausgearbeitete Kadenzen und Spieleleganz kamen hinzu. In der Zugabe erfreute Schoch mit einem melancholisch-wehmütigen, zart ausgeführten Satz von Johann Sebastian Bach („Adagio“ aus der g-Moll-Violinsonate BWV 1001).

Nach der Pause kam die Stunde des (sowohl im Bläser- als auch im Streicherbereich deutlich verstärkten) Orchesters. Robert Schumanns Sinfonie Nr.4 (in d-Moll, op.120) stand auf dem Programm und wurde mit Klangschönheit und Verve gemeistert. Wobei ergänzt werden muss, dass der schwerflüssige Eindruck, der Zuweilen bei Wiedergaben von Schumanns Orchestermusik mit großen Philharmonien entsteht, in der Mühlacker Interpretation völlig vermieden wurde. Wallingers Deutung beeindruckte durch musikalische Geschlossenheit, durch Binnenspannung und hoch-fliegenden Schwung, war erfüllt von drängender, wogender Heftigkeit.

R. Uhlig

Ein glanzvolles Festkonzert Ursula Schoch und die Sueddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum

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Mozart, Schumann und Pflüger zum 25-jährigen Orchesterjubiläum: Peter Wallinger und seine glänzend aufgelegten Musiker beeindruckten am Freitag mit einer erlesenen Ensemblekultur im Kronenzentrum.

Sinnfälliger, als mit der im Jahr 1989 von der Stadt Bietigheim-Bissingen in Auftrag gegebenen Orchesterkomposition „Strahlende Pforte“ des vor zehn Jahren verstorbenen Hans Georg Pflüger, hätte das Fest- und Gedenkkonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie kaum eröffnet werden können.

Einer Aufmerksamkeit heischenden Ouvertüre gleich führte der ungemein packend aus dem Stimmvorgang des Orchesters heraus entstehende Beginn zu strahlenden Bläserklängen, die wie ein gewaltiges Portal den Blick freigaben auf opulente und elektrisierende, durch ein schwelgerisches Thema immer wieder voneinander abgesetzte Klang- und Rhythmuscollagen. Und auf das gesamte Konzert, das Peter Wallinger als hochsensiblen Klangarchitekten zeigte, der es im anschließenden, dynamisch und atmosphärisch sorgsam ausgeloteten Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 von Wolfgang Amadeus Mozart auf bewundernswerte Weise verstand, Ernstes und Heiteres sowie einen gewichtigen und leichten Tonfall miteinander zu verbinden.

Darin stand ihm die Solistin Ursula Schoch um nichts nach. Mit ihrer hervorragenden Grifftechnik, lupenreinen Intonation, mit ihrem klaren und schlanken, aber auch warmen und sehr empfindsamen Ton erwies sich die Geigerin bei ihrem Heimspiel als ernst zu nehmende Mozartspielerin. Erfreulich unprätentiös und sprachnah phrasierend ging sie das Werk an, ließ im Andante cantabile die weitgespannten Kantilenen in einem fein ausgehorchten Wechselspiel mit den Bläsern wunderschön fließend ausschwingen und überführte die Virtuosität der thematisch reichen Ecksätze in ein geschlossenes Gesamtbild voller Charme und Geschmeidigkeit. Es schien, als liebte sie jede Note dieser Musik, wenn auch die kompositorischen Finessen Mozarts im vielgliedrigen Finale – die wechselnden Tempi, Taktarten und Charaktere – von ihr und dem Orchester ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten. Die direkt anschließenden Grußworte von Oberbürgermeister Jürgen Kessing waren leider unglücklich platziert, beraubten sie doch Ursula Schoch der Chance einer möglichen Zugabe.

Als einen einzigen großen, nie abreißenden Spannungsbogen gestalteten Peter Wallinger und die Sueddeutsche Kammersinfonie schließlich Robert Schumanns Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120. Tatsächlich vermittelte die höchst drängende Lesart dieses Werks den Eindruck, als handle es sich bei den motivisch auf das Engste miteinander verknüpften und trotz Generalpausen ineinander übergehenden vier Sätzen um eine Fantasie. Es war eine Ohrenweide, wie mitreißend – trotz oder gerade wegen Peter Wallingers Ordnungssinn – das Fantastische und rastlos Fließende formuliert wurde, wie Poesie und stürmisches Drängen zwingend ineinander flossen und somit absolut instinktsicher der spezifische Schumann-Ton getroffen wurde, gipfelnd in dem fast schon dämonischen, aber klar und durchsichtig genommenen Taumel des Schlusssatzes.

Zweifellos ein großes Konzert, das gebührend gefeiert wurde, auch wenn der Wiedergabe der Schumann-Sinfonie die durchaus angemessenen stehenden Ovationen verwehrt blieben.

Christof Jetzschke