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06.12.2022

Gäste genießen Juwel der Konzertliteratur

Das Adventskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Mühlacker Uhlandbau beschert Musikliebhabern ein Wiedersehen mit dem Ausnahme-Klarinettisten Sebastian Manz. Berühmte Mozart-Melodie und andere Werke begeistern das Publikum.

Ausnahmekönner: Klarinettist Sebastian Manz trägt entscheidend zu einem hochkarätigen Adventskonzert im Mühlacker Uhlandbau bei. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Nur wenige Werke der Kunstmusik haben eine derartige Berühmtheit erlangt wie Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622. Um den 8. Oktober 1791 herum, kurz vor seinem frühen Tod, vollendete der geniale Österreicher diese durch und durch inspirierte Musik. Auf dem Programm des beliebten und sehr gut besuchten Adventskonzerts in der Reihe „Mühlacker Concerto“ stand neben Mozart ein Satz aus der Kammersinfonie Nr. 2 op. 147 von Mieczyslaw Weinberg sowie die jugendlich-frische Sinfonie Nr. 81 in G-Dur von Mozarts Vorbild, Gönner und engem Freund Joseph Haydn.

Freunde anspruchsvoller und interessanter Konzertprogramme freuen sich schon jetzt auf das Neujahrskonzert am 15. Januar im Uhlandbau. Seit einigen Jahren können die Besucherinnen und Besucher der Konzerte von Peter Wallinger beobachten, wie dieser seinen Sohn Simon, der inzwischen selbst zu einem hoch qualifizierten und versierten Musiker herangereift ist, zu seinem Stellvertreter (und irgendwann vielleicht Nachfolger?) aufbaut. So war es beim Konzert am zweiten Adventssonntag nur folgerichtig, dass der Kontrabassist, Pianist, Cembalist und Dirigent Simon Wallinger am Ende die Haydn-Sinfonie dirigierte.

Zu Beginn erklang also das vielleicht bekannteste Klarinettenkonzert der Konzertliteratur. Sebastian Manz bewältigte das dreisätzige Werk mit spielerischer Leichtigkeit und einer bis ins Letzte ausgereiften Technik. Der erste Satz begann schnell und mit einem dynamisch fein ausdifferenzierten Wechselspiel zwischen den Solo- und Tuttipassagen. Keine Details gingen verloren, auch in den gefürchteten Zweiunddreißigstel-Passagen nicht, und man konnte schöne Abstufungen der Dur- und Mollfarben genießen. Von unvergleichlicher Delikatesse und Anmut danach der zweite Satz Adagio. Nicht wenige Zuhörerinnen und Zuhörer mögen das Konzert besucht haben, nur um dieser unsterblichen, fast möchte man sagen: göttlich inspirierten, Musik zu lauschen. Zur weltweiten Bekanntheit dieser herrlichen Kantilenen dürfte zusätzlich beigetragen haben, dass in bekannten Kinofilmen – zum Beispiel „Jenseits von Afrika“ – genau diese Melodie mehrfach erscheint. Das abschließende Rondo Allegro, das noch immer einen Prüfstein für Soloklarinettisten darstellt, wurde virtuos wiedergegeben, mit logischem Formempfinden und in einem gewagt schnellen Tempo. Das Publikum war begeistert und ließ den Künstler nicht ohne Zugabe ziehen. Mit vier Solostreichern aus dem Orchester und Manz erklang das Adagio aus dem Klarinettenquintett KV 581, ebenfalls ein Spätwerk Mozarts.

Peter und Simon Wallinger möchten einen „projektübergreifenden Zyklus“ mit Werken des lange und völlig zu Unrecht vergessenen polnisch-jüdischen Komponisten Miesczyslaw Weinberg in Angriff nehmen. Als Einstimmung darauf spielte das Orchester gleich zweimal hintereinander einen Satz aus der 2. Kammersinfonie Weinbergs. Der Komponist, 1919 in Warschau geboren und 1996 in Moskau gestorben, hinterließ ein Mammutwerk, das es neu zu entdecken gilt. Der musikantische, rhythmisch-expressive Satz Moderato, der unmittelbar an die Klangsprache Schostakowitschs erinnerte, machte neugierig.

Als Finale erklang schließlich die Sinfonie Nr. 81 in G-Dur des fürstlichen Hofkapellmeisters zu Eisenstadt und Esterházy Joseph Haydn, ein frisches viersätziges Opus, das nicht geizt mit raffinierten, innovativen und virtuosen Impulsen für seine großen Nachfolger Mozart und Beethoven.

Die Süddeutsche Kammersinfonie war am Sonntag in bester Spiellaune, agierte hochkonzentriert und folgte jedem kleinen Hinweis des Taktstockes. Beim Dirigat des Wallinger-Sohnes fielen schlagtechnische Details auf, die dieser vom Vater übernommen haben dürfte. Ob Simon Wallinger auch beim Neujahrskonzert dirigieren wird?

Autor: Dr. Dietmar Bastian

Adventskonzert voll sprühender Lebensfreude

Adventskonzert mit Sebastian Manz und der Kammersinfonie.
Überwältigende Virtuosität trifft auf farbige Ausgestaltung.

Sein Spiel ist an Lockerheit, klanglicher Brillanz und Ausdruckskraft kaum zu überbieten: Sebastian Manz an der Klarinette. Foto: Tilo Keller

Mühlacker. Die Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622) ist ein Genuss. Gestochen scharfe Skalen, Wirbel und Töne wie Ausrufezeichen befeuern die temperamentvollen „Allegro“-Ecksätze. Sanft gleitende langsame Passagen zeichnen das „Adagio“ in der Konzertmitte aus.

Das Orchester begleitet einfühlsam und vorwärtsstrebend, mit Flöten, Fagotts und Hörnern an der Seite der Streicher. Man fragt sich, wie es Peter Wallinger, Konzertveranstalter und Chef der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim, immer wieder schafft, solch exzellente Instrumentalsolisten für seine Concerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau zu gewinnen.

Auf gleicher Wellenlänge

Diesmal musiziert beim traditionellen Adventskonzert Wallingers Kammersinfonie zusammen mit Sebastian Manz – in der Region wohlbekannt und im Uhlandbau nach mehrfachen Auftritten fast schon ein Residenz-Klarinettist. Sein Spiel ist an Lockerheit, klanglicher Brillanz und Ausdruckskraft kaum zu überbieten.

Offensichtlich versteht er sich (nicht nur) musikalisch mit Wallinger am Dirigentenpult und dessen Orchesterensemble ausgezeichnet. Auch wenn Manz die Zusammenarbeit mit großen Sinfonieorchestern gewohnt ist, musiziert man im Uhlandbau-Kammerformat auf gleicher Wellenlänge. Was die Orchestermitglieder zu inspirieren scheint, denn sie wachsen hochmotiviert über sich hinaus. Die erwähnten Ecksätze sprühen nur so von musikantischer Lebensfreude, und der verinnerlichte Mittelsatz entfaltet über dem zurückgenommenen Orchesterklang herrlichen Sologesang. Nichts fehlt: Auf der einen Seite die überwältigende Virtuosität des Solisten, auf der anderen eine originell-kreative, farbig-orchestrale Ausgestaltung mit kurz innehaltenden Ruhepausen, Steigerungen und Tempo-Forcierungen.

Bezaubernde Klangpoesie

Um die Liebeserklärung Mozarts an die Klarinette noch zu ergänzen, gibt’s als Zugabe einen weich pulsierenden Satz aus dem Klarinetten-Quintett A-Dur (KV 581) des Wiener Klassikers. Dabei spielt Manz zusammen mit Konzertmeisterin Swantje Asche-Tauscher (erste Violine), Andrea Langenbacher (zweite Violine), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello). Auch das erfreut die Zuhörer mit bezaubernder Klangpoesie.

Nach der Konzertpause folgten im ausverkauften Uhlandbau zwei weitere besondere Konzerterlebnisse. Wallinger interpretierte mit seinem Ensemble aus Mieczyslaw Weinbergs Kammersinfonie Nr. 2 (op. 147) das „Moderato“ – eine eigenwillig zarte, rhythmisch betonte, teils auch dissonant „mit vorgehaltener Hand sprechende Musik“ – so Simon Wallinger, der den Lebensweg des weitgehend unbekannten, 1919 bis 1996 lebenden jüdisch-polnischen Komponisten erläuterte und einen Weinberg-Zyklus in der Mühlacker Concerto-Reihe ankündigte. Das kurze Stück wurde wiederholt und wirkte in der energischen Repetition noch eindrucksvoller.

Wächst im ausverkauften Uhlandbau über sich hinaus: die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: Tilo Keller

Simon Wallinger übernimmt

Danach wechselte die Stabführung am Dirigenten-Pult. Peter Wallingers Sohn Simon übernahm die Leitung der Aufführung von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 G-Dur (Hob I:1). Sein tadelloses Dirigat sorgte für eine serenadenhafte, in den schnellen Sätzen stürmische Wiedergabe der gefälligen Komposition. Sollte es einmal zu einer Übergabe von Peter Wallingers Kammersinfonie und seiner erfolgreichen Musik-Veranstaltungen kommen, wäre sein Werk in guten Nachfolger-Händen.

Autor: Eckehard Uhlig

Das Neujahrskonzert 2023 findet statt am Sonntag, 15. Januar, zur Matinee um 11 Uhr im Uhlandbau Mühlacker statt. Es spielt die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Gemeinsam mit den Solisten aus dem Orchester und Sprecher Johann-Michael Schneider versprechen die Veranstalter Unterhaltsames und Anregendes in Wort und Ton. Weitere Infos und Karten im Internet auf www.muehlacker-klassik.de und www.sueddeutsche-kammersinfonie.de.