08.07.2026
Musikalische Höhenflüge in der Frauenkirche Lienzingen

Foto von privat
Mühlacker-Lienzingen. Eine bunte Sommerliche Serenade bot die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ am Sonntag als dritte Matinee des diesjährigen „Musikalischen Sommers“ in Lienzingen.
Zwei unterschiedliche Solokonzerte – das eine aus Italien, das andere aus Schweden – standen auf dem Programm neben zwei Orchesterwerken, die ebenfalls den Süden und hohen Norden Europas repräsentierten.
Gleich zu Beginn begeisterte Simon Wallinger mit Bottesinis Concertino für Kontrabass und Orchester in der Originaltonart c-moll und auf einem Drei-Saiter ohne Bass-Saite, wie vom Komponisten zugunsten eines helleren, brillanteren Klanges gefordert. Tatsächlich bewältigte er die halsbrecherischen Passagen mit Doppelgriffen und rasanten Läufen bis in allerhöchste Regionen dermaßen souverän, brachte aber sein Instrument v.a. im langsamen Mittelsatz auch so betörend schön zum Singen, dass man nur staunen konnte über die ungeheuer breite Klangpalette des vermeintlich schwerfälligen Bass-Instrumentes.
In eine ganz andere Klangwelt verführten Maryana Osipova und Dmitry Hahalin als Solisten in Kurt Atterbergs Suite für Violine, Viola und Orchester. Eingebettet in nordisch gefärbte Klangteppiche erhoben sich traumhafte Kantilenen der Violine und dunkelsatte Bratschentöne, mal im innigen Dialog, mal im tänzerischen Überschwang. Eine hübsche Entdeckung des hierzulande wenig bekannten Werkes in einer überzeugenden Interpretation der beiden Mitglieder des Eliot-Quartetts.
Hugo Wolfs „Italienische Serenade“ führte äußerst lebhaft wieder in das quirlig bunte Treiben des Südens. Gewichtige, solistische Dialoge zwischen Violoncello und Viola brachten den Wirbel der Instrumente für kurze Momente zum Stillstand – und das amüsierte Publikum zum Schmunzeln. Ganz hervorragend meisterte das Orchester das in allen Stimmen recht anspruchsvolle Stück unter der Stabführung von Simon Wallinger.
Eine weitere Entdeckung aus Skandinavien gab es nach der Pause mit „Vier Spielmanns-Porträts aus Finnland“, betitelt mit dem Zungenbrecher „Pelimannimuotokuvia“, von Pehr Hendrik Nordgren. Gespickt mit vielen originellen Klangeffekten und mancherlei Anklängen an die ganz eigene finnische Folklore reihen sich die abwechslungsreichen Szenarien. In der ersten, mit „Saitenhupfer“ überschriebenen Szene dominieren verschiedene Pizzikato-Effekte. Der „Grübler“ im zweiten Bild versinkt über Flageolett-Geflimmer und langgezogenen Kantilenen von Violine und Viola in seiner Schwermut. Und im „Menuett des alten Mannes“ ertönt klangschön der sonore Gesang der Solo-Bratsche. Ausgelassene Spielfreude dann in der vierten Szene „Des Spielmanns Lieblingsstück“, wo der Übermut überbordend in allerhand schrägen Tönen ausartete und das Publikum zu stürmischem Beifall hinriss. Dass das Orchester hierbei im Stehen spielte, unterstrich das kollegiale Miteinander der Musiker, in das sich auch die Solisten wie selbstverständlich einreihten und das die ganze Matinee belebend durchzog.
Autor: pw