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09.07.2025

Mozart mit Charme, Saint-Saëns mit Feuer

Meistergeigerin Ursula Schoch beim Musikalischen Sommer in Lienzingen

Unter der Leitung von Peter Wallinger entsteht ein inspiriertes Zusammenspiel zwischen Orchester und Solistin – Musikgenuss auf höchstem Niveau. Foto: Henkel

Lienzingen. Wenn Ursula Schoch nach Lienzingen zum „Musikalischen Sommer“ kommt, um mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim zu musizieren, sind Glanzlichter angesagt. Die mit Wallinger befreundete Konzertmeisterin am Concertgebouw-Orchester Amsterdam ist eben eine brillante Ausnahme-Geigerin. Ihr Spiel ist elegant, leicht und locker. Ihr Violinton je nach Werksituation lyrisch zart oder vollmundig rund, überaus klar und klangschön in allen Lagen. Ihre makellose Technik wirkt geradezu selbstverständlich.

Schochs neuerlicher Auftritt bei der sommerlichen Matinee in der Frauenkirche am Sonntag war sehr unterschiedlichen Komponisten gewidmet. Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert in B-Dur (KV 207), das erste von fünf Konzerten für Geige und Orchester, die Mozart aus Anlass seiner Anstellung als Konzertmeister der Salzburger Fürstbischöflichen Hofkapelle 1775 komponiert hat, begeisterte in der Lienzinger Wiedergabe mit einem sehr flott und rhythmisch akzentreich gespielten Eröffnungs-Allegro, feinem solistischen Violingesang mit stimmungsvoll verträumten Melodielinien im Adagio und glanzvollen Höhen im finalen Presto. Unter Wallingers Leitung agierte die Kammersinfonie sehr aufmerksam, die orchestralen Dialoge mit der Solovioline wurden einfühlsam ausgeführt. Man versteht sich eben, da bleibt für Solistin und Dirigent sogar Zeit für Momente gegenseitig lächelnder Aufmunterung.

Brilliert mit feinem Geigenton: Ursula Schoch. Foto: Eva Filitz

Das eigentliche solistisch-konzertante Ereignis aber war die Interpretation von „Introduktion & Rondo Capriccioso“ von Camille Saint-Saëns. Nach der dunkel verhangenen, melancholischen Einleitung war im launigen Rondo eine Bravour mit solistisch funkelnden Geigen-Passagen zu erleben, mit rasanten Läufen, Doppelgriff-Passagen, Ricochets und was sonst noch alles zum virtuosen Meisterhandwerk gehört. Ursula Schoch musizierte sensationell.

Zusätzlich hatten Wallinger und sein Ensemble heitere Orchesterstücke im Programm. Mozarts Divertimento B-Dur (KV 137), das zu den „Salzburger Sinfonien“ gezählt wird, leuchtete mit singendem Melos, wobei die Klangcharaktere der drei Sätze deutlich herausgestellt wurden. Mozarts Fantasie f-Moll (KV 594), ursprünglich für eine mechanische Orgel geschrieben, walzte sehr breit daher. Und Offenbachs selten aufgeführte Serenade C-Dur (nach op. 34) überraschte mit einem feinfühligen, teils von den Stimmführern ausgeführten Mittelsatz und leidenschaftlich-heftigem Orchester-Finale. Solche musikalisch begleiteten Sommertage bereichern Gemüt und Seele.

Autor: Eckehard Uhlig

Heitere Sommer-Serenade mit Stargeigerin

Klassikreihe in der Lienzinger Frauenkirche: Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger und die Solistin Ursula Schoch beglücken ihr Publikum in einer zauberhaften Matinee mit Werken von Mozart, Offenbach und Saint-Saëns.

Geigerin Ursula Schoch und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim beim Konzert in der Frauenkirche. Foto: Bastian

Mühlacker-Lienzingen. Es war ein sommerleichtes Programm, das Peter Wallinger für die Serenade am Sonntagvormittag zusammengestellt hatte. In der ersten Hälfte erklangen drei Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, nach der Pause Werke von Jacques Offenbach und Camille Saint-Saëns. Mit dabei die fabelhafte Geigerin Ursula Schoch, mit der Wallinger seit 30 Jahren eng verbunden ist.

In der Kunst erweist sich das vermeintlich Leichte am Ende als das wirklich Schwere. Mozart ist das beste Beispiel dafür. Hier hört man buchstäblich alles: jede Verzögerung oder Verlängerung, jede Unebenheit, etwa bei Trillern, und jeden falschen Ton, mag er auch noch so nebensächlich erscheinen. Und tatsächlich hatten die 16 Streicherinnen und Streicher der Kammersinfonie beim Divertimento B-Dur KV 137 und der für Streichinstrumente bearbeiteten Fantasie f-Moll KV 594 an einigen Stellen Mühe, alles auf einen Punkt zu bringen.

Und dann änderte sich alles fast schlagartig. Das selten gespielte Violinkonzert B-Dur KV 207, ein durch und durch positives, freundliches Werk, geriet unter den Händen der herausragenden Ursula Schoch zu einem herrlichen Sommervergnügen. Ihre Energie und Spiellust inspirierten spontan ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Schoch, die als gefragte Solistin weltweit unterwegs ist und als Konzertmeisterin im Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam wirkt, betont die großen Bögen, ohne dabei Details zu vernachlässigen. Wunderbar gelingen Tutti-Solo-Abstufungen und drei federleicht herausgespielte Kadenzen mit sensiblen Forte-Piano-Schattierungen und anspruchsvollen Doppelgriffen. Im zweiten Satz Adagio klingt ihre Violine von Guadagnini aus dem Jahr 1755 silbern, um beim Schlusssatz Presto dann mächtig aufzutrumpfen. Die fünf Geigenkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart darf man mit Fug und Recht als Therapeutikum für das menschliche Gemüt bezeichnen.

Nach der Pause blieb der „Flow“ weiterhin spürbar. Die 16 Geigen, Bratschen, Celli und der Kontrabass hatten ihre Freude an der feinnervigen Serenade C-Dur von Jacques Offenbach. Peter Wallinger arbeitete zielstrebig die Höhepunkte in den schnellen Ecksätzen heraus und trieb seine Kammersinfonie einer strahlenden Schlussapotheose entgegen.

Am Ende erklang dann noch ein musikalischer Leckerbissen: „Introduktion und Rondo Capriccioso“ opus 28 für Violine und Orchester aus der Feder des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns. Dieser hat ein derart suggestives Rondo-Thema gefunden, das man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt, so sehr man sich auch bemühen mag. Ursula Schoch scheint das Stück auf den Leib beziehungsweise auf ihre Guadagnini geschneidert zu sein. Elegant stuft sie die Couplet-Teile gegenüber dem Rondo-Thema ab. Während das Orchester das Thema übernimmt, lässt sie sich auf waghalsige Umspielungen ein. Sie kann es sich leisten, denn ihre Technik ist schlichtweg superb. Bei der Stretta gibt es kein Halten mehr. Da ist der „point of no return“ längst überschritten.

Viel Applaus für eine exzellente Geigerin und ein Orchester, das gegen Ende über sich hinausgewachsen ist. Und einmal mehr die dankbare Feststellung, dass ohne das visionäre Engagement Peter Wallingers niemals so große Musik in der Lienzinger Frauenkirche erklingen würde.

Autor: Dr. Dietmar Bastian