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10.12.2019

Mozarts Musik in besten Händen

  • von

Elisabeth Brauß brilliert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim


Müheloses und schlankes Spiel: Die Pianistin Elisabeth Brauß.
Foto: Alfred Drossel

BIETIGHEIM-BISSINGEN. „Italianità“ hieß der rote Faden im Programm der diesjährigen Adventskonzerte der Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB). Obwohl Rossini als einziger italienischer Komponist den Spielplan zierte, gelten sowohl Mozarts 21. Klavierkonzert als auch Schuberts 3. Sinfonie, die Peter Wallinger in Kombination dazu ausgewählt hatte, ebenfalls als von den milden Lüften des Südens angewehte Kompositionen. Und tatsächlich bot der Samstagabend im Kronensaal – das Konzert wurde tags darauf im Uhlandbau in Mühlacker wiederholt – ein nahezu vollkommen ungetrübtes Hörvergnügen, voller Leichtigkeit und Lebensfreude.

Hörvergnügen, voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Maßgeblichen Anteil daran hatte die junge Pianistin Elisabeth Brauß, die als Solistin Mozarts Klavierkonzert in C-Dur (KV 467) zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließ. Faszinierend, mit welcher Unbeschwertheit die 24- Jährige das in der langen Einleitung dreifach vorgestellte orchestrale Hauptthema im Kopfsatz des Konzerts aufnahm, das den von Mozart in den beiden vorangegangenen Werken dieser Gattung entwickelten Typus des sinfonischen Klavierkonzerts im Jahr 1785 weiter ausformulierte. Hochvirtuos, aber gänzlich frei von überschwänglicher Emphase, vielmehr von einer dahin fließenden Empfindsamkeit geprägt, in feinsten klanglichen Nuancen die sensible Balance haltend, wie sie sich in der folgenden Soloexposition und der zentralen Durchführung vom Orchester emanzipierte. Makellos die Darbietung auch im Andante, das als Filmmusik in „Elvira Madigan“ (1967) große Popularität erlangte und diesem Klavierkonzert den gleichlautenden Beinamen eintrug. Fulminant schließlich das Finalrondo des Allegro vivace – ungemein mühelo und schlank präsentierte Brauß die die Drehungen und Wendungen des Ritornells. Auch hier glänzte sie mit einer eigenen Kadenz. Kein Zweifel: Mozarts empfindliche Musik ist bei Brauß in besten Händen.

Ebenso exzellent die orchestrale Einbettung durch Wallinger und die SKB. Hier stimmte die Chemie. Besser bekommt man das auch in größeren Sälen größerer Städte nicht zu Gehör. Für den euphorischen Applaus und zahlreiche Bravorufe bedankte sich die wunderbare Interpretin mit einer tonal passenden c-Moll-Sonate von Scarlatti. Bereits zuvor hatte Wallinger mit der in 36-köp-figer Besetzung angetretenen, von Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi angeführten und erneut vor allem im Register der Violinen deutlich verjüngten SKB die Beredtheit der Opernmusik in Rossinis Ouvertüre zu dessen 1812 uraufgeführter einaktiger Farce „La scala di seta“ bravourös auf den Punkt gebracht.

Beeindruckend auch die differenzierte Gestaltung der vier Sätze in Schubert Sinfonie Nr. 3 in D-Dur (D 200) von 1815, in der Wallinger minuziös die Kontraste der Binnendynamik herausarbeitete, gleichzeitig aber auch die Spannkraft der rhythmischen Impulse nicht vernachlässigte. Gerade die temperamentvolle Tarantella im Finale ist dafür verantwortlich, dass diese Sinfonie auch als „Die Italienische“ bekannt wurde. Neben dem Trainer, Pardon: Dirigenten, war hier ganz klar das Team, sprich das Ensemble, der Star, Spieler des Spiels, um im Bild zu bleiben, war, wie bereits bei Rossini: Solo-Oboist Michele Batuni.

Harry Schmidt

Sternstunde im Uhlandbau

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Adventskonzert der Süddeutscher Kammersinfonie Bietigheim mit Elisabeth Brauß begeistert das Publikum in Mühlacker


Die Finger perlen über die Tasten des Flügels und erzählen Geschichten. Elisabeth Brauß, deren Karriere gerade erst beginnt, zieht das Publikum im Uhlandbau in Mühlacker mit ihrem Spiel bis zur letzten Note in den Bann. Foto: Fotomoment

Exzellent vorbereitet und hellwach hat sich die Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger im Uhlandbau präsentiert. Orchester und Pianistin Elisabeth Brauß agierten als zupackend musizierende Einheit, die das Publikum vom ersten Takt an mitriss.

Mühlacker. Der Konzertabend der Kammersinfonie konkurrierte am Sonntag mit Weihnachtsmärkten, Weihnachtsfeiern und anderen weihnachtlichen Veranstaltungen. Wer trotz dieses Angebots den Weg in den Uhlandbau gefunden hatte, konnte sich zu seiner vortrefflichen Wahl beglückwünschen. Mit der Ouvertüre aus der Oper „Die seidene Leiter“ des italienischen Komponisten Giacomo Rossini eröffnete Peter Wallinger den Abend. Frisch und zugleich geheimnisvoll, dann wieder keck und lebendig, legten Dirigent und Kammersinfonie den Grundcharakter der verzwickten Liebesoper mit einem Augenzwinkern dar. Mit seinem runden, geschmeidigen Klang und seiner mitreißenden Interpretation zauberte das Orchester mit Leichtigkeit und Temperament ein Stück italienischer Operntradition in den Uhlandbau. Die auf die Stimmen verteilten halsbrecherischen Figuren gelangen mühelos und absolut sauber.

Nach der gelungenen Ouvertüre folgte eines der beliebtesten Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart, das in C-Dur KV 467, das Wallinger in angenehmem und nicht zu schnellem Tempo nahm. Vielmehr ließ er mit Nachdruck und Entschlossenheit spielen, gab dabei aber zugleich dem typischen Mozart Raum. Orchester, Solistin und Dirigent bildeten eine Gemeinschaft, die als Ganzes funktionierte, mit offenen Ohren aufeinander hörte und reagierte. Die Finger der Solopianistin Elisabeth Brauß perlten über die Tasten des Flügels und entlockten ihm Töne, die ganze Geschichten erzählten. In der Kadenz zeigte die 1995 geborene Brauß, wie gut sie mit dem Flügel umzugehen weiß und wie fein ihre Anschlagtechnik ist. Fast schien es, als würde Brauß nicht nur das Publikum faszinieren, sondern auch ihre Orchesterpartner völlig in ihren Bann ziehen. Miteinander verwoben und verwachsen schienen sie, ergänzten sich und fächerten sich auf wie eine bunte Choreographie aus Tönen. Mit höchster Achtsamkeit reagierten das Orchester und Wallinger auf die junge Pianistin, sodass auch kleine motivische Ausdeutungen möglich wurden, die dem zweiten Satz des Werkes liebevolles Leben einhauchten. Kraftvoll und verspielt erklang der dritte Satz.

Auch hier zeigte Brauß ihre für ihre junge Karriere eindrucksvolle Klasse und Eleganz, indem sie hörbar ihrem eigenen Gefühl für die Musik vertraute und ihre eigene Interpretation der Mozart’schen Musik selbstbewusst und mit großer Freude darbot. Das Publikum zeigte sich begeistert und wollte eine Zugabe hören, die Brauß gerne gewährte. Passend zum zweiten Advent gab Brauß die Sonate E-Dur von Domenico Scarlatti in einer wohltuend versöhnlichen und poetischen Version.

Nach der Pause erklang ein weiterer Leckerbissen, der zugleich den Bogen zur Ouvertüre des Anfangs schloss. Franz Schuberts Sinfonie in D-Dur D200 mag auf den ersten Blick unterschätzt werden, hat sie der 18-jährige Schubert doch 1815 für ein Liebhaberorchester komponiert. Die Kammersinfonie aber bot sie als Hörgenuss dar, fein differenziert und mit kluger Ausleuchtung der dann doch nicht so simplen Motivik und Thematik. Wallinger ließ das Orchester auch mal laufen, in der Sicherheit, dass es vor lauter Begeisterung nicht davonstürmen wird. An diesem Abend bildeten die Musiker einen kompakten Klangkörper, in dem jeder Einzelne zur Summe des Ganzen sein Bestes beisteuerte. Und so wechselten sich elegant dramatische und energische Passagen mit tänzerisch neckischen ab. Entspannt, aber leichtfüßig, tönte der zweite Satz, zwischendurch immer wieder verträumt, während der dritte wieder mit deutlich mehr Nachdruck erschien, aber mit ebenso großer Lust und Freude musiziert war. Der vierte Satz, ein fulminantes Presto vivace, spannte nun endgültig den Bogen zur frisch-kecken Ouvertüre Rossinis. Dem Publikum blieb nur, sich zurückzulehnen, zu genießen und sich von den mitreißenden Klängen umhüllen zu lassen. Zu Recht spendete das Publikum großen Beifall zu einem außergewöhnlichen Konzertabend.

Irene Schallhorn