13.01.2026
Musikalische Eleganz und große Gefühle
Besinnliches Matinee-Konzert der sueddeutschen kammersinfonie im Uhlandbau

Mühlacker. Ein glanzvoller Höhepunkt begeisterte beim Neujahrskonzert von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau die Zuhörer: Ohne Imponiergehabe, aber mit wunderbarer Klarheit und unprätentiöser Virtuosität musizierte die junge Geigerin Maryana Osipova und präsentierte Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert d-Moll mit schlankem Ton geradezu freudig beschwingt. Das Frühwerk des dreizehnjährigen Wunderknaben leuchtete im Kopfsatz mit einem rhythmischen Motiv, das an Johann Sebastian Bach erinnerte, berührte im Andante mit dem lyrischen Zauber getragener Violin-Soli und mündete tänzerisch rasant in das finale Allegro ein. Das Orchester begleitete unter Wallingers Leitung mit kammermusikalisch federnder Agilität.
Erstaunlich, wie es dem Veranstalter der Mühlacker „Concerto“-Reihe Peter Wallinger immer wieder gelingt, Künstlerpersönlichkeiten von Format zu engagieren. Neben der mehrfachen Wettbewerbs-Preisträgerin Osipova konnte auch die Sopranistin Juliane Brittain brillieren. Ihre Interpretation von vier Liedern aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ (in einer Bearbeitung für Streichinstrumente von Simon Wallinger) ließ in unaufdringlicher Symbiose von Orchester und Singstimme mit elegisch-wehmütigem Tonfall und weich gebundenem Legato die ergreifende Dunkelheit dieser Musik und Verse von Wilhelm Müller aufscheinen. Zugleich schmerzlich und fröhlich verspielt drehte sich „Die Wetterfahne“ im Wind. „Gefrorene Tränen“ gestalteten im Gesang den Kontrast von eiskaltem Morgentau und heiß zerschmelzendem Winter-Eis. Das Lied „Frühlingstraum“ schwelgte in bunten Blumen. Ein musikalisch-sanglicher Drehwurm umkreiste mit dunklem Leitmotiv in den Streicherbässen schlussendlich den düsteren „Leiermann“.

Und da war noch ein dritter Künstler von Rang an der „musikalisch-literarischen Winterreise“ – so das Konzertmotto – mit Beiträgen beteiligt. Der Schauspieler Frank Albrecht sorgte in der sonntäglichen Matinee mit sinnfälligen Moderationen zu den „Winterreise“-Texten für eine feine Balance von „Schwere und Leichtigkeit, Krise und Hoffnung“. Seine Rezitation des Hermann Hesse-Gedichtes „Stufen“ gipfelte in der letzten Verszeile als Therapeutikum: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“.
Tänze und Romanzen
Kurze Konzertstücke fügten sich gefällig in die Programm-Vielfalt. Zwei muntere „Deutsche Tänze“ (aus D 90) von Schubert leiteten das Neujahrskonzert ein. Auch die Romanze C-Dur (op. 42) von Jean Sibelius, einem Komponisten, für den Wallinger ein Faible besitzt, durfte nicht fehlen. Und Peter Tschaikowskys „Barkaole“ aus dessen „Jahreszeiten“ (op. 37a) mit dem Wellenschlag eines venezianischen Gondel-Liedes sowie Antonio Vivaldis „Winter“ als Zugabe würdigten die Jahreszeit.
Mit Freude und herzlichem Applaus dankte das Publikum im voll besetzten Uhlandbau-Saal für den besinnlichen Start ins neue Jahr.
Autor: Eckehard Uhlig
Winterklänge voller Farben und Emotionen
Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnet das Jahr mit einem Neujahrskonzert voller musikalischer Wärme und feiner Kontraste. Solistinnen setzen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente und begeistern das Publikum im Uhlandbau.

Mühlacker. Vor etwa 150 Besucherinnen und Besuchern hat am Sonntagvormittag die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger im Uhlandbau ein Neujahrskonzert gestaltet, das seinem Anspruch voll gerecht wurde.
Von Beginn an überzeugten Orchester und Solistinnen gleichermaßen. Das Ensemble präsentierte sich in bestechender Form – klanglich ausgewogen, aufmerksam und mit feinem Gespür für Farben und Stimmungen –, während die Solistinnen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente setzten. Schauspieler Frank Albrecht führte mit lebhafter Darstellung durch das Programm und stimmte das Publikum auf die musikalische Reise ein. Mit textlichen Erläuterungen verband er Musik und Wort zu einem stimmigen Gesamterlebnis, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen. Franz Schuberts „Deutsche Tänze“ (D 90) eröffneten das Programm im Saal mit einer angenehmen Mischung aus heiterer Leichtigkeit und Charme. Die kurzen Stücke wirkten wie kleine musikalische Szenen: mal beschwingt, mal etwas nachdenklicher, aber klar und eingängig. Das Kammerorchester spielte diese Miniaturen mit viel Gefühl für Rhythmus und Klang, sodass die Musik dadurch frisch und sehr zugänglich wirkte.

Einen reizvollen Gegenpol bildeten vier Lieder aus Schuberts „Winterreise“, die in einer Fassung für Streichensembles von Simon Wallinger erklangen. Die Auswahl – „Wetterfahne“, „Gefrorne Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ – bündelte in kurzer Form die prägenden Stimmungen des berühmten Zyklus’.
Bekannte Schubert-Lieder
auf neue Art interpretiert.
Viele kennen die „Winterreise“ vor allem in der klassischen Besetzung für Tenor oder Bariton mit Klavier, doch Schubert schrieb keine feste Stimmlage vor. Wie sehr der Zyklus reine Ausdruckskunst ist, zeigte Sopranistin Juliane Brittain eindrucksvoll: Mit klarer Tongebung und nuancierter Gestaltung traf sie die musikalischen Schattierungen präzise, ohne je zu überzeichnen. Die gelungene Bearbeitung für Streicher eröffnete zusätzlich einen frischen Blick auf die bekannten Lieder, die Musik gewann eine kammermusikalische Nähe, die dem Charakter der „Winterreise“ ausgesprochen gut stand. Das Orchester musizierte homogen und mit klar gezeichnetem Ton – und schuf einen tragenden Rahmen für die Stimme.
Einen Ruhepunkt setzte Jean Sibelius’ „Romanze C-Dur“ (op. 42). Mit warmem, innigem Ton entfaltete sich der typisch nordische Charakter des Werkes: eine Mischung aus stiller Melancholie und weiten Klangräumen. Das Orchester ließ diese Atmosphäre mit großer Sensibilität entstehen und schuf einen sanften Klangteppich, der die lyrische Grundhaltung des Stücks eindrucksvoll hervorhob. Mit der Barkarole aus Peter I. Tschaikowskys „Jahreszeiten“ (op. 37a) öffnete sich der musikalische Horizont noch einmal spürbar. Die Komposition mit ihrem ruhigen, schaukelnden Fluss entfaltete eine Atmosphäre wie beim Blick auf eine sommerliche Wasserlandschaft: warm, weit und von träumerischer Leichtigkeit durchzogen. Das Orchester nahm diesen Charakter sensibel auf und gab dem Programm eine zusätzliche Nuance.
Den krönenden Abschluss bildete Felix Mendelssohn Bartholdys „Violinkonzert d-Moll“, ein Werk voller jugendlicher Energie, virtuoser Brillanz und melodischer Schönheit. Maryana Osipova, Primgeigerin des renommierten Eliot-Quartetts, stellte sich dieser anspruchsvollen Partitur mit beeindruckender Souveränität. Ihre Technik wirkte mühelos, doch nie selbstzweckhaft. Besonders im lyrischen Mittelsatz zeigte sie große Ausdruckstiefe, während das Finale mit seiner sprühenden Lebendigkeit und rhythmischen Präzision begeisterte. Das Orchester reagierte aufmerksam und flexibel, so dass ein lebendiger Dialog entstand, den Peter Wallinger mit sicherem Gespür für Balance und Dramaturgie leitete.
Der langanhaltende Schlussapplaus zeigte, wie stark dieser musikalische Jahresauftakt beim Publikum ankam – ein Konzert, das einen bleibenden Eindruck hinterließ. Als Zugabe erklang das Largo aus Vivaldis „Winter“. Mit dem gelungenen Neujahrskonzert setzte die Kammersinfonie gleich ein Zeichen für die neue Saison: künstlerisch anspruchsvoll, aber immer nah am Publikum. Unterstützt wurde das Konzert von der Initiative „MühlackerConcerto“.
Autor: Manfred Müller