14.07.2009
Feenzauber und Affensprünge Glanzvolles Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Sachsenheimer Kulturhaus
Nach der Musikschulveranstaltung musste am vergangenen Samstag auch die jährliche Sommerserenade der Süddeutschen Kammersinfonie aus dem Schlosshof ins Kulturhaus verlegt werden.
Die Verlegung erwies sich nachträglich jedoch als Glücksfall. Das 17-köpfige Kammer-Streichorchester spielte nämlich ein so delikates Programm aus Werken vom Frühbarock bis zur Moderne, dass sich die Saiten der Instrumente in der feucht-warmen Abendluft wohl zu rasch verstimmt hätten. Besonders die beiden Hauptsolisten, der japanische Kontrabassist Michinori Bunya und die ebenfalls aus Japan stammende Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi mit ihrer kostbaren Violine, hätten ihre Vorträge nicht so lupenrein und virtuos meistern können, wie dies in nahezu phänomenaler Weise geschah.
Auch das technisch und musikalisch überzeugende, hervorragende Spiel des Orchesters auf Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabass hätte in freier Lust wohl kaum so homogen und zugleich differenziert wirken können. Entsprechend positiv beeindruckte das Konzert unter Peter Wallingers präzisem und temperamentvollem Dirigat im Ausweichort, dem Großsachsenheimer Kulturhaus. Es war ein Hochgenuss, die melodiös, virtuos und stilgerecht dargebotenen Werke der vier gespielten Komponisten zu genießen und dabei zu verinnerlichen.
Die fünf wichtigsten Sätze aus der Musik des englischen Barockmeisters Henry Purcell zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ eröffneten das Konzert. Straff-dynamisch gestrichen, erklang das Prelude, im beschwingten Dreivierteltakt folgte das Rondeau und dann erfreuten drei Charaktertänze die Zuhörer: Flirrend huschten die Feen musikalisch vorüber, Affensprünge wurden punktiert nachgeahmt und im Stil einer Chaconne wurden Chinesen als damals beliebte Exoten angedeutet. Bereits der Vortrag dieser Musik zeigte die Korrektheit und zugleich Schönheit des Kammersinfonie-Spiels.
Danach strich, griff und zupfte als „Knüller“ des Abends Michinori Bunya seinen Kontrabass als Solist und Partner des Orchesterklangs. Tempo und Virtuosität der linken und rechten Hand, grandiose Dynamik, natürliche und künstliche Flageoletts bis zur Höhe des Klanges von Violinsaiten, Glissandi und vieles mehr erlebte man in zwei Werken des Italieners Giovanni Bottesini, der als Super-Kontrabassist wirkte und neue Techniken für dieses große Instrument erfand. Tosender, kaum endender Beifall regte den Solisten in Sachsenheim zu einer kontrastierenden Zugabe an.
Die elegische Melodie „Herzwunden“ des Norwegers Edvard Grieg war das orchestrale Gegenstück zum Bottesini-Wirbel und ließ alle Streichergruppen elegant erklingen. Auch Puccinis „Chrysanthemen“-Gesang mit Anklängen an dessen Opernstil blieb trotz vieler Besonderheiten des Spiels überwiegend zart.
So blieb es Konzertmeisterin Kobayashi vorbehalten, die südamerikanische Variante der „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi, die der argentinische Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla (1921-1992) mit folkloristischem Anklang komponierte, rasant in den Sätzen „Sommer in Buenos Aires“ und „Herbst“ explosionsartig und trotzdem edel als Solistin zu markieren. Das Orchester folgte ihr in allen Nuancen der Interpretation und ließ sich von Peter Wallinger zum glanzvollen Konzertfinale führen.
Helmut Müller
Leidenschaftlich umarmt Ohrenschmaus in der Frauenkirche – Kontrabassist begeistert
Der Sommerzeit angepasst, präsentierten Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntagvormittag im Rahmen des „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche ein Programm mit farbenfrohen musikalischen Nuancen vom Barock bis ins 20. Jahrhundert, von Britannien bis Argentinien.
Von Henry Purcell, dem englischen Barockmeister, führte das bestechend rein und hell klingende Streichorchester, vor dem sich Orchesterleiter Peter Wallinger einmal mehr als sensibler Klangzauberer erwies, fünf Teile aus der Musik zu „The Fairy Queen“ (Die Feenkönigin) nach Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf. Schwebend leichte, wohlige Streicherbrillanz breitete sich in der Frauenkirche aus, wobei die tänzerisch leichten, auch mal burlesken Elemente ebenso feinstimmig herausgehoben wurden wie die lyrischen. Auch für dieses Konzert war es Peter Wallinger gelungen, einen herausragenden Solisten zu gewinnen. An seinem Kontrabass, den er während seines Spiels geradezu leidenschaftlich zu umarmen schien, entfaltete Michinori Bunya träumerische, seelenvolle und warme Klangfülle. Damit dokumentierte der heute als Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Würzburg tätige gebürtige Japaner, dass dieses Instrument alles andere als nur ein sonor brummendes Streichinstrument ist.

Michinori Bunya ließ bei der Gestaltung der Melodie Nummer eins in e-moll von Giovanni Bottessini, einem italienischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, seinen Kontrabass förmlich singen. Auch im „Allegro di Concerto alla Mendelssohn“ von demselben Komponisten bestach der Solist mit samtweichem Bogenstrich. Die Kammersinfonie begleitete Michinori Bunya mit impulsivem und glutvollem Spiel.
Zum Abschluss des ersten Teils des Konzerts in der Frauenkirche erklang noch „Herzwunden“ aus den „Elegischen Melodien“, Opus 34, von Edvard Grieg, überaus zart und verklärt als eine wahre Delikatesse für die Ohren.
Von empfindungsreicher Melodik war auch die Komposition „Chrysanthemen“ für Streicher von Giacomo Puccini geprägt. Dieses eindrucksvolle Werk erlebte durch das hoch qualifizierte Streichorchester unter der Leitung von Peter Wallinger eine Aufführung in romantischer Stimmung.
Der argentinische Komponist Astor Piazzolla fügte in seinem Zyklus „Vier Jahreszeiten“ gelegentlich Zitate aus dem gleichnamigen Werk von Antonio Vivaldi ein, verwandelte aber derartige Motive nachdrücklich, indem er sie mit dem Klangkolorit seiner lateinamerikanischen Heimat vermengte. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim führte daraus zwei Sätze auf. Dabei übernahm die Konzertmeisterin des Orchesters, Sachiko Kobayashi, den Solopart auf der Violine. Zunächst symbolisierte die quirlige Bewegtheit der Komposition die Lebensfreude in der sommerlichen Metropole. Dagegen traten im folgenden Satz „Herbst“ meditative Klänge auf, die eine eher gedämpfte Stimmung widerspiegelten. Doch stets war vibrierender Rhythmus das treibende Element, mit dem ein expressiver Ausdruck entstand. Die Solistin an der Violine, Sachiko Kobayashi, die auch Mitglied des erst kürzlich in Lienzingen aufgetretenen Lotos-Streichquartetts ist, führte ihre Soli mit Temperament und eindrucksvoller Virtuosität aus und wurde dabei vom Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger bravourös begleitet.
Rudolf Wesner