14.07.2015
Ausnahmekönner im Schlosshof
Ein besserer Ort für ein Kammer- konzert als der idyllische Innenhof des Sachsenheimer Wasserschlos- ses ist kaum vorstellbar. Am Sams- tagabend trat der großartige Klari- nettist Sebastian Manz dort gemein- sam mit der Süddeutschen Kam- mersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger auf und sorgte für begeisterten Jubel.

Sebastian Manz gilt als einer der besten Klarinettisten der jüngeren Generation. Der 1986 in Hannover geborene Sohn der Pianisten Wolfgang Manz und Julia Goldstein ist auch der Enkel des legendären russischen Geigers Boris Goldstein. Die Musik sog er somit schon mit der Muttermilch auf. Im Laufe der Zeit erreichte er drch hartes Arbeiten und viel Talent einen legendären Ruf als begabter Jungklarinettist.
Das nahezu ausverkaufte Konzert in Sachsenheim begann mit Mozart. Das Divertimento B-Dur KV 137 stimmte sanft und fließend in einen unvergesslichen Sommerabend ein. Die etwa 15 Männer und Frauen des Kammerorchesters waren bestens aufeinander abgestimmt, beherrschten ihre Stücke perfekt und boten zusammen mit ihrem Dirigenten Peter Wallinger, der unter anderem bei Srgiu Gelibidache studiert hatte, eine glanzvolle Hächstleistung.
Beim Klarinettenkonzert B-Dur von Cari Maria von Weber zeigte sich Sebastian Manz, der im Stehen musizierte und dem die Freude beim Spielen des gefühlvollen Stückes ins Gesicht geschrieben stand. Manz musizierte oft mit geschlossenen Augen, konzentriert und voller Leidenschaft. Fröhliche, lebhafte Töne wechselten sich mit sanften und melancholischen Partien ab. Das Orchester harmonierte hervorragend mit dem jungen Klarinettisten und unterstrich sein Können auf ganz besondere Weise.
Othmar Schoecks „Sommernacht“ war ein musikalischer Leckerbissen, den sich die zahlreichen Kammerkonzertfreunde mit Genuss auf der Zunge zergehen ließen. Dem mit Hingabe spielenden Musiker gelang es innerhlab kürzester Zeit, das Publikum weit weg vom Alltag mit auf mit auf ein musikalische Reise zu führen. Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonie Nr. 10 h-moll bildete den vorläufigen Abschluss eines Konzerts der Extraklasse. Die Töne erinnerten an Schwalben, die in einer Sommernacht ausschwirrten, um ihresgleichen zu suchen.
Hatte sich das Publikum bis dahin diszipliniert zurückgenommen, so brach nach diesem Stück frenetischer Jubel aus. Berührend zu sehen, wie sich der Dirigent Peter Wallinger und der Klarinettist Sebastian Manz kurz in den Armen lagen. Als Zugabe kamen die Gäste in den genuss von Heinrich Koseg Baermanns Adagio Des-Dur, das für die damals üblichen Klarinetten mit fünf Klappen geschrieben wurde. Heutzutage verfügen die meisten Klarinetten über 24 Klappen. Zunächst schrieb man das Werk wegen der angeblich typischen Klangfarbe Wagner zu und erkannte erst später, dass Baermann es geschrieben hatt. Das wunderschön gespielte Stück endete in einem leisen Ausklang und ließ bei den Zuschauern angenehme Gefühle zurück. Mit einem Werk von Strawinsky wurde das Publikum für den üppigen Applaus belohnt. Impressionen an einen Hirten, der seine Schafe hütet und nebenher die Natur beobachtet, wurden geweckt.
Nach dem Konzert zeigte Sebastian Manz noch Präsenz, lächelte, unterhielt sich mit Musikinteressierten und bewies damit, dass er nicht nur ein hoch talentierter Klarinettist ist, sondern auch ein richtig sympatischer Mensch.
Angelika Tiefenbacher
Klarinette auf Vogeljagd
Sebastian Manz begeistert in der Lienzinger Frauenkirche.

Mühlacker-Lienzingen. Zahlreich erschienen die Zuhörer zur Matinee am Sonntag in der Frauenkirche in Lienzingen. Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ eröffneten das sommerliche Konzert mit Mozarts Divertimento KV 137. Runde, volle Klänge erfüllten den Kirchenraum, und die gut aufeinander abgestimmte Kammersinfonie folgte wachsam den dezenten Vorgaben ihres Dirigenten Wallinger. Frisch und lebhaft spielten sie zum zweiten Satz auf, warfen sich die musikalischen Motive wie imaginäre Bälle zu und hatten sichtbar Freude daran, miteinander zu spielen. Der dritte Satz geriet dann gar zu einem sommerlichen Tanz. Federnd erklang die Musik und wiegend bewegten sich die Tanzpartner in den dahin getupften Sommerfarben.
Ein Moment der Ruhe – dann erschien Sebastian Manz. Ein Mann mit einem verschmitzten Lächeln und strahlenden Augen, der auf Anhieb sympathisch wirkte. Wenige Takte Vorspiel des Weberschen Klarinettenkonzerts füllten den Raum, dann erklang ein unglaublich feiner, reiner Klarinettenton, der die ganze Kirche in noch wärmeres, goldeneres Licht tauchte. Manz spielte sein Instrument auf natürlichste Weise, sehr klar und stellte sich dabei doch nicht in den Vordergrund. Er nahm die Kammersinfonie Wallingers mit und übertrug seine unbändige Lust an der Musik auf das Orchester und das Publikum. Gemeinsam trieben sich die Musiker zu Höhenflügen an, die das Publikum zum berechtigten Zwischenapplaus hinriss. Manz faszinierte durch seine äußerst lebendige Spielweise, sein Instrument fügte sich nur allzu willig seinen Fingern. Trotzdem blieb dem Virtuosen die Zeit, mit Dirigent Wallinger und der Konzertmeisterin Sachiko Kobayshi in Kontakt zu bleiben, sich mit kleinen Gesten abzusprechen und das Konzert dadurch zu einem Gesamtkunstwerk gelingen zu lassen. Der letzte Satz geriet dann gar zu einem furiosen Ritt über Sommerwiesen, die noch mit frischem Morgentau überzogen waren – ein wahrer Genuss für alle Zuhörer, die nach Lienzingen in die Kirche gekommen waren.
Das Adagio Des-Dur von Heinrich Josef Baermann sollte, so Manz in seiner kurzen Ansprache, eigentlich die Zugabe sein. Er erklärte auch, dass das Werk wegen seines eigenwilligen, melodramatischen, harmonisch extravaganten Mittelteils irrtümlich Richard Wagner zugeschrieben wurde. Nachdem die Ohren durch den Experten so angespitzt waren, war es natürlich ein leichtes, den in wunderbarerer Weise vorgetragenen Beweis dann auch zu hören.
Als Zugabe spielte Manz, nicht unvorbereitet wie er augenzwinkernd zugab, zwei Kompositionen aus den Klarinettenstücken von Igor Strawinsky. Unprätentiös und ganz der Musik dienend ließ er die Hirtenmelodie erklingen und erzählte schelmisch von der Katze auf morgendlicher Vogeljagd. Manz’ Art zu spielen beseelte seine Klarinette und ließ sie lebendig werden. Die Kammersinfonie gestaltete den zweiten Teil des Konzerts im Alleingang. Othmar Schoecks „Sommernacht“, dem das gleichnamige Gedicht von Gottfried Keller zugrunde liegt, katapultierte die Zuhörer mühelos in eine sternklare Sommernacht und ließ die schwere und zugleich leichte Arbeit auf dem Feld spürbar werden. Chihiro Saito spielte das Solocello beruhigend schön, bevor die Burschen wie die Musik heimlich in den Sommermorgen entflohen. Zum Abschluss der fulminanten Matinee erklang die engagiert vorgetragene Streichersinfonie Nr. 10 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dem Konzert einen runden Ausklang gab.
Irene Schallhorn