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15.01.19

Klassiker der Musikgeschichte

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Klassik Die „sueddeutsche kammersinfonie“ präsentierte in der Bietigheimer Kelter ein Neujahrskonzert.

Bietigheim-Bissingen. Am Sonntagabend ereignete sich ein klangvolles „Wintermärchen“ in der Kelter in der Bietigheimer Altstadt. Die „süddeutsche kammersinfonie“ präsentierte dort das traditionelle Neujahreskonzert 2019 unter der künstlerischen Leitung von Peter Wallinger. Das 17-köpfige Streichorchester mit Percussion präsentierte Klassiker der Musikgeschichte, die sich zwischen 1700 und 2000 ereigneten, vor rund 120 Besuchern.

Das Konzert begann mit dem dritten Brandenburgischem Konzert von Johann Sebastian Bach. Textlich unterstrichen wurde das musikalische Programm von Dr. Hatto Zeidler, Bildhauer und Autor aus Maulbronn. Er lieferte Hintergrundinformationen zu den Künstlern und trug freie Texte und Literatur der Zeitgeschichte vor. „Man muss sich vorstellen; die sechs Brandenburgischen Konzerte Bachs brauchten zwei Jahre bis zu ihrer Fertigstellung. Zu jener Zeit hatte Bach sechs kleine Kinder und vermutlich nie seine Ruhe“, berichtete Sprecher Zeidler. Humorvoll und informativ gestaltete der ehemalige Hochschulprofessor das literarische Programm des Abends.

Anschließend stellte das Orchester „Fratres“ (estländisch: Brüder) den Zeitgenossen Arvo Pärt vor. Laut Zeidler habe Pärt sich sehr für die russisch-orthodoxe Kirche und die gregorianischen Gesänge interessiert und diese in seine musikalischen Werke einfließen lassen. In dem speziellen Werk verbergen sich viele Akzente der gregorianischen Musik. Vor allem der starke Bass ließ das Stück in der kalten Akustik der rustikalen Kelter sehr mystisch und düster klinken. „Wenn all das, was heute als Schnee fallen würde, dann hätten wir gewiss ein Wintermärchen“, scherzte der Sprecher.

Das dritte Werk trug den Namen „Erinnerungen an den vergangenen Frühling“ von Evard Grieg. Sich bei dem regnerischen Wetter von Sonntag an die warmen Frühlingssonne und die erblühende Landschaft zu erinnern, fiel bei den musikalischen Meisterwerken, die die Kammersinfonie vorstellte, nicht schwer. Die Streicher harmonierten, die neun Violinen, drei Violas, drei Violoncellos zusammen mit Kontrabass und Percussion-Elementen begeisterten dem lautstarken Applaus nach zu urteilen das Publikum in hohem Maß.

Katalanisches Weihnachtslied

Nach einer kurzen Pause begann Solistin Chihiro Saito, mir ihrem Violoncello in Solos zu zaubern: Mit Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ zog sie das Publikum in den Bann ihrer Musik. Chihiro Saito studierte unter anderem in Tokio an der University of fine Arts and Music und in Stuttgart in der Solistenklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik. Sie gewann als Solocellistin und als Mitglied des Weltweit konzertierenden „Lotus String Quartets“ mehrfach Preise in verschiedenen Ländern. „Frau Saito und auch unsere Solo- Violonistin Frau Kobayashi sind bereits seit vielen Jahren in unserer Kammersinfonie. Sie sind in jeder Hinsicht eine Bereicherung für unser Orchester“, schwärmte Gründer und künstlerischer Leiter Peter Wallinger. Das zweite Solo-Stück, das Chihiro Saito mit ihrem Violoncello vortrug, war Pablo Casels „El cant dels ocells“ (katalanisch: Der Gesang der Vögel). „Das katalanische Weihnachtslied handelt von 30 verschiedenen Vögeln, die die Geburt Christi besingen und ihm Glückwünsche aussprechen. Für dieses Meisterwerk imitierte Casels die verschiedenen Vögel und vereinte sie mit den Klängen seines Violoncellos“, erklärte Hatto Zeidler.

Das Streichorchester beschloss sein Konzert mit Mozarts sechster Serenade „serenata notturna“, in der Violinistin Sachiko Kobayashi ein bezauberndes Solo zum Besten gab. Nach dem lautstarken Applaus spielte die Kammersinfonie noch eine Zugabe.

Vivien Staib

Konzert spannt Bogen von Estland bis Spanien

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die Cellistin Chihiro Saito verzaubern ihr Publikum im Uhlandbau


Beeindruckender Auftritt: Solistin Chihiro Saito am Violoncello. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ hatte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zu ihrem Neujahrskonzert am Sonntag in den Uhlandbau eingeladen. Am Pult stand Peter Wallinger, der künstlerische Leiter, der vor 35 Jahren diesen Klangkörper gegründet hat.

Dieser Ruf verpflichtet, und so wurden die Erwartungen der rund 160 Musikfreunde auch nicht enttäuscht. Fast zwei Stunden erfreuten die mit großer Spielfreude aufspielenden Streicher, Trommler und ein Paukist ihre Zuhörer mit einem „Wintermärchen“. Und wahrlich märchenhaft schön gestaltete sich das äußerst abwechslungsreiche, mit vielen Überraschungen gespickte Programm.

Brücken zwischen den einzelnen Vorträgen baute Dr. Hatto Zeidler, der sich als Sprecher vorstellte und mit „Reflexionen“ über Leben und Werke der Komponisten und mit passender Lyrik von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner das Publikum erfreute.

Weit hatte Wallinger den Bogen gespannt von Johann Sebastian Bach mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 als Auftakt bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart, der mit der Serenade Nr. 6 D-Dur berauschende Schlussakkorde setzte.

Die musikalische Reise begann im sächsischen Köthen, wo Bach seine sechs Brandenburgischen Konzerte schrieb. Die Musiker präsentierten schwungvolle barocke Prachtentfaltung mit der Wiedergabe des Dritten. Der Kontrast könnte kaum größer sein als mit Arvo Pärts – einem estländischen Komponisten – „Fratres“, mit Anklängen an mittelalterlich-gregorianische Klostergesänge. Romantisch gestimmt erinnerte dann der Norweger Edvard Grieg an den letzten Frühling, und mit einer kurzen Romanze des finnischen Komponisten Jan Sibelius endet der erste Teil.

Nach der Pause ein Sprung zu dem Katalanen Pablo Casals und seinem Gesang der Vögel, einem Weihnachtslied. 32 verschiedene Vögel begrüßen Christus in der Krippe. Endstation war Wien mit der „Serenata notturna“ von Mozart, die sich als musikalisches Kleinod erwies, folgte man der Interpretation der Kammersinfoniker.

Variantenreich spielten die Musiker auf: Geigen, Bratschen und Celli lieferten sich sprühend vor Lust einen Wettstreit, Töne schienen hin und her zu fliegen, strebten mit Crescendi einem Höhepunkt zu. Und als ob sich ein Knoten gelöst hätte, vereinten sich alle Instrumente in Harmonie. Lebhaft bis furios, mit großer Klangfülle gestalteten die Musiker die so unterschiedlichen Werke. Da fielen Claves-Töne wie zarte Tropfen, hauchzarter Streichklang betörte, verhalten war eine Trommel zu hören – eine bewegende Klangfülle in einem Auf und Ab der Gefühle. Spiritualität war spürbar, Sehnsüchte wurden geweckt, Zarte Töne weiteten sich wie Sonnenstrahlen, die durch das Geäst der gerade erblühenden Bäume drängten. Die kurze Romanze C-Dur von Sibelius entließ die begeisterten Zuhörer in die Pause.

Im zweiten Teil war die Cellistin Chihiro Saito der Star auf der Bühne. Mit samtenem Strich, gefühlvoll interpretiert erklang das Andante Cantabile von Tschaikowsky, sehr einfühlsam vom Orchester begleitet. Cantabile verlangte der Komponist – und ihr Cello sang, zum Dahinschmelzen schön. Von Casals Vögeln gab sie dem Buchfinken eine Stimme, federleicht und beschwingt. Saito ist eine vielfach preisgekrönte Cellistin, Mitglied des Lotus String Quartetts und seit vielen Jahren schon Solistin der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.

Zum Schluss des Konzertes gab es nochmals einen Höhepunkt: Die Serenata notturna hat Mozart für zwei Violinen solo, Viola solo, Kontrabass solo, Pauken und Orchester geschrieben. Eine ungewöhnliche Besetzung, fast wie zwei Orchester in einem Stück: Einmal trumpfen die Solisten auf, dann wieder alle Streicher gemeinsam. Reizvolle Gegensätze tun sich auf, wenn nur Pauken und Pizzicati zu hören sind oder die Solisten allein spielen. Marsch, Menuett und Rondo-Allegretto bestimmen die lebhaften Tempi. Mit großer Hingabe und Spielfreude bis zu den letzten Takten agierten die Musiker und ihr Dirigent. Sie alle hatten Kammermusik vom Allerfeinsten geboten.

Eva Filitz

Neujahrskonzert wird zur Sternstunde

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Gleich dreimal präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende ihr „Wintermärchen“, eines davon in der heimischen Kelter


Im Mittelpunkt: SKB-Mitglied und Solo-Cellistin Chihiro Saito. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Außerordentliches Vergnügen bereitete das Neujahreskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) bereits auf dem Papier: Angekündigt war ein „Wintermärchen“ mit Bach, Mozart, Grieg, Tschaikowsky, dazu Sibelius, Pärt und „El cant dels ocells“, ein katalanisches Weihnachtslied, das Pablo Casals weltbekannt gemacht hat – vielversprechender kann ein Programm für solch einen Anlass kaum klingen. Davon, dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, nicht nur hochinteressante, ausgesprochen durchdachte Spielpläne zu konzipieren versteht, sondern diese mit einer sich verjüngenden SKB – das Projektorchester besteht aus professionellen Musikern sowie engagierten Studierenden und wird für jeden fünf bis sechs Konzertblöcke neu zusammengestellt – auch auf die Bühne zu bringen weiß, konnten sich am Sonntagabend rund 160 Besucher in der Bietigheimer Kelter überzeugen. Mit einer überaus gelungenen Aufführung, der dritten innerhalb von 20 Stunden – zuvor im Bürgersaal des Murrer Rathauses sowie vormittags in Mühlacker – wurden die hohen Erwartungen nicht nur eingelöst, sondern stellenweise noch übertroffen: In ihrer Mittelstellung zwischen Kammermusikensemble und Sinfonieorchester hat sich Wallingers Formation im Lauf der Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet, aber nur selten gelingt eine derart befriedigende, von lediglich minimalen Ungenauigkeiten nahezu unbehelligte Darbietung.

Quicklebendig und beschwingt bereits der Auftakt mit Bachs 3. Brandenburgischem Konzert (BWV 1048), in dem Wallinger ein straffes Tempo vorgab, brillant und wendig realisiert durch eine blutjunge SKB. Was Bach durch die Permutation von Motivketten erreichte, steuerte der lettische Komponist Arvo Pärt rund 250 Jahre später mittels einer eigenen Kompositionstechnik names „Tintinnabuli“ an, die aus der Beschäftigung mit gregorianischen Gesängen herrührt: In seiner Kontemplativen Anmutung steht sein Werk „Fratres“ zwar in einem formalen Kontrast zu Bachs Kontrapunktstil, nimmt jedoch gleichermaßen auf eine tief empfundene Spiritualität Bezug. Wie ein Refrain kehrt zwischen den hypnotisierenden Streicherflächen ein Element wieder, der Puls einer Trommel und einer Clave. Nicht gleichermaßen zwingend waren die Moderationsbeiträge von Hatto Zeidler, der zwar interessante Hintergründe und passende Gedichte von Rilke, Kästner und Schwab beisteuerte, aber unnötigerweise auch die Form eitlen, überheblichen Altherren-Dünkels transportierte, der für die Überalterung des Publikums klassischer Konzertveranstaltungen mitverantwortlich ist.

Edward Griegs „Varen“, zu Deutsch „Letzter Frühling“, entstammt den 1881 veröffentlichten „Zwei elegischen Melodien“ (Op. 34) – die SKB begeisterte mit einer empfindsamen Wiedergabe dieser hochromantischen Literatur. Exzellent musiziert auch die Romanze in C-Dur (Op. 42) des finnischen Komponisten Jean Sibelius, uraufgeführt 1904 in Turku: Ausgezeichnet das Fugato der Streichergruppen, gekonnt verwaltet Wallinger hier Sinfonik auf engstem Raum. Dennoch warteten die Höhepunkte jenseits der Pause. Lernte man in Chihiro Saito, Cellistin des renommierten Lotus String Quartets und seit vielen Jahren in der SKB, bereits in Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ für Violoncello und Streicher eine einfühlsame Solistin kennen (bemerkenswert die Leichtigkeit, mit der sich ihr lyrisches Legato vom Orchester löste), geriet ihre Interpretation von „El cant dels ocells“ („Der Gesang der Vögel“) schlicht und einfach ergreifend. Ein Neujahrskonzert als Sternstunde.

Harry Schmidt