19.01.2016
Musiker laden Zuhörer zu Winterreise ein
Süddeutsche Kammersinfonie und eine herausragende Bratschistin begeistern das Publikum

Ein erfrischender Klangkörper, eine herausragende Bratschistin und zwei sprachgewandte Vortragskünstler haben am Sonntag mit mehr als 150 Gästen eine musikalisch-literarische „Winterreise“ unternommen.
Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger hatte im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ zu einer Matinee mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáček geladen, und zum winterlichen Melodienreigen passten sowohl die Gedichte, die Nathalie Cellier und Peter Steiner vortrugen, als auch die Schneeflocken, die draußen leise rieselten.
Mit erfrischenden, beschwingten Tanzliedern eröffnete das Streichorchester das vormittägliche Klangerlebnis, und die beiden Schauspieler des Karlsruher Xenia-Theaters rezitierten deutsche und französische Texte von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin und Elodie Santos und betrachteten Winternacht und Winterabend in Worten von Gottfried Keller und Georg Trakl. In einer eigens für diese Matinee verfassten Bearbeitung von vier Liedern aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ verzückte die mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Solobratschistin Hiyoli Togawa das Mühlacker Publikum. Sie verstand es, den Konzertbesuchern den besonderen Charakter des lyrischen „Ichs“ im Stück „Wetterfahne“ nahezubringen und die stakkatohaft symbolisierten „Gefrorenen Tränen“ zu versinnbildlichen, das tempogeladene Erwachen des Frühlings musikalisch darzustellen und ein ergreifendes Abbild des schlichten, wunderlichen „Leiermanns“ mit Tönen zu malen. Ihr zweiter Auftritt nach drei von der Kammersinfonie in Perfektion vorgetragenen Sätzen der Suite für Streichorchester von Leos Janáček erinnerte die Solistin musikalisch an ein Kuriosum des Instrumentenbaus, dem Franz Schubert mit der „Arpeggione-Sonate“ ein bleibendes Andenken schuf, und Togawa spielte dessen Part in der Fassung für Viola und Streichorchester mit einem melodisch-warmen Ton.
Das nächste Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau findet am 19. März statt und steht im Zeichen von „Impressionen aus Ost“.
Rainer Appich
Mit dem Orchester auf Winterreise
Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ in der Kelter

Bietigheim-Bissingen. Originell zusammengestellte musikalische und literarische Köstlichkeiten verpsrach das Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“, das am Sonntag in der Bietigheimer Kelter aufgeführt wurde.
Unte der Leitung von Peter Wallinger begaben sich alle auf „Eine Winterreise“ mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáek. Im Mittelpunkt standen die vier Lieder „Wetterfahne“, „Gefrorene Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ aus Schuberts „Winterreise“ in einer eigens für das Konzert verfassten Bearbeitung für Solo-Viola und Streichorchester. Den Solopart spielte die preisgekrönte Bratschistin Hiyoli Togawa, deren Solodebüt bei der Mühlacker Gartenschau und in der Frauenkirche Lienzingen im September vergangenen Jahres mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Auch in Schuberts beliebter „Arpeggione“Sonate agierte sie gekonnt als Solistin.
Eine interessante Variation stellten die einzelnen Sätze aus Janáeks Suite für Streichorchester und verschiedene Tänze von Schubert dar. Passend zur Musik wurden Gedichte zum Thema „Winter“ von Friedrich Hölderlin über Ulla HAhn und Hermann Hesse bis erich Kästner vorgetragen von Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater Karlsruhe.
Von Bratschen-Soli gekrönt: Stimmungsvolle Neujahrs-Matinee
mit Gedichten und virtuos gespielter Musik

Mühlacker. Peter Wallinger und seine Mitstreiter sind originell. Die Neujahrs-Matinee der von ihm geleiteten sueddeutschen kammersinfonie führte nicht in das Reich der Walzer, Polkas und Operetten, vielmehr wurde im Mühlacker Uhlandbau für das begeisterte Publikum ein Poesie-Strauß aus stimmungsvollen Gedichten und musikantischen Orchester-Stücken gebunden.
Jahreszeitlich passend dem Winter gewidmet, wobei auch im übertragenen Sinn frühlingshafte Sonnenstrahlen die Kälte aufmischten. Elegant musizierte das Streichorchester und stattete nicht nur die „Deutschen Tänze“ von Franz Schubert (aus D 90) und dessen Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89) mit spielfreudig herausgearbeiteten Akzenten aus. Kunstvoll rezitierte das Schauspieler-Duo Nathalie Cellier und Peter Steiner vom deutsch-französischen Xenia-Theater dazu Winter-Lyrik von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin, Gottfried Keller, Georg Trakl, Hilde Domin, Droste-Hülshoff und Hermann Hesse – auch mimisch-gestisch begleitet und von zauberhaften Überleitungen zu den Musiknummern ergänzt. Zudem hatte Simon Wallinger vier Lieder aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ sinnfällig für Soloviola und Streicher bearbeitet, die nun mit faszinierendem Bratschen-Gesang Wirkung erzielten.
Ohnehin war Solistin Hiyoli Togawa mit ihrer Viola das Ereignis der Konzert-Matinee. Nachdem die beiden Vortragskünstler mit Erich Kästners karnevaleskem „Februar“-Gedicht für heitere Pointen gesorgt hatten, interpretierte die exzellente Bratschistin zusammen mit der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung Schuberts „Arpeggione“-Sonate (D 821). Die schwebende Klarheit des Orchesters und der sangliche, samtweich-dunkle Ton der Viola erzeugten einen Klang wie aus einem Guss, der auch in rasanten Passagen von virtuosen Bratschen-Soli gekrönt wurde.
Eckehard Uhlig