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19.05.2014

Kammersinfonie feiert Jubiläum

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Festkonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“. Unter der Leitung des Gründers dieses Klangkörpers, Peter Wallinger, erklangen Werke von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Schubert. Als Solistin wirkte die Violinvirtuosin Ursula Schoch mit. Die einstige Schülerin am Ellental-Gymnasium unterhält trotz ihrer umfangreichen Verpflichtungen als Konzertmeisterin des weltweit bekannten Concertgebouw in Amsterdam stets freundschaftlichen Kontakt zu ihrem damaligen Mentor Wallinger und seinem Orchester.

Geigerin Ursula Schoch bleibt Dirigent Peter Wallinger und seiner Süddeutschen Kammersinfonie auch im Jubiläumsjahr treu. Foto: Alfred Drossel

Mit der Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmont“, Opus 84, von Ludwig van Beethoven wurde das Konzert voller Dramatik und mit triumphalem Ausdruck eingeleitet. Die kontrastreichen Stimmungen und Klangbilder, mit denen das Geschehen des Bühnenwerks musikalisch beschrieben wird, musizierte die Kammersinfonie in forschem Tempo. Spannungsreich und opulent ließ Wallinger das Werk ausführen.

Das einzige Violinkonzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy führte Ursula Schoch schon mehrfach mit der Süddeutschen Kammersinfonie auf. Doch die Interpretation, die sie am Freitagabend im Kronensaal darbot, gestaltete die Künstlerin nicht nur mit bravouröser Virtuosität, sondern vor allem mit einer unübertrefflich eingebungsvollen Hinwendung zu einem Werk, das die verlockendsten, aber auch eine Menge höchst anspruchsvoller solistischer Aufgaben enthält. Vom ersten Einsatz im Allegro molto appassionato an glänzte Schoch mit einer leidenschaftlichen, emotionalen und die Feinheiten der Komposition auslotenden Wiedergabe. Auch das Andante mit seiner zutiefst berührenden Melodik musizierte die Geigerin überaus beseelt. Doch als sie die rasanten Läufe des abschließenden Allegros ausführte, elektrisierte sie die Zuhörer im Saal regelrecht mit ihrem Temperament und ihrer musikantischen Bravour.

Das Orchester unter Wallingers Leitung begleitete die Solistin in klarer, kraftvoller Klangpracht und ließ damit einmal mehr seine erfrischende Musizierfreude in allen Registern aufleuchten. Für den minutenlang anhaltenden Applaus bedankte sich Ursula Schoch mit der Gavotte aus der sechsten Partita für Violine solo von Johann Sebastian Bach als tänzerisch anmutende Zugabe.

Mit der populären Sinfonie Nummer acht in h-Moll, genannt „Die Unvollendete“, von Franz Schubert, schenkte die Süddeutsche Kammersinfonie den Besuchern ein andächtiges Hörerlebnis. Die beiden Sätze der Komposition führte Peter Wallinger ohne Larmoyanz und frei von aufgesetztem Pathos in vitaler Klangentfaltung und in keineswegs zögerlichen Tempi auf. Dabei beglückten die liedhaften, freischwebend und verträumt sich ausdehnenden Melodiebögen insbesondere im zweiten Satz in ihrer seelenvollen Darbietung.

Mit einer Zugabe aus Schuberts Ballettmusik zu „Rosamunde“ endete das Festkonzert.

Rudolf Wesner

Reiche Klanglandschaften

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Jubiläumskonzert: 30 Jahre „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“. Es ist immer wieder ein Glück, Ursula Schoch, die exzellente Geigerin und Konzertmeisterin des weltberühmten Concertgebouw Orchesters Amsterdam, hören zu dürfen. Sie ist sich nicht zu schade, in ihrer Heimatregion auch vor vergleichsweise kleinem Publikum zusammen mit Peter Wallinger und seiner „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau zu musizieren.


Virtuos: Ursula Schoch und die „süddeutsche kammersinfonie“. Foto: Fotomoment

Beim Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen der Kammersinfonie spielte Schoch Felix Mendelssohn-Bartholdys anspruchsvolles e-moll Violinkonzert op.64. Die temperamentvolle Präsenz, mit der die Solovioline gleich im zweiten Takt des ersten Satzes (Allegro molto appassionato) hervortritt, meisterte Schoch souverän: Klangfarbe und Phrasierung weiteten sich in Dreiklangsbrechungen zu Sehnsuchtsseufzern über flirrenden Orchester-Streichern und lockenden Pauken. Dann glühte ihr satter Geigenton, um in rasanten Skalen bis in höchste Lagen aufzusteigen. Die überraschende Kadenz in der Satzmitte schien von sinnlicher Poesie erfüllt, um schließlich, Tempo aufnehmend, kraftvoll in die Orchestertutti einzumünden. Solopassagen des sich unmittelbar anschließenden zweiten Satzes (Andante) verzauberten mit zart verschwebendem Schmelz. Ausdrucksstarke Doppelgriff-Sequenzen folgten. Im Finalsatz (Allegro molto vivace) lösten sich die Spannungen solistisch in musikantischen Ausrufezeichen, wunderbar schwerelos gebotenem Laufwerk und federnden Springbögen bis zum auftrumpfenden Abschluss.

Wallinger und sein Ensemble hatten das Konzert mit dem dramatischen Gestus der Egmont-Ouvertüre op.84 von Ludwig van Beethoven eingeleitet. Nach dem gemeinsamen Auftritt mit Ursula Schoch beeindruckte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und ihr ungewohnt leidenschaftlich am Pult agierender Dirigent mit der Wiedergabe von Franz Schuberts h-moll-Sinfonie D 759, der „Unvollendeten“. Das im Einleitungssatz geheimnisvoll und dunkel einsetzende Unisono der Bassgruppe oder das in den Holzbläsern über vibrierenden Streicherteppichen singende Hauptthema zelebrierten die Interpreten mit unerhörter Emotionalität. Im zweiten Satz bestimmten synkopische Unruhe, später auch ein strahlender Bläsersatz den einfühlsam zu struktureller Geschlossenheit überführten harmonischen Reichtum. Wallinger hielt die Aufführung unter nie nachlassender Spannung und zeichnete mit seinen Musikern fantastische Klanglandschaften. Würdiger hätte das begeistert aufgenommene Jubiläums-Musikfest kaum begangen werden können.

Eckehard Uhlig

Feierliche Klänge für feine Ohren

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Zum 30-jährigen Bestehen sorgen die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ und die Sachsenheimer Geigerin Ursula Schoch im Kronenzentrum in Bietigheim für bleibende Impressionen.

Ursula Schoch, die von Anfang an mit der „Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim“ spielte, ließ es sich nicht nehmen, auch beim Konzert zum 30-jährigen Bestehen zu kommen. Foto: Martin Kalb

Bietigheim-Bissingen. Die Erwartunshaltung lag hoch. Doch das sind Orchester und die Solistin gewohnt. Das Bietigheimer Stammpublikum wiederum weiß längst um die Qualität ihres Zusammenspiels. Schon öfter haben die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ und die international erfolgreiche Violinvirtuosin Ursula Schoch, geboren in Ludwigsburg und aufgewachsen in Sachsenheim, gemeinsam konzertiert und die großen Violinkonzerte von Johannes Brahms, Felix Medelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven, Max Bruch und Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt. Weil diese musikalische Begegnung zu den Sternstunden im Orchester zählt und sich die Geigerin Ursula Schoch mit ihrer Heimat immer noch sehr verbunden fühlt, übernahm sie den Solistenpart beim großen Jubiläumskonzert am Freitagabend im Bietigheimer Kronensaal.

Ihre musikalischen Wurzeln liegen in Bietigheim. Ursula Schoch, heute Konzertmeisterin des Concertgebouw Orchesters in Amsterdam, hat als Schülerin der Gymnasien im Ellental in dem von Peter Wallinger gegründeten Orchester ihre ersten Schritte unternommen. Sie pflegt gern bis heute die vertrauten Beziehungen zu ihrem Heimatorchester.

Beim Festkonzert im Kronensaal funktionierte die Kommunikation zwischen Dirigent und Solistin spielerisch vertraut. Ursula Schoch ließ das Violinkonzert in e-Moll opus 64 von Mendelsohn Bartholdy natürlich auswendig hören und ging leicht und mühelos durch schwierigste Passagen Rasant schnell nahm sie Läufe, Arpeggien mit ruhiger Disziplin und schenkte ihre Aufmerksamkeit dabei immer dem expressiven Ton, dem leisen, der sich im Flagolett verliert, ebenso wie dem intensiven, der vor allem in den Extremlagen Gänsehaut macht.

Facettenreich ist das Werk: romantisch und ekstatisch, aber auch lyrisch und bescheiden, nicht immer alles, was möglich technisch wäre, ausreizend. Es entspricht dem Stil von Ursula Schoch, die ihr virtuoses Können sicher nicht zur Schau stellt, sondern vielmehr im Stile der großen Meister Disziplin und eine ruhige Stärke walten lässt. Die vielen Seiten, die lyrischen wie die expressiven im Mendelssohns Meisterwerk arbeitete sie sauber heraus. Nichts verschwamm trotz straffem Tempo und am Ende wollte sie in Bietigheim natürlich keiner gehen lassen.

Erst als sie zur Zugabe vor der Pause ansetzte mit der letzten Partita von Johann Sebastian Bach, beruhigte sich der Applaus, und Ursula Schoch zauberte erneut melodisch klar, ohne Schnörkel, ohne Schnickschnack ihren schönen Ton in den Saal. Die passende Grundlage für derart besonderen Hörgenuss schuf das Orchester mit der Egmont-Overtüre von Ludwig van Beethoven – die Wiener Klassik mit Jubelkomponist Beethoven an der Spitze ist für Aufgaben wie diese doch geradezu prädistiniert. Dem Publikum gab das Werk Gelegenheit, das Orchester gleich ganz in Fahrt zu erleben. Romantisch wurde es im zweiten teil.

Das Drängen und der Aufbruch im Hauptthema von Schuberts „Unvollendeter“ symbolisieren das gemeinsame Durchstarten in die nächsten 30 Jahre. Eine Stärke des beliebten Bietigheimer Klangkörpers ist das Niveau, auf dem hier klassische Musik ausgelebt wird, konstant und verlässlich. Das ist bekannt, und deshalb war der Kronensaal mit 350 Besuchern auch voll. So mancher im Publikum ist seit Jahrzehnten Stammhörer und erinnerte sich noch daran, wie 1084 die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ von Peter Wallinger und rührigen Musikerkollegen aus Bietigheim-Bissingen und dem Stuttgarter Raum ihre ersten Fährten legte.

Wallinger geht es explizit darum, immer wieder neu eine Brücke zu schlagen zwischen Werk und Publikum. Im Kronensaal gelang sein Vorhaben einmal mehr.

Susanne Yvette Walter

Musiker aus bis zu 13 Nationen

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim wurde 1984 von dem Dirigenten und Celibidache-Schüler Peter Wallinger und einer Gruppe junger engagierter Musiker aus dem Stuttgarter Raum ins Leben gerufen. Längst ist sie zu einem professionellen Klangkörper geworden, der qualifizierte Musikerinnen und Musiker aus bis zu 13 Nationen vereint.

Geschätzt und unterstützt wird das klangdifferenzierte und vitale Spiel der Kammersinfonie sowie ihre markant-eigenwilligen Interpretationen auch von namhaften internationalen Solisten und Ensembles: Musiker wie der Pianist Bernd Glemser, die Geigerinnen Ulrike-Anima Mathé und Ursula Schoch, der australische Hornist Andrew Joy, der französische Harfenist Xavier de Maistre, der französische Pianist Bernard d’Ascoli oder der englische Bariton Konrad Jarnot zählen zu den Partnern der Kammersinfonie.

Neben den Konzerten in Bietigheim-Bissingen ist das Orchester regelmäßig zu Gast beim Festival „Musikalischer Sommer“ in der spätgotischen Frauenkirche Lienzingen und als „Orchestra in Residence“ bei der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ im dortigen Uhlandbau, einem Konzertsaal, in dem schon vor 90 Jahren Musiker von Weltruf konzertierten.