Sebastian Manz zu Gast beim „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau

Das Orchester und Sebastian Manz stellen im Uhlandbau ihre Klasse unter Beweis. Foto Eckehard Uhlig 



Mühlacker. Man kann die Aufführung beim Frühjahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau als Entdeckung, als Ausgrabung oder Rarität bezeichnen. Jedenfalls war sie eine Besonderheit, auch weil der renommierte Solist Sebastian Manz und das Orchester mit Leidenschaft und Hingabe musizierten, ja für dieses Konzert im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ regelrecht brannten.

Mitreißend interpretiert

Die Rede ist vom Klarinettenkonzert c-Moll (op. 90) des niederländischen Komponisten und Dirigenten Gottfried Hendrik Mann (1858-1909), eines Spätromantikers, dessen hierzulande wenig bekanntes Werk Manz auch auf CD eingespielt hat und auf der Mühlacker Konzertbühne nicht nur mitreißend interpretierte, sondern auch wortreich propagierte: Man müsse dieser Komposition zum Durchbruch verhelfen, weil sie wunderschön und in eine Reihe mit berühmten Klarinettenkonzerten zu stellen sei – sagte einer, den die Musikfreunde aus exzellenten Wiedergaben und Schallplattenaufnahmen der Meisterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Weber kennen.

Sebastian Manz. Foto Marco Borggreve 



Also zur Sache. Im orchestral dramatisch einsetzenden ersten Satz „Allegro energico“ kam die Soloklarinette triumphal zu Wort, mit sonor-samtigen Tiefen und strahlenden Höhen, mit virtuosem Laufwerk, akzentuierten Spitzentönen und sanglich leuchtenden Linien, deren Melodie-Schönheiten an Weber erinnerten.

Den zweiten Satz, einem auch vom Orchester breit ausgezogenen Andante, bestimmte lyrisch zarte Melancholie in langen Haltetönen, was beim Zuhören zum Träumen anregte und von seiner Struktur her – ohne zu imitieren – mit Mozarts A-Dur-Klarinettenkonzert vergleichbar wäre. Das temperamentvoll wiedergegebene Finale mündete feurig elegant im „Tempo di Polacca“ in wuchtig auftrumpfende Schlussakkorde ein.

Enthusiastisch gefeiert

Sinnfällig umrahmten weitere Musikwerke den vom Publikum enthusiastisch gefeierten Konzerthöhepunkt. Da gab es aus Franz Schuberts „Rosamunde“ die Ballettmusik G-Dur (D 797, Nr.9) mit fein ausgearbeiteten Tanzrhythmen und dynamischen Lautstärke- und Tempo-Sprüngen.

 Außerdem eine klangmächtige Interpretation der „Italienischen Sinfonie“ (op. 90) von Mendelssohn-Bartholdy, wobei das Orchester unter Peter Wallingers professioneller Leitung seine Klasse unter Beweis stellen konnte. Sowie nochmals mit Sebastian Manz das „Adagio Des-Dur“ für Klarinette und Orchester von Heinrich Joseph Baermann (1784-1897) mit leisen, sinnlich-schwelgerischen Klarinetten-Passagen.

Solcher Konzertgenuss beflügelt ein Frühlings-Wochenende.

Autor: Eckehard Uhlig