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2017

Und überall ist Mozart

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In der Reihe „MühlackerConcerto“ entführt die Süddeutsche
Kammersinfonie Bietigheim in die faszinierende Welt der Klassik

Die Orchestermusiker, Dirigent Peter Wallinger und Solistin Ursula Schoch (3.v.li.) ernten den verdienten Beifall des Publikums. Foto: Filitz

Mühlacker. Kaum zu überbieten waren die musikalischen Veranstaltungen am vergangenen Wochenende in Mühlacker und der Region. Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hatten am Samstag in den Uhlandbau eingeladen. „Faszination Klassik“ war das Konzert mit gutem Grund überschrieben: Es wurde ein faszinierender Abend. Wahre Klangteppiche breiteten die Musiker aus. Unter der zupackenden Führung ihres Dirigenten bündelten sie eine bunte Vielfalt an Interpretationen zu einem harmonischen Ganzen. Tschaikowskys „Mozartiana“ zu Beginn, Mendelssohn Bartholdys „Italienische“ als Schlussakkord und in der Mitte, wie eingerahmt, Mozarts Violinkonzert G-Dur, auch das „Strasburger Concert“ genannt mit der brillanten Geigerin Ursula Schoch, die dem Konzertabend besonderen Glanz verlieh.

„Dass ich mein Leben der Musik geweiht habe, verdanke ich Mozart“, äußerte Tschaikowsky 1878, wie im Begleittext zum Programmheft nachzulesen war. Mit diesen kleinen Texten wird den Zuhörern ein erster Zugang zu den Werken geboten. Auch die Einführung durch die Flötistin Dr. Christiane Dollinger macht damit vertraut, und so ausgerüstet stand dem verständnisvollen Genuss nichts mehr im Wege. Als Hommage an Mozart und zum Gedenken an den 100. Jahrestag der Prager Uraufführung des „Don Giovanni“ hatte Tschaikowsky 1887 vier kleine, eher unbekannte späte Kompositionen seines Idols in einer „Mozartiana-Suite“ zusammengefasst. Schon in diesem ersten Vortrag zeigten die Musiker ihr Können und große Ausdruckskraft, spürbar in allen vier Sätzen. Sanfte Zwiesprache zwischen Bläsern und Streichern, eingebunden helle Klänge einer Harfe und Flötentriller, ein inniges „Ave verum“ und dann der Schlusssatz mit Mozart „querbeet“ begeisterten die Zuhörer. Dabei auch nicht zu überhören der Wohlklang der Violine am ersten Pult.

Als Glanzpunkt des Abends gestaltete sich der Auftritt von Ursula Schoch, Solistin in Mozarts Violinkonzert G-Dur, KV 216. Die aus Sachsenheim stammende Geigerin vorzustellen, ist müßig, hatte die einstige Schülerin von Peter Wallinger doch in Mühlacker fast ein Heimspiel. Ganz still wurde es im Saal. Nichts außer ihrer singenden Violine und ein mit Fingerspitzengefühl begleitendes Orchester schienen den Raum zu füllen. Um den Schluss vorwegzunehmen: „Traumhaft schön. Das Orchester ist an ihr gewachsen“, fasste ein Zuhörer seine Empfindungen zusammen.

Ein beherztes Allegro setzt Mozart an den Beginn, und nicht zu überhören ist, dass das Orchester zunächst das Thema „an sich reißt“, die Solistin dann danach greift und eine lebhafte Entwicklung dem Satz Farbe verleiht. Mit inniger Zartheit gestaltete Schoch das Andante, als wollte sie Welten öffnen, so weittragend waren ihre melodiösen Klangbögen.

Von tänzerischer Ausgelassenheit zeugt das abschließende Rondeau Allegro. Es gab keine Lage, der die Solistin nicht gerecht wurde. Ihr Spiel war brillant und berührend vom ersten bis zum letzten Bogenstrich.

Ohne Zugabe durfte Ursula Schoch die Bühne nicht verlassen. Und vielleicht kann man sagen: Sie krönte ihre Darbietung mit weiten, singenden Melodien in der Wiedergabe von Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“, geschrieben für Solovioline und Orchester. Der Beifall wollte nicht enden.

Nach der Pause trumpfte das Orchester temperamentvoll mit der Sinfonie Nummer 4 A-Dur, genannt die „Italienische“, von Felix Mendelssohn Bartholdy auf. Auch in diesem Werk „geisterte“ Wolfgang Amadeus Mozart durch die Notenzeilen und untermalte auf seine Art italienische Lebensfreude. Wuchtige Klänge beeindruckten zu Beginn, schwelgender Bläserklang dominierte im Moll des Andantes, ein sinnliches Moderato bildete einen Kontrast zum wild und ausgelassen interpretierten Schlusssatz „Saltarello“.

Eva Filitz

Klassik frisch entstaubt

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt mit Geigerin Ursula Schoch

Bietigheim-Bissingen. Mit 575 Besuchern komplett ausverkauft war der Kronensaal, als Peter Wallinger und seine Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) am Sonntagabend antraten. In der frühen Adventszeit wirkt eine Veranstaltung wie „Faszination Klassik“ ohnehin schon ideal platziert, auch wenn der Titel für manche Ohren vielleicht etwas zu pauschal nach Klassik Compilation im Drogeriemarkt geklungen haben mag. Doch neben geschicktem Timing dürften mehrere Faktoren zu diesem schönen Erfolg beigetragen haben. So genossen nicht nur Wallinger und sein 1984 gegründetes Orchester den Heimspielvorteil.

Auch für die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Violinistin Ursula Schoch, die 1990 bei den Schlossfestspielen ihr solistisches Debüt gab und nach Jahren bei den Berliner Philharmonikern seit 2000 Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw Orchesters Amsterdam ist, stellte der Auftritt mithin eine Visite in der alten Heimat dar. Hinzu kommt, dass die SKB als Projekt- wie als Auswahlorchester gleichermaßen gelten darf: Die Musikerinnen und Musiker sind allesamt Profis, ob als Mitglied renommierter Ensembles wie Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi vom Lotus String Quartet, namhafter regionaler Orchester oder fortgeschrittene Studierende. Dass das Niveau des aus so hochtaltentierten wie -motivierten Mitgliedern bestehenden Ensembles deshalb doch einiges über dem Anspruch eines Amateurorchesters rangiert, liegt auf der Hand.

Mit dem Violinkonzert in G-Dur (KV 216), das der seinerzeit 19-jährige W.A. Mozart 1775 in Straßburg geschrieben hat, stand nicht weniger als ein Gipfelwerk klassischer Musikliteratur im Mittelpunkt des Programms. Impulsiv die Tutti-Eröffnung im Kopfsatz, Wallingers distinkte Schlagtechnik vermittelte Schwung und Genauigkeit zugleich. Der frechen Vorwegnahme ihres Themas durch das 28-köpfige Orchester begegnete Schoch mittels souveränder Zuspitzungen im zeizvollen Tändeln und Flirten mit den Stimmgruppen. Elektrisierend virtuos präsentierte sie die liedahaften Wendungen der Kadenz. Von lyrischer Leichtigkeit das Adagio, Schochs Kantilenen wie auf orchestralem Samtgebettet, ein pastorales ldyill.

Angriffslustig und verspielt dagegen das Rondeau: Das Hin und Her zwischen Violine und Orchester ließ fast ans Opernfach denken, auch hier begeisterte die frische Transparenz, mit der Schoch und die SKB Mozarts schier überbordenden Melodiereichtum auf die Bühne brachten.

Als Dirigent mit Fingerspitzengefühl erwies sich Wallinger auch in den vier Sätzen von E Mendelssohn Bartholdys 1833 uraufgeführter Sinfonie Nr. 4 in A-Dur (op. 90). Zügige Tempi anschlagend, stieg Wallinger bei Kulminationspunkten der „Italienischen“ auf Zehenspitzen, hob manchmal gar kurz ab. Gestochen klar konturiert die exzellente Wiedergabe der SKB, fulminant die finalen Forti der Ecksätze. Extrem gelungen die Gestaltung des Andante con moto, präzise wie ein Uhrwerk das tickende Ostinato des Streicherapparats. Klangscharfsinnig formuliert auch das Presto des Saltarello – jede Faser in Wallinger nun ganz Formwille. Der beeindruckend geschlossene und gleichzeitig wendige Ensembleklang ist so sinfonisch wie nötig, dabei aber so kammermusikalisch wie möglich. Fabelhaft, wie Wallinger mit seinen lebendigen Interpretationen auch kanonische Klassik von ihren Staubschichten befreit.

Harry Schmidt

Geigerin Ursula Schoch beim MühlackerConcerto im Uhlandbau

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Gerngesehener Gast in Mühlacker: Ursula Schoch. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Betont temperamentvoll setzt die Orchester-Exposition ein und geht mit drängender Spiel-Rasanz zügig voran. Wenig später tritt der Ton der Sologeige energisch mit demselben Klang-Schlenker herein, wendet sich elegant und leuchtet in subtilen Figuren über dem Orchester, deklamiert charaktervoll kurz vor der Reprise und glänzt in virtuoser Kadenz. Mit Verve eröffnen auf diese Weise Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim sowie die Solistin Ursula Schoch das Violinkonzert G-Dur, KV 216, von Wolfgang Amadeus Mozart im Mühlacker Uhlandbau.

Nach diesem mitreißenden Allegro-Auftaktsatz zelebriert Schoch in lang durchgezogen, weichen Legatobögen das Adagio, lässt ihre Geige mit sinnlichem Timbre zu gezupften Streicherbässen und Bläsern singen und entfaltete ein betörend sehnsüchtiges Melos zum fließend vibrierenden Orchesterklang. Der Schlusssatz mündet mit Spiellaune und befreiendem Humor in ein tänzerisches Allegro ein.

Musikalischer Leckerbissen

Die fällige Zugabe offeriert einen musikalischen Leckerbissen, eine stimmungsvoll melancholische Melodie aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“ für Violine und Orchester.

Tschaikowsky trifft Mozart

Wie im „Faszination Klassik“ überschriebenen zweiten Programm der MühlackerConcerto-Spielzeit Mozart und Tschaikowsky zusammenfinden, demonstrieren Wallinger und sein Ensemble mit der Orchestersuite Nr. 4, op. 61 des russischen Meisters. Denn Tschaikowskys auch „Mozartiana“ genannte Suite, die den Konzertabend einleitete und in der auch eine Harfe mit silbrigem Klang-Geglitzer und trillernde „Zauber“-Flöten zum Einsatz kommen, zeigt vor allem im abschließenden Variationen-Satz ein von allerhand Mozart-Zitaten durchsetztes, musikantisches Klangfarbenspiel.

Nach der Pause setzt sich die von Wallinger motivierend geleitete Kammersinfonie mit einer fulminanten Wiedergabe der 4. Sinfonie in A-Dur, op. 90, der „Italienischen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy in Szene. Schwungvolle Klang-Wucht prägt den ersten Satz (Allegro vivace). Eindringlich wirken im d-Moll-Andante die akzentuiert punktierten Unisono-Linien, lieblich-schmeichelnd eine Lied-Melodie im dritten Satz, durchschlagend von der Pauke begleitet der dahin strömende Volkstanz des Finales. Auch dafür gibt es vom Publikum begeisterten Applaus.

Eckehard Uhlig

Intensives Spiel geht unter die Haut

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Das Festkonzert zum 40-jährigen Bestehen der Reihe „Musikalischer Sommer“ begeistert das Publikum in der Frauenkirche

Daniel Koschitzki bringt mit seiner Blockflöte einen Distelfink zum Singen. Foto: Fotomoment

Aufgeregtes Stimmengewirr herrscht in der Kirche, viele kennen sich seit Jahren und freuen sich auf das bevorstehende Konzert. Es ist ein besonderes, denn es ist das Festkonzert, mit dem „40 Jahre Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche gefeiert werden.

Mühlacker-Lienzingen. An den örtlichen Gegebenheiten hat sich in vier Jahrzehnten nicht viel geändert, auch jetzt müssen die Beteiligten rund um das Konzertgeschehen alles alleine bewerkstelligen, vom Herrichten der Kirche bis zum Aufräumen am Schluss. Den Konzertort, die Frauenkirche, haben viele Menschen liebgewonnen. Die Musiker schätzen sie aufgrund ihrer Akustik, die trägt, aber die Klänge nicht verschmiert, sondern klar bleiben lässt. Gekommen ist am Sonntagvormittag auch viel Prominenz: Um das Jubiläum mitzufeiern, sind Landrat Karl Röckinger, der Mühlacker Oberbürgermeister Frank Schneider, Jürgen Meeh von den Stadtwerken Mühlacker und Vertreter der Scheuermann-Stiftung anwesend. Der OB begrüßt die Gäste und ist sichtlich stolz darauf, dass Mühlacker so etwas Herausragendes wie den „Musikalischen Sommer“ aufweisen kann. Der Dank an Peter Wallinger und dessen Familie sowie an die Sponsoren, ohne die auch diese Konzertreihe nicht bestehen könnte, kommt von Herzen, und obwohl er selbst bisher nur wenig Zeit gefunden habe, wünsche er sich mindestens 40 weitere Jahre und hoffe, in Zukunft ein paar mehr Konzerte miterleben zu dürfen.

Mit jugendlichem Elan dirigiert Peter Wallinger die von ihm gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, die aber im Eingangsstück, der Sinfonie A-Dur Wq 184 von Carl Philipp Emmanuel Bach sonst eher ungewohnte kleinere Schwächen in der Intonation zulässt. Dann aber erklingt das Werk frisch und zupackend, und man merkt den Instrumentalisten die Freude an, die sie trotz aller Ernsthaftigkeit bei der Musik empfinden.

Daniel Koschitzki bringt das kleinste der im Einsatz befindlichen Instrumente mit. Was er aber als Distelfink mit seiner Sopranino in Antonio Vivaldis Konzert „Il Gardellino“ zwitschert und pfeift und trillert, das versetzt das zahlreich erschienene Festpublikum in fasziniertes Erstaunen. Die Kammersinfonie erweist sich dabei nicht einfach nur als Mitläufer, sondern als gleichwertiger Partner, der mit ebenso viel Witz und Vermögen dem kleinen, lebhaften Distelfink eine bunte, farbenreiche Bühne bietet. Nach dem hinreißenden zweiten Satz fasst ein Zuhörer den wohl zahlreich vorhandenen Gedanken in Worte: „Ist das schön!“ Dem ist nichts hinzuzufügen außer dem stürmischen Applaus, der über die Ausführenden hereinbricht.

Nina Rota, ein Komponist aus dem 20. Jahrhundert, ist mit seinem „Concerto per Archi“ vertreten. Klangvoll und mit Nachdruck spielt die Kammersinfonie, angeführt von einem fordernden Wallinger, und sie verstehen es gut, die verschiedenen Charaktere auszudeuten. So necken und tanzen sie, schaffen Atmosphäre, spielen sich gegenseitig die Bälle zu und berauschen sich und das Publikum mit einer Intensität, die unter die Haut geht.

Nach der Pause erklingt mit dem 4. Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach das Lieblingsstück zahlreicher Anwesender. An Daniel Koschitzkis Seite spielt seine Duopartnerin Andrea Ritter die zweite Blockflöte, und Sachiko Kobayashi, die zuvor engagiert und souverän die Konzertmeisterin der Kammersinfonie war, übernimmt die Solo-Violine. Die drei Solisten harmonieren so gut, als hätten sie nie etwas anderes getan, als miteinander zu musizieren, und beweisen dabei ein Niveau, das eines Festkonzertes mehr als würdig ist. Die Kammersinfonie nimmt den Geist der drei Solisten auf und reagiert sensibel auf deren Interpretation. Manchmal wünscht man sich vielleicht etwas mehr Zurückhaltung des Tutti, aber der Begeisterung des Publikums und auch der Musiker setzt das keine Grenzen.

Dieses Festkonzert zeigt, worauf es Peter Wallinger ankommt: Kleinode der Musikgeschichte erfahrbar und vertraute Musik neu erlebbar zu machen, dazu besondere Musiker und Ensembles, und das im kleinen Kulturdenkmal Frauenkirche, in dem sich die Musiker ebenso zu Hause fühlen wie die zahlreichen, zum Teil langjährigen begleitenden Zuhörer.

Ohne den Tatendrang des Initiators und Festivalleiters allerdings hätte sich die Konzertreihe nicht auf ihren heutigen Standard entwickeln können. Auch nicht ohne starke Partner an ihrer Seite, und so betitelt Dr. Johannes Bastian vom Förderverein „Mühlacker Klassik“ die Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ und auch das Pendant im Winter „MühlackerConcerto“ zu Recht als das Lebenswerk Peter Wallingers.

Irene Schallhorn

Festkonzert „40 Jahre Musikalischer Sommer“ in Lienzingen

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Herausragend: der Auftritt des Blockflötisten Daniel Koschitzki. Foto: Fotomoment

Mühlacker-Lienzingen. Solisten und Orchester musizierten furios. Das herausragende Ereignis beim Festkonzert „40 Jahre Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche war natürlich der Auftritt des Blockflötisten Daniel Koschitzki, seines Zeichens Echo-Klassik-Preisträger, der schon mehrfach in Konzerten mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim begeisterte.

In Antonio Vivaldis Concerto „Il Gardellino“ (Der Distelfink) für Sopranino-Flöte und Orchester op. 10 Nr. 3 entzündete der Solist in den Allegro-Ecksätzen ein musikantisches Brillantfeuerwerk an Farben und Formen, an kunstvoll verzierten Sprüngen und Läufen oder nachhallend „schlagenden“ Rufen, eben lautmalerisch silberhell trillernden und zwitschernden Vogel-Liedern – passend zum gleichnamigen Bild des Barockmalers Carel Fabritius. Im langsamen, sehr zart intonierten und nur von Cembalo und Cello begleiteten „Cantabile“-Mittelsatz erinnerte die Sopranino-Vogelstimme mit Wehmutsgesang an die verlorene Freiheit des domestizierten kleinen Distelfinken, denn er bleibt mit einer Kettchen-Schnur an seinen Hochsitz gefesselt. Ein zauberhaft-fantastisches Klangfest ging von dieser Interpretation aus.

Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 4 G-Dur (BWV 1049) war in Originalbesetzung mit solistischer Violine (Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi) und zwei solistischen Barockflöten (Koschitzki und Andrea Ritter) zu hören. Gleich der erste Satz eröffnete mit wiegender Flötenmelodik, dann übernahm die Geige die Führung. Immer wieder standen sich Streicher-Tutti und Solistengruppe im Dialog gegenüber. Alle Stimmen und Linien blieben unerhört transparent, auch in temperamentvollen Aufschwüngen oder feinen Echo-Wirkungen. Gewohnt stilsicher, mit sauberen Phrasierungen und facettenreichen Klangfarben interpretierte das Orchester unter Wallingers aufmerksam-motivierender Leitung auch zwei weitere Werke des Festprogramms. Nicht zum ersten Mal überraschten Wallinger und sein Ensemble mit Werken von Carl Philipp Emanuel Bach. Diesmal beeindruckten in dessen Sinfonie A-Dur, Wq 184, vor allem die konzertante Strahlkraft, Dynamik und Rasanz der Komposition, deren Aufführung wie eine Fest-Ouvertüre wirkte. Und Nino Rotas „Concerto per Archi“ erfreute trotz einiger schmerzhaft-moderner Dissonanzen mit wellenförmigem Fluss der Klangströme und leidenschaftlichen Steigerungen. Eine musikalische Matinee mit Glücksmomenten in würdigem Ambiente.

Eckehard Uhlig

Die Musik als launisches Kind

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Sachsenheim Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ spielte im Lichtenstern-Gymnasium ein vielschichtiges und tiefgründiges Konzert. Von Sandra Bildmann.

Die „kammersinfonie“ spielte im Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium alte und moderne Stücke. Foto: Helmut Pangerl

Das Live-Erlebnis gewinnt in Zeiten der dauerhaften Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit an Bedeutung. Nicht nur der Klangeindruck unterscheidet sich vom Musikhören über Boxen zuhause: Das Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter Dirigent Peter Wallinger am Freitagabend im Foyer des Lichtenstern-Gymnasiums zeigte eindrucksvoll, wie sich durch die Musik Räume öffnen können. Wer sich darauf einlies, konnte sich selbst besser kennen. Das traditionelle Open Air-Sommerkonzert des Orchesters fand in diesem Jahr aufgrund der Bauarbeiten nicht im Schlosshof statt, und war auch wegen der unsicheren Wetterlage nach drinnen verfrachtet worden.

Wuselnde Solisten-Finger

Zum Auftakt spielte das sechzehn-köpfige Ensemble Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonie in A-Dur. Danach wuselten die Finger von Solist Daniel Koschitzki über seine Sopranino-Flöte. In Vivaldis Concerto „Il Giardellino“ konnte der Echo-Klassik-Preisträger sein perfektes Spiel zeigen.

Die Luftzufuhr war fein austariert: nicht zu viel, aber ausreichend, damit der Ton schwingen und klingen konnte. Der Reichtum an Obertönen auf Basis des Präzisen uns sauberen Spiels vervielfachte das Tonvolumen, so dass die Flöte nicht unterging, sondern klar die Chefrolle spielte. Das Orchester grundierte fein. Nach der Pause erntete das Orchester mit den Solisten Andrea Ritter und Daniel Koschitzki (bei der Flöte) sowie Sachiko Kobayashi (Violine) bei Bachs viertem Brandenburgischem Konzert eine Menge Applaus vom begeisterten Publikum, so dass sie die Schlussfuge noch einmal wiederholten.

Mit Nino Rotas „Concerto per Archi“ aus den 1960er Jahren übersprang das Ensemble virtuell über zwei Jahrhunderte Musikgeschichte. Besonders der zweite Satz, das Scherzo, machte richtig Laune – auch weil das Orchester unter Wallinger die verschiedenen Stilistiken und Charaktere der Abschnitte deutlich voneinander abgrenzte. So wirkte das Scherzo tatsächlich wie ein Scherz mit vielen verschiedenen Facetten. Zunächst schien es, als ob die Musik ihren eigenen Kitsch karikiert, als ob sie sich nicht recht entscheiden könne, ob die ihn nachahmen oder sich ihm entgegen stellen soll.

Bezirzender Walzer

Die Musik kam als launisches Kind daher, das betont hässlich sein will, postwendend in eine vorgegaukelte heile Welt abtaucht. Kaum stellte sich der Zuhörer auf einen verdrießlichen, lethargischen Trott ein, bezirzte ihn urplötzlich ein Walzer. Die scharfen Dissonanzen hielten dem nicht stand, mussten sich ergeben. Der Satz endete unvermittelt im Irgendwo. In dieser Welt verschwammen die Grenzen von Ernst, Hohn und Ironie. Da bestand Anschluss zur Realität. Wer sich solchen Assoziationen öffnete, konnte in dem vor Kontrasten strotzenden Werk von Nino Rota auf Selbstfindungs-Tour gehen.

Der Komponist kupferte – wie in zeitgenössischer Methodik durchaus üblich – bei kompositorischen Wegbereitern ab. Auch wenn Rota eher im Filmmusik-Genre zuhause war, hat er die Entwicklung in der „klassischen“ Musik nicht missachtet. Spannungsaufgeladen und unbequem will die Musik im vierten Satz sein, bitte nicht zu gefällig. Wie Filmmusik klingt sein Stück für Streicher nicht, stattdessen mehr wie die musikalische Untermalung einer Lebensgeschichte mit Höhen und Tiefen. Ohne Vorwarnung ist Schluss. Rotas Musik hat das Publikum auf eine Reise mitgenommen und in einer anderen Welt ausgesetzt. Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter Wallinger spielte dieses Spiel hervorragend. Langweilig war das überhaupt nicht. Dieses Live-Erlebnis schuf kreative Freiräume mit einer Relevanz für das eigene Leben.

Sandra Bildmann

Barockes mit hochkarätigen Solisten

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Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begeistert mit Gästen in Sachsenheim

Dirigiert mit großer Klarheit: Peter Wallinger und seine Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim. Die Premiere fiel aus, wenn auch nicht ins Wasser. Erstmals sollte das Sommerkonzert im Serenadenhof des Lichtenstern-Gymnasiums stattfinden, wo das beliebte klassik-Open-Air während der noch bis voraussichtlich 2019 andauernden Sanierungsarbeiten im Wasserschloss ein Ausweichquartier gefunden hat. Doch das Wetterrisiko erschien zu groß: „Am Freitagvormittag mussten wir entscheiden“, sagt Andrea Fink, die Kulturreferentin der Stadt Sachsenheim. Somit wurde, auch wenn am Abend dann kein Tropfen viel, das Foyer der weiterführenden Schule am südlichen Ortsrand zur Spielstätte der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB), die Peter Wallinger vor mehr als 30 Jahren gegründet hat. Beglückend war die traditionsreiche Veranstaltung dennoch. Mit Anna Ritter und Daniel Koschitzky hatte Wallinger für das diesjährige Konzert, das am Sonntag nochmals in Lienzingen gegeben wurde, gleich zwei hochkarätige Blockflöten-Solisten gewonnen, die sich mit ihrem Ensemble „Spark“ bereits in jungen Jahren beachtliches Renommee erworben haben: „Kammermusik auf höchstem Niveau“ jubelte die Frankfurter Allgemeine. Für ihr Debütalbum wurden sie mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. In den drei Sätzen von Vivaldis Concerto für Sopranino und Orchester (OP. 10 Nr. 3), das den sprechenden Beinamen „Il Gardellino“, zu Deutsch „Der Distelfink“ trägt, wurde sogleich die solistische Klasse von Koschitzky hörbar: Atemberaubend die stupende Virtuosität seiner Triller und Vorhalte in den tänzerisch bewegten Ecksätzen – die Imitation der Vogelstimme ist hier programmatisch gewollt. Lediglich bei den freigestellten Solostellen machte sich die suboptimale Akustik des Foyers mit etwas undefinierten Hallzeiten leicht bemerkbar.

Gefühlvoll singendes Legato im Cantabile, begleitet nur von Akkorden und Arpeggien des Cembalos sowie Mikael Samsonow am Cello. Koschitzky steigt auf Zehenspitzen im abschließenden Allegro, messerscharf die Tutti der SKB.

Eingebettet war diese hinreißende Darbietung in einen raffinierten Rahmen: Über zwei Jahrhunderte hinweg korrespondierten die Sinfonie in A-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach, mit dem die SKB das Konzert eröffnete, und Nino Rotas „Concerto per Archi“, das der italienische Grandseigneur der Filmmusik in den Jahren 1964 und 1965 geschrieben und 1977 überarbeitet hat. Deutlich der Anklang barocker Muster in den vier Sätzen: Die motorischen Ketten und kontrapunktischen Figuren nehmen klar Bezug auf die Tradition, ohne sich jedoch als Werk des 20. Jahrhunderts zu verleugnen. Die Aria verweist auf die berühmte Air von J.S. Bach.

Fabelhafte Präzision

Für dessen Brandenburgisches Konzert Nr. 4 in G.Dur (BWV 1049) trat nach der Pause Sachiko Kobayashi, Konzertmeisterin der SKB und Primgeigerin des international renommierten Lotus String Quartet, zum Solisten-Paar Ritter und Koschitzky, die auch als Duo firmieren. Fabelhaft, mit welcher Präzision sie ihre kantablen Kantilenen ineinandergreifen lassen. An Klarheit kaum zu überbieten Wallingers Dirigat: Wo er in der Sinfonie des Bach Sohns zum Auftakt die Kontraste der galanten Partitur schärft, unterstreicht er im Konzert des Vater die elaborierte Motivarbeit der drei Solisten mit transparentem, kammermusikalisch ausgerichtetem Ensembleklang.

Harry Schmidt

Wenn Bach und Händel Theater machen

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Junges Publikum hört im Mühlacker Uhlandbau kindgerecht dargebotene klassische Klänge und erlebt einen Komponistenwettstreit.

Händel und Bach sind ihren Gemälden entstiegen und quicklebendig. Foto: Filitz

Mehrere hundert Schüler haben am Donnerstagmorgen bei zwei Aufführungen in der Reihe „MühlackerConcerto“ eine spannende Reise in die Welt der klassischen Musik erlebt.

Mühlacker. „Krach mit Bach“ war das Stück überschrieben, das im Uhlandbau mit einer hübschen Kulisse mit „Gemälden“ von drei berühmten Komponisten aufwartete: Telemann, Händel und Bach.

Finster war es zunächst auf der Bühne. Auf einmal rumpelte etwas. Aus dem mittleren Rahmen stieg Händel. Stöhnend, schimpfend ging er hinüber zum rechten Bild, stieß mit der Hand hinein, und auch da regte sich etwas. Bach, sein Zeitgenosse und, wie sich schnell zeigen sollte, Rivale auf dem Musikparkett zu ihrer Zeit, entstieg ebenfalls grollend dem Rahmen. Des Rätsels Lösung? Die Bilder hängen in einem Schlossmuseum, in dem es spukt. Und jeweils um Mitternacht werden für eine Stunde die Gemälde lebendig, und die Menschen darauf kehren in ihr Erdendasein zurück. Sofort gab es so richtig Zoff. Händel und Bach stritten ganz erbittert, wessen Musik denn nun die bessere sei, und sie waren sich auch nicht zu schade, sich teils mit recht gehässigen Bemerkungen zu attackieren und sich mit ihren Taktstöcken ein erbittertes Gefecht zu liefern. Als Zeugen mussten Fräulein Hannah an der Harfe, Fräulein Verena (Flöte) und Monsieur Frank (Fagott) musische Beweistücke jeweils mal für, mal gegen die Kontrahenten liefern. Stolz erzählte Händel von der Bootsfahrt auf der Themse, wo die Königlichen Hoheiten zum ersten Mal seine Wassermusik gehört hätten. „Und ich habe meine großen Werke in Köthen geschrieben“, konterte Bach. Dazu Händel bissig: „So klingen sie auch.“

Zunächst vergeblich bemühte sich Fräulein Constanze, die Museumsleiterin, darum, den Streit zu schlichten. Sie entpuppte sich als hervorragende Sopranistin und brachte es mit Geduld fertig, die Streithähne zu einen. Die Zuhörer bekamen Gelegenheit, mitzuentscheiden, wer denn nun der Beste sei. Am Ende klang es von der Bühne: „Wir machen jetzt alles gemeinsam, zusammen ist man nie einsam, dann gibt es auch nie wieder Streit.“ Auch diese Erkenntnis konnten, neben dem Einblick in das Werk von zwei der bedeutendsten deutschen Komponisten, die Kinder mit nach Hause nehmen.

„In einem Theater mit Musik waren wir noch nie“, erzählten vor Beginn Celine, Malin und Lena aus der Klasse 2 der Sternenfelser Schule. „Wir wollen mit dem Besuch hier den Kindern Musik nahebringen“, ergänzte Lehrerin Andrea Malzer. Fünf ihrer Schülerinnen spielen Flöte, ein Schüler hat Klavierunterricht.

Flötistin Verena Guthy-Homolka, Hannah Pfeiffer an der Harfe und Frank Lehmann von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim intonierten transparent bekannte Stücke der beiden Streithähne, jeweils der „Stimmung“ angepasst. Ihnen zuzuhören, war ein Genuss. Auch die kleinen Zuhörer lauschten gespannt. Etwas fremdelten sie wohl mit den Liedern der Museumsdirektorin, alias Sopranistin Meike Leluschko. Da zeigten sich die Großen im Saal mehr angetan. Aber am Applaus ließen es auch die Kleinen nicht fehlen und äußerten lautstark ihre Begeisterung, wenn Bach und Händel sie um Rat fragten oder sie abstimmen sollten, wer denn nun der bessere Künstler von beiden sei.

Von der Pyrmonter Theater Companie schlüpften Jörg Schrade und Carl-Herbert Braun in die Rollen der Komponisten und ließen beider Museumsschlaf vergessen. Die Dritte in ihrem Bunde war Meike Leluschko.

Bereits seit über zehn Jahren organisiert Peter Wallinger, Dirigent der Kammersinfonie, die Zusammenarbeit mit ihnen und bietet „Klassik für Kinder“ als Musiktheater an. Die zweite Vorstellung gestern Vormittag besuchten Illinger Stromberg-Schüler, Kinder aus Ötisheim und von der Lomersheimer Blumhardt-Schule, zusammen wieder 300 an der Zahl. Beide Aufführungen waren ausverkauft.

Eva Filitz

In der Reihe „MühlackerConcerto“ kriegt Bach Händel mit Händel

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Mühlacker. Wer war denn nun der bessere Komponist, Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel? Im Musiktheaterstück „Krach mit Bach“ für Kinder werden sich die beiden Streithähne darüber einfach nicht einig. Das gemeinsame Schülerkonzert der Pyrmonter Theater Companie mit Musikern der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim bildete den Abschluss der laufenden Saison 2016/2017 der Reihe „MühlackerConcerto“.

Kindern klassische Musik vorzustellen sei ihm ein großes Anliegen, betont Peter Wallinger, Veranstalter und Leiter der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim. Auf lustige und kindgerechte Weise passierte das in dem Stück. Der Schauspieler Carl-Herbert Braun spielte dabei Georg Friedrich Händel und Jörg Schade mimte Johann Sebastian Bach.

Zwei ganz unterschiedliche Typen, die um Mitternacht in einem Museum von Museumsführerin Meike Leluschko (Sopran) zum Leben erweckt werden. Verena Guthy-Homolka (Flöte), Frank Lehmann (Fagott) und Hannah Pfeiffer (Harfe) von der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim begleiteten das Theaterstück musikalisch. Viele Stücke der beiden Komponisten wurden gespielt, bis sie am Ende wieder in Freundschaft in ihren in dem Museum aufgehängten Bildern verschwanden.

Über 600 Kinder der Grundschulen in Diefenbach, Illingen, Lomersheim, Mühlhausen, Ötisheim und Sternenfels kamen zu den beiden Vorstellungen am Donnerstagvormittag.

Volker Henkel

Beeindruckende Gemälde aus Noten

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Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und Solist Sebastian Manz bieten im Uhlandbau einen „Konzertanten Bühnenzauber“.

Der Klarinettist Sebastian Manz ist als Solist beim Frühlingskonzert im Uhlandbau zu hören. Rechts Dirigent Peter Wallinger. Foto: Fotomoment

Am Samstag zog mit den 30 Musikern der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter ihrem Dirigenten Peter Wallinger der Frühling in den Uhlandbau ein. „Konzertanter Bühnenzauber“ war das Programm überschrieben, das die Zuhörer zu Beifallsstürmen hinriss.

Mühlacker. Die Sinfonie Nummer 6 in D-Dur „Le Matin“ von Joseph Haydn bietet an diesem Abend einen wunderbaren Auftakt, um auf die zu erwartenden musikalischen Genüsse einzustimmen. Mit den weit ausholenden Klangbildern der Streicher drängt sich im ersten Satz Adagio förmlich das Bild auf, wie die Sonne strahlend über den Horizont aufsteigt. Beschwingte Flötentöne lassen Vogelgezwitscher erklingen, die Natur wird wach, untermalt und getragen vom warmen Klang der Holzbläser. Immer wieder lassen in den nachfolgenden Sätzen Adagio, dem heiteren Menuett und dem äußerst lebhaft und mit großer Spielfreude dargebotenen Allegro Soli einzelner Instrumente aufhorchen, virtuos perlende Flöten, heiter und kokett, dazu eine singende Oboe, Fagott und Cello kaum weniger souverän in den tieferen Lagen. Mit kräftigem Applaus belohnt das Publikum nach diesem erfrischenden Beginn die Musiker, die gleich zu Beginn mit ihrer mitreißenden Art zu musizieren verdeutlichen, dass sie den Zuhörern an diesem Abend ein musikalisches Kleinod bieten wollen.

Zwei weitere Perlen sind im Programm zu finden. Wenn sich auch alles um den Star des Abends reißt, den Ausnahmeklarinettisten Sebastian Manz, der in Mühlacker eines der bekanntesten und beliebtesten Solokonzerte von Mozart spielt, nämlich das Klarinettenkonzert A-Dur, so verdienen doch alle Musiker im Orchester eine Würdigung ihrer Leistung.

Schon das Instrument des Solisten ist eine Besonderheit. Selten nur ist die Bassettklarinette in so vollendet gespielter Manier zu hören. Sebastian Manz ist ein Künstler mit Ausstrahlung. Die Art, wie er sein Instrument handhabt, mit dem Körper mitschwingt, seinen Tongemälden so Nachdruck verleiht, einfach eins ist mit sich und seiner Klarinette, hat ihm höchste Auszeichnungen eingebracht. Mit einer Leichtigkeit, die Ihresgleichen sucht, erklingen in seiner Mozart-Interpretation perlende Läufe, ein gehauchtes Pianissimo, aufreizende Crescendi. Weit reicht der Atem und zaubert berauschend lange Klangbögen in die totale Stille im Saal. Beim zweiten Satz, dem innig geblasenen Adagio, möchte man nur noch die Augen schließen und sich auf einer Woge des Wohlklangs davontragen lassen. Von warmem, sensiblem Streicherklang umrahmt, kehrt der Solist von Höhenflügen zurück, greift hauchzart das Anfangsthema wieder auf, ehe er nach einem zweiten lebhaften Allegro frisch und lebenslustig den Vortrag beenden will. Mitnichten! Das Publikum überschüttet den Künstler mit Beifall, lässt ihn nicht gehen. Und so kann Manz nicht anders, als noch eine Zugabe zu bieten. Sinnigerweise wählt er zwei der „Drei Stücke für Klarinette“ von Igor Strawinsky, wieder mit Elan und Verve dargeboten, beweist damit erneut seine Virtuosität und leitet zum dritten Komponisten des Abends über, eben jenem Strawinsky.

Dessen Suite für Orchester „Pulcinella“, dem Gnom der italienischen Commedia dell arte“ gewidmet, rundet das Programm des Frühlingskonzerts mit spannenden Klanggebilden in acht Sätzen mit reichlich Abwechslung im Hinblick auf Tempi, Tonlagen und Ausdruck sehr gelungen ab. Posaune und Kontrabass liefern sich ein kleines musikalisches Scharmützel, das mit leiser Heiterkeit vom Publikum registriert wird. Dieses letzte Musizieren macht die Vielseitigkeit der Bietigheimer Musiker vollends transparent.

Die Visitenkarte, die sie mit diesem Konzert hinterlassen, hat Gewicht. Ihr Dirigent Peter Wallinger hat den Uhlandbau einmal mehr zum Musentempel erhoben.

Eva Filitz