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13.01.2020

Musik und Poesie im Uhlandbau

  • von

Die Klassikreihe „MühlackerConcerto“ steht unter dem Motto „Zeit und Traum“


Schauspieler Johann Michael Schneider bereichert die Matinee mit Texten
Foto: Bischoff-Krappel

Mühlacker. Musik im Zusammenspiel mit Poesie – ein Genre, das sich wachsender Beliebtheit erfreut und das auch beim diesjährigen Neujahrskonzert der Klassikreihe „MühlackerConcerto“ seine Wirkung nicht verfehlte.

Unter der bewährten und souveränen Leitung von Peter Wallinger nahmen die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und der Schauspieler und Theatermusiker Johann Michael Schneider die Besucher im nahezu voll besetzten Mühlacker Uhlandbau mit auf eine musikalisch-literarische Reise unter dem Motto: „Zeit und Traum“. Nach dem Auftakt durch die „Gagliarda del Principe di Venosa“ von Carlo Gesualdo folgte das Werk „Festina Lente“ von Arvo Pärt. Gleichsam stehend und fließend zugleich wurde die zugrundeliegende Tonfolge von den Streichinstrumenten zwar gleichzeitig, jedoch in drei unterschiedlichen Tempi vorgetragen und entfaltete sich so zu einem nahezu meditativen Klangbild, das im Epilog mit kaum mehr vernehmbaren Saitenstrichen ausklang. Im Anschluss an Mozarts „Adagio für eine Orgelwalze“ stellte Solistin Sachiko Kobayashi in Jean Sibelius „Humoreske IV“ ihre Virtuosität an der Violine mit reiner Klangfarbe, facettenreicher Dynamik und perfektem Zusammenspiel mit dem Streicherensemble eindrucksvoll unter Beweis.

Beschwingt und fröhlich folgte die Streichersonate in A-Dur von Rossini, bei der insbesondere die Klangtiefe des Kontrabasses im lebendigen Spiel zum Ausdruck kam. Mit einem launigen Text von Heinz Erhardt verabschiedete Johann Michael Schneider, der die hochkarätige Darbietung der Musiker durch kurze literarische Sequenzen von Rilke, Ringelnatz und von Hofmannsthal mit ausdrucksvoller Gestik und Mimik bereicherte, die Besucher in die Pause. Nach Janaceks „Idylle“ folgte mit der Romanze aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ eine Komposition, die mit ihrem vierten Satz als Zugabe eine perfekte Abrundung der Matinee darstellte.

Spannend und eine Herausforderung für die Zuhörer war das Experiment Wallingers, so gegensätzliche Klangwelten wie Carlo Gesualdos „Gagliarda“ aus dem 16. Jahrhundert und Arvo Pärts „Festina Lente“ aus dem 20. Jahrhundert bewusst und unvermittelt aufeinandertreffen zu lassen. Der verhaltene, an manchen Stellen morbide Gestus der Klänge aus so unterschiedlichen Epochen verband sich zur Überraschung des Publikums auf wundersame Weise. Dass Musik zugleich stehen und fließen kann, war in Wolfgang Amadeus Mozarts sehr kurzem Adagio für eine Orgelwalze, komponiert für eine mechanische Orgel mit einer drehbaren Stiftwalze, zu erleben. Weiche, stehende Harmonien eröffneten den Musikern Räume für pulsierende, melodische Bewegungen.

Nach auf hohem Niveau vorgetragener Musik und Texten aus unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichem Zeitmaß verabschiedeten sich anschließend die Besucher beschwingt und heiter in einen grauen Januartag.

Britta Bischoff-Krappel 

Fein ausbalanciertes Konzert

  • von

Bietigheim Die Streicher der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ gaben am Sonntagabend ein eher introvertiertes, aber feines Neujahrskonzert.

Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ trat unter Leitung von Peter Wallinger in der Kelter auf.
Foto: Martin Kalb

Freunde anspruchsvoller und glänzend durchdachter Programmkonzepte kommen bei der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Wallinger immer wieder voll auf ihre Kosten. Mit einer sensiblen Innenschau eher langsamer und intimer Stücke von Carlo Gesualdo, Arvo Pärt, Wolfgang Amadeus Mozart, Jean Sibelius, Gioacchino Rossini und Leos Janácek spielten die Streicher des Orchesters im schönen Ambiente der Kelter ein wunderbar inniges, klanglich vollständig zurückgenommenes Neujahrskonzert am Sonntagabend – trotz weniger Zuhörer. Dazu rezitierte der Berliner Schauspieler und Theatermusiker Johann- Michael Schneider tiefgründige, launige und romantische Poesie von Joachim Ringelnatz, Johann Wolfgang von Goethe, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Gustav Falke.

„Zeit und Traum“
Das Konzert stand unter dem vielsagenden und doch rätselhaften Motto „Zeit und Traum“. „Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding“ war in einem Gedicht von Hugo von Hofmannsthal zu vernehmen, ja wirklich, zumal in einer Zeitkunst wie der Musik. Alles fließt in ihr alles fügt sich ein zwischen ein Beginnen und Enden, ein Aufblühen und Erlöschen. In der Musik erscheint die Zeit zuweilen als stürmisches Presto furioso – und mit zahllosen Abstufungen – als Beinahe-Stillstand im Largo di molto.

Peter Wallinger hatte mit den knapp 20 Streichern in den Proben allem Anschein nach intensiv alle erdenklichen Schattierungen im Pianobereich erarbeitet. Dementsprechend wurde in dem anderthalbstündigen Programm an keiner Stelle aufgetrumpft, forciert oder gepoltert. Stattdessen gab es einen fein ausbalancierten, überaus homogenen, sauberen und biegsamen Streicherklang zu hören. Die zwischen den Musikstücken meisterhaft gesprochene Lyrik trug ihrerseits dazu bei, dass die Musik von selbst zu sprechen begann – als ausgestaltete und ausgeformte Zeit.

Spannend und eine Herausforderung für die Zuhörer war das Experiment Wallingers, so gegensätzliche Klangwelten wie Carlo Gesualdos „Gagliarda“ aus dem 16. Jahrhundert und Arvo Pärts „Festina Lente“ aus dem 20. Jahrhundert bewusst und unvermittelt aufeinandertreffen zu lassen. Der verhaltene, an manchen Stellen morbide Gestus der Klänge aus so unterschiedlichen Epochen verband sich zur Überraschung des Publikums auf wundersame Weise. Dass Musik zugleich stehen und fließen kann, war in Wolfgang Amadeus Mozarts sehr kurzem Adagio für eine Orgelwalze, komponiert für eine mechanische Orgel mit einer drehbaren Stiftwalze, zu erleben. Weiche, stehende Harmonien eröffneten den Musikern Räume für pulsierende, melodische Bewegungen.

Zurückhaltende Tongebung
Eine kleine Humoreske von Jean Sibelius- für Solovioline und Streichorchester, toll gespielt von der jungen Geigerin Sachiko Kobayashi, sowie eine drei sätzige Streichersonate des italienischen Opernkomponisten Gioacchino Rossini gab es noch vor der Pause.

Auch in diesen Stücken herrschte eine zurückhaltende Tongebung vor. Die Streichersonate geriet zu einem feinsinnigen Klangspiel zwischen den Registern des Streicherapparates mit solistischen Einlagen des Kontrabasses, der Celli und der ersten Geigen. Nach der Pause trugen die Streicher drei Sätze aus dem eigentlich sieben Sätze umfassenden „Idyll“ des tschechischen Spätromantikers Leos Janácek vor. Dass am Ende alles doch nicht so bierernst gemeint war, verriet augenzwinkernd das Schlussstück, die schwelgerische Romanze aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“, aus der der Schlusssatz als Zugabe erklang. Anschließend gab es für die mit Wohlklängen verwöhnten und angeregten Besucher einen kleinen Umtrunk.

Dietmar Bastian

Die Stärken der Streicher ausgespielt

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Murr Klänge aus vier Jahrhunderten prägten das Neujahrskonzert.


Die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim haben ihr Können unter Beweis gestellt.
Foto: ayanti

Zeit und Traum“ – unter diesem Motto stand das Neu-jahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Bürgersaal Murr. 17 Musikerinnen und Musiker, ein starkes Streicherorchester, dirigiert von Peter Wallinger, zeigten ihr vielfältiges Können mit Werken aus vier Jahrhunderten. Sie nahmen die rund 180 Zuhörer mit auf eine spannende Reise, in deren Verlauf sie die Stärke ihrer Instru-mente meisterhaft ausspielten: eine Musik voller Nuancen und Differenzierungen.

Matthias Bader vom Kulturamt der Gemeinde zitierte zur Begrüßung einen Zeitungsartikel, wonach heutzutage die Lautstarken häufig die Leisen und Stillen im Lande übertönen. „Doch beide gehören, zusammen, in der Gesellschaft wie in der Musik.“ An diesem Abend fanden tatsächlich nicht nur laute und leise Töne Gehör, sondern auch die Literatur Johann-Michael Schneider, freischaffender Schauspieler, Theatermusiker und Regisseur, las kurze Texte, die das Thema „Zeit und Traum“ beleuchteten und interpretierten. Diese Mischung kam beim Publikum gut an.

Zum Auftakt führte das Orchester die Zuhörer in die Zeit des frühen Barocks. Mit der „Gagliarda del Principe di Venosa“ des 1566 geborenen Italieners Carlo Gesualdo beschworen Violinen, Bratschen, Celli und der Kontrabass, souverän geleitet von Wallinger, eine getragene, nachdenkliche Erinnerung an diese ferne Epoche.

Ganz anders „Festina lente“, ein Werk des 1935 geborenen Esten Arvo Pärt. Dieses Stück spiegelt das vertraute Phänomen der subjektiv unterschiedlich erlebten Zeit musikalisch wider. So widersprüchlich, wie der lateinische Titel dieses Stückes lautet (wörtlich übersetzt: Eile mit Weile), so eigenwillig hörte sich diese Komposition an. Ein und dieselbe Melodie, von unterschiedlichen Instrumenten in verschiedenen Geschwindigkeiten intoniert, ergab ein Klangmuster, das vielschichtige Emotionen erzeugte, teils Nachdenklichkeit, teils Versöhnlichkeit, teils Wehmut. Gegen Ende versiegte förmlich der Fluss der Töne; Wallinger dirigierte eine ins Unhörbare abtauchende Musik. Passend dazu zitierte Schneider Goethes „Unbegrenzt“ aus dem West-Östlichen Diwan: „Daß du nicht enden kannst, das macht dich groß, und daß du nie beginnst, das ist dein Los….“

Lebhaft erklangen in der Folge das Adagio für eine Orgelwalze von Wolfang Amadeus Mozart; die fröhliche Humoreske IV des 1865 geborenen Finnen Jean Sibelius, die kraftvolle und harmonische Streichersonate A-Dur der italienischen Meisters Gioacchino Rossini. In der Komposition von Sibelius spielte Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi auf ihrer Violine einen hingebungsvollen Solopart, entlockte ihrem Instrument zarte hohe Töne, auch mit Pizzicato, kurzem Zupfen der Saiten, und sie sorgte damit für einen Glanzpunkt des Abends.

Mit der ausdrucksvollen Lesung des Gedichtes „Närrische Träume“ von Gustav Falke, einem Feuerwerk heiterer Absurdität, leitete Schneider über in den zweiten Teil. Zum Träumen verführte das 1878 geschriebene „Idyll“ des Tschechen Leos Janácek. Eine romantische Hymne an die Schönheit der Natur, eine gefühlvolle Komposition, dabei abwechslungsreich, wobei die hohen Töne der Violinen und die tiefen der Celli anregende Kontraste setzten. Den Konzertabend krönte zum Abschluss das wohl bekannteste und beliebteste Stück. Die sanft dahinfließende Romanze aus Mozarts Kleiner Nachtmusik, blitzsauber und mit spürbarem Gefühl von den Musikern gespielt, erhielt lang anhaltenden und hoch verdienten Beifall. Zur Zugabe hob Wallinger noch einmal den Dirigentenstab zum vierten Satz der „Kleinen Nachtmusik“.

Arnd Bäucker