18.01.2011
Ein musikalisches Feuerwerk
Beschwingt begrüßte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim das neue Jahr. Unter der Leitung von Peter Wallinger lud sie zum Konzert in der Kelter, für die Mitglieder des Fördervereins kostenlos.
Ihr Gründer Peter Wallinger lud die Zuhörer in der voll besetzten Kelter zu einer musikalischen Reise nach Venedig und Prag. Und wie es sich für eine sorgfältig geplante und lang ersehnte Reise gehört, mangelte es auch nicht an der nötigen Aufbruchstimmung. Frisch und voller Musizierfreude schwangen die Musiker den Bogen zu diesem Konzert, mit dem sie das noch junge Jahr begrüßten.
Mit ins Boot hatte sich der Klangkörper den Blockflötisten Daniel Koschitzki geholt, der mit leidenschaftlichem Impetus und sinnlich-filigranem Spiel zum Steuermann des musikalischen Unternehmens wurde. Nur wenige Wochen ist es her, dass Raketenzauber unseren mitternächtlichen Himmel erleuchtete, da brennt der junge Virtuose ein wahres Feuerwerk musikalischer Art ab.
Es lag in der Natur der Sache, dass man sich um der Blockflöte willen im Repertoire auf Musik des Barock beschränkte – obwohl die Kammersinfonie laut Satzung nicht nur Vertrautes neu erlebbar, sondern auch gerne mal Neues vertrauter macht. Schade also, dass nicht auch eine zeitgenössische Blockflötenkomposition zu Gehör gebracht wurde. Doch Vivaldi und Sammartini erklingen in der Klanggebung des jungen Virtuosen hinreißend frisch und gar nicht angestaubt. Tonangebend führt er ein subtiles Zwiegespräch mit dem Orchester, während Peter Wallinger gewährend zurücktritt. Der Solist mit der Löwenmähne beweist nicht nur eine unerhörte Fingerfertigkeit, sondern auch langen Atem in den raffiniert gestalteten Kadenzen. Schlusstöne werden wohltuend mit sanftem Vibrato belebt. An Phrasenenden nimmt sich der gebürtige Güglinger die Freiheit, den Bewegungsfluss kurz zu stauen. Ein Mikrokosmos an Klangspektren tut sich damit auf und zwingt zu unbedingtem Zuhören.
Seinen dichten und doch schwebend-leichtfüßigen Vortrag beschließt der junge Mann, dessen gold funkelndes Shirt an barocken Brokat erinnern, mit einer Zugabe des Franzosen Benoit Tranquille Berbiguier – und kassiert dafür verdienten frenetischen Beifall.
Nachdem im ersten Teil venezianischen Komponisten nachgespürt wurde, führte die Reise im zweiten Part wie versprochen nach Prag. Die fein austarierte Dynamik, die Peter Wallinger seinem Orchester zu entlocken vermag, kam in den Werken der böhmischen Komponisten des 19. Jahrhunderts voll zum Ausdruck. Ein musikalischer Atem einte die Musiker in der „Idylle“ von Leo Janácek, deren Charakterstücke zu einem amüsanten Dialog zwischen Bassgruppe und hellen Violinen geriet, während Dvoráks Prager Walzer das Publikum wiegend und wogend in das neue Jahr trugen.
Clarissa Soder
Die Herzen der Zuhörer im Sturm erobert
Das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim hat beim Neujahrskonzert überzeugt.
Wir wollen mit unseren Möglichkeiten dazu beitragen, den Jahresanfang freudig und fröhlich zu gestalten.“ Mit diesen Worten begrüßte der Kulturreferent der Gemeinde Murr, Matthias Bader, die zahlreich erschienenen Gäste des Neujahrskonzertes mit dem Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Bürgersaal des Murrer Rathauses. Für viele Besucher ist es mittlerweile ein angenehmes und liebgewordenes Muss, zu Beginn des Jahres die musikalische Begegnung mit den so eifrig und hochklassig spielenden Mitgliedern des Orchesters zu suchen. „Seit über 15 Jahren ist es schon gute Tradition geworden, die Musiker zu uns einzuladen und wir sind froh darüber, dass uns dies gelingt“, erklärte Matthias Bader, der immer wieder davon angetan ist, dass die Streicher unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Wallinger das Repertoire nicht nur pflichtgemäß abspulen. „Ihnen ist anzusehen, dass sie es mit einer großen Leidenschaft tun.“
Dies machte auch der wunderbare Einstieg ins abendliche Programm „Venedig-Prag“, das ausschließlich italienische und tschechische Komponisten in den Fokus bringt, deutlich: Spritzig und leichtfüßig kam das Concerto G-Dur von Antonio Vivaldi daher und integrierte in beglückender Weise den feinen Klang des Cemballos in die nuancenreich herausgearbeitete Darbietung. Mit dem darauf folgenden Stück von Giuseppe Sammartini, dem Concerto F-Dur für Sopranblockflöte und Orchester wurde dem Publikum ein wahrer Ausnahmemusiker präsentiert: Daniel Koschitzki, dem 32-jährigen Blockflötisten gelang es im Sturm, die Herzen seiner Zuhörer zu erobern. Mit unfassbarer Intensität von Spielkunst und Körpersprache, die an die – von purer Lebenslust gekennzeichneten – Auftritte des Sängers und Geigers Angelo Branduardi erinnern, zeigte der Instrumentalist mit zwei Stücken einen virtuosen und beinahe atemlosen Hochgeschwindigkeitsritt auf der Flöte. Der völlig authentische und eigenwillig-virtuose Vortragsstil als auch die bezwingende Fähigkeit, sich in die Kompositionen geradezu körperlich hineinzudenken, setzten beim Betrachter und Zuhörer in Sekundenschnelle einen Superlativ-Katalog an Attributen frei, die helfen mögen, das Gehörte einzuordnen. Schließlich blieb dem Publikum lediglich übrig, sich von Ehrfurcht und Staunen gefangen nehmen zu lassen und sich mit viel Beifall von der faszinierenden Starre, die ihn eingefangen hatte, zu lösen. Daniel Koschitzki, der sich für die Begeisterung seiner Zuhörer mit einem dritten, unbegleiteten Stück als Zugabe bedankte, ist nicht umsonst einer der weltweit führenden Blockflötisten seiner Generation. Sein Allegro von Benoit Tranquille Berbiguier holte aus dem dritten Modell, einer ebenholzschwarzen Flöte, noch einmal alles heraus.
„Warum nach Stuttgart oder sonst wohin fahren, wenn wir hier in Murr ein so hochkarätiges Konzert bekommen?“, fragte sich beglückt einer der Besucher, der sich mit dem Gesamtverlauf des Konzertabends am Samstag im Murrer Bürgersaal mehr als zufrieden zeigte. Mit den Komponisten Dvorák, Janácek und Myslivecek wurde die beachtliche konzertante Aufführung nach der Pause fortgesetzt, welche zwar weniger lebhaft und pulsierend, dafür aber von getragener Harmonie und einer besonderen Klangtiefe der äußerst differenzierten Interpretationsweise der Streicher geprägt war und ebenfalls einen viel verdienten Applaus erhielt.
Cornelia Ohst
Funkensprühender Genuss nach Noten
Blockflötist Daniel Koschitzki und die Süddeutsche Kammersinfonie überzeugen das Publikum beim Gastspiel in Ötisheim
Auf eine musikalische Reise nach Venedig und Prag hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Besucher des Neujahrskonzerts mitgenommen, das zum ersten Mal in der großzügig restaurierten Kelter in Ötisheim stattfand.

Unter der Leitung von Peter Wallinger musizierte das Orchester in fülliger, hell leuchtender Klangpracht. Es versprühte regelrecht und in hohem Maß musikalische Funken. Durch das Programm führte sachkundig Edgar Wipf. Die Matinee am Sonntagvormittag stieß bei Musikfreunden aus nah und fern auf enormes Interesse, sodass noch in letzter Minute zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.
Der große Raum im Erdgeschoss der Ötisheimer Kelter weist, wie schon von den ersten Takten des Konzerts erkennbar war, eine warme Akustik auf, die insbesondere einem Konzert mit erlesenem Streicherklang außerordentlich gut tut. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltete zur Einleitung ein Concerto in G-Dur, Opus 51, Nummer vier von Antonio Vivaldi, das den Zusatz „alle rustica“ trägt voller Schwung in wohl dosierten Tempi. Auch zwei Sätze der Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, einem genialen Jugendwerk von Gioacchino Rossini, und schließlich das Konzertstück für Streicher mit dem Titel „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini wurden als musikalische Kostbarkeiten von den Musikern unter Peter Wallingers Leitung dargeboten.
Den Programmteil „Venedig“ bereicherte mit der Aufführung von Kompositionen von Giuseppe Sammartini und Antonio Vivaldi der exzellente Virtuose auf der Sopranblockflöte Daniel Koschitzki. Dieser junge Könner auf seinem Instrument interpretierte ein Concertino in F-Dur von Sammartini, einem jüngeren Zeitgenossen von Vivaldi, mit virtuoser Bravour. Die kompliziertesten, geradezu verwegen angelegten schnellen Passagen sowohl dieses Werks als auch im weiteren Verlauf des Neujahrskonzerts in Ötisheim erst recht des Concertos in C-Dur für Flöte und Streicher von Vivaldi führte Daniel Koschitzki in rasantem Tempo und in unvergleichlich präziser Intonation, dazu auch überaus nuanciert im Ausdruck aus. Er musizierte förmlich mit dem ganzen Körper und zuweilen schien es so, als wollte der sein Spiel noch mit tänzerisch anmutenden Bewegungen ergänzen. Für den frenetischen Beifall nach dem Vivaldi-Concerto bedankte sich Daniel Koschitzki noch mit einer brillant ausgeführten Zugabe. In ähnlicher Weise waren auch die Besucher des Neujahrskonzerts, das am Sonntagnachmittag noch einmal in der Kelter in Bietigheim-Bissingen zu hören war, von diesem temperamentvollen und energiegeladenen Feuerwerk nach Noten begeistert.
Im zweiten Programmteil waren Kompositionen der tschechischen Komponisten Josef Myslivecek, der im 18. Jahrhundert lebte, sowie Antonin Dvorák und Leo_ Janácek zu hören. Ein Quintetto in Es-Dur von Myslivecek ließ die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sehr elegant und in der Melodik feinstimmig erklingen. Der Komponist lebte hauptsächlich in Italien, weshalb seine Kompositionen vom dortigen farbenreichen Stil geprägt sind. Zwei Walzer aus Opus 54 von Antonin Dvorák erlebten schwebend leichte und delikate Wiedergaben und auch drei Sätze des Zyklus „Idylle“ von Janácek waren in der Ausführung durch das in zart schimmernden Klangfarben musizierende Streichorchester ein Genuss. Nach anhaltendem, freudigen Schlussapplaus spielte die Süddeutsche Kammersinfonie noch eine kurze Zugabe. Nach dem Konzert meinte Peter Wallinger im Gespräch mit unserer Zeitung, er sei von dem Ambiente und der Akustik der Kelter so angetan, dass er beabsichtige, auch in Zukunft hier mit der Kammersinfonie aufzutreten.
Rudolf Wesner