20.02.2014
Doppel-CD stimmt auf Konzert ein
Die „sueddeutsche kammersinfonie“ hat im Vorfeld eines Konzertes im Kronenzentrum am 6. März eine CD mit dem Titel „Jubiläumsedition 2014“ veröffentlicht. Eine Einstimmung auf das Programm „Leidenschaft der Töne“.

Foto: Martin Kalb.
Kennzeichnend für die Kammersinfonie Bietigheim ist ihr Mut, Kompositionen mit einer gewissen Leichtigkeit anzugehen, um ihnen so den Schrecken der Schwere zu nehmen. Rund um den künstlerischen Leiter Peter Wallinger hat sich ein Ensemble versammelt, das in seiner Spielfreude ein hohes Niveau erreicht hat.
Beleg dafür mag die neue Doppel-CD sein, die als ersten Höhepunkt das „Gebet des Torero“ von Joaquin Turina enthält. Das Stück besteht aus einer dramatischen Einleitung, einem Pasodoble, einem bewegenden lyrischen Andante, einem Lento und die Reprise des Pasodoble, die im Lento schließt. Erzählt wird die Geschichte eines Torero, der nach dem Trubel in der Arena und dem Lärm der Zuschauer am Ende Ruhe und Trost im Gebet findet. Der Kammersinfonie gelingt es auf beeindruckende Weise, die Musik bis hin zur mystischen Verklärung zu steigern.
Wie ein Kontrast dazu sind die „Nordischen Weisen“ von Edvard Grieg und „Des Spielmanns Lieblingsmusik“ von Pehr Henrik Nordgren anzuhören. Leicht präsentiert, wird der Hörer in rasch wechselnde Gefühlslagen hineingestoßen und musikalisch wird dies von der Kammersinfonie kräftig in Szene gesetzt. Diese spielerische Einfärbung der ersten CD endet mit Johann Sebastian Bachs „Gavotte“. „Soli Deo Gloria“, Gott allein zum Ruhm, wie der Komponist gesagt hätte – und dem Hörer zum Wohlgefallen. Auf der zweiten CD wurde bei der Auswahl der Stücke, die alle zwischen Juli und Dezember 2014 aufgezeichnet wurden, Ludwig van Beethoven in den Mittelpunkt gerückt. Die Ouvertüre von Goethes Trauerspiel „Egmont“, op. 84, ist ein Orchesterwerk von Beethoven, wobei die Ouvertüre besonders bekannt wurde. Zu empfehlen ist das komplette Stück bis hin zum pompösen Finale und der Hinrichtung des freiheitsliebenden Grafen Egmont. Mit einer Spielzeit von insgesamt rund 45 Minuten bietet die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ mit der Sinfonie Nr. 3 aus „Eroica“ dann Beethoven satt. Die erste öffentliche Aufführung fand am 7. April 1805 im Theater an der Wien statt. Mit „Eroica“ gelang Beethoven der Schritt von der „klassischen“ Symphonie des 18. Jahrhunderts zur „großen“ Symphonie des 19. Jahrhunderts. Musikalisch in einem ungewöhnlichen Ausmaße, kühn klingenden Instrumentation und eine damit hergehende weltbürgerliche Sprache. „Eroica“ ist der Schlusspunkt der CD – übrigens gar nicht im Sinne des großen Komponisten. Man möge diese Symphonie, die über das gewohnte Maß ausgedehnt sei, doch bitte lieber kurz nach Beginn, als gegen das Ende einer musikalischen Veranstaltung ansetzen. „Sie würde sonst, wenn der Zuhörer von dem Vorhergegangenen bereits ermüdet ist, von ihrer Wirkung verlieren“, schrieb Beethoven 1806 in der Erstausgabe der Partitur. Bei der Kammersinfonie Bietigheim wurde „Eroica“ ganz ans Ende gesetzt, was der Anordnung der insgesamt höchst gelungenen Einspielung jedoch nicht schadet.
Am Freitag, 6. März, können sich Zuhörer der „Leidenschaft der Töne“ der Kammersinfonie ab 20 Uhr im Bietigheimer Kronenzentrum völlig hingeben. Eine Einführung in das Konzert findet um 19.15 Uhr mit Christina Dollinger statt. Das Orchester spielt Johannes Brahms „Ungarische Tänze“, Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur und Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert Nr. 2 d-moll op. 40. Solistinnen sind Marina und Magdalena Müllerperth am Klavier.
Info: Vorverkauf bei der Stadtinformation, Hauptstraße 65, in Bietigheim-Bissingen und im Internet.
Die CD kann auf der Homepage der Kammersinfonie bestellt werden: www.sueddeutsche-kammersinfonie.de
Jörg Palitzsch
„Forte subito“ erklingt mit Bravour Neue Live-CD der Kammersinfonie Bietigheim
Die neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ bietet den Auftakt zum Jubiläumsjahr 2014, in dem das Orchester sein 30-jähriges Bestehen feiert. Alles rankt sich um Mozart.
Bietigheim-Bissingen. Mit Werken aus der Saison 2013 wird die Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ bereits in der elften Folge fortgesetzt. Unter der Leitung von Peter Wallinger, Schüler des rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache, rückt das Orchester für die CD – wieder einmal – die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart in den Mittelpunkt. Zum Jubiläumsjahr 2014 kann es folgerichtig dann auch nur die „Jupiter-Sinfonie“ sein, jener musikalische Kontrapunkt zur barocken Schule. Sie wird als eines der gelungensten Stücke der Sinfonik angesehen und als „höchster Triumph der Instrumentalkomposition“ gefeiert. Die Kammersinfonie Bietigheim spielt die vier Sätze der Sinfonie in einer eigenen klassischen Sprache und mit beeindruckender Leichtigkeit. Alles glänzt und ist musikalischer Ausdruck für Optimismus.
Der österreichische Dirigent und Musikwissenschaftler Kurt Pahlen schrieb über das Finale: „Hier kann uns Mozart selbst als Gott erscheinen, der nach freiem Willen Sternbilder in der Unendlichkeit des Weltraums schafft. Die Großartigkeit entgeht keinem Hörer; aber sein volles Verständnis erschließt sich nur den Eingeweihten.“ Hörbar wird dies beim zweiten Satz. „Andante cantabile“ überzeugt durch inniges Spiel, eine expressive Harmonik und den Wechsel zwischen Streichern und starken Holzbläsern. Das „ forte subito“, die Veränderung der Dynamik und Lautstärke, der Wechsel zwischen dem vollen Orchesterklang und den „piano“ gespielten Passagen, beherrscht das Ensemble mit Bravour.
Freilich darf man die neue CD nicht auf Mozart reduzieren, wenngleich noch ein Blick auf die lateinische Solo-Motette „Exsultate, jubilate“ gerichtet werden muss. Das Allegro mit der Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr berührt tief: „Jauchzet, jubelt, o ihr glücklichen Seelen, singt süße Lieder“.
Eingebettet ist dies alles in Antonio Vivaldis Trompetenkonzert C-Dur op. 46 , dessen berührendes Largo den musikalischen Himmel viel zu kurz öffnet, sowie Antonín Dvoraks Serenade in E-Dur, op. 22 für Streichorchester… Voll brillanter Schönheit ragt das Larghetto hervor. Dieser Satz hat zum Auftakt einen zerbrechlichen Charme, eine spätromantische Harmonie, die über Moll dem funkelnden Höhepunkt in Dur entgegenfiebert. Ein musikalischer Leuchtturm am Ende der CD. Diese kostet zwölf Euro und kann im Internet bestellt werden.
Jörg Palitzsch