2010
Kleine Sinfonie ganz groß
Zur Zeit der Entstehung waren es oft bahnbrechende Werke, heute gehören die am Sonntagabend von der Sueddeutschen Kammersinfonie gespielten Kompositionen zu den beliebten Teilen eines Konzertes.
Nach einer kompetenten Einführung durch Christina Dollinger, Musikwissenschaftlerin mit dem Augenmerk auf das musikalisch Besondere, eröffneten Peter Wallinger und die Sueddeutsche Kammersinfonie mit der „Pavane pour une infante défunte“ von Maurice Ravel das Programm im Bietigheimer Kronenzentrum. Schon als Klavierstück hatte das Werk des Komponisten höchstes Lob erfahren, seine Bearbeitung für Orchester scheint noch mehr die Würde der Stimmung wiederzugeben. Tiefe Bläser, große Bögen und wunderbare Klangteppiche schienen für das Orchester genau zu passen, die Interpretation vermittelte eine beeindruckende Stimmung. Dann kam der Kontrast: Ein heiterer Mozart, der seine 30 Klavierkonzerte vor allem für sich selbst komponiert hat. Als erster freiberuflicher Musiker der Musikgeschichte war er darauf angewiesen, seine Werke selbst aufzuführen. Der Interpret des A-Dur Konzerts KV 488 ist kein Unbekannter in Bietigheim: Bernard d`Ascoli hat schon Beethoven mit der Kammersinfonie gespielt und spricht begeistert von der Zusammenarbeit mit dem Orchester. So unsicher, wie sich der blinde Pianist auf der Bühne bewegt, so sicher ist sein Spielen. Alle Sensoren dieses sensiblen Musikers scheinen auf Hören ausgerichtet zu sein. Während die schnellen Sätze des Werkes eher kraftvoll mit etwas Beethoventendenz erklangen, zauberten die Musiker ein wunderschönes Adagio, das von der Farbgebung schon ein wenig in die Romantik verwies. Besonders beglückend waren die beiden Zugaben des Pianisten, ein Schubert Impromptu und ein Walzer von Chopin, die außerordentlich virtuos und zugleich berührend von d‘Ascoli musiziert wurden.
Das bahnbrechendste Werk in der Geschichte der modernen Musik, „L´après-midi d´un faune“ von Claude Debussy, eröffnete den zweiten Teil des Programms. Was der Komponist unter dem Einfluss asiatischer Musik an neuen Klängen auf die Partitur übertrug, ist heute in seiner Unerhörtheit kaum noch nachvollziehbar. Musik und Malerei vereinigten sich zu Bildern in den schönsten Farben. Allein der Beginn, ein wunderschönes Flötensolo, impressionistische Orchesterbilder, die kaum der rhythmischen Struktur bedürfen, nehmen den Hörer mit auf eine Reise zu Farben, Bildern, Fantasien. Peter Wallinger und sein Orchester gaben mit ihrer Wiedergabe diesem besonderen Werk alle Ehre. Den Abschluss machte nicht ein romantisch-schwermütiger, sondern ein heiterer Franz Schubert mit seiner Sinfonie in B-Dur. Einige Bläser verließen die Bühne, und die sinfonische Besetzung verkleinerte sich, zumindest bei den Bläsern, auf Solistenformat. Das Werk wird die “kleine Sinfonie“ genannt, dennoch präsentiert sie sich in Klarheit und musikalischer Größe. Auch dieses Werk schien den Musikern unter Peter Wallinger auf den Leib geschrieben. Schwungvolles Musizieren und klare Interpretation der klassischen Form zeichnen das interpretatorische Konzept der Kammersinfonie und ihres Leiters aus.
Irene Schmidt-Makowiec
„Klangzauber“ im nur halb gefüllten Kronensaal
Kompositionen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verbanden sich in einem Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger mit solchen des Impressionismus zu ohrenschmeichelndem „Klangzauber“.
Im halb vollen Kronensaal hörten die Besucher delikate Aufführungen von Werken von Mozart, Schubert, Debussy und Ravel.
Dessen „Pavane pour une Infante défunte“ ist ein sanft dahinschreitendes Orchesterstück, in dem wehmütig und andachtsvoll an eine verstorbene Prinzessin erinnert wird. Die Süddeutsche Kammersinfonie leitete damit das Konzert ein und bestach mit einer lyrisch und verklärt gestalteten Aufführung der weit tragenden schlichten Melodik.
Vor drei Jahren beeindruckte der blinde Pianist Bernard d’Ascoli im Kronensaal mit einer ausgereiften Interpretation des dritten Klavierkonzerts von Beethoven. Jetzt war der außergewöhnliche Künstler erneut in Bietigheim zu hören. Mit der Süddeutschen Kammersinfonie führte er Mozarts Klavierkonzert
A-Dur, KV 488, auf. Bernard d’Ascolis schwebend leichter An- schlag ließ bereits im ersten Satz aufhorchen, die graziösen The- men in bewegtem Tempo breitete er transparent aus. Es erklang besinnliches, beseeltes Adagio; das Einleitungsmotivdesdritten Satzes spielte der Franzose mit erfrischendem Elan. Es war eine von sprühender Intensität getragene Interpretation zu erleben, zumal das Orchester ihn mit klangprächtiger Fülle begleitete.
Zauberisch und verträumt er- klang das Prélude „L’après-midi d’un faune“ von Debussy. Das Flirren und Flimmern der Luft an einem Sommernachmittag in der mythischen Landschaft Arkadiens ließ Peter Wallinger vom Orchester genüsslich musizieren. Besonders die Holzbläser führten die elegisch dahinfließende Melodik in sensibler Intonation aus. Ein wahrer Ohrenschmaus!
Beliebt ist Schuberts fünfte Sinfonie in B-Dur, deren anmutiger erster Satz noch von Mozart beeinflusst ist. Romantische Stimmungen und tänzerische Elemente artikulieren sich auch in den weiteren Sätzen. Drei Sätze musizierte das Orchester in forschen Tempi und entfaltete dabei seine in jedem Register glutvolle Fülle. Nur das Andante erklang geruhsam dahingleitend.
Rudolf Wesner
„sueddeutsche kammersinfonie“ im Mühlehof
Weil der Uhlandbau gegenwärtig renoviert wird, mussten Peter Wallinger und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ am Samstagabend in den deutlich größeren, deshalb leider nur schwach besetzten Gottlob-Frick-Saal im Mühlehof umziehen. Mit Werken aus zwei Jahrhunderten bot dieses brillante Ensemble den versprochenen Klangzauber in reichem Maße.

Die „Pavane pour une Infante défunte“ von Maurice Ravel ist ein sanft dahin schreitendes Orchesterstück, in dem wehmütig und andachtsvoll an eine verstorbene Prinzessin erinnert wird. Die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim leitete damit das Konzert ein und bestach vom ersten Takt an mit einer lyrisch und verklärt gestalteten Aufführung der weit tragenden schlichten Melodik.
Vor drei Jahren beeindruckte der in Südfrankreich geborene, blinde Pianist Bernard d’Ascoli damals im Uhlandbau mit einer unvergesslich ausgereiften Interpretation des Klavierkonzerts Nummer drei von Ludwig van Beethoven. Am Samstagabend war dieser außergewöhnliche Künstler erneut in Mühlacker zu hören. Zusammen mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger führte er das Klavierkonzert A-Dur, KV 488, von Wolfgang Amadeus Mozart auf. Bernard d’Ascoli ließ bereits im ersten Satz wegen seines schwebend leichten Anschlags aufhorchen, mit dem er die graziösen Themen in bewegtem Tempo überaus transparent ausbreitete. Unter d’Ascolis Händen erklang ein besinnliches und beseeltes Adagio und das Einleitungsmotiv des dritten Satzes spielte er mit solch erfrischendem Elan, dass eine von sprühender Intensität getragene Interpretation zu erleben war, zumal auch die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim den Solisten mit klangprächtiger Fülle begleitete und ihren Begleitpart in gewohnt feiner Nuancierung farbenreich musizierte.
Zauberisch und verträumt erklang das Prélude à „L’après-midi d’un faune“ (Der Nachmittag eines Fauns), das Claude Debussy im Jahr 1892 komponierte. Es gilt als das erste impressionistische Orchesterwerk der Musikgeschichte. Das Flirren und Flimmern der Luft an einem warmen Sommernachmittag in der mythischen Landschaft Arkadiens ließ Peter Wallinger von seinem Orchester genüsslich musizieren. Insbesondere die Holzbläser führten die elegisch dahinfließende Melodik in sensibler Intonation aus. Ein wahrer Ohrenschmaus war dies Wiedergabe des Debussy-Werks.
Beliebt und gern gehört ist die Sinfonie Nummer fünf in B-Dur, von Franz Schubert 1816 in Noten gesetzt. Sie ist in ihrem anmutigen ersten Satz noch deutlich von Mozart beeinflusst. Romantische Stimmungen und tänzerische Elemente artikulieren sich auch in den weiteren vier Sätzen durch weitgespannte, eingängige Melodien. Drei Sätze musizierte das Orchester in forschen Tempi und entfaltete dabei seine in jedem Register glutvolle Klangfülle.
Nur das Andante erklang in geruhsam dahingleitendem Tempo Der beliebten Sinfonie wurde mit der unpathetischen Wiedergabe kraftvoll leuchtender Glanz verliehen.
Rudolf Wesner
Klangzauber schmeichelt Ohren
Kompositionen aus der Zeit der Klassik im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert verbanden sich in einem Konzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger mit solchen des Impressionismus zu ohrenschmeichelndem Klangzauber.
Im nur schwach besetzten Gottlob-Frick-Saal des Mühlehofs erlebten die Besucher am Samstagabend delikate Aufführungen von Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Claude Debussy und Maurice Ravel.

Weil der Uhlandbau renoviert wird, mussten Peter Wallinger und sein Orchester mit der von ihm initiierten Konzertreihe „Mühlacker Concerto“ in den wesentlich größeren Gottlob-Frick-Saal umziehen. Von der musikalischen Qualität des Konzerts und der ausführenden sueddeutschen kammersinfonie bietigheim her gesehen hätte der Mühlehof-Saal eigentlich voll besetzt sein müssen, denn mit den ausgewählten Werken aus zwei Jahrhunderten bot dieses brillante Ensemble den versprochenen Klangzauber in vollem Maße.
Die „Pavane pour une Infante défunte“ von Maurice Ravel ist ein sanft dahinschreitendes Orchesterstück, in dem wehmütig und andachtsvoll an eine verstorbene Prinzessin erinnert wird, obwohl der Komponist das Werk nicht als Totenklage verstanden haben wollte. Die sueddeutsche kammersinfonie leitete damit das Konzert ein und bestach vom ersten Takt an mit sensibler Verschmelzung der einzelnen Orchesterstimmen. Lyrisch und verklärt breitete sich die schlichte Melodik aus.
Vor drei Jahren beeindruckte der in Südfrankreich geborene, blinde Pianist Bernard d’Ascoli im Uhlandbau mit einer einzigartigen Interpretation des Klavierkonzerts Nummer drei von Ludwig van Beethoven. Jetzt war dieser außergewöhnliche Künstler erneut in Mühlacker zu hören. Zusammen mit der sueddeutschen kammersinfonie unter Leitung von Peter Wallinger führte er das Klavierkonzert A-Dur, KV 488, von Mozart auf.

Bernard d’Ascoli bestach bereits im ersten Satz mit seinem schwebend leichten Anschlag, mit dem er die graziösen Themen in bewegtem Tempo überaus transparent gestaltete. Unter d’Ascolis Händen erklang ein besinnliches und beseeltes Adagio, und das Einleitungsmotiv des weithin bekannten dritten Satzes spielte er mit erfrischendem Elan, so dass eine von sprühender Intensität getragene Ausführung zu hören war, zumal auch die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim den Solisten mit klangprächtiger Fülle begleitete und ihren Begleitpart in gewohnter feiner Nuancierung farbenreich musizierte. Für den freudigen Applaus bedankte sich d’Ascoli mit einer Chopin-Komposition, die gleichfalls voller Energie dargeboten wurde.
Zauberisch und verträumt erklang das Prélude „L’après-midi d’un faune“ (Der Nachmittag eines Fauns), das Claude Debussy im Jahr 1892 komponierte. Es gilt als das erste impressionistische Orchesterwerk der Musikgeschichte. Das Flirren und Flimmern der Luft an einem warmen Sommernachmittag in der mythischen Landschaft Arkadiens ließ Peter Wallinger seinem Orchester genüsslich musizieren. Insbesondere die Holzbläser führten die träge dahinfließende Melodik in sensibler Intonation aus.
Beliebt und gern gehört ist die Sinfonie Nummer fünf in B-Dur, von Franz Schubert 1816 in Noten gesetzt. Sie ist in ihrem anmutigen ersten Satz noch deutlich von Mozart beeinflusst. Romantische Stimmungen und tänzerische Elemente artikulieren sich in weit gespannten, eingängigen Melodien. Drei der vier Sätze musizierte das Orchester in forschen Tempi und entfaltete dabei seine in jedem Register glutvolle Fülle. Nur das Andante erklang in geruhsam dahingleitendem Tempo. Peter Wallinger verlieh der Sinfonie mit dieser unpathetischen Wiedergabe leuchtenden Glanz. Als Zugabe für den begeisterten Schlussapplaus wurde noch ein kurzer Ausschnitt aus dem Menuett-Satz gespielt.
Rudolf Wesner
Klassik: Ein höllischer Spaß für Schüler
Gebannt verfolgen kleine Zuschauer in der Bietigheimer Kelter die musikalische Erzählung vom „Teufel mit den goldenen Löckchen“. Die Süddeutsche Kammersinfonie hatte in sechs Vorstellungen 1400 Grundschüler zu Gast. Musikunterricht der Extraklasse.
Qualm quillt aus dem Ofen in der Kelter. Es ist heiß und düster in der Nebenhölle 23, der Hölle für Musiker. Lucius der Siebente, eigentlich ein Fehlerteufel, soll das seit fast zehn Jahren von der Erde verschwundene Fagott-Ensemble, Geschwister Fago“ bewachen. Er bekommt eine Belohnung, wenn sich niemand auf der Erde an die Fagottisten erinnert. Natürlich kommt es anders: Auf der Erde erinnert sich die kleine Paula an das Quartett, und so macht sich Schutzengel Angela auf den Weg, um die Musiker zu befreien.
Die „Fago-Geschwister“ (das Fagott-Ensemble der Kammersinfonie mit Bernadette Glöckler, Frank Lehmann, Stephan Rex und Christof Baumbusch) war aus nicht näher erklärten Gründen nach ihrem Tod in die Hölle geraten und spielten dem Teufel Lucius (Jörg Schade) erst einmal den ,,Gefangenenchor“ aus Verdis ,,Nabucco“ vor. Nach teuflischen Ratespielen des rot beschwanzten Lucius mit dem Publikum („ist ein Fagott ein Blechblas-, ein Holzblas- oder ein Tasteninstrument?“) trat Schutzengel Angela (Christiane Schoon) auf den Plan. Die Befreiungsaktion leitete der Engel nicht alleine ein, sondern mit Hilfe der Kinder. Diese ließen sich weder von Rätseln in Gedichtform (,.Ich hab ’nen Kasten, mit vielen Tasten, die niemals rasten“) noch von Klatschrhythmen für eine Spontankomposition abschrecken.
Untermalt wurde das musikalische Programm von einem klug zusammengestellten Potpourri: Klassiker wie Jacques Offenbachs Höllenritt-Can-Can aus ,,Orpheus in der Unterwelt“ waren genauso wie Volks- oder Kinderlieder zu hören. Ein höllischer Spaß für kleine Musikfreunde: ,,Der Teufel mit den goldenen Löckchen“ bietet alles, was Kinderherzen höher schlagen lässt: Spannung, Witz und jede Menge Musik.
Kein Wunder. dass man danach nur zufriedene Zuhörer traf. ,,Sehr gut“ und ,,sehr witzig“, urteilten die Jungen und Mädchen verschiedener Schulen aus der Stadt und dem Umland.
Das Interesse an der Musikvermittlung war riesengroß. Darüber freut sich der Leiter der Kammersinfonie, Peter Wallinger. Sechsmal war die Kelter ausverkauft. Sechsmal gab es Beifall für klassische Musik.
Anliegen von Kammersinfonie und städtischem Kulturamt ist es. wie Projektkoordinator Ulas Aktas betont, Freude an der Musik zu wecken und den Kindern die Angst vor klassischer Musik zu nehmen.
Vielleicht wollen die Profimusiker auch eine Lücke im Lehrplan schließen, weil es das Fach Musik in der Grundschule nicht mehr gibt. Die Begeisterung der Kinder gibt den Musikern recht. Mit Klatschen und Antworten aus vielen Kehlen waren sie voll und ganz dabei und unterstützten Handlung und Dialoge der Schauspieler mit Begeisterung.
Alfred Drossel
Engel Angela rettet die Fagotte
Schulkinder bekommen spielerisch klassische Musik und Instrumente nähergebracht. Gleich zweimal trieb der Teufel Lucius gestern Vormittag seine höllischen Späße mit vier Fagottisten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Daran hatten Besucher und Schüler ihren Spaß.
Seit dem Jahr 2004 führen Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim diese Konzerte für Schüler in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Bietigheim-Bissingen durch. Auch am heutigen Dienstag-sowie am Mittwochvormittag sind jeweils zwei Vorstellungen vorgesehen.
Ziel ist es, wie Peter Wallinger, Gründer und Chefdirigent des Orchesters, betonte, Kinder schon frühzeitig an klassische Musik heranzuführen. Das ist zweifellos eine anspruchsvolle Aufgabe, aber die Begeisterung der kleinen Zuhörer, wie sie sich auch am Montagvormittag lautstark äußerte, belegte, dass so etwas gut angenommen wird. Voraussetzung ist allerdings eine kindgerechte Präsentation der ausgewählten Stücke.
Jörg Schade und Franz-Georg Stähling hatten hierfür genau das richtige Gefühl, als sie das Musiktheaterstück ,,Der Teufel mit den goldenen Löckchen“ schrieben und mit Musik von Giuseppe Verdi, Jacques Offenbach, Georg Friedrich Händel, Gioacchino Rossini und anderen umrahmten. In dem Zwei-Personen-Stück spielte Jörg Schade den Teufel Lucius mit lebhafter Gestik und viel Sinn für die Komik seiner Rolle. Außerdem sorgte der von Christiane Schoon überaus heiter und bewegt dargestellte Schutzengel Angela für den temperamentvollen Handlungsablauf.
Lucius bewachte in der Nebenrolle für Musiker seit zehn Jahren das einstmals auf Erden legendäre Fagottquartett „Geschwister Ohrentaub“. Eigentlich sollte nun seine Aufgabe abgeschlossen sein, denn falls sich nach dieser langen Zeit kein Mensch mehr an die in die Musikerhölle verbannten Künstler erinnert, würden diese endgültig in der tiefsten Hölle verschwinden und Lucius würde eine tolle Belohnung für seine treuen Dienste erhalten.
Doch da trifft in letzter Minute vom Chefteufel die Mitteilung ein, dass sich das Mädchen Paula sehnsüchtig an seine Tante Hermine und ihre Brüder erinnere. Der Engel Angela sei schon auf dem Weg, um die vier aus der Hölle wieder auf die Erde zurückzuholen. Aber so schnell wollte sich Lucius nicht geschlagen geben. Mit List und Tücke ersinnt er ein Ratespiel mit, wie er meint, höllisch schwierigen, unlösbaren Aufgaben und hofft, dass der blondgelockte Engel keine Chance haben würde, die richtigen Antworten zu finden. Aber Angela und die vier Fagottisten, Bernadette Glöckler, Frank Lehmann, Stephen Rex und Christof Baumbach, die seit vielen Jahren der Süddeutschen Kammersinfonie angehören, können alle Fragen mühelos richtig beantworten. Sie werden von den Ketten, an die sie gefesselt waren, befreit und verabschieden sich einer nach dem anderen von dem auf einmal schrecklich traurigen Teufel. Zum Trost gewährt ihm Angela einen Wunsch. Lucius schließt seine Augen und als er sie wieder öffnet, hat sich sein Wunsch erfüllt. Statt der zwei Hörnchen ziert sein Kopf nun eine wallende, blonde Lockenpracht.
Die beiden Darsteller Jörg Schade und Christiane Schoon spielen ihre Rollen so lebendig und beziehen dabei die mit Spannung der Vorstellung folgenden Kinder in die flotte Handlung ein. Dazwischen erklingen für ein Fagottquartett arrangierte bekannte Kompositionen und natürlich wird auch das Holzblasinstrument in alle Einzelheiten den Zuschauern erklärt.
Wie deutlich zu hören war, ist das Fagott eben nicht bloß der „Brummbär“ in einem Orchester, sondern eignet sich vorzüglich auch zum Spiel schöner, auch beschwingter Melodien.
Das ist lebendiger und eindrucksvoller Musikunterricht, für den sich die Jungen und Mädchen in der Kelter mit lautem, freudigem Beifall bedankten.
Rudolf Wesner
Impressionen des Südens
„Mediterrane Streifzüge“ versprachen Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ beim „Musikalischen Sommer“ in Lienzingen. Tatsächlich waren (wegen drückender Hitze) nicht nur Dirigent und Instrumentalisten gekleidet, als stünde der Aufbruch in die Toskana kurz bevor. Auch die gebotene Musik leuchtete in sommersatten Farben.
Die einleitend musizierten Instrumentalstücke aus Claudio Monteverdis Bühnen-Märchen „Orfeo“ zelebrierten im Wechsel temperamentvoll aufgehellte und dunkel traurige Sätze, kamen gemessenen Schrittes daher oder tänzerisch leicht. Später gab es ein in manchen Passagen südländisch glühendes „Concerto per Archi“ (Streicherkonzert) des italienischen Komponisten Nino Rota, dessen Filmmusiken große Erfolge waren. Und Teile aus den populären, im alten Stil anmutig und musikantisch reizvoll vorgetragenen „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi. Im Zentrum der musikalischen Matinee aber standen zwei Solo-Konzerte mit der renommierten Marimba-Spielerin und polnischen Musikhochschul-Professorin Katarzyna Mycka, die als internationale Botschafterin ihres ursprünglich aus Guatemala stammenden Instrumentes gilt.

Virtuose Technik
Die Wiedergabe des von ihr transponierten d-Moll-Konzerts „für Marimba und Orchester“ von Johann Sebastian Bach (nach dessen Cembalo-Konzert BWV 1052) gefiel nicht nur wegen des dunkel-verhangenen Resonatoren-Tons der benutzten Stabspiele. Vor allem begeisterte die Zuhörer die virtuose Handhabung der Triller-Ketten, Töne-Kaskaden und fein nachhallenden Akkord-Brechungen. Marimbaspieler brauchen an ihrem breit ausladenden Instrumententisch, mit je zwei Klöppeln in beiden Händen, athletische Kondition bei höchster Konzentration. Katarzyna Mycka verfügt zudem über eine Sensibilität, die jede dynamische Nuance beherrscht und schlafwandlerisch sicher Akzente setzt. Das zeigte sich nicht zuletzt in ihrer fulminanten Interpretation des Marimba-Konzertes von Emmanuel Séjourné (geboren 1961), das sich dank seiner aus tiefsten Regionen in lichte Höhen aufsteigenden, anscheinend von kosmischen Energien getragenen Sphärenmusik ganz neuartigen, sinnlich intensiv erfahrbaren Klangräumen öffnete. Blitzschnelle Reaktionen zeichneten den Wirbel der Schlegel aus, aber auch geschmeidige, jäh gebremste Geläufigkeit.
Solche Impulse wurden vom Orchester unter Wallingers Leitung weiter getragen und zu einem stimmungsvollen Musiktableau mediterraner Prägung gefügt.
Eckehard Uhlig
Vibrierende Marimba hebt die baroke Strenge auf Süddeutsche Kammersinfonie begleitet Katarzyna Mycka
Großsachsenheims Schlosshof war ein lauschiger Ort, um vital leuchtenden Streicherklang zu erleben. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltete unter der Leitung von Peter Wallinger ein sommerlich heiteres Konzertprogramm mit dem Titel „Mediterrane Streifzüge“
Die zahlreichen Besucher konnten bei hochsommerlichen Temperaturen Musik aus drei Jahrhunderten genießen. Zum ausgewogenen und doch voluminösen Klang des Streicherorchesters fügten sich füllige und warme Töne, die Katarzyna Mycka der Marimba entlockte. Als zusätzliche, reizvolle Klangkulisse kam der muntere Gesang einer Amsel hinzu.
Doch zunächst entführte Peter Wallinger und die Musiker der Kammersinfonie zurück zu Claudio Monteverdi, der im Jahr 1607 mit „Orfeo“ die erste Oper überhaupt komponierte. Daraus waren vier Instrumentalsätze anmutig tänzerisch und in edler Streicherpracht zu hören.
Katarzyna Mycka ist eine hochdekorierte Könnerin auf dem Schlaginstrument Marimba. Im Schlosshof interpretierte sie, feinstimmig vom Orchester begleitet, eine Bearbeitung des Concertos für Cembalo oder Violine Solo (BWV 1052) von Johann Sebastian Bach für ihr Instrument, dessen vibrierender Klang die Strenge der Barockkomposition aufhob. Sehr nuanciert führte Mycka dieses ungewöhnliche Arrangement aus.
Außerordentlich tempobetont und voller offenbarender Musizierfreude spielte die hervorragende Solistin zwei Sätze des zeitgenössischen Konzerts für Marimba und Streichorcherster von Emmanuel Séjourné. Hier entfaltete sie ihre vollendete Virtuosität mit Bravour und Energie, ohne auf einen samtweichen Anschlag mit den vier Schlegeln zu verzichten. Das war ein wahrer Musikgenuss.
Auch im zweiten Teil des Konzerts bestach die Süddeutsche Kammersinfonie mit lebendigem und dichten Streicherklang. Von Nino Rota, vor allem bekannt geworden mit seiner Musik zu den Filmen „Der Pate“, wurden aus dem „Concerto per Archi“ Scherzo und Allegro als echtes Bravourstück aufgeführt: Weite Melodiebögen und markante rhythmische Elemente bildeten vitale Ausdruckskontraste.
Elegant, mal tänzerisch leicht, mal in elegischem Ton schreitend, bot das Orchester zum Abschluss die dritte Suite „Antiche Danze ed Arie“, eine populäre Folge von Bearbeitungen alter Musik aus dem 16. und 17. Jahrhundert von Ottorio Respinghi, die sich als weitere musikalische Delikatesse erwies.
Rudolf Wesner
Anmutig und kraftvoll Edle Streicherpracht verbindet sich mit zartem Marimbaklang
Zur Fortsetzung der Reihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche gestaltete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger ein sommerlich heiteres Konzertprogramm mit dem Titel „Mediterrane Streifzüge“. Darin fügte sich der ausgewogene und doch auch voluminöse Klang des Streichorchesters mit den fülligen und warmen Tönen, wie sie die hervorragende Solistin Katarzyna Mycka der Marimba entlockte, zusammen.
Doch zunächst entführten Peter Wallinger und das Orchester die Zuhörer weit zurück in eine frühe Periode der Musikgeschichte zu Claudio Monteverdi, der im Jahr 1607 mit „Orfeo“ die erste Oper überhaupt komponierte. Daraus waren vier Instrumentalsätze zu hören. Anmutig tänzerisch erklang in edler Streicherpracht die Ouvertüre. Drei weitere Sätze wiesen unterschiedliche Charakteristiken auf, die transparent ausgebreitet wurden.
Katarzyna Mycka ist eine hoch dekorierte Könnerin auf dem Schlaginstrument Marimba. In der Frauenkirche interpretierte sie, feinstimmig begleitet, eine Bearbeitung des Concertos für Cembalo oder Violine solo von Johann Sebastian Bach für ihr Instrument, dessen vibrierender Klang die Strenge der Barockkomposition aufhob. Sehr nuanciert führte Katarzyna Mycka dieses ungewöhnliche Arrangement des Bach-Werks aus. Außerordentlich tempobetont und voller Musizierfreude spielte die Virtuosin zwei Sätze des zeitgenössischen Konzerts für Marimba und Streichorchester von Emmanuel Séjourné. Hier entfaltete sie ihre vollendete Virtuosität mit Bravour und voller Energie, ohne dabei auf einen samtweichen Anschlag mit den vier Schlegeln zu verzichten. Das war ein wahrer Musikgenuss. Katarzyna Mycka bedankte sich für den lebhaften Beifall mit einem zarten Schlaflied.
Auch im zweiten Teil des Konzerts bestachen die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit unvergleichlich lebendigem und dichtem Streicherklang. Von Nino Rota, vor allem bekannt geworden mit seiner Musik zu den Filmen „Der Pate“, wurden aus seinem „Concerto per Archi“ Scherzo und Allegro als echtes Bravourstück aufgeführt, denn weite Melodiebögen und markante rhythmische Elemente bildeten darin vitale Ausdruckskontraste. Elegant, mal tänzerisch sehr leicht bewegt, mal auch langsam in elegischem Ton schreitend, bot das Orchester unter Peter Wallingers Leitung zum Abschluss die dritte Suite „Antiche Danze ed Arie“, einer populären Folge von Bearbeitungen alter Musik aus dem 16. und 17. Jahrhundert von Ottorino Respighi, die sich als weitere musikalische Delikatesse erwies.
Rudolf Wesner
Virtuosin im Schlosshof Peter Wallingers Kammersinfonie mit Katarzyna Micka
Die Sommerserenade des Sachsenheimer Kulturamtes brachte am Samstag erneut ein exquisites Programm in hoch professioneller Darbietung durch das Orchester und eine Weltklasse-Solistin.
Im Mittelpunkt stand ein selten gehörtes und noch seltener gesehenes und beim Spiel beobachtetes großes Instrument, das vor der nur mit Streichern besetzten Kammersinfonie stand: ein modernes Marimbaphon.

In Afrika war und ist eine Marimba ein beliebter Klangkörper, eine Abart des Xylophons (auch Balafon genannt), das durch Sklaven in Amerika verbreitet wurde, aus zwei Reihen in chromatischer und diatonischer Stimmung gebauten Klangstäben besteht, die mit Schlägeln zum Ertönen gebracht werden. Das moderne Marimbaphon umfasst heute vier Oktaven zum Spielen und ist, wie man in Sachsenheim nach Programm-Schluss erleben konnte, zusammenklappbar und leicht transportierbar.
Katarzyna Micka hat an Musikhochschulen in Deutschland und Österreich studiert und sich künstlerisch zur Spitzenkönnerin, Professorin und Weltklasse emporgearbeitet. Mit Peter Wallingers Kammersinfonie musizierte sie jetzt wie aus einem Guss, zeigte ihre virtuose Technik mit zwei und vier Schlägeln, interpretierte die Musik nach Vorgabe der Komponisten, aber auch in Übereinstimmung mit ihrer deutlichen Mimik und Körpersprache. Es war toll, die mediterranen und lateinamerikanischen Klänge des gewohnten Orchesterklanges durch die Solistin verstärkt oder auch variiert zu hören.
Monteverdis Auszüge aus seiner Ur-Oper „Orfeo“ flossen arios bis festlich-dramatisch ins Ohr. Bachs umgearbeitetes Violinkonzert d-Moll bot lange Punktklänge wie Violintöne, wechselnd im Solo-Tutti. Auch das Konzert Séjourné, das „Concerto per Archie“ des Namensabkömmlings Nino Rota (1912-1979) der italienischen Musikerfamilien Rota des Mittelalters, wurden trotz ihrer Eigenheiten ganz auf den Marimbaphon-Ton hin interpretiert.
Wer schon Marimbakonzerte bedeutender Könner gehört hat, war in Sachsenheim fasziniert von der ganzheitlichen Wiedergabe der Werke in Verbindung mit der ausgezeichneten Verknüpfung von Soloinstrument und dem Kammerorchester, das seinerseits so gelenkt wurde und aus sich heraus so musizierte, dass man manchmal fast meinte, die Kompositionen doppelt zu hören: als Orchesterstücke und zugleich als Marimbaphon-Soli. Doch es fiel nichts auseinander dank der Kunst aller Mitwirkenden.
Im Schlusswerk des Abends, der Suite „Antiche Danze ed Arie“ des 1936 gestorbenen italienischen Komponisten aller Musikgattungen, Ottorino Respighi, kamen die Formen mediterraner Tonstimmungen und die Wirkungen des Marimbaphons noch einmal voll zum Tragen. Nach dem anhaltenden Publikumsbeifall ließ die Solistin mit schelmischem Lächeln zu diesem „Fußballtag“ noch einen Tango des Argentiniers Piazzolla als Zugabe revanchelüstern aufklingen, während Peter Wallinger dankbar-galant nur eine Mini-Pizzikato-Folge dagegen setzte.
Helmut Müller