2010
Höhenflüge von Solisten und Orchester Glanzvoller Saisonabschluss für die Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau
Die vierte Saison der Konzertreihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau beendete dessen Gründer Peter Wallinger zusammen mit seinem vor mehr als 25 Jahren ins Leben gerufenen Orchester, das heute den Namen „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ trägt, am Samstagabend mit „klassisch-romantischen Höhenflügen“.
Die herausragenden Solisten Ursula Schoch (Violine) und Johan van Iersel (Violoncello) vom weltberühmten Concertgebouw-Orkestra Amsterdam verliehen dem Programm zusätzlichen Glanz.
Das nur sehr selten aufgeführte Werk von Maurice Ravel „Menuet antique“ war zu Beginn des gut besuchten Konzerts, das mit dem selben Programm am Abend zuvor auch in Bietigheim-Bissingen dargeboten wurde, zu hören. Farbenreich instrumentiert ist diese Komposition aus dem Jahr 1898. Durch die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ erlebte es eine hell schillernde, kontrastreiche Wiedergabe. Das Orchester breitete bereits mit diesem kurzen Stück vom ersten Takt an seine facettenreiche und lebendige Gestaltungskraft aus.
Prager Sinfonie von Mozart wird sehr expressiv interpretiert
Wahrhaft bravourös interpretierten Peter Wallinger und sein Orchester die Sinfonie Nummer 38 in D-Dur, KV 504, genannt die „Prager Sinfonie“, von Wolfgang Amadeus Mozart. Das feierlich wirkende, den ersten Satz einleitende Adagio, wurde in würdevoller Breite ausgeführt. Doch im anschließenden Allegro ließ Wallinger bereits erahnen, was er mit diesem oft gespielten Werk Mozarts noch vorhatte.
Ein frischer Wind wehte durch die Streicherregister, die darin von den Bläsern akzentreich gestützt wurden. Behutsam schreitend führte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ die eingängigen Themen des Andantes aus, und damit erschloss sich die kompositorische Pracht des Werks mit seinen vielfarbigen Klangnuancen. Doch darauf folgte ein in forciertem Tempo aufgeführtes Finale Presto.
Diese vehement drängende, gleichwohl aber in strahlendem Orchesterglanz dargebotene Aufführung des dritten Satzes der Mozart-Sinfonie aus dem Jahr 1787 mag Puristen zumindest erstaunt, möglicherweise sogar verärgert haben, doch eigentlich kam mit solcher expressiven Gestaltung die mitreißende Energie der Komposition vollendet zur Geltung. Für die Orchestermitglieder galt allerdings, dass sie sich mit dieser glutvollen Interpretation bis an die Grenze des noch Realisierbaren vorwagten.
Äußerst farbenreich ist das Konzert für Violine, Violoncello und Orchester in a-moll, Opus 102, von Johannes Brahms. Es enthält eine enorme Fülle reizvoller gestalterischer Aufgaben für die beiden Solisten.
Wieder war es Peter Wallinger gelungen, seine einstige Schülerin und heutige Konzertmeisterin am Concertgebouw-Orkestra Amsterdam, Ursula Schoch, für die beiden Konzerte am Wochenende zu gewinnen, und sie brachte ihren Kollegen Johan van Iersel vom selben Klangkörper mit, der dort den Posten des Solocellisten bekleidet.
Diese beiden exzellenten Virtuosen begeisterten vom ersten Takt an mit ihrer vitalen Musizierkunst. Die sinfonische Opulenz der im Jahr 1887 entstandenen Komposition brachte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter Peter Wallingers anregender Leitung in der Begleitung der Solisten im Uhlandbau vehement zum Ausdruck.
Deren impulsives, zugleich aber auch beglückend einfühlsames Spiel spiegelte die spätromantische Grundstimmung des dreisätzigen Werks wider. Vor allem im zweiten Satz, einem Andante, trat diese markant hervor. Liebliche Geigentöne vereinigten sich mit der fülligen Wärme des Violoncellos und ließen damit delikate Klanggebilde wachsen.
Am Beginn des dritten Satzes faszinierte ein energiegeladenes Zwiegespräch der beiden Soloinstrumente, das in kontrastreiches, farbiges, durchaus auch tänzerisch anmutendes Zusammenspiel mit der transparent und klangprächtig musizierenden „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ überging. Ursula Schoch und Johan van Iersel wurden mit lang anhaltendem, freudigen Applaus verabschiedet.

Rudolf Wesner
Solistenkonzert im Mühlacker Uhlandbau: Sommerduft und Winterwetter
Draußen Schneeflocken und Frost. Drinnen erwärmten beim letzten Mühlacker Uhlandbau-Winterkonzert dieser Saison Musikanten die Herzen der begeisterten Zuhörer. Und zwar mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter Peter Wallinger und den Solisten Ursula Schoch (Violine) und Johan van Iersel (Violoncello) – Instrumentalisten der Extraklasse.
Eingeleitet wurde der Abend mit der selten aufgeführten Orchesterfassung von Maurice Ravels „Menuet antique“, bei dem man sich als programmatische Vorgabe munteres Treiben der Hirten und Panflöter aus der griechischen Mythologie vorstellen könnte. Jedenfalls befeuerten schrill dissonante, heiße Bläserakzente eine untergründig schwelende Glut. In ruhigen Phasen leuchteten lyrisch pastorale Melodien. Farbintensive Musikornamente beflügelten mit Klang-Wolken und den ersehnten sommerlichen Düften die thematisch pendelnde Schlussbewegung. In ihrem ureigensten Element bewegten sich Wallinger und sein Kammersinfonieorchester mit der Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts „Prager Sinfonie“ (Nr. 38 D-Dur, KV 504). Die gleichermaßen zügig und gezügelt interpretierte Komposition bot einen Mozart, wie er sein soll: abgründig dunkel und dabei heiter und fröhlich. Die innere Logik der – ungewohnt dreisätzigen – Sinfonie wurde mit transparenter Dynamik herausgearbeitet und ihr Gefüge mit struktureller Geschlossenheit ausgestattet.
Die vorangestellte gewichtige „Adagio“-Einleitung setzte die grüblerische, in Teilen an die Zauberflöten-Ouvertüre erinnernde Entwicklung des „Allegro“-Sonatensatzes mit machtvollen Forte- und zarten Pianissimo-Abschnitten in Gang. Auch dem langsamen zweiten Satz, dem komplexen „Andante“, fehlte es nicht an Dichte und Energie. Im finalen „Presto“ zogen die Interpreten alle Register übermütiger Lebendigkeit, wobei Wallinger vom Pult aus für den nie nachlassenden Spannungsbogen sorgte.
Nach der Pause setzten die Bietigheimer zusammen mit den beiden Solisten in Johannes Brahms‘ Doppelkonzert a-Moll op.102 für Violine, Violoncello und Orchester zum angekündigten „klassisch-romantischen Höhenflug“ an. Das Brahms’sche Spätwerk hat zwar nie ganz die Popularität seiner anderen Solokonzerte erreicht. Und ist dennoch, wie man sich in Mühlacker überzeugen konnte, ein mitreißendes Meisterwerk.
Wuchtige, mottoartig platzierte Orchester-Tutti eröffneten das monumentale Werk, um bald den Soloinstrumenten Gelegenheit zu geben, sich einzeln und gemeinsam zu präsentieren. Und wie dabei Schoch und van Iersel in markant punktierten Motiven zum konzentriert ausbalancierten Duett zusammenwuchsen, wie sie mit delikatem Klangsinn ihrer fein verschlungen Streicherlinien oder im spannungsvollen Gegeneinander von Achteln und Triolen vor dem Orchester-Hintergrund agierten und virtuos aufgeladene Klangpakete ablieferten, war mehr als hörenswert. Solch dichtes Musizieren bis hin zum effektvoll vibrierenden Finale erlebt man nicht alle Tage.
Eckehard Uhlig
Neujahrskonzert mit Süddeutscher Kammersinfonie
Ein Neujahrskonzert ohne Johann Strauß-Walzer und finalen Radetzky-Marsch – ist das vorstellbar? In Mühlacker schon, und zwar mit überaus geglückter, unkonventioneller Programmauswahl und heiterer Musik, die das Publikum im sehr gut besuchten Uhlandbau- Saal reich beschenkte.
Natürlich war auch das von Peter Wallingers Süddeutscher Kammersinfonie Bietigheim gegebene Konzert zumindest im ersten Teil ganz von der Wiener Musiktradition bestimmt. Drei „Deutsche Tänze“ von Franz Schubert (aus D 89) leiteten die musikantische Matinee ein: Ein Tanz mit solistischen Geigen-Abschnitten, die von Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi nuanciert fein ausgeführt wurden. Dann ein dynamisch „gewienerter“ zweiter Satz mit einem herausgestellten Reigen im Mittelteil und ein dritter mit konturscharf betonten Rhythmus-Akzenten. Danach folgte ein Bravour-Stück für Salonorchester und Solofagott, die komische Polka „Der alte Brummbär“ des österreichischen Armee-Kapellmeisters Julius Fucik.

Foto: Baumgärtel
Wobei der exzellente Solofagottist Frank Lehman sein Holzblasinstrument nicht nur in abgründig tiefen Lagen virtuos und sonor brummen ließ, sondern auch mit klangschön sanglichen Passagen glänzte. „Neue Wiener Ländler“ von Josef Lanner stimmten auf gefällige Weise in den Dreier-Takt ein, der dann in Antonin Dvoráks „Walzer A-Dur op. 54“ verhaltener Melancholie Ausdruck verlieh. Nach der Konzertpause widmete sich das Bietigheimer Ensemble dem weltläufigen Pariser Flair. Frisch und französisch prickelnd kam die „Ballettmusik“ von Christoph Willibald Gluck daher, um in einem wunderbar zarten Pizzikato-Pianissimo-Ausklang ihre anfangs präsentierte Tanzleidenschaft gleichsam erschöpft auszuhauchen. Die Soloflötistin Verena Guthy-Homolka brillierte in Benjamin Godards „Suite de trois morceaux“ (op. 116) mit herrlich lyrischen Klangbögen einerseits („Idylle“), mit spritzig schäumenden Skalen-Sprüngen und Läufen auf der anderen Seite („Allegretto“ und „Valse“). Jacques Offenbachs „Streicherserenade C-Dur“, die „Sicilienne op. 78“ von Gabriel Fauré sowie Peter Tschaikowskys „Barkarole op. 37a“ steuerten weitere, in unterschiedlichsten Farben blitzende Klangfacetten bei, die Orchesterleiter Peter Wallinger vom Dirigentenpult aus mit lebendiger Interpretationskunst aufpolierte. Als Moderatorin erläuterte Nicole Raichle das Konzert-Motto „Wien – Paris“. Naturgemäß gab es heuer vielerlei Gelegenheiten, Neujahrskonzerte zu hören: Das im Mühlacker Uhlandbau war eines der Schönsten.
Eckehard Uhlig
Opulentes Hörvergnügen entfaltet Süddeutsche Kammersinfonie gibt Neujahrskonzert im Uhlandbau – Heitere musikalische Reise führt nach Wien und Paris
Ein heiter, unbeschwert und unterhaltsam klingendes Neujahrskonzert haben die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger einstudiert. Am Sonntagvormittag war es im Saal des Uhlandbaus zu hören.
Das Konzert wurde von den zahlreich erschienenen Besuchern mit freudigem Beifall aufgenommen. In die Metropolen Wien und Paris entführte das dieses Mal nur mit Streichern besetzte Orchester seine Zuhörer musikalisch. Dazu konnte Peter Wallinger als Solisten die Flötistin Verena Guthy-Homolka und den Fagottisten Frank Lehmann gewinnen, die schon seit vielen Jahren mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zusammenarbeiten und mit fabelhaft virtuosem Spiel begeisterten. Außerdem wirkte als launig plaudernde Moderatorin Nicole Raichle aus Sachsenheim mit, die seit dem Herbst vergangenen Jahres auch die Vorsitzende des Fördervereins des Orchesters ist.
Eingeleitet wurde das Programm des Neujahrskonzerts mit Drei Deutschen Tänzen von Franz Schubert. Mit dem hellen Klang der Violinen, der warmen Fülle der Bratschen und den tiefen Tönen der Celli sowie des Kontrabasses, mit denen vornehmlich die rhythmischen Elemente der Stücke ausgeführt wurden, entfaltete sich vom ersten Takt an ein überaus opulentes Hörvergnügen. Dazu trug einmal mehr auch die frische Akustik des Uhlandbausaales bei, die zusätzlich dadurch ausgenutzt wurde, dass das Orchester nicht auf der Bühne musizierte, sondern seine Plätze unmittelbar vor den ersten Reihen im Saal einnahm. Vergnügen verbreitete anschließend auch Frank Lehmann auf seinem Fagott bei der Aufführung der komischen Polka „Der alte Brummbär“ von Julius Fucik. Im geschmeidig leichten Ton eines Salonorchesters begleitete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim den Solisten, der mit Elan seinem Fagott die tiefschwarzen Klänge entlockte und am Ende des Werks mit einer furiosen, höchste Virtuosität verlangenden Kadenz bestach. Im schwungvollen Dreiviertel-Takt schloss der erste, ganz vom Wiener Charme geprägte Teil. „Neue Wiener Ländler“ war der Titel der unter Opus Nummer eins geführten Komposition von Josef Lanner, und genauso unbeschwert gestaltete das Orchester einen Walzer in A-Dur, Opus 54, von Antonín Dvorák.
Im zweiten Teil des Neujahrskonzerts, welcher der Seine-Metropole gewidmet war, erklang zunächst eine dreisätzige Ballettmusik von Gluck, die mit nuancenreichem, feinstimmigem Spiel vom Orchester dargeboten wurde. Gerade Paris war im 19. Jahrhundert gewissermaßen die Hauptstadt des klassischen Balletts, und auch der deutsche Komponist Gluck vermochte mit seinen Ballettmusiken dort große Begeisterung auszulösen. Besonders kunstvoll war dabei die Darbietung des dritten Satzes mit dem Titel „Pizzicato“, dessen letzte Takte bis fast zur Unhörbarkeit leise erklangen und im Raum entschwanden. Die Solistin Verena Guthy-Homolka (Flöte) beglückte mit der „Suite de trois morceaux“, Opus 116, von Benjamin Godard, der in Paris geboren wurde, die sie sehr zart und in duftiger Leichtigkeit, dabei jedoch herausragend virtuos interpretierte.
Im weiteren Verlauf des Neujahrskonzerts führte sie „Sicilienne“, Opus 78, des französischen spätimpressionistischen Komponisten Gabriel Fauré delikat und temporeich auf. In einem Satz aus einer Streicherserenade in C-Dur von Jacques Offenbach, dessen Name untrennbar mit der Stadt an der Seine verbunden ist, sowie einer „Barkarole“ aus der Suite „Die vier Jahreszeiten“, Opus 37 a, von Peter Iljitsch Tschaikowsky – auch er liebte Paris ganz besonders – wurde noch einmal die dichte und überaus erlesene Streicherpracht der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ausgebreitet.
Als Zugabe spielten Verena Guthy-Homolka und Frank Lehmann, von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim begleitet, eine Romanze von Oskar Klose.
Rudolf Wesner
Süddeutsche Kammersinfonie entführt nach Wien und Paris Neujahrskonzerte unter der Leitung von Peter Wallinger – Orchester dieses Mal nur mit Streichern besetzt – Gastsolisten begeistern mit virtuosem Spiel
Ein heiter, unbeschwert und unterhaltsam klingendes Neujahrskonzert hatten die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger einstudiert.
Am Samstagabend war es im Bürger- und Rathaus von Murr zu hören und wurde am gestrigen Nachmittag in der Kelter von Bietigheim-Bissingen erneut geboten. In die Metropolen Wien und Paris entführte das diesmal nur mit Streichern besetzte Orchester seine Zuhörer musikalisch. Dazu konnte Peter Wallinger als Solisten die Flötistin Verena Guthy-Homolka aus Oberstenfeld und den Fagottisten Frank Lehmann aus Vaihingen gewinnen, die mit virtuosem Spiel begeisterten. Beim Konzert in Bietigheim-Bissingen wirkte außerdem als launig plaudernde Moderatorin Nicole Raichle aus Sachsenheim mit, die seit dem Herbst vergangenen Jahres auch die Vorsitzende des Fördervereins des Orchesters ist.
Eingeleitet wurde das Programm der Neujahrskonzerte mit „Drei Deutsche Tänze“ von Franz Schubert. Mit dem hellen Klang der Violinen, der warmen Fülle der Bratschen und den tiefen Tönen der Celli sowie des Kontrabasses, mit denen vornehmlich die rhythmischen Elemente der Stücke ausgeführt wurden, entfaltete sich vom ersten Takt an ein überaus opulentes Hörvergnügen. Dafür sorgte anschließend auch Frank Lehmann auf seinem Fagott bei der Aufführung der komischen Polka „Der alte Brummbär“ von Julius Fucik. Im geschmeidig leichten Ton eines Salonorchesters begleitete die Süddeutsche Kammersinfonie den Solisten, der mit Elan seinem Instrument die tiefschwarzen Klänge entlockte und am Ende des Werks mit einer furiosen, höchste Virtuosität verlangenden Kadenz bestach.
Im schwungvollen Dreivierteltakt schloss der erste, ganz vom Wiener Charme geprägte Teil. „Neue Wiener Ländler“ war der Titel der unter Opus Nummer eins geführten Komposition von Josef Lanner und genauso unbeschwert gestaltete das Orchester einen Walzer in A-Dur, Opus 54, von Antonín Dvorák. Im zweiten Teil, der der Seine-Metropole gewidmet war, erklang zunächst eine dreisätzige Ballettmusik von Gluck, die mit nuancenreichem, feinstimmigem Spiel dargeboten wurde.
Besonders kunstvoll war dabei die Darbietung des dritten Satzes mit dem Titel „Pizzicato“, dessen letzte Takte fast unhörbar leise erklangen und im Raum entschwanden. Die Solistin Verena Guthy-Homolka (Flöte) beglücke mit der „Suite de trois morceaux“, Opus 116, von Benjamin Godard, die sie sehr zart und in duftiger Leichtigkeit interpretierte.
Im weiteren Verlauf der Neujahrskonzerte führte sie „Sicilienne“, Opus 78, des spätimpressionistischen Komponisten Gabriel Fauré delikat und temporeich auf. In einem Satz aus einer Streicherserenade in C-Dur von Jacques Offenbach sowie einer „Barkarole“ aus der Suite „Die vier Jahreszeiten“, Opus 37 a, von Peter Iljitsch Tschaikowsky, wurde noch einmal die dichte und ausgewogene Streicherpracht dieses seit 25 Jahren erfolgreich auftretenden Ensembles ausgebreitet.
Rudolf Wesner
Ein Konzert ohne Routine und Langeweile Murr Die Kammersinfonie Bietigheim ist in Murr zu Gast gewesen. Das Orchester spielte vor vollem Haus.
Mit seinen Neujahrskonzerten hat das Kulturprisma Murr eine erfolgreiche Tradition geschaffen. Dies hat sich einmal mehr bei der 16. Veranstaltung mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim bestätigt, die am Samstag vor vollem Haus einmal mehr ihren Ruf als Erfolgsgarant bekräftigen konnte. Von Tradition „ohne Routine oder Langeweile“ sprach Kulturamtsleiter Matthias Bader, der dem Ensemble und seinem Leiter Peter Wallinger herzlichen Dank übermittelte.
Mit seinen vitalen Interpretationen hat sich das Bietigheimer Orchester unter seinem Gründer und Dirigenten Peter Wallinger in den 25 Jahren seines Bestehens einen außergewöhnlichen Ruf verschafft. Das Ensemble musiziert auf professionellem Niveau, begeistert durch Frische und Spielfreude und überrascht immer wieder mit Klangerlebnissen der besonderen Art.

Beim diesjährigen Neujahrskonzert führte Peter Wallinger sein Publikum in diesem Jahr auf eine unterhaltsame Reise in die Salons von Wien, wo Johann Strauss und Josef Lanner um den Titel des Walzerkönigs wetteiferten, und nach Paris, wo Jacques Offenbach mit seinem berühmten „Cancan“ von sich reden machte. Aber es wären nicht Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie, wenn er nicht etwas andere Akzente gesetzt hätte. Nicht Johann Strauss repräsentierte Wien und nicht der „Cancan“ Paris. Mit diversen Schmankerln klassischer Salonmusik wurden Wien und sein böhmisch geprägtes Hinterland musikalisch lebendig.
Josef Lanner wurde nicht als Walzerkönig präsentiert, sondern mit einem Neuen Ländler vorgestellt, während Antonín Dvorák mit einem Walzer brillierte und Franz Schubert mit drei Deutschen Tänzen auf seine Weise Wiener Schmäh vermittelte. „Der alte Brummbär“ – ein polkaähnliches Stück von Julius Fucik für Salonorchester und Solofagott – wurde zum äußerst unterhaltsamen Höhepunkt des Abends. Das Publikum genoss den pfiffigen Dialog zwischen dem Fagott in der Rolle des brummigen Bären, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, und dem ebenso kapriziös agierenden Orchester.
Frank Lehmann, erster Solofagottist der Stuttgarter Philharmoniker, ließ den alten Brummbär galant geschwätzig musikalisch zu Wort kommen. Mit einer Ballettmusik von Christoph Willibald Gluck, einer Streicherserenade von Jacques Offenbach und einer Barkarole von Peter Iljitsch Tschaikowsky wurde Pariser Salonmusik mit viel Pizzicato pfiffig und galant serviert. Bei der „Sicilienne op. 78“ und der ausdrucksstarken „Suite de trois morceaux“ von Benjamin Godard konnte sich Verena Guthy-Homolka als Solistin (Querflöte) bravourös entfalten und den vielfältigen Stimmungen gerecht werden, die vom fantastisch musizierenden Ensemble ebenso mitgetragen wurden.
Neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen, hat sich Peter Wallinger zum Ziel gesetzt, als er 1984 die Süddeutsche Kammersinfonie gegründet hat. Dieser Zielsetzung ist das Ensemble auch beim jüngsten Auftritt treu geblieben, den es mit einer Romanze als Zugabe ausklingen ließ, bei der die beiden Solisten noch einmal großartig aufeinander abgestimmt virtuos gemeinsam musizierten.
Herzlicher Beifall dankte dem Ensemble und seinem Dirigenten – dankbare Kommentare der Besucher galten dem Veranstalter der Neujahrskonzerte im Murrer Bürgersaal, wo Jahr für Jahr – wie sich in der Zwischenzeit herumgesprochen und jetzt erneut bestätigt hat – so gute und großartig interpretierte Musik geboten wird.
Helmut Schwarz