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Marbacher Zeitung

Mit Bach gegen die düsteren Perspektiven

Werke des Meisters bildeten den Rahmen für das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in Murr.

Foto: Ramona Theiss

MURR.Kann Musik helfen, mit düsteren Perspektiven der Gegenwart besser zurechtzukommen? Zweifellos weckt Musik Emotionen. Beim traditionellen Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in Murr setzte das Ensemble auf einen großen Namen: Johann Sebastian Bach. Maiken Wallinger, die moderierte, kennzeichnete seine Musik als „etwas Wohltuendes, Verbindendes, sogar Friedenstiftendes,“ gewissermaßen eine Kraft, die gegen die Unbilden der Zeit hilft. Sie zitierte den zweiten Bach-Sohn Emanuel: „Musik soll Herzen in Bewegung setzen.“

Ein Zitat des Pianisten James Rhodes über Bachs Musik war das Motto des Abends: „Hört dieses. Hier ist Musik.“ Unter der bewährten Leitung von Peter Wallinger spielte die Kammersinfonie Stücke des Komponisten, darin eingebettet weitere Werke von Komponisten vor allem aus dem frühen Barock. Die 13 Streicherinnen und Streicher nahmen die Besucher im Bürgersaal mit auf eine klangvolle Reise. Das Publikum erlebte emotional dichte Musik und starke Auftritte von Solistinnen.

Eine dieser Solistinnen war Barbora Hulcova, eine Künstlerin aus Prag, die auf historischen Lauteninstrumenten musiziert. Sie trat mit einer Theorbe auf, einer eindrucksvollen, großen Basslaute aus dem Frühbarock. Deren tiefe und dunkle Stimme bereicherte nicht nur das Orchester bei einer Reihe von Stücken. Hulcova begleitete auf der Theorbe auch die Sopranistin Juliane Brittain. Die freischaffende Künstlerin, die mehrere Jahre in Großbritannien gelebt hat, sang drei alte englische Lieder.

So zum Beispiel „Flow my tears“ von John Dowland, der von 1536 bis 1626 lebte. Brittain traf mit ihrer ausdrucksstarken Stimme einfühlsam den melancholischen Grundton dieses Liedes. Die Sopranistin bewies mit „If music be the food of love“, komponiert von Henri Purcell (1659 – 1695), das breite Spektrum ihres Könnens: Sie interpretierte dieses Lied voller Gefühl, unterstrich mit ihrer Gestik Passagen wie „I must perish by your charms unless you save me in your arms“ – Ich müsste durch deinen Liebreiz sterben, wenn du mich nicht in deinen Armen rettest.

Das Thema des Abends aber war und blieb Bach. Die Aria aus den Goldberg-Variationen gab den Rahmen für das gesamte Konzert. In der Besetzung mit der Theorbe spielte das Orchester Bachs Ricercare à 6; die Instrumente vereinigten sich zu einem großartigen Klanggemälde.

-Ein rundum gelungenes, teils überraschendes, lehrreiches und hochklassiges Neujahrskonzert, vom Publikum mit viel Beifall bedacht.-  

Ein Höhepunkt war das Brandenburgische Konzert Nummer 6 B-Dur, eine anspruchsvolle Komposition Bachs mit kleiner Besetzung: Zwei Solo-Violen, gespielt von Andrea Lamoca-Alvarez und Lilia Rubin, setzten mit ihren tiefen Tönen ein, Celli und Kontrabass und auch die Theorbe antworteten und variierten. Sehr bewegend das Allegro zum Auftakt, angetrieben von der Spielfreude der beiden Solistinnen. Melancholische Gefühle rief das Adagio hervor, bevor das abschließende Allegro in ein großartiges Finale mündete. Heftiger Beifall belohnte das starke Spiel der Künstlerinnen und Künstler.

Auch das einzige neuere Stück des Abends, das Impromptu op. 5 des finnischen Komponisten Jean Sibelius, weckte intensive Gefühle. Obwohl es nur ein paar Minuten dauert, gibt es doch sehr unterschiedliche Stimmungslagen wieder: ein Klangbild, inspiriert von der ursprünglichen Natur des skandinavischen Landes, Sehnsucht und Nachdenklichkeit, aber auch ausgelassene Freude. Das Orchester meisterte alle Wechsel virtuos. Eindrucksvoll verklangen am Ende selbst Celli und Kontrabass wie in einem kaum noch hörbaren Hauch.

Noch einmal erfüllte Bachs Musik den Saal, zum Ausklang mit der Aria, wie ein Gruß des Komponisten zum Abschied.

Fazit: Ein rundum gelungenes, teils überraschendes, lehrreiches und hochklassiges Neujahrskonzert in Murr, vom Publikum mit viel Beifall bedacht. Waltraut Menzel vom Kulturamt der Gemeinde überreichte Blumensträuße an die Akteurinnen und Akteure. Peter Wallinger kommt nun schon seit mehr als 20 Jahren für diese Konzerte nach Murr – und so Menzel: „Wir hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt.“ Gewiss doch: Bachs Musik setzt Herzen in Bewegung, und die Süddeutsche Kammersinfonie hat sie dem Publikum gekonnt nahegebracht.

Autor: Arnd Bäucker

Starke Solisten, souveräne Streicher

Es gab nicht nur klassische Musik: Beim traditionellen Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim wurden auch Texte von Shakespeare bis Rilke rezitiert. Es war das erste Konzert nach der Corona-Pause.

Das Ensemble entführte ihre Zuhörer unter anderem in die Welt der barocken Opern. Foto: Ralf Poller/Avanti

Zwei Mal hatte es wegen Corona ausfallen müssen, jetzt fand es endlich wieder statt: das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in Murr. Dreizehn Streicherinnen und Streicher unter der bewährten Leitung von Peter Wallinger setzten eine beliebte, nun schon mehr als 15-jährige Tradition fort. Waltraut Menzel vom Kulturamt würdigte zur Eröffnung die stets „innovativen und anregenden Konzertprogramme“ des Ensembles.

Dieser Anspruch wurde auch diesmal wieder eingelöst. Das gewählte Motto – „…es wird einmal“ – schien zwar zunächst etwas rätselhaft. Doch der Schauspieler Johann-Michael Schneider, der die Stücke mit kurzen Texten begleitete, gab Hinweise. In all seinen Rezitationen, verfasst von Shakespeare, Morgenstern, Rilke und Tagore, ginge es um den Menschen in der Natur. Die Natur wiederum sei, wie die Musik, beständig im Werden, so würde aus dem „Es war einmal“ und dem „Es ist“ das „Es wird einmal“. Schneider betonte, Offenheit sei wichtig in einer Zeit der Katastrophen und Krisen.

Ausgesprochen schöne Musik spielte dann das Ensemble aus Bietigheim. Im ersten Teil entführten die Künstlerinnen und Künstler ihre Zuhörer in die Welt der barocken Opern. Den Auftakt bildeten Sätze aus dem „Orfeo“ von Claudio Monteverdi, lebhafte und schwungvolle Melodien, in denen die hellen, fröhlichen Stimmen von Violinen und Bratschen mit den tiefen Tönen von Celli und Kontrabass reizvoll zusammenwirkten. Schnell und dynamisch, dabei immer souverän und mit großer Spielfreude vorgetragen auch „The Fairy Queen“ von Henri Purcell nach Shakespeares bekanntem Sommernachtstraum.

Opernmusik wurde an diesem Abend nicht nur gespielt, sondern auch gesungen. Der Countertenor Nils Wanderer stimmte, begleitet vom Orchester, Stücke aus „Andromeda liberata“ von Antonio Vivaldi und „Dido and Eneas“ von Henri Purcell an. Ein Countertenor zeichnete sich dadurch aus, dass er seine männliche Stimme im ungewöhnlichen Bereich von Alt erklingen lassen konnte, also in einer hohen Stimmlage unterwegs war.

Sehr eindrücklich gelang das Wanderer, als er den Part der sterbenden karthagischen Königin Dido sang, die verzweifelte Klage einer verratenen Liebe, getragen vom melancholischen Klangteppich der Streicher. Das Publikum war berührt, und Wanderer, eine imposante, sympathische Erscheinung, gab eine gefühlvolle Zugabe, „Lascia chio pianga“, etwa: Lass mich mein Schicksal beweinen, aus Händels Oper „Rinaldo“. Wanderer, ein gebürtiger Ludwigsburger, ist erster Preisträger des Bundeswettbewerbes Gesang 2022, er gewann auch als erster Deutscher einen 2. Preis bei Operalia 2022, dem wichtigsten internationalen Wettbewerb für Oper.

Ein weiterer Höhepunkt leitete den zweiten Teil des Konzerts ein. Im Violoncello-Konzert C-Dur von Joseph Haydn zeigte Arthur Cambreling als Solist sein ganzes Können. Der Franzose spielt seit seinem vierten Lebensjahr Violoncello, und er ist mit diesem vielseitigen Instrument geradezu verwachsen.

Der junge, schalkhaft wirkende Künstler ging völlig in seiner Musik auf. Mit Hingabe entlockte er dem Violoncello ebenso nachdenkliche wie forsche, dominante Töne, rief sogar kurze Klanggewitter hervor. Über ein abwechslungsreiches Moderato und ein getragenes Adagio spielte sich das Ensemble zu einem furiosen Allegro molto, in dem Cambreling die Melodie nicht nur aufnahm, sondern verstärkte, variierte, die ganze Streicherrunde anregte, seinem vibrierenden Bogen zu folgen. Sein Violoncello war buchstäblich die erste Stimme, machte Tempo, unterstrich, setzte akustische Ausrufezeichen. Begeisterter, stürmischer Beifall belohnte die starke Leistung des Solisten und des Orchesters.

Für einen schwungvollen Ausklang sorgten die Rumänischen Volkstänze von Bela Bartok. Die Mischung aus schönen rhythmischen Tänzen, Märschen und auch melancholischen, fast an jiddische Kompositionen erinnernden Stücken waren noch einmal ein Spiegelbild des gesamten Abends: gut anzuhören und höchst abwechslungsreich. Die Zuhörerinnen und Zuhörer dürften sich weitgehend einig gewesen sein: Das war die gelungene Fortsetzung einer Tradition.

Autor: Arno Bäucker

Die Stärken der Streicher ausgespielt

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Murr Klänge aus vier Jahrhunderten prägten das Neujahrskonzert.


Die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim haben ihr Können unter Beweis gestellt.
Foto: ayanti

Zeit und Traum“ – unter diesem Motto stand das Neu-jahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Bürgersaal Murr. 17 Musikerinnen und Musiker, ein starkes Streicherorchester, dirigiert von Peter Wallinger, zeigten ihr vielfältiges Können mit Werken aus vier Jahrhunderten. Sie nahmen die rund 180 Zuhörer mit auf eine spannende Reise, in deren Verlauf sie die Stärke ihrer Instru-mente meisterhaft ausspielten: eine Musik voller Nuancen und Differenzierungen.

Matthias Bader vom Kulturamt der Gemeinde zitierte zur Begrüßung einen Zeitungsartikel, wonach heutzutage die Lautstarken häufig die Leisen und Stillen im Lande übertönen. „Doch beide gehören, zusammen, in der Gesellschaft wie in der Musik.“ An diesem Abend fanden tatsächlich nicht nur laute und leise Töne Gehör, sondern auch die Literatur Johann-Michael Schneider, freischaffender Schauspieler, Theatermusiker und Regisseur, las kurze Texte, die das Thema „Zeit und Traum“ beleuchteten und interpretierten. Diese Mischung kam beim Publikum gut an.

Zum Auftakt führte das Orchester die Zuhörer in die Zeit des frühen Barocks. Mit der „Gagliarda del Principe di Venosa“ des 1566 geborenen Italieners Carlo Gesualdo beschworen Violinen, Bratschen, Celli und der Kontrabass, souverän geleitet von Wallinger, eine getragene, nachdenkliche Erinnerung an diese ferne Epoche.

Ganz anders „Festina lente“, ein Werk des 1935 geborenen Esten Arvo Pärt. Dieses Stück spiegelt das vertraute Phänomen der subjektiv unterschiedlich erlebten Zeit musikalisch wider. So widersprüchlich, wie der lateinische Titel dieses Stückes lautet (wörtlich übersetzt: Eile mit Weile), so eigenwillig hörte sich diese Komposition an. Ein und dieselbe Melodie, von unterschiedlichen Instrumenten in verschiedenen Geschwindigkeiten intoniert, ergab ein Klangmuster, das vielschichtige Emotionen erzeugte, teils Nachdenklichkeit, teils Versöhnlichkeit, teils Wehmut. Gegen Ende versiegte förmlich der Fluss der Töne; Wallinger dirigierte eine ins Unhörbare abtauchende Musik. Passend dazu zitierte Schneider Goethes „Unbegrenzt“ aus dem West-Östlichen Diwan: „Daß du nicht enden kannst, das macht dich groß, und daß du nie beginnst, das ist dein Los….“

Lebhaft erklangen in der Folge das Adagio für eine Orgelwalze von Wolfang Amadeus Mozart; die fröhliche Humoreske IV des 1865 geborenen Finnen Jean Sibelius, die kraftvolle und harmonische Streichersonate A-Dur der italienischen Meisters Gioacchino Rossini. In der Komposition von Sibelius spielte Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi auf ihrer Violine einen hingebungsvollen Solopart, entlockte ihrem Instrument zarte hohe Töne, auch mit Pizzicato, kurzem Zupfen der Saiten, und sie sorgte damit für einen Glanzpunkt des Abends.

Mit der ausdrucksvollen Lesung des Gedichtes „Närrische Träume“ von Gustav Falke, einem Feuerwerk heiterer Absurdität, leitete Schneider über in den zweiten Teil. Zum Träumen verführte das 1878 geschriebene „Idyll“ des Tschechen Leos Janácek. Eine romantische Hymne an die Schönheit der Natur, eine gefühlvolle Komposition, dabei abwechslungsreich, wobei die hohen Töne der Violinen und die tiefen der Celli anregende Kontraste setzten. Den Konzertabend krönte zum Abschluss das wohl bekannteste und beliebteste Stück. Die sanft dahinfließende Romanze aus Mozarts Kleiner Nachtmusik, blitzsauber und mit spürbarem Gefühl von den Musikern gespielt, erhielt lang anhaltenden und hoch verdienten Beifall. Zur Zugabe hob Wallinger noch einmal den Dirigentenstab zum vierten Satz der „Kleinen Nachtmusik“.

Arnd Bäucker

Von der Klassik, die aus dem Märchen kommt

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Hörgenuss zum neuen Jahr: In Murr haben rund 150 Gäste das Neujahrskonzert genossen. Foto: avanti

Die Süddeutsche Kammersinfonie hat ihr Publikum in ein Wintermärchen entführt.

Murr – Vereiste Fenster, Minusgrade und jede Menge Schneeflocken – der Winter hat auch das Bottwartal am Wochenende in Weiß gehüllt. Da liegt die Idee von klassischen Tönen, die das Herz erwärmen sollen, nicht allzu fern. Das Neujahrskonzert im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses Murr hat diesen Wunsch am vergangenen Samstag Wirklichkeit werden lassen: Gegen 19.30 Uhr gab das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Gründer Peter Wallinger ihr Können zum Besten und lockte etwa 150 Gäste aus Murr und Umgebung an. Die Karten konnte man sich bereits im Vorfeld sichern. Für Spontane gab es die Möglichkeit der Abendkasse.

Mit dem Bietigheimer Orchester hat man sich keine Amateure ins Haus geholt – im Gegenteil: 35 Jahre liegt seine Gründung zurück. Dennoch begeistern die Musiker mit jungem Elan und professioneller Erfahrung auf ganzer Höhe… Leidenschaft und die Liebe zur Klassik transportierte das Orchester nun auch auf der Bühne Murrs. Unter einem allumfassenden Motto machten es sich die Musiker zur Aufgabe, das Publikum an diesem Abend in ein „Wintermärchen“ zu entführen. Mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach gelang dem Orchester der passende Einstieg ins Programm. Hatto Zeidler begrüßte die Gäste mit einer Anekdote aus Bachs Leben und gestand dem Publikum sogleich, dass er noch nie in Murr gewesen sei. „Aber ich komme ursprünglich aus Eberbach am Neckar, und wer schon mal im Neckar gebadet hat, war auch schon in der Murr, schließlich fließt die ja in den Neckar“, witzelte Zeidler und kündigte „Fratres“ von Arvo Pärt an.

Die Zuhörerschaft war gefesselt von dem Klangkörper des Orchesters. Aus den Musikinstrumenten kamen Töne, aus den Tönen wurden Melodien und aus den Melodien ganze Stücke, die einen mitrissen in die märchenhafte Welt der Klassik. Jan Sibelius „Romanze C-Dur op. 42“ läutete die halbstündige Pause ein, um sich im Foyer des Rathauses eine Stärkung zu genehmigen. Neben Sekt, Wein und Orangensaft sorgten passend zur Veranstaltung Neujahrsbrezeln für das leibliche Wohl… Nachdem der kleine Hunger gestillt war, ging es für die Musikfans erneut in die märchenhafte Welt der Klassik. Im Repertoire der Bietigheimer fanden sich zudem Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ und Pablo Casals „El Cant dels Ocells“, welches das Zwitschern der Vögel sogar in den Wintermonaten zurückbrachte. Mozarts „Serenade Nr. 6 D-Dur“ rundete den Abend ab und bescherte dem Konzert einen würdigen Abschluss.

Helena Hadzic

Seelenvolle Musik ergreift Zuhörer

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Der „Zauber der Natur“, so der Titel des Konzerts, überträgt sich auf die Gäste. Foto: avanti

Murr – Mit innovativen und anregenden Konzert-Programmen hat sich Peter Wallinger, der Dirigent und Gründer der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, in den vergangenen 30 Jahren einen guten Namen geschaffen und bei den Neujahrskonzerten in Murr immer wieder gefestigt.

Mit „Zauber der Natur“ war das 24.  Murrer Neujahrskonzert betitelt, das die Besucher wieder mit jubelndem Beifall quittiert haben. Der Idee, neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen, ist das Bietigheimer Ensemble in den 33 Jahren seines Bestehens treu geblieben und hat mit dem Neujahrskonzert 2018 einmal mehr aufgezeigt, wie Musik und Sprache dazu beitragen können, die Welt etwas aufzuhellen.

Das Publikum zeigte sich begeistert und ließ sich gefangen nehmen vom Klangzauber der Musik und von der stillen Wucht poesievoller Kunst der Worte namhafter Dichter wie Henrik Ibsen oder Rainer Maria Rilke. Ob „nordische Weisen“ von Edvard Grieg oder „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini, ob Claude Debussy oder Peter Tschaikowskys „Jahreszeiten“ – es war absolut seelenvolle Musik, von der sich die Zuhörer ergreifen ließen.

Für zwei absolute musikalische Höhepunkte sorgten die Solistinnen Anne-Sophie Bertrand (Harfe) und die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine). Schon einmal hat die französisch-amerikanische Harfenistin vor gut fünf Jahren bei einem Konzert in Murr gastiert. Ihre reiche Erfahrung aus großen Konzertsälen der Welt ist unüberhörbar. Dass ihr der Titel „Associate“ von der Royal Academy of Music verliehen wurde – wer möchte das bei ihrem Umgang mit dem königlichen Instrument bestreiten. Dass sie Debussy zu interpretieren weiß – ihr Solo „Jardins sous la pluie“ lässt keine Zweifel offen.

So wurde „der Winter“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ noch selten interpretiert – so delikat und glasklar, einfach fantastisch. Die Kälte war zu spüren, das träumerische Largo „am Kamin“ zu fühlen, die „Schritte auf dem Eis“ und die streitenden Winde im Allegro-Satz deutlich auszumachen. Besser kann man die Meisterklasse der Interpretation kaum zum Ausdruck bringen. Dirigent, Orchester und Solistin waren einfach grandios – der Beifall verdient.

Was die einzelnen Instrumentalsolisten unter der Leitung von Peter Wallinger an Musizierkunst geleistet haben, verdient höchste Anerkennung. Und so ganz nebenbei vermochte der Wortakrobat Frank Albrecht mit seinen Rezitationen die musikalisch großartigen Darbietungen mit seinen Vers-Jonglagen noch zu verzieren. Wie er „gefrorne Tränen“ oder von der Vrings „Nachtkonzert“ und „Finkengezwitscher beim Aufbrechen der Knospen“ vermittelte – Hut ab!

Der Kulturprisma-Chef Matthias Bader kann mit dem Auftakt seiner Veranstaltungsreihe zufrieden sein. Die Konzertbesucher jedenfalls waren es, wie der Beifall erkennen ließ.

Helmut Schwarz

Kammersinfonie Bietigheim gibt ein Gastspiel

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Das Neujahrskonzert steht 2017 unter dem Motto „Europa“.

Murr. Stille breitet sich im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses Murr aus, kurz bevor die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim den Auftakt anstimmt. Zum mittlerweile 20. Mal leitet das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger das neue Jahr ein.

Unter dem diesjährigen Motto “Europäischer Frühling“ erklangen Musikstücke aus vier Himmelrichtungen Europas: Finnland verkörpert den Norden, Italien den Süden, England den Westen und Ungarn den Osten. Die Musikstücke stammen von den vier Komponisten Béla Bartók, Ottorino Respighi, Pehr Henrik Nordgren und Benjamin Britten. Diese Künstler sind tief mit ihrem jeweiligen Land und dessen Tradition verwurzelt.

Sprachlich begleitet wurde das Konzert von dem in Berlin wohnenden Johann-Michael Schneider. Der Schauspieler, Theatermusiker und Regisseur studierte Germanistik, Philosophie und Musik und hegt große Leidenschaft für das Zusammenspiel von Musik und Schauspiel. Er stimmte das Konzert mit den Worten „der Europäische Frühling ist die Hoffnung und die Gewissheit, dass obwohl Europa im Winter liegt, der Frühling wieder kommt“, an. Zur jeweiligen Himmelsrichtung trug er passende Textauszüge aus Romanen auf humorvolle und unterhaltsame Weise vor. Kennengelernt haben sich Peter Wallinger und Johann-Michael Schneider über Kontakte aus dem Orchester.

Die Inspiration für das diesjährige Motto war die Aktualität. „Das ist ein sehr großes Thema“ erzählt Peter Wallinger, „und mit diesem Konzert wollen wir die positive Seite Europas aufzeigen.“ Das enorm große wissenschaftlich und philosophische Potenzial und diese kulturelle Vielfalt seien einmalig, bemerkt er. „Europa ist nicht kleinzukriegen, trotz der vielen negativen Schlagzeilen zurzeit. Ich bin da optimistisch.“

Peter Wallinger gründete und leitet die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim seit 1984. Für die Neujahrskonzerte in Murr sucht er immer wieder nach Inspirationen und setzt originelle Akzente. Themen aus vergangen Neujahrskonzerten waren etwa Dantes „Göttliche Komödie“, die Fabeln von La Fontaine und das finnische Nationalepos „Kalevala“ von Elias Lönnrot. „Dieses Jahr war die Musik eher folkloristisch und tänzerisch geprägt. Die Spielmannsmusik spiegelt am besten das typische der Region und den Optimismus unseres Mottos wieder“. Mit dem 2008 verstorbenen Komponisten Pehr Henrik Nordgren, der das Land Finnland repräsentiert, hatte Peter Wallinger vor dessen Tod sogar persönlich Kontakt.

Der Orchesterleiter freut sich darüber, wie gut besucht das Neujahrskonzert in Murr jedes Jahr ist. Es werde auch nächstes Jahr wieder stattfinden. „Der Termin steht schon fest“, erzählt er.

Anne-Sophie Michaelis

Streicher bringen die Saiten zum Singen

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Murr. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hat zum Neujahrskonzert unter dem Motto „Voyage fabuleux“ – fabelhafte Reise – in den Bürgersaal geladen. Zwei Schauspieler haben dazu Fabeln des Dichters Jean de la Fontaine dargeboten.

Hier sitzen Profis auf der Bühne: Die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim spielen in großen Orchestern wie der Staatsoper oder den Philharmonikern. Foto: avanti

Ein Konzert der Extraklasse hat rund 150 Gäste am Samstagabend im Bürgersaal in Murr erwartet. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hatte zum Neujahrskonzert unter dem Motto „Voyage fabuleux“ – fabelhafte Reise – geladen. Und das war durchaus wörtlich zu nehmen. Zu fabelhafter Musik standen Fabeln des Dichters Jean de la Fontaine auf dem Programm, die die Schauspieler Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater in einer charmanten deutsch-französischen Mischung darboten – und dabei „die Musikalität der französischen Sprache“, wie es der Murrer Kulturreferent Matthias Bader in seiner Begrüßung formulierte, zu Gehör brachten. Musik und Wort gingen so eine inhaltlich wie akustisch harmonische Beziehung ein.

Im Hauptberuf spielen die Musiker um den Dirigenten und künstlerischen Leiter Peter Wallinger in großen Orchestern wie der Staatsoper oder den Philharmonikern. „Hier in diesem kleinen Rahmen aufzutreten, ist für sie etwas ganz Besonderes“, sagte Wallinger. Erst eine Woche vorher haben sie begonnen, intensiv gemeinsam zu proben.

Dass Profis auf der Bühne saßen, hörte man schon bei den ersten Tönen. Wie die Streicher, allen voran Konzertmeisterin und Solistin Sachiko Kobayashi, die Saiten nicht nur zum Klingen, sondern zum Singen brachten, war ein echter Hörgenuss. Vom vogelleichten Pianissimo bis hin zum fulminanten Fortissimo entstiegen die Töne scheinbar mühelos den Violinen, Bratschen, Celli und dem Kontrabass. Da wurde, passend zur zuvor rezitierten Fabel „Das Huhn mit den goldenen Eiern“, das Bild eines Huhns, „la poule“, des Komponisten Jean-Philippe Rameau mit Noten gemalt – mal eifrig pickend, mal aufgeregt flatternd. Auf „Der Tod und der Holzfäller“ folgte das schwermütige „Furuenes Sang“, Gesang der Tannen, des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Halvor Haug, das durch seinen ständig wechselnden Rhythmus und die gewollten Dissonanzen das ganze Können der Musiker forderte.

Mühelos schafften es im Anschluss die beiden Schauspieler, die Zuhörer mit ihrer drolligen Interpretation von „Die Grille und die Ameise“ wieder zum Lachen zu bringen. Nathalie Cellier sang mit unbefangener Heiterkeit als Grille „Sous le ciel de Paris“ – unter dem Himmel von Paris –, während Peter Steiner als griesgrämige Ameise ihr riet, da sie im Sommer gesungen statt gearbeitet habe, möge sie nun tanzen, um sich ernähren zu können. Origineller Schluss, der erst nach Tschaikowskys „Barkarole“ folgte: „Die Grille tanzte so gut, dass sie sich ein Haus im Süden kaufen konnte.“ An den Gesang der Grille schloss sich Tschaikowskys „Lied der Lerche“ an. Bei einer modernen Interpretation von „Der Rabe und der Fuchs“ schwatzte Peter Steiner seiner Kollegin ganz beiläufig keinen Käse, aber ihren gesamten Schmuck ab. Der Walzer aus Tschaikowskys „Die Jahreszeiten“ und Mozarts „Kleine Nachtmusik“ bildeten den krönenden Abschluss. Als Zugabe gab es „Der Frosch, der so groß sein wollte wie ein Ochse“ und den Mittelteil des Menuettos aus der Kleinen Nachtmusik.

Ein berührender Moment kam noch ganz am Ende. Nathalie Cellier widmete das Lied „Sous le ciel de Paris“ und „die Freude, die wir heute Abend hier geteilt haben“ den Opfern der Pariser Attentate.

Sabine Armbruster

Genussreich ins neue Jahr

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Die Kammersinfonie hat das Neujahrskonzert in der Gemeinde gestaltet. Zu einer geschätzten und lieb gewonnen Tradition haben sich die vom Kulturprisma alljährlich zum Jahresbeginn veranstalteten Konzerte entwickelt, die inzwischen immer mehr Besucher aus der Umgebung anlockt.

Während sich viele Musikfreunde jährlich auf die aus Wien im Fernsehen am Neujahrstag übertragenen Polka- und Walzerrunden mit dem Radetzkymarsch zum Abschluss freu en, dürfen die Neujahrskonzert-Besucher in Murr stets Überraschendes und Neues erwarten: In diesem Jahr – beim 20. Konzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie – hat der Dirigent Peter Wallinger einmal mehr mit seinem En- semble junger Musiker diesen Erwartungsanspruch erfüllt und mit seinen „Nordischen Impressionen“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie Sprache, in Verse gesetzt, zu Musik werden kann.

Von den 50 Runen (Gesänge mit insgesamt fast 23 000 Versen) aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ hat Peter Wallinger einige Runen ausgewählt, die von Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth rezitiert wurden – und das so gekonnt, dass das gesprochene Wort und die vom Orchester gespielte Musik zu einer großartigen Einheit verschmolzen. Kalevala-Runen und die ausgewählten Stücke von Edvard Grieg, Max Bruch, Pehr Henrik Nordgren, Carl Nielsen, Jean Sibelius und Benjamin Britten ergänzten sich zu musikalischer Erzählkunst vom Feinsten, die ins dämmerdunkle Nordland führten, wo „alle Lauscher“ in Zauberschlaf fielen. Nicht so die Konzertbesucher im Murrer Bürgersaal, die sich vom Bauerntanz (Grieg), schwedischen Volksmelodien (Bruch), dem „Saitenzupfer“ (Nordgren), der „Humoreske“ (Sibelius) oder der „Simplen Symphonie“ (Britten) großartig unterhalten fühlten.

Sprachlich wunderschöne Rezitationen des Sprachgestalter-Duos auf der einen, filigran durchsichtig, elegant, ebenso engagiertwie brillant musizierend die Kammersinfonie auf der anderen Seite servierten der vom Publikum im voll besetzten Saal mit starkem Beifall aufgenommen wurde. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zeichnet sich auch im 25. Jahr ihres Bestehens als ein faszinierend frischer Klangkörper aus, erfreute die Zuhörer durch ihr vitales klangdifferenziertes Spiel. Die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine) gefiel auch mit ihrem fantastischen Soloeinsatz.

Kulturamtsleiter und Kulturprismagründer Matthias Bader erinnerte bei den Grußworten zum 20. Neujahrskonzert an das Motto „Wir probieren’s mal“, das beim ersten Konzert vor zwei Jahrzehnten Pate stand und dankte dem Dirigenten Peter Wallinger, der mit tollen Programmen zur erfolgreichen Entwicklung der Neujahrskonzerte beigetragen habe sowie den treuen Besuchern.

Helmut Schwarz

Zwischendurch stellt sich Gänsehautgefühl ein

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Die Süddeutsche Kammersinfonie hat beim Neujahrskonzert im Bürgersaal des Rathauses erneut überzeugt.

Experimentierfreude zeichnet die Arbeit von Peter Wallinger mit der – Süddeutschen Kammersinfonie aus. Die Neujahrskonzerte des Bietigheimer Ensembles im Bürgersaal des Murrer Rathauses haben in mittlerweile 19 Jahren Kultstatus erreicht. Dabei „im- mer etwas Neues zu bieten“, gilt als Markenzeichen des Dirigenten. In diesem Jahr war es der Gitarrist Santy Masciaro, der die Besucher im voll besetzten Bürgersaal als Solo-Instrumentalistbegeisterteund Sprache auf faszinierende Weise als „Musik der Poesie“ erleben ließ.

Der melodische Sprachfluss bei Rezitationen aus der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri, den die Italiener laut Ma- sciaro „als Inbegriff der Dichtkunst“ schätzen, klang wie Musik pur in den Ohren der Zuhörer – besonders wenn sie dem Rat des Rezitators folgten und mit geschlossenen Augen zuhörten. Dass es sich beim 23. Gesang aus dem „Paradiso“ um die letzten Verse handelt, die Dante unmittelbar vor seinem Tod im September 1321 geschrieben hat ließ der in Syrakus (Sizilien) geborene, in Toulouse lebende und in Hamburg arbeitende Santy Masciaro in seine einleitenden Worte als Information einfließen. Dass Dantes Worte 700 Jahre nach seinem Tod immer noch zitiert werden, zeige – so der Rezitator – die Bedeutung des italienischen Dichters.
„Passione Italiana“ wählte Peter Wallinger als Motto für das Neujahrskonzert 2013, das mit unterhaltsamen musikalischen Köstlichkeiten von Barock bis Moderne bestückt war. Die 1984 von Wallinger gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zeichnet sich durch vitales und klangdifferenziertes Spiel, aber auch durch markant eigenwillige Interpretationen aus, die „neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar“ machen will. Die künstlerische Zielsetzung hat sich bis heute nicht verändert und prägte auch das 19.Neujahrskonzert in Murr. Es sind vornehmlich junge talentierte Musiker, die sich mehrmals im Jahr projektbezogen zusammenschließen und innovative Konzertprogramme erarbeiten.
Im ersten Teil der „Passione Italiana“ stand der Gitarrensolist Masciaro im Mittelpunkt. Er verlieh dem Largo im Concerto D-Dur von Antonio Vivaldi Gänsehautfeeling und gab dem abschließende Allegro mit pointiertem Spiel tänzerisches Profil. Unwahrscheinlich sensibles und grifftechnisch unglaublich fingerfertiges Spiel ließen die von Masciaro gestalteten Variationen über ein Thema von Nicolo Paganini zum musikalischen Erlebnis werden. Die „Streichersonate II A-Dur“ von Gioacchino Rossini – ein vom Komponisten selber als „Jugendsünde“ bezeichnetes aber handwerklich souverän gestaltetes und mit reizvollen Kontrasten ausgestattetes Frühwerk – bot den Streichern, besonders auch der Kontrabassistin, Gelegenheit, mit einfühlsamen Spiel die Zuhörer zu überzeugen, was dem Ensemble auch abschließend mit dem „Concerto per Archi“ des 1979 verstorbenen und hauptsächlich durch Filmmusiken bekannt gewordenen Nino Rota vor allem mit der ausdrucksstarken „Aria“ und dem furiosen „Finale“ gelang, das als Dank für den starken Applaus te1lweise als Zugabe noch einmal erklang.

Helmut Schwarz

Die Herzen der Zuhörer im Sturm erobert

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Das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim hat beim Neujahrskonzert überzeugt.

Wir wollen mit unseren Möglichkeiten dazu beitragen, den Jahresanfang freudig und fröhlich zu gestalten.“ Mit diesen Worten begrüßte der Kulturreferent der Gemeinde Murr, Matthias Bader, die zahlreich erschienenen Gäste des Neujahrskonzertes mit dem Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Bürgersaal des Murrer Rathauses. Für viele Besucher ist es mittlerweile ein angenehmes und liebgewordenes Muss, zu Beginn des Jahres die musikalische Begegnung mit den so eifrig und hochklassig spielenden Mitgliedern des Orchesters zu suchen. „Seit über 15 Jahren ist es schon gute Tradition geworden, die Musiker zu uns einzuladen und wir sind froh darüber, dass uns dies gelingt“, erklärte Matthias Bader, der immer wieder davon angetan ist, dass die Streicher unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Wallinger das Repertoire nicht nur pflichtgemäß abspulen. „Ihnen ist anzusehen, dass sie es mit einer großen Leidenschaft tun.“

Dies machte auch der wunderbare Einstieg ins abendliche Programm „Venedig-Prag“, das ausschließlich italienische und tschechische Komponisten in den Fokus bringt, deutlich: Spritzig und leichtfüßig kam das Concerto G-Dur von Antonio Vivaldi daher und integrierte in beglückender Weise den feinen Klang des Cemballos in die nuancenreich herausgearbeitete Darbietung. Mit dem darauf folgenden Stück von Giuseppe Sammartini, dem Concerto F-Dur für Sopranblockflöte und Orchester wurde dem Publikum ein wahrer Ausnahmemusiker präsentiert: Daniel Koschitzki, dem 32-jährigen Blockflötisten gelang es im Sturm, die Herzen seiner Zuhörer zu erobern. Mit unfassbarer Intensität von Spielkunst und Körpersprache, die an die – von purer Lebenslust gekennzeichneten – Auftritte des Sängers und Geigers Angelo Branduardi erinnern, zeigte der Instrumentalist mit zwei Stücken einen virtuosen und beinahe atemlosen Hochgeschwindigkeitsritt auf der Flöte. Der völlig authentische und eigenwillig-virtuose Vortragsstil als auch die bezwingende Fähigkeit, sich in die Kompositionen geradezu körperlich hineinzudenken, setzten beim Betrachter und Zuhörer in Sekundenschnelle einen Superlativ-Katalog an Attributen frei, die helfen mögen, das Gehörte einzuordnen. Schließlich blieb dem Publikum lediglich übrig, sich von Ehrfurcht und Staunen gefangen nehmen zu lassen und sich mit viel Beifall von der faszinierenden Starre, die ihn eingefangen hatte, zu lösen. Daniel Koschitzki, der sich für die Begeisterung seiner Zuhörer mit einem dritten, unbegleiteten Stück als Zugabe bedankte, ist nicht umsonst einer der weltweit führenden Blockflötisten seiner Generation. Sein Allegro von Benoit Tranquille Berbiguier holte aus dem dritten Modell, einer ebenholzschwarzen Flöte, noch einmal alles heraus.

„Warum nach Stuttgart oder sonst wohin fahren, wenn wir hier in Murr ein so hochkarätiges Konzert bekommen?“, fragte sich beglückt einer der Besucher, der sich mit dem Gesamtverlauf des Konzertabends am Samstag im Murrer Bürgersaal mehr als zufrieden zeigte. Mit den Komponisten Dvorák, Janácek und Myslivecek wurde die beachtliche konzertante Aufführung nach der Pause fortgesetzt, welche zwar weniger lebhaft und pulsierend, dafür aber von getragener Harmonie und einer besonderen Klangtiefe der äußerst differenzierten Interpretationsweise der Streicher geprägt war und ebenfalls einen viel verdienten Applaus erhielt.

Cornelia Ohst