Pforzheimer Zeitung
Musikalische Rarität exzellent interpretiert
Sebastian Manz zu Gast beim „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau

Mühlacker. Man kann die Aufführung beim Frühjahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau als Entdeckung, als Ausgrabung oder Rarität bezeichnen. Jedenfalls war sie eine Besonderheit, auch weil der renommierte Solist Sebastian Manz und das Orchester mit Leidenschaft und Hingabe musizierten, ja für dieses Konzert im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ regelrecht brannten.
Mitreißend interpretiert
Die Rede ist vom Klarinettenkonzert c-Moll (op. 90) des niederländischen Komponisten und Dirigenten Gottfried Hendrik Mann (1858-1909), eines Spätromantikers, dessen hierzulande wenig bekanntes Werk Manz auch auf CD eingespielt hat und auf der Mühlacker Konzertbühne nicht nur mitreißend interpretierte, sondern auch wortreich propagierte: Man müsse dieser Komposition zum Durchbruch verhelfen, weil sie wunderschön und in eine Reihe mit berühmten Klarinettenkonzerten zu stellen sei – sagte einer, den die Musikfreunde aus exzellenten Wiedergaben und Schallplattenaufnahmen der Meisterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Weber kennen.

Also zur Sache. Im orchestral dramatisch einsetzenden ersten Satz „Allegro energico“ kam die Soloklarinette triumphal zu Wort, mit sonor-samtigen Tiefen und strahlenden Höhen, mit virtuosem Laufwerk, akzentuierten Spitzentönen und sanglich leuchtenden Linien, deren Melodie-Schönheiten an Weber erinnerten.
Den zweiten Satz, einem auch vom Orchester breit ausgezogenen Andante, bestimmte lyrisch zarte Melancholie in langen Haltetönen, was beim Zuhören zum Träumen anregte und von seiner Struktur her – ohne zu imitieren – mit Mozarts A-Dur-Klarinettenkonzert vergleichbar wäre. Das temperamentvoll wiedergegebene Finale mündete feurig elegant im „Tempo di Polacca“ in wuchtig auftrumpfende Schlussakkorde ein.
Enthusiastisch gefeiert
Sinnfällig umrahmten weitere Musikwerke den vom Publikum enthusiastisch gefeierten Konzerthöhepunkt. Da gab es aus Franz Schuberts „Rosamunde“ die Ballettmusik G-Dur (D 797, Nr.9) mit fein ausgearbeiteten Tanzrhythmen und dynamischen Lautstärke- und Tempo-Sprüngen.
Außerdem eine klangmächtige Interpretation der „Italienischen Sinfonie“ (op. 90) von Mendelssohn-Bartholdy, wobei das Orchester unter Peter Wallingers professioneller Leitung seine Klasse unter Beweis stellen konnte. Sowie nochmals mit Sebastian Manz das „Adagio Des-Dur“ für Klarinette und Orchester von Heinrich Joseph Baermann (1784-1897) mit leisen, sinnlich-schwelgerischen Klarinetten-Passagen.
Solcher Konzertgenuss beflügelt ein Frühlings-Wochenende.
Autor: Eckehard Uhlig
Musikalische Eleganz und große Gefühle
Besinnliches Matinee-Konzert der sueddeutschen kammersinfonie im Uhlandbau

Mühlacker. Ein glanzvoller Höhepunkt begeisterte beim Neujahrskonzert von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau die Zuhörer: Ohne Imponiergehabe, aber mit wunderbarer Klarheit und unprätentiöser Virtuosität musizierte die junge Geigerin Maryana Osipova und präsentierte Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert d-Moll mit schlankem Ton geradezu freudig beschwingt. Das Frühwerk des dreizehnjährigen Wunderknaben leuchtete im Kopfsatz mit einem rhythmischen Motiv, das an Johann Sebastian Bach erinnerte, berührte im Andante mit dem lyrischen Zauber getragener Violin-Soli und mündete tänzerisch rasant in das finale Allegro ein. Das Orchester begleitete unter Wallingers Leitung mit kammermusikalisch federnder Agilität.
Erstaunlich, wie es dem Veranstalter der Mühlacker „Concerto“-Reihe Peter Wallinger immer wieder gelingt, Künstlerpersönlichkeiten von Format zu engagieren. Neben der mehrfachen Wettbewerbs-Preisträgerin Osipova konnte auch die Sopranistin Juliane Brittain brillieren. Ihre Interpretation von vier Liedern aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ (in einer Bearbeitung für Streichinstrumente von Simon Wallinger) ließ in unaufdringlicher Symbiose von Orchester und Singstimme mit elegisch-wehmütigem Tonfall und weich gebundenem Legato die ergreifende Dunkelheit dieser Musik und Verse von Wilhelm Müller aufscheinen. Zugleich schmerzlich und fröhlich verspielt drehte sich „Die Wetterfahne“ im Wind. „Gefrorene Tränen“ gestalteten im Gesang den Kontrast von eiskaltem Morgentau und heiß zerschmelzendem Winter-Eis. Das Lied „Frühlingstraum“ schwelgte in bunten Blumen. Ein musikalisch-sanglicher Drehwurm umkreiste mit dunklem Leitmotiv in den Streicherbässen schlussendlich den düsteren „Leiermann“.

Und da war noch ein dritter Künstler von Rang an der „musikalisch-literarischen Winterreise“ – so das Konzertmotto – mit Beiträgen beteiligt. Der Schauspieler Frank Albrecht sorgte in der sonntäglichen Matinee mit sinnfälligen Moderationen zu den „Winterreise“-Texten für eine feine Balance von „Schwere und Leichtigkeit, Krise und Hoffnung“. Seine Rezitation des Hermann Hesse-Gedichtes „Stufen“ gipfelte in der letzten Verszeile als Therapeutikum: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“.
Tänze und Romanzen
Kurze Konzertstücke fügten sich gefällig in die Programm-Vielfalt. Zwei muntere „Deutsche Tänze“ (aus D 90) von Schubert leiteten das Neujahrskonzert ein. Auch die Romanze C-Dur (op. 42) von Jean Sibelius, einem Komponisten, für den Wallinger ein Faible besitzt, durfte nicht fehlen. Und Peter Tschaikowskys „Barkaole“ aus dessen „Jahreszeiten“ (op. 37a) mit dem Wellenschlag eines venezianischen Gondel-Liedes sowie Antonio Vivaldis „Winter“ als Zugabe würdigten die Jahreszeit.
Mit Freude und herzlichem Applaus dankte das Publikum im voll besetzten Uhlandbau-Saal für den besinnlichen Start ins neue Jahr.
Autor: Eckehard Uhlig
„Giocavano“ – Wallingers musikalische Chronik
Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim veröffentlicht neue Live-Doppel-CD

Mühlacker. Die neue CD von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim ist unter dem Motto „giocavano“ anders geprägt als alle Vorgänger und bietet Rückblicke auf Konzertmitschnitte, die auf den bisherigen traditionellen Jahres-CDs nicht dokumentiert werden konnten. Wallingers Ensemble und zahlreiche namhafte Solisten traten – dem aus dem Italienischen übersetzten Motto „sie spielten“ folgend – seit 41 Jahren regelmäßig beim „Musikalischen Sommer“ in der Frauenkirche Lienzingen auf, später auch im Herbst, Winter und Frühjahr im Rahmen der „Concerto“-Reihe im Mühlacker Uhlandbau.
Stets konnte Wallinger mit seinem Ensemble zurückgreifen auf befreundete Solisten, auf ein treues Publikum, Sponsoren und nicht zuletzt auf seine Familie und einen Freundeskreis, der alles Musikalische und Organisatorische mitträgt.
Sämtliche auf den beiden Silberscheiben eingespielte Konzertausschnitte zeichnen sich durch spezifische Vorzüge aus. Zu hören sind das in gut ausbalancierten Besetzungen präzise phrasierende Kammerensemble, exzellente Solisten und ein kontrastreich dynamisches, von Spielfreude geprägtes Musizieren. Was Stile, Epochen und Genres betrifft, zeigt die Auswahl eine umfassende Vielfalt.
So verweist die Wiedergabe der am 13. Juli 2008 in Lienzingen aufgeführten „Sonata pian e forte“ von Giovanni Gabrieli mit feinen dynamischen Gegensätzen auf die italienische Renaissance, ist aber gleichzeitig in neuem Gewand modern, weil das renommierte Alliage-Saxofonquartett die Interpretation wesentlich mitgestaltet. Gewissermaßen am anderen historischen Ende der Musikepochen interpretiert der hervorragende Pianist Markus Bellheim mit der Kammersinfonie 2016 im Uhlandbau Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 3, dessen moderne Tonalität und Rhythmik akzentreich herausgearbeitet wird.
Auch sind auf der Doppel-CD bekannte Klassiker vertreten. Dazu zählt das schwungvoll wiedergegebene Brandenburgische Konzert Nr. 2 in F-Dur von Bach, wobei in den rasanten Ecksätzen insbesondere die Solisten Laura Vukobratovic (Trompete), Nikola Stolz (Oboe), Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Ursula Schoch (Violine) mit barocker Farbenpracht prunken. Zweimal erfreut das Ensemble mit Konzerten von Mozart. Seine „Sinfonia concertante Es-Dur“ (KV 364) dirigierte am 24. April 2022 im Uhlandbau Peter Wallingers Sohn Simon – ein möglicher Nachfolger als Chefdirigent?
In der Wiedergabe von Mozarts „Prager Sinfonie“ (KV 504) spürt man zum wiederholten Mal, dass Peter Wallinger am Pult ein gutes Händchen für den Mozart-Ton besitzt. Rossinis flotte Ouvertüre zur „Seidenen Leiter“ mit herrlichen Crescendi, Schuberts romantische Ballettmusik Nr. 2 (D 797) aus „Rosamunde“ und die orchestral glanzvolle, auf liebenswürdige Weise die russische Seele atmende Serenade C-Dur (op. 48) von Tschaikowsky runden den musikalischen Gehalt der CDs ab, die in guter tontechnischer Qualität einen repräsentativen Überblick der Wallinger-Konzerte bieten und das Versprechen beinhalten: Wir spielen weiter!
Die Doppel-CD „live 2025“ ist für 20 Euro unter der Telefonnummer 07043-958393 oder per E-Mail über susanne@boekenheide.net beziehbar.
Autor: Eckehard Uhlig
Mozart mit Charme, Saint-Saëns mit Feuer
Meistergeigerin Ursula Schoch beim Musikalischen Sommer in Lienzingen

Lienzingen. Wenn Ursula Schoch nach Lienzingen zum „Musikalischen Sommer“ kommt, um mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim zu musizieren, sind Glanzlichter angesagt. Die mit Wallinger befreundete Konzertmeisterin am Concertgebouw-Orchester Amsterdam ist eben eine brillante Ausnahme-Geigerin. Ihr Spiel ist elegant, leicht und locker. Ihr Violinton je nach Werksituation lyrisch zart oder vollmundig rund, überaus klar und klangschön in allen Lagen. Ihre makellose Technik wirkt geradezu selbstverständlich.
Schochs neuerlicher Auftritt bei der sommerlichen Matinee in der Frauenkirche am Sonntag war sehr unterschiedlichen Komponisten gewidmet. Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert in B-Dur (KV 207), das erste von fünf Konzerten für Geige und Orchester, die Mozart aus Anlass seiner Anstellung als Konzertmeister der Salzburger Fürstbischöflichen Hofkapelle 1775 komponiert hat, begeisterte in der Lienzinger Wiedergabe mit einem sehr flott und rhythmisch akzentreich gespielten Eröffnungs-Allegro, feinem solistischen Violingesang mit stimmungsvoll verträumten Melodielinien im Adagio und glanzvollen Höhen im finalen Presto. Unter Wallingers Leitung agierte die Kammersinfonie sehr aufmerksam, die orchestralen Dialoge mit der Solovioline wurden einfühlsam ausgeführt. Man versteht sich eben, da bleibt für Solistin und Dirigent sogar Zeit für Momente gegenseitig lächelnder Aufmunterung.

Das eigentliche solistisch-konzertante Ereignis aber war die Interpretation von „Introduktion & Rondo Capriccioso“ von Camille Saint-Saëns. Nach der dunkel verhangenen, melancholischen Einleitung war im launigen Rondo eine Bravour mit solistisch funkelnden Geigen-Passagen zu erleben, mit rasanten Läufen, Doppelgriff-Passagen, Ricochets und was sonst noch alles zum virtuosen Meisterhandwerk gehört. Ursula Schoch musizierte sensationell.
Zusätzlich hatten Wallinger und sein Ensemble heitere Orchesterstücke im Programm. Mozarts Divertimento B-Dur (KV 137), das zu den „Salzburger Sinfonien“ gezählt wird, leuchtete mit singendem Melos, wobei die Klangcharaktere der drei Sätze deutlich herausgestellt wurden. Mozarts Fantasie f-Moll (KV 594), ursprünglich für eine mechanische Orgel geschrieben, walzte sehr breit daher. Und Offenbachs selten aufgeführte Serenade C-Dur (nach op. 34) überraschte mit einem feinfühligen, teils von den Stimmführern ausgeführten Mittelsatz und leidenschaftlich-heftigem Orchester-Finale. Solche musikalisch begleiteten Sommertage bereichern Gemüt und Seele.
Autor: Eckehard Uhlig
Feiner Luxusklang bei Peter Wallingers Neujahrskonzert
Kammersinfonie Bietigheim brilliert mit Solocellist Mikael Samsonov in historischer Kelter in Ötisheim.

Ötisheim. Das nächtliche Böllern und Korkenknallen ist vorüber, die Neujahrskonzerte mit ihrem vom Radetzkymarsch bekrönten Walzer- und Polkareigen auch. Bei dem diesmal von Texten der Lyrikerin Hilde Domin traditionell literarisch bereicherten, gewissermaßen alternativen Neujahrskonzert, das Peter Wallingers „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ vor begeistertem Publikum in der Historischen Kelter Ötisheim veranstaltete, war ein Cello-Solist angekündigt. Mit dem Auftritt von Mikael Samsonov konnte freilich ein musikalisches Ereignis gefeiert werden.
Cello-Solist Mikael Samsonov begeistert
In seiner Interpretation von Peter Tschaikowskys Rokoko-Variationen (op.33) zog der Solist alle Register der Virtuosität, brillierte mit sinnlich lyrischem Ton, gleitete in heiklen Glissandi zu höchsten Flageolett-Höhen oder musizierte spannungsgeladen und vibratosatt mit sonor samtigem Bass.
In der ersten von insgesamt sieben Veränderungen wurde die Ausgangsmelodie markant vorgestellt. Dann folgte in den durch Orchesterzwischenspiele miteinander verbundenen sechs weiteren Variationen ein technisch atemberaubendes Feuerwerk musikantischer Figurationen – ein artikulatorisch und dynamisch fein differenzierter Luxusklang.

Technische Brillanz und romantischer Zauber
In der dritten Variante spielte Samsonov ausladend romantisch, in der vierten temperamentvoll tänzerisch. In der fünften triumphierte das Solocello mit einer meisterlichen Kadenz. Ähnliches wiederholte sich mit der Aufführung von Tschaikowskys „Nocturne für Violoncello und Orchester“, wobei Samsonov in beiden ohne Dirigent präsentierten Werken auch als leitender Konzertmeister fungierte.
Literarische Reflexion
Mit seiner fabelhaften Streicher-Truppe, in der mehrere neue Gesichter zu sehen waren, interpretierte Peter Wallinger vor der Konzertpause eine aufs Genaueste mit den Domin-Texten abgestimmte Folge meist heiterer Konzertstücke. Energisch der Auftakt zum aufblühenden Moderato in Leoš Janáčeks Suite für Streichorchester. Es folgte ein zartes Adagio ohne die Streicherbässe, ein folkloristisch gefärbtes Andante con moto, dann das attackierende Presto, ein langsames Adagio mit solistischem Cello-Gesang und abschließend das sehr lebendige Finale.
Poetische Klangbilder
Zum meditativen Innehalten, das von Domin-Versen angeregt wurde, führten zwei kontrastreiche Stücke aus Anton Weberns „Fünf Sätze“ (op.5). Besonders intensiv gelangen die Übergänge von Sprache und Musik mit Domins Verszeile „Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug“ und Jean Sibelius‘ „Humoreske IV“ (op. 89b) für (die von Sachiko Kobayashi gespielte) Solovioline und Orchester. Das Gedicht „Nur eine Rose“ führte zu Edvard Griegs melodienseligem Orchesterstück „Varen“ (Letzter Frühling) op.34.
Hilde Domins lyrisches Meisterwerk „Es blüht hinter uns her“, das der kunstvoll vortragende Sprecher Martin Stolz zwischen die beiden Tschaikowsky-Cellokompositionen einfügte, fasste alle Freude am Heiteren und Schönen zusammen. Wäre die Neujahrspolitik in unserem Land so freundlich wie diese Neujahrs-Kunstmatinee in der einladenden Kelter, müsste man sich um das neue Jahr keine Sorgen machen.
Autor: Eckehard Uhlig
Klassik vom Feinsten: Höhepunkte des Festkonzerts auf Peter Wallingers Jahres-CD
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Konzertreihe von Peter Wallinger im Uhlandbau Mühlacker bietet „live 2024“ eine Mischung aus virtuoser Geigenkunst, klassischem Repertoire und temperamentvoller Orchesterbegleitung.

Mühlacker. Menschen freuen sich, wenn die eigene Region kulturelle Events zu bieten hat. Peter Wallingers im Uhlandbau Mühlacker veranstaltete Konzerte gehören bereits seit 20 Jahren zu solchen Höhepunkten. Grund genug für ein Festkonzert mit seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim und der Geigerin Ursula Schoch, das nun als CD-Mitschnitt „live 2024“ vorliegt.
Mit Geigerin Ursula Schoch
Die aus der Region stammende und regelmäßig bei Wallinger gastierende Violinistin Schoch, international renommierte Konzertmeisterin beim Concertgebouw Orchester Amsterdam, interpretiert – souverän begleitet von der Kammersinfonie unter Wallingers Leitung – Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur (op. 81). Und ist mit makellos schlankem Spiel zu erleben, das seinesgleichen sucht. In dem vom Orchester temperamentvoll angegangenen „Allegro ma non troppo“, das mit vier Paukenschlägen einsetzt, tritt die Geige mit großem, lyrisch schönem Ton herein, wendet sich elegant und vermag mit leuchtendem Klang in hohe Lagen zu entschweben. In der mit virtuosen Doppelgriff-Folgen höchste geigerische Kraft erfordernden Kadenz des Bruckner-Schülers Kreisler bietet Ursula Schoch den krönenden Schluss des ersten Satzes, modelliert ein kunstvolles Meisterstück.
Im romantisch fließenden „Larghetto“ brilliert die Geigerin mit feinen Melodiebögen und herrlichem Diskant-Gesang. Schließlich entfaltet sich das solistische Vogelstimmen-Thema im finalen „Rondo“ fröhlich-locker, sehr kantilen und gleichzeitig mit intensiver Gestaltungskraft. Es ist ein Glück, dieser Solistin beim Musizieren zuzuhören.
Geschenkempfehlung
Rhythmisch pointiert und kontrastreich formen Wallinger und sein Orchesterensemble die erste Hälfte des auf der Silberscheibe festgehaltenen Festkonzertes und deuten damit auch die Vielfalt ihres Repertoires an. Federnd schwungvoll die „Slawischen Tänze“ von Antonín Dvorák (aus op. 46 und op. 72). Instrumental wuchtig und folkloristisch eingefärbt geben sich die „Ungarischen Tänze“ Nr. 1, 5 und 6 von Johannes Brahms. Elegisch verhalten blüht mit berührendem Orchestersound der „Valse triste“ (op. 44) von Jean Sibelius.
Die Wiedergaben – insbesondere des Beethoven-Violinkonzerts – brauchen sich vor großen Namen der klassischen Konzertszene nicht zu verstecken, auch die technische Aufnahmequalität ist gut. Also eine CD, die als Geschenk viel Freude bereitet.
Für 12 Euro ist Wallingers Jahres-CD „live 2024“ über Mail an susanne@boekenheide.net erhältlich.
Autor: Eckehard Uhlig
Musikalischer Sommer mit prächtigen Klängen in Lienzinger Frauenkirche

Foto: Fotomoment
Mühlacker-Lienzingen. Ältere Menschen freuen sich, wenn das, was sie erfolgreich aufgebaut haben, an würdige Nachfolger weitergegeben werden kann. Bei Peter Wallingers Süddeutscher Kammersinfonie Bietigheim scheint dieses Problem gelöst. Denn nicht nur die Interpretation von Dimitri Schostako-witschs Kammersinfonie c-Moll (op.110a) beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche mit Sohn Simon am Pult, der das Wallinger-Ensemble souverän mit geschmeidigen Gesten dirigierte, war erste Sahne.
Mit prächtigem Raumklang und dunklen Farben entfaltete sich in Rudolf Barscheis Streicher-Ensemble-Bearbeitung der Schostakowitsch-Symphonie das klagende Einleitungs-“Largo““. Temperamentvoll auftrumpfend, die Klangwucht von maschinenhaft hämmernden Rhythmen unterlegt, folgte das „Allegro molto“. Frohgemut musikantische Spitzen präsentierte das „Allegretto“. Solistisch in feinem Legato ausgesungene Melodie-Linien zeichneten die beiden abschließenden, zunächst von heftigen Tutti-Einwürfen akzentuierten „Largo“-Sätze aus, deren Letzterer zart verdämmerte. Mit dieser Kammersinfonie – so beschreibt es die Musikwissenschaft – erzählte der Komponist, Trauer und Trost komprimierend, sein unter der Stalin-Herrschaft in Russland bedrohtes Leben.
Auch zwei andere in der Konzert-Matinee unter Simon Wallinger aufgeführte Werke zelebrierten musikalisches Dunkel in Moll. Vor allem das Allegro aus der Kammersinfonie Nr. 1 (op. 145) des jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg, der mit Schostakowitsch bekannt war. Die in abrupt abgebrochenen Aufschwüngen erregende Binnenstruktur des Symphonie-Satzes wurde von den Interpreten dynamisch intensiv herausgearbeitet. Danach mündete die Suite für Streicher in a-Moll (op.1) des mit volkstümlichen Liedern in seinem Heimatland Dänemark populären Komponisten Carl Nielsen, aus dunklen Klangbildern aufsteigend, über tänzerisch schwungvolle Rhythmen in ein mehrfach orchestral aufblühendes Finale.
Nie fehlt dem „Musikalischen Sommer“ der heitere Serenaden-Ton. Diesmal sorgte dafür die Wiedergabe von Franz Schuberts Rondo A-Dur für Violine und Orchester (D 438) mit der exzellenten Solistin (und Konzertmeisterin) Maryana Osipova. Eine gefällig-heitere, luftig-leichte, sich solistisch in höchste Höhen aufschwingende sommerfrische Musik, die – gewissermaßen lächelnd ausgeführt – jegliche Düsternis verscheuchte. Die Zuhörer dankten mit jubelndem Applaus.
Autor: Eckehard Uhlig

Sensationelle Beethoven-Interpretation
Ursula Schoch im Uhlandbau

Mühlacker. Fünf weiche Paukenschläge leiteten das Konzert ein. Dann entfalteten sich die Orchesterstimmen, die Streicher und Bläsergruppen, vom Pauken-Rhythmus-Motiv heimlich durchzogen. Von den Zuhörern mit Spannung erwartet, tritt die Solo-Violine mit großem, lyrisch schönem Ton in den Konzertsatz herein, wendet sich elegant und vermag mit leuchtendem Klang in steigenden Linien zu entschweben.
Die Rede ist von der glanzvollen Aufführung des Beethoven-Violinkonzerts in D-Dur, op. 61, mit dem die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim ein Doppeljubiläum feiert: „40 Jahre Kammersinfonie“ und „20 Jahre Konzerte im Uhlandbau Mühlacker“.
Nach wie vor steht der Gründer des Ensembles, Peter Wallinger (73), gestenreich mit vollem Körpereinsatz am Dirigentenpult. Unter seiner Leitung erneuerte die Kammersinfonie 2004 mit ihrer MühlackerConcerto-Reihe die viele Jahre lang brachliegende, in den 1920er-Jahren begründete großartige Tradition des Uhlandbaus als Klassikkonzertsaal. Oft war die inzwischen zur Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw Orchesters Amsterdam aufgestiegene Geigerin Ursula Schoch dabei. Sie musizierte bereits 2006 mit dem von ihrem ehemaligen Musiklehrer geleiteten Ensemble das Beethoven-Konzert, das nun mit ihr im Zentrum des Jubiläumsfests steht. Von makelloser Technik und hoher Musikalität muss man bei Schoch nicht sprechen, das ist schiere Selbstverständlichkeit. Sie zaubert mit ausdrucksstarker, gestalterischer Souveränität und künstlerischer Intelligenz in dem selbst für den Komponisten ungewöhnlich ausgreifenden Kopfsatz „Allegro ma non troppo“ traumhafte Melodiebögen von himmlischen Längen, interaktiv getragen vom Orchester-Sound, den Wallinger mit feinfühliger Phrasierung ausstattete. Enge Verschränkungen mit dichtesten Doppelgriffpassagen im Solopart, die höchste geigerische Kraft erfordern, bilden den Schlussstein dieses ersten Satzes.
Im folgenden „Larghetto“ brilliert die Solistin mit herrlichem Diskant-Gesang, der an Vogelstimmen erinnert. Immer wieder sorgt der Dirigent mit seinem Orchester für feinsinnig retardierende Momente vor den Einsätzen der Solo-Violine. Vibrierend dann die (ohne Satzpause) überleitende Attacke zum Finalsatz – ein „Rondo“, in dem Schoch ihre Virtuosität mitreißend ausspielen kann. Auch ihre Kadenzen zeugen davon. Und das Orchester kehrt seine philharmonische Kompetenz hervor und strahlt in jedem Fortissimo. Maestro Wallinger wirkte am Ende erschöpft, aber glücklich.
Vor der sensationellen Beethoven-Interpretation stimmt die Kammersinfonie mit populären Tänzen in den musikalischen Festakt ein. Da gibt es einen Reigen der Klangfacetten und -farben, mit gehörigen rhythmischen Akzenten. Darunter schwungvolle Stücke von Dvorák (aus dessen „Slawischen Tänzen“), den elegischen „Valse triste“ von Sibelius und folkloristisch eingefärbte „Ungarische Tänze“ von Johannes Brahms.
Autor: Eckehard Uhlig
Funkelnde Klang-Juwelen
Jahres-CD der sueddeutschen kammersinfonie „live 2023“ erschienen

Mühlacker. Öfters sind es kurze Musikstücke, manchmal auch Zugaben, die in Konzertprogrammen als kostbare Preziosen funkeln. Das ist ganz besonders beim Hören der kürzlich erschienenen Jahres-CD „live 2023“ der sueddeutschen kammersinfonie zu erleben, die erneut aufzeigt, dass Ensemble-Chef Peter Wallinger ein Händchen für erstklassige Solisten besitzt.
Ein exquisites Juwel präsentiert die Silberscheibe mit dem Impromptu Nr. 5 aus Jean Sibelius‘ frühem Klavierzyklus Opus 5. Die junge Pianistin Annika Treutler musiziert das romantisch verträumte, vierminütige Fantasiestück in wunderbarer Zartheit mit wehmütiger, auf der Klaviatur meist in der linken Hand vorgetragenen Melodie, die in der rechten mit frisch perlenden Wirbeln harmonisch reich umspielt wird. Die kleine Komposition haben zahlreiche bedeutende Pianisten eingespielt, selten aber so fesselnd klangschön, feinfühlig und technisch brillant wie Treutler.
Der in der Region beheimatete, international renommierte Countertenor Nils Wanderer ist auf der CD, die ausschließlich Live-Mitschnitte aus Wallingers Konzerten im Mühlacker Uhlandbau offeriert, mit vokalen Highlights vertreten.
Programmatische Vielseitigkeit
Er singt, getragen und begleitet von der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung, Henry Purcells dunkel trauriges und entsagungsvolles Lied „When I Am Laid In Earth“ aus der Oper „Dido and Eneas“, sowie Georg Friedrich Händels „Lascia ch’io pianga“ aus „Rinaldo“. Letzteres Stück ist ein Klassikradio-Ohrwurm geworden, aber so, wie es Wanderer mit seinem elegisch ausdrucksstarken Timbre interpretiert, ein einmaliger, emotional tiefgehender Hörgenuss.
Als weitere Musik-Miniaturen sind auf der Jahres-CD sehr kurze Tanzsätze aus Claudio Monteverdis „Orfeo“ aufgenommen, auch Peteris Vasks leise säuselnde „Musica adventus I“ und Bela Bartóks folkloristische „Rumänische Volkstänze“. Die Kammersinfonie wartet in ihren Konzerten vor allem mit sinfonischen Großformen in respektabler Wiedergabe-Qualität auf, von denen die Schallplatte ebenfalls beste Mitschnitte bietet.
Mit Peter Wallinger am Pult und mit der erwähnten exzellenten Pianistin am Flügel musiziert das Ensemble Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert A-Dur (KV 488), unter der Leitung von Simon Wallinger mit dem Geiger Tjeerd Top, dem Ersten Konzertmeister des Conertgebouw-Orchesters Amsterdam, Ludwig van Beethovens Violinkonzert C-Dur (WoO5), das nur als Fragment überliefert ist und selten aufgeführt wird. Gerade wegen der in vielen Farben leuchtenden programmatischen Vielgestaltigkeit ist Wallingers Jahres-CD wärmstens zu empfehlen.
Für 12 Euro ist die CD beim Sekretariat „Musikalischer Sommer“,
Telefon (0 70 43) 95 83 93 oder E-Mail susanne@boekenheide.net erhältlich.
Autor: Eckehard Uhlig
Ein intimes Musik-Mosaik
Neujahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau.

Foto: Fotomoment
Meistens knallen bei Neujahrskonzerten die Sektkorken im Walzer- und Polka-Reigen. Beim traditionell späten Konzert, mit dem die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallingers Leitung im Mühlacker Uhlandbau das neue Jahr begrüßt, gibt es musikalische Knaller selten, das Schaumgetränk nur während der Pause. Auch heuer präsentierten die Akteure ein sehr intimes Kammerkonzert – hauptsächlich melancholisch eingefärbte Stücke aus der höfisch-fürstlichen Epoche des Barock mit Schwerpunkt um Johann Sebastian Bach. Denn der barocke Großmeister bietet – so führte Maiken Wallinger in Ihren Textbeiträgen aus – gerade in unserer unruhigen Zeit „etwas Wohltuendes, Zufriedenstellendes‘.
Um das fein gegliederte Musikprogramm legte das Ensemble als Rahmen eine Orchesterfassung der schlichten „Aria” aus Bachs Goldberg-Variationen (BWV 988). Meditativ und kontrapunktisch anspruchsvoll musizierte das Kammerensemble Bachs „Ricercare á 6″ aus dem „Musikalischen Opfer” (BWV 1079) nach dem Iegendären Thema, das Friedrich der Große dem Komponisten gestellt hatte. Als reizvollen Grenzfall zwischen Orchester- und solistischer Kammermusik interpretierten sechs Streicher und eine Theorbe-Spielerin Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 6 (BWV 1051). Das solistisch dominierende Bratschen-Paar (Andrea Lamoca Alvarez und Lilia Rubin) jagte sich temperamentvoll im ersten Satz, im Adagio umrankten sich beide Violen in kontemplativen Linien, im finalen Allegro leuchteten virtuose Sechzehntelketten.
Konzerthöhepunkte markierten zwei weitere Solistinnen mit Kompositionen von John Dowland und Henry Purcell. Gemächlich schreitend leitete das Orchester ein, dann sang die in Knittlingen beheimatete Sopranistin Julian Brittain mit berührend dunklem, sanftem Timbre Dowlands berühmtes Lied „Flow My Tears“. Aus vier simplen, im Quartgang absteigenden Tönen entfaltete sich trauernder Trennungsschmerz. Zur zart gezupften Theorbe (mit Lautinistin Barbora Hulcová) interpretierte die Sopranistin zudem Purcels „Music For A While“ und dessen nach Shakespeare komponierte Schauspiel-Lied „If Music Be The Food Of Love“. Zu dieser seelenvollen Stimmung passten Dowlands „Sir John Smith His Almain“ für Laute solo (mit Hulcová) und das neuzeitlich-beschauliche, vom Kammerensemble mit verhaltenem Schönklang wiedergegebene Impromptu op.5 von Jean Sibelius. Auch die Zugabe – „Lascia ch’io pianga” aus „Rinaldo” von Händel mit der Sopranistin und dem Orchester – fügte sich wunderbar in das mit viel Applaus bedachte Matinee Konzert ein.
Autor: Eckehard Uhlig