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Pforzheimer Zeitung

Sprühende Spielfreude im Uhlandbau

Klangintensives Konzert der Reihe MühlackerConcerto

Mit natürlichem, unangestrengtem Spiel: Pianistin Annika Treutler; Foto: Rafael Wallinger

Mühlacker. Ein Mozart-Konzert vom Feinsten erfreute zum zweiten Advent bei der MühlackerConcerto-Reihe im Uhlandbau. Einleitend musizierten unter Peter Wallingers Leitung die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und die renommierte Pianistin Annika Treutler das Klavierkonzert A-Dur (KV 488) von Wolfgang Amadeus Mozart, das Klassikfreunde wegen seines ausdrucksstarken Charakters schätzen. Besonders, wenn es so lebendig und klangintensiv aufgeführt wird, wie in Mühlacker.

Die anmutigen Melodien des ersten Satzes in A-Dur wurden als Inbegriff Mozart’scher Musik im argumentativen Wechselspiel zwischen Orchester und Solistin entfaltet, die kompositorischen Ideen und markanten Begleitfiguren mit musikalischer Eloquenz herausgearbeitet. Dunkel und tiefschürfend dann das anschließende, schmerzlich-zarte, sehr bedächtig vorgetragene Adagio in fis-Moll, wobei neben der mit hingebungsvoller Empathie spielenden Pianistin im Kern des Satzes die Bläserstimmen (Hörner, Flöte, Klarinetten, Fagotte) beeindruckten. Nach diesen Moll-Abgründen strahlte die mozartantisch-diesseitige Heiterkeit ungebrochen im temperamentvoll wieder-gegebenen Finale um so mehr. Begeisternd das unaffektiert-natürliche, unangestrengte Spiel der Solistin am Flügel, die charmant in einem langen Advents-Glitzerkleid agierte. Treutlers Interpretationsweise neigte eher zur Anmut als zur herausgestellten Bravour und changierte mit geschmeidigem Anschlag je nach Satzcharakter zwischen lyrischer Verinnerlichung und tempobewusst sprühender Spielfreude.

Dass sie die Klaviertasten auch mit hinreißender Virtuosität bedienen kann, stellte sie mit ihrer Zugabe, einem Impromptu von Jean Sibelius, unter Beweis.

Klassik im besten Sinn: die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung von Peter Wallinger.
Foto: Rafael Wallinger

Als Konzert-Scharnier, auch der Adventszeit geschuldet, fungierte Peteris Vasks „Musica adventus I“. Typisch für den lettischen Komponisten und Pastoren-Sohn gilt nach seinen Worten der Versuch, „aus Schmerz geboren ein Loblied auf Glaube und Liebe zu singen“. Das kurze Orchesterstück wirkte eisblumenkalt mit extrem leise gehauchtem Beginn und allmählichem musikalischen Aufblühen wie eine Illustration des Zitats.

Man sagt, Mozart habe seine Klaviermusik in intimen Momenten für sich selbst geschrieben. Die Sinfonien dagegen waren für publikumswirksame, große öffentliche Aufführungen bestimmt. Sicher auch seine Sinfonie Es-Dur (KV 543), die Wallinger mit seinem Ensemble, jetzt verstärkt durch „lärmende Instrumente“ (Pauken und Trompeten), nach der Pause aufführte. Das war beim Zuhören Klassik im besten Sinn: weder langweilig noch einschüchternd, sondern beglückend. Mit Klarheit und Verve führte der Dirigent durch die Partitur, fügte das vielgestaltige Themen-Material zu sinnfälliger Ganzheit und sorgte für strukturelle Geschlossenheit. Dirigent und Orchester blieben auch Effekten nichts schuldig, überraschende Akzente schnellten immer wieder hervor.

So war beispielsweise im 3. Satz das berühmte Klarinetten-Duo über dudelnder Tanzbegleitung mit seiner gemächlich sich wiegenden Ländler-Seligkeit so schön, dass es – vom Publikum herbeigeklatscht – als Zugabe wiederholt werden musste. Das Neujahrskonzert im Uhlandbau folgt am Sonntag, 14. Januar, 11 Uhr, mit Werken von Dowland, Purcell, Bach und Sibelius.

Autor: Eckehard Uhlig

Sommerfrisch-heiterer Serenaden-Ton

Zweite Matinee beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche

Ergötzlicher Instrumental-Gesang:
Die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger                    Foto: Fotomoment

Mühlacker. Barocke Musikmeister statteten ihre für die höfische Unterhaltung bestimmten Kompositionen häufig mit einladenden Überschriften aus. In diesem Sinne „Ergötzliches“ bot auch die zweite Matinee des „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche. Das Konzert mit Peter Wallingers Sueddeutscher Kammersinfonie Bietigheim zelebrierte den sommerfrisch-heiteren Serenaden-Ton, insbesondere mit der Wiedergabe des „Frühlings“ und des „Sommers“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (op. 8 Nr. 1 und 2).

Nun ist dieser Konzert-Hit als Prüfstein für Sologeiger alles andere als eine Rarität. Anne Sophie Mutter begann damit ihre Karriere. Und der wild aufspielende Nigel Kennedy erzielte mit seinen „Jahreszeiten“ das meistverkaufte Klassikalbum aller Zeiten. Weit ab von solchem Star-Getöse leistete auch die in Lienzingen auftretende Violinistin und Primgeigerin des Eliot Quartetts, Maryana Osipova, die für die erkrankte Solistin Rebecca Raimondi eingesprungen war, mit ihrem erfrischend unkonventionellen Spiel Erstaunliches.

Weder romantisierende Gravität noch technische Rabiatheiten prägten Osipovas Interpretation. Stattdessen spürte man beim Zuhören den Frühling und den Sommer wie in einem impressionistisch hingetupften, fein differenzierten Farbenrausch. Ihr glänzend durchgestalteter Geigenton erzählte von Stimmungen und Befindlichkeiten, mit deutlichen Register-Brüchen beispielsweise von der lamentoreichen Hirtenklage über die sengende Mittagssonne und den befürchteten, folgenden Gewitter-Sturm im ersten Satz des „Sommers“. Die von der Solistin selbst angeleiteten Orchester-Ritornells sorgten mit lebendig atmender Phrasierungskunst für Tiefenschärfe in dem bekannten Musikgemälde der „Quattro Stagioni“. Die Allegro-Ecksätze wurden in sportlichen Tempi angegangen, oft ganz zart dagegen die „Largo“-Lyrik. Die gemeinsamen Tutti mit dem Orchester waren farbintensiv-füllig angelegt.

Eingeleitet wurde die Matinee, die Wallinger unter das Motto „All’Italiana“ gestellt hatte, mit den „Antiche Danze ed Arie“ (III. Suite) von Ottorino Respighi. Der Orchester-Chef sorgte für kontrastreiche Klangvarianten in den „Arie di Corte“, für fröhlich-schwungvolle Klangentfaltung der „Siciliana“ und eine tänzerisch betonte „Passacaglia“ zum Abschluss. Respighis Koloristik und virtuose Verwendung alter italienischer Instrumentalmusik kam dabei hervorragend zur Geltung.

Nachdem sich die vielen Zuhörer in der Pause im parkähnlichen Friedhof bei Lindenblütenduft „ergötzlich“ erholt hatten, offerierte die Süddeutsche Kammersinfonie noch das „Concerto per Archi“ des Filmmusik-Komponisten Nino Rota: ein aufmunternder, im Sound etwas schriller, mit maschinenhaften Rhythmen durchpulster instrumentaler Schluss-Gesang. Auch hierbei erfreute musikalischer Überschwang das begeisterte Publikum.

Autor: Eckehard Uhlig

Frühlingskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie in Mühlacker

Beeindruckender Auftritt bot einige Besonderheiten.

Nachwuchsdirigent Simon Wallinger, Sohn des Orchesterchefs Peter Wallinger, leitet die Sueddeutsche Kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau. Fotos: Fotomoment
Exzellenter Solist: Tjeerd Top spielt seine Stradivarius-Geige mit Elan.

Geschickte Überlegung bei der Programmgestaltung am Sonntagabend: Drei Orchesterstücke mit Violin-Solopart wurden sinnfällig wie ein dreisätziges Violinkonzert mit lebhaften Ecksätzen und langsamem Mittelsatz zu einer Einheit gefügt und ohne Pausenapplaus interpretiert. Zudem veredelte ein exzellenter Solist die Wiedergabe. Tjeerd Top, der in Mühlacker dank mehrerer Gastauftritte gut bekannte Konzertmeister des Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, spielte mit Elan und klangschöner Klarheit auf seiner Stradivarius-Geige. Nicht das geringste Nebengeräusch oder Krätzerchen waren zu hören.

Das Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau hatte freilich weitere Besonderheiten zu bieten. Nachwuchsdirigent Simon Wallinger, der Sohn des Orchesterchefs Peter Wallinger, leitete den gesamten Konzertabend. Vor der Pause die erwähnten, in ihrer Dynamik so unterschiedlichen Kompositionen: Ludwig van Beethovens selten zu hörendes, schwungvolles Violinkonzert-Fragment in C-Dur (Wo 05), von dem nur ein „Allegro con brio“ existiert. Anschließend Beethovens populäre Romanze F-Dur (op. 50), ein romantisches Bravourstück mit samtweichem Solopart, und zum Schluss Franz Schuberts tänzerische Polonaise B-Dur (D 580). Eine Bläsergruppe bereicherte die frühlingshaft hellen Klanglandschaften. Als Zugabe offerierte Top das kunstvoll-virtuose, zerbrechlich-zarte Solostück „Porcelain“ aus seiner neuen CD „Fragile“.

Leidenschaftliches Engagement

Nach der Pause präsentierten sich das Orchester, das nun als reines Streicherensemble agierte, und sein jugendlicher Dirigent mit spürbar leidenschaftlichem Engagement für das musikalische Extreme ausreizende Werk des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919-1996). Der wenig bekannte Meister ist – wie Wallinger einleitend bemerkte – eine Entdeckung und besitzt eine bewegte, sich in seinen Kompositionen niederschlagende Biografie. Sein Oeuvre umfasst auch vier Kammersinfonien, von denen beim Frühlingskonzert die 1990 entstandene Nr. 3 (op. 151) als Fortsetzung des angekündigten „Weinberg-Zyklus“ geboten wurde.

Der schwermütige erste Abschnitt „Lento“ setzte mit Unisonogesang der Violinen ein, dunkles Bass-Geraune folgte. Einen starken Kontrast dazu bildete der zweite Satz. Das rasante „Allegro molto“ rauschte mit kämpferisch-wildem Klanggetümmel vorbei und mündete in dreifaches Fortissimo ein. Ein klangseliges „Adagio“ und ein „Andantino“ mit eingeschobenem Violinsolo, das sich wie eine intensive Erlösungssuche anhörte, fügten sich an. Eine rätselhafte Musik, die auch das herzlich applaudierende Publikum tief beeindruckte.

Autor: Eckehard Uhlig

Virtuos, mitreißend und voller Lebensfreude

Jahres-CD „live 2022“ der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim erschienen.

Freude über ein gelungenes Konzert: Das Klezmer-Medley „Israel-Suite“ mit Sebastian Manz (rechts) ist einer der Höhepunkte der neuen CD. Foto: Theresa Mammel

Wer die rund 20 Jahres-CDs von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim gesammelt hat und damit eine abgerundete kleine Diskothek besitzt, kann sich vielgestaltige Klassikkonzerte zusammenstellen – nach Epochen von der Renaissance (John Dowland) bis zur Moderne (Sergej Prokofjew), vom Barock (Johann Sebastian Bach) bis zum Expressionismus (Maurice Ravel). Oder nach Komponisten, denn unter den Aufnahmen finden sich großartige Konzerte für Soloinstrumente von Mozart, Beethoven und Brahms sowie Sinfonien von Mendelssohn, Schubert und anderen Meistern.

Eine Besonderheit der qualitätsvollen CDs ist, dass die Interpreten, das Orchester, die Dirigenten (Peter und Simon Wallinger) und mehrere der hochkarätigen Solisten wie die Geigerin Ursula Schoch oder die Pianistin Magdalena Müllerperth in der Region beheimatet sind. Die Konzertreihen, denen die Livemitschnitte zu verdanken sind, der „Musikalische Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche und „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau, atmen ebenfalls regionales Flair.

Auch die jetzt erschienene neue Jahres-CD „live 2022“ bietet solche lebendigen Konzertmitschnitte. Im Zentrum steht das Adventskonzert mit einer Aufnahme von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 in G.-Dur (Hob.I:1), womit Peter Wallingers Sohn Simon sein Debüt als sinfonischer Dirigent gegeben hat. Die Interpretation nicht nur des ersten Satzes (Vivace) wirkt erstaunlich lebhaft, und auch die Folgesätze haben nichts von einem angeblich verzopft-behäbigen Altmeister-Komponisten, sondern pulsieren in frischen, kontrastreichen Tempi und Farben.

Als Höhepunkt bietet die Silberscheibe Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622) mit dem renommierten Solisten Sebastian Manz. Die beiden schnellen Ecksätze sind solistisch im Dialog mit dem Orchester fein ausgearbeitet, das berühmte „Adagio“ in der Mitte ist mit seiner langgezogenen, sinnlich-verträumten Sehnsuchtsmelodie hinreißend schön. Das Orchester unter Peter Wallinger musiziert auf gleicher Wellenlänge und höchstem Niveau.

Als dritter Programmpunkt des Adventskonzerts ist auf der CD ein kurzes „Moderato“ aus Mieczyslaw Weinbergs Kammersinfonie Nr. 2 (op. 147) zu hören. Der fast unbekannte, aber inspirierende jüdische Komponist soll in künftigen Konzerten mit weiteren Aufführungen gewürdigt werden, haben die Wallingers angekündigt.

Um diese Kompositionen haben die CD-Programmgestalter einen überraschend musikantischen Rahmen gelegt. Einleitend ist Ursula Schoch präsent mit einer hochvirtuosen Wiedergabe der lustvollen „Humoreske III“ für Violine und Orchester (op. 89) von Jean Sibelius. Und zum Abschluss trumpft Sebastian Manz auf, der hier – voller Lebensfreude sprühend – mit seiner Klarinette eins zu werden scheint und begleitet vom Orchesterensemble das stimmungsvolle Klezmer-Medley „Israel-Suite“ von Helmut Eisel spielt.

Zu beziehen ist die CD für zwölf Euro über das Sekretariat „MühlackerConcerto“, Telefon (0 70 43) 95 83 93 oder E-Mail susanne@boekenheide.net

Autor: Eckehard Uhlig

Musikalischer Juwelen-Glanz

• Herausragende Solisten begeistern im Uhlandbau bei „Mühlacker Concerto“.
• Fein aufeinander abgestimmtes Programm in ausverkauftem Saal.

Ein besonderes Neujahrskonzert spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter Peter Wallingers Leitung.
FOTOS:  PETER  HENNRICH

Peter Wallingers Neujahrskonzerte im Mühlacker Uhlandbau sind anders. Da gibt es weder Wiener Walzer-Seligkeit noch pompöse, von donnerndem Schlagwerk begleitete Bläserfanfaren. Stattdessen erfreut ein fein aufeinander abgestimmtes literarisch-musikali­ sches Programm, das diesmal besonderen musikalischen Glanz ausstrahlte. Denn mit Nils Wanderer war ein Ausnahmesänger zu Gast: ein Countertenor, der ganz zart zu singen und in Sopran-Höhen aufzusteigen vermag, aber dennoch eine männlich kraftvolle, durchdringende Stimme besitzt.

Ein Ausnahmesänger: Nils Wanderers staunenswert bewegliche
Stimme leuchtete in Spitzentönen.

Zuerst interpretierte Wanderer die Arie „Sovente, il sole risplende in cielo“ (häufig erstrahlt die Sonne am Himmel) aus dem Pasticcio „Andromeda liberata“ von  Antonio Vivaldi, das die Hochzeit der befreiten Andromeda mit Perseus feiert. Danach folgte der Klagegesang „When I am laid in earth“ aus Henry Purcells Oper „Dido and Eneas“, mit dem die vom trojanischen Helden Eneas verlassene, in Verzweiflung sterbende Königin Dido ihr Lamento anstimmt.

Das faszinierende Timbre der falsettierenden, staunenswert beweglichen Männerstimme leuchtete in Spitzentönen , verzierte Silben und Wörter mit schönsten Koloratur-Melismen, und bot mit weich veredelter Vokalität sehnsüchtige Melancholie. Oder sank im langgezogenen Ton einer illusionslosen Zärtlichkeit in tief reichende Trauer hinab. Exzellent getragen und grundiert wurden die vokalen Klangjuwelen von den Streichern der sueddeutschen kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung – wobei sich die neue Konzertmeisterin Rebecca Raimondi in der Vivaldi-Arie solistisch mit herrlich echohaft intonierender Violinstimme auszeich­ nete. Nicht nur Wanderers Zugabe, die populäre Arie „Lascia ch’io pianga“ (Lass mich weinen!) aus Georg Friedrich Händels Oper „Rinaldo“ wurde vom atemlos lauschenden Publikum mit jubelndem Beifall belohnt.

Aber das war im ausverkauften Uhlandbau-Saal noch lange nicht alles. Einleitend vom Orchester gebotene, rhythmisch kunstvoll ausgefeilte barocke Tanzsätze von Claudia Monteverdi (aus „Orfeo“) und Henry Purcell (aus „The Fairy Queen“) wurden von dem rezitierenden und heiter schauspielernden Vortragskünstler Johann-Michael Schneider mit lyrischen Versen sinnfällig kommentiert. Poesievolle Texte von Rabindranath Tagore und William Shakespeare (aus „Ein Sommernachtstraum“) waren vor und zwischen den Konzertstücken zu hören, auch Rainer Maria Rilkes Gedicht „Natur ist glücklich“ und der lustige Reim-Text „Wenn’s Winter wird“ von Christian Morgenstern.

Mit sensationeller Virtuosität und technisch perfekter Bogenführung: der frisch aufspielende Cellist Arthur Cambreling.

Der zweite Höhepunkt in Peter Wallingers Neujahrs-Konzertmatinee folgte nach der Pause. Der jugendlich frisch aufspielende Cellist Arthur Cambreling wartete in Joseph Haydn’s Violoncello- Konzert C-Dur (Hob VIIb:l) mit sensationeller Virtuosität in den abenteuerlich rasanten Spiccato-Skalen der Ecksätze auf. Er musizierte nicht nur mit brillant lockerer Fingerfertigkeit und technisch perfekter Bogenführung, sondern auch mit einer von innen herausdrängenden, gespannten Expressivität. Die fantasievolle eigene Kadenz zeugte von musikalischer Kopfarbeit, die Wiedergabe des langsamen Mittelsatzes von der Fähigkeit, Melodielinien kantilen auszusingen.

Zu preisen sind schließlich das Orchester-Ensemble und sein Dirigent, die mit den „Rumänischen Tänzen“ von Bela Bartók für einen folkloristisch farbintensiven Konzertabschluss sorgten.

Im Frühjahr stehen in der „Mühlacker Concerto“-Reihe im Uhlandbau auf dem Programm: „Rossinis Notenküche ein Komponist tischt auf: Musiktheaterstück der Pyrmonter Theater Companie für Kinder der Klassen 1bis 5 am 11. und 12. Mai jeweils um 9 und 10.30 Uhr, sowie das Frühjahrskonzert mit Werken von Weinberg, Schubert und Beethoven unter der Leitung von Peter und Simon Wallinger (Solist: Tjeerd Top, Violine) am 14. Mai um 17 Uhr.

Adventskonzert voll sprühender Lebensfreude

Adventskonzert mit Sebastian Manz und der Kammersinfonie.
Überwältigende Virtuosität trifft auf farbige Ausgestaltung.

Sein Spiel ist an Lockerheit, klanglicher Brillanz und Ausdruckskraft kaum zu überbieten: Sebastian Manz an der Klarinette. Foto: Tilo Keller

Mühlacker. Die Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622) ist ein Genuss. Gestochen scharfe Skalen, Wirbel und Töne wie Ausrufezeichen befeuern die temperamentvollen „Allegro“-Ecksätze. Sanft gleitende langsame Passagen zeichnen das „Adagio“ in der Konzertmitte aus.

Das Orchester begleitet einfühlsam und vorwärtsstrebend, mit Flöten, Fagotts und Hörnern an der Seite der Streicher. Man fragt sich, wie es Peter Wallinger, Konzertveranstalter und Chef der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim, immer wieder schafft, solch exzellente Instrumentalsolisten für seine Concerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau zu gewinnen.

Auf gleicher Wellenlänge

Diesmal musiziert beim traditionellen Adventskonzert Wallingers Kammersinfonie zusammen mit Sebastian Manz – in der Region wohlbekannt und im Uhlandbau nach mehrfachen Auftritten fast schon ein Residenz-Klarinettist. Sein Spiel ist an Lockerheit, klanglicher Brillanz und Ausdruckskraft kaum zu überbieten.

Offensichtlich versteht er sich (nicht nur) musikalisch mit Wallinger am Dirigentenpult und dessen Orchesterensemble ausgezeichnet. Auch wenn Manz die Zusammenarbeit mit großen Sinfonieorchestern gewohnt ist, musiziert man im Uhlandbau-Kammerformat auf gleicher Wellenlänge. Was die Orchestermitglieder zu inspirieren scheint, denn sie wachsen hochmotiviert über sich hinaus. Die erwähnten Ecksätze sprühen nur so von musikantischer Lebensfreude, und der verinnerlichte Mittelsatz entfaltet über dem zurückgenommenen Orchesterklang herrlichen Sologesang. Nichts fehlt: Auf der einen Seite die überwältigende Virtuosität des Solisten, auf der anderen eine originell-kreative, farbig-orchestrale Ausgestaltung mit kurz innehaltenden Ruhepausen, Steigerungen und Tempo-Forcierungen.

Bezaubernde Klangpoesie

Um die Liebeserklärung Mozarts an die Klarinette noch zu ergänzen, gibt’s als Zugabe einen weich pulsierenden Satz aus dem Klarinetten-Quintett A-Dur (KV 581) des Wiener Klassikers. Dabei spielt Manz zusammen mit Konzertmeisterin Swantje Asche-Tauscher (erste Violine), Andrea Langenbacher (zweite Violine), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello). Auch das erfreut die Zuhörer mit bezaubernder Klangpoesie.

Nach der Konzertpause folgten im ausverkauften Uhlandbau zwei weitere besondere Konzerterlebnisse. Wallinger interpretierte mit seinem Ensemble aus Mieczyslaw Weinbergs Kammersinfonie Nr. 2 (op. 147) das „Moderato“ – eine eigenwillig zarte, rhythmisch betonte, teils auch dissonant „mit vorgehaltener Hand sprechende Musik“ – so Simon Wallinger, der den Lebensweg des weitgehend unbekannten, 1919 bis 1996 lebenden jüdisch-polnischen Komponisten erläuterte und einen Weinberg-Zyklus in der Mühlacker Concerto-Reihe ankündigte. Das kurze Stück wurde wiederholt und wirkte in der energischen Repetition noch eindrucksvoller.

Wächst im ausverkauften Uhlandbau über sich hinaus: die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: Tilo Keller

Simon Wallinger übernimmt

Danach wechselte die Stabführung am Dirigenten-Pult. Peter Wallingers Sohn Simon übernahm die Leitung der Aufführung von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 G-Dur (Hob I:1). Sein tadelloses Dirigat sorgte für eine serenadenhafte, in den schnellen Sätzen stürmische Wiedergabe der gefälligen Komposition. Sollte es einmal zu einer Übergabe von Peter Wallingers Kammersinfonie und seiner erfolgreichen Musik-Veranstaltungen kommen, wäre sein Werk in guten Nachfolger-Händen.

Autor: Eckehard Uhlig

Das Neujahrskonzert 2023 findet statt am Sonntag, 15. Januar, zur Matinee um 11 Uhr im Uhlandbau Mühlacker statt. Es spielt die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Gemeinsam mit den Solisten aus dem Orchester und Sprecher Johann-Michael Schneider versprechen die Veranstalter Unterhaltsames und Anregendes in Wort und Ton. Weitere Infos und Karten im Internet auf www.muehlacker-klassik.de und www.sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Werke der Wiener Klassik bereiten beim Frühlingskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie grandiosen Hörgenuss.

Simon Wallinger leitete die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit jugendlichem Elan, Einsatzgenauigkeit und großer Werke-Kenntnis. Foto: Moritz

Mühlacker. Der empörende Krieg gegen die Ukraine lässt sensible Künstler nicht kalt. Mitfühlend reagierten auch die Programmgestalter des Frühlingskonzertes „La Passione“ beim MühlackerConcerto. Auf dem Podium im Uhlandbau agierte neben Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim der Schauspieler Johann Michael Schneider. Seine lebendigen Rezitationen fügten sich sinnfällig in den Musikvortrag ein.

Das vom Orchester mit Tempo, kraftvoll und akzentstark interpretierte Prélude aus Georges Bizets Oper „Carmen“ endete abrupt wie vom Donner gerührt, um Friedrich Schillers Gedicht „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“, das Mord und „des Krieges Toben“ beklagt, Gehör zu verschaffen. Und auf den höllischen „Furientanz“ aus Christoph Willibald Glucks Ballettmusik zu „Don Juan“ folgten mit Schillers philosophischen Versen „Die Worte des Wahns“.

Zwei sinfonische Werke der Wiener Klassik standen im Zentrum des Konzertabends, das beim Publikum für einen nachhaltigen Eindruck sorgte. Vor der Pause Joseph Haydns Sinfonie Nr. 49 in f-Moll, die den Beinamen „La Passione“ nicht nur erhalten hat, weil sie in der Passions-Tonart komponiert ist. Sondern überhaupt den Moll-Ernst ausspielt und sich passagenweise in düsteren Klangfarben ergeht.

Die Mühlacker Wiedergabe setzte gleichsam in der Art einer Kirchensonate ein und wurde im „Adagio“ von der breiten Leidensrhetorik der Violinstimmen getragen. Dynamisch kontrastreich formte die Kammersinfonie das folgende „Allegro di molto“ aus, um im „Menuett“ mit feinen Bläsermelodien den musikalischen Sturm abzumildern – der im „Presto“-Finale erneut mit orchestraler Heftigkeit einsetzte.

Begeisternde Interpretation des Hauptwerkes

Nach der Pause offerierte das Ensemble, das an diesem Abend von Peter Wallingers Sohn Simon geleitet wurde, Wolfgang Amadeus Mozarts „Sinfonia concertante in Es-Dur“ (KV 364) für Violine, Viola und Orchester. Solisten, Kammersinfonie und Dirigent sorgten für eine begeisternde Interpretation des Hauptwerkes dieser Gattung. Ein klangprächtiges Orchestervorspiel mit alternierenden Hörnern und Oboen bereitete im ersten Satz den fast unmerklichen Einsatz der beiden Solisten vor.

Elegische Intensität

Dann aber spielten Sachiko Kobayashi (Violine) und Tomoko Yamasaki (Viola), die seit Jahren gemeinsam im Lotus String Quartet musizieren, im Glanze ihres völligen Einverständnisses mit einer einander ständig imitierenden Brillanz, wie man sie selten zu hören bekommt. Unglaubliche Reinheit des Melos zeichnete die Geigenstimme aus, Fülligkeit und Tiefe die der Bratsche.

Der schwermütig-langsame Moll-Mittelsatz beeindruckte mit stimmungsvoll elegischer Intensität, das Finale bot den erlösenden, spielerischen Kontrast. Und die auskomponierten Kadenzen waren – von den beiden Solistinnen in gegenseitiger Feinabstimmung ausgeführt – einfach ein Genuss.

Freilich darf die Leistung des von Simon Wallinger mit jugendfrischem Elan, Einsatzgenauigkeit und großer Werke-Kenntnis exzellent geleiteten Orchesters keinesfalls unterschlagen werden. Weil man kaum gleichrangige Solisten für die Aufgabe findet, wird dieses Mozartkonzert selten aufgeführt. In Mühlacker aber war das konzertante Kabinettstück grandios zu erleben.

Autor: Eckehard Uhlig

Brillantes Spiel: Sachiko Kobayashi (Violine, links) und Tomoko Yamasaki (Viola).
Foto: Moritz

Beglückend in ihrer Intensität

Jahres-CD „live 2021“ der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim erschienen

Das Cover der neuen CD. Foto: Privat

Mühlacker. Geht wegen der Corona-Pandemie die Freude an klassischer Musik verloren? Jedenfalls sind Musikfreunde traurig über die missliche Entwicklung, vor allem, weil man kaum noch Konzerte besuchen darf. Mit Fantasie und inspirierender Originalität stemmen sich Konzertveranstalter gegen die Einschränkungen und finden Formate, um dennoch live musizieren zu können.

Zu ihnen zählen Peter Wallinger, seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim und seine Solisten. Die eben erschienene CD „live 2021“ legt Zeugnis davon ab und bietet Mitschnitte aus den auch im Mühlacker Uhlandbau im zweiten Pandemiejahr vor kleinem Publikum aufgeführten Konzerten, die als Videoaufnahmen im Internet zu sehen sind.

Dank der Silberscheibe – der 19. Ausgabe dieser Jahres-CD-Dokumentationsreihe – sind wiederum musikalische Momente nachzuerleben, die wegen ihrer Intensität beglückende Genugtuung darüber bereiten, dass klassische Live-Musik „trotzdem“ auch in der Region möglich ist.

Rarität ragt aus Konzert-Mitschnitten heraus

Mit einer lebhaften Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts „Figaro“-Ouvertüre (KV 492) bietet die CD einen erfrischenden Auftakt. Begleitet von der Kammersinfonie unter Wallingers Leitung ist anschließend die Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr mit einer anrührend geheimnisvollen Interpretation von Gustav Mahlers Vertonung des Rückert-Liedes „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ zu hören. Beides Höhepunkte aus dem Gedenkkonzert „100 Jahre Uhlandbau“.

Eine Rarität ragt aus den Konzert-Mitschnitten heraus: Der exzellente Bassist Michinori Bunya musiziert mit dem Ensemble „Adagio und Rondo für Kontrabass und Streicher“ des in seiner Zeit berühmten Kontrabass-Virtuosen Johannes Matthias Sperger (1750-1812).

Auf seiner Stradivari spielt Tjeerd Top mit der Kammersinfonie – dynamisch ziseliert in den Allegro-Ecksätzen und lyrisch fein getragen im Largo – Antonio Vivaldis Violinkonzert e-Moll (RV 278) sowie das eher zeitgenössische „Concertino“ (op. 42) von Mieczyslav Weinberg (1919-1996), das auf hiesigen Konzertpodien selten zu hören ist. Zudem gibt es eine schöne Streichorchester-Wiedergabe von Samuel Barbers „Adagio“ (op.11) und einen Walzer-Satz (op.54, Nr.1) von Antonio Dvorák.

Die CD ist zu beziehen per E-Mail an susanne@boekenheide.net oder Telefon (07043) 958393 und kostet zwölf Euro.

Autor: Eckehard Uhlig

Musikalisch-poetisches Gesamtkunstwerk

Peter Wallingers Neujahrskonzert im Uhlandbau von Sonntag an im Internet zu sehen.

Muss man gehört und gesehen haben: Klarinettist Sebastian Manz ist mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim ganz in seinem Element.  Foto: T. Mammel 

Mühlacker. Traditionelle Neujahrskonzerte schwelgen in Wiener Walzer-Seligkeit. Die von Peter Wallinger zusammen mit seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim und dem Vortragskünstler Johann-Michael Schneider gestalteten Konzerte sind anders und ganz besonders. Das war auch dem bravourösen Auftritt des renommierten Klarinetten-Solisten Sebastian Manz zu danken. Mit ihm erlebten die wenigen zugelassenen Besucher im Mühlacker Uhlandbau trotz der coronabedingten Einschränkungen ein fantastisches Gesamtkunstwerk aus Musik und Poesie, wie es schöner nicht hätte sein können.

Eingangs erinnerte Sprecher Johann-Michael Schneider – dem hundertjährigen Jubiläum des Uhlandbaus geschuldet – an das Schicksal der in Nazi-Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Fabrikanten-Familie Alfred Emrich, die das Konzerthaus gegen Widerstände wesentlich finanziert und gefördert hatte. In großen Lettern prangte 1921 zur Eröffnung ein „Dennoch“ über der Bühne. Ein Motto, das sich Wallingers Neujahrskonzert zu eigen machte und auch der Pandemie entgegenstellte: „Dennoch – denn noch klingt die Musik“.

Passend dazu interpretierte die Kammersinfonie unter Wallingers bewährter Leitung in der Mitte des einstündigen Konzerts das „Lento“ aus der „Partita für Streicher“ des in Theresienstadt von den Nazis internierten tschechisch-jüdischen Komponisten Gideon Klein, der mit 25 Jahren noch 1945 als KZ-Zwangsarbeiter ums Leben kam. Die Wiedergabe war getragen von der Schwere eines schwebenden Trauertons, der selbst die rhythmisch betonten, volksliedhaft rasanten Passagen prägte. Verdämmernd der Ausklang.

Auch die von Schneider schauspielerisch ausgestalteten und kunstvoll pointiert gesprochenen kurzen „Lieder der Ermunterung“ von Hilde Domin („Ich setzte den Fuß in die Luft“, „Wer es könnte“, „Nicht müde werden“) und die Gedichte „New Yorker Sonntagskantate“ sowie „Wo sich berühren Raum und Zeit“ der Lyrikerin Mascha Kaléko zeigten einmal mehr, wie viel unsere Kunst jüdischen Menschen zu verdanken hat. Damit wurde die hoffnungsfrohe, ja fröhliche Seite des Abends aufgeschlagen. Und die hatte vor allem mit dem virtuos auftrumpfenden Klarinettensolisten Sebastian Manz zu tun.

Mitreißendes Tango-Feuer

Sein Arrangement von Astor Piazzollas „L’Histoire du Tango“ aus „Café 1930“ changierte zwischen sehnsuchtsvollen, teils hauchzart wiedergegebenen Melodien im Sound einer Filmmusik, und mitreißendem Tango-Feuer, zu dem auch Wallingers Kammerstreicher einen gehörigen Teil beitrugen. George Gershwins „Promenade – Walking The Dogs“ setzte mit manieriert-schrägen Schleifern, Klarinetten-Juchzern, Jubeltönen und lautmalerischen „Hunde-Wuffs“ lustige Akzente. Mit „Fantasia“ und dem Menuetto aus Carl Maria von Webers Klarinetten-Quintett op. 34 kam die Klassik zu Wort und trug mit Bläser-Klangwellen, Seufzern, orgiastischen Läufen und plötzlichen Ausbrüchen zur aufgelockerten Atmosphäre bei.

Alles in den Schatten stellte der fulminante Abschluss. Der Super-Klarinettist und das stilecht begleitende Streicher-Ensemble inszenierten mit Helmut Eisels „Israeli-Suite“ ein Klezmer-Medley der Extraklasse: Unerhört flott wurden wirbelnde Triller-Girlanden entfaltet, lang und kraftvoll ausgezogen erklangen glissandierende Bögen. Näselnde Schlenker und wie Raketen explodierende Spitzentöne lösten immer wieder rauschende Skalen-Anläufe aus, die sich zu Forte-Klangorgien steigerten. Manz war in seinem Element und tanzte auch körperlich mit. Das Publikum jubelte.

Die Video-Aufzeichnung ist ab diesem Sonntagabend, 16. Januar, kostenfrei im Internet zu sehen: www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto

Autor: Eckehard Uhlig

Gedenkkonzert 100 Jahre Uhlandbau Mühlacker: Auf Abstand und online zu sehen

Peter Wallingers Kammersinfonie und Maria Rebekka Stöhr mit Mahlers „Rückert-Liedern“

Nur wenige Besucher waren beim Konzert in Mühlacker zugelassen. Foto: Meyer 

Mühlacker. Die Orchester-Lieder Gustav Mahlers bleiben ein Geheimnis an Traum und Entrücktheit, ein romantischer Gang nach Innen. Beim Konzert mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau, das als „Gedenkkonzert zum 100. Jubiläum“ des Hauses konzipiert worden war und – wieder einmal wegen Corona – nur als Videoaufzeichnung stattfinden konnte, erlebte eine begrenzte Besucherzahl Mahler und seine Rückert-Lieder in intensiven Musik-Momenten.

Was der Dichter Friedrich Rückert in und mit seinen gefühligen Versen empfunden haben mag, verwandelten die Mühlacker Interpreten, das von Wallinger geleitete Orchester und die Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr in verzaubernde Liedmusik. Mit gewissermaßen verschleierter Stimme tastete sich die Sängerin in die intimen lyrischen Texte und magischen Wort-Ton-Verbindungen hinein. Das Instrumental-Ensemble versuchte mit sorgfältiger Phrasierung und klangvoller Orchestersprache, zum Kern jeden Liedes vorzudringen, und trug zur Ausdrucksvertiefung bei.

Unerhört zart, gleichsam schwerelos luftig und fast ein wenig zaghaft interpretierte Stöhr mit ihrem klangschön verhangenen Timbre das Lied „Ich atmet‘ einen linden Duft!“, indem sie die Tonschleifen über gedämpften Violinen mit fein gezeichneten Bögen zelebrierte.

In der intim-dunklen Liedkomposition „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ ergänzten wunderschöne Melodielinien solistisch eingesetzter Instrumente – vor allem das Englischhorn und silbrig glitzernder Harfen-Rausch – den Gesang. Der erinnerte „besinnlich sinnend“ an Kundrys Geisterstimme in Richard Wagners „Parsifal“. Ergreifend wirkte das – von Mahler für seine Frau Alma komponierte – Liebeslied „Liebst du um Schönheit“, dessen betonte Schlusszeile „Dich lieb‘ ich immerdar“ die Mezzosopranistin in lyrischem Melos ausschwingen ließ.

Kompositionen aus dem Repertoire populärer Klassik umrahmten die Mahler-Lieder. Selten hört man die Ouvertüre zu Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ so schwungvoll wiedergegeben, wie an diesem Abend. Die Kammersinfonie spielte nicht wie sonst auf der Uhlandbau-Bühne, sondern im Publikums-Saal, der mehr Platz für die in Abständen platzierten Instrumentalisten und die Videoaufnahmetechnik bot, aber auch akustisch eine voluminöse Klangentfaltung unterstützte. Die abschließend musizierten Kompositionen von Mendelssohn Bartholdy, Stücke aus seinem „Sommernachtstraum“, bestätigten diesen Eindruck.

Das knapp einstündige Konzert wird ab 4. Dezember im Internet auf www.sueddeutsche-kammersinfonie.de oder auf www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto zu sehen sein.

Autor: Eckehard Uhlig