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Facetten der Romantik: Fast intime Aura Virtuosität und Eleganz

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Das war der unbestrittene Höhepunkt beim „Concerto“ der sueddeutschen kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau-Saal: Francis Gouton funkelte mit Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ op. 33 für Violoncello solo und Orchester.

Der Meister-Cellist aus Frankreich kann auf seinem Instrument klangseelig singen, aber auch wild und dramatisch aufbegehren. Mit unerhörter Leichthändigkeit entfaltet der Solist den Dialog mit sich selbst. Formt aus dem musikantischen Frage- und Antwortspiel eine mitreißende, spannende Erzählung. Und vermag dabei spieltechnisch zu glänzen und virtuos aufzutrumpfen wie kaum ein anderer seiner Zunft.

Wenn sich dann das Orchester unter Peter Wallingers Leitung vor allem mit seinen exzellenten Bläsern munter beteiligt und einmischt, dann leuchtet Peter Tschaikowskys romantisches Bravourstück in den allerschönsten Farben. Cello-Skalen stauen sich zum Gipfelpunkt hin und verglühen in den schwindelerregenden Höhen des Flageoletts. Scherzoartig sprühen kurz-gebundene Rhythmen vor Temperament. Gouton reizt den klanglichen Facettenreichtum seiner vier Cello-Saiten bis zur letzten Finesse aus und verfügt dennoch über schier unerschöpfliche Spielreserven. Auch beeindruckte die Eleganz des Musikhochschul-Professors und die höfliche Vornehmheit seines Auftretens das begeisterte Publikum.

Neben dieser Solisten-Kür bot der denkwürdige, unter den Titel „Facetten der Romantik“ gestellte Konzertabend zum 25. Geburtagsjubiläum des Wallinger-Ensembles eine fein ausgewogene Interpretation der Serenade Nr. 2 (in A-Dur, op. 16) von Johannes Brahms. Das „für kleines Orchester“ komponierte Werk erwies sich für das Format einer Kammersinfonie als geradezu ideal. Poesie und Empfindungen der nicht nur dynamisch sehr unterschiedlich angelegten fünf Sätze wurden von den Interpreten gleichsam szenisch ausgemalt. Wobei planvolle Detailarbeit und die Natürlichkeit der Klangbilder hervorzuheben wären. Dunkel verhangenes Timbre (Brahms verzichtete völlig auf die beiden hellen Violinstimmen) verlieh der Serenade eine charaktervolle, zum Aufführungsort passende, fast intime Aura. Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ und das Vorspiel zum 3. Aufzug der „Meistersinger von Nürnberg“ rundeten das Programm mit den durchaus beabsichtigten emotionalen Romantik-Reminiszenzen ab.

R. Uhlig

Spielfreudig und offen für Neues

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Für einen Rückblick hat Peter Wallinger eigentlich gar keine Zeit. Zu sehr beschäftigt ihn die anstehende musikalische Herausforderung, die ständig neue Beschäftigung mit der Musik, die er auf seinem Instrument, dem Orchester, spielt. „Sprechend interpretieren“ will er die Werke – gene auch solche unbekannter Komponisten – und hat so eine eigene Klangsprache entwickelt. Dass diese in der Region offenbar verstanden wird, davon legt der Erfolg des „Musikalischen Sommers“ Zeugnis ab, jeden Konzertreihe, die der Dirigent und Musikpädagoge aus Zaisersweiher ins Leben gerufen hat. Mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim hat er einen Klangkörper geformt, der in der Frauenkirche Lienzingen, aber auch überregional auf sich aufmerksam gemacht hat. 2009 feiert das Ensemble, das aus einer Gruppe besonders begabter junger Musiker aus dem Raum Stuttgart heranwuchs, sein 25-jähriges Bestehen.

Am Anfang standen Idealismus und auch Wagemut. Von beidem brachte Peter Wallinger das nötige Maß auf, um das kleine, aber feine Orchester zu gründen. „Der Impuls kam von Ehemaligen des Bietigheimer Ellental-Schulorchesters, die in den 80er Jahren in relativ großer Zahl Musik studierten und zu zwei bis drei Projekten im Jahr zusammenkommen wollten“, erinnert sich der Musiker. Damals wie heute werde kompakt und konzentriert geprobt, das Ergebnis dann in Konzerten präsentiert. Statt der ursprünglich 25 Mitglieder zähle die Kammersinfonie heute bis zu 40 Instrumentalisten aus rund einem Dutzend Nationen, doch könne sich keiner verstecken: Gefordert sei jeder Einzelne, um dem Ideal von einem transparenten Klangbild nahe zu kommen.

Doch der Dirigent studiert nicht nur die Noten, die er den Instrumentalisten jeweils zwei Wochen vor Probenbeginn exakt bezeichnet zukommen lässt, sonden auch der Terminkalender. Mindestens ein Jahr im Voraus stehe die Planung der Konzerte, sagt Wallinger. So sei es möglich, die Fluktuation im Orchester gering zu halten und die Musiker – auch solche, die in Top-Orchestern tätig seien – könnten sich rechtzeitig freistellen lassen. Die Bläsergruppe sei seit Jahren stabil und bestens aufeinander eingespielt, und bei den Streichern bildeten etwas drei Viertel der Gruppe einen festen Stamm. „Eine Cellistin ist seit 20 Jahren dabei“, erzählt Peter Wallinger, die Geigerin Susanne Crawford, ehemals Konzertmeisterin im Ellentalorchester, sei von Anfang an mit von der Partie. Auch regional sei das Orchester verwurzelt, so komme der erste Cellist Bernhard Lörcher aus Maulbronn, der erste Fagottist Frank Lehmann aus Vaihingen. Weitere Mitspieler wohnten in Ensingen, Sachsenheim und Pforzheim. Allen gemeinsam sei die Spielfreude, die sie zu den mittlerweile fünf bis sechs Projekten pro Jahr mitbrächten. „Das ist das richtige Maß, um keinerlei eingefahrene Routine aufkommen zu lassen, die Motivation zu wahren und gleichzeitig ein gut eingespieltes Ensemble zu bleiben“, sagt der Dirigent.

Vom Ergebnis seiner Arbeit konnten sich die Besucher des „Musikalischen Sommers“ in der Frauenkirche und seit kurzem auch in der Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau überzeugen. „Wir hatten immer wieder Einladungen, zum Beispiel nach Genf, Stuttgart, zu den Klosterkonzerten und zu Produktionen des SWR“, beschreibt Wallinger den Aktionsradius des Orchesters. Bisher habe er sich weniger auf überregionale Publicity konzentrieren wollen. Den Auftritt bei Festivals sehe er als einen nächsten Schritt. Doch dafür gelte es das Orchestermanagement noch zu verbessern. „Mit Glück, dass heißt mit Geldern, schaffen wir es hoffentlich, einen qualifizierte Kraft einzustellen“, blickt der Dirigent voraus. Hören lassen, und das hätten bekannte Solisten bestätigt, könne sich die Kammersinfonie durchaus auch auf überregionaler Bühne. Dass sich das Orchester seinen guten Ruf zu Recht erworben hat, will es im Jubiläumsjahr gleich mehrfach beweisen.

Ein erstes Konzert findet heute um 20 Uhr im Mühlacker Uhlandbau statt. Unter dem Motto „Facetten der Romantik“ spielt die Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger das „Siegfried-Idyll“ und das Vorspiel zum dritten Aufzug aus den „Meistersingern von Nürnberg“ von Richard Wagner, die Serenade A-Dur opus 16 von Johannes Brahms und die Rokoko-Variationen opus 33 für Violoncello solo und Orchester von Peter Tschaikowsky. Solist die der französische Cellist Francis Gouton.

Druckfrisch wird den Konzertbesuchern die Jubiläumsbroschüre „25 Jahre Kammersinfonie“ präsentiert. Erstmals vorgestellt wird auch die aktuelle Doppel-CD des Orchesters.

Carolin Becker

Musizierfreude bewahren

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Als Peter Wallinger vor 25 Jahren die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gründete, hätte er sich die Erfolgsgeschichte des Ensembles wohl kaum träumen lassen. Aus dem Orchester aus jungen Musikstudenten ist inzwischen ein fast ausschließlich aus Profimusikern bestehendes Projektorchester geworden, das in der Region sehr präsent ist. Neben Ihren Konzerten in Bietigheim-Bissingen ist das Ensemble regelmäßig beim Musikalischen Sommer in Lienzingen und wie am heutigen Samstag im Uhlandbau in Mühlacker zu erleben.

Der künstlerische Leiter der sueddeutschen kammersinfonie ist stolz darauf, dass die Fluktuation innerhalb des Orchesters gering sei: „Unsere Solobratschistin, die lange auch Solobratschistin in Stuttgart und Frankfurt war, spielt heute in keinem Orchester mehr fest“, erläutert er. Sie käme extra für die fünf jährlichen Projekte aus Antwerpen zur Kammersinfonie. Zudem hätte sich das „Lotus String Quartett“, durch seine Auftritte in der Musikgalerie Voss in der Region bestens bekannt, dem Ensemble fest angeschlossen. „Trotz der internationalen Tourneeverpflichtungen des Streichquartetts“, so Wallinger, stünden die Musiker für die Projekte der Kammersinfonie immer zur Verfügung. Nach Wallingers Meinung ist dies ein Beweis, dass die lebendige und nicht „bürokratisierte“ Form des Orchesterspiels, das er mit seinem Orchester anstrebe, auf seine Musiker eine besondere Anziehungskraft habe. „Wir bekommen viele Konzertanfragen von außerhalb“, sagt Wallinger. Er wähle aber genau aus, um nicht zu viele Termine anzunehmen und so die immer wieder gelobte Spielfreude des Orchesters erhalten zu können. Aber auch bei Solistenverpflichtungen hat Wallinger ein gutes Händchen. Die langjährige Verbindung zur Geigerin Ursula Schoch, die Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw Orchester ist, werde weiter fortgesetzt. Zudem hat der Chefdirigent unbekannte hochklassige Solisten wie den Hornisten Andrew Joy und den Harfenisten Xavier de Maistre in die Region gebracht. „Natürlich schaue ich auch, bekannte Namen zu verpflichten, wenn sie musikalisch zu und passen“, sagt Wallinger. Ein Beispiel ist der renommierte Bariton und ARD-Wettbewerbssieger Konrad Jarnot. „Wir haben aber auch schon mit Bernd Glemser zusammengespielt“, ergänzt Wallinger.

Die Finanzkrise ist aber nicht spurlos an der Kammersinfonie, die von der Stadt Bietigheim Geld für Konzerte bekommt, vorbeigegangen: Aus dem Bereich der „Automobilindustrie gab es zwar noch keine Zusagenstornierungen“, doch sei die finanzielle Zurückhaltung spürbar. Augenblicklich stehe man mit Bietigheim-Bissingen in Verhandlungen, um zumindest mehr Geld für eine neue Organisationsstruktur zu bekommen.

Thomas Weiss

Musikalischer Botschafter der Stadt

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Seit 25 Jahren präsentiert die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim anspruchsvolle klassische Musik unter Leitung von Peter Wallinger

In „dreierlei Hinsicht“, so Peter Wallinger (58), hätte es 1984 eine „günstige Konstellation“ zur Gründung eines sinfonischen Orchesters gegeben: Der Musiklehrer, der neben Schulmusik auch Mathematik und Musikwissenschaft studiert hat sowie die Ausbildung zum Kapellmeister absolvierte, traf im Ellental-Gymnasium auf viele junge, hochbegabte Musiker.

Im von ihm geleiteten Schulorchester spielten Musiker wie Lukas Friederich oder Ursula Schoch, die heute eine Karriere beim SWR-Sinfonieorchester oder im Amsterdamer Concertgebouw-Orchester verzeichnen können. „Als die jungen Leute aus der Schule entlassen wurden, wollten sie unbedingt in Bietigheim weiterspielen nach der tollen Erfahrung im Schulorchester“, erzählt der inzwischen auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst beurlaubte Wallinger. „Extrem viele Hochbegabungen gab es 1984 im Städtle, das war ein Glücksfall“, so der Kapellmeister. Der zweite Glücksfall war die Zusammenarbeit mit der Stadt Bietigheim-Bissingen.

Der damalige Oberbürgermeister Manfred List und sein Kulturamtsleiter Heinz Steidle waren der Gründung eines Orchesters im Namen der Stadt nicht abgeneigt. „Es war schon ein großes Wagnis, das Kammerorchester zu gründen“, erinnert sich Manfred List an die Zeit vor 25 Jahren. „Ob daraus eine Erfolgsgeschichte wurde, das kann ich mit einem klaren Ja beantworten“, so der OB im Ruhestand.

Die Stadt unterstützt bis heute das Orchester, indem sie zwei Konzerte bezahlt. Ansonsten ist die Kammersinfonie finanziell unabhängig, finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen ihres Fördervereins und Konzerten. Sponsoren wie die Stiftung Kultur der Kreissparkasse Ludwigsburg, die Bietigheimer Industrievereinigung, die Firma Hofmeister, die Stadtwerke oder andere Firmen unterstützen bei Konzerten. Durch die Kreissparkasse wurde es auch möglich, dass es eine kostenlose Jubiläumsbroschüre geben wird.

„In Bietigheim ist man sehr musikbegeistert und ließ sich immer wieder auf unsere Programme ein, die auch oft unbekannte Literatur beinhalteten“, sagt Wallinger. Die Resonanz in der Bevölkerung ist so groß, dass viele Konzerte im Kronenzentrum oder der Kelter schnell ausverkauft sind. Auch die Nachfrage für die Schülerkonzerte einmal pro Jahr für die Erst- bis Fünftklässler ist „bombastisch“, so Wallinger. „Die Kammersinfonie ist zweifelsohne zu einem kulturellen Markenzeichen für unsere Stadt geworden“, resümiert Manfred List.

Peter Wallinger sieht sein Orchester als Botschafter der Stadt, wobei er sich wünscht, dass diese Funktion in Form von mehr Konzerten außerhalb der Stadt noch gesteigert werden könnte. „Wir könnten den guten Ruf unserer Stadt mit Musik in die Welt hinaustragen“, sagt der Leiter der Kammersinfonie. Doch die dafür notwendige Organisation wächst ihm über den Kopf. Damit in Zusammenhang steht auch sein Wunsch für die Zukunft des Orchesters. „Ich wünsche mir die Unterstützung der Stadt in Form von einer Anstellung eines Orchester-Managers“, so Wallinger. Bisher bewältigte der Dirigent mit Hilfe der Vorsitzenden des Fördervereins, Hannelore Burgmann, sowohl die künstlerische als auch die organisatorische Leitung. Vor allem im Aquirieren von Konzerten sieht er ein verbesserungsfähiges Defizit. Dies bescheinigte ihm auch eine Studie des Instituts für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Im musikalischen Bereich könne das Orchester mit seinen 40 Musikern aber nicht besser und professioneller arbeiten, ist Wallingers Einschätzung.

Gabriele Szczegulski

Haydn zum Geburtstag

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25 Jahre Süddeutsche Kammersinfonie – musikalischer Auftakt

Im Ellental-Gymnasium steht die Wiege der Süddeutschen Kammersinfonie. Vor 25 Jahren probte der Musiklehrer Wallinger die ersten Stücke mit seinen Schülern. Das tut er im Prinzip noch immer. Nur sind die Schüler von damals inzwischen international gefragte Konzertmeister und Peter Wallinger ein renommierter Dirigent. Mit Stücken von Haydn gehen die Musiker in ihr Jubiläumsjahr.

Sie wollen vertraute Musik neu erlebbar machen. Unter diesem Motto ist die Kammermsuik bereits seit 25 Jahren unterwegs. Und das tun die Musiker auch in ihrem Jubiläumsjahr. Auftakt ist am kommenden Wochenende. Am Samstag spielen sie in Murr und am Sonntag um 17 Uhr in der Alten Kelter in Bietigheim. Das Programm soll eine Hommage an Joseph Haydn sein. Solisitin ist Chihiro Saito am Violoncello. Im Februar geht es weiter mit „Facetten der Romantik“ und Werken von Wagner, Brahms oder Tschaikowsky. Im April stehen dann zwei große Festkonzerte in Bietigheim und Mühlacker auf dem Programm. Anschließend sind in Sachsenheim und in der Lienzinger Frauenkirche sommerliche Serenadenkonzerte mit Solisten aus dem Orchester geplant.

Ein Herz für Kinder heißt es im November. Auch in diesem Jahr werden Schülerkonzerte in der Alten Kelter in Bietigheim gespielt. Für den Nachwuchs gibt es dabei aufbereitete Informationen zum Stück und den verwendeten Instrumenten. Im Dezember wird das Jubeljahr mit „Nordischen Impressionen“ und Werken von Sibelius, Mendelssohn oder Grieg beschlossen.

Ein besonderes Schulorchester mit besonders begabten Schülern wollte Peter Wallinger vor 25 Jahren ins Leben rufen. Damals firmierten die Musiker noch unter dem Namen Bietigheimer Kammersinfonie. Zum Ellental-Gymnasium gibt es noch immer gute Beziehungen, doch die Grundlage legten die „Jungen“ von damals. Sie haben den Erfolg des Orchesters begründet und sind heute teilweise international renomierte Musiker.

Der Mann, der das alles zusammenhält, ist Peter Wallinger – Initiator, künstlerischer Leiter und Organisator der Kammersinfonie. Projektbezogen kommen die rund 40 Musiker bis zu fünfmal im Jahr zusammen und erarbeiten gemeinsam die Stücke. Seit drei Jahren lässt Peter Wallinger sein Lehramt in Bietigheim ruhen. Inzwischen dirigiert er auch das Rundfunkorchester Bukarest, die Staatliche Philharmonie Moldawiens oder das Südwestdeutsche Kammerorchester im benachbarten Pforzheim.

Andreas Feilhauer

Schwermütige Romantik Süddeutsche Kammersinfonie eröffnet Jubiläumsjahr mit selten aufgeführten Werken

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hat das Jubiläumsjahr mit einem Konzert im Kronenzentrum eröffnet. Selten aufgeführte Werke wurden dabei unter Leitung von Peter Wallinger musiziert.

Bietigheim-Bissingen. Ganz der Dezemberstimmung angepasst schien das Programm des Eröffnungskonzerts im Kronenzentrum. Vor allem die schwermütigen und dunklen Aspekte der Musik hatten sich die Kammersinfoniker auf die Notenpulte gelegt. Vor vielen leeren Stuhlreihen führte das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger Kostbarkeiten der romantischen und klassischen Literatur auf.

Wer kennt sie nicht, die ungarischen Tänze von Johannes Brahms? Etwas weniger bekannt sind die Slawischen Tänze von Antonin Dvorak, doch musikalisch und kompositorisch gerade einzigartig. Wie ein Epilog klingt der Titel „Starodavny“, was so viel heißt wie ein altertümlicher Tanz mit vorbeiziehenden Bildern schwankender Emotionalität. Einfühlsam und sehr romantisch interpretierte der Leiter dieses vielfarbige Musikstück.

Gleich danach der „Valse triste“ von Jean Sibelius. Der schwermütige finnische Komponist konzipierte diesen traurigen Walzer als eine Bühnenmusik für ein Drama. Hintergrund für den Tanz mit dem Tod ist die Sterbeszene, in der alle Tänze des Lebens noch einmal getanzt werden und sich dann in einer Schlussfigur auflösen. Das Orchester musizierte gefühlvoll und überzeugend. Die tiefen Empfindungen aus der Musik erreichten die Zuhörer auf eine berührende Weise.

Selten zu hören, und dann noch in so hochkarätiger Besetzung dargeboten, ist „Das Lied von der Erde“ von Gustav Mahler. Eigentlich wäre es die 9. Sinfonie, aber der Komponist fürchtete sich vor der Wiederholung seiner Vorgänger Beethoven und Bruckner, die mit der jeweils 9. Sinfonie die eigene Todesnähe komponiert hatten.

Das Lied von der Erde ist insofern eine absolute Besonderheit, als es die sinfonische Besetzung und Orchesterlied verbindet. Dennoch fehlen in diesem Werk die opulenten Orchesterklänge. Eine sehr veränderte Tonsprache steht den vertonten Texten gegenüber. Textgrundlage bilden chinesische Gedichte, die sich auf tiefsinnige Weise mit dem Abschied befassen.

Der Bariton Konrad Jarnot als Solist gehört zu den international gefragten Sängern in der klassischen Musik. Seine Engagements reichen von großen Festivals bis hin zur Arbeit mit Dirigenten wie Helmuth Rilling.

Rezitativisch, deklamierend beginnt der Gesang über einer fein aufgegliederten Orchesterpartitur. Manchmal von den hohen Bläsern fast überdeckt, entfaltete der Sänger eine klangdichte Interpretation der deutschen Texte. Sehr textnah hat Mahler die instrumentalen und vokalen Linien konzipiert. Die anspruchsvolle Komposition wurde von Musikern und Sänger auf feine Weise miteinander verbunden. Das war keine Musik zum einfachen Genießen, der aufmerksame Zuhörer erlebte aber eine hoch intensive Wort-Tonmalerei.

Nach der Pause kam ein musikgeschichtlicher Schritt rückwärts. Die g-moll-Sinfonie von Mozart ist eine von Mozarts Spätwerken und kommt ohne Pauken und Trompeten aus. Auch ist der Duktus eher melancholisch, nur ein kleines Trio im dritten Satz sorgt etwas für Heiterkeit und Leichte. Das wurde dann auch als Zugabe geboten, sozusagen als lichter Aspekt des Abschieds. Ein wunderschöner und besonderer Konzertabend, der mit keinem Gedanken die Frage zulässt, warum der Saal nicht voll besetzt war.

Irene Schmidt-Makowiec

Neue Live-CD punktet durch FrischeSüddeutsche Kammersinfonie in Hochform

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Festgehalten sind auf dieser klanglich einwandfreien Produktion zwei Konzertmitschnitte aus dem Uhlandbau in Mühlacker und dem Bietigheimer Kronenzentrum mit Werken von Mozart, Beethoven, Bruch und Ravel. Was bei diesen Aufnahmen sofort ins Ohr geht, ist die Frische, Impulsivität und Intensität fernab ausgetretener Interpretationspfade, mit denen die Kammersinfonie die Werke angeht. Außerdem die Fähigkeit zu einer durchweg beredten Musizierhaltung, die aber nie eintönig wirkt, da Peter Wallinger der Musik auch genügend Raum für ihre sinnliche Entfaltung lässt.

Nicht zuletzt dokumentieren diese Live-Mitschnitte ein Wesensmerkmal der Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, das jedes ihrer Konzerte auszeichnet. Ein transparentes Kommunizieren von faszinierender Leichtigkeit und Natürlichkeit innerhalb des Orchesters und im Dialog mit zwei herausragenden Instrumentalsolisten: Ursula Schoch (Violine) und Bernard d’Ascoli (Klavier).

Die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Geigerin Ursula Schoch, in Amsterdam Konzertmeisterin im Concertgebouw-Orchester, füllt den melodischen Reichtum und die weit gespannten Kantilenen in Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26 mit immenser Spannung, Leidenschaft und großartiger Gestaltungskraft, Phrasierung, Artikulation und ihr Repertoire an klanglichen Abstufungen sind vom Feinsten. Zudem spiele Schoch mit einer Feinfühligkeit, Dank derer sich einzelne Klänge und melodische Phrasen mitunter zu großer Räumlichkeit weiten.

Den Hut ziehen muss man auch vor der jeden einzelnen Ton beleuchtenden Anschlagskultur des blinden französischen Pianisten Benard d’Ascoli in Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37. Sein technisch überlegenes Spiel wirkt gleichermaßen durchdacht wie spontan und nimmt sich auch die Zeit zum genüsslichen Auskosten des Augenblicks. Bestaunenswert sind die schwungvolle Eleganz und die rhythmische Elastizität, mit der die Süddeutsche Kammersinfonie musiziert.

Eine auf der ganzen Linie bestechende Beethoven-Lesart gelingt Peler Wallinger mit einer natürlich atmenden Interpretation der pittoresken Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“, in der scharf nachgezeichnete Stimmverläufe den jeweiligen Spannungsbogen nie abreißen lassen. Entspannt, aber keineswegs spannungsarm schließlich die Wiedergabe von Ravels Suite „Le Tombeau de Couperin“.

Maurice Ravels erlesene Melodik und seine exotische, unglaublich sinnliche instrumentale Koloristik: entwickeln in dem von mannigfaltigen klangfarblichen Reizen geprägten Spiel der Kammersinfonie einen unwiderstehlichen Sog. Schon allein deswegen lohnt sich ein Kauf dieser Doppel-CD, bei der nicht nur die Fans der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Ohren spitzen dürften.

Christof Jentzschke

Ansprechende Mitschnitte

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Die Zusammenarbeit des Dirigenten Peter Wallinger mit der von ihm gegründeten „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ hat über die Jahre Früchte getragen. Zudem musizieren Wallinger und seine Instrumentalisten auch mit einer eigenen Konzertreihe im Uhlandbau in Mühlacker.

Auf einer jüngst erschienenen Doppel-CD sind zwei Konzertmitschnitte des Jahres 2007 vereint, die die Handschrift des Dirigenten tragen, aber auch beachtenswerte Solisten präsentieren.

Ursula Schoch ist durch ihre häufigen Auftritte mit Wallinger bestens bekannt. Die Konzertmeisterin de Concertgebouw Orchestra Amsterdam kann bei Bruchs g-Moll Violinkonzert ihre Technik ebenso wie ihre Musikalität, die auch Adagio von Kitsch-Nähe bewahrt, unter Beweis stellen. Mit dem blinden Pianisten Bernard d’Ascoli musizierte Wallinger ein poetisch ausgeformtes drittes Klavierkonzert von Beethoven. Der französische Musiker pflegt einen ungemein differenzierten Klavierstil, der, wo nötig, brilliant funkeln kann, mehr aber noch die Lyrik des c-Moll-Konzertes aushorcht. Nicht nur als Begleitorchester kann sich die „sueddeutsche kammersinfonie bieitgheim“ hören lassen. Wallinger verleiht der Ouvertüre zu Mozarts „Hochzeit des Figaro“ ebenso wie der Es-Dur Sinfonie KV 543 klare Konturen. Dezenten Farbzauber verleiht er Ravels „Le Tombeau de Couperin“. Dass die schlanke Besetzung der Bietigheimer auch an Grenzen stößt, ist auch der trockenen Akustik des Uhlandbaus und der direkten Aufnahmetechnik geschuldet. Bei Beethovens „Pastorale“ ebeneso wie in manchen Passagen des c-Moll-Klavierkonzerts klingen die Streicher etwas ausgedünnt. Dafür zeichnet Peter Wallinger die Strukturen mit Genauigkeit und Stilgefühl nach

Thomas Weiss

Mit Präzision und Freude am Spiel Neue Doppel-CD mit Live-Mitschnitten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger

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Bis die Konzertreihe Musikalischer Sommer am 8. Juni mit einem Auftritt des Lotus String Quartetts in ihre neue Saison startet und die Musikfreunde in der Lienzinger Frauenkirche wieder auf ihre Kosten kommen, vergehen noch ein paar Wochen. Eine jetzt erschienene, von Peter Wallinger, dem Initiator des Festivals, herausgegebene Doppel-CD kann dabei helfen, die Zwischenzeit zu überbrücken.

Der Dirigent und musikalische Leiter hat in den vergangenen Jahren den Mühlacker Uhlandbau als Konzertstätte wiederbelebt und dort mit der Reihe Mühlacker Concerto den von ihm installierten Lienzinger Sommerkonzerten ein reizvolles Pendant gegenübergestellt. Von der Qualität der auftretenden Künstler ebenso wie von der klaren Akustik des traditionsreichen Saals legt der neue Tonträger eindrucksvoll Zeugnis ab. Die Doppel-CD „Kammersinfonie live 2007“ enthält Live-Mitschnitte von Konzerten aus dem Vorjahr. Unter Peter Wallingers Leitung spielt die von ihm gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim Werke von Mozart, Ravel, Bruch und Beethoven.

Obwohl unter Live-Bedingungen entstanden, belegen die Aufnahmen den hohen Stand der technischen Perfektion der Musiker fernab der Atmosphere steriler Studioproduktionen präsentiert sich hier ein Klangbild, das von der Freude am Musizieren und vom aufmerksamen Zusammenspiel geprägt ist. Deutlich wird dies schon im Eingangsstück, der Ouvertüre zur Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“, in der die präzise aufeinander abgestimmten Register die Partitur plastisch-dreidimensional durchhörbar werden lassen. Dies gilt in besonderem Maße auch für den Schlusssatz der Mozart-Sinfonie Nr. 39. Streicher und Bläser liefern sich hier im besten Sinn einen musikalischen Wettstreit, ohne dem Tempo Details der rasanten Sechzehntel-Läufe zu opfern.

Als Solisten sind auf den beiden CDs die Geigerin Ursula Schoch mit Max Bruchs berühmten g-moll-Violinkonzert und der Pianist Bernard d’Ascoli mit Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-moll zu hören. Beide beeindrucken mit unangestrengter Virtuosität und bedanken sich für den Applaus des Publikums jeweils mit einer ebenfalls auf der Aufnahme festgehaltenen Zugabe.

Carolin Becker

Unwiderstehliches Live-Dokument

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Soeben erschienen ist die Doppel-CD „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim – live 2006“ mit den Konzerthighlights des Ensembles des Jahres 2006.

Die zweieinhalb Stunden Spielzeit mit Werken von Mozart, Beethoven und Schubert werden mit Sicherheit nicht nur Freunde des Orchesters begeistern. Selbst Hörer, die die Kammersinfonie und die auf den beiden CDs vertretenen Solistinnen und Solisten noch nicht kennen, werden feststellen müssen, dass es sich unbedingt lohnt, die sich hier in Höchstform präsentierenden Interpreten näher kennen zu lernen. Einfach unwiderstehlich sind das spieltechnische Niveau, aber auch das Repertoire auf diesem Live-Dokument.

CD 1 enthält zwei Beethoven-Konzerte, mitgeschnitten im April und Mai letzten Jahres im Uhlandbau Mühlacker und im Bietigheimer Kronenzentrum. Solistin des Klavierkonzerts Nr. 2 B-Dur op. 19 ist Magdalena Müllerperth, die mit ihren 15 Jahren bereits zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen und sogar schon in den USA konzertiert hat. Ihr Spiel verrät eine frühe Meisterschaft in technischer und künstlerischer Ausgefeiltheit; das beweist nicht allein ihre eigene, weit ausladende Solokadenz im Kopfsatz des Konzerts. Wohltuend frisch sowie mit Witz und Eleganz gestaltet sie die Ecksätze, der Adagio-Mittelsatz gelingt ihr äußerst spannungsvoll. Dass sich in dieser transparenten Wiedergabe tänzerischer Ausdruck und sinfonische Tiefe die Waage halten, ist natürlich auch ein Verdienst von Peter Wallingers Kammersinfonie, die mit tadelloser Ausgewogenheit und großer Disziplin klangvolle Kostproben ihres Könnens abliefert. Sie und die Geigerin Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, verbindet schon eine langjährige Zusammenarbeit. Und das hört man in der sehr sensiblen und spannungsreichen Deutung von Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61. Vom ersten Ton an gestaltet Ursula Schoch ihren Violinpart mit großer Sorgfalt.

Auf CD 2 festgehalten ist das komplette Konzert vom 10. Dezember 2006 im Bietigheimer Kronenzentrum, beginnend mit einer farbenfrohen und unbeschwert vitalen Wiedergabe der Ouvertüre aus Mozarts Zauberflöte. Große Klangfantasie spricht auch aus Mozarts Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur KV 447. Das Spiel des renommierten Hornisten Andrew Joy ist detailgenau, poetisch, strahlend brillant und doch voller Intimität. Joys großer und unglaublich wandlungsfähiger Ton ist ein wahrer Ohrenschmaus. Gleiches gilt für die Ausführung von Schuberts Großer Sinfonie C-Dur D 944. Der einfallsreichen Instrumentation und extremen Dynamik dieses gigantischen Werks begegnet Peter Wallinger mit ausgezeichnet ausbalancierten Instrumentengruppen.

Fazit: Ob man sich nun die zwei randvollen CDs in kleinen Happen zu Gemüte führt oder sie in einem Rutsch vom ersten bis zum letzten Track durchhört, man erhält auf jeden Fall einen exzellenten Eindruck von der Kunstfertigkeit, unbändigen Musizierlust und dem großen Einfühlungsvermögen aller Beteiligten. Noch ein Wort zum Klang: Fast meint man, einer analogen LP und keiner CD zu lauschen. Das präsente Klangbild ist warm, hin und wieder fast ein wenig zu mittenbetont, was aber den unterschiedlichen akustischen Gegebenheiten der Konzertsäle in Mühlacker und Bietigheim zugeschrieben werden könnte.

Christof Jentzschke