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Rafael Wallinger

Musikalisch-poetisches Gesamtkunstwerk

Peter Wallingers Neujahrskonzert im Uhlandbau von Sonntag an im Internet zu sehen.

Muss man gehört und gesehen haben: Klarinettist Sebastian Manz ist mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim ganz in seinem Element.  Foto: T. Mammel 

Mühlacker. Traditionelle Neujahrskonzerte schwelgen in Wiener Walzer-Seligkeit. Die von Peter Wallinger zusammen mit seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim und dem Vortragskünstler Johann-Michael Schneider gestalteten Konzerte sind anders und ganz besonders. Das war auch dem bravourösen Auftritt des renommierten Klarinetten-Solisten Sebastian Manz zu danken. Mit ihm erlebten die wenigen zugelassenen Besucher im Mühlacker Uhlandbau trotz der coronabedingten Einschränkungen ein fantastisches Gesamtkunstwerk aus Musik und Poesie, wie es schöner nicht hätte sein können.

Eingangs erinnerte Sprecher Johann-Michael Schneider – dem hundertjährigen Jubiläum des Uhlandbaus geschuldet – an das Schicksal der in Nazi-Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Fabrikanten-Familie Alfred Emrich, die das Konzerthaus gegen Widerstände wesentlich finanziert und gefördert hatte. In großen Lettern prangte 1921 zur Eröffnung ein „Dennoch“ über der Bühne. Ein Motto, das sich Wallingers Neujahrskonzert zu eigen machte und auch der Pandemie entgegenstellte: „Dennoch – denn noch klingt die Musik“.

Passend dazu interpretierte die Kammersinfonie unter Wallingers bewährter Leitung in der Mitte des einstündigen Konzerts das „Lento“ aus der „Partita für Streicher“ des in Theresienstadt von den Nazis internierten tschechisch-jüdischen Komponisten Gideon Klein, der mit 25 Jahren noch 1945 als KZ-Zwangsarbeiter ums Leben kam. Die Wiedergabe war getragen von der Schwere eines schwebenden Trauertons, der selbst die rhythmisch betonten, volksliedhaft rasanten Passagen prägte. Verdämmernd der Ausklang.

Auch die von Schneider schauspielerisch ausgestalteten und kunstvoll pointiert gesprochenen kurzen „Lieder der Ermunterung“ von Hilde Domin („Ich setzte den Fuß in die Luft“, „Wer es könnte“, „Nicht müde werden“) und die Gedichte „New Yorker Sonntagskantate“ sowie „Wo sich berühren Raum und Zeit“ der Lyrikerin Mascha Kaléko zeigten einmal mehr, wie viel unsere Kunst jüdischen Menschen zu verdanken hat. Damit wurde die hoffnungsfrohe, ja fröhliche Seite des Abends aufgeschlagen. Und die hatte vor allem mit dem virtuos auftrumpfenden Klarinettensolisten Sebastian Manz zu tun.

Mitreißendes Tango-Feuer

Sein Arrangement von Astor Piazzollas „L’Histoire du Tango“ aus „Café 1930“ changierte zwischen sehnsuchtsvollen, teils hauchzart wiedergegebenen Melodien im Sound einer Filmmusik, und mitreißendem Tango-Feuer, zu dem auch Wallingers Kammerstreicher einen gehörigen Teil beitrugen. George Gershwins „Promenade – Walking The Dogs“ setzte mit manieriert-schrägen Schleifern, Klarinetten-Juchzern, Jubeltönen und lautmalerischen „Hunde-Wuffs“ lustige Akzente. Mit „Fantasia“ und dem Menuetto aus Carl Maria von Webers Klarinetten-Quintett op. 34 kam die Klassik zu Wort und trug mit Bläser-Klangwellen, Seufzern, orgiastischen Läufen und plötzlichen Ausbrüchen zur aufgelockerten Atmosphäre bei.

Alles in den Schatten stellte der fulminante Abschluss. Der Super-Klarinettist und das stilecht begleitende Streicher-Ensemble inszenierten mit Helmut Eisels „Israeli-Suite“ ein Klezmer-Medley der Extraklasse: Unerhört flott wurden wirbelnde Triller-Girlanden entfaltet, lang und kraftvoll ausgezogen erklangen glissandierende Bögen. Näselnde Schlenker und wie Raketen explodierende Spitzentöne lösten immer wieder rauschende Skalen-Anläufe aus, die sich zu Forte-Klangorgien steigerten. Manz war in seinem Element und tanzte auch körperlich mit. Das Publikum jubelte.

Die Video-Aufzeichnung ist ab diesem Sonntagabend, 16. Januar, kostenfrei im Internet zu sehen: www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto

Autor: Eckehard Uhlig

INTERVIEW: „Man muss die Musik erleben“

Als Soloklarinettist des SWR-Symphonieorchesters und mehrfacher Echo-Preisträger ist Sebastian Manz international gefragt. Morgen steht der 36-Jährige mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim beim Neujahrskonzert im Uhlandbau in Mühlacker auf der Bühne.

FRAGEN VON HARRY SCHMIDT

STUTTGART/BIETIGHEIM-BISSINGEN. Der Kalender von Sebastian Manz ist eng getaktet. Soeben hat er das Stuttgarter Funkhausverlassen, wo eine Probe für ein Konzert in Dortmund anstand. In einer Stunde wird der Klarinettist mit Peter Wallinger und der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) in der dortigen Kelter das Programm des Neujahrskonzerts einstudieren, das morgen im Uhlandbau in Mühlacker stattfinden wird. Weil „coronabedingt“ weder in Murr noch in Bietigheim gespielt werden könne, hat Wallinger erneut eine Video-Aufzeichnung angekündigt. Auf der Fahrt nach Bietigheim spricht Manz nicht nur über seine musikalischen Präferenzen und Grenzen westlicher Klangvorstellungen, sondern verrät auch, wo er seine Frau kennengelernt hat.

Herr Manz, als Solist werden Sie entscheidend am Neujahrskonzert der SKB in Mühlacker mitwirken. Wie ist es dazugekommen?
SEBASTIAN MANZ: Ich glaube, ich habe mit niemand so oft zusammengearbeitet wie mit Peter Wallinger – wir kennen uns schon seit mehr als zehn Jahren und haben bereits einige Programme zusammen auf die Bühne gebracht, zuletzt eine Stamitz-Exkursion. Vielfach bearbeite ich die Stücke auch. Die Arrangements, aus denen Wallinger nun eine Auswahl für dieses Neujahrskonzert getroffen hat, habe ich ihm schon vor längerer Zeit in Aussicht gestellt. Jetzt ist er relativ spontan, im Dezember, auf mich zugekommen und wir konnten uns rasch auf eine konkrete Programmfolge verständigen.

Auf dem Programm stehen, neben dem Lento aus der „Partita“ für Streicher von Gideon Klein, einem im KZ Fürstengrube ums Leben gekommenen tschechisch-jüdischen Komponisten, unter anderem die „Fantasia“ aus Carl Maria Webers Klarinetten-Quintett, Astor Piazzollas „Café 1930“ und ein „Israeli Suite Medley“. Wie ist dieser weitgespannte Programmbogen entstanden?
Insgesamt trägt die Auswahl natürlich auch dem Format eines Neujahrskonzerts Rechnung. Tatsächlich habe ich alle Stücke, an denen ich beteiligt bin, selbst arrangiert. Und wenn ich von Arrangements spreche, sind das meistens auch halbe Eigenkompositionen. Mit Ausnahme von Piazzolla: „Café 1930“ ist einfach eines meiner absoluten Favoritenstücke – diese Melancholie, diese Schwermut. Das ist musikalisch so großartig emotional verpackt! Da sind zwar immer wieder Tango-Elemente drin, aber im Grunde hat Piazzolla hier seinen ganz eigenen Stil gefunden, eine Kombination aus Jazz- und klassischen Elementen – sehr lyrisch, sehr expressiv.

Wie fügt sich Webers Klarinetten-Quintett hier ein?
Auch der zweite Satz aus Webers Klarinetten-Quintett hat etwas nachdenkliches. Wir werden die „Fantasia“ mit mehreren Streichern der SKB spielen – das hat dann vielleicht nicht die Flexibilität wie mit einem Streichquartett, dafür aber eine andere Power. Das Klarinetten-Quintett wurde von Weber ja ursprünglich als Klarinettenkonzert konzipiert. Weil es nicht aus Notwendigkeit, sondern aus innerer Berufung entstand, ist jeder Satz ein Juwelstück geworden. Die „Fantasia“ etwa wirkt wie eine improvisatorisch angelegte Arie.

Und im Aspekt der Kantabilität haben Sie wiederum eine Verbindung zwischen Weber und Klezmermusik entdeckt?
Genau. Im „Israeli Suite Medley“ habe ich drei Klezmer von Helmut Eisel, einem langjährigen Wegbegleiter von Giora Feidman, zusammengefasst. Da ist eine ganz andere Klangauffassung im Spiel als die Ausgeglichenheit, um die sich unsere klassische Ausbildung bemüht, eine, die der menschlichen Stimme unglaublich nahekommt. Zudem spiegelt sich hier auch die Geschichte des von der jüdischen Familie Emrich errichteten Uhlandbaus.

Mit Gershwins „Promenade – Walking the dog“ steht ein Stück auf dem Plan, das auf Ihrer Homepage auch als Video zu sehen ist – inklusive Hund! Haben Sie wieder einen Vierbeiner engagiert?
Ich würde am liebsten in jeder Aufführung einen Hund über die Bühne laufen lassen (lacht). Aber diesmal belasse ich es bei einem Triller an dieser Stelle.

Welche besonderen Herausforderungen stellen diese Partien für Sie dar?
Zunächst mal, sich auf die schiere Bandbreite der Musik einzulassen und dann authentisch im Moment abrufen zu können. Mit Notenspielen ist es ja nicht getan– man muss die Sachen als Musiker auch wirklich erleben. Auch keine Scheu zu haben, klassische Konventionen hinter sich zu lassen – allzu oft sind wir noch Sklaven unserer eigenen Regeln. Nicht zuletzt das immer neue Zusammenwachsen von Solist und Ensemble.

Als Solo-Klarinettist des SWR-Symphonieorchesters sind Sie in der Region gutbekannt. Haben Sie darüber hinaus einen besonderen Bezug zum Ludwigsburger Kreisgebiet?
Durchaus! (lacht) Als wir 2017 im Kronenzentrum geprobt haben, schrieb mich eine Klarinettenlehrerin an, ob sie mit ihren Schülerinnen zur Generalprobe kommen könne. Und wie es der Zufall so will, ist sie jetzt meine Frau.

INFO: Am 13. Januar um 20 Uhr wird das Neujahrskonzert der SKB im Uhlandbau Mühlacker mit begrenzter Besucherzahl stattfinden. Voranmeldung unter Tel. 07043/958393. Der Mitschnitt ist ab 16. Januar unter www.sueddeutsche-kammersinfonie.de abrufbar.

Gedenkkonzert für Uhlandbau mit jüdischen Komponisten

Mit dem Herbstkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim stellt Peter Wallinger bereits die fünfte Videoproduktion seines vorzüglichen Ensembles ins Netz

Die Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr. Foto: Theresa Mammel/p

BIETIGHEIM-BISSINGEN/MÜHLACKER. Nachdem bereits das Ende November angesetzte Herbstkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) im Kronenzentrum den Auswirkungen der vierten Pandemiewelle zum Opfer gefallen ist und abgesagt werden musste, konnte auch der in Mühlacker geplante Auftritt nicht als öffentliche Veranstaltung stattfinden. Auch weil das Programm als Gedenkkonzert zur 100-Jahr-Feier der Einweihung des dortigen Uhlandbaus konzipiert war, hat sich Dirigent Peter Wallinger erneut zu einer Videoaufzeichnung vor einer begrenzten Besucherzahl entschlossen und stellt nun mit „Lieb und Leid und Welt und Traum“ den bereits fünften, kostenfrei abrufbaren Stream seines 1984 gegründeten Ensembles ins Internet (www.sueddeutsche-kammersinfonie.de).

Unmittelbar mit der Geschichte des Uhlandbaus verbunden ist „Le nozze di Figaro“, wurde das Haus doch am 29. Oktober 1921 mit einer Aufführung von Mozarts erster Da-Ponte-Oper in einer Neuinszenierung des Württem- bergischen Landestheaters Stuttgart unter Leitung von Generalmusikdirektor Fritz Busch feierlich eröffnet. Folgerichtig steht die Ouvertüre der 1786 uraufgeführten Oper hier am Beginn des Programmbogens. Mit den ersten Takten stellt sich sofort das Figurentableau aus „Der tolle Tag“, so der Titel der zugrundeliegenden Komödie von Beaumarchais, vor dem inneren Auge ein und erinnert an die Tatsache, dass der Uhlandbau mit einer seinerzeit hochmodernen Bühnentechnik inklusive eines versenkbaren Orchesterraums einst als „württembergisches Bayreuth“ galt. Statt im Graben sitzen die Musikerinnen und Musiker des in 31-köpfiger Besetzung angetretenen Orchesters nun ebenerdig vor der Bühne, wo sonst die Parkettbestuhlung begänne. Wallinger fügt dem Presto den im Druck zumeist unterschlagenen Zusatz „ma non tanto“ (aber nicht zu sehr) hinzu, arbeitet die dynamischen Kontraste heraus und betont den tänzerischen Charakter der Partitur, quirlig jubilieren die von Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi angeführten Streicher, exquisit artikuliert das aufreizende Kichern der Traversflöten, herzhaft das Lachen der Bläser. Eine Apotheose der Lebensfreude als Auftakt, in Wallingers so präziser wie klangsinnlicher Interpretation wie aus einem Guss musiziert.

Zwischen den von Theresa Mammel mit drei Kameras eingefangenen Perspektiven des Orchesters zeigt der von Rafael Wallinger produzierte Videostream Schnittbilder von leeren Reihen und nächtlichen Außenaufnahmen des Uhlandbaus. Gestiftet von der kunstsinnigen jüdischen Familie Alfred und Laura Emrich, entwickelte sich das in der Rekordzeit von 99 Tagen errichtete Gebäude im ersten Jahrzehnt seines Bestehens zu einem weit über die Grenzen Mühlackers hinausstrahlenden Zentrum des Musiklebens, mit dem sich Namen wie Carl Orff, Rudolf Serkin oder Walter Gieseking verbinden.

Schwerelos intoniert

Die jähe Zäsur kam 1934 mit der Enteignung durch die Nationalsozialisten. An diese dunkle Epoche erinnert das Gedenkkonzert mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Gustav Mahler. Für drei von dessen Rückert-Liedern tritt die Münchner Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr hinzu: Während sie „Ich atmet’ einen linden Duft“ und „Liebst du um Schönheit“ wundervoll schwerelos intoniert, ist ihr „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ von erschütternder Eindringlichkeit. Dass sie den bereits vor einem Jahr geplanten Auftritt aufgrund einer Chemotherapie absagen musste und nun, nach der kurzfristigen Absage von Annelie Sophie Müller, zu ihrer eigenen Einspringerin wurde, erfährt man im kurzen Interview.

Ungeheuer präsent und zugespitzt dann die Wiedergabe der Konzert-Ouvertüre (Op. 21) von Mendelssohn Bartholdy zu „Ein Sommernachtstraum“. Lediglich das folgende Intermezzo (Op. 61 Nr. 5) kommt für ein Allegro appassionato in Sachen Binnenspannung ein wenig zu kurz.

Autor: Harry Schmidt

Gedenkkonzert 100 Jahre Uhlandbau Mühlacker: Auf Abstand und online zu sehen

Peter Wallingers Kammersinfonie und Maria Rebekka Stöhr mit Mahlers „Rückert-Liedern“

Nur wenige Besucher waren beim Konzert in Mühlacker zugelassen. Foto: Meyer 

Mühlacker. Die Orchester-Lieder Gustav Mahlers bleiben ein Geheimnis an Traum und Entrücktheit, ein romantischer Gang nach Innen. Beim Konzert mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau, das als „Gedenkkonzert zum 100. Jubiläum“ des Hauses konzipiert worden war und – wieder einmal wegen Corona – nur als Videoaufzeichnung stattfinden konnte, erlebte eine begrenzte Besucherzahl Mahler und seine Rückert-Lieder in intensiven Musik-Momenten.

Was der Dichter Friedrich Rückert in und mit seinen gefühligen Versen empfunden haben mag, verwandelten die Mühlacker Interpreten, das von Wallinger geleitete Orchester und die Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr in verzaubernde Liedmusik. Mit gewissermaßen verschleierter Stimme tastete sich die Sängerin in die intimen lyrischen Texte und magischen Wort-Ton-Verbindungen hinein. Das Instrumental-Ensemble versuchte mit sorgfältiger Phrasierung und klangvoller Orchestersprache, zum Kern jeden Liedes vorzudringen, und trug zur Ausdrucksvertiefung bei.

Unerhört zart, gleichsam schwerelos luftig und fast ein wenig zaghaft interpretierte Stöhr mit ihrem klangschön verhangenen Timbre das Lied „Ich atmet‘ einen linden Duft!“, indem sie die Tonschleifen über gedämpften Violinen mit fein gezeichneten Bögen zelebrierte.

In der intim-dunklen Liedkomposition „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ ergänzten wunderschöne Melodielinien solistisch eingesetzter Instrumente – vor allem das Englischhorn und silbrig glitzernder Harfen-Rausch – den Gesang. Der erinnerte „besinnlich sinnend“ an Kundrys Geisterstimme in Richard Wagners „Parsifal“. Ergreifend wirkte das – von Mahler für seine Frau Alma komponierte – Liebeslied „Liebst du um Schönheit“, dessen betonte Schlusszeile „Dich lieb‘ ich immerdar“ die Mezzosopranistin in lyrischem Melos ausschwingen ließ.

Kompositionen aus dem Repertoire populärer Klassik umrahmten die Mahler-Lieder. Selten hört man die Ouvertüre zu Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ so schwungvoll wiedergegeben, wie an diesem Abend. Die Kammersinfonie spielte nicht wie sonst auf der Uhlandbau-Bühne, sondern im Publikums-Saal, der mehr Platz für die in Abständen platzierten Instrumentalisten und die Videoaufnahmetechnik bot, aber auch akustisch eine voluminöse Klangentfaltung unterstützte. Die abschließend musizierten Kompositionen von Mendelssohn Bartholdy, Stücke aus seinem „Sommernachtstraum“, bestätigten diesen Eindruck.

Das knapp einstündige Konzert wird ab 4. Dezember im Internet auf www.sueddeutsche-kammersinfonie.de oder auf www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto zu sehen sein.

Autor: Eckehard Uhlig

Programm 2022


Donnerstag 13. Januar 2022 20.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“

als Video-Aufzeichnung mit begrenzter Besucherzahl – Veröffentlichung ab
Sonntag, 16. Januar auf dieser Seite.


Sonntag 16. Januar 2022
Kelter Bietigheim-Bissingen

Das Konzert kann als Video-Aufzeichnung
auf dieser Seite verfolgt werden.

Neujahrskonzert 2022

„Dennoch…“ – denn noch klingt die Musik.

Solist: Sebastian Manz · Klarinette
Sprecher: Johann Michael Schneider
Leitung: Peter Wallinger

Astor Piazzolla – Café 1930
aus „L‘Histoire du Tango“

George Gershwin – „Promenade
Walking the dog“ 

Gideon Klein – „Partita“ für Streicher
Lento (Variationen über ein mährisches Volkslied)

Carl Maria Weber – „Fantasia“
aus dem Klarinetten-Quintett op. 34

Helmut Eisel – „Israeli-Suite“
Klezmer-Medley

Texte von Hilde Domin u.a.

Neujahrskonzert 2022

„Dennoch…“ – denn noch klingt die Musik.

Solist: Sebastian Manz · Klarinette
Sprecher: Johann Michael Schneider
Leitung: Peter Wallinger

Astor Piazzolla – Café 1930
aus „L‘Histoire du Tango“

George Gershwin – „Promenade
Walking the dog“ 

Gideon Klein – „Partita“ für Streicher
Lento (Variationen über ein mährisches Volkslied)

Carl Maria Weber – „Fantasia“
aus dem Klarinetten-Quintett op. 34

Helmut Eisel – „Israeli-Suite“
Klezmer-Medley

Texte von Hilde Domin u.a.



Mo 28.03. bis Mi 30.03.2022
jeweils 9.15 und 10.45 Uhr
Kelter Bietigheim

Schülerkonzerte 2022

„Beethoven zieht wieder um…“

Musiktheaterstück für Kinder
der Klassen 1 bis 5
Ensemble der Kammersinfonie
Pyrmonter Theater Companie
Leitung: Jörg Schade
->Weitere Informationen


Fr 01.04.2022
9.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker

Schülerkonzerte 2022

„Beethoven zieht wieder um…“

Musiktheaterstück für Kinder
der Klassen 1 bis 5
Ensemble der Kammersinfonie
Pyrmonter Theater Companie
Leitung: Jörg Schade
->Weitere Informationen



Do 31.03.2022
9 Uhr und 10.30 Uhr
Uhlandbau Mühlacker

Schülerkonzerte 2022

„Beethoven zieht wieder um…“

Musiktheaterstück für Kinder
der Klassen 1 bis 5
Ensemble der Kammersinfonie
Pyrmonter Theater Companie
Leitung: Jörg Schade
->Weitere Informationen



Samstag 23. April 20.00 Uhr
Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen
Einführung 19.15 Uhr

Frühjahrskonzert 2022

„La Passione“

Solistinnen:
Sachiko Kobayashi · Violine
Tomoko Yamasaki · Viola
Leitung: 
Peter Wallinger & Simon Wallinger
Rezitation:
Johann-Michael Schneider

Georges Bizet · Prélude aus “Carmen”

Chr. W. Gluck · „Tanz der Furien“ aus
„Don Juan“

Joseph Haydn · Sinfonie Nr. 49 f-moll
“La Passione”

W.A. Mozart · Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364, für Violine, Viola und Orchester 

Friedrich Schiller · Zwei Gedichte
„Der Antritt des neuen Jahrhinderts“ (1801)
„Die Worte des Wahns“ (1799)



Sonntag 24. April 17.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“
Einführung 16.15 Uhr

Frühjahrskonzert 2022

„La Passione“

Solistinnen:
Sachiko Kobayashi · Violine
Tomoko Yamasaki · Viola
Leitung: 
Peter Wallinger & Simon Wallinger
Rezitation:
Johann-Michael Schneider

Georges Bizet · Prélude aus “Carmen”

Chr. W. Gluck · „Tanz der Furien“ aus
„Don Juan“

Joseph Haydn · Sinfonie Nr. 49 f-moll
“La Passione”

W.A. Mozart · Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364, für Violine, Viola und Orchester 

Friedrich Schiller · Zwei Gedichte
„Der Antritt des neuen Jahrhinderts“ (1801)
„Die Worte des Wahns“ (1799)



Sonntag, 10. Juli 2022 11.00 Uhr
Frauenkirche Lienzingen
Festival „Musikalischer Sommer“



Sonntag, 10. Juli 2022 19.00 Uhr
Pauluskirche Bietigheim-Bissingen
Gröningerweg 14

Sommerliche Serenade 2022

„Nordische Impressionen“

Solistin: Ursula Schoch · Violine
Leitung: Simon und Peter Wallinger

M. Bruch · Serenade auf schwedische Volksmelodien
J. Sibelius · Zwei Humoresken op. 89
J. Svendsen · Romanze G-Dur op. 26
Isländische Melodie op. 30
A. Pärt · „Vater unser” (Arrang.)
Solo-Cello: Chihiro Saito
E. Grieg · „Aus Holbergs Zeit“
Suite für Streichorchester op. 40

-> weitere Informationen

Sommerliche Serenade 2022

„Nordische Impressionen“

Solistin: Ursula Schoch · Violine
Leitung: Simon und Peter Wallinger

M. Bruch · Serenade auf schwedische Volksmelodien
J. Sibelius · Zwei Humoresken op. 89
J. Svendsen · Romanze G-Dur op. 26
Isländische Melodie op. 30
A. Pärt · „Vater unser” (Arrang.)
Solo-Cello: Chihiro Saito
E. Grieg · „Aus Holbergs Zeit“
Suite für Streichorchester op. 40

-> weitere Informationen



Samstag, 03. Dezember 2022 19 Uhr
Kronenzentrum Bietigheim
Einführung 18.15 Uhr

Adventskonzert 2022

Solist: Sebastian Manz · Klarinette
Leitung: Simon und Peter Wallinger

J. Haydn · Sinfonie Nr.81 G-Dur

M. Weinberg · Kammersinfonie Nr. 2
op.147

W.A. Mozart · Klarinettenkonzert A-Dur
KV 622



Sonntag, 04. Dezember 2022 17 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“
Einführung 16.15 Uhr

Adventskonzert 2022

Solist: Sebastian Manz · Klarinette
Leitung: Simon und Peter Wallinger

J. Haydn · Sinfonie Nr.81 G-Dur

M. Weinberg · Kammersinfonie Nr. 2
op.147

W.A. Mozart · Klarinettenkonzert A-Dur
KV 622

Corona wirbelt alle Pläne durcheinander

Peter Wallinger und die Musiker der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ müssen kurzfristig umdisponieren. Konzertmacher gibt nicht auf und sucht immer wieder neue Wege. Engagement stößt bei Künstlern und dem Publikum auf Zuspruch.

Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ wollte am vergangenen Wochenende zwei Konzerte geben – jenes in Bietigheim wurde jedoch abgesagt, und im Uhlandbau wurde ein Videomitschnitt erstellt, der am Wochenende des zweiten Advents ins Netz gestellt werden soll. 
Fotos: Friedrich

Mühlacker. Eigentlich wollten die Musiker der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter ihrem Dirigenten und Leiter Peter Wallinger am Wochenende zwei Konzerte geben: am Samstagabend in Bietigheim und am Sonntag im Uhlandbau in Mühlacker. Ersteres wurde abgesagt, das zweite musste kurzfristig in eine Aufzeichnung umgewandelt werden, die ab dem zweiten Adventswochenende im Internet zu erleben sein soll.

„In meiner mehr als 40-jährigen Laufbahn gab es noch nie so viel Bewegung wie in den letzten Monaten, Wochen, Tagen, ja Stunden“, räumte Wallinger gegenüber unserer Redaktion ein. Erst sei die Absage aus Bietigheim gekommen, dann hatte man sich dazu entschlossen, auch das Konzert in Mühlacker nicht öffentlich, sondern in Form der Aufzeichnung stattfinden zu lassen. „Es hatte sich eine Verschärfung der Lage abgezeichnet, und vom Landrat kam der dringende Rat, keine größeren Veranstaltungen durchzuführen.“ Verboten seien solche Veranstaltungen zwar nicht gewesen, betont Wallinger, zumal wenn sie unter 2-G-Bedingungen stattfinden, „aber man hat schon seine Bedenken.“ Innerhalb kürzester Zeit mussten Wallinger und sein Team also eine Videoproduktion samt Tonmeister finden. Zugleich war klar, dass das Orchester während der Aufzeichnung nicht auf der Bühne, sondern im Saal spielen musste, damit die Mindestabstände gewahrt bleiben. „Ein dichtes Gedränge auf der Bühne und ohne Maske wäre zu riskant gewesen“, so Wallinger.

Am Dienstag vor dem Konzert kam dann die nächste Hiobsbotschaft: Die eigentlich eingeplante Solistin aus Berlin musste aufgrund einer schweren Erkältung absagen. Nun stand plötzlich auch die Aufzeichnung auf der Kippe. Trotzdem haben die Organisatoren nach einem Ersatz gesucht; keine leichte Aufgabe, weiß Wallinger. „Es ist ein sehr anspruchsvoller Part“. Fündig geworden sind sie in München bei Maria Rebekka Stöhr, die zwar auch gesundheitlich leicht angeschlagen war, aber das Zeichen gab: Sie wagt es. Das Programm musste allerdings kurzfristig geändert werden, weil für die Mezzosopranistin zu wenig Zeit blieb, die eigentlich geplanten „Lieder eines fahrenden Gesellen“ von Gustav Mahler einzustudieren. Sie schlug stattdessen drei andere Lieder von Mahler vor.

Nun war es an Wallinger und seinen Mitstreitern, schnellstmöglich die Noten dafür zu organisieren und diese mit der Kammersinfonie einzustudieren. Das ist offenkundig gelungen. Bei der Aufzeichnung am Sonntag war von der Hektik im Vorfeld jedenfalls nichts mehr zu spüren. Souverän meisterten Solistin und Orchester diesen Part.

Dabei war Wallinger dienstags zuvor schon fast so weit gewesen, einfach alles abzusagen. „Ich habe erst einmal tief Luft geholt und überlegt, was wir machen.“ Seine Grundhaltung, die ihn in Pandemiezeiten auch schon bei den Konzerten in Lienzingen ausgezeichnet hat, möglichst alle Veranstaltungen durchzubekommen und nicht aufzugeben – trotz aller Widrigkeiten –, hat hier ebenso geholfen, wie der Umstand, dass Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr kurzfristig eingesprungen ist.

„Es ist total wichtig, dass man die Musikkultur aufrechterhält und nicht zu schnell aufgibt“, betont Wallinger, auch wenn er weiß, dass es dafür ein enormes Durchhaltevermögen braucht. „Das geht ja jetzt schon fast zwei Jahre so.“ Bei Publikum und Musikern stößt sein Engagement deshalb auf Zuspruch: Gerade die Musiker seien froh, wenn sie spielen können – besonders die Freischaffenden, die natürlich von solchen Engagements leben. Trotzdem hat Wallinger auch hier improvisieren müssen. Einige seiner Musiker spielen nämlich in großen Orchestern, in Stuttgart und Karlsruhe. „Sie haben vor etwa zehn Tagen ein Programm reingedrückt gekriegt und mussten an dem Wochenende spielen.“ Für Solohorn und Soloklarinette musste Wallinger daher ebenfalls Ersatz besorgen. Auch das ist ihm gelungen.

Davon haben sich nicht nur die 50 Besucher überzeugen können, die bei der Aufzeichnung dabei sein durften; davon wird man auch im Stream einen guten Eindruck bekommen, gleichwohl er natürlich nur bedingt die Atmosphäre eines Konzertsaals abbilden kann. Wahrscheinlich wird man sich vorerst aber wieder daran gewöhnen müssen, befürchtet Wallinger. Möglicherweise wird nämlich auch das Neujahrskonzert nur als Aufzeichnung stattfinden können. So wie es bei diesem Konzert der Fall war, das ab dem 4. Dezember auf den Webseiten www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto / bzw. www.sueddeutsche-kammersinfonie.de abrufbar ist.

Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr übernimmt kurzfristig den Solopart.

Autor: Stefan Friedrich

Jenseits des Klangrepertoires

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt in der Lienzinger Frauenkirche

In Aktion: Die SKB bei der „Sommerlichen Serenade“. Foto: Theresa Mammel/p

LIENZINGEN. Auch unter Pandemiebedingungen lässt Peter Wallinger nicht locker. Die Advents-, Neujahrs- und Frühjahrskonzerte hatte der Maulbronner Dirigent noch als Videoaufzeichnungen produziert und kostenfrei ins Netz gestellt, die traditionelle „Sommerliche Serenade“ seiner Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche ist für seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) nun der erste Auftritt vor Publikum seit langer Zeit. Einmal am Samstagabend, einmal am Sonntagvormittag gespielt, jeweils ausverkauft vor 110 Besuchern, erklingt in einem flirrenden, sommerlich leichten Programmbogen sogar eine Uraufführung: Mit „L’Oiseau bleu“ für Harfe und Streicher (op. 89) kommt ein neues Werk des britisch- französisch-israelischen Komponisten Nimrod Borenstein erstmals zu Gehör. Gewidmet der Harfenistin Anne-Sophie Bertrand, sollte das höchst filigrane Stück für Soloharfe und Streichorchester ursprünglich im vergangenen Jahr in Cardiff uraufgeführt werden. Nachdem dies pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, ging die Soloharfenistin des hr Symphonieorchesters Frankfurt mit der Idee, die Weltpremiere mit den Streichern der SKB zu realisieren, auf Wallinger zu, mit dem sie eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Die Vertrautheit zahlt sich aus: In de Überlagerung verschiedener Rhythmen angelegt, birgt „L’Oiseau bleu“ einige Herausforderungen für die Musiker, reiht unterschiedliche Bilder vom Walzer über Märchenhaftes bis zu dramatischen Episoden – durchaus in einem neoimpressionistischen Sinn –, geht in manchem aber über seinen klassizistischen Ansatz hinaus und führt die Harfe punktuell auch in Bereiche jenseits des im Instrument angelegten Klangrepertoires der Akkordbrechungen, Glissandi und Triller – Echowirkungen sind da nur eine Möglichkeit.

Geschmeidig und elegant, zuweilen aber auch fulminant und teilweise glashart greift Bertrand in die Saiten, frappierend schließlich die nahezu akrobatische Klimax der metrisch zunehmend vertrackteren Komposition. Verdient der begeisterte Applaus des dankbaren, auf Abstand gesetzten Publikums – für die fabelhafte Solistin, die grandios aufmerksame und präzise SKB und wohl auch für den nicht anwesenden Komponisten.

Mit Joaquin Turinas „La Oración del Torero“ (Das Gebet des Toreros, 1925 entstanden) und Claude Debussys „Danse sacrée et Danse profane“ (1904) hat Wallinger diese Sternstunde mit einem passenden Rahmen versehen, für den der Impressionismus den roten Faden bildet. In Pablo Casals’ „El cant dels Ocells“ (Der Gesang der Vögel) ist Chihiro Saito eine wunderbare Solistin. Versöhnlich und hoffnungsfroh der Ausklang mit Edward Elgars „Serenade emoll“ (op. 20), Wallingers Körper mal pulsierendes Zentrum, mal feinste Nuancen abmessend, aber stets mit jeder Faser Musik.

INFO: Eine Videoaufzeichnung der „Sommerlichen Serenade“ wird in wenigen Tagen unter
www.sueddeutsche-kammersinfonie.de und www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto abrufbar sein.

Autor: Harry Schmidt

Die etwas anderen Seiten der Harfe

Komposition „L’Oiseau bleu“ beim Festival „Musikalischer Sommer“ uraufgeführt.

Peter Wallinger leitet die Borenstein-Uraufführung mit der Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in der Lienzinger Frauenkirche. Foto: Mammel

Mühlacker-Lienzingen. Mit „L’Oiseau bleu“ für Harfe und Streicher (op. 89) kommt bei Peter Wallingers Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche ein neues Werk des britisch-französisch-israelischen Komponisten Nimrod Borenstein erstmals zu Gehör. Gewidmet der Harfenistin Anne-Sophie Bertrand, sollte das höchst filigrane Stück für Soloharfe und Streichorchester ursprünglich im vergangenen Jahr in Cardiff uraufgeführt werden. Nachdem dies pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, ging die Soloharfenistin des           hr-Symphonieorchesters Frankfurt mit der Idee, die Weltpremiere mit den Streichern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zu realisieren, auf Wallinger zu, mit dem sie eine langjährige Zusammenarbeit verbindet.

Die Vertrautheit zahlt sich aus: In der Überlagerung verschiedener Rhythmen polyrhythmisch angelegt, birgt „L’Oiseau bleu“ einige Herausforderungen für die Musiker, reiht unterschiedliche Bilder vom Walzer über Märchenhaftes bis zu dramatischen Episoden – durchaus in einem neo-impressionistischen Sinn, geht in manchem aber über seinen klassizistischen Ansatz hinaus und führt die Harfe punktuell in Bereiche jenseits des im Instrument angelegten Klangrepertoires der Akkordbrechungen, Glissandi und Triller.

Geschmeidig und elegant, zuweilen aber auch fulminant und teilweise glashart greift Bertrand in die Saiten, frappierend schließlich die nahezu akrobatische Klimax der metrisch zunehmend vertrackteren Komposition. Verdient der begeisterte Applaus des dankbaren, auf Abstand gesetzten Publikums – für die fabelhafte Solistin, das aufmerksame und präzise Orchester, und wohl auch für den nicht anwesenden Komponisten. Mit Joaquin Turinas „La Oración del Torero“ (Das Gebet des Toreros, 1925 entstanden) und Claude Debussys „Danse sacrée et Danse profane“ (1904) hat Wallinger diese Sternstunde mit einem passenden Rahmen versehen, für den der Impressionismus den roten Faden bildet. In Pablo Casals’ „El cant dels Ocells“ (Der Gesang der Vögel) ist Chihiro Saito eine wunderbare Solistin. Versöhnlich und hoffnungsfroh der Ausklang mit Edward Elgars „Serenade e-Moll“ (op. 20).

Autor: Harry Schmidt

Akkorde schweben durch den Raum

Mit einer Weltpremiere wartet der „Musikalische Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche auf. Dort erklingt erstmals öffentlich das Konzert für Harfe und Orchester „L’Oiseau bleu – Der blaue Vogel“. Das Publikum feiert die Musiker.

Die international renommierte Harfenistin Anne-Sophie Bertrand beeindruckt mir ihrem berührenden Spiel die vielen Zuhörer in der Frauenkirche. Foto: Filitz

Mühlacker-Lienzingen. Nach dem erfolgreichen Auftakt mit zwei Auftritten im Juni fand nun das Festival „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche seine Fortsetzung. Unter Leitung von Peter Wallinger musizierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in kleiner Besetzung. Geboten wurde eine „Sommerliche Serenade“ mit Werken von europäischen Komponisten der Spätromantik bis hin in die Gegenwart mit „neuer“ Musik.

Spanisch begann diese außergewöhnliche Konzertstunde mit „La oracion del torero – Gebet des Toreros“ des in Sevilla geborenen Komponisten Joaquin Turina. Kernpunkt seines Schaffens waren die Sitten und Gebräuche seiner Heimat Andalusien, darunter als unverzichtbare Komponente der Stierkampf. Laut Überlieferung habe ihn die Beobachtung eines betenden Toreros vor Kampfbeginn inspiriert, dessen emotionale Empfindungen in Noten festzuhalten. Eine Herausforderung für die Musiker, mit fein-transparentem Bogenstrich diesen Gefühlen nachzuspüren. Fast geheimnisvoll die ersten Takte, nach tänzerischen Anklängen ein dramatischer Ausbruch, der wohl den Höhepunkt des Kampfes erfasst, ehe in ruhig dahinfließenden Klangbildern das eigentliche Gebet angestimmt wird. Mit stillem Ausklang hat der Torero Kraft und Frieden gefunden. Unter der subtilen Stabführung ihres Dirigenten gelang es dem Ensemble, die Intentionen des Komponisten nachhaltig umzusetzen. Das Publikum war begeistert.

Sind sonst Uraufführungen von Werken bedeutender Komponisten das Privileg großer Konzerthäuser wie der Royal Festival Hall in London, der Tonhalle in Zürich oder der Carnegie Hall in New York, so fand am Samstag eine solche Weltpremiere in der kleinen Frauenkirche statt. Der britisch-französisch-israelische Komponist Nimrod Borenstein, Jahrgang 1969, hat sein Konzert für Harfe und Orchester „L’Oiseau bleu – Der blaue Vogel“ der renommierten und international mit höchsten Preisen ausgezeichneten Harfenistin Anne-Sophie Bertrand gewidmet. Corona-bedingt musste die bereits für Juli 2020 in Cardiff geplante Uraufführung ausfallen und wurde nun der Kammersinfonie anvertraut. „Ich wollte ein Stück schreiben, in dem die Harfe lyrisch, ja magisch klingt – so wie man sich eigentlich Feenmusik vorstellen würde“, schreibt der Komponist über sein Werk. Wallinger klassifizierte den blauen Vogel als ein interessantes, höchst filigranes Werk. Eingestimmt mit zartem Zupfen, dann mit hellem Harfenklang startet der Vogel zu seinen Höhenflügen, ruft keck, macht Rast und meldet sich erneut mit zwitscherndem Harfenklang – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Ob nun der Hauch von schwebenden Feen zu spüren war, mag jeder Zuhörer für sich entscheiden. Perlenden Harfenklängen begegneten die Streicher doch recht prägnant. Jedoch der Schluss beglückte: Ganz zart und behutsam vom pizzicato des Kontrabasses getragen, schien nun ein unbestimmtes Etwas, eingehüllt in leise verklingende Harfenakkorde, durch den Raum zu schweben.

Als Solistin war Anne Sophie Bertrand noch mit den „Danse sacrée et Dance profane“ von Claude Debussy zu hören.  Tosend der Beifall, das Publikum ließ sie nicht gehen. Zwei Zugaben machten das Glück vollkommen. Denn ihre Wiedergabe der „Lerche“ des russischen Komponisten Michail Glinkas und von „La source – die Quelle“ des belgischen Komponisten Alphonse Hasselmans übertrafen alles, was die Solistin an diesem Abend bisher geboten hatte – und das war bereits tief beeindruckend gewesen. Die ganze Palette menschlicher Gefühle, aber auch Irrungen und Wirrungen, schloss die Solistin in ihr Spiel ein. Die Gesichter der Zuhörer glichen Stimmungsbildern, als sie zum Beispiel die Quelle so munter dahin sprudeln ließ.

Die Musiker der Kammersinfonie folgten mit großer Spielfreude dem stets einfühlsamen Dirigat Peter Wallingers. Der Kirchenraum füllte sich mit singendem Celloklang, als die Solocellistin der Kammersinfonie Chihiro Saito von Pablo Casals das „El Cant dels Ocells – Gesang der Vögel“ anstimmte, getragen von der in allen Passagen behutsamen Begleitung des Ensembles.

Am Schluss des so facettenreichen Konzertprogramms präsentierte sich die Kammersinfonie noch einmal in voller Klangpracht mit der Serenade für Streichorchester opus 20 des englischen Komponisten Edward Elgar. Auch die Orchestermusiker wurden mit Beifall überschüttet, viele Worte aufrichtigen Dankes fielen. Noch einmal griffen die Musiker zu ihren Instrumenten. Bis zum letzten Ton genossen die Zuschauer die Elgar-Zugabe, ehe sie glücklich und zufrieden hinaus in den lauen Sommerabend gingen. Um der Nachfrage zu genügen, wurde das Konzert am Sonntagvormittag wiederholt.

Autorin: Eva Filitz

Eine Weltpremiere in der Lienzinger Frauenkirche

Die Reihe „Musikalischer Sommer“ hatte am Samstagabend etwas ganz Besonderes zu bieten: Die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim durfte das der Harfenistin
Anne-Sophie Bertrand gewidmete Konzert „L’Oiseau bleu“ des zeitgenössischen Komponisten Nimrod Borenstein der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand beglückte mir ihrem berührenden Spiel die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Frauenkirche. Foto: Filitz

LIENZINGEN. Nach dem erfolgreichen Auftakt mit zwei Auftritten im Juni fand am vergangenen Wochenende das Festival „Musikalischer Sommer“ wie geplant in der Lienzinger Frauenkirche seine Fortsetzung. Unter Leitung von Peter Wallinger musizierte die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in kleiner Besetzung mit drei ersten und zwei zweiten Violinen, zwei Violen, zwei Violoncelli und einem Kontrabass. Geboten wurde eine „Sommerliche Serenade“ mit Werken von europäischen Komponisten der Spätromantik bis hin in die Gegenwart mit „neuer“ Musik. Die Namen waren teils unbekannt. Doch die Neugier war offensichtlich geweckt, wie die voll besetzten Kirchenbänke bewiesen. Zudem war eine international berühmte Solistin angekündigt. Eine goldglänzende Harfe inmitten der zehn Pulte zog die Blicke auf sich und sorgte für gespannte Erwartung. Spanisch begann dies außergewöhnliche Konzertstunde mit „La oracion del torero – Gebet des Toreros“ des in Sevilla geborenen
Komponisten Joaquin Turina (1882-1949). Kernpunkt seines Schaffens waren die Sitten und Gebräuche seiner Heimat Andalusien, darunter als unverzichtbare Komponente der Stierkampf. Laut Überlieferung hat ihn die Beobachtung eines betenden Toreros vor Kampfbeginn inspiriert, dessen emotionale Empfindungen in Noten festzuhalten.

Eine Herausforderung für die Musiker, mit feinem transparenten Bogenstrich diesen Gefühlen nachzuspüren und sie dem Zuhörer nachvollziehbar zu Gehör zu bringen. Fast geheimnisvoll die ersten Takte, nach tänzerischen Anklängen ein dramatischer Ausbruch, der wohl den Höhepunkt des Kampfes erfasst, ehe in ruhig dahinfließenden Klangbildern das eigentliche Gebet angestimmt wird. Kurz wiederholen sich zum Schluss einige der tänzerischen Momente. Mit stillem Ausklang hat der Torero Kraft und seien Frieden gefunden. Unter der subtilen Stabführung ihres Dirigenten gelang es dem Ensemble, die Intentionen des Komponisten nachhaltig umzusetzen. Das Publikum war begeistert über diesen vielversprechenden Auftakt.

Und schon war der Höhepunkt des Abends gekommen. Sind sonst Uraufführungen von Werken bedeutender Komponisten das Privileg großer Konzerthäuser wie der Royal Festival Hall in London, der Tonhalle in Zürich oder der Carnegie Hall in New York, so fand am Samstag eine solche Weltpremiere in der kleinen Frauenkirche statt. Der britisch-französisch-israelische Komponist Nimrod Borenstein, Jahrgang 1969, hat sein Konzert für Harfe und Orchester „L’Oiseau bleu – Der blaue Vogel“ der renommierten und international mit höchsten Preisen ausgezeichneten Harfenistin Anne-Sophie Bertrand gewidmet. Coronabedingt musste die bereits für Juli 2020 in Cardiff geplante Uraufführung ausfallen und wurde nun der Kammersinfonie anvertraut. Betrand war in Lienzingen keine Unbekannte. Die Zusammenarbeit mit ihr begann bereits im Januar 2012. Nach den bisherigen Aufführungen klassischer Kompositionen für Harfe nun also eine zeitgenössische Borenstein-Komposition. „Ich wollte ein Stück schreiben, in dem die Harfe lyrisch, ja magisch klingt – so wie man sich eigentlich Feenmusik vorstellen würde“, schreibt der Komponist über sein Werk. Eine Vielzahl unterschiedlicher Atmosphären wolle er schaffen, bestimmte Charakteristiken hervorheben, verschiedene Stimmungsbilder aufbauen und mit Kontrasten wesentliche Aspekte zwischen Musik und Kunst aufzeigen.

Wallinger klassifizierte den blauen Vogel als ein interessantes, höchst filigranes Werk. Eingestimmt mit zarten pizzicati, dann mit hellem Harfenklang startet der Vogel zu seinen Höhenflügen, ruft mit keckem Ton, macht Rast, und meldet sich erneut mit zwitscherndem Harfenklang – der Fantasie waren scheinbar keine Grenzen gesetzt. Ob nun der Hauch von schwebenden Feen zu spüren war, mag jeder Zuhörer für sich entscheiden. Perlenden Harfenklängen begegneten die Streicher doch recht prägnant. Jedoch der Schluss beglückte. Ganz zart und behutsam vom pizzicato des Kontrabasses getragen, schien nun doch ein unbestimmtes Etwas, eingehüllt in leise verklingende Harfenakkorde, durch den Raum zu schweben.

Als Solistin war Anne-Sophie Bertrand noch mit den „Danse sacrée et Dance profane“ von Claude Debussy (1862-1918) zu hören. Hierbei galt es für Harfe und Streicher transparent zu differenzieren zwischen der fast geheimnisvoll klingenden strengen geistlichen Aura und dem lebhaften, eher weltlichen, mit schwingenden Walzerklang untermalten städtischen Gehabe. Tosend der Beifall, als Bertrand sich nun verabschieden wollte. Doch das Publikum ließ sie nicht gehen, die Begeisterung und der Beifall waren riesengroß.

Was geschah? Nicht nur eine, sondern zwei Zugaben gab die Harfenistin. Denn ihre Wiedergabe „Die Lerche“ des russischen Komponisten Michail Glinkas und „La source – die Quelle“, die berühmteste Komposition des belgischen Komponisten Alphonse Hasselmans, übertraf alles, was die Solistin an diesem Abend bisher geboten hatte – und das war bereits tief beeindruckend gewesen. Es ist müßig, Einzelheiten ihrer Interpretationen noch hervorzuheben – sie waren tief berührend, aber auch erheiternd. Die ganze Palette menschlicher Gefühle, aber auch Irrungen und Wirrungen, schloss die Solistin in ihr Spiel ein. Die Gesichter der Zuhörer glichen Stimmungsbildern, als sie zum Beispiel die Quelle so munter dahin sprudeln ließ.

Vergessen werden darf nicht das harmonische Zusammenspiel mit allen Musikern der Kammersinfonie, die mit großer Spielfreude dem stets einfühlsamen Dirigat Wallingers folgten. Der Kirchenraumfüllte sich mit singendem Celloklang, als die Solocellistin der Kammersinfonie, Chihiro Saito, von Pablo Casals das „El Cant dels Ocells – Gesang der Vögel“ anstimmte, getragen von der in allen Passagen behutsamen Begleitung des Ensembles. Immerhin galt es 32 Vogelstimmen erkenntlich zu intonieren. Am Schluss des so facettenreichen Konzertprogramms präsentierte sich die Kammersinfonie noch einmal in voller Klangpracht mit der Serenade für Streichorchester op. 20 des englischen Komponisten Edward Elgar (1857-1934). Ernste Töne im ersten Satz glitten in Elegie im zweiten hinüber, ehe der dritte mit einem Allegretto heiter ausklang. Auch die Musiker der Kammersinfonie wurden mit Beifall überschüttet, viele Worte aufrichtigen Dankes fielen. Noch einmal griffen die Musiker zu ihren Instrumenten. Bis zum letzten Ton genossen die Zuschauer die Elgar-Zugabe, ehe sie glücklich und zufrieden hinaus in den lauen Sommerabend gingen.

Um der Nachfrage zu genügen, wurde das Konzert am Sonntagvormittag wiederholt.

Autorin: Eva Filitz