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Rafael Wallinger

„Ich gebe immer tausend Prozent“

Der Ingersheimer Countertenor Nils Wanderer ist international auf großen Bühnen zu Hause. Jetzt wirkt der 29-Jährige an den Neujahrskonzerten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit.

KILLARNEY/BIETIGHEIM-BISSINGEN. Der in Ludwigsburg geborene Countertenor Nils Wanderer bat als Stipendiat des Barbican Centres prägende Jahre in London verbracht, wo er mit dem London Symphony Orchestra unter Leitung von Dirigenten wie Jordi Savall und Kent Nagano aufgetreten ist. Im vergangenen Jahr wurde der in Bietigheim-Bissingen aufgewachsene Sänger mit dem ersten Preis für die beste Barockarie beim Bundeswettbewerb Gesang und dem zweiten Preis bei Placido Domingos „Operalia“, dem größten Wettbewerb dieser Art, geehrt. Nun kehrt Wanderer in seine Heimat zurück und wird 2023 ein eigenes Festival aus der Taufe heben.

Zuvor ist er an diesem Wochenende neben dem jungen französischen Cellisten Arthur Cambreling als Solist in den Neujahrskonzerten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) zu hören. Wir erreichen den 29-Jährigen im südirischen Killarney – mit ein wenig Verspätung: Ein vom Sturm geknickter Baum hatte die Stromversorgung des Hauses, das er mit Freunden bewohnt, gekappt.

Guten Tag, Herr Wanderer. Konnten Sie die Sturmschäden beseitigen?

NILS WANDERER: Wir haben es vor einer halben Stunde hinbekommen: Jetzt ist der Akku wieder geladen und ich bin einsatzbereit! (lacht)

Killarney, London, Weimar, Tübingen, Ingersheim – hinsichtlich Ihres Lebensmittelpunkts kursieren unterschiedliche Informationen …

Nachdem ich Gesang an der Hochschule für Musik in Weimar in der Klasse von Prof. Siegfried Gohritz studiert hatte, habe ich in London gelebt und den Opera Course der Guildhall School of Music & Drama absolviert, ein zweijähriges Exzellenzprogramm für jeweils 24 postgraduierte Sängerinnen und Sänger. Irland ist eine der Stationen, an denen ich regelmäßig bin: Ich gebe hier eine Meisterklasse und singe an der Nationaloper. Deshalb pendele ich oft zwischen Dublin und Kerry, wo ich mit Freunden in einem Haus wohne. Zuvor hatte ich einen Erstwohnsitz in Tübingen, seit einem halben Jahr bin ich offiziell Ingersheimer, weil meine Eltern und Großeltern da leben, aber ich bin eigentlich immer unterwegs, vor allem momentan.

Am Wochenende werden Sie als Solist an den Neujahrskonzerten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mitwirken. Wie ist es dazu gekommen?

Peter Wallinger war mein Musiklehrer am Ellental Gymnasium, bevor ich ans Seminar Maulbronn gewechselt bin. Wir haben viele gemeinsame Freunde und Kollegen. Als der Kontakt nach mehreren Jahren wieder zustande kam, war mein erster Impuls: Ich bin so selten zu Hause, es wäre wirklich schön, auch in der Heimat wieder einmal auftreten zu können. Als Peter mir vor Weihnachten ein E-Mail schrieb, ob ich Lust hätte, an den Neujahrskonzerten mitzuwirken, traf sich das perfekt mit dem Wunsch, sich auch hier künstlerisch präsentieren zu dürfen. Sowohl im Uhlandbau als auch im Kronenzentrum stand ich schon auf der Bühne, im Kronensaal bereits in meiner Kindheit: Mit fünf Jahren war ich Solist im Knabenchor Capella Vocalis, der in Reutlingen und Besigheim aktiv ist, dazu erinnere ich ein „Sommernachtstraum“-Musical, da war ich vielleicht neun oder zehn. Es ist immer schön, zu den Wurzeln zurückkehren zu dürfen.

Royal Opera House, Teatro Massimo, Berliner Staatsoper – große Bühnen sind Ihnen nicht fremd. Worin besteht der besondere Reiz des kleineren Maßstabs der nun anstehenden Konzerte mit der SKB?

Es sind ganz klar die Menschen. Weil man mit Menschen arbeiten kann und für Menschen singt, die man sehr gut kennt, für ein offenes, persönlich zugewandtes und herzliches Publikum. Natürlich hat beides seinen Reiz – Teatro Massimo oder „kleine“ intime Kammermusikbühne -, aber ich gebe immer tausend Prozent, egal, ob es für eine Person oder für tausend Personen ist. Ich freue mich auf diese Konzerte genauso wie auf jedes andere, wenn nicht noch ein bisschen mehr!

Wie Ist das Programm entstanden?

Peter hat sich Vivaldis „Sovente il Sole“ aus der Oper „Andromeda liberata“ gewünscht, ich Henry Purcells „When I am laid in earth“. Das hat ihn wiederum dazu bewogen, Auszüge aus dessen Semi-Oper „The Fairy Queen“ nach Shakespeares „Sommernachtstraum“ hinzuzunehmen, gerahmt von Monteverdi und Bartoks „Rumänischen Volkstänzen“. Der Solist in Haydns Violoncello-Konzert C-Dur ist Arthur Cambreling, Johann Michael Schneider wird ausgesuchte Texte rezitieren.

2019 haben Sie bei den Klosterkonzerten Maulbronn „Dido and Aeneas“ inszeniert und die Partie der Zauberin sowie den Geist gesungen, nun werden Sie mit „When I am laid in earth“ eine der berührendsten Barockarien präsentieren. Worin bestehen die größten Herausforderungen des auch als „Didos Lament“ bekannten Stücks?

Zunächst muss ich den Zusammenhang im Stück verstehen: Wo steht Dido gerade? Was hat sie bis dahin durchgemacht? Und wo möchte sie hin? In ihrem Fall in den Tod. Sängerisch ist es wichtig, Text und Musik schlüssig zu verbinden. Für mich ist diese Arie ein barockes Juwel von einzigartigem Rang: Ich habe sie schon sehr oft gesungen. Vielleicht gibt es gleich schöne Musik, aber bestimmt keine schönere. Worauf es ankommt, ist, nicht zu versuchen, eine Emotion künstlich herzustellen, etwa das traurige noch trauriger, noch emotionaler zu gestalten, son­dern die Musik wirklich für sich sprechen zu lassen. Es ist egal, ob ich sie in Istanbul, in Palermo, in Indien, in Kanada singe – sie hat immer die gleiche Wirkung, weil sie so nah an den Menschen ist.

Was steht 2023 sonst noch an?

An der Staatsoper Hannover singe ich in Monteverdis „Orfeo“, in der Uraufführung des Musicals „Romeo und Julia“ im Theater des Westens die für mich geschriebene Countertenor-Partie des Todesengels. An der Oper Frankfurt werde ich als Tolomeo in Händels „Giulio Cesare“ auftreten. Nach einer zehntägigen Meisterklasse in Kerry werde ich auf Kanada und Amerikatour gehen. Und gegen Ende des Jahres wird, wenn alles gut läuft, der erste Teil meines ersten Albums erscheinen. Vor allem möchte ich aber viel mehr in der Heimat machen und die Neujahrskonzerte mit der SKB sind da ein sehr guter Anfang. Noch in diesem Jahr soll mein Festival „Wanderer zwischen den Welten“ an den Start gehen, das in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg entsteht.

INFO: Die SKB spielt am 14. Januar um 19.30 Uhr im Bürgersaal im Rathaus Murr, 15. Januar um 11 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker und um 17 Uhr in der Kelter in Bietigheim-Bissingen.

Autor: Harry Schmidt

Schon Mozart liebte den singenden Klang der Klarinette

Beim Adventskonzert im Uhlandbau Mühlacker sind die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und das Ausnahmetalent Sebastian Manz zu hören.

Klarinettist Sebastian Manz begeisterte die Zuhörerschaft im Uhlandbau.  Foto: Filitz

MÜHLACKER. Schöner hätte für Musikfreunde ein Adventssonntag nicht enden können. Im Rahmen ihrer MühlackerConcerto-Reihe musizierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Leitung von Peter und Simon Wallinger im Uhlandlandbau mit einem erlesenen Programm.

Peter Wallinger, der vor 38 Jahren die Kammersinfonie gegründet hat, stand am Pult und stimmte seine Musiker auf Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Klarinettenkonzert ein. Schon die ersten Takte versprachen ein wunderbares Konzerterlebnis in einem virtuosen Zusammenspiel mit dem Stargast des Abends, dem Klarinettisten Sebastian Manz. Ihm, dem Ausnahmetalent an der Klarinette, wurde die Musik gewissermaßen in die Wiege gelegt. Beide Eltern sind Pianisten. Sein Großvater, der international gefeierte russische Geiger Boris Goldstein (1922-1987), sorgte schon als Zehnjähriger für Furore, als er, begleitet vom Moskauer Rundfunkorchester, mit Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert im Radio zu hören war. Sein Enkel Sebastian, 1986 in Hannover geboren, war sieben, als er seine Liebe zur Klarinette entdeckte, mit elf begann er als Jungstudent an der Musikhochschule Lübeck zu studieren. Unter bedeutenden Lehrkräften, die sein Talent förderten, war auch die bekannte Klarinettistin Sabine Meyer.

Ein Markstein auf seinem Weg in den Olymp der Klarinettisten war 2008 sein Erfolg beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. Er gewann neben dem seit 40 Jahren nicht mehr vergebenen 1. Preis in der Kategorie Klarinette auch den begehrten Publikumspreis sowie weitere Sonderpreise. Einige Monate zuvor hat er gemeinsam mit seinem Klavierpartner Martin Klett auch den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen. 2011 erhielt er für seine Aufführung des Klarinettenkonzerts A-Dur       KV 622 von Mozart den Echo-Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres“.

Und mit diesem Spätwerk des genialen Komponisten glänzte Manz. Mozart liebte den singenden Klang der Klarinette und der Solist wusste alle Facetten dieses Werkes zu erfassen und dessen unvergängliche Klänge den Zuhörern, ohne Übertreibung, ans Herz zu legen. Melodien erklangen, taktweise ergreifend schlicht, aber von unglaublicher Intensität und Ausdrucksstärke.

Mozart komponierte das Konzert etwa zwei Monate vor seinem Tod. Trotz seines jungen Alters war er zu einer fast erschütternden Erkenntnis gelangt: „… da der Tod der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes!“, ist in einem Brief vom 4. April 1787 an seinen schwer erkrankten Vater nachzulesen. Ist es diesem Empfinden zuzuschreiben, dass in vielen von Mozarts Spätwerken hintergründig eine sanfte Melancholie mitzuschweben scheint? Manz wusste mit seinem unvergleichlichen Spiel alle schicksalshaften Nuancen offenzulegen. Besonders seine Wiedergabe des Adagios mit den tief berührenden, weiten, stimmungsvollen Klangbögen konnte in Traumwelten entführen.

Für den schier überbordenden Beifall bedankte er sich mit einer überraschenden Zugabe. Im Nu bildete er mit vier Streichern aus dem Orchester ein Quintett, das mit dem Adagio aus Mozarts Klarinettenquintett KV 581 – ebenfalls ein Spätwerk, komponiert 1789 – die Zuhörer erneut mit klanglichem und melodischem Zauber beschenkte.

Nach der Pause hatte zunächst Simon Wallinger das Wort und bereitete das Publikum auf einen einschneidenden musikalischen Kontrast vor. Er stellte den nächsten Komponisten vor: Mieczyslaw Weinberg (1919- 1996), dessen Klangwelt eine ganz andere war als die von Mozart. Unter Leitung von Peter Wallinger war das Orchester auch diesem Wechsel gewachsen. Dessen abwechslungsreiche und pointierte Interpretation des „Moderato“ aus der Kammersinfonie Nr. 2, op. 147 bot ein teils befremdendes, aber dennoch auf hoher Ebene stehendes Klangerlebnis. „Es ist dies der Auftakt zu einem neuen Weinberg-Zyklus, den wir in nachfolgenden Konzerten fortsetzen“, hatte Simon Wallinger zuvor informiert.

Der Junior, erfahrener Kontrabassist, Cembalist und Pianist, hat sich nach seiner Ausbildung in Meisterkursen auch bereits als Dirigent Meriten erworben. Zum Abschluss des bis dahin so bereichernden Adventskonzertes leitete er die Kammersinfonie. Eine Rückkehr zu gewohnteren Klangfarben bot ihm die reizvolle Wiedergabe der Sinfonie Nr. 81 G-Dur von Joseph Haydn (1732-1809), ein Werk, dessen Interpretation durchaus eine Herausforderung ist. Ungewöhnlich schon die Einleitung mit wuchtigem Forte, dem zunächst nur einige Takte Cellobässe wie getrommelt folgen, ehe das Orchester dann, noch immer von Beginn an mit hoher Spielfreude und stets konzentriert und aufmerksam seinem jungen Dirigenten folgte, der nun mit prächtiger Klangfülle den Schlusspunkt setzte. Mit strahlenden Gesichtern applaudierte und dankte ein rundum begeistertes Publikum für diesen beglückenden Konzertabend.

Autorin: Eva Filitz

Gäste genießen Juwel der Konzertliteratur

Das Adventskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Mühlacker Uhlandbau beschert Musikliebhabern ein Wiedersehen mit dem Ausnahme-Klarinettisten Sebastian Manz. Berühmte Mozart-Melodie und andere Werke begeistern das Publikum.

Ausnahmekönner: Klarinettist Sebastian Manz trägt entscheidend zu einem hochkarätigen Adventskonzert im Mühlacker Uhlandbau bei. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Nur wenige Werke der Kunstmusik haben eine derartige Berühmtheit erlangt wie Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622. Um den 8. Oktober 1791 herum, kurz vor seinem frühen Tod, vollendete der geniale Österreicher diese durch und durch inspirierte Musik. Auf dem Programm des beliebten und sehr gut besuchten Adventskonzerts in der Reihe „Mühlacker Concerto“ stand neben Mozart ein Satz aus der Kammersinfonie Nr. 2 op. 147 von Mieczyslaw Weinberg sowie die jugendlich-frische Sinfonie Nr. 81 in G-Dur von Mozarts Vorbild, Gönner und engem Freund Joseph Haydn.

Freunde anspruchsvoller und interessanter Konzertprogramme freuen sich schon jetzt auf das Neujahrskonzert am 15. Januar im Uhlandbau. Seit einigen Jahren können die Besucherinnen und Besucher der Konzerte von Peter Wallinger beobachten, wie dieser seinen Sohn Simon, der inzwischen selbst zu einem hoch qualifizierten und versierten Musiker herangereift ist, zu seinem Stellvertreter (und irgendwann vielleicht Nachfolger?) aufbaut. So war es beim Konzert am zweiten Adventssonntag nur folgerichtig, dass der Kontrabassist, Pianist, Cembalist und Dirigent Simon Wallinger am Ende die Haydn-Sinfonie dirigierte.

Zu Beginn erklang also das vielleicht bekannteste Klarinettenkonzert der Konzertliteratur. Sebastian Manz bewältigte das dreisätzige Werk mit spielerischer Leichtigkeit und einer bis ins Letzte ausgereiften Technik. Der erste Satz begann schnell und mit einem dynamisch fein ausdifferenzierten Wechselspiel zwischen den Solo- und Tuttipassagen. Keine Details gingen verloren, auch in den gefürchteten Zweiunddreißigstel-Passagen nicht, und man konnte schöne Abstufungen der Dur- und Mollfarben genießen. Von unvergleichlicher Delikatesse und Anmut danach der zweite Satz Adagio. Nicht wenige Zuhörerinnen und Zuhörer mögen das Konzert besucht haben, nur um dieser unsterblichen, fast möchte man sagen: göttlich inspirierten, Musik zu lauschen. Zur weltweiten Bekanntheit dieser herrlichen Kantilenen dürfte zusätzlich beigetragen haben, dass in bekannten Kinofilmen – zum Beispiel „Jenseits von Afrika“ – genau diese Melodie mehrfach erscheint. Das abschließende Rondo Allegro, das noch immer einen Prüfstein für Soloklarinettisten darstellt, wurde virtuos wiedergegeben, mit logischem Formempfinden und in einem gewagt schnellen Tempo. Das Publikum war begeistert und ließ den Künstler nicht ohne Zugabe ziehen. Mit vier Solostreichern aus dem Orchester und Manz erklang das Adagio aus dem Klarinettenquintett KV 581, ebenfalls ein Spätwerk Mozarts.

Peter und Simon Wallinger möchten einen „projektübergreifenden Zyklus“ mit Werken des lange und völlig zu Unrecht vergessenen polnisch-jüdischen Komponisten Miesczyslaw Weinberg in Angriff nehmen. Als Einstimmung darauf spielte das Orchester gleich zweimal hintereinander einen Satz aus der 2. Kammersinfonie Weinbergs. Der Komponist, 1919 in Warschau geboren und 1996 in Moskau gestorben, hinterließ ein Mammutwerk, das es neu zu entdecken gilt. Der musikantische, rhythmisch-expressive Satz Moderato, der unmittelbar an die Klangsprache Schostakowitschs erinnerte, machte neugierig.

Als Finale erklang schließlich die Sinfonie Nr. 81 in G-Dur des fürstlichen Hofkapellmeisters zu Eisenstadt und Esterházy Joseph Haydn, ein frisches viersätziges Opus, das nicht geizt mit raffinierten, innovativen und virtuosen Impulsen für seine großen Nachfolger Mozart und Beethoven.

Die Süddeutsche Kammersinfonie war am Sonntag in bester Spiellaune, agierte hochkonzentriert und folgte jedem kleinen Hinweis des Taktstockes. Beim Dirigat des Wallinger-Sohnes fielen schlagtechnische Details auf, die dieser vom Vater übernommen haben dürfte. Ob Simon Wallinger auch beim Neujahrskonzert dirigieren wird?

Autor: Dr. Dietmar Bastian

Adventskonzert voll sprühender Lebensfreude

Adventskonzert mit Sebastian Manz und der Kammersinfonie.
Überwältigende Virtuosität trifft auf farbige Ausgestaltung.

Sein Spiel ist an Lockerheit, klanglicher Brillanz und Ausdruckskraft kaum zu überbieten: Sebastian Manz an der Klarinette. Foto: Tilo Keller

Mühlacker. Die Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622) ist ein Genuss. Gestochen scharfe Skalen, Wirbel und Töne wie Ausrufezeichen befeuern die temperamentvollen „Allegro“-Ecksätze. Sanft gleitende langsame Passagen zeichnen das „Adagio“ in der Konzertmitte aus.

Das Orchester begleitet einfühlsam und vorwärtsstrebend, mit Flöten, Fagotts und Hörnern an der Seite der Streicher. Man fragt sich, wie es Peter Wallinger, Konzertveranstalter und Chef der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim, immer wieder schafft, solch exzellente Instrumentalsolisten für seine Concerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau zu gewinnen.

Auf gleicher Wellenlänge

Diesmal musiziert beim traditionellen Adventskonzert Wallingers Kammersinfonie zusammen mit Sebastian Manz – in der Region wohlbekannt und im Uhlandbau nach mehrfachen Auftritten fast schon ein Residenz-Klarinettist. Sein Spiel ist an Lockerheit, klanglicher Brillanz und Ausdruckskraft kaum zu überbieten.

Offensichtlich versteht er sich (nicht nur) musikalisch mit Wallinger am Dirigentenpult und dessen Orchesterensemble ausgezeichnet. Auch wenn Manz die Zusammenarbeit mit großen Sinfonieorchestern gewohnt ist, musiziert man im Uhlandbau-Kammerformat auf gleicher Wellenlänge. Was die Orchestermitglieder zu inspirieren scheint, denn sie wachsen hochmotiviert über sich hinaus. Die erwähnten Ecksätze sprühen nur so von musikantischer Lebensfreude, und der verinnerlichte Mittelsatz entfaltet über dem zurückgenommenen Orchesterklang herrlichen Sologesang. Nichts fehlt: Auf der einen Seite die überwältigende Virtuosität des Solisten, auf der anderen eine originell-kreative, farbig-orchestrale Ausgestaltung mit kurz innehaltenden Ruhepausen, Steigerungen und Tempo-Forcierungen.

Bezaubernde Klangpoesie

Um die Liebeserklärung Mozarts an die Klarinette noch zu ergänzen, gibt’s als Zugabe einen weich pulsierenden Satz aus dem Klarinetten-Quintett A-Dur (KV 581) des Wiener Klassikers. Dabei spielt Manz zusammen mit Konzertmeisterin Swantje Asche-Tauscher (erste Violine), Andrea Langenbacher (zweite Violine), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello). Auch das erfreut die Zuhörer mit bezaubernder Klangpoesie.

Nach der Konzertpause folgten im ausverkauften Uhlandbau zwei weitere besondere Konzerterlebnisse. Wallinger interpretierte mit seinem Ensemble aus Mieczyslaw Weinbergs Kammersinfonie Nr. 2 (op. 147) das „Moderato“ – eine eigenwillig zarte, rhythmisch betonte, teils auch dissonant „mit vorgehaltener Hand sprechende Musik“ – so Simon Wallinger, der den Lebensweg des weitgehend unbekannten, 1919 bis 1996 lebenden jüdisch-polnischen Komponisten erläuterte und einen Weinberg-Zyklus in der Mühlacker Concerto-Reihe ankündigte. Das kurze Stück wurde wiederholt und wirkte in der energischen Repetition noch eindrucksvoller.

Wächst im ausverkauften Uhlandbau über sich hinaus: die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: Tilo Keller

Simon Wallinger übernimmt

Danach wechselte die Stabführung am Dirigenten-Pult. Peter Wallingers Sohn Simon übernahm die Leitung der Aufführung von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 G-Dur (Hob I:1). Sein tadelloses Dirigat sorgte für eine serenadenhafte, in den schnellen Sätzen stürmische Wiedergabe der gefälligen Komposition. Sollte es einmal zu einer Übergabe von Peter Wallingers Kammersinfonie und seiner erfolgreichen Musik-Veranstaltungen kommen, wäre sein Werk in guten Nachfolger-Händen.

Autor: Eckehard Uhlig

Das Neujahrskonzert 2023 findet statt am Sonntag, 15. Januar, zur Matinee um 11 Uhr im Uhlandbau Mühlacker statt. Es spielt die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Gemeinsam mit den Solisten aus dem Orchester und Sprecher Johann-Michael Schneider versprechen die Veranstalter Unterhaltsames und Anregendes in Wort und Ton. Weitere Infos und Karten im Internet auf www.muehlacker-klassik.de und www.sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Festlich-galante Hochstimmung

Die traditionellen Adventskonzerte der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende begeistern mit Sebastian Manz als Solist in Mozarts Klarinettenkonzert. Auf den von Peter und Simon Wallinger angekündigten Weinberg-Zyklus mit allen vier Kammersinfonien des polnisch-jüdischen Komponisten gibt es schon mal einen Vorgeschmack.

Grandiose Musik, grandios interpretiert: Die SKB mit Sebastian Manz (links). Foto: Holm Wolschendorf

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Zum dritten Mal gestaltet Peter Wallinger ein Konzertprogramm gemeinsam mit seinem Sohn Simon Wallinger, zum ersten Mal seit drei Jahren findet ein Adventskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) wieder ohne Einschränkungen live vor Publikum statt; wie gewohnt samstags im Kronenzentrum, tags darauf im Uhlandbau in Mühlacker. Dass Wallinger aus diesem Anlass erneut Sebastian Manz ein geladen hat, mit dem ihn eine lange künstlerische Zusammenarbeit verbindet – zuletzt war der Soloklarinettist des SWR Symphonieorchesters hier im Neujahrskonzert der SKB zu hören-, dürfte nicht unerheblich zur positiven Resonanz beigetragen haben.
Der 36-jährige Klarinettist gilt auch international als einer der Virtuosen seines Instruments. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert (KV 622), einem der letzten Werke, die der Komponist in seinem Todesjahr 1791 vollendet hat und das gewissermaßen am Beginn der gesamten Gattung steht, ist Manz, der 2008 den1. Preis des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD gewann, sozusagen per Du. Doch nicht nur zum A-Dur-Konzert, sondern auch zum Ort der Aufführung unterhält der Enkel des russischen Geigers Boris Goldstein eine besondere Beziehung: Hier im Kronensaal hat Manz seine Frau kennengelernt.
Der festlich-galanten Hochstimmung im Kopfsatz nimmt er sich mit hörbarem Vergnügen an, die Leichtfüßigkeit seiner Kantilene wirkt frappierend mühelos: Dieses Allegro ist Spielfreude pur. Grandios, wie Wallinger mit der SKB den Schwung mitnimmt, als Manz das Parlando seiner Legato-Girlanden zu einem Forte steigert.
Überhaupt scheint die Chemie zwischen Dirigent, Orchester und Solist zu stimmen: Die Begeisterung für diesen Mozart ist jedem der Gesichter abzulesen. Dem Bühnencharakter der Musik trägt Manz mit tänzerischer Beweglichkeit Rechnung, luxuriös eingebettet in einen so transparenten wie homogenen Ensembleklang. Dann wieder wartet die SKB hellwach und blitzschnell mit einem überfallartigen Tutti auf.

Eine neue Dimension von Körperlichkeit

Emotion, nicht Technik bestimmt das vielen aus „Jenseits von Afrika“ bekannte Adagio, wundervoll gelingen die heiklen Anschlüsse und die Klangverschmelzung. Dennoch dürfte die pastorale Träumerei in manchen Ohren überraschend anders klingen: Manz spielt das im Gegensatz zu Jack Brymer, der in der Filmmusik zu hören ist, auf einer Bassettklarinette – dem Instrument, für das Mozart dieses Konzert wohl ursprünglich geschrieben hat. Gerade durch die tiefen Register ergibt sich eine neue Dimension von Körperlichkeit. Das finale Rondo vereint tänzerische mit kantablen Anlagen, manchen der Couplets verleiht Manz geradezu klezmerartige Züge. Eine Kadenz benötigt diese Juwel indes nicht: Mozart hat alles, was einen Klarinettisten handwerklich glänzen lassen könnte – Hochgeschwindigkeitsläufe und -skalen, komplexe Dynamik- und Phrasierungskontraste, immense Intervallsprünge-, bereits der Partitur eingeschrieben – hier und heute in einer inspirierten Interpretation, bei der sich Manz auf Brillanz reimt.
Den „fast enthusiastischen Applaus“ (Manz) quittiert der sympathische Musiker mit dem 2. Satz aus Mozarts Klarinettenquintett (KV 581) als Zugabe, Konzertmeisterin Swantje Asche-Tauscher, Andrea Langenbacher (Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Cello) sekundieren in diesem Larghetto, das dem zuvor gehörten Adagio als Vorlage diente.
Ein Ohrenspitzer erster Güte ist der Mittelsatz der 2. Kammersinfonie (Op. 147, 1987) von Mieczyslaw Weinberg, der nahe zu vergessen war und vor allem durch Gidon Kremers Aufnahmen für ECM ins Bewusstsein der Musiköffentlichkeit zurückgefunden hat: grandiose Musik, grandios interpretiert von Peter Wallinger mit der SKB. Dass das Pesante moderato nach einer kurzen Vorstellung des polnisch-jüdischen Komponisten durch Simon Wallinger wiederholt wurde, leuchtet dagegen nicht unbedingt ein. Auf den angekündigten Weinberg-Zyklus mit allen vier Kammersinfonien des Schostakowitsch-Wegbegleiters darf man sich gleichwohl freuen.
Landläufig etwas unterschätzt dürfte auch Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 sein: Simon Wallingers lebendige wie formbewusste Deutung mit der SKB lässt sich jedenfalls als klares Plädoyer für diese letzte der sogenannten Esterházy-Sinfonien anhören, die zwar innerhalb der Konventionen der Gattung operiert, doch entsprechende Hörerwartungen immer wieder unterläuft.

Autor: Harry Schmidt

So ausgewogen wie eigenwillig

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt am Wochenende zweimal

Peter Wallinger (links) dirigiert das Adventskonzert,
mit dabei an beiden Abenden ist der Solo-Klarinettist Sebastian Manz. Fotos: privat, Marco Borggreve/p

BIETIGHEIM/MÜHLACKER. Nachdem die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) die Pandemiedurststrecke mit professionell inszenierten Videoaufzeichnungen überbrückte, die nach wie vor auf der Homepage des 1984 von Peter Wallinger gegründeten Ensembles abrufbar sind, können die traditionellen Adventskonzerte der SKB nun erstmals seit 2019 wieder uneingeschränkt live vor Publikum stattfinden. Mit Sebastian Manz hat Wallinger dazu einen Solisten eingeladen, der nicht nur hierzulande kein Unbekannter ist: Der Soloklarinettist des SWR-Symphonieorchesters und mehrfache Echo-Preisträger wird von vielen Klassikfans für seine lebendigen Interpretationen geschätzt und erfreut sich als Solist auch international großer Beliebtheit. Mit Peter Wallinger verbinden den 36-Jährigen, der auch am Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Ludwigsburg mitwirken wird und am Stadtrand von Stuttgart wohnt, eine langjährige musikalische Zusammenarbeit.

Skurril und fast gespenstisch

Ebenfalls sehr populär ist Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert (KV622). Dem Wiener Hofklarinettisten Anton Stadler gewidmet, gehört insbesondere das kantable Adagio spätestens mit der Verwendung als Filmmusik in „Jenseits von Afrika“, zu den bekanntesten Werken des Österreichischen Komponisten. „Die schönste Adventsmusik, die man sich vorstellen kann”, da seien Manz und er sich einig, so Wallinger. Die Niederschritt des A-Dur Konzerts hat Mozart nahezu unmittelbar nach Uraufführung der „Zauberflöte“ am 30. September 1791, wenige Wochen vor seinem Tod, beendet. Insofern Ist es sein letztes Solokonzert. Seinerzeit brandneu war die Bassettklarinette, für die Mozart dieses Konzert ursprünglich geschrieben hat. Nachdem es mehr als 150 Jahre in einer Bearbeitung für die normale A-Klarinette erklungen war, hat vor allem Sabine Meyer dazu beigetragen, dass verstärkt wieder rekonstruierte Fassungen mit entsprechenden Instrumenten zu Gehör kommen. Keine Frage, dass Manz, der in Lübeck bei Sabine Mayer und Rainer Wehle studiert hat, ebenfalls eine Bassettklarinette spielen wird.

Zwei weitere Spätwerke komplettieren das Programm: „Wir wollten auf jeden Fall Joseph Haydn und Mieczyslaw Weinberg aneinander rücken”, erklärt Peter Wallinger. Den jüdischen Komponisten polnischer Herkunft, der 1939 nach Moskau floh und ein enger Weggefährte Schostakowitschs war, habe man für sich entdeckt, als der niederländische Primgeiger Tjeerd Top im März 2021 mit der SKB dessen Concertino (Op. 42) aufgeführt hat. Als „Appetizer“ (Wallinger) auf einen Weinberg-Zyklus, bei dem alle vier jeweils auf Streichquartette basierende Kammersinfonien uraufgeführt werden, serviert die SKB schon mal dem Moderato-Mittelsatz der 2. Kammersinfonie (Op. 147, 1987). „Ein langsames, skurriles, fast gespenstisches Scherzo, das im Duktus sehr an Gustav Mahler erinnert”, so Wallinger „instrumentales Theater, aber überhaupt nicht illustrativ.” Parallelen zu Haydn sieht Wallinger vor allem in einem Formbewusstsein, dessen Klarheit einem geradezu klassischen Ideal folgt, wobei die eher selten gespielte Sinfonie Nr. 81 in G-Dur, die bei den Adventskonzerten Peter Wallingers Sohn Simon dirigieren wird, vermutlich 1794 entstanden, als letzte der sogenannten Esterhazy-Sinfonien die „experimentelle Phase“ Haydns abschließe, und dabei sehr reif und ausgeglichen wirke, im Einzelnen dann aber doch mit recht unkonventionellen Detail aufwarte: „Eigenwillig, aber insgesamt rund und ausgewogen“ – mit dieser Definition könnte man dann auch Wallingers komplettes Adventskonzertprogramm überschreiben.

INFO Heute Abend gastiert die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim um 19 Uhr im Bietigheimer Kronensaal, morgen um 17 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker. Weitere Infos unter www.sueddeutsche-kammersinfonie.de

Autor: Harry Schmidt

Programm 2023

Samstag 14. Januar 2023 19.30 Uhr
Bürgersaal, Rathaus Murr

Neujahrskonzert 2023


Leitung: 
Peter Wallinger
Rezitation: 
Johann Michael Schneider
Solisten:
Nils Wanderer · Countertenor
Arthur Cambreling · Violoncello

„…es wird einmal“

Unterhaltsames und Anregendes in Wort und Ton – mit Pausenausschank

Musik von Monteverdi, Vivaldi, Purcell, Haydn, Bartók…
Texte von Morgenstern, Rilke, Tagore…


Sonntag 15 Januar 2023 11.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“

Neujahrskonzert 2023

Leitung: 
Peter Wallinger
Rezitation: 
Johann Michael Schneider
Solisten:
Nils Wanderer · Countertenor
Arthur Cambreling · Violoncello

„…es wird einmal“

Unterhaltsames und Anregendes in Wort und Ton –
mit Pausenausschank

Musik von Monteverdi, Vivaldi, Purcell, Haydn, Bartók…
Texte von Morgenstern, Rilke, Tagore…


Sonntag 15. Januar 2023 17.00 Uhr
Kelter Bietigheim-Bissingen

Neujahrskonzert 2023

Leitung: 
Peter Wallinger
Rezitation: 
Johann Michael Schneider
Solisten:
Nils Wanderer · Countertenor
Arthur Cambreling · Violoncello

„…es wird einmal“

Unterhaltsames und Anregendes in Wort und Ton –
mit Umtrunk nach dem Konzert

Musik von Monteverdi, Vivaldi, Purcell, Haydn, Bartók…
Texte von Morgenstern, Rilke, Tagore…



Mo 08.05. bis Mi 10.05.2023
jeweils 9.15 und 10.45 Uhr
Kelter Bietigheim

Schülerkonzerte 2023

„Rossinis Notenküche“ ein Komponist tischt auf.

Musiktheaterstück für Kinder
der Klassen 1 bis 5
Bläserquartett der Kammersinfonie
Pyrmonter Theater Companie
Leitung: Jörg Schade
->Weitere Informationen



Do 11.05. und Fr 12.05.2023
9 Uhr und 10.30 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“

Schülerkonzerte 2023

„Rossinis Notenküche“ ein Komponist tischt auf.

Musiktheaterstück für Kinder
der Klassen 1 bis 5
Bläserquartett der Kammersinfonie
Pyrmonter Theater Companie
Leitung: Jörg Schade
->Weitere Informationen



Samstag 13. Mai 20.00 Uhr
Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen
Einführung 19.15 Uhr

Frühjahrskonzert 2023

Solist:
Tjeerd Top · Violine Vita anzeigen
Leitung: 
Peter Wallinger & Simon Wallinger

M. Weinberg · Kammersinfonie Nr. 3
op. 151 Fortsetzung Weinberg-Zyklus

F. Schubert · Polonaise B-Dur D 580
für Violine und Orchester

L.v. Beethoven · Violinkonzert C-Dur (Fragment)

L.v. Beethoven · Romanze F-Dur op. 50
für Violine und Orchester



Sonntag 14. Mai 17.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“
Einführung 16.15 Uhr

Frühjahrskonzert 2023

Solist:
Tjeerd Top · Violine Vita anzeigen
Leitung: 
Peter Wallinger & Simon Wallinger

M. Weinberg · Kammersinfonie Nr. 3
op. 151 Fortsetzung Weinberg-Zyklus

F. Schubert · Polonaise B-Dur D 580
für Violine und Orchester

L.v. Beethoven · Violinkonzert C-Dur (Fragment)

L.v. Beethoven · Romanze F-Dur op. 50
für Violine und Orchester



Samstag 24. Juni 19.30 Uhr
Schlosshof Sachsenheim – Open Air
.

Sommerliche Serenade 2023

Solistin:
Maryana Osipova · Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Peter Wallinger

O. Respighi · Antiche Danze ed Arie
III. Suite                     

A. Vivaldi · aus den “Vier Jahreszeiten“:     
  „Der Frühling“ op.8 Nr.1 E-Dur
  „Der Sommer“ op.8 Nr.2 g-moll

N. Rota · Concerto per Archi



Samstag 25. Juni 11.00 Uhr
Frauenkirche Lienzingen
Festival „Musikalischer Sommer“

Sommerliche Serenade 2023

Solistin:
Maryana Osipova · Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Peter Wallinger

O. Respighi · Antiche Danze ed Arie
III. Suite                     

A. Vivaldi · aus den “Vier Jahreszeiten“:     
  „Der Frühling“ op.8 Nr.1 E-Dur
  „Der Sommer“ op.8 Nr.2 g-moll

N. Rota · Concerto per Archi



Samstag 09. Dezember 19.00 Uhr
Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen
Einführung 18.15 Uhr

Adventskonzert 2023

Auftakt zu „40 Jahre Kammersinfonie“

Solistin:
Annika Treutler · Klavier Vita anzeigen

Leitung: 
Peter Wallinger

W. A. Mozart · Klavierkonzert A-Dur KV 488

P. Vasks · Musica Adventus

W. A. Mozart · Sinfonie Es-Dur KV 543



Sonntag 10. Dezember 17.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“
Einführung entfällt wegen Umbaumaßnahmen

Adventskonzert 2023

Auftakt zu „40 Jahre Kammersinfonie“

Solistin:
Annika Treutler · Klavier Vita anzeigen

Leitung: 
Peter Wallinger

W. A. Mozart · Klavierkonzert A-Dur KV 488

P. Vasks · Musica Adventus

W. A. Mozart · Sinfonie Es-Dur KV 543

Heitere Serenaden aus dem hohen Norden

Die jüngste Matinee der Reihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche ist vor allem skandinavischen Komponisten gewidmet.

Simon Wallinger dirigierte eine heitere Serenade von Max Bruch.  Foto: Filitz

LIENZINGEN. In der Klassikreihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche führten die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Zuhörer auf einer musikalischen Reise in den hohen Norden. Die Reiseroute kam beim Publikum bestens an. Als Solistin gastierte die Geigerin Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Concertgebouw Orchesters Amsterdam, bestens bekannt in der heimischen Musikszene und ebenso auf internationalen Bühnen zu Hause.

Einziger nicht skandinavischer Komponist im Programm war der deutsche Max Bruch (1838-1920). Das bekannteste Werk des gebürtigen Kölners ist sein Violinkonzert Nr. 1, und ein erster Gedankensprung ging da fast zwangsläufig hin zur Violin-Solistin. Doch Schoch musste noch nicht den Bogen spannen. Zum Auftakt erklang nicht dieses Konzert von Bruch, sondern seine „Serenade nach schwedischen Volksmelodien“, ein Spätwerk von ihm. Die fünf Sätze entsprechen der traditionellen Serenadenform mit einem Marsch zu Beginn und am Schluss, eingebettet darin ein Andante, Allegro und Andante sostenuto. Einfache, schlichte Melodien von Volksliedern hatte Bruch adaptiert, klar und transparent nun vom Orchester zum Klingen gebracht. Am Pult stand Simon Wallinger und gestaltete mit lebhaftem Dirigat einen bravourösen Auftakt dieser Matinee.

In den nachfolgenden zwei Humoresken op. 89 des norwegischen Komponisten Jean Sibelius (1865-1957) für Sologeige und Orchester konnte nun Ursula Schoch ihr breitgefächertes Können zu Gehör bringen. Sie brillierte in den beiden Sätzen Alla Gavotta und einem Andantino wie auch bei ihrem zweiten Auftritt mit ihrer Interpretation der Romanze G-Dur op. 26 von Johan Svendsen (1840 -1911). Es dirigierte nun der Gründer der Kammersinfonie, Peter Wallinger, der die Solistin schon seit ihrer Schulzeit gefördert hat. Einfühlsam, aber auch selbstbewusst, begleitete das Orchester die Solistin, ließ ihr aber genügend Raum, sich voll zu entfalten. Ihre orchestrale Souveränität brachten die Musiker auch in einem zweiten Werk von Svendsen, „Zwei Isländische Melodien, op. 30“ überschrieben, zum Ausdruck.

Mit Arvo Pärt (geb. 1935), einem estnischen Komponisten, der als einer der bedeutendsten lebenden Komponisten Neuer Musik gilt, wechselte die bisher heitere, unbeschwerte Tonlage auf eine andere Ebene mit Hingabe und beeindruckender Sensibilität um, getragen von der behutsamen Begleitung des Orchesters. Gewidmet hat Pärt dieses Werk Papst Benedikt XVI. und es zu dessen 60. Jubiläum der Priesterweihe ihm selbst vorgetragen. Chihiro Saito stimmt als Solo-Cellistin das „Vater unser“ von Pärt an. Tiefe Stille herrschte im Kirchenraum. Ergriffenheit spiegelte sich in Gesichtern vieler Zuhörer, die tief berührt den bittenden Klangphasen lauschten und vielleicht auch in Gedanken den Text mit der gehörten Melodie verbanden. Das nicht einfache Thema setzte Saito mit Hingabe und beeindruckender Sensibilität um, getragen von der behutsamen Begleitung des Orchesters. Gewidmet hat Pärt dieses Werk Papst Benedikt XVI. und es zu dessen 60. Jubiläum der Priesterweihe ihm selbst vorgetragen.

Einer durfte in dem Konzertreigen selbstverständlich nicht fehlen, nämlich der bekannteste skandinavische Komponist, Edvard Grieg (1843-1907). Mit einer farbenprächtigen Wiedergabe der Suite für Streichorchester op. 40 „Aus Holberg’s Zeit“, in allen spielbaren Nuancen ausgeführt, setzten Peter Wallinger und seine Musiker noch einen Glanzpunkt auf das ohnehin schon hoch anspruchsvolle Musizieren. Festliche Stimmung verbreitete das Präludium, tänzerisch heiter die Sarabande, die zum Träumen verleiten könnte, aber schnell machte die rustikal anmutende Musette wieder munter. Doch dann eine andachtsvolle Air, einem Gebet gleich, das zum Innehalten zwang. Aber nur so lange, bis ein Rigaudon, ein schneller Tanz, einen fulminanten Schlusspunkt setzte. Grieg umriss mit seiner Musik das Lebenswerk von Ludvig Holberg, der, 1684 in Bergen geboren, als Philosoph, Dichter und Humorist zu seiner Zeit Marksteine setzte und Zeitläufe prägte.

Autorin: Eva Filitz

Romantik mit barockem Unterton

„Sommerliche Serenade“ der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim

Moment innerer Einkehr: Die SKB in der Pauluskirche. Foto: Andreas Essig

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Sommer, Sonne, Süden: Ein Dreiklang, der vielen bis zur Selbstverständlichkeit geläufig ist. Doch Peter Wallinger, Dirigent der 1984 gegründeten Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB), hat sich für die genau entgegengesetzte Richtung entschieden und den Programmbogen seiner „sommerlichen Serenade“ mit „Nordische Impressionen“ überschrieben. In der hellen, lichten Weite der Pauluskirche haben sich die 16 Musikerinnen und Musiker der SKB um Wallinger versammelt – so wie vor 38 Jahren, als das Orchester hier seinen ersten Auftritt hatte, Auch Ursula Schoch, die nun im schulterfreien, indigoblauen Abendkleid hinzutritt, hat der Orchesterleiter aus Maulbronn an dieser Stelle erstmals gehört.

In zwei Humoresken für Solovioline und Orchester (Op. 89) von Jean Sibelius zeigt sich, wie innig das musikalische Einverständnis zwischen der in Ludwigsburg geborenen Violinistin, die seit mehr als 20 Jahren als Konzertmeisterin am Concertgebouworkest in Amsterdam wirkt, und Wallinger ist. Ungeheuer virtuos gestaltet Schoch ihren Part, dessen technischer Anspruch allein schon nicht zu unterschätzen ist: Insbesondere der stete Wechsel zwischen sphärischen Kantilenen, Trillern, Prallern, Doppelgriffen und Arpeggien, dazwischen mit der Bogenhand angerissenen Einzeltöne machen das „Andantino“ zur spieltechnischen Herausforderung. Doch Schoch begnügt sich nicht mit Handwerklichem und spürt mit dem warmen, gedeckten Grundton ihrer Guadagnini dem Iyrischen, zuweilen auch exzentrischen Melos der musikalischen Gedanken des 1917 entstandenen Werks nach. Wallinger orientiert sich an seiner formidablen Solistin: Hellwach reagiert die SKB im Presto der tänzerischen „Alla gavotta“.

Nahezu ein halbes Jahrhundert früher datiert Johan Svendsens Romanze in G-Dur für Solo- Violine und Orchester: Der norwegische Komponist hat mit seinem Opus26 eine ungemein eingängige Musik (mit einem Hauch Wiener Kaffeehausflair) geschrieben, die Schoch zu anmutigem Instrumentalgesang nutzt. Großer Beifall für die sympathische Musikerin, Wallinger und die SKB.

Erneut hervorragenden Eindruck hinterließ auch Simon Wallinger, der beim diesjährigen Frühjahrskonzert sein Debüt am Pult der SKB gab: Peter Wallingers Sohn entlockte der spielfreudigen SKB eine vorzügliche Interpretation von Max Bruchs posthum veröffentlichter Serenade auf schwedische Volksmelodien, sorgsam abgestuft in der Dynamik zwischen kammermusikalischer Finesse und sinfonischer Klangballung.

Hier wie auch in Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ (Op.40) offenbart dieses skandinavisch-( spät-)romantische Programm zudem einen barocken Unterton, der selbst noch in den Östinati und Fugati der Humoresken von Sibelius nachhallt. Ein wundervoll zurückgenommener, umso eindringlicherer Moment innerer Einkehr war die Wiedergabe des „Vater unser“ von Arvo Pärt in einer Bearbeitung für Solo-Cello und Orchester durch Chihiro Saito, die seit vielen Jahren als Stimmführerin der Celli in den Reihen der SKB zu hören ist, mit dem Wallinger-Orchester.

Autor: Harry Schmidt

Gedenken steht im Mittelpunkt

Die neue CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim dokumentiert die zweite Corona-Saison des vorzüglichen Orchesters von Peter Wallinger

Kammersinfonie live 2021

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Stets zu Jahresbeginn blickt Peter Wallinger auf die vergangene Saison mit seiner Süddeutschen Kammersin- fonie Bietigheim (SKB) zurück und versammelt die Höhepunkte aus den Programmen auf einem Album. Dass dies mit „Live 2021“ auch in diesem Jahr der Fall ist, kann aus allseits bekannten Gründen nicht als selbstverständich gelten. Obwohl die meisten Konzerte bestenfalls vor begrenzter Besucherzahl stattfinden konnten, ist es Wallinger gelungen, die wesentlichen Pfeiler des Jahresspielplans umzusetzen und per Videoaufzeichnung auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ausschnitte aus drei der vier nach wie vor kostenfrei im Internet abrufbaren Konzerte haben ihren Weg auf diese CD gefunden, die nun als mittlerweile 19. Ausgabe dieser beachtlichen Dokumentationsreihe vorliegt.

Eines der wichtigsten Anliegen Wallingers war das Gedenkkonzert zur Einweihung des Uhlandbaus in Mühlacker vor 100 Jahren. Gestiftet von der jüdischen Familie Emrich, entwickelte sich das Gebäude im ersten Jahrzehnt zu einem überregionalen Zentrum des Musiklebens. Eröffnet wurde das Haus seinerzeit mit „Le nozze di Figaro“. Dementsprechend erklingt hier die Ouvertüre zu Mozarts erster Da-Ponte-Oper als Auftakt, von der SKB ungemein spritzig musiziert. Mit Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr, dem Kontrabassvirtuosen Michinori Bunya und dem Geiger Tjeerd Top, Konzertmeister beim Amsterdamer Concertgebouw- Orchester, konnte Wallinger erneut hochkarätige Solisten gewinnen. Werke von Gustav Mahler und Samuel Barber unterstreichen die Wertschätzung jüdischer Komponisten. Herausragend ist die Aufnahme von Mieczysław Weinbergs „Concertino für Violine und Orchester“: Von seismografischer Empfindlichkeit, hellwach und auf Augenhöhe die SKB – eine brillante Interpretation dieses Kammermusikjuwels.

Autor: Harry Schmidt