Vaihinger Kreiszeitung
„Sommerliche Serenade“ erfüllt die Frauenkirche in Lienzingen mit heiteren Tönen

Der „Musikalische Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche blüht in diesem Jahr mit jedem Konzert mehr auf: Beim dritten Konzert unter dem Titel „Sommerliche Serenade“ fanden die angekündigten „Vier originellen Preziosen für Kammerorchester“ beim Publikum begeisterten Zuspruch.
Musikalisch-literarische Winterreise im Uhlandbau in Mühlacker
Die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Dirigent Peter Wallinger begeistert das Publikum im Uhlandbau Mühlacker mit einer gefühlvollen Darbietung. Durch den Abend führt Schauspieler Frank Albrecht.

Mühlacker. Gut besucht gewesen ist am Sonntag die Matinee im Mühlacker Uhlandbau. Dirigent Peter Wallinger und seine Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hatten zu einer „musikalisch-literarischen Winterreise“ eingeladen.
Wiener Klassik und Belle Epoque in Lienzingen
Die Violinistin Ursula Schoch tritt mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim bei der „Sommerlichen Serenade“ in der Frauenkirche Lienzingen auf. Die Musikerinnen und Musiker begeistern ihr Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm mit Werken aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

LIENZINGEN. „Sommerliche Serenade“ lautete der Titel des Konzerts in der Lienzinger Frauenkirche. Viele Musikfreunde fühlten sich offenbar angesprochen und füllten die Reihen fast bis auf den letzten Platz. Ein Anreiz zu kommen war sicherlich der Auftritt der Violinistin Ursula Schoch.
Es gastierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, diesmal in eher kleiner Besetzung mit Violinen, Violen, Celli und Kontrabass. Doch die 16 Musiker und Musikerinnen spielten beherzt auf und folgten dem anspruchsvollen und herausforderndem Dirigat von Peter Wallinger, dem Gründer des Orchesters. Rundum harmonischer Streicherklang erfüllte die Erwartungen des Publikums, gemessen an dessen kräftigem Beifall.
Konzert beginnt auf etwas unkonventionelle Weise
Auf dem Programm standen Werke aus der Zeit der Wiener Klassik bis hin zur Belle Epoque. Auf etwas unkonventionelle Weise begann das Konzert: Zum Auftakt stimmte das Orchester Divertimento B-Dur, KV 137 von Wolfgang Amadeus Mozart an. Der Komponist hatte darin die übliche Satzfolge geändert und das Andante an den Anfang gestellt und nicht, wie üblich, in die Mitte zwischen zwei Allegri. Daher der fast behutsame Beginn der ersten Violine, ehe ihr sehr ausgewogen die anderen Streicher folgten. Fast kokett hüpften dann temporeich in den beiden nun nachfolgenden Allegri die Bögen über die Saiten, nahmen sich für ein zartes Cantabile zurück, ehe überraschend schnell, fast abrupt der dritte und letzte Satz endete.

Interessant ist die Historie der folgenden Fantasie F-moll, KV 594, die Mozart in seinem letzten Lebensjahr im Auftrag des Wiener Grafen Deym zu Ehren des verstorbenen Feldmarschalls Laudon schrieb. So wurde aus den düsteren Moll-Klängen eine Trauermelodie, die Deym schnell dank einer neuen technischen Entwicklung verbreitete. Denn es war damals seit Kurzem möglich, auf der Oberfläche einer kleinen „Orgelwalze“ Musikstücke einzudrücken, diese in eine Uhr einzubauen und mittels eines Drehmechanismus die Musik automatisch abzuspielen.
Solistin Ursula Schoch spielt auf ihrer historischen Violine
Doch dieser dumpfe Klangteppich wurde am Sonntag schnell zusammengerollt, denn der Höhepunkt des Konzerts nahte, als ein neues Notenpult aufgestellt wurde. Mit dem Erscheinen der Solistin Ursula Schoch ging, bildlich gesprochen, ein Ruck durchs Orchester, das nun alle Kraft aufbot, den Höhenflügen der Solovioline zu folgen und sie in allen Phasen adäquat und sensibel zu begleiten. Schochs zahlreiche Konzerte im Mühlacker Uhlandbau oder in der Frauenkirche sind unvergessen. Jetzt lagen die Noten von Mozarts Violinkonzert B-Dur KV 207 auf ihrem Pult. Und erneut spielte sie mit ihrer Guadagnini-Violine aus dem Jahr 1755 alle Facetten ihres Könnens von den tiefsten bis in höchste Lagen wunderbar klar, sehr transparent und doch mit unendlich warmem Klang aus. Souverän und ausdrucksstark gestaltete sie lebhaft das Allegro moderato, gefolgt vom innigen und emotional berührenden Adagio und dem rhythmisch vorwärtsdrängenden Presto mit einem fulminanten Schlussakkord.
Die Belle Epoque sorgt für Heiteres und Beschwingtes
Nach der Pause begann die Belle Epoque, eine etwa ab 1870 knapp vier Jahrzehnte dauernde schöne und lebensfrohe Zeit voller Umbrüche in allen Bereichen, auch in der Musik. Heiter und beschwingt, fast operettenhaft leicht stimmte das Orchester die Serenade C-Dur von Jaques Offenbach an. Der Komponist, selbst auch ein berühmter Cellist, hatte die Originalfassung mit zwei Celli besetzt. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim trug eine Fassung für Orchester vor und ließ die Leichtigkeit des Seins aus damaliger Zeit überzeugend in allen Stimmen erklingen.
Zum Abschluss gibt es ein Feuerwerk an musikalischen Ideen
Und noch einmal betrat Ursula Schoch die Bühne und stimmte zunächst in harmonischem Miteinander mit dem Orchester Camille Saint-Saens‘ wohl bekanntestes Werk Opus 28 „Introduktion & Rondo Capriccioso“ an. Zunächst zurückhaltend, leicht melancholisch angehaucht und mit behutsam aufgesetzten Bogen der Beginn, um wenig später ein Feuerwerk an musikalischen Ideen zu zünden und alle Grenzen des Möglichen mit ihrer Violine auszuloten. Ein triumphaler Endspurt mit gipfelstürmenden Höhepunkten, dargeboten in tänzerischer Leichtigkeit. Das Publikum dankte mit langem Beifall für dieses beglückende Konzerterlebnis.
Autorin: Eva Filiz
„Mühlacker Concerto“ begeistert mit musikalischer Europareise
Das Neujahrskonzert der „Mühlacker Concerto“ unter der Leitung von Peter Wallinger in der historischen Kelter Ötisheim überzeugt nicht nur mit Musik, sondern auch mit tiefgründiger Lyrik. Ohne Zugabe lässt das Publikum die Akteure nicht gehen.

Ötisheim. Zum 20. Mal hat Peter Wallinger, Künstlerischer Leiter und Dirigent der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, zum Neujahrskonzert der „Mühlacker Concerto“ eingeladen; eine Konzertreihe, die er 2005 ins Leben gerufen hat. Da der Mühlacker Uhlandbau…
Sommerliche Klänge mit einer dunklen Note
Aufgrund des Wetters wird das Classic Open in Sachsenheim vom Wasserschloss in das Kulturhaus verlegt.

SACHSENHEIM. Auch wenn das Wetter am Ende gehalten hätte – die für Sonntagabend im Innenhof des Wasserschlosses Sachsenheim geplanten Classic Open mit der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Simon Wallinger wurden sicherheitshalber ins Kulturhaus verlegt. Auch dort stieß die sommerliche Serenade auf reges Interesse. Zugleich war das Programm so konzipiert, dass dabei nicht nur sommerlich leichte Klänge vorgesehen waren.
„Es wäre schön gewesen, im Schlosshof zu spielen, aber der Sommer ist noch nicht ganz bei uns angekommen“, bedauerte Wallinger, dass der Umzug in das Kulturhaus am Ende notwendig gewesen ist. Die Entscheidung fiel bereits Anfang der Woche, erklärte Alexander Sterzel, Kulturamtsleiter in Sachsenheim, gegenüber der Vaihinger Kreiszeitung. Alle zu diesem Zeitpunkt konsultierten Wetter-Apps haben eine hohe Regenwahrscheinlichkeit für diesen Sonntagabend vorausgesagt. Insofern wollte man kein Risiko eingehen. Die Stadt hatte darauf verzichtet, die Mitarbeiter des Bauhofs auf Verdacht die Bestuhlung im Innenhof aufbauen zu lassen, und stattdessen die Verlegung ins Kulturhaus organisiert. Und auch wenn der eine oder andere Besucher das am Sonntag mit Blick auf die am Ende dann doch optimalen äußeren Bedingungen bedauert haben mag, die weithin bekannte Qualität der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim – in diesem Fall mit der mehrfach preisgekrönten Solistin und Konzertmeisterin Maryana Osipova an der Violine – hat das sicherlich schnell vergessen lassen. „Als hätten wir das geahnt, als wir das Programm zusammengestellt haben, haben wir nicht nur heitere und sommerliche Stücke ausgewählt, sondern auch eine dunkle Note hineingebracht“, beschrieb Simon Wallinger die Idee hinter dem Programm, das im ersten Teil mit dem Allegro aus der Kammersinfonie Nummer 1, opus 145, des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg eröffnet worden ist, „ein unterschätzter Komponist, der erst in den letzten Jahren bekannter wurde“ und zugleich ein enger Freund von Dimitri Schostakowitsch gewesen ist. „Er hat Weinberg sehr geschätzt und sich sehr inspirieren lassen.“
Das Orchester spielt Stücke von Mieczyslaw Weinberg
Diese persönliche Verbindung fand Einklang im ersten Teil dieser sommerlichen Serenade, indem neben Weinberg auch eine Kammersinfonie von Schostakowitsch auf dem Programm stand, fünf Sätze aus dem Opus 110a nämlich, in einer Bearbeitung von Rudolph Barschai. Für den zweiten Teil hatte das Orchester zudem das Rondo in A-Dur (D 438) von Franz Schubert sowie eine Streichersuite von Carl Nielsen ausgesucht.
Autor: Stefan Friedrich
Mit einem Klangerlebnis wird in Mühlacker ein doppeltes Jubiläum gefeiert
Die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallinger besteht seit 40 Jahren und konzertiert aus diesem Anlass im Uhlandbau.

MÜHLACKER. Mit dem diesjährigen Frühjahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim wurden gleich zwei runde Geburtstage gefeiert: 40 Jahre Kammersinfonie – 20 Jahre Konzerte im Uhlandbau Mühlacker.
Vor vier Jahrzehnten hatte Peter Wallinger, damals Musiklehrer am Bietigheimer Ellental-Gymnasium, die Idee, mit einer Gruppe junger Musiker ein Orchester zu gründen. Eines seiner Ziele war es, Musik quer durch Jahrhunderte bis in die Moderne in vielfältiger Form erlebbar zu machen. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Bis zu sechsmal im Jahr treffen sich Musikerinnen und Musiker, um zusammen mit ihrem künstlerischen Leiter neue Konzertprogramme zu erarbeiten. Mehr als 200 Werke umfasst heute das Repertoire. Das Orchester ist zu einem professionell arbeitenden Klangkörper gereift, das sich in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf erworben hat. Aufbauend auf dieser soliden künstlerischen Basis gelingt es Wallinger regelmäßig, für seine Konzerte national und international gefeierte Ausnahmekünstler als Solisten zu verpflichten.
2004 hängte er den Lehrerberuf an den Nagel. Als Dirigent und Initiator weiterer neuer Ideen war er voll ausgelastet. Bereits 1977 hielt seine neue Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ Einzug in die Lienzinger Frauenkirche. Doch Mühlacker sollte auch in der restlichen Jahreszeit musikalisch nicht brach liegen. Der Uhlandbau, wo Wallinger schon als Schüler in Konzerten als Violinist mitgewirkt hatte, rückte in seinen Fokus. Warum nicht selbst dort Konzerte veranstalten? Dessen gute Akkustik lud geradezu ein. Im April 2004 war es so weit. Mit einem „Ungarischen Tanz“ von Brahms gelang ein nachhaltiger Auftakt. Drei Jahre später stand das Gegenstück zum „Musikalischen Sommer“ auf festen Beinen. Die Winterkonzertreihe „MühlackerConcerto“ feierte Premiere. Knapp 60 Kammersinfonie-Konzerte fanden bisher im Uhlandbau statt. Wallingers Initiative ist es auch zu verdanken, diesen wertvollen Konzertsaal nach Abriss des Mühlehofs nach jahrelanger Vergessenheit musikalisch neu belebt zu haben – und zwar hochkarätig. „Peter Wallinger ist der herausragende Kulturträger in unserer Stadt“ betonte Dr. Johannes Bastian, Vorsitzender des Fördervereins „Mühlacker Klassik“, in seiner Begrüßungsrede.
Grund genug also zum Feiern und Jubeln über soviel beglückende Historie mit heiteren Auftakten wie am Frühjahrskonzert. Gewiss war es kein Zufall, dass neben Slawischen Tänzen von Antonin Dvorak , einem „Valse triste“ von Jean Sibelius auch drei „Ungarische Tänze“ von Johannes Brahms auf dem Programm standen. Mit vitaler Frische und sichtbarer Freude spielte temporeich das Orchester auf, folgte dem kleinsten Wink seines Dirigenten und stimmte so die Zuhörer auf ein nächstes klangprächtiges Erlebnis ein.
Der Geigenbauer J. B. Guadagnini schuf 1755 die Geige, die Ursula Schoch heute noch spielt. Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 war der glanzvolle Höhepunkt der Jubiläumsfeier. Die Solistin ist Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters in Amsterdam. In Mühlacker ist sie keine Unbekannte, denn seit den 1990er Jahren hat sie unter Leitung Wallingers zahlreiche Violinkonzerte interpretiert. Ihr Spiel ist kaum in Worte zu fassen. Auswendig trägt sie dieses, mit kompositorischen Finessen aller Art gespickte Meisterwerk vor. Dynamisch, mit überbordender Spielfreude, mit unbeschreiblich reinem Bogenstrich, ungemein flinken Fingern, die auf den Saiten auf- und ab eilen, zartesten klangreinen Flageoletti in höchsten Lagen – atemberaubende atmosphärische Klänge, wie aus anderen Welten und zum Dahinschmelzen schön. Gänsehaut-Feeling inbegriffen. Das Orchester entfaltete dazu einen wunderbar warmen Klang, hüllte damit beim Larghetto fast spürbar wie mit wärmendem Mantel die Zuhörer ein. Aber auch klangprächtig voluminös wussten Musikerinnen und Musiker aufzuspielen und kontrastreich im Rondo dann wiederum tänzerisch leicht zu agieren. Alle Mitwirkenden wurden mit stehenden Ovationen gefeiert, der Beifall wollte nicht enden. Ursula Schoch dankte mit einem Largo von Bach – ohne Orchesterbegleitung.
Autorin: Eva Filitz
Schon Mozart liebte den singenden Klang der Klarinette
Beim Adventskonzert im Uhlandbau Mühlacker sind die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und das Ausnahmetalent Sebastian Manz zu hören.

MÜHLACKER. Schöner hätte für Musikfreunde ein Adventssonntag nicht enden können. Im Rahmen ihrer MühlackerConcerto-Reihe musizierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Leitung von Peter und Simon Wallinger im Uhlandlandbau mit einem erlesenen Programm.
Peter Wallinger, der vor 38 Jahren die Kammersinfonie gegründet hat, stand am Pult und stimmte seine Musiker auf Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Klarinettenkonzert ein. Schon die ersten Takte versprachen ein wunderbares Konzerterlebnis in einem virtuosen Zusammenspiel mit dem Stargast des Abends, dem Klarinettisten Sebastian Manz. Ihm, dem Ausnahmetalent an der Klarinette, wurde die Musik gewissermaßen in die Wiege gelegt. Beide Eltern sind Pianisten. Sein Großvater, der international gefeierte russische Geiger Boris Goldstein (1922-1987), sorgte schon als Zehnjähriger für Furore, als er, begleitet vom Moskauer Rundfunkorchester, mit Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert im Radio zu hören war. Sein Enkel Sebastian, 1986 in Hannover geboren, war sieben, als er seine Liebe zur Klarinette entdeckte, mit elf begann er als Jungstudent an der Musikhochschule Lübeck zu studieren. Unter bedeutenden Lehrkräften, die sein Talent förderten, war auch die bekannte Klarinettistin Sabine Meyer.
Ein Markstein auf seinem Weg in den Olymp der Klarinettisten war 2008 sein Erfolg beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. Er gewann neben dem seit 40 Jahren nicht mehr vergebenen 1. Preis in der Kategorie Klarinette auch den begehrten Publikumspreis sowie weitere Sonderpreise. Einige Monate zuvor hat er gemeinsam mit seinem Klavierpartner Martin Klett auch den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen. 2011 erhielt er für seine Aufführung des Klarinettenkonzerts A-Dur KV 622 von Mozart den Echo-Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres“.
Und mit diesem Spätwerk des genialen Komponisten glänzte Manz. Mozart liebte den singenden Klang der Klarinette und der Solist wusste alle Facetten dieses Werkes zu erfassen und dessen unvergängliche Klänge den Zuhörern, ohne Übertreibung, ans Herz zu legen. Melodien erklangen, taktweise ergreifend schlicht, aber von unglaublicher Intensität und Ausdrucksstärke.
Mozart komponierte das Konzert etwa zwei Monate vor seinem Tod. Trotz seines jungen Alters war er zu einer fast erschütternden Erkenntnis gelangt: „… da der Tod der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes!“, ist in einem Brief vom 4. April 1787 an seinen schwer erkrankten Vater nachzulesen. Ist es diesem Empfinden zuzuschreiben, dass in vielen von Mozarts Spätwerken hintergründig eine sanfte Melancholie mitzuschweben scheint? Manz wusste mit seinem unvergleichlichen Spiel alle schicksalshaften Nuancen offenzulegen. Besonders seine Wiedergabe des Adagios mit den tief berührenden, weiten, stimmungsvollen Klangbögen konnte in Traumwelten entführen.
Für den schier überbordenden Beifall bedankte er sich mit einer überraschenden Zugabe. Im Nu bildete er mit vier Streichern aus dem Orchester ein Quintett, das mit dem Adagio aus Mozarts Klarinettenquintett KV 581 – ebenfalls ein Spätwerk, komponiert 1789 – die Zuhörer erneut mit klanglichem und melodischem Zauber beschenkte.
Nach der Pause hatte zunächst Simon Wallinger das Wort und bereitete das Publikum auf einen einschneidenden musikalischen Kontrast vor. Er stellte den nächsten Komponisten vor: Mieczyslaw Weinberg (1919- 1996), dessen Klangwelt eine ganz andere war als die von Mozart. Unter Leitung von Peter Wallinger war das Orchester auch diesem Wechsel gewachsen. Dessen abwechslungsreiche und pointierte Interpretation des „Moderato“ aus der Kammersinfonie Nr. 2, op. 147 bot ein teils befremdendes, aber dennoch auf hoher Ebene stehendes Klangerlebnis. „Es ist dies der Auftakt zu einem neuen Weinberg-Zyklus, den wir in nachfolgenden Konzerten fortsetzen“, hatte Simon Wallinger zuvor informiert.
Der Junior, erfahrener Kontrabassist, Cembalist und Pianist, hat sich nach seiner Ausbildung in Meisterkursen auch bereits als Dirigent Meriten erworben. Zum Abschluss des bis dahin so bereichernden Adventskonzertes leitete er die Kammersinfonie. Eine Rückkehr zu gewohnteren Klangfarben bot ihm die reizvolle Wiedergabe der Sinfonie Nr. 81 G-Dur von Joseph Haydn (1732-1809), ein Werk, dessen Interpretation durchaus eine Herausforderung ist. Ungewöhnlich schon die Einleitung mit wuchtigem Forte, dem zunächst nur einige Takte Cellobässe wie getrommelt folgen, ehe das Orchester dann, noch immer von Beginn an mit hoher Spielfreude und stets konzentriert und aufmerksam seinem jungen Dirigenten folgte, der nun mit prächtiger Klangfülle den Schlusspunkt setzte. Mit strahlenden Gesichtern applaudierte und dankte ein rundum begeistertes Publikum für diesen beglückenden Konzertabend.
Autorin: Eva Filitz
Heitere Serenaden aus dem hohen Norden
Die jüngste Matinee der Reihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche ist vor allem skandinavischen Komponisten gewidmet.

LIENZINGEN. In der Klassikreihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche führten die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Zuhörer auf einer musikalischen Reise in den hohen Norden. Die Reiseroute kam beim Publikum bestens an. Als Solistin gastierte die Geigerin Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Concertgebouw Orchesters Amsterdam, bestens bekannt in der heimischen Musikszene und ebenso auf internationalen Bühnen zu Hause.
Einziger nicht skandinavischer Komponist im Programm war der deutsche Max Bruch (1838-1920). Das bekannteste Werk des gebürtigen Kölners ist sein Violinkonzert Nr. 1, und ein erster Gedankensprung ging da fast zwangsläufig hin zur Violin-Solistin. Doch Schoch musste noch nicht den Bogen spannen. Zum Auftakt erklang nicht dieses Konzert von Bruch, sondern seine „Serenade nach schwedischen Volksmelodien“, ein Spätwerk von ihm. Die fünf Sätze entsprechen der traditionellen Serenadenform mit einem Marsch zu Beginn und am Schluss, eingebettet darin ein Andante, Allegro und Andante sostenuto. Einfache, schlichte Melodien von Volksliedern hatte Bruch adaptiert, klar und transparent nun vom Orchester zum Klingen gebracht. Am Pult stand Simon Wallinger und gestaltete mit lebhaftem Dirigat einen bravourösen Auftakt dieser Matinee.
In den nachfolgenden zwei Humoresken op. 89 des norwegischen Komponisten Jean Sibelius (1865-1957) für Sologeige und Orchester konnte nun Ursula Schoch ihr breitgefächertes Können zu Gehör bringen. Sie brillierte in den beiden Sätzen Alla Gavotta und einem Andantino wie auch bei ihrem zweiten Auftritt mit ihrer Interpretation der Romanze G-Dur op. 26 von Johan Svendsen (1840 -1911). Es dirigierte nun der Gründer der Kammersinfonie, Peter Wallinger, der die Solistin schon seit ihrer Schulzeit gefördert hat. Einfühlsam, aber auch selbstbewusst, begleitete das Orchester die Solistin, ließ ihr aber genügend Raum, sich voll zu entfalten. Ihre orchestrale Souveränität brachten die Musiker auch in einem zweiten Werk von Svendsen, „Zwei Isländische Melodien, op. 30“ überschrieben, zum Ausdruck.
Mit Arvo Pärt (geb. 1935), einem estnischen Komponisten, der als einer der bedeutendsten lebenden Komponisten Neuer Musik gilt, wechselte die bisher heitere, unbeschwerte Tonlage auf eine andere Ebene mit Hingabe und beeindruckender Sensibilität um, getragen von der behutsamen Begleitung des Orchesters. Gewidmet hat Pärt dieses Werk Papst Benedikt XVI. und es zu dessen 60. Jubiläum der Priesterweihe ihm selbst vorgetragen. Chihiro Saito stimmt als Solo-Cellistin das „Vater unser“ von Pärt an. Tiefe Stille herrschte im Kirchenraum. Ergriffenheit spiegelte sich in Gesichtern vieler Zuhörer, die tief berührt den bittenden Klangphasen lauschten und vielleicht auch in Gedanken den Text mit der gehörten Melodie verbanden. Das nicht einfache Thema setzte Saito mit Hingabe und beeindruckender Sensibilität um, getragen von der behutsamen Begleitung des Orchesters. Gewidmet hat Pärt dieses Werk Papst Benedikt XVI. und es zu dessen 60. Jubiläum der Priesterweihe ihm selbst vorgetragen.
Einer durfte in dem Konzertreigen selbstverständlich nicht fehlen, nämlich der bekannteste skandinavische Komponist, Edvard Grieg (1843-1907). Mit einer farbenprächtigen Wiedergabe der Suite für Streichorchester op. 40 „Aus Holberg’s Zeit“, in allen spielbaren Nuancen ausgeführt, setzten Peter Wallinger und seine Musiker noch einen Glanzpunkt auf das ohnehin schon hoch anspruchsvolle Musizieren. Festliche Stimmung verbreitete das Präludium, tänzerisch heiter die Sarabande, die zum Träumen verleiten könnte, aber schnell machte die rustikal anmutende Musette wieder munter. Doch dann eine andachtsvolle Air, einem Gebet gleich, das zum Innehalten zwang. Aber nur so lange, bis ein Rigaudon, ein schneller Tanz, einen fulminanten Schlusspunkt setzte. Grieg umriss mit seiner Musik das Lebenswerk von Ludvig Holberg, der, 1684 in Bergen geboren, als Philosoph, Dichter und Humorist zu seiner Zeit Marksteine setzte und Zeitläufe prägte.
Autorin: Eva Filitz
Eine Weltpremiere in der Lienzinger Frauenkirche
Die Reihe „Musikalischer Sommer“ hatte am Samstagabend etwas ganz Besonderes zu bieten: Die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim durfte das der Harfenistin
Anne-Sophie Bertrand gewidmete Konzert „L’Oiseau bleu“ des zeitgenössischen Komponisten Nimrod Borenstein der Öffentlichkeit präsentieren.

LIENZINGEN. Nach dem erfolgreichen Auftakt mit zwei Auftritten im Juni fand am vergangenen Wochenende das Festival „Musikalischer Sommer“ wie geplant in der Lienzinger Frauenkirche seine Fortsetzung. Unter Leitung von Peter Wallinger musizierte die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in kleiner Besetzung mit drei ersten und zwei zweiten Violinen, zwei Violen, zwei Violoncelli und einem Kontrabass. Geboten wurde eine „Sommerliche Serenade“ mit Werken von europäischen Komponisten der Spätromantik bis hin in die Gegenwart mit „neuer“ Musik. Die Namen waren teils unbekannt. Doch die Neugier war offensichtlich geweckt, wie die voll besetzten Kirchenbänke bewiesen. Zudem war eine international berühmte Solistin angekündigt. Eine goldglänzende Harfe inmitten der zehn Pulte zog die Blicke auf sich und sorgte für gespannte Erwartung. Spanisch begann dies außergewöhnliche Konzertstunde mit „La oracion del torero – Gebet des Toreros“ des in Sevilla geborenen
Komponisten Joaquin Turina (1882-1949). Kernpunkt seines Schaffens waren die Sitten und Gebräuche seiner Heimat Andalusien, darunter als unverzichtbare Komponente der Stierkampf. Laut Überlieferung hat ihn die Beobachtung eines betenden Toreros vor Kampfbeginn inspiriert, dessen emotionale Empfindungen in Noten festzuhalten.
Eine Herausforderung für die Musiker, mit feinem transparenten Bogenstrich diesen Gefühlen nachzuspüren und sie dem Zuhörer nachvollziehbar zu Gehör zu bringen. Fast geheimnisvoll die ersten Takte, nach tänzerischen Anklängen ein dramatischer Ausbruch, der wohl den Höhepunkt des Kampfes erfasst, ehe in ruhig dahinfließenden Klangbildern das eigentliche Gebet angestimmt wird. Kurz wiederholen sich zum Schluss einige der tänzerischen Momente. Mit stillem Ausklang hat der Torero Kraft und seien Frieden gefunden. Unter der subtilen Stabführung ihres Dirigenten gelang es dem Ensemble, die Intentionen des Komponisten nachhaltig umzusetzen. Das Publikum war begeistert über diesen vielversprechenden Auftakt.
Und schon war der Höhepunkt des Abends gekommen. Sind sonst Uraufführungen von Werken bedeutender Komponisten das Privileg großer Konzerthäuser wie der Royal Festival Hall in London, der Tonhalle in Zürich oder der Carnegie Hall in New York, so fand am Samstag eine solche Weltpremiere in der kleinen Frauenkirche statt. Der britisch-französisch-israelische Komponist Nimrod Borenstein, Jahrgang 1969, hat sein Konzert für Harfe und Orchester „L’Oiseau bleu – Der blaue Vogel“ der renommierten und international mit höchsten Preisen ausgezeichneten Harfenistin Anne-Sophie Bertrand gewidmet. Coronabedingt musste die bereits für Juli 2020 in Cardiff geplante Uraufführung ausfallen und wurde nun der Kammersinfonie anvertraut. Betrand war in Lienzingen keine Unbekannte. Die Zusammenarbeit mit ihr begann bereits im Januar 2012. Nach den bisherigen Aufführungen klassischer Kompositionen für Harfe nun also eine zeitgenössische Borenstein-Komposition. „Ich wollte ein Stück schreiben, in dem die Harfe lyrisch, ja magisch klingt – so wie man sich eigentlich Feenmusik vorstellen würde“, schreibt der Komponist über sein Werk. Eine Vielzahl unterschiedlicher Atmosphären wolle er schaffen, bestimmte Charakteristiken hervorheben, verschiedene Stimmungsbilder aufbauen und mit Kontrasten wesentliche Aspekte zwischen Musik und Kunst aufzeigen.
Wallinger klassifizierte den blauen Vogel als ein interessantes, höchst filigranes Werk. Eingestimmt mit zarten pizzicati, dann mit hellem Harfenklang startet der Vogel zu seinen Höhenflügen, ruft mit keckem Ton, macht Rast, und meldet sich erneut mit zwitscherndem Harfenklang – der Fantasie waren scheinbar keine Grenzen gesetzt. Ob nun der Hauch von schwebenden Feen zu spüren war, mag jeder Zuhörer für sich entscheiden. Perlenden Harfenklängen begegneten die Streicher doch recht prägnant. Jedoch der Schluss beglückte. Ganz zart und behutsam vom pizzicato des Kontrabasses getragen, schien nun doch ein unbestimmtes Etwas, eingehüllt in leise verklingende Harfenakkorde, durch den Raum zu schweben.
Als Solistin war Anne-Sophie Bertrand noch mit den „Danse sacrée et Dance profane“ von Claude Debussy (1862-1918) zu hören. Hierbei galt es für Harfe und Streicher transparent zu differenzieren zwischen der fast geheimnisvoll klingenden strengen geistlichen Aura und dem lebhaften, eher weltlichen, mit schwingenden Walzerklang untermalten städtischen Gehabe. Tosend der Beifall, als Bertrand sich nun verabschieden wollte. Doch das Publikum ließ sie nicht gehen, die Begeisterung und der Beifall waren riesengroß.
Was geschah? Nicht nur eine, sondern zwei Zugaben gab die Harfenistin. Denn ihre Wiedergabe „Die Lerche“ des russischen Komponisten Michail Glinkas und „La source – die Quelle“, die berühmteste Komposition des belgischen Komponisten Alphonse Hasselmans, übertraf alles, was die Solistin an diesem Abend bisher geboten hatte – und das war bereits tief beeindruckend gewesen. Es ist müßig, Einzelheiten ihrer Interpretationen noch hervorzuheben – sie waren tief berührend, aber auch erheiternd. Die ganze Palette menschlicher Gefühle, aber auch Irrungen und Wirrungen, schloss die Solistin in ihr Spiel ein. Die Gesichter der Zuhörer glichen Stimmungsbildern, als sie zum Beispiel die Quelle so munter dahin sprudeln ließ.
Vergessen werden darf nicht das harmonische Zusammenspiel mit allen Musikern der Kammersinfonie, die mit großer Spielfreude dem stets einfühlsamen Dirigat Wallingers folgten. Der Kirchenraumfüllte sich mit singendem Celloklang, als die Solocellistin der Kammersinfonie, Chihiro Saito, von Pablo Casals das „El Cant dels Ocells – Gesang der Vögel“ anstimmte, getragen von der in allen Passagen behutsamen Begleitung des Ensembles. Immerhin galt es 32 Vogelstimmen erkenntlich zu intonieren. Am Schluss des so facettenreichen Konzertprogramms präsentierte sich die Kammersinfonie noch einmal in voller Klangpracht mit der Serenade für Streichorchester op. 20 des englischen Komponisten Edward Elgar (1857-1934). Ernste Töne im ersten Satz glitten in Elegie im zweiten hinüber, ehe der dritte mit einem Allegretto heiter ausklang. Auch die Musiker der Kammersinfonie wurden mit Beifall überschüttet, viele Worte aufrichtigen Dankes fielen. Noch einmal griffen die Musiker zu ihren Instrumenten. Bis zum letzten Ton genossen die Zuschauer die Elgar-Zugabe, ehe sie glücklich und zufrieden hinaus in den lauen Sommerabend gingen.
Um der Nachfrage zu genügen, wurde das Konzert am Sonntagvormittag wiederholt.
Autorin: Eva Filitz
Klavierkonzert mit finalem Klangfeuerwerk
Umjubelter Abschluss der Reihe Concerto Mühlacker
Mühlacker (eu). Eine „Suite française“ mit betörenden Stücken von Claude Debussy und Maurice Ravel sorgte jüngst für einen begeisternden Saisonabschluss der MühlackerConcerto-Reihe im Uhlandbau. Das zum Konzertauftakt präsentierte „Prélude à l’après-midi d’un faune“ demonstrierte nicht nur erneut die Souveränität Peter Wallingers als Dirigent und die Versiertheit seiner Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, sondern präsentierte vor allem einen Debussy vom Feinsten.
Ätherisch schwebend bezauberte das einleitende Flötensolo, das die sinnliche Schwüle des gleichnamigen Mallarmé-Gedichtes spüren ließ. Dann faszinierte das Wogen und Wallen der naturidyllischen, hitzig aufgeladenen Nachmittagsstimmungen des lüsternen Halbgotts, ausgedrückt auch in Harfengezirpe und Geisterglöckchen. Rauschhafte Crescendi mündeten in leuchtende Klangflächen. Der Höhepunkt des Konzertabends war die Wiedergabe von Ravels G-Dur-Konzert für Klavier und Orchester – eine Herausforderung für den Pianisten und die Kammersinfonie, die der Münchener Musikhochschulprofessor Markus Bellheim als Solist am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meisterten. Mit kühlem Kopf, ja mit erstaunlicher Frische und scheinbarer Leichtigkeit bewältigte Bellheim den motorischen Schwung mancher Passagen, die Klang-Raffinements, die jähen Umschwünge der Dynamik, die Farbkontraste.
Mit einem Peitschenknall begann das Ravel-Konzert, dann folgten nach Klaviertremoli energisch lärmende Skalen, auch ein zackig-jazziger Piccoloflöten-Marsch. Im zweiten Satz zelebrierte ein gedehntes Klaviersolo stimmungsvolle Melancholie. Im letzten Satz entfaltete sich nach vorwärtstreibenden, scharf konturierten Rhythmen ein musikantisch tobendes, finales Klangfeuerwerk.
Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Orchester Ravels „Pavane pour une infante défunte“ als gemächlichen Schreittanz mit kapriziösen Bläsereinwürfen, sowie Ravels ursprünglich für Klavier komponierte „Valses nobles et sentimentales“ mit heftig durchgezeichneten Strukturen, lebhaften Klanggesten und fesselnder Expression. Das Publikum im Mühlacker Uhlandbau reagierte mit jubelndem Applaus.
Eckehard Uhlig