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admin

Ungeschminkt im besten Sinne

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim legt ihre CD „Live 2016“ vor

Bietigheim-Bissingen. „Ungeschminkte Konzertmitschnitte“ verspricht das Booklet der nunmehr vierzehnten CD in der Reihe „Kammersinfonie live“, die die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim jetzt vorgelegt hat. Das klingt ein wenig, als müsste man etwaigen spielerischen oder tontechnischen Beanstandungen vorsorglich entgegentreten. Dabei braucht sich der bereits seit über drei Jahrzehnten bestehende Klangkörper keineswegs zu verstecken. Der Querschnitt durch die drei Konzerte am 17. Januar und 19. März in Mühlacker sowie am 4. Dezember 2016 in Bietigheim-Bissingen führt vor Ohren, dass das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger in der Lage ist, unterschiedlichste Werkgattungen und Epochen zu bedienen – in diesem Fall sind es Werke von Antonin Dvorák, Gustav Mahler, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven.

Überaus furios kommt so Dvoráks Slawischer Tanz op. 46 Nr. 8 daher, geschmeidig winden sich die Streicher durch die von tongeschlechtlichen und dynamischen Kontrasten geprägten Kapriolen. Ausgewogen und präzise präsentiert sich der Streicherapparat, farbprächtig das Holz. Die Höhepunkte der Kompilation stellen sicherlich die fein konturierten Auftritte der drei Solistinnen dar. Hiyoli Togawa spielt die Viola in den vier Instrumentalbearbeitungen von Schuberts berühmter „Winterreise“ – darunter Lieder wie „Wetterfahne“ und „Der Leiermann“ – mit einem körperreichen, bisweilen keck ausbrechenden Ton, der den bewussten Textverzicht beinahe vergessen lässt. Der jungen Pianistin Magdalena Müllerperth ist indes die Spielfreude, gepaart mit beachtlicher künstlerischer Reife im brillanten Kopfsatz von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, deutlich anzuhören. Klanglich ungeschminkt im besten Sinne ist diese CD, die sich bei weitem nicht nur für eingefleischte Fans des Klangkörpers zu hören lohnt.

Johannes Koch

Klassikgenuss zum Nachhören – Neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ ist erhältlich

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Höhepunkt der CD: Magdalena Müllerperth als Solistin in Beethovens 5.Klavierkonzert im Mühlacker Uhlandbau.

Bietigheim. Rasant und rhythmisch akzentuiert der Auftakt, schwelgerisch narkotisierend das Folgestück – mit diesem musikalischen Kontrapunkt steigen Peter Wallinger und die von ihm geleitete „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ in ihre neue CD mit Konzert-Ausschnitten „live 2016“ ein.

Denn die ersten beiden Nummern, mit denen die Platte eröffnet, sind der slawische Tanz „Furiant“ (op. 46, Nr.8) von Antonin Dvorák mit seinen temperamentvollen Folklore-Farben (Mitschnitt vom 19. März) sowie das melancholische „Adagietto“ aus Gustav Mahlers 5. Symphonie (Mitschnitt vom 4. Dezember).

Die Viola singt Schubert

Als drittes Stück ist Franz Schuberts „Deutscher Tanz“ Nr. 3 D-Dur (aus D 90) zu hören. Dann folgen als Uraufführung die von Simon Wallinger für Streicher und solistische Viola originell bearbeiteten Lieder aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ – mit der exzellenten Bratscherin Hiyoli Togawa. Und ebenfalls von Schubert das Streicher-Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89), in dem der solistische Part bei der Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi liegt (Mitschnitte vom 17. Januar).

Das Großereignis der Concerto-Reihe 2016 im Mühlacker Uhlandbau (und im Konzertzentrum Bietigheim-Bissingen), die Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur mit der jungen, aus Maulbronn-Schmie stammenden Meisterpianistin Magdalena Müllerperth, ist der zweiten Hälfte der CD-Aufnahme vorbehalten (Mitschnitt vom 4. Dezember). Wobei dieser Teil mit rund 40 Minuten Spieldauer mehr Zeit beansprucht als alle vorausgegangenen Kompositionen zusammen, die deshalb auf der CD wie ein facettenreiches Musikvorspiel wirken.

Geboten werden die Aufnahmen in solider Ton-Qualität. Der außerordentliche Rang der Interpretationen wurde schon seinerzeit in Pressekritiken hervorgehoben – sie sind ausschnittweise im Booklet nachzulesen. Der Reiz des Albums liegt auch im Atmosphären technisch ungeschönter Live-Musik. Mit der CD kann man Musikerlebnisse erinnernd nachvollziehen und beispielsweise die klangschönen Viola-Kantilenen der Togawa oder die von Müllerperth locker über das Klaviermanual gewirbelten Skalen und ihren verträumten „Adagio“-Gesang im Beethoven-Konzert immer wieder neu genießen. Auch der dokumentarische Wert sollte nicht vergessen werden. Diese Jahres-CD ist eine Bereicherung für jede Diskothek.

Eckehard Uhlig

Von sphärisch bis furios

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Neue CD mit den Konzerthöhepunkten der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ aus dem Jahr 2016 erschienen

Die Bratschistin Hiyoli Togawa hat mit ihrem ausdrucksstarken Spiel beim Neujahrskonzert 2016 der Süddeutschen Kammersinfonie begeistert. Klassikfreunde können ihre Darbietungen und weitere Stücke, die das Orchester im vergangenen Jahr im Rahmen verschiedener Konzerte auf die Bühne gebracht hat, nun zu Hause auf CD nachhören. Foto: Appich

Die Sammlung wächst: Fans der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ können die Bestände in ihrem CD-Regal um eine Neuerscheinung erweitern.

Enzkreis. „Kammersinfonie live 2016“ heißt der Tonträger, der jetzt erschienen ist. Auch die 14. Auflage der Reihe enthält Konzertmitschnitte, die das Wirken des Orchesters unter seinem Gründer und Leiter Peter Wallinger dokumentieren. Aufgenommen wurden die Werke im Mühlacker Uhlandbau und im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen.

„Furiant“ ist das furiose Eröffnungsstück von Antonin Dvorák überschrieben. Diesen seinen Slawischen Tanz opus 46 Nummer 8 interpretiert die Kammersinfonie bei aller rhythmischen Vehemenz klangschön und fein austariert.

Gustav Mahlers Adagietto aus der Sinfonie Nummer 5 folgt und legt Zeugnis ab von einer großen Leistung der Streicher. Ihnen gelingt es, die zerbrechliche Melodik intensiv auszusingen, ohne kurzatmig oder gar rührselig zu werden. Sphärisch schweben sie über Harfenklängen, als gäbe es keine Bogen-, Saiten-, Lagenwechsel oder sonstige Störenfriede der auskomponierten Ruhe.

Umso zupackender gehen die Musiker unter Peter Wallingers Leitung bei Franz Schuberts Deutschem Tanz Nummer 3 in D-Dur zu Werke. Das kurze Werk mit seiner klaren Metrik erklang am 17. Januar 2016 im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau. Das Publikum bekam damals noch mehr von Schubert zu hören und kann die außergewöhnlichen Erlebnisse nun noch einmal auf sich wirken lassen. Außergewöhnlich deshalb, weil die Lieder „Wetterfahne“, Gefrorne Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ statt von einer menschlichen von der warmen Stimme einer Bratsche gesungen werden und statt eines Klaviers ein Streichensemble begleitet. Braucht es Worte, um die tiefen Gefühle zu transportieren? Simon Wallingers Arrangement spricht für sich und findet in der Solistin Hiyoli Togawa eine empfindungsreich und technisch versiert agierende Botschafterin des Textes. Besonders eindrucksvoll wirkt die Kälte, die sich in „Gefrorne Tränen“ hörbar über die Klänge legt. Eisig lassen die Orchestermusiker ihre Tränen auf die Saiten perlen, ehe die Solistin im „Frühlingstraum“ ihr Instrument neu erblühen lässt.

Franz Schuberts Menuett Nummer 3 in d-moll, vom Orchester delikat und schwingend gespielt, bietet zusätzlich zum ausgewogenen Orchesterklang edle Violintöne von Solistin Sachiko Kobayashi.

Das Finale der CD ist Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nummer 5 in Es-Dur und damit einer in der Region und längst weit darüber hinaus bekannten Solistin vorbehalten: Wer Magdalena Müllerperths furiosen Auftritt im Rahmen des Adventskonzerts verpasst hat, kann sich nun mit Hilfe der CD von ihren außergewöhnlichen Möglichkeiten überzeugen. Den einleitenden Akkorden des Orchesters im ersten Satz lässt sie perlende Läufe folgen, die sie frei gestaltet. Kraftvoll und markant interpretiert sie ihren Part, überzeugt aber auch in lyrischen Passagen. Das Orchester weiß beispielsweise im Frage- und Antwort-Spiel der Bläser eigene Akzente zu setzen. Alle Beteiligten gleichermaßen beweisen im zweiten Satz langen Atem und Freude am Ausgestalten, ehe ein ausgelassener Tastenwirbel im dritten Satz hinführt zum triumphalen Schlusspunkt.

Erhältlich ist die CD bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße und über das Sekretariat von „MühlackerConcerto“, Telefon 07043/958393, E-Mail: susanne@boekenheide.net.

Carolin Becker

Europäische Klangwelten dienen als Mutmacher

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Neujahrskonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ spannt einen breiten musikalischen Bogen.


Britten, Nordgren, Respighi und Bartók: Peter Wallinger dirigiert vier Werke aus vier Regionen Europas. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Ein Neujahrskonzert mit Musik aus allen Himmelsrichtungen hat am Sonntag die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau geboten. Ein Konzept, das gerade in stürmischen Zeiten das Augenmerk wieder darauf legt, dass wir durchaus nicht alleine stehen, da sich rings um uns herum Nachbarn befinden, die uns bereichern.

Mühlacker. Ein Neujahrskonzert mit Musik aus allen Himmelsrichtungen hat am Sonntag die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau geboten. Ein Konzept, das gerade in stürmischen Zeiten das Augenmerk wieder darauf legt, dass wir durchaus nicht alleine stehen, da sich rings um uns herum Nachbarn befinden, die uns bereichern.

Allzu fern schweifte die Kammersinfonie dabei nicht in die Ferne, lag das Gute doch, wie so oft, so nah. So konzentrierte sich Peter Wallinger als musikalischer Leiter auf Werke aus vier allerdings sehr unterschiedlich geprägten Ländern Europas. In einer Zeit, die von Brexit und aufkommendem Nationalismus auf der einen und von großer Hilfsbereitschaft, Offenheit und europäischen Idealen auf der anderen Seite geprägt ist, stellte das grenzüberschreitende Programm wieder einen kleinen Baustein dar, um daran zu erinnern, wie reich die Welt gemeinsam sein kann und wie vielfältig sie trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede doch ist.

So machte das Programm schon beim Lesen neugierig auf die Musik. Als besonderen Gast hatte sich Peter Wallinger Johann-Michael Schneider eingeladen, der als studierter Germanist und Violinist das Bindeglied zwischen Musik und Wort darstellte. In ruhiger Stimmlage ergriff er das Wort und sprach die Hoffnung aus, dass es trotz aller Dunkelheit und schweren Zeiten wieder frühlingshell werden möge. Aus Elias Canettis „Auftakt …“ zitierte er ein paar mahnende und zugleich vorab lobende Worte an das Publikum, denn kein Publikum sei so wohlerzogen wie ein Konzertpublikum, das ruhig und aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne folge. Wobei „ruhig“ in der Erkältungszeit ein nicht ganz einfaches Unterfangen ist.

Dann aber ließ die sueddeutschen kammersinfonie ihre Instrumente mit Benjamin Brittens „Simple Symphony“ und damit einem Werk aus einem Land erklingen, das eher dem europäischen Westen zugeordnet werden kann. Energisch forsch ging es das Orchester an, während der zweite Satz zart, mal an Regentropfen, mal an ein Gitarrenensemble erinnernd, durch den Saal tanzte. Der dritte Satz schloss das Werk in lyrisch schönem Ernst ab.

Finnland stand Pate für den Norden Europas. Ein trotz der Vorwarnung durch Schneider sehr langer Text über eine Busfahrt in Finnland bereitete dennoch gut auf die nordische Weite vor. Pehr Nordgrens „Spielmannsporträts“ bereiteten der Kammersinfonie sichtbar Freude, kamen in der Ausführung aber nicht über die finnische Seenplatte hinaus und blieben eher blass. Ganz anders der feurige Süden. Auch hier führte Schneider literarisch in die ländlichen Gegebenheiten ein und zitierte aus einem Text Vittorinis, der mit einem Augenzwinkern von dem Besuch eines heimkehrenden Sohnes bei seiner Mutter in Italien berichtet. Schwärmerisch und in vollem Klang, gefühlvoll und warm rundet die Kammersinfonie mit einer Folge von Arien aus der dritten Suite der „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi den Ausflug nach Südeuropa ab.

Der Osten darf zum Schluss seine geheimnisvolle Schönheit enthüllen. Schneider liest aus Deszö Kosztolányis „Ein Held seiner Zeit“ die wunderbare Begegnung des fiktiven Dichters Kornél Esti mit einer erblühenden türkischen Schönheit. Béla Bartóks Rumänische Volkstänze daran anzuschließen, führt den Gedanken des Hörers quasi weiter, konnten doch der Dichter und seine türkische Schönheit gemeinsam das Tanzbein schwingen. Und zugleich rundet es den Gedanken des Konzerts ab. Denn die Verbrüderung der Völker sei, so zitiert Schneider den Komponisten, die eigentliche Idee, der er in seiner Musik dienen wolle.

Und wenn diese Idee so schön und zugleich klangvoll durch die Soloviolinistin Sachiko Kobayashi und die energisch und doch tänzerisch aufspielende sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter Peter Wallinger erklingt, kann man wahrhaft auf den „Europäischen Frühling“ hoffen.

Irene Schallhorn

Musik von frühlingshafter Leichtigkeit

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Neujahrskonzert: Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim lädt zu einer musikalischen und literarischen Reise durch Europa ein und begeistert das Publikum in der Kelter.

Die Süddeutsche Kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger lud zur Reise durch Europa ein. Foto: Richard Dannenmann

Einen echten Hörgenuss versprach Bürgermeister Joachim Kölz den Besuchern in der nicht ganz ausverkauften Kelter am Sonntagabend, und er sollte recht behalten. Die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter ihrem Dirigenten und musikalischen Leiter PeterWallinger stimmten bei ihrem traditionellen Neujahrskonzert virtuos auf die kommenden Wochen und Monate ein. „Das Konzert steht unter dem Motto ‚Europäischer Frühling‘, obwohl in unserer Stadt gerade der Winter eingekehrt ist“, leitete Bürgermeister Kölz in den Abend ein. Aber bekanntlich habe der Winter die Stadt meist nicht von allzu lange im Griff, sodass sich die Konzertbesucher bereits auf den Frühling freuen könnten. Das Motto lasse sich aber auch im übertragenen Sinne deuten. Zwischen einigen Staaten Europas herrschte im vergangenen Jahr frostige Stimmung in ihren wechselseitigen Beziehungen. „Daher hoffen wir darauf, dass in diesem Jahr bei diesen Kontakten wieder mehr der Frühling präsent ist“, betonte Bürgermeister Kölz in seiner einleitenden Ansprache.

„Wir hoffen in Europa auf mehr Frühlingspräsenz.“

Joachim Kölz · Bürgermeister

Danach ergriff Schauspieler Johann-Michael Schneider das Wort und machte den Besuchern Appetit auf Musik aus vier Himmelsrichtungen in Europa. Den Auftakt dabei machte Großbritannien mit dem bekannten Komponisten Benjamin Britten und seiner „Simple Symphony“, von der die Musiker der Kammersinfonie drei Sätze vortrugen. Besonders im zweiten Satz, dem spielerischen „Pizzicato“, zupften die Akteure vorwiegend an Violine, Kontrabass oder Violoncello. Dieses Werk, das Britten im Alter von 20 Jahren schrieb, enthält viele Passagen, die der englische Komponist schon in seiner Kindheit und Jugend arrangiert hatte. Entsprechend frisch, unbekümmert und heiter waren die Melodien, bei denen auch immer wieder auf Walzerklänge und barocke Tänze Bezug genommen wurde bis hin zum kraftvollen Finale. Zwischen den einzelnen Sätzen rezitierte Theater-Schauspieler Johann-Michael Schneider bekannte Verse von Wystan Hugh Auden, der zu den größten englischen Lyrikern des 20. Jahrhundert zählt. „Manch einer sagt, Liebe sei kindisch, mancher sagt, sie sei federleicht, für manchen dreht sie die Welt im Kreis, manch andrer findet’s zu seicht“, zitierte Schneider aus „Sag mir die Wahrheit über die Liebe“, und die Verse harmonisierten mit der beschwingten Musik Brittens.

Von England begaben sich Musiker und Besucher in den hohen Norden nach Finnland, wo Komponist Pehr Henrik Nordgren zu Hause war. Seine Streichersuite „Pelimannimuotokuvia op. 26“ intonierten die Mitglieder der Kammersinfonie in gekonnt brillanter Weise, indem sie den Charakter des Werks, mit dem sich der Komponist der Folklore widmete, schwungvoll deutlich werden ließen. Literarisch wurde die Musik umrahmt von der seltsam erscheinenden Novelle „Die Busfahrt“ der finnischen Autorin Suvi Vaarla.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger lud zur Reise durch Europa ein.

Vom kalten Norden ging es in den sonnigen Süden nach Italien, wo schon Komponist Ottorino Respighi mit seiner Orchestersuite aus „Antiche Danze ed Arie“ wartete. Der Italiener ließ sich bei diesem Werk von Lautenklängen aus längst vergangenen Zeiten inspirieren und hat diese neu interpretiert. Die Rhythmen der Kammersinfonie muteten bisweilen mystisch, dann wieder kraftvoll oder auch spielerisch leicht an.

Dazu las Schauspieler Schneider aus Elio Vittorinis Roman „Gespräche in Sizilien“, in dem dieser Kindheitserinnerung und die Liebe zu seinem Heimatland Italien verarbeitete. Zum Abschluss des Neujahrskonzerts stattete die Kammersinfonie noch Ungarn einen Besuch ab. Vielfältig, manchmal wild und ausgelassen waren die Klänge der „Rumänischen Volkstänze“, die Béla Bartók für Streichorchester und Solovioline komponiert hatte. Inspiriert wurde der Ungar dazu von den Melodien und Volksliedern, die er in den Dörfern Siebenbürgens gesammelt hatte, das damals noch zu Ungarn gehörte. Variantenreich waren auch die Bekenntnisse von Autor Dezsö Kosztolänyi in „Ein Held und seine Zeit“, aus denen Schneider ergänzend vortrug. Den besonderen Applaus des Publikums verdiente sich bei diesem Finale des Neujahrskonzerts Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi an der Solovioline.

Erst Stuttgarter Raum, jetzt aus 13 Nationen

Um ausgetretene Pfade zu verlassen, wurde die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim1984 von ihrem musikalischen Leiter Peter Wallinger gegründet. Er ist heute international als Gastdlrigent tätig. Inzwischen stammen die engagierten Mitglieder des Orchesters aus dem gesamten süddeutschen Raum und es sind bis zu 13 Nationen vereint. Mehrmals im Jahr schließen sich die bis zu 40 Musiker zusammen, um erlesene Konzertprogramme miteinander einzustudieren. bz

Michaela Glemser

Kammersinfonie Bietigheim gibt ein Gastspiel

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Das Neujahrskonzert steht 2017 unter dem Motto „Europa“.

Murr. Stille breitet sich im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses Murr aus, kurz bevor die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim den Auftakt anstimmt. Zum mittlerweile 20. Mal leitet das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger das neue Jahr ein.

Unter dem diesjährigen Motto “Europäischer Frühling“ erklangen Musikstücke aus vier Himmelrichtungen Europas: Finnland verkörpert den Norden, Italien den Süden, England den Westen und Ungarn den Osten. Die Musikstücke stammen von den vier Komponisten Béla Bartók, Ottorino Respighi, Pehr Henrik Nordgren und Benjamin Britten. Diese Künstler sind tief mit ihrem jeweiligen Land und dessen Tradition verwurzelt.

Sprachlich begleitet wurde das Konzert von dem in Berlin wohnenden Johann-Michael Schneider. Der Schauspieler, Theatermusiker und Regisseur studierte Germanistik, Philosophie und Musik und hegt große Leidenschaft für das Zusammenspiel von Musik und Schauspiel. Er stimmte das Konzert mit den Worten „der Europäische Frühling ist die Hoffnung und die Gewissheit, dass obwohl Europa im Winter liegt, der Frühling wieder kommt“, an. Zur jeweiligen Himmelsrichtung trug er passende Textauszüge aus Romanen auf humorvolle und unterhaltsame Weise vor. Kennengelernt haben sich Peter Wallinger und Johann-Michael Schneider über Kontakte aus dem Orchester.

Die Inspiration für das diesjährige Motto war die Aktualität. „Das ist ein sehr großes Thema“ erzählt Peter Wallinger, „und mit diesem Konzert wollen wir die positive Seite Europas aufzeigen.“ Das enorm große wissenschaftlich und philosophische Potenzial und diese kulturelle Vielfalt seien einmalig, bemerkt er. „Europa ist nicht kleinzukriegen, trotz der vielen negativen Schlagzeilen zurzeit. Ich bin da optimistisch.“

Peter Wallinger gründete und leitet die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim seit 1984. Für die Neujahrskonzerte in Murr sucht er immer wieder nach Inspirationen und setzt originelle Akzente. Themen aus vergangen Neujahrskonzerten waren etwa Dantes „Göttliche Komödie“, die Fabeln von La Fontaine und das finnische Nationalepos „Kalevala“ von Elias Lönnrot. „Dieses Jahr war die Musik eher folkloristisch und tänzerisch geprägt. Die Spielmannsmusik spiegelt am besten das typische der Region und den Optimismus unseres Mottos wieder“. Mit dem 2008 verstorbenen Komponisten Pehr Henrik Nordgren, der das Land Finnland repräsentiert, hatte Peter Wallinger vor dessen Tod sogar persönlich Kontakt.

Der Orchesterleiter freut sich darüber, wie gut besucht das Neujahrskonzert in Murr jedes Jahr ist. Es werde auch nächstes Jahr wieder stattfinden. „Der Termin steht schon fest“, erzählt er.

Anne-Sophie Michaelis

Das überraschend andere Neujahrskonzert: „MühlackerConcerto“

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· Originelles Programm unter dem Motto „Europäischer Frühling“
· Viel Beifall für Matinee der „MühlackerConcerto“- Reihe im Uhlandbau

Peter Wallinger dirigiert seine sueddeutsche kammersinfonie beim heiter-besinnlichen Konzert im Uhlandbau Foto: Fotomoment

Mühlacker. Die vom Wiener Walzertakt geprägten traditionellen Neujahrskonzerte sind verklungen, wenn Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie in der MühlackerConcerto-Reihe ihre Neujahrsgrüße überbringen. Wobei die musikalisch- literarische Sonntagsmatinee im Uhlandbau inzwischen zu einer schönen Tradition geworden ist – mit einem bunt-kreativ zusammengestellten Programm.

Diesmal gab es unter dem Motto „Europäischer Frühling“ Musikstücke und Texte aus allen Himmelsrichtungen Europas, aus England, Finnland, Italien und Ungarn. Für die eingängig fein artikulierten Rezitationen der Textbeiträge war Johann-Michael Schneider vom Reutlinger Theater „Die Tonne“ zuständig.

Rezitator Johann-Michael Schneider

Einleitend sorgte der Sprecher mit Elias Canettis heiteren Anmerkungen zur erstaunlichen Verhaltensweise des Konzert-Publikums für Aufmerksamkeit – „die Menschen sitzen still da und reagieren auf das laute Treiben des Orchesters mit körperlichen Restbewegungen, dem Beifall“. Zu Benjamin Brittens „Boisterous Bourrée“ aus dessen „Simple Symphony“, die vom Kammerorchester rhythmisch markant mit tonalen Kanten und Haken interpretiert wurde, passte Wystan Hugh Audens eigenwilliger Text „Das Geheimnis ist endlich gelüftet“, genauso wie zum geheimnisvoll raunenden Saiten-Gezupfe des „Playful Pizzicato“ aus derselben Sinfonie der Kurzessay „Sag mir die Wahrheit über die Liebe“.

Für Völkerverständigung

Andere sinnfällig kombinierte Collagen aus Text und Musik waren dem Thema „Reisen“ gewidmet. Suvi Vaarlas Erzählung „Die Busfahrt“, die von einer irrwitzigen Reisebegegnung in einer einsamen Gegend Finnlands berichtet, kommentierten Wallinger und seine Streicher klangfarben- und facettenreich mit „Vier Spielmanns-Porträts“ von Pehr Henrik Nordgren. Zu Kindheitserinnerungen aus Elio Vittorinis „Gespräche in Sizilien“ musizierte das Kammerensemble Sätze aus Ottorino Respighis „Antiche Danze ed Arie“, zu Leseabschnitten aus „Ein Held seiner Zeit“ des Schriftstellers Dezsö Kosztolányi „Rumänische Volkstänze“ von Béla Bartók. Die Idee der Völkerverständigung, für die sich beide ungarische Künstler leidenschaftlich einsetzten, fand in diesem Konzertarrangement einen nachhaltigen Ausdruck. Die Zuhörer honorierten das überraschend „andere Neujahrskonzert“ mit reichlich Applaus.

Eckehard Uhlig

330 Küsse tauen Europa auf

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gastiert mit originellem Programm in Murr

Musik aus allen Himmelsrichtungen Europas präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim beim Neujahrskonzert. Foto: Benjamin Stollenberg

Murr. „Obwohl Europa jetzt im Winter liegt – vielleicht auch im übertragenen Sinne – , verbinden wir mit dem Titel unseres Konzerts die Hoffnung und Gewissheit, dass auch wieder ein Frühling kommt“, so begrüßte Johann-Michael Schneider die knapp 200 Besucher zum Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) im Bürgersaal des Murrer Rathauses. Unter dem Motto „Europäischer Frühling“ hatte Peter Wallinger ein hochoriginelles rund 80-minütiges Programm zusammengestellt. Das verschränkte Musik des 20.Jahrhunderts von vier europäischen Komponisten aus allen vier Himmelsrichtungen kunstvoll mit kurzen Texten jeweiliger Landsleute. Die Texte wurden von Schneider zwar nicht frei, dafür aber sehr lebhaft vorgetragen.

Mit Elias Canettis leicht spöttischer Beschreibung der Rezeptionshaltung klassischer Konzertbesucher („Die Menschen sitzen regungslos da , als brächten sie es fertig, nichts zu hören“) und der daraus folgenden Beschreibung des Beifallklatschens als Tauschhandel („ein chaotischer, kurzer Lärm für einen wohlorganisierten, langen“) war ein launiger Tonfall etabliert. Schwungvoll, vielleicht zu schwungvoll steigt Wallinger in das „Boisterous Bourrée“, den ersten Satz der „Simple Symphony“ (op.4) ein – in hohem Bogen fliegt der Taktstock durch die Luft. Der Dirigent eilt schmunzelnd hinterher.

Zwischen drei Sätzen aus Benjamin Brittens ursprünglich für Schulorchester geschriebenes Werk rezitierte Schneider kurze Reflexionen von Wystan Hugh Auden, der für Britten auch als Librettist tätig war, über die Natur des Geheimnisvollen und die Beschaffenheit der Liebe.

Stricher glänzen durch dynamische Finesse

Die 17 Streicher der SKB glänzten durch geschmeidigen Ensembleklang und dynamische Finesse: Wundervoll ihr Dialog von Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabässen im „playful Pizzicato“, das – nomen est omen – ausschließlich aus gezupften Tönen besteht. Scharf konturiert Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi die Kantilene des „Frolicsome Finale“, bevor die Bewegung des Themas wie ein Wogen durch das Halbrund der Musiker läuft.

Von Westen aus geht’s gen Norden: Ausgesprochener Klangwitz prägt das Orchesterwerk „Pelimannimuotokuvia“ (op. 26; auf Deutsch: Bilder der Spielleute) des finnischen Komponisten Pehr Henrik Nordgren, formidabel umgesetzt durch die Musikerinnen und Musiker der SKB. Ihr astraler Streicherklang in „Tuumiskelija“ (übersetzt: Der Grübler) trifft einen tief im Innersten.

So berührend wie der Auszug aus Elio Vittorinis „Gespräche in Sizilien“ geraten auch die „Arie di corte“ aus der III. Suite Ottorino Respighis „Antiche Danze ed Arie“.

Zum Abschluss des Konzerts geht es aus dem südlichen Italien in den Osten: Expressiv und poetisch, mit rustikalem Strich gezeichnet, die „Rumänischen Volkstänze“, die Béla Bartók 1905 in Siebenbürgen mithilfe eines Phonographen dokumentiert hat. 330 Küsse im Tunnel – als Rückerstattung für die 330 türkischen Lehnwörter im Ungarischen – krönen die Geschichte aus Dezsö Kostolányis „Ein Held seiner Zeit“.

Einziger Wermutstropfen: Die vorzügliche Vorstellung des hervorragenden, in diesem Fall tendenziell kammermusikalisch disponierten Orchesters endete ohne Zugabe.

Harry Schmidt

Kaskaden von Klavier-Oktaven

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Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ gastiert gemeinsam mit Magdalena Müllerperth im Uhlandbau

Klavier trifft Orchester: Magdalena Müllerperth und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim gastieren im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

„… und die Welt hebt an zu singen“. Unter diesem Motto gastierte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ am Vorabend des zweiten Advents im Uhlandsaal in Mühlacker.

Mühlacker. Es wurde aber nicht gesungen, sondern musiziert und das auf höchstem Niveau, so dass sozusagen die Instrumente sangen. Zur Aufführung kamen in diesem Orchesterkonzert Werke von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler.

Zum Auftakt erklang das 1808/09 entstandene, dem Erzherzog Rudolph von Österreich gewidmete 5. Klavierkonzert Es-Dur op. 73. Bei der Uraufführung, die 1811 in Leipzig stattfand, hatte den Komponisten seine Taubheit daran gehindert, dieses letzte Klavierkonzert als Solist selbst zu spielen. In Mühlacker übernahm jetzt der Star des Abends, die erst 24-jährige Magdalena Müllerperth, aus Maulbronn-Schmie diesen Part.

Damit kehrte eine inzwischen international gefeierte Pianistin wieder einmal in die Heimat zurück. Im Alter von fünf Jahren erhielt sie ihren ersten Klavierunterricht. Mit acht Jahren begann sie ihr Studium als Schülerin bei Sontraud Speidel an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, das sie später bei Alexander Braginsky an der Hamline University in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota, bei Jerome Rose am Mannes College in New York und dann bei Klaus Hellwig an der Universität der Künste in Berlin fortsetzte.

Zum fünften Mal trat nun Magdalena Müllerperth in einem Konzert der „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ auf und setzte damit eine Zusammenarbeit fort, die vor zehn Jahren mit dem 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19 von Ludwig van Beethoven begonnen hatte. Und jetzt also sein 5. Klavierkonzert, das komplementäre Gegenstück zum 4. Klavierkonzert G-Dur op. 58. Wie sein Vorgänger dreisätzig angelegt, wird bei ihm jede der drei Kadenzpassagen durch einen mächtigen Tutti-Akkord des Orchesters angekündigt.

In den rund 35 Minuten der Spieldauer ist das Klavier fast immer beschäftigt, vielfach in führender Rolle. Ein Höhepunkt ist ein Zusammentreffen des Orchesters mit dem Klavier, bei dem sich die Gewalt der Fortissimo-Blöcke in einer langen Kaskade von gehämmerten Klavier-Oktaven entlädt. Doch nicht nur da zeigte Magdalena Müllerperth mit hartem Anschlag und expressiver Wirkung ihr meisterhaftes Können.

Vielmehr interpretierte sie auch eher verhaltene, aber nicht minder intensiv-emphatische Passagen behutsam, mit viel Gefühl und ebenso ausdrucksstark. In einer Fünf-Minuten-Zugabe stellte sie dann noch ihre Virtuosität unter Beweis, indem sie die Etüde „La Campanella“, ursprünglich eine Komposition für Violine von Niccolò Paganini, in der Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt, im eigentlichen Wortsinn zum Besten gab.

Zum Auftakt des zweiten Teils spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der umsichtigen Leitung ihres Gründers Peter Wallinger das Adagietto aus der 1901/03 entstandenen, 1904 im Kölner Gürzenich unter der Leitung des Komponisten uraufgeführten 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Dieser von geradezu übersteigert romantisierender Klanglichkeit der Streicher und der Harfe getragene 4. Satz mit seltener Bezeichnung wurde nicht zuletzt als Musik zu Luchino Viscontis Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“ 1970 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Zu den heute eher selten gespielten Werken gehört die 1806 entstandene, dem Grafen Franz von Oppersdorff gewidmete, 1807 unter der Leitung des Komponisten im Palais des Fürsten Lobkowitz in Wien uraufgeführte 4. Sinfonie B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven. Mit dieser freundlichen, hellen, idyllischen Sinfonie, die Robert Schumann als die „romantischste aller Sinfonien Beethovens“ bezeichnete, als „eine griechische schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“, wobei er die 3. als „Eroica“ und die 5. als „Schicksalssinfonie“ bezeichnete im Blick hatte, endete das Adventskonzert. Dieses Werk absoluter Musik – was wohl auch der Grund seiner geringen Popularität ist –, dessen Hauptcharakterzug „der des Suchens und Umkreisens, des Unbestimmten und Geheimnisvollen“ ist, und in dem der Klarinette eine herausragende Rolle zukommt, wurde unter der nuancenreichen musikalischen Leitung von Peter Wallinger von dem Orchester ebenso heiter und beschwingt wie tempogeladen und ausdrucksvoll wiedergegeben.

Dieter Schnabel

Mit ereignisreicher Eindringlichkeit

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Magdalena Müllerperth und die Sueddeutsche Kammersinfonie musizieren im Uhlandbau


Magdalena Müllerperth mit viel Spielfreude im Mühlacker Uhlandbau. Foto: Fotomoment

MÜHLACKER. Peter Wallinger hatte sein hauptsächlich Ludwig van Beethoven gewidmetes Orchesterkonzert am Samstag im Mühlacker Uhlandbau programmatisch mit einem Vers des Romantikers Joseph von Eichendorff überschrieben: „Und die Welt hebt an zu singen. “ Neben der damit angesprochenen lyrischen Klangpoesie gab es aber auch Musik mit Wucht und dramatischer Glut zu hören, die in vibrierenden Brennpunkten kulminierte.

Die Wiedergabe von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur (op. 73) präsentierte das Musterbeispiel einer imponierend gelungenen Interpretation, die beide Elemente des musikalischen Ausdrucks wie zwei sich anziehende Pole mit großer Intensität zusammenführte. Dabei bewältigte die Pianistin Magdalena Müllerperth ihren Part mit klanglicher Frische, kraftvoll und virtuos – bruchlos eingebettet in die kompakt und einfühlsam agierenden Orchesterstimmmen, die Wallinger am Dirigentenpult seiner Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zu ereignisreicher Eindringlichkeit motivierte.

Fantastisch gleich zu Beginn des „Allegro“ -Einleitungssatzes die durch mächtige Tutti-Akkorde aufgerufenen, frei kadenzierenden Klavier-Solopassagen mit locker über das Manual gewirbelten, perlenden Skalen. Eine prächtige Klangentfaltung des Orchesters schloss sich an, in die sich bald das Soloinstrument in führender Rolle mit facettenreichen Spielfiguren einfügte. Im zweiten Satz dann weich strömender, von Innigkeit getragener „Adagio“-Gesang, den Müllerperth romantisch verträumt und feinfühlig in zart gleitenden Melodielinien entfaltete.

Der Finalsatz zeichnete sich durch klavieristische Attacke und ungestümen Vorwätsdrang aus, die mitgerissenen Zuhörer erlebten noch einmal die Hochspannung des Musizierens

Die Solistin begeisterte zudem mit ihrer Spielfreude und ihrem Charme. In Pforzheim geboren, erfreute die Pianistin in Mühlacker gewissermaßen mit einem Heimspiel. Bei zahlreichen Konzerten in ihrer Heimatregion hat das Publikum sie kennen und schätzen gelernt. Ihre Zugabe, ein hochvirtuoses Bravourstück von Franz Liszt, löste jedenfalls lautstarken, anhaltenden Jubel aus.

Nach der Konzertpause widmete sich die Kammersinfonie zunächst der spätromantisch „singenden Welt“. Das „Adagietto“ aus Gustav Mahlers Sinfonie Nr.5 wurde von den Orchester-Streichern in weit ausholenden Melodiebögen mit klangsatter Sehnsuchtsmelancholie vorgetragen, fein umspielt von silbrigem Harfengezirpe. Schlussendlich ging es mit Beethovens Sinfonie Nr.4 B-Dur (op. 60) noch einmal lebhaft zur Sache.

Wallinger und sein Orchester musizierten energiegeladen akzentuiert. Die Bläser-Sektion und eine schlag- und wirbelfreudlige Pauke traten in den Fortissimi-Ausbrüchen des ersten und letzten Satzes plastisch hervor. Abgesehen vom geheimnisvoll wirkenden, von den Interpreten in extremer Breite ausgeführten zweiten Satz, herrschte eine muntere Grundstimmung vor. Wilde Tutti mündeten in ein effektvolles Finale

Eckehard Uhlig