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Bietigheimer Zeitung

Eine Hommage an die Violine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim legt eine neue Live-CD vor

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Die Solistin und Konzertmeisterin Ursula Schoch steht im Mittelpunkt einer neuen Live-CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Ein besonderes Klangerlebnis und großes Hörvergnügen.

Auf der neuen CD „live 2009/2010“ gibt es einen musikalischen Mittelpunkt, um den sich – ohne es abwerten zu wollen – alles andere gruppiert.

Mit der Interpretation des Violinenkonzerts Nr. 4 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 218) verbeugt sich die Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger, als auch die Violinistin Ursula Schoch, vor dem musikalischen Genie aus Salzburg. Freilich hat sich Mozart mit seinen fünf Violin-Konzerten den Liebhabereien und Ansprüchen seiner Zeit angepasst – und gilt deshalb oft als zu gefällig. Die Interpretation der Kammersinfonie ist es nicht.

Während das Allegro durchaus straff und das Rondeau überaus leicht und spielerisch präsentiert wird, zeigt sich das innige Andante als wahrer Kristallisationspunkt dieser CD.

In einer tiefen Selbstvergessenheit holt Ursula Schoch die Violinentöne scheinbar aus einem nur ihr bekannten Musik-Universum, um sie in die ganze Klangpracht des Orchesters einzubetten.

Und die CD setzt weitere Gegenpunkte, die in ihrer musikalischen Schönheit und Anmut dem Andante von Mozart in nichts nachstehen.

Franz Schuberts „Deutsche Tänze“ bilden einen bodenständigen Auftakt, wogend und gleichzeitig schwungvoll. Johann Sebastian Bachs Partien für Violine solo zählen zu den berühmtesten Meisterwerken ihrer Art. Gerade wegen ihrer Beschränkung sind sie von einzigartigem Reichtum, so auch die Sonata für Violine solo Nr. 1 g-moll, durchaus ein Kleinod auf dieser CD. Ursula Schoch findet dabei mit sicherem Gespür stets das Gleichgewicht zwischen vitalem Elan und dem hohen Anspruch vertrackter Fugen.

Die Sinfonie Nr. 4 d-moll Op. 120 von Robert Schumann schwingt sich in vier, von großer musikalischen Geschlossenheit geprägten Sätzen zu einem lebhaften, fast schon entfesselnden Finale hin. Die Verträumtheit der Romanze und der Pulsschlag des Scherzo lösen sich zum Ende des vierten Satzes in einem Taumel auf, in dem sich die hohe musikalische Qualität der Kammersinfonie Bietigheim widerspiegelt.

Die letzten beiden Stücke auf der CD sind Klassiker. Jean Sibelius schuf mit „Finlandia“ die heimliche Nationalhymne seiner Heimat mit hoher patriotisch-emotionaler Bedeutung. Das „Sinfonische Gedicht“ ist eine musikalische Huldigung, die die Kammersinfonie in großer Klangbreite bietet – vom schwermütigen Beginn über die Leichtigkeit der Ebenen bis zum jubelnden Ende. Die CD schließt mit Edvard Griegs „Peer Gynt“-Suite ab, wie „Finlandia“, am 6. Dezember 2009 live im Kronenzentrum mitgeschnitten.

„Ases Tod“ zeigt sich hier mit seinen schmerzlichen Harmonien als Ausdruck lauter Klage, die im musikalischen Nichts ausgehaucht wird. „Anitras Tanz“ trägt jene leichte Lust in sich, die sich das Orchester mit Ursula Schoch völlig zu eigen machen.

Im Kanon verbinden sich, fast lauernd, Geige und Bratsche, getragen von den Bässen. Der glanzvolle Schlusspunkt wird mit dem vierten Satz „In der Halle des Bergkönigs“ gesetzt. Die Jagd der Trolle auf Peer gerät zum temporeichen CD-Finale, bei der die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Instrumente erst tanzend, dann drohend und schließlich peitschend spielt. Ein großes Hörvergnügen, das die Sinne anspricht.

Jörg Palitzsch

Sinfonische Klangpracht Gerhard Vielhaber war Solist im Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie

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Das Jubiläumsjahr aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens beschloss die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim-Bissingen am Sonntag mit einem Konzert im Kronensaal mit dem Titel „Nordische Impressionen“.

Bekanntes und Beliebtes stand auf dem Programm, doch auch eine Komposition, die vermutlich ihre deutsche Erstaufführung erlebte.

Als ein sinfonisches Gedicht bezeichnete der finnische Komponist Jean Sibelius seine Komposition „Finlandia“, die vor 110 Jahren entstand. Sie gilt in dem nordischen Land als die geheime Nationalhymne. Mit diesem populären Stück begann das recht gut besuchte Konzert.

Breit legte Orchesterleiter Peter Wallinger, der auch der Gründer dieses Klangkörpers ist, die wuchtigen Einleitungsakkorde an. Aus einer zunächst ruhevoll fließenden Gestaltung des Werks erhob sich nach und nach jene dramatische Steigerung des Ausdrucks, der in dem machtvollen, stets tief berührenden großen Hymnus mündet, der den sehnsuchtsvollen und doch auch feierlichen Charakter von „Finlandia“ einzigartig prägt. Wieder einmal bestach mit dieser aufrüttelnden Aufführung die Süddeutsche Kammersinfonie mit ihrer großartigen Gestaltungsdichte.

Mit Spannung wurde der Auftritt des jungen Pianisten Gerhard Vielhaber erwartet. Obwohl noch jung an Jahren nahm er schon zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen entgegen und gilt als einer der hoffnungsvollsten Virtuosen der jungen Generation. Gerhard Vielhaber setzte sich mit einem hier zu Lande weithin unbekannten Werk des schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar auseinander, dessen Name in Deutschland ebenfalls kaum in einem Konzertprogramm erscheint. Nach Peter Wallingers Ansicht dürfte das Klavierkonzert Nummer zwei in d-Moll, Opus 23, das zwischen 1904 und 1907 entstand, seine deutsche Erstaufführung erlebt haben.

Es ist eine zerklüftete Komposition, die trotz der darin auftretenden kraftvollen Kontraste eher spröde und herb wirkt. Die vier Sätze ließ der Komponist ineinander übergehen. Daraus wuchsen scharfe Gegensätze des Ausdrucks, die als expressiv stürmisch und gelegentlich als leicht lyrisch verbrämt wahrgenommen werden konnten. Für Gerhard Vielhaber ergaben sich daraus allerdings musikalisch herausfordernde Möglichkeiten, seinen Solopart mit differenziert eingesetzten Emotionen, auch mit nuancenreicher Auslotung der inneren Spannungen des Werks und überhaupt mit vollendeter Virtuosität energiegeladen und temperamentvoll auszuführen. Auch die Kammersinfonie Bietigheim-Bissingen trug mit Brillanz in der Auslotung der sinfonischen Pracht des Werks dazu bei, dass aus dem Wechselspiel zwischen ihm und dem Solisten eine vitale Wiedergabe zu hören war. Der Solist des Abends wurde dafür mit lang anhaltendem Beifall gefeiert, wofür sich Gerhard Vielhaber mit einen Intermezzo von Robert Schumann als Zugabe bedankte.

Im zweiten Teil des Konzerts im Kronensaal standen mit der „Hebriden-Ouvertüre“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der „Peer-Gynt-Suite“, Nummer eins, von Edvard Grieg zwei außerordentlich beliebte Kompositionen auf dem Programm. Als ein farbenprächtiges, überaus lebendig und nuanciert gestaltetes Klanggemälde führte das Orchester die „Hebriden-Ouvertüre“ aus. In der Aufführung der vier Sätze aus der Musik zu Henrik Ibsens Dichtung „Peer Gynt“ entfaltete die Musiker unter der von lebhaftem Gestus geprägten Leitung von Peter Wallinger vielfältige Stimmungen.

Die Lyrik und Verträumtheit der „Morgenstimmung“, der betörende warme Streicherklang in „Ases Tod“, die schwebend leichte Anmut von „Anitras Tanz“ und die ekstatische Wucht des Finales „In der Halle des Bergkönigs“ konnten mitreißender, klangfrischer und kontrastreicher nicht dargeboten werden. Das waren wieder einmal Glanzstücke dieses auf hohem musikalische Niveau wirkenden Klangkörpers.

Rudolf Wesner

Mit Mozarts „Zaubertröte“ auf Safari Abenteuerliches Schülerkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim

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„Tarza(h)n hat Zahnweh – oder: Im Dschungel herrscht Musikverbot!“ Das Musiktheaterstück von Jörg Schade und Franz-Georg Stähling begeisterte in der Kelter Grundschüler aus dem Landkreis.

Wahrscheinlich interessieren sich Kinder heute nicht weniger für klassische Musik als früher. Nur sind heute wohl die Möglichkeiten gegrenzter, auch aufgrund eines nicht immer befriedigenden kulturellen Bildungshintergrunds, Kinder an Kultur heranzuführen. Diesem Umstand begegnen Jörg Schade sowie Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim schon seit längerem erfolgreich mit ihren alljährlich im November stattfindenden Schülerkonzerten. Dass sie auf große Offenheit stoßen, zeigen schon die Anmeldungen zu diesen Konzerten, die bereits ein dreiviertel Jahr im Voraus eingehen. Dieses Mal stand etwas sehr Abendteuerliches auf dem Programm.

Taridius Zahn, der im Gegensatz zu seinem berühmten Bruder Tarzan so herrlich hilflose Biologe, ist in großer Not. Mitten im Urwald soll der Musikliebhaber Pflanzen für sein Museum sammeln, hat aber Angst vor Tieren, dazu auch noch entsetzliche Zahnschmerzen. Und so schmettert Jörg Schade in der Rolle des Taridius Zahn alias Tarza(h)n, bemitleidenswert seine Schmerzensarie „Dolor di denti“ („Schon seit gestern hab ich Zahnweh“) auf die Musik von Amilcare Ponchielli in der voll besetzten Alten Kelter. Und dann wäre da noch der fiese Mr. Blum (Dietmar Beese).

Musik ist für ihn nichts als Lärm, der seine Erholung suchenden Hotelgäste nur stört. Also verbietet er Musik und sammelt von sämtlichen Tieren deren Musikinstrumente ein. Ganz klar, nicht nur gegen das Zahnweh, sondern auch gegen Mr. Blum und die zu erwartenden lästigen Touristenströme muss etwas unternommen werden. Unerwartete Hilfe erhält Tarza(h)n von drei drolligen Urwaldmusikanten, dargestellt von Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim: Corni (Gunilla Kühn, Horn), Trombi (Michael Peuser, Posaune) und Tröti (Daniel Szepesi, Trompete). Und von der nach Schokolade verrückten Dschungelfee Palmina (Judith Guntermann). Natürlich ist Tarza(h)n bald seinen kariösen Zahn los. Mit neu erwachten Kräften, List und Erfindungsreichtum gelingt es ihm un seinen zu allerlei Späßen aufgelegten Freunden schließlich, Mr. Blum zu übertölpeln, die Instrumente wiederzubeschaffen, den Dschungel mit neuem musikalischen Leben zu füllen und sogar Mr. Blum zur Musik zu bekehren.

Dass ein derartiges Stück funktioniert, hängt natürlich auch von der Aufmerksamkeit des Publikums ab. Mit enormem Spaß waren die Kinder dabei, halfen Taridius Zahn, wo sie nur konnten, imitierten Tiergeräusche, spendeten nach jedem Musikstück von Mozart, Rossini, Verdi, Grieg oder Joplin begeisterten Zwischenapplaus, waren auch auf dem kleinen Streifzug durch die Musikgeschichte und Instrumentenkunde ganz bei der Sache und stimmten am Ende – noch vor Verdis Triumphmarsch aus „Aida“ – nur allzu gerne in das Dschungellied mit ein: „Hier im Dschungel ist das Leben noch voller Glück. Hier im Dschungel verbindet alle die Musik.“ Fazit: Nach den Projekten der Vorjahre, „Papa Haydn“ und „Ritter Glück“ gelang es Jörg Schade, Peter Wallinger und den Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erneut, Kinder nicht nur in den Bann einer vergnüglichen Geschichte zu ziehen, sondern ebenso auf humorvolle, kindgerechte, bisweilen aber auch leicht kindische Weise – Mozarts „Zaubertröte“ musste nicht wirklich sein – in den Bann klassischer Musik.

Christof Jetschka

Feenzauber und Affensprünge Glanzvolles Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Sachsenheimer Kulturhaus

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Nach der Musikschulveranstaltung musste am vergangenen Samstag auch die jährliche Sommerserenade der Süddeutschen Kammersinfonie aus dem Schlosshof ins Kulturhaus verlegt werden.

Die Verlegung erwies sich nachträglich jedoch als Glücksfall. Das 17-köpfige Kammer-Streichorchester spielte nämlich ein so delikates Programm aus Werken vom Frühbarock bis zur Moderne, dass sich die Saiten der Instrumente in der feucht-warmen Abendluft wohl zu rasch verstimmt hätten. Besonders die beiden Hauptsolisten, der japanische Kontrabassist Michinori Bunya und die ebenfalls aus Japan stammende Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi mit ihrer kostbaren Violine, hätten ihre Vorträge nicht so lupenrein und virtuos meistern können, wie dies in nahezu phänomenaler Weise geschah.

Auch das technisch und musikalisch überzeugende, hervorragende Spiel des Orchesters auf Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabass hätte in freier Lust wohl kaum so homogen und zugleich differenziert wirken können. Entsprechend positiv beeindruckte das Konzert unter Peter Wallingers präzisem und temperamentvollem Dirigat im Ausweichort, dem Großsachsenheimer Kulturhaus. Es war ein Hochgenuss, die melodiös, virtuos und stilgerecht dargebotenen Werke der vier gespielten Komponisten zu genießen und dabei zu verinnerlichen.

Die fünf wichtigsten Sätze aus der Musik des englischen Barockmeisters Henry Purcell zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ eröffneten das Konzert. Straff-dynamisch gestrichen, erklang das Prelude, im beschwingten Dreivierteltakt folgte das Rondeau und dann erfreuten drei Charaktertänze die Zuhörer: Flirrend huschten die Feen musikalisch vorüber, Affensprünge wurden punktiert nachgeahmt und im Stil einer Chaconne wurden Chinesen als damals beliebte Exoten angedeutet. Bereits der Vortrag dieser Musik zeigte die Korrektheit und zugleich Schönheit des Kammersinfonie-Spiels.

Danach strich, griff und zupfte als „Knüller“ des Abends Michinori Bunya seinen Kontrabass als Solist und Partner des Orchesterklangs. Tempo und Virtuosität der linken und rechten Hand, grandiose Dynamik, natürliche und künstliche Flageoletts bis zur Höhe des Klanges von Violinsaiten, Glissandi und vieles mehr erlebte man in zwei Werken des Italieners Giovanni Bottesini, der als Super-Kontrabassist wirkte und neue Techniken für dieses große Instrument erfand. Tosender, kaum endender Beifall regte den Solisten in Sachsenheim zu einer kontrastierenden Zugabe an.

Die elegische Melodie „Herzwunden“ des Norwegers Edvard Grieg war das orchestrale Gegenstück zum Bottesini-Wirbel und ließ alle Streichergruppen elegant erklingen. Auch Puccinis „Chrysanthemen“-Gesang mit Anklängen an dessen Opernstil blieb trotz vieler Besonderheiten des Spiels überwiegend zart.

So blieb es Konzertmeisterin Kobayashi vorbehalten, die südamerikanische Variante der „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi, die der argentinische Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla (1921-1992) mit folkloristischem Anklang komponierte, rasant in den Sätzen „Sommer in Buenos Aires“ und „Herbst“ explosionsartig und trotzdem edel als Solistin zu markieren. Das Orchester folgte ihr in allen Nuancen der Interpretation und ließ sich von Peter Wallinger zum glanzvollen Konzertfinale führen.

Helmut Müller

Ein glanzvolles Festkonzert Ursula Schoch und die Sueddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum

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Mozart, Schumann und Pflüger zum 25-jährigen Orchesterjubiläum: Peter Wallinger und seine glänzend aufgelegten Musiker beeindruckten am Freitag mit einer erlesenen Ensemblekultur im Kronenzentrum.

Sinnfälliger, als mit der im Jahr 1989 von der Stadt Bietigheim-Bissingen in Auftrag gegebenen Orchesterkomposition „Strahlende Pforte“ des vor zehn Jahren verstorbenen Hans Georg Pflüger, hätte das Fest- und Gedenkkonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie kaum eröffnet werden können.

Einer Aufmerksamkeit heischenden Ouvertüre gleich führte der ungemein packend aus dem Stimmvorgang des Orchesters heraus entstehende Beginn zu strahlenden Bläserklängen, die wie ein gewaltiges Portal den Blick freigaben auf opulente und elektrisierende, durch ein schwelgerisches Thema immer wieder voneinander abgesetzte Klang- und Rhythmuscollagen. Und auf das gesamte Konzert, das Peter Wallinger als hochsensiblen Klangarchitekten zeigte, der es im anschließenden, dynamisch und atmosphärisch sorgsam ausgeloteten Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 von Wolfgang Amadeus Mozart auf bewundernswerte Weise verstand, Ernstes und Heiteres sowie einen gewichtigen und leichten Tonfall miteinander zu verbinden.

Darin stand ihm die Solistin Ursula Schoch um nichts nach. Mit ihrer hervorragenden Grifftechnik, lupenreinen Intonation, mit ihrem klaren und schlanken, aber auch warmen und sehr empfindsamen Ton erwies sich die Geigerin bei ihrem Heimspiel als ernst zu nehmende Mozartspielerin. Erfreulich unprätentiös und sprachnah phrasierend ging sie das Werk an, ließ im Andante cantabile die weitgespannten Kantilenen in einem fein ausgehorchten Wechselspiel mit den Bläsern wunderschön fließend ausschwingen und überführte die Virtuosität der thematisch reichen Ecksätze in ein geschlossenes Gesamtbild voller Charme und Geschmeidigkeit. Es schien, als liebte sie jede Note dieser Musik, wenn auch die kompositorischen Finessen Mozarts im vielgliedrigen Finale – die wechselnden Tempi, Taktarten und Charaktere – von ihr und dem Orchester ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten. Die direkt anschließenden Grußworte von Oberbürgermeister Jürgen Kessing waren leider unglücklich platziert, beraubten sie doch Ursula Schoch der Chance einer möglichen Zugabe.

Als einen einzigen großen, nie abreißenden Spannungsbogen gestalteten Peter Wallinger und die Sueddeutsche Kammersinfonie schließlich Robert Schumanns Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120. Tatsächlich vermittelte die höchst drängende Lesart dieses Werks den Eindruck, als handle es sich bei den motivisch auf das Engste miteinander verknüpften und trotz Generalpausen ineinander übergehenden vier Sätzen um eine Fantasie. Es war eine Ohrenweide, wie mitreißend – trotz oder gerade wegen Peter Wallingers Ordnungssinn – das Fantastische und rastlos Fließende formuliert wurde, wie Poesie und stürmisches Drängen zwingend ineinander flossen und somit absolut instinktsicher der spezifische Schumann-Ton getroffen wurde, gipfelnd in dem fast schon dämonischen, aber klar und durchsichtig genommenen Taumel des Schlusssatzes.

Zweifellos ein großes Konzert, das gebührend gefeiert wurde, auch wenn der Wiedergabe der Schumann-Sinfonie die durchaus angemessenen stehenden Ovationen verwehrt blieben.

Christof Jetzschke

Ein gemachtes Bett

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Ursula Schoch immer wieder Solistin bei der Kammersinfonie Bietigheim

25-jähriges Bestehen der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim wird in diesem Jahr gefeiert. Ursula Schoch arbeitete schon vor der Gründung des Orchesters mit dessen Leiter Peter Wallinger.

Wie lange sie in einem von Peter Wallinger geführten Orchester mitspielt, weiß sie nicht. „Mehr als 25 Jahre sind es auf jeden Fall“, sagt die 38-jährige Ursula Schoch. „Das Gymnasium im Ellental war unter Musiklehrer Wallinger so was wie eine Kaderschmiede für Musiker“, erinnert sich die Sachsenheimerin, die heute zweite Konzertmeisterin im Amsterdamer Concertgebouw-Orchester ist. „Das Schulorchester unter Peter Wallinger hat mir die Schulzeit gerettet“, so die Geigerin.

Schon damals war die Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die die Liebe zur klassischen Musik teilten, wichtig für ihre Entwicklung. „Das Schulorchester war wie eine Insel, denn die Klassenkameraden konnten unser Hobby nicht verstehen“, sagt sie. Die Arbeit wurde später in der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim fortgeführt. Auch als Ursula Schoch in Trossingen ihr Vorstudium und später in Köln ihr Geigenstudium absolvierte – der Kammersinfonie und Peter Wallinger bleibt sie bis heute treu. Gründe, dass sie die Reise aus Amsterdam, „wo ich mich wirklich heimisch fühle“, so oft antritt, sind das Heimweh, aber auch das „hohe Niveau der Kammersinfonie und dass ich solistisch spielen kann“. Sie ist ein Teamplayer, am liebsten spielt sie im Orchester, ergreift aber gerne die Möglichkeit, unter Wallinger Soli zu gestalten. „Die Kammersinfonie ist wie ein gemachtes Bett für mich“, sagt sie. Nach so vielen Jahren, meint sie, da weiß man, was man aneinander hat.

Am Freitag, 3. April, 20.00 Uhr, spielt sie beim Jubiläumskonzert im Kronenzentrum Mozarts Violinkonzert D-Dur, KV 218. Ihre Idee der Umsetzung ist die einer leichten, spritzigen Fassung, so versteht sie „ihren“ Mozart. Ursula Schochs Art des Violinspiels ist ein gesanglich klarer, melodieverbundener Klang mit hohem Wiedererkennungswert. Schöner Nebeneffekt ihrer Zusammenarbeit mit Peter Wallinger ist auch, dass sie ihre Eltern, die in Sachsenheim leben, und andere Freunde oft sieht.

Neben dem Mozart-Werk führt die Kammersinfonie das 1989 im Auftrag der Stadt Bietigheim von Hans-Georg Pflüger komponierte Werk „Strahlende Pforte“ auf. Im Jahr des zehnten Todestages unterstützt die Stadt diese Aufführung, die eine fast doppelte Besetzung erfordert, finanziell. Das ermöglicht dem Orchester auch die Aufführung einer Schumann-Sinfonie, für die eine ähnliche Besetzung erforderlich ist.

Die Stuttgarter Philharmoniker brachten „Die strahlende Pforte“ 1989 im Kronenzentrum zur Uraufführung, erzählt Flötistin Christina Dollinger, die auch die Einführung vor dem Konzert um 19.45 Uhr macht. Auch sie wurde von Wallinger während ihrer Schulzeit im Ellental-Gymnasium rekrutiert. Das Werk, das zwar atonal komponiert wurde, ist dennoch publikumswirksam. Dies erreicht die Komposition durch ein Erkennungsmotiv und Überraschungseffekte. Trotz mancher schräger Töne und Dissonanzen klingt das Werk klar. Gigantisch viele Streicher und Bläser agieren fast solistisch in Blöcken. „Was Peter Wallinger da wieder auf die Füße stellt, ist einfach großartig“, sagen Schoch und Dollinger unisono.

Gabriele Szczegulski

Vielfalt mit Bach, Vivaldi und Mahler Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim legt Jubiläumsedition 2009 vor

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Zu ihrem 25-jährigen Jubiläum hat die von Peter Wallinger gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim jetzt eine Doppel-CD vorgelegt, die von großer musikalischer Vielfalt geprägt ist.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim wurde 1984 von Peter Wallinger und einer Gruppe junger Musiker ins Leben gerufen. Im 25. Jahr ihres Bestehens ist die Kammersinfonie zu einem Klangkörper herangereift, der durch seine hohe Professionalität sowie einem breiten musikalischen Spektrum überzeugt. So vereint die jetzt erschienene Jubiläumsedition 2009 einen konzertanten Querschnitt der letzten fünf Jahren mit hörenswerten Live-Aufnahmen.

Die Auswahl auf der ersten CD folgt einer bewusst gepflegten Programm-Mischung, die dem Leiter und Dirigenten der Kammersinfonie, Peter Wallinger, besonders am Herzen liegt. Diese Mischung soll neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar machen.

Wohl vertraut ist Johann Sebastian Bachs Konzert A-Dur für Oboe d“Amore, gespielt von Nikola Stolz, und Orchester. Die sanfte Melancholie des Stückes, durch das die Oboe wie ein aufgeregter Vogel fliegt, ist Ausdruck höchster Musikalität und zeigt, dass ein großes Werk nicht immer mächtig interpretiert werden muss.

Als weiterer berühmter Name ist Antonio Vivaldi auf der CD vertreten. Während der dissonante Staccato-Septakkord aus dem ersten Satz von „Der Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ auch Klassik-Fremdlingen geläufig ist, bietet die Kammersinfonie den dritten Satz mit dem Titel „Abenteuer auf dem Eis – heftige Winde“. Die Violine spielt Ursula Schoch auf höchstem Niveau, ein musikalischer Juwel, der einen anderen Blick auf Vivaldis Musik wirft und weiteres Interesse an dessen Werk weckt.

Darüber hinaus mag man das durchaus schnittig gespielte Rondo aus dem Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart mit Wolfgang Wipfler, als auch das völlig in sich aufgehende Klavierkonzert Nr. 1, Romanze, von Frédéric Chopin nennen. Am Klavier die hoch begabte, und erst 15 Jahre alte Pianistin Magdalena Müllerperth aus Schmie, die diesem Stück Virtuosität und eine eigene Eleganz verleiht.

Neben den berühmten Komponistennamen kann man sich auf der Jubiläumsedition auch unbekannteren Namen nähern.

An herausragender Stelle dem 1936 in Rom verstorbenen Ottorino Respighi, italienischer Komponist und führender Vertreter der neueren italienischen Instrumentalmusik. Dessen Bearbeitungen der Arien und Tänze aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind und bleiben kleine Meisterwerke. Die Kammersinfonie spielt seine „Antiche Danze ed Arie“ mit großer Sinnlichkeit, die den Streichern gleichzeitig Flexibilität und Rasanz abverlangt.

Auch die zweite CD der Edition ist geprägt von großer Vielfalt. Zu hören ist der Live-Mitschnitt des Konzertes am 7. Dezember 2008 im Kronenzentrum. Antonin Dvoráks „Slawischer Tanz“, Jean Sibelius“ Valse triste aus der Bühnenmusik „Kuolema“ (Der Tod) bis hin zu Gustav Mahlers „Abschied“ aus dem sinfonischen Liederzyklus „Lied von der Erde“ mit Bariton Konrad Jarnot, für den Sänger eine große Herausforderung und emotional bewegend.

Abgeschlossen wird die Sammlung mit Mozarts Sinfonie Nr. 40 g-moll. Die Themen bis ins Kleinste zerlegt, dramatische Steigerungen aus den geringsten Ansätzen, präsentiert sich hier eines der düstersten Werke Mozarts. Bereits um 1800 geschätzt, erfuhr diese Sinfonie zahlreiche Bearbeitungen, deren klassisch-tragische Grundstimmung auch von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim beibehalten wird. Ein würdiger Abschluss der Jubiläumsedition.

Jörg Palitzsch

Bestechende Klangpracht Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musiziert im Louis-Bührer-Saal

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Im 25. Jahr ihres Bestehens erhielt die Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Einladung der Kreissparkasse Ludwigsburg, in deren Louis-Bührer-Saal zu spielen – vor ausverkauftem Haus.

Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Heinz-Werner Schulte, begrüßte zu Beginn die zahlreichen Konzertbesucher und würdigte die stetige Entwicklung der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zu einem hoch geschätzten Klangkörper.

Neben zwei Werken von Richard Wagner standen mit einer Serenade von Johannes Brahms und den Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowsky zwei nur sehr selten zu hörende Werke auf dem Programm. „Facetten der Romantik“ lautete der Titel des Konzertprogramms, und als ein beglückendes Beispiel hierfür wählte Dirigent Peter Wallinger zur Eröffnung des Konzerts das „Siegfried-Idyll“ nach der Oper „Siegfried“ von Richard Wagner aus.

In breit angelegtem, fast schon als elegisch zu empfindenden Tempo ließ Wallinger das Stück beginnen. Die Bläser setzten sehr zart und behutsam ein und verbanden sich überaus feinstimmig mit dem dichten warmen Klang der Streicher. Auf diese Weise gestaltete das Orchester das Werk in einer empfindungsreichen Wiedergabe, zugleich aber auch in einem stetig sich verdichtenden Spannungsbogen.

Die zweite Serenade in A-Dur, Opus 16, von Johannes Brahms im Jahr 1860 komponiert, weist in ihren fünf Sätzen ein breites Spektrum an unterschiedlichen Stimmungen auf, welche von der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Elan und beeindruckender Klangpracht ausgelotet wurden. Für die Bläsergruppe des Orchesters enthält das Werk zudem eine Fülle von reizvollen melodiösen Passagen, die von den Musikern in feinster Intonation glanzvoll ausgeführt wurden. Auf eine tänzerisch bewegte und in heiterer Leichtigkeit sich darbietende Aufführung legte Peter Wallinger großen Wert, wobei der mittlere Satz, ein Adagio, in seiner gefühlvollen Melodik anrührend ausgeführt wurde.

Den zweiten Teil des Konzerts eröffneten die Musiker mit dem Vorspiel zum dritten Aufzug der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner. Der weit gespannte Melodiebogen wirkte verklärt und in sich gekehrt. Damit bewiesen Peter Wallinger und seine höchst ambitioniert mitwirkenden Musiker die immer wieder bestechende und mitreißende Klangreinheit, verbunden mit einem hohen Maß an sensibler Gestaltungskraft.

Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt eines Meisters am Violoncello: Francis Gouton. Höchste Begeisterung löste er aus, als er den Solopart in den Rokoko-Variationen, Opus 33, von Peter Iljitsch Tschaikowsky, gestaltete. Vom ersten Takt an ließ der französische Musiker sein Instrument förmlich singen. Nuancenreich, zeitweilig mit unirdisch erscheinender Zartheit führte er seinen Part aus und entwickelte damit eine Aufführung von delikater Schönheit. Dazu bereitete ihm das Orchester einen dichten und doch auch so überaus fein gewobenen Klangteppich aus. Für den nicht enden wollenden Beifall bedankten sich Francis Gouton und die Sueddeutsche Kammersinfonie mit einer Zugabe.

Rudolf Wesner

Musikalischer Botschafter der Stadt

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Seit 25 Jahren präsentiert die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim anspruchsvolle klassische Musik unter Leitung von Peter Wallinger

In „dreierlei Hinsicht“, so Peter Wallinger (58), hätte es 1984 eine „günstige Konstellation“ zur Gründung eines sinfonischen Orchesters gegeben: Der Musiklehrer, der neben Schulmusik auch Mathematik und Musikwissenschaft studiert hat sowie die Ausbildung zum Kapellmeister absolvierte, traf im Ellental-Gymnasium auf viele junge, hochbegabte Musiker.

Im von ihm geleiteten Schulorchester spielten Musiker wie Lukas Friederich oder Ursula Schoch, die heute eine Karriere beim SWR-Sinfonieorchester oder im Amsterdamer Concertgebouw-Orchester verzeichnen können. „Als die jungen Leute aus der Schule entlassen wurden, wollten sie unbedingt in Bietigheim weiterspielen nach der tollen Erfahrung im Schulorchester“, erzählt der inzwischen auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst beurlaubte Wallinger. „Extrem viele Hochbegabungen gab es 1984 im Städtle, das war ein Glücksfall“, so der Kapellmeister. Der zweite Glücksfall war die Zusammenarbeit mit der Stadt Bietigheim-Bissingen.

Der damalige Oberbürgermeister Manfred List und sein Kulturamtsleiter Heinz Steidle waren der Gründung eines Orchesters im Namen der Stadt nicht abgeneigt. „Es war schon ein großes Wagnis, das Kammerorchester zu gründen“, erinnert sich Manfred List an die Zeit vor 25 Jahren. „Ob daraus eine Erfolgsgeschichte wurde, das kann ich mit einem klaren Ja beantworten“, so der OB im Ruhestand.

Die Stadt unterstützt bis heute das Orchester, indem sie zwei Konzerte bezahlt. Ansonsten ist die Kammersinfonie finanziell unabhängig, finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen ihres Fördervereins und Konzerten. Sponsoren wie die Stiftung Kultur der Kreissparkasse Ludwigsburg, die Bietigheimer Industrievereinigung, die Firma Hofmeister, die Stadtwerke oder andere Firmen unterstützen bei Konzerten. Durch die Kreissparkasse wurde es auch möglich, dass es eine kostenlose Jubiläumsbroschüre geben wird.

„In Bietigheim ist man sehr musikbegeistert und ließ sich immer wieder auf unsere Programme ein, die auch oft unbekannte Literatur beinhalteten“, sagt Wallinger. Die Resonanz in der Bevölkerung ist so groß, dass viele Konzerte im Kronenzentrum oder der Kelter schnell ausverkauft sind. Auch die Nachfrage für die Schülerkonzerte einmal pro Jahr für die Erst- bis Fünftklässler ist „bombastisch“, so Wallinger. „Die Kammersinfonie ist zweifelsohne zu einem kulturellen Markenzeichen für unsere Stadt geworden“, resümiert Manfred List.

Peter Wallinger sieht sein Orchester als Botschafter der Stadt, wobei er sich wünscht, dass diese Funktion in Form von mehr Konzerten außerhalb der Stadt noch gesteigert werden könnte. „Wir könnten den guten Ruf unserer Stadt mit Musik in die Welt hinaustragen“, sagt der Leiter der Kammersinfonie. Doch die dafür notwendige Organisation wächst ihm über den Kopf. Damit in Zusammenhang steht auch sein Wunsch für die Zukunft des Orchesters. „Ich wünsche mir die Unterstützung der Stadt in Form von einer Anstellung eines Orchester-Managers“, so Wallinger. Bisher bewältigte der Dirigent mit Hilfe der Vorsitzenden des Fördervereins, Hannelore Burgmann, sowohl die künstlerische als auch die organisatorische Leitung. Vor allem im Aquirieren von Konzerten sieht er ein verbesserungsfähiges Defizit. Dies bescheinigte ihm auch eine Studie des Instituts für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Im musikalischen Bereich könne das Orchester mit seinen 40 Musikern aber nicht besser und professioneller arbeiten, ist Wallingers Einschätzung.

Gabriele Szczegulski

Schwermütige Romantik Süddeutsche Kammersinfonie eröffnet Jubiläumsjahr mit selten aufgeführten Werken

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hat das Jubiläumsjahr mit einem Konzert im Kronenzentrum eröffnet. Selten aufgeführte Werke wurden dabei unter Leitung von Peter Wallinger musiziert.

Bietigheim-Bissingen. Ganz der Dezemberstimmung angepasst schien das Programm des Eröffnungskonzerts im Kronenzentrum. Vor allem die schwermütigen und dunklen Aspekte der Musik hatten sich die Kammersinfoniker auf die Notenpulte gelegt. Vor vielen leeren Stuhlreihen führte das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger Kostbarkeiten der romantischen und klassischen Literatur auf.

Wer kennt sie nicht, die ungarischen Tänze von Johannes Brahms? Etwas weniger bekannt sind die Slawischen Tänze von Antonin Dvorak, doch musikalisch und kompositorisch gerade einzigartig. Wie ein Epilog klingt der Titel „Starodavny“, was so viel heißt wie ein altertümlicher Tanz mit vorbeiziehenden Bildern schwankender Emotionalität. Einfühlsam und sehr romantisch interpretierte der Leiter dieses vielfarbige Musikstück.

Gleich danach der „Valse triste“ von Jean Sibelius. Der schwermütige finnische Komponist konzipierte diesen traurigen Walzer als eine Bühnenmusik für ein Drama. Hintergrund für den Tanz mit dem Tod ist die Sterbeszene, in der alle Tänze des Lebens noch einmal getanzt werden und sich dann in einer Schlussfigur auflösen. Das Orchester musizierte gefühlvoll und überzeugend. Die tiefen Empfindungen aus der Musik erreichten die Zuhörer auf eine berührende Weise.

Selten zu hören, und dann noch in so hochkarätiger Besetzung dargeboten, ist „Das Lied von der Erde“ von Gustav Mahler. Eigentlich wäre es die 9. Sinfonie, aber der Komponist fürchtete sich vor der Wiederholung seiner Vorgänger Beethoven und Bruckner, die mit der jeweils 9. Sinfonie die eigene Todesnähe komponiert hatten.

Das Lied von der Erde ist insofern eine absolute Besonderheit, als es die sinfonische Besetzung und Orchesterlied verbindet. Dennoch fehlen in diesem Werk die opulenten Orchesterklänge. Eine sehr veränderte Tonsprache steht den vertonten Texten gegenüber. Textgrundlage bilden chinesische Gedichte, die sich auf tiefsinnige Weise mit dem Abschied befassen.

Der Bariton Konrad Jarnot als Solist gehört zu den international gefragten Sängern in der klassischen Musik. Seine Engagements reichen von großen Festivals bis hin zur Arbeit mit Dirigenten wie Helmuth Rilling.

Rezitativisch, deklamierend beginnt der Gesang über einer fein aufgegliederten Orchesterpartitur. Manchmal von den hohen Bläsern fast überdeckt, entfaltete der Sänger eine klangdichte Interpretation der deutschen Texte. Sehr textnah hat Mahler die instrumentalen und vokalen Linien konzipiert. Die anspruchsvolle Komposition wurde von Musikern und Sänger auf feine Weise miteinander verbunden. Das war keine Musik zum einfachen Genießen, der aufmerksame Zuhörer erlebte aber eine hoch intensive Wort-Tonmalerei.

Nach der Pause kam ein musikgeschichtlicher Schritt rückwärts. Die g-moll-Sinfonie von Mozart ist eine von Mozarts Spätwerken und kommt ohne Pauken und Trompeten aus. Auch ist der Duktus eher melancholisch, nur ein kleines Trio im dritten Satz sorgt etwas für Heiterkeit und Leichte. Das wurde dann auch als Zugabe geboten, sozusagen als lichter Aspekt des Abschieds. Ein wunderschöner und besonderer Konzertabend, der mit keinem Gedanken die Frage zulässt, warum der Saal nicht voll besetzt war.

Irene Schmidt-Makowiec