Bietigheimer Zeitung
Ein Mann und sein Orchester
Vor 30 Jahren gründete Peter Wallinger die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“. 2014 gibt es die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim seit 30 Jahren. Peter Wallinger gründete sie mit ehemaligen Schülern aus den Ellental-Gymnasien. Heute besetzen 90 Prozent der Musiker des Orchesters Top-Positionen in europäischen Ensembles.

Bietigheim-Bissingen. 27 Jahre – bis 2005 – leitete Musiklehrer Peter Wallinger das Schulorchester des Ellental-Gymnasiums. Die jungen Musiker wollten aber nach dem Abitur das gemeinsame Musizieren mit Wallinger nicht missen. Denn die Arbeit mit ihm war für viele die Basis für ein Musikstudium. Die Idee zur Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim war geboren. 1984 waren die Mitglieder zum Großteil ehemalige Schülern, aber im Laufe der Jahre kamen noch andere begabte und namhafte Musiker hinzu, weil das Orchester mittlerweile als hervorragendes Profi-Orchester gilt.
Der gute Ruf des Sinfonieorchesters, das aus insgesamt 40 Musikern besteht, ist einerseits der anspruchsvollen Leitung von Peter Wallinger zu verdanken. Denn immer wieder fordert er die – zumeist – Profimusiker dazu auf, bis an ihre Grenzen zu gehen, auch ungewöhnliche Kompositionen zu spielen und diese einzuüben – und zwar in allerkürzester Zeit. Denn die Musiker, die vier bis sechsmal im Jahr zu Konzerten zusammen kommen, müssen in wenigen Probetagen das Programm einstudieren.
Auf der anderen Seite ist die Qualität des Orchesters so hoch, weil in ihm zu 90 Prozent Profimusiker spielen, die Top-Positionen in europäischen Orchestern inne haben. Viele der Musiker sind seit der Gründung vor 30 Jahren dabei. Geigerin Susanne Crawford beispielsweise. Da ist die Sachsenheimerin Ursula Schoch, die im Concertgebouw Orchester Amsterdam spielt. Oder Christina Dollinger, die Flötenlehrerin an der Musikschule Bietigheim ist. Reimer Kühn spielt mit, der erste Hornist der Staatsoper Stuttgart, oder der Solo-Fagottist Frank Lehmann, genauso wie die Bratschistin Angelika Wollmann, die in Antwerpen engagiert ist. Oder die Mitglieder des Lotus String Quartet, Sachiko Kobayashi, Mathias Neundorf, Tomoko Yamasaki und Chihiro Saito, die sich regelmäßig in die Orchesterreihen eingliedern.
So könnte die Liste namhafter Musiker weitergeführt werden. Sie alle kommen nach Bietigheim-Bissingen zurück, wenn Peter Wallinger sie ruft. „Es ist seine Art, außergewöhnliche Interpretationen von Kompositionen zu realisieren, es ist seine klare, schlanke Art zu dirigieren, die eine durchsichtige Musik ergibt, und das reizt uns“, sagt Christina Dollinger als Grund, dass alle gerne in der Süddeutschen Kammersinfonie spielen.
Von ihrem Leiter bekommen die Musiker „gut durchartikulierte Partituren“, so Dollinger, Partituren, die genau bezeichnen, wie und was jeder zu spielen hat. „Der Einzelne wird dadurch viel mehr gefordert“, sagt Peter Wallinger. „Ohne ihn“, so Christina Dollinger, „wäre wir nicht das, was wir heute sind und zwar als Musiker im Berufsleben als auch als Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“.
Gabriele Szczegulski
Sommerliche Serenade mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“
Am Wochenende war die Süddeutsche Kammersinfonie im Großsachsenheimer Schlosshof zu Gast. Das Programm „Sommerliche Serenade“ begeisterte bei lauen Temperaturen mit musikalischen Delikatessen.

Dieses Konzert unter freiem Himmel wurde als „Sommerliche Serenade“ seinem Namen gerecht. Bei milden Temperaturen musizierte die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim am Samstag im Schlosshof Großsachsenheim. Orchesterleiter Peter Wallinger hatte eine Auswahl mit Werken aus dem Barock, der böhmischen Romantik und des 20. Jahrhunderts getroffen. Schon das einleitende Concerto h-moll für Violoncello und Streicher, RV 424, von Antonio Vivaldi erklang als wundervolle Delikatesse, denn die Solistin Chihiro Saito beglückte nicht nur mit ihrer hochrangigen Virtuosität, sondern auch mit dem Nuancenreichtum, den sie bei der Ausführung ihrer Solopartien in den drei Sätzen auf dem Violoncello entfaltete. Die Süddeutsche Kammersinfonie begleitete die Solistin mit edlem Streicherklang.
Der zweite Solist des Abends war der exzellente Blockflötenspieler Daniel Koschitzki. Mit seinem durchaus als artistisch zu bezeichnendem Spiel auf dem zu Unrecht wenig beachteten Instrument begeisterte er die Besucher. Von einer kleinen Streicherbesetzung begleitet führte er auf der Sopranblockflöte ein Concerto in G-Dur von Leonarde Leo, einem jüngeren italienischen Zeitgenossen von Vivaldi, aus. Das Ensemble musizierte ohne Peter Wallinger am Dirigentenpult. Daniel Koschitzki ist der absolute Meister der Blockflöte, der mit größter Leichtigkeit und in rasanten Tempi jeden einzelnen Ton fein intoniert hörbar macht. Dabei entwickelt er noch brodelndes Musikertemperament, das ihn zur gelegentlichen Ausführung tänzerischer Schritte anzutreiben scheint.
War diese Darbietung schon ein als unübertrefflich zu bewertender Genuss, so steigerte der Ausnahmemusiker Daniel Koschitzki seine Virtuosität noch einmal, als er zusammen mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallingers Leitung eine Suite für Altblockflöte und Orchester von Gordon Jacob, die dieser im Jahr 1957 komponierte, interpretierte. In den sechs Sätzen sind es gegensätzliche Rhythmen und Stimmungen, die dem Werk einen mitreißenden Farbenreichtum schenken. Diese Kontraste gaben Daniel Koschitzki beste Möglichkeiten, noch einmal seine lebendige Gestaltungskraft auszubreiten und damit die Zuhörer im Schlosshof fast von den Stühlen zu reißen. Davon ließen sich auch die Orchestermitglieder animieren, die den Solisten mit impulsivem, brillantem Streicherklang begleiteten.
Die „Sommerliche Serenade“ konnte nicht glanzvoller und stimmungsreicher als mit der Serenade in E-Dur, Opus 22, von Antonín Dvorák abgeschlossen werden. Die wandlungsreiche Beschwingtheit der fünf Sätze, die weit gespannte, eingängige Melodik und überhaupt die in den schnellen Sätzen aufblitzende böhmische Lebensfreude vermochte der Dirigent mit seinem Orchester überaus unbeschwert, in blühendem Streicherglanz zum Ausdruck zu bringen. Der Walzer aus dieser Komposition wurde noch einmal als Zugabe kurz angestimmt.
Rudolf Wesner
Wie aus einem Breitwandfilm
Die neue CD der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim liegt vor
Es ist die zehnte CD in der Reihe „Kammersinfonie live“ und sie ist eines kleinen Jubiläums mehr als würdig. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt Musik wie aus einem Breitwandfilm. Wenn man die CD-Reihe der Kammersinfonie Bietigheim durchgeht, glänzt die zehnte Ausgabe wie eine Perle. Mit der Auswahl der Kompositionen, die alle eine ungewöhnliche Geschichte in sich tragen, hat Peter Wallinger, musikalischer Leiter der Kammersinfonie, ein überaus glückliches Händchen bewiesen. Der Hörer fühlt sich in einen Film versetzt.

Ein kleines Jubiläum: Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Leitung von Peter Wallinger (links) hat in der Reihe „Kammersinfonie live“ ihre zehnte CD veröffentlicht. Foto: Martin Kalb
Vorspann: Die neue CD hat zwei Hauptrollen. Die aus Paris stammende Solo-Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und die Pianistin Magdalena Müllerperth. Beide verfügen über ein hohes musikalisches Niveau, das live mit dem Orchester verwoben wird.
Szene 1: Schon der Auftakt mit der Suite für Streichorchester „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg ist hoch emotional und greift den zierlichen und fein tänzerischen Stil des späteren Rokoko auf. Grieg schrieb dieses Stück für die Feiern zum 200. Geburtstag des norwegisch-dänischen Lustspieldichters Baron Ludvik von Holberg, die Uraufführung dirigierte er, „im Pelz und in Pelzstiefeln mit dito Mütze“. Er selbst glaubte allerdings, damit seine Persönlichkeit verleugnet zu haben. Daher empfand Grieg den großen Erfolg, den die Suite hatte, „als leider nicht sehr schmeichelhaft für meine Kunst“. Wie alles bei ihm ein Irrtum, besonders in der farbigen Interpretation der Kammersinfonie.
Szene 2: In der folgenden „Introduktion und Allegro“ von Maurice Ravel glänzen Anne-Sophie Bertrand an der Harfe, Verena Guthy-Homolka an der Flöte und Martin Nitschmann an der Klarinette. Ravel arbeitete sehr eilig an dem Werk, die Komposition musste vor Antritt einer Schiffsreise fertig werden. Eile wird auf der CD in Kontrastreichtum übersetzt, über weite Strecken, vor allem in der Verdichtung der einzelnen Instrumente mit der Fülle der Streicher, zaubert die Kammersinfonie hier ganz großes musikalisches Kino.
Szene 3: Drei Sätze Robert Schumann „Klavierkonzert a-moll op.54“. Eine kleine Fantasie, der Schumann ein Intermezzo und ein Rondo hinzufügte und damit das Klavierkonzert in a-Moll vollendete. Sehnsucht und herbeigesehntes Glück zweier sich liebender Menschen, das von Magdalena Müllerperth am Klavier bis zu einem musikalisch furiosen Ende getrieben wird. Übrigens: Schumann setzte mit dieser Komposition seinen Kampf um Clara Wieck musikalisch um. Mit Erfolg, er heiratete sie schließlich im Jahre 1840.
Szene 4: Robert Schumanns „Der Abend“ ist der erste Teil eines Zyklus von acht Klavierwerken, inspiriert von Schumanns Lieblingsdichter E. T. A. Hoffmann. Ein Kleinod – überaus elegant ausgeführt.
Szene 5: Wie ein Kontrastprogramm wirkt am Ende der CD die Symphonie Nr. 1 D-Dur von Sergej Prokofjew, die als „Symphonie classique“ in die Musikgeschichte einging. Höfische Tänze faszinierten Prokofjew besonders, und so bildet eine Gavotte, die an dritter Stelle der Symphonie steht, den Ausgangspunkt für eine Reise in die Musik. Ein feinsinnig ironisierendes Spiel mit klassischen Elementen. Im Larghetto werden Tanzbewegungen klar nachgezeichnet, in der Gavotta biegt die Melodie mitunter auf Abwege ab. Die Ecksätze wirbeln mit unbändiger Energie und münden mit pfiffigen Melodien ins Finale.
Abspann: Mit „Live 2012“ dokumentiert die Süddeutsche Kammersinfonie eine Bandbreite musikalischen Könnens und bringt dem Hörer auch Unbekanntes großer Komponisten näher. Wer sich an diese Musik wagt, wird reich belohnt. Die CD der Kammersinfonie Bietigheim kann im Internet bestellt werden.
Jörg Palitzsch
Streicher harmonieren mit Saxophonensemble Konzert der Sueddeutschen Kammersinfonie
Ein Konzert mit großem Überraschungseffekt bot die Sueddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung ihres Gründers Peter Wallinger am Freitagabend im Kronensaal. Gemeinsam mit dem Saxophonquartett „Alliage“ wurden musikalische Raritäten aufgeführt.

Es war nicht das erste Mal, dass Peter Wallinger entweder kaum bekannte oder nur selten gespielte Werke aus den Tiefen eines Notenarchivs hervorzog. Für sein Konzertprogramm „Begegnung zweier Klangkörper“ wählte er zunächst die „Serenata notturna“ in D-Dur, KV 249, für Streicher und Pauken von Wolfgang Amadeus Mozart aus. Schon im ersten marschartigen Satz entstand ein markanter Kontrast aus elegantem, geschmeidigem Streicherklang und kraftvollen Paukenschlägen. Auch das in schreitendem Tempo dargebotene Menuetto wurde damit im Ausdruck fester, ohne dass dies den typischen Mozart-Melodiefluss beeinträchtigte. Das abschließende Rondo erfreute in seinem musikalischen Humor, den die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ glanzvoll auslotete.
Eine Aufführung „In neuem Gewand“ stand auf dem Programm. Gemeint war ein neuzeitliches Arrangement der „Sonata piano e forte“ des italienischen frühbarocken Komponisten Giovanni Gabrieli, denn an Stelle von ursprünglich vorgesehenen „Zinken“, also Trompeten, übernahm das Saxophonquartett „Alliage“ dessen Aufgaben. In diesem Ensemble wirken Daniel Gauthier (Sopransaxophon), Eva Barthas (Altsaxophon), Koryun Asatryan (Tenorsaxophon) und Sebastian Pottmeier (Baritonsaxophon) mit. Bereits bei der Aufführung des barocken Werks brachten sie die farbenprächtige Klangfülle dieses Blasinstruments vollendet zur Geltung. Die Verbindung des feinstimmigen, aber auch opulenten Streicherklangs mit dem der vier Saxophone ließ ein anmutiges Hörvergnügen entstehen.
Im Alter von 23 Jahren komponierte der Tscheche Leo Janácek (1854 bis 1928) eine Suite für Streicher mit sechs Sätzen. Für die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ war die Komposition eine weitere anspruchsvolle Aufgabe, mit der sich ihr edler Streicherglanz silbrig klar ausbreitete.
Im zweiten Teil des Konzerts stand das Saxophonquartett „Alliage“ im Mittelpunkt. Aus der Oper „Porgy and Bess“ von George Gershwin musizierte das Ensemble eine Suite mit bekannten und beliebten Melodien des zwischen 1933 und 1935 entstandenen Bühnenwerks. Es klang fetzig und jazzig, aber auch, etwa bei der beseelten Intonierung des Blues „Summertime“, atmosphärisch verträumt. Ein musikalisches Brillantfeuerwerk entfachten abschließend die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und das Ensemble „Alliage“ unter der impulsiven Leitung von Peter Wallinger bei der Aufführung einer „Carmen-Rhapsodie“ mit den Melodien von Georges Bizet, hier in einem für diese beiden Klangkörper von dem Japaner Jun Nagao geschaffenen Arrangement, das zudem auch den Einsatz umfangreichen Schlagwerks vorsah.
Solches mit Bravour und brodelndem Temperament ausgeführtes Musizieren hörte man bisher eher selten von dem Streichorchester und die vier Saxophoninterpreten hatten kaum Zeit zum Atemholen, als sie in rasanten Tempi und in exzellenter Virtuosität dazu beitrugen, dass diese Aufführung tosenden Beifall auslöste.
Rudolf Wesner
Paolo mit der Sonnenbrille
Musiktheaterstück für Kinder nach Motiven der Rossini-Oper „Das Aschenputtel“ in der Bietigheimer KelterGestern hatte in der Bietigheimer Kelter „Aschenputtel räumt auf“, ein Musiktheaterstück speziell für junges Publikum, Premiere. Die Fassung verbindet Rossinis Musik aus „La Cenerentola“ mit dem bekannten Märchen.
Einmal im Jahr lädt das Kulturamt der Stadt Bietigheim-Bissingen in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim Grundschüler zu einem Kinderkonzert in die Kelter ein. An drei Tagen führen bei sechs Vorführungen professionelle Musiker, Sänger und Schauspieler kindgerecht und mit viel Spaß in die Welt der Musik ein.
Dieses Mal steht mit Gioachino Rossinis „La Cenerentola“ ein Klassiker der Opernliteratur auf dem Programm: Die Geschichte vom schönen Aschenputtel, das im Hause des geizigen Vaters von den eifersüchtigen Stiefschwestern Clorinda und Tispe gegängelt wird, hat Rossini dereinst für ein großes Orchester verfasst. Im Musiktheaterstück „Aschenputtel räumt auf“ sehen die sechs- bis zehnjährigen Konzertbesucher dieser Tage eine pfiffige, lehrreiche und sehr unterhaltsame Bearbeitung für Harfe, Flöte und Fagott von Ulf-Guido Schäfer.
Als Erzähler fungiert ein glänzend aufgelegter Jörg Schade: Er spielt nicht nur den treuen Schlossgärtner Paolo, der mittels übergroßer bunter Legosteine im Handumdrehen neue Schauplätze gestaltet und immer einen Rat parat hat, sondern auch den herrschsüchtigen Schlossherrn Don Magnifico, Aschenputtels Vater: Die Stimme sonorer, der Rücken gerader, die Kopfbedeckung aristokratischer – fertig ist der despotische Herr Papa. Genauso flugs mutiert der Schauspieler dann wieder zum schlauen Gärtner, der das bezaubernde Aschenputtel auf den Ball begleiten will: Unter der großen Anteilnahme der Besucherschar zieht er sich ein schickes Westchen über, klaut der Harfenistin Marlene Angerer den Schal, der Flötistin Verena Guthy-Homolka eine Sonnenbrille, lässt sich vom Fagottisten Frank Lehmann bewundern und setzt seine Mütze verkehrt herum auf.
Diese Agilität gefällt den Grundschülern ebenso wie die atemberaubende Verwandlung des unscheinbaren Aschenputtels zur Ballkönigin: Als sich Aschenputtel (gespielt und gesungen von der bezaubernden Mezzosopranistin Maria-Rebecca Stöhr) auf der Flucht vor dem strengen Vater in die Zuschauerreihen begibt, wollen alle das schöne Mädchen neben sich sitzen haben.
Ein tolles Angebot, das das Kulturamt der Stadt Bietigheim-Bissingen und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger den Schulen des Kreises da machen: Grundschulkinder bekommen bei diesen Aufführungen nicht nur einen spielerischen und gleichzeitig sehr niveauvollen Zugang zu klassischen Werken, sondern dürfen sich aktiv in das Geschehen einbringen. Ein Konzept, das bei der ersten Aufführung am Montag Vormittag geradezu vorbildhaft aufging: Die Jungen und Mädchen der Grundschule Ludwigsburg-Pflugfelden erwiesen sich als konzentrierte und wache Zuhörer, die mit viel Spaß bei der Sache waren und mit Beifallsbekundungen nicht sparten.
Miriam Staudacher
Musik als Passion
Santy Masciarò bezauberte beim Neujahrskonzert der Kammersinfonie
Gitarrist Santy Masciarò verzauberte beim Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Zuhörer in der Kelter mit virtuosen Spiel und einer im italienischen Original vorgetragenen Lesung aus der „Göttlichen Komödie“.

Peter Wallinger leitet seit 34 Jahren die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim. Foto: Martin Kalb
Er habe eine ausgeprägte „passione“ für die Musik und die Poesie Italiens, eine große Leidenschaft, bekannte der im sizilianischen Syrakus geborene Gitarrist Santy Masciarò. Der Musiker, der viele Jahre in Deutschland Gitarre lehrte und sich mittlerweile in Südfrankreich niedergelassen hat, war der Solist des Neujahrskonzertes der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in der Kelter.
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert setzt die vom Dirigenten Peter Wallinger gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim außergewöhnliche Akzente im Konzertgeschehen, und das weit über die Grenzen Bietigheims hinaus – gelingt es doch dem künstlerischen Leiter immer wieder, für die Auftritte des Orchesters interessante und hochkarätige Solisten zu gewinnen, die das jeweilige Programm mit ihrer Kunst zu bereichern wissen. In diesem Jahr war Santy Masciarò der Solist, der diese Aufgabe mit Bravour erfüllte. Schon der Auftakt, Antonio Vivaldis dreisätziges, als anspruchsvoll geltendes Concert D-Dur für Gitarre und Orchester, zeigte überaus eindrucksvoll, wie wunderbar der Klang der Gitarre mit dem der Geigen, Celli und Bratschen einhergeht.
Nachdem die Zuhörer in der Kelter Zeuge sein durften, wie Santy Masciarò seine Passion Musik auslebt, kamen sie anschließend in den Genuss seiner zweiten Leidenschaft: dem geschriebenen Wort. Der Musiker rezitierte Auszüge aus dem fünften und 33. Gesang der von Dante Alighieri vor rund 700 Jahren verfassten Dichtung, der „Göttlichen Komödie“. Santy Masciarò trug diese Auszüge im Original, in italienischer Sprache, und mit ruhigem und unaufdringlichem Duktus vor. Beeindruckend war hierbei besonders die Tatsache, dass er die Erlebnisse des Ich-Erzählers auf der Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt, wie auch seine Musik, samt und sonders auswendig vortrug.
Zwischen den Rezitationen griff Santy Masciarò immer wieder zu seinem Instrument, dem er in „Carneval in Venedig“ des spanischen Komponisten Francisco Tárrega virtuose Variationen über ein Thema von Nicolo Paganini, dem als „Mein Hut, der hat drei Ecken“ auch in Deutschland bekannten Volkslied, entlockte.
Dieses Werk zeigte sehr unterhaltsam die klanglichen und technischen Möglichkeiten der Gitarre auf. Diese konnte der Zuhörer dann auch bei der Darbietung von Mauro Giulianis Konzert A-Dur für Gitarre und Orchester erleben: Er hörte ein perfektes und harmonisches Zusammenspiel der Streicher mit dem Gitarristen, der nicht nur behende oder kräftig die Saiten strich und zupfte, sondern auch mal behutsam mit den Fingern den Korpus seine Instrumentes beklopfte.
Das abschließende Stück, das Concerto per Archi von Nino Rota, war ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Neujahrskonzerts der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim: Mit dieser viersätzigen Komposition unterstrichen die Musiker ihre herausragende Stellung in der Region.
Redaktion Miriam Staudacher
Gruselgeschichten der Harfe
Klassik-Open-Air Sachsenheim muss ins Kulturhaus umziehen
Hagel, Starkregen und Gewitter am Samstagnachmittag verwandelten das Klassik-Open-Air im Sachsenheimer Schlosshof in ein Saalkonzert im geschützten Kulturhaus. Schön wars trotzdem.

Finster und bedrohlich klangen die Harfenklänge durch das weite Rund des Saals und ließen den nahen roten Seuchentod erahnen, der Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „Masque of the Red Death“ zu einem Gruselabenteuer werden lässt. Sogar die zwölf dumpfen Schläge der Turmuhr ahmte Anne-Sophie Bertrand auf ihrer imposanten, goldbesetzten Harfe nach und versetzte die rund 80 Besucher im Kulturhaus damit endgültig in Schauerstimmung. Der französische Komponist und Dirigent André Léon Caplet hat in seinem musikalischen Werk „Conte fantastique“ eindrucksvoll und zugleich beklemmend die Geschichte Poes nacherzählt, und Solistin Bertrand ist es gemeinsam mit dem Streichquartett der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim gelungen, dieses Musikstück knisternd zu interpretieren.
Dies war nur einer der zahlreichen Höhepunkte beim Sachsenheimer Klassik-Open-Air, aus dessen Anlass Harfenistin Bertrand bereits zum zweiten Mal mit den Musikern der Kammersinfonie auftrat. Leiter und Dirigent Peter Wallinger hatte die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin über ihr Engagement beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks kennen gelernt. „Ich habe schon lange für bestimmte Stücke eine sehr gute Harfenistin gesucht, und auch für Anne-Sophie Bertrand war unser kleines bewegliches Orchester genau richtig“, betonte Wallinger, der mit seinen Musikern schon zum 16. Mal in Sachsenheim auftrat. „Ich schätze die familiäre Atmosphäre sehr. Das Konzert in dem relativ kleinen Saal hat ein sehr intimes Ambiente. Natürlich wäre die Akustik im Schlosshof besser gewesen, aber für empfindliche und teure Instrumente wie die Harfe war die Witterung heute einfach zu riskant“, erklärte Wallinger.
Aus diesem Grund hat sich die Sachsenheimer Kulturamtsleiterin Elke Bauernfeind auch dazu entschlossen, das Klassik-Open-Air in den Saal des Kulturhauses zu verlegen, obwohl am Samstagabend die Sonne vom blauen Himmel lachte. „Am Nachmittag sah das noch ganz anders aus, denn da bedeckten dicke Hagelkörner die Straßen, die keinen Aufbau für das Konzert zugelassen hätten. Wir wollten auf der sicheren Seite sein“, sagte sie.
Die musikalische Klasse des Kammersinfonie, deren Musiker nicht nur aus Bietigheim und Umgebung kommen, sondern für die Konzerte teilweise auch aus Wien und Antwerpen anreisen, wurde auch beim dritten Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach deutlich. Dieses dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt gewidmete Werk bildete am Samstagabend den beschwingten und lebendigen Auftakt des Konzerts im Kulturhaus, bei dem das Streichorchester der Kammersinfonie noch alleine auftrat. Solistin Bertrand konnte ihre musikalisches Talent wiederum bei Maurice Ravels „Introduktion und Allegro“ unter Beweis stellen. Im schwungvollen Stück konnte sie die unterschiedlichen Klangfarben ihres Instruments eindrucksvoll zum Ausdruck bringen. Den Abschluss des gelungenen Konzertabends bildete schließlich die „Suite für Streichorchester“ von Edvard Grieg, die zu Ehren des dänischen Dichters Ludvig Holberg 1884 entstand. Mit diesem tänzerisch leichten, festlichen Werk in fünf Sätzen begeisterten die 20 Musiker nochmal ihr Publikum, das mit Applaus nicht sparte.
Michaela Glemser
Mit Vivaldi und Ravel durchs Jahr
Die Frühlingszeit gilt bei vielen Menschen als die schönste im Jahr. Musikalisch begleiten lassen kann man sich mit einer neuen CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.
Die neunte CD aus der Reihe „Kammersinfonie live“ bietet einen Rückblick auf die Saison 2011 der Kammersinfonie Bietigheim. Drei Themenkreise, „Jahreszeiten“, „Sommerliche Serenade“ und „à la française…“ werden auf „live 2011“ musikalisch erschlossen, was sich teilweise als Einengung auswirkt. Freilich, Musik von Vivaldi, Händel und Ravel unter ein musikalisches Dach zu stellen, gibt Halt, setzt in der Auswahl aber auch Grenzen.
Zum Auftakt der CD dient Antonio Vivaldis „Der Herbst“, zu dem als Klammer nach Edvard Griegs „Våren“ („Letzter Frühling“) und Peter Iljitsch Tschaikowskys „Schneeglöckchen“ das Largo aus Vivaldis „Der Winter“ hinzukommt. Während der Reiz der „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi im Widerspruch einer musikalisch geforderten Dramaturgie auf der einen Seite und der Anforderung nach Balance auf der anderen Seite liegt, hat Griegs „Våren“ so gar nichts Fröhlich-Frühlingshaftes. Eine Elegie voll tiefer Melancholie, Trauer darüber, selbst den letzten Frühling zu erleben.
Tschaikowskys „Schneeglöckchen“ stammt aus den von Dezember 1875 bis November 1876 komponierten „Jahreszeiten“, ein Stück voll melodischem Charme, das die Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger und Ursula Schoch (Violine) auf hohem Niveau bietet.
Wie weit Musik auseinanderliegen kann und welche Grenzen auf der CD gesetzt werden, zeigt die Auswahl im Themenkreis „Sommerliche Serenade“. Georg Friedrich Händels Konzert g-Moll für zwei Violoncelli (Gen Yokosaka, Chihiro Saito) und Orchester erschlägt diese Jahreszeit, in der alles gelingen mag, mit barocker Fülle. Die Hitze des Tages lässt sich bis zur „Fugue“ spüren, die mit leichtem Spiel versöhnt.
Auf jeder CD gibt es ein Stück, das wie ein Solitär im Mittelpunkt steht. Ihm ordnet sich, ihm muss sich alles unterordnen. Auf „live 2011“ ist dies Peter Tschaikowskys Serenade C-Dur. 1880 komponiert, 1881 erstmals in St. Petersburg aufgeführt, hat diese Serenade nichts von ihrem Glanz verloren. Sie kann durchaus auch als Beleg für die musikalische Qualität und Reife der Kammersinfonie Bietigheim herangezogen werden. Zum Auftakt lädt ein eleganter Walzer zum Tanz, im sich anschließende, fast zehnminütigen dritte Satz buhlen die Violinen um die Gunst des Zuhörers, bis hohe und tiefe Streicher den Dialog eröffnen. All dies mündet in ein Finale, das wie ein musikalisches Schmuckstück glitzert. All dies wird von der Kammersinfonie Bietigheim auch mit allergrößter Hingabe gespielt – ein wahres Meisterstück, da capo.
„à la française…“, der im Bietigheimer Kronenzentrum aufgenommene dritte Themenkreis auf der CD wird mit „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel eröffnet. Die musikalische Unregelmäßigkeit wird bei Ravel zum unerwartet Überraschenden und bildet sich in aller Schönheit aus. Die Kammersinfonie spannt all diese Bögen mit der Leichtigkeit des musikalischen Seins und bewahrt die Faszination Ravels wie einen Schatz.
Zum Ende hin das Konzert für Klarinette und Orchester des 1912 in Le Mans geborenen Komponisten und Pianisten Jean Françaix. Rhythmisch komplex, aber nicht verquer, originell und witzig dokumentiert hier Klarinettist Sebastian Manz, warum er im vergangenen Jahr den Echo-Klassik als bester Nachwuchskünstler des Jahres erhielt. Auch im rasant durchgespielten Schlussstück „Le bœuf sur le toît“ von Darius Milhaud untermauert er dieses Können.
So zeigt die neunte Folge von „Kammersinfonie live“ erneut, welches Potenzial in dem von Peter Wallinger geleiteten Orchester steckt. Für regelmäßige Konzertgänger mit ihrer Vielseitigkeit mehr als nur eine Erinnerung, für Neuankömmlinge in der musikalischen Welt der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ein gekonntes Entrée. Die CD kostet zwölf Euro und kann über die Homepage ww.sueddeutsche-kammersinfonie.de bestellt werden.
Jörg Palitzsch
Lieblingskonzert der Pianistin
Magdalena Müllerperth spielt Schumann-Klavierkonzert in Bietigheim
Das Klavierkonzert in a-Moll von Robert Schumann ist eines von drei Stücken, die im Konzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am 2. März im Kronenzentrum gespielt werden. Solistin ist die 20-jährige Magdalena Müllerperth.

Magdalena Müllerperth mit ihren gerade mal 20 Jahren kommt ins Schwärmen, wenn sie über das 167 Jahre alte Klavierkonzert von Robert Schumann spricht. „Es ist eines meiner Lieblingsstücke, es ist so romantisch“, sagt die junge Maulbronnerin. Für sie sei das Konzert das schönste der Epoche der Romantik, vor allem auch, weil es so gefühlvoll ist und das Klavier einen Dialog mit dem Orchester eingeht, um dann mit ihm zu verschmelzen.
Magdalena Müllerperth ist für das Konzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim extra aus New York gekommen. Seit einer Woche weilt sie wieder bei ihren Eltern in Maulbronn und übt täglich mit dem Dirigenten Peter Wallinger und seinem Orchester. Die junge Musikerin ist ehrgeizig, will nicht nur gut sein, sondern „sehr gut“.
Mit fünf Jahren, so erzählt ihre Mutter gerne, kam sie plötzlich in die Küche und sagte: „Ich will Pianistin werden, wenn ich groß bin“. Das war der Moment, in dem Papa Müllerperth ein Klavier kaufte und seine Tochter mit dem Unterricht in der Musikschule Maulbronn begann, den sie dann in Pforzheim fort setzte.
Schnell stellte sich heraus, dass die junge Maulbronnerin eine hohe Begabung als Pianistin hat. Im Alter von acht Jahren wurde sie zunächst Schülerin, dann Jungstudentin von Professor Sontraud Speidel an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe. Seit 1999 errang die junge Künstlerin einen Preis nach dem anderen, insgesamt 35. Sie spielte Konzerte, die sich oft nur gestandene Pianisten zutrauen. „Ich will mir den Traum von der Solistenkarriere erfüllen, dafür arbeite ich hart“, sagt Magdalena Müllerperth. Die junge Frau weiß, was sie will. Mit 15 wollte sie unbedingt in die USA, wie ihr großer Bruder, aber sie wollte dort auch Klavier spielen. Dafür wurde der bestmöglichste Lehrer gesucht und in Professor Alexander Baginsky gefunden, bei dem Müllerperth drei Jahre an der Hamline University in St. Paul im Bundesstaat Minnesota studierte und – fast nebenher – ihre Hochschulzulassung ablegte. Englisch spricht sie mittlerweile so gut, dass man gar einen amerikanischen Akzent hört, wenn sie in ihrer Muttersprache spricht. Denn schließlich lebt sie nun seit fünf Jahren in den Staaten.
Seit 2010 studiert Magdalena Müllerperth in New York, bei Professor Jerome Rose, einem der besten zeitgenössischen Pianisten, am Mannes College. Rose, in seiner Jugend ebenso früh wie Müllerperth als Talent erkannt – er spielte schon mit 15 Jahren mit der San Francisco Symphony – förderte auch ihre Liebe zur romantischen Musik. „Rose spielt die Werke der Romantik wie ein Deutscher , wie beispielsweise der berühmte Pianist Arthur Schnabel, Rose kann mir viel beibringen“, so Müllerperth. Brahms, Beethoven, Liszt, Schubert – diese Komponisten liebt die Musikerin. Auch wenn sie auch gerne Hindemith- oder Barber-Stücke aus der klassischen Moderne spielt, ihr Ding sei die moderne Musik nicht. „Ich spiele beispielsweise nicht gerne Jazz“, sagt sie, „in der Klassik, vor allem in der Romantik, geht es um große Poesie, um einen Weltgeist, um den Aufbruch in eine neue Zeit, das gefällt mir“.
Mindestens einmal im Jahr kommt sie für eine längere Zeit nach Deutschland, um auch hier zu konzertieren. „Dann gebe ich mir die geballte Ladung an Konzerten“, lacht sie. So spielt sie im Herbst in Bukarest, in Stuttgart und beim Schleswig-Holstein-Festival. Jetzt ist sie nur wegen Peter Wallinger und der Süddeutschen Kammersinfonie gekommen – und wegen Schumanns Klavierkonzert.
Gabriele Szczegulski
Zauberhafte Harfenklänge
Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in der Kelter
Mit zarten Harfenklängen begleitete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntagnachmittag die Besucher ihres Neujahrskonzerts in der voll besetzten Bietigheimer Kelter auf einer Reise vom Morgenland ins Abendland.

Wer das Konzert erlebte, kam voll auf seine Kosten, denn in diesem Programm stand die Harfe im Mittelpunkt. Die französisch-amerikanische Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Peter Wallinger für das diesjährige Neujahrskonzert gewinnen, das am Samstagabend auch im Bürgersaal der Gemeinde Murr zu hören war.
Sie vermochte mit den feinen Klängen auf ihrem Instrument die Besucher regelrecht zu verzaubern. Doch für das Programm „Orient – Okzident“ hatte der Orchesterleiter auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben. Von Christoph Willibald Gluck, dem Komponisten, der maßgeblich den Übergang vom Barock zur Klassik im 18. Jahrhundert prägte, wurde das kaum bekannte Werke „Die Pilger von Mekka“ zur Einleitung des Programms aufgeführt. In dem recht kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Komposition aus.
Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1783 komponiert, erklang während der diesjährigen Neujahrskonzerte der Kammersinfonie Bietigheim in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart wesentlich filigraner. Von Anne-Sophie Bertrand wurde dieser mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe interpretiert.
Das Andante war dabei ein besonders hochrangiger Hörgenuss, denn die Solisten und die Kammersinfonie entfalteten mit der sanft dahinfließenden Melodie zauberischen Wohlklang. In den kunstvoll ausgeführten Kadenzen der drei Sätze bestach Anne-Sophie Bertrand bei einfühlsamem Spiel mit ihrer ausgereiften Virtuosität. Das Orchester begleitete die Solistin mit brillant entfalteter Streicherfülle. Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglückte das ungemein feinstimmige Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Streichorchester.
Elegische Stimmung beherrschte den „Danse sacrée“, dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der „Danse profane“ von bewegten Klangfiguren geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Diesen Kontrast ließ Peter Wallinger zusammen mit seiner Harfensolistin aus Paris in subtiler Klangpracht hervortreten. Ein Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft und auch ihr überaus einfühlsames Spiel auf der Harfe nachdrücklich auszubreiten. Das verträumte Werk ist von mystischer Stimmung geprägt und der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer seelenvollen Interpretation Ausdruck zu verleihen.
Noch einmal entführten die Musikerinnen und Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Konzertbesucher in den märchenhaften Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama „Peer Gynt“ von Edvard Grieg waren die Sätze „Anitras Tanz“ und „Arabischer Tanz“ zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im „Arabischen Tanz“ zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe für den anhaltenden, freudigen Applaus gespielt wurde.
Rudolf Wesner