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Ludwigsburger Kreiszeitung

Musilkalisch von Dante zum „Paten“

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Süddeutsche Kammersinfonie und Solist Santy Masciarò bieten bei zwei Neujahrskonzerten „Passione Italiana“

Seiner Leidenschaft für Italien gab Orchesterleiter Peter Wallinger bei Neujahrskonzerten seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Murrer Bürgersaal und in der Bietigheimer Kelter nach. In Murr fand das Neujahrskonzert vor sehr zahlreich erschienenen Besuchern bereits zum 19. Mal statt.

Der Gitarrist als Rezitator

Werke italienischer Komponisten waren zu hören und Rezitationen aus Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“. Beide Konzerte gewannen ihren spezifischen Reiz durch die Mitwirkung von Santy Masciaro, einem herausragenden Virtuosen an der Gitarre, der sich zugleich als ausdrucksstarker Rezitator der 700 Jahre alten Dichtung Dantes erwies. Im ersten Teil des Programms sprach er Auszüge aus zwei Gesängen der „Göttlichen Komödie. Das Publikum erhielt mit dem Programmzettel die Texte sowohl in italienischer Sprache als auch in deutscher Übersetzung. Masciaro sprach die Texte in seiner Muttersprache Italienisch und überzeugte mit seiner in ruhigem Fluss ausgeführten, nicht von Pathos belasteten Rezitation.

Als Gitarrenvirtuose bestach Masciaro, der in Syrakus auf Sizilien geboren wurde, nicht weniger. Im Concerto C-Dur für Gitarre und Streichorchester RV 93 von Antonio Vivaldi führte er die Soli mit Eleganz und Leichtigkeit aus. Unter der Leitung von Peter Wallinger begleitete die Süddeutsche Kammersinfonie in gewohnt feinstimmig und silbrig hell gestaltetem Streicherklang.

Seine vollendete Kunst in der Beherrschung der sechs Saiten seiner Gitarre demonstrierte Santy Masciarò bei der Wiedergabe der von Franciso Tarrega zur Aufführung mit diesem Instrument bearbeiteten Variationen überein weithin bekanntes Thema aus dem „Carneval in Venedig“ des Teufelsgeigers Nicolo Paganini. Mit perfekt angewandter, raffinierter Grifftechnik interpretierte der Solist scheinbar mühelos die kompliziertesten Passagen des Werks.

Auch das Orcheser überzeugt

Die Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, ein Jugendwerk von Gioacchino Rossini, erlebte eine spritzige, tempobetonte Aufführung voller Esprit durch die Süddeutsche Kammersinfonie. Außerdem musizierten Santy Masciarò und das warm und füllig klingende Streichorchester ein Konzert für Gitarre und Orchester in A-Dur, Opus 30, von Mauro Giuliani. In den zwei Sätzen der Komposition betonten Solist und Orchester die deutlichen Kontraste zwischen der sanft dahinschreitenden Siciliana und dem graziös-heiteren Allegretto.

Das Neujahrskonzert schloss mit einem Werk von Nino Rota. Dieser Komponist schuf unter anderem die Musik zum Kultfilm „Der Pate“.Auch sein „Concerto per Archi“ lässt sich als konzertante Filmmusik empfinden, die von der Süddeutschen Kammersinfonie virtuos, nuanciert und impulsiv gestaltet wurde. Das Orcheser führte unter der Leitung von Peter Wallinger die vier Sätze in leuchtendem und vitalem Streicherklang aus. Als Dank für den lebhaften Schlussbeifall spielte die Süddeutsche Kammersinfonie noch eine Zugabe.

Rudolf Wesner

Mit Trompetenklang und Paukenwirbel

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begeistert ihr Publikum mit Werken von Telemann, Bach und Haydn-Junge Solisten zu Gast

Unter der Leitung von Peter Wallinger präsentierte die Kammersinfonie ein abwechlungsreiches und ansprechendes Programm. Foto: Benjamin Stollenberg

Mit festlich-freudigem Musizieren bot die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger am Sonntagnachmittag im Kronensaal unter dem Motto „Musik zum Advent“ ein delikates Programm, in dem Trompeten und Pauken immer wieder den Ton angaben.

Georg Philipp Telemann schuf eine große Zahl von Kompositionen, die abwechslungsreich und farbig waren und die es nicht an pompЪsen Klangeffekten fehlen ließen. Ein markantes Beispiel dafür ist sein Konzert in D-Dur für drei Trompeten, Pauken und Orchester, mit dem das Programm eingeleitet wurde. Drei Meisterschüler des international geachteten Trompetenvirtuosen Reinhold Friedrich von der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe hatte Orchesterleiter Wallinger eingeladen, damit sie der Aufführung jenen funkelnden Glanz gaben, mit dem das Telemann-Werk seine mitreißende Wrrkung erzielen kann. Saleem Kham, Eline Beumer und In-Heyeok Choi, alle gerade mal 23 Jahre jung, führten ihren Solopart im ersten und dritten Satz bravourös aus.

Im Mittelsatz, einem Largo, glänzte die Oboistin des Orchesters mit ihrem feinstimmig und virtuos dargebotenen Solo. Und auch der Mann an den Pauken hatte zu tun, um sein Instrumentarium nuanciert zum Klingen zu bringen. Die Kammersinfonie gestaltete zusammen mit den Solisten an Trompeten und Pauken das Werk voll üppiger Musizierfreude.

Bevor sich mit der Orchestersuite Nummer drei in D-Dur, BWV 1068 von Johann Sebastian Bach erneut barocke Klangpracht ausbreiten konnte, setzte Peter Wallinger mit der Wiedergabe der Komposition „Musica adventus I“ des lettischen Tonschöpfers Peteris Vasks einen ruhevollen Akzent. Die um 1750 vom Thomaskantor komponierte Orchestersuite Nummer drei zählt zu dessen beliebtesten Werken. Allein schon die Ouvertüre ist in ihrer Opulenz eine einzigartige musikalische Delikatesse, der Wallinger mit seinem Orchester strahlenden Glanz verlieh. Ein Stück himmlische Musik stellt das „Air“ dar, mit dessen Aufführung erneut die betörende Klangpracht der Streicher des Orchesters zur Geltung kam. Temperamentvoll und beschwingt musizierte das Orcpester auch die drei weiteren Sätze der Suite.

Die Sinfonie mit dem Pauktenschlag in G-Dur ist Joseph Haydns populärste Komposition. Die Kammersinfonie leuchtete die Feinheiten der vier SКtze mit bravourösem, in allen Registern prachtvollem Spiel aus.

Rudolf Wesner

Schumann als große Herausforderung für junge Interpretin

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Magdalena Müllerperth und Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musizieren bravourös – Tosender Beifall und zwei Zugaben

Mit tänzerischer Eleganz, feurigem Elan und sprühender Musizierfreude gestalteten die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger zusammen mit der blutjungen Klaviervirtuosin Magdalena Müllerperth am Freitagabend im fast voll besetzten Kronensaal ihr Konzertprogramm „Magie der Töne“.

Die knapp 20-jährige Nachwuchsmusikerin studiert seit 2007 an renommierten Hochschulen in New York und ist schon seit dem Jahr 2004 Stipendiatin der Theodor und Ursua Mayer-Stiftung in Bietigheim-Bssingen.

Mit dem Gründer und Dirigenten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim verbindet Magdalena Müllerperth, die in Maulbronn-Schmie aufwuchs, eine enge künstlerische Freundschaft. Bereits zum dritten Mal musizierte sie mit ihm und seinem inzwischen hoch geschätzten Orchester zusammen. Den Solopart im Klavierkonzert in a-moll, Opus 54, von Robert Schumann führte sie zum ersten Mal öffentlich auf. Die prägnante Akkordfolge zu Beginn des ersten Satzes erklang glutvoll und emotional und so führte Magdalena Müllerperth ihre Gestaltung der von romantischem Grundton geprägten Soli in allen drei Sätzen auch weiterhin aus.

Mit Bravour stürzte sie sich in die machtvollen Klangstrudel des 1845 veröffentlichten Werks und ließ dabei die vitalen Stimmungskontraste rauschhaft aufleuchten.

Das war eine große Herausforderung, die die junge Virtuosin an sich selbst stellte, der sie voll gewachsen war, wenn es auch einmal so schien, als wollte der ansonsten durchgängig spürbare Spannungsstrom für einen Moment innehalten. Getragen wurde die Solistin allerdings auch vom blühenden Klang der Kammersinfonie. Schumann hatte dem Begleitorchester eine breit gefächerte Eigenständigkeit eingeräumt, die von dem dicht, kraftvoll leuchtend und brillant musizierenden Klangkörper hörbar gemacht wurde.

Magdalena Müllerperth bedankte sich für den tosenden Beifall mit zwei virtuos dargebotenen Zugaben.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnete das Konzert mit der Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die düstere Stimmung des einleitenden Andantes ließ Orchesterleiter Peter Wallinger eindringlich hervortreten. Farbenreich und nuanciert wurden die atmosphärisch gegensätzlichen Themen der Ouvertüre, die den zwielichtigen Charakter des Don Juan andeuten sollen, temporeich und impulsiv wiedergegeben.

Nach dem Schumann-Konzert stand noch die „Symphonie Classique“ in D-Dur, Opus 25, von Sergej Profokjew aus dem Jahr 1918 auf dem Programm. Dieses neoklassizistische Kleinod schenkte den Mitgliedern des Orchesters eine wunderbare Gelegenheit, eine überaus delikate, glitzernde und anregende Ausführung darzubieten. Hohe Anerkennung verdienten dabei die bravourösen Leistungen der Holzbläser, insbesondere der beiden Flötistinnen.

Es gab lang anhaltenden Schlussbeifall, für den sich Peter Wallinger und sein Orchester mit der Gavotte aus der Sinfonie als Zugabe bedankten.

Rudolf Wesner

Westöstlicher Diwan aus Harfenklängen

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Neujahrskonzert im Murrer Bürgersaal: Ein Neujahrskonzert voller reizvoller musikalischer Kontraste bot die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung ihres Gründers Peter Wallinger am vergangenen Wochenende insgesamt dreimal.

Die Reihe wurde am Samstagabend im Murrer Bürgersaal eröffnet und in diesem Jahr schien es, als hätte das inzwischen in der Gemeinde zur Tradition gewordene Neujahrskonzert besonders viele Musikfreunde angezogen.

Mit Gluck in Mekka

Wer dabei war, kam voll auf seine Kosten, denn zum ersten Mal gab es in Murr ein Programm, in welchem die Harfe im Mittelpunkt stand. Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Wallinger für die Neujahrskonzerte gewinnen. Der Orchesterleiter hatte auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben. Von Christoph Willibald Gluck war das kaum bekannte Werk „Die Pilger von Mekka“ zu hören. In dem kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim diese Komposition aus.

Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart erklang in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt, wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart filigraner und zauberischer. Anne-Sophie Bertrand interpretierte diesen mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe. Dabei entfaltete sie ihre beeindruckende Virtuosität. Diese zeigte sich in den kunstvoll ausgeführten Kadenzen. Das Orchester begleite sie mit brillanter Streicherfülle.

Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglücke das Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Orchester. Elegische Stimmung beherrschte den „Danse sacrée“, dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der „Danse profane“ von bewegten Klangfiguren auf der Harfe geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Das Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft nachdrücklich auszubreiten. Der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer Interpretation Ausdruck zu verleihen.

Auch in Bietigheim

Noch einmal entführten die Musiker die Konzertbesucher in den Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama „Peer Gynt“ von Edvard Grieg waren die Sätze „Anitras Tanz“ und „Arabischer Tanz“ zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im „Arabischen Tanz“ zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe gespielt wurde. Das Konzert wurde am Sonntagvormittag nochmals in Mühlacker und nachmittags in der Bietigheimer Kelter gegeben.

Rudolf Wesner

Mit Felix und Fanny auf Reisen

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Musiktheater für Schüler über den Komponisten Mendelssohn Bartholdy Auf eine musikalische Reise begeben sich bis Mittwoch, täglich zweimal, die Grundschüler der Stadt. In sechs Aufführungen erleben sie „Felix und Fanny auf Reisen“, ein Musiktheater über den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy.

Gespannte Aufmerksamkeit in der Kelter: Aufgeweckte Jungen und Mädchen, die voll dabei sind und die auf Fragen prompt antworten. Gestern fanden die ersten beiden von sechs Aufführungen des Musiktheaters „Felix und Fanny auf Reisen“ statt. Das städtische Kulturamt hat in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Kammersinfonie von Peter Wallinger, das Stück auf die Bühne der Kelter geholt.

Musik für Grundschüler
Zum wiederholten Male erleben die Grundschüler der Stadt so ein Musiktheater, bei dem sie mitwirken können. Jörg Schade, der das Stück zusammen mit Franz-Georg Stähling geschrieben hat, ist als Felix auf der Bühne zu sehen. Jeanette Wernecke spielt und singt als Fanny zur Musik des Lotus String Quartetts. Ulas Aktas hat das Gastspiel in Bietigheim, wie in den vergangenen Jahren organisiert. In dem einstündigen Stück begibt sich Felix Mendelssohn Bartholdy zusammen mit seiner Schwester Fanny auf eine abenteuerliche Reise zu seinen wichtigsten Lebensorten. Unterwegs gibt es viel Musik, denn überall, wo die beiden vorbeikommen, erinnert sich Felix an seine Kompositionen. Und dazu singt seine Schwester Fanny ganz bezaubernd. Das Stück gibt einen gekonnten Einblick in Leben und Werk des Komponisten und entführt die Kinder dabei in die Welt der klassischen Musik. Nur das Ziel dieser Reise ist zunächst nicht klar. Afrika, da wollte Felix schon immer einmal hin! Aber wo liegt das? Fahren sie überhaupt in die richtige Richtung? Ein alter Reiseführer vom Flohmarkt scheint da auch keine große Hilfe zu sein.

Reise durch Europa
Felix und Fanny und die Musiker erleben dennoch eine Reise durch die Schweiz, Italien, England und Schottland, bis sie schließlich wieder in Leipzig ankommen. Auf einfühlsame Weise wollen Musiker und Schauspieler das junge Publikum in die Welt der klassischen Musik entführen und die Kinder in die Handlung der Aufführung mit einbeziehen. Musik wird erlebt. Peter Wallinger hat das junge Publikum beobachtet und ist zufrieden.

Alfred Drossel

Alte Bekannte spielen „Die Jahreszeiten“

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im Louis-Bührer-Saal. Nicht weit von Ludwigsburg entfernt, in Bietigheim, hat die Geschichte Ihren Anfang genommen. Seit 27 Jahren wird sie erzählt, oder besser, erzählt sich immer wieder selber, in der Sprache der Musik. Die Rede ist von der Entstehung des inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus bekannten Orchesters Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, das ihr Dirigent Peter Wallinger 1984 gründete und bis heute künstlerisch leitet.

Das tat er auch gestern Abend, im voll besetzten Louis-Bührer-Saal der Ludwigsburger Kreissparkasse. Beim betörenden Klassik-Konzert, „Die Jahreszeiten“, das Kompositionen aus vier Jahrhunderten zu Gehör brachte. „Wir sind heute Abend privilegiert“, begrüßte Dr. Heinz-Werner Schulte die 350 Zuhörer, „denn für uns spielt ein außergewöhnliches Orchester, unter der Leitung eines außergewöhnlichen Dirigenten, in Begleitung der nicht minder außergewöhnlichen und in Ludwigsburg geborenen Geigenvirtuosin Ursula Schoch.“ Er freue sich, so der Vorstandsvorsitzende, selber sehr auf das Konzert. „Wir werden uns von herausragenden Musikern durch die Jahreszeiten führen lassen.“ In seiner Begrüßung erzählte Schulte kurz die Entstehungsgeschichte der „alten Bekannten“, die sich alle einst am Bietigheimer Ellental-Gymnasium kennengelernt hatten. Dort arbeitete Pater Wallinger als Mathe- und Musiklehrer. Aus Wallingers Brotberuf wurde die berühmte Berufung und er Initiator und Dirigent der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Viele seiner ehemaligen Schüler sind Berufsmusiker geworden. Wollten aber weiterhin mit dem Maestro aus gemeinsamen Schultagen musizieren. Genau das taten sie auch, tun es noch, erfolgreich, hoch anerkannt. Viele Einspielungen dokumentieren das beeindruckend. Orchester, Dirigent und die international renommierte Geigen-Virtuosin Ursula Schoch haben zusammen schon zahlreiche Werke auf CD aufgenommen, sind im wahrsten Sinne gut aufeinander eingespielt. Die „alten Bekannten“ aus Bietigheimer Tagen faszinieren ihr Publikum mit Konzerten voller Hingabe. Und erspielen Interpretationen, die in vermeintlich gut bekannten Kompositionen dem Zuhörer das Neue entdecken. Das gelang auch gestern Abend. Zur Aufführung kamen Werke von Antonio Vivaldi, Edvard Grieg, Arvo Pärt und Peter Iljitsch Tschaikowsky. Vorgetragen mit hoher Werk-Empathie und der Fähigkeit, neue Akzente zu setzen. In der Tat, sie waren privilegiert, die vielen Klassikfreunde. Nicht nur wegen der Zugabe.

Burlesker Spaß mit Mozart und Pulcinella

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Großer Orchesterklang gepaart mit glanzvollen Instrumental- soli von Ursula Schoch und Mi- chael Gieler prägten das Kon- zert der Süddeutschen Kam- mersinfonie Bietigheim. Das Publikum im Kronenzentrum war hingerissen von der mit eleganter Finesse interpretier- ten Sinfonia Concertante in Es-Dur von Mozart und ande- ren Werken.

Die zum Soundtrack des legendären Mozart-Filmes „Amadeus“ gehörende Sinfonia Concertante ist ein Werk mit vielen Facetten. Das von Peter Wallinger dirigierte Orchester erfüllte den Konzertsaal zunächst mit spannungsreichen, raumgreifenden Klängen, bevor die beiden Solisten eine intensiv-melancholische Note hinzufügten. Die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Violinistin Ursula Schoch, die nach dem Abitur am Ellentalgymnasium in Köln Musik studierte und heute international gefragt ist, hatte an diesem Abend ein Heimspiel. Den Erwartungsdruck des Publikums erfüllte sie mühelos in einem hingebungsvollen Duett mit dem Österreicher Michael Gieler an der Viola. Den Mittelteil des berühmten Mozart- Werkes prägten die beiden Solisten mit Seelentiefe und treibender Virtuosität, bevor das Orchester mit einem übermütigen und rasanten Presto schloss.

Die Mozart-Komposition war aber nicht das einzige musikalische Erlebnis, das die renommierte Kammersinfonie unter dem Titel „Konzertantes Vergnügen“ kredenzte. Passend zu diesem sonnigen Wochenende beschrieb das Orchester in der Haydn-Sinfonie „Le Matin“ Morgenstimmung in vollendeter Schönheit. Getragen von den Streichern trillerten Flöten, Holzbläser und Hörner erwachten, die Natur präsentierte sich schließlich in ihrer ganzen Pracht. Besonders gefiel der fast schon intime Dialog von Fagott, Cello und Viola im Mittelteil.

Die Süddeutsche Kammersinfonie ist bekannt dafür, dass sie auch neue, ungewohnte Musik einem breiten Publikum näherbringt. Das gelang mit der Suite „Pulcinella“ von Igor Strawinsky, dessen eigenwillige Kompositionen in den 20er Jahren für Skandale sorgten. Die Suite begann mit kurzen Sequenzen von barocker Klarheit, entwickelte sich aber im weiteren Verlauf zu einem burlesken, theatralischen Geschehen. Kein Wunder, denn Pulcinella ist eine Figur aus der Commedia dell’Arte und so wurde die Suite immer mehr zum heiteren Spaß, der in einem komischen Dialog von Posaune und Kontrabass gipfelte. Die von Verfremdungen und Dissonanzen geprägte Suite setzte die Kammersinfonie der- art souverän und amüsant um, so dass deren Komplexität fast schon in den Hintergrund geriet.

Angelika Baumeister

Ein Feuerwerk nach Noten

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Auf eine musikalische Reise nach Venedig und Prag nahm die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Besucher ihrer Neujahrskonzerte im Murrer Bürgersaal und in der Bietigheimer Kelter mit. Unter der Leitung von Peter Wallinger musizierte das Orchester in fülliger und hell leuchtender Klangpracht.

Der Leiter des Kulturamtes von Murr, Matthias Bader, begrüßte am Samstagabend die Besucher, deren Zahl sich auch in diesem Jahr erfreulicherweise weiter erhöht hat, mit Glückwünschen zum neuen Jahr und verband diese mit nachdenklichen Worten. Außerdem versprach er ein Programm, in welchem musikalische Funken versprüht würden.

Das bewahrheitete sich schon mit den ersten Takten eines Concertos in G-Dur, Opus 51, Nummer vier, von Antonio Vivaldi, das den Zusatz „alle rustica“ trägt. Die drei Sätze des Werkes gestaltete die Süddeutsche Kammersinfonie voller Schwung in wohl dosierten Tempi. Zugleich bestach das Orchester unter Peter Wallingers Leitung einmal mehr mit seinem erlesenen Streicherklang.
Auch zwei Sätze der Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, einem genialen Jugendwerk von Gioacchino Rossini, und schließlich das Konzertstück für Streicher mit dem Titel „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini wurden als musikalische Kostbarkeiten gestaltet.

Den Programmteil „Venedig“ bereicherte Daniel Koschitzki als exzellenter Virtuose auf der Sopranblockflöte. Dieser junge Könner interpretierte ein Concertino in F-Dur von Giuseppe Sammartini, einem jüngeren Zeitgenossen Vivaldis, mit virtuoser Bravour. Die kompliziertesten, geradezu verwegen angelegten schnellen Passagen dieses Werks und erst recht die des Concertos in C-Dur für Pikkoloflöte und Streicher von Vivaldi führte Daniel Koschitzki in rasantem Tempo und in unvergleichlich präziser Intonation, dazu überaus nuanciert im Ausdruck aus. Er musizierte förmlich mit dem ganzen Körper, und zuweilen schien es, als wolle er sein Spiel noch mit tänzerisch anmutenden Bewegungen ergänzen. Für den frenetischen Beifall nach dem Vivaldi-Concerto bedankte sich Daniel Koschitzki noch mit einer brillant dargebotenen Zugabe.

In ähnlicher Weise waren auch die Besucher des Neujahrskonzerts am Sonntagnachmittag in Bietigheim-Bissingen von diesem temperamentvollen und energiegeladenen Feuerwerk nach Noten begeistert.

Im zweiten Programmteil waren Kompositionen der tschechischen Komponisten Josef Mysliveček, der im 18. Jahrhundert lebte, sowie von Antonin Dvorák und Leoš Janáček zu hören. Ein Quintetto in Es-Dur von Mysliveček ließ die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sehr elegant und in der Melodik feinstimmig erklingen. Der Komponist lebte hauptsächlich in Italien, weshalb seine Kompositionen vom dortigen farbenreichen Stil geprägt sind. Zwei Walzer aus Opus 54 von Antonin Dvorák erlebten schwebend leichte und delikate Wiedergaben, und auch drei Sätze des Zyklus „Idylle“ von Leoš Janáček waren in der Ausführung durch das in zart schimmernden Klangfarben musizierende Streichorchester ein Genuss. Nach anhaltendem, freudigem Schlussapplaus spielte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim noch eine kurze Zugabe.

Rudolf Wesner

„Klangzauber“ im nur halb gefüllten Kronensaal

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Kompositionen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verbanden sich in einem Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger mit solchen des Impressionismus zu ohrenschmeichelndem „Klangzauber“.

Im halb vollen Kronensaal hörten die Besucher delikate Aufführungen von Werken von Mozart, Schubert, Debussy und Ravel.

Dessen „Pavane pour une Infante défunte“ ist ein sanft dahinschreitendes Orchesterstück, in dem wehmütig und andachtsvoll an eine verstorbene Prinzessin erinnert wird. Die Süddeutsche Kammersinfonie leitete damit das Konzert ein und bestach mit einer lyrisch und verklärt gestalteten Aufführung der weit tragenden schlichten Melodik.

Vor drei Jahren beeindruckte der blinde Pianist Bernard d’Ascoli im Kronensaal mit einer ausgereiften Interpretation des dritten Klavierkonzerts von Beethoven. Jetzt war der außergewöhnliche Künstler erneut in Bietigheim zu hören. Mit der Süddeutschen Kammersinfonie führte er Mozarts Klavierkonzert

A-Dur, KV 488, auf. Bernard d’Ascolis schwebend leichter An- schlag ließ bereits im ersten Satz aufhorchen, die graziösen The- men in bewegtem Tempo breitete er transparent aus. Es erklang besinnliches, beseeltes Adagio; das Einleitungsmotivdesdritten Satzes spielte der Franzose mit erfrischendem Elan. Es war eine von sprühender Intensität getragene Interpretation zu erleben, zumal das Orchester ihn mit klangprächtiger Fülle begleitete.

Zauberisch und verträumt er- klang das Prélude „L’après-midi d’un faune“ von Debussy. Das Flirren und Flimmern der Luft an einem Sommernachmittag in der mythischen Landschaft Arkadiens ließ Peter Wallinger vom Orchester genüsslich musizieren. Besonders die Holzbläser führten die elegisch dahinfließende Melodik in sensibler Intonation aus. Ein wahrer Ohrenschmaus!

Beliebt ist Schuberts fünfte Sinfonie in B-Dur, deren anmutiger erster Satz noch von Mozart beeinflusst ist. Romantische Stimmungen und tänzerische Elemente artikulieren sich auch in den weiteren Sätzen. Drei Sätze musizierte das Orchester in forschen Tempi und entfaltete dabei seine in jedem Register glutvolle Fülle. Nur das Andante erklang geruhsam dahingleitend.

Rudolf Wesner

Klassik: Ein höllischer Spaß für Schüler

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Gebannt verfolgen kleine Zuschauer in der Bietigheimer Kelter die musikalische Erzählung vom „Teufel mit den goldenen Löckchen“. Die Süddeutsche Kammersinfonie hatte in sechs Vorstellungen 1400 Grundschüler zu Gast. Musikunterricht der Extraklasse.

Qualm quillt aus dem Ofen in der Kelter. Es ist heiß und düster in der Nebenhölle 23, der Hölle für Musiker. Lucius der Siebente, eigentlich ein Fehlerteufel, soll das seit fast zehn Jahren von der Erde verschwundene Fagott-Ensemble, Geschwister Fago“ bewachen. Er bekommt eine Belohnung, wenn sich niemand auf der Erde an die Fagottisten erinnert. Natürlich kommt es anders: Auf der Erde erinnert sich die kleine Paula an das Quartett, und so macht sich Schutzengel Angela auf den Weg, um die Musiker zu befreien.

Die „Fago-Geschwister“ (das Fagott-Ensemble der Kammersinfonie mit Bernadette Glöckler, Frank Lehmann, Stephan Rex und Christof Baumbusch) war aus nicht näher erklärten Gründen nach ihrem Tod in die Hölle geraten und spielten dem Teufel Lucius (Jörg Schade) erst einmal den ,,Gefangenenchor“ aus Verdis ,,Nabucco“ vor. Nach teuflischen Ratespielen des rot beschwanzten Lucius mit dem Publikum („ist ein Fagott ein Blechblas-, ein Holzblas- oder ein Tasteninstrument?“) trat Schutzengel Angela (Christiane Schoon) auf den Plan. Die Befreiungsaktion leitete der Engel nicht alleine ein, sondern mit Hilfe der Kinder. Diese ließen sich weder von Rätseln in Gedichtform (,.Ich hab ’nen Kasten, mit vielen Tasten, die niemals rasten“) noch von Klatschrhythmen für eine Spontankomposition abschrecken.

Untermalt wurde das musikalische Programm von einem klug zusammengestellten Potpourri: Klassiker wie Jacques Offenbachs Höllenritt-Can-Can aus ,,Orpheus in der Unterwelt“ waren genauso wie Volks- oder Kinderlieder zu hören. Ein höllischer Spaß für kleine Musikfreunde: ,,Der Teufel mit den goldenen Löckchen“ bietet alles, was Kinderherzen höher schlagen lässt: Spannung, Witz und jede Menge Musik.

Kein Wunder. dass man danach nur zufriedene Zuhörer traf. ,,Sehr gut“ und ,,sehr witzig“, urteilten die Jungen und Mädchen verschiedener Schulen aus der Stadt und dem Umland.

Das Interesse an der Musikvermittlung war riesengroß. Darüber freut sich der Leiter der Kammersinfonie, Peter Wallinger. Sechsmal war die Kelter ausverkauft. Sechsmal gab es Beifall für klassische Musik.

Anliegen von Kammersinfonie und städtischem Kulturamt ist es. wie Projektkoordinator Ulas Aktas betont, Freude an der Musik zu wecken und den Kindern die Angst vor klassischer Musik zu nehmen.

Vielleicht wollen die Profimusiker auch eine Lücke im Lehrplan schließen, weil es das Fach Musik in der Grundschule nicht mehr gibt. Die Begeisterung der Kinder gibt den Musikern recht. Mit Klatschen und Antworten aus vielen Kehlen waren sie voll und ganz dabei und unterstützten Handlung und Dialoge der Schauspieler mit Begeisterung.

Alfred Drossel