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Ludwigsburger Kreiszeitung

Mozart ist das Schönste

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Adventskonzert der Süddeutscher Kammersinfonie Bietigheim mit Elisabeth Brauß begeistert das Publikum in Mühlacker


Heute gibt die Pianistin Elisabeth Brauß ihr Debüt bei der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Im Interview spricht die 24-Jährige über hellhörige Wohnungen, die Schwierigkeiten von Mozart, musikalische Einfärbung von Tagen und ungesunde Vergleiche

HANNOVER/BIETIGHEIM-BISSINGEN. Die Pianistin Elisabeth Brauß gastiert regelmäßig in international renommierten Häusern wie der Elbphilharmonie Hamburg, am Mariinksy Theater in St. Petersburg, in der Tonhalle Zürich, im Barbican Centre in London, am Konzerthaus Berlin und Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Nun ist die 24-jährige Hannoveranerin mit Wohnsitz in Berlin erstmals mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) zu hören. Als Solistin wird sie an diesem Wochenende an den Adventskonzerten der SKB mitwirken und am heutigen Samstag um 19 Uhr im Bietigheimer Kronensaal, morgen um 17 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker auftreten.

Guten Morgen Frau Brauß, wo erreichen wir Sie gerade?
ELISABETH BRAUß: Bei meinen Eltern. Eigentlich bin ich in Berlin zu Hause, aber ich komme oft nach Hannover – erstens weil ich sehr, sehr gerne bei meiner Familie bin und zweitens, weil es hier zwei Instrumente gibt, auf denen ich üben kann – Tag und Nacht!

Welche Instrumente stehen Ihnen dort zur Verfügung?
Ein älteres Klavier und ein Bechstein-Flügel. In Berlin übe ich auf einem Essex-Klavier. Allerdings ist meine Wohnung relativ hellhörig und ich habe ungern das Gefühl, dass ich andere Leute mit meinem Üben belästige beziehungsweise dass andere Leute mir dabei zuhören. Deswegen übe ich dort meistens mit einem Silent-System (einer Stummschaltung mit Kopfhörerkontrolle; Anm. der Redaktion). Das ist aber nicht ganz so produktiv – deswegen bin ich, speziell zum Üben, lieber in Hannover.

Am Wochenende werden Sie erstmals als Solistin mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim auftreten. Wie kam es dazu?
Ursprünglich sollte Magdalena Müllerperth, die eine gute Freundin von mir ist, bei den Adventskonzerten spielen, musste dann aber ihre Auftritte absagen. So hat sie Peter Wallinger auf mich aufmerksam gemacht.

Auf dem Programm steht Mozarts Klavierkonzert in C-Dur (KV 467), das der österreichische Komponist im Frühjahr 1785 schrieb und das als sein 21. Klavierkonzert gilt (nach anderen Zählungen als sein 15.). Was bedeutet Ihnen Mozarts Musik generell?
Seine Musik ist für mein Leben immer schon essenziell wichtig gewesen. Meine Eltern sind beide Musiker, mein Vater ist Dirigent (Martin Brauß war Chefdirigent der Niedersächsischen Kammeroper, Leiter des Hannoverschen Oratorienchores und hat eine Professur für Oper/Dirigieren an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Anm. der Redaktion), meine Mutter Bratschistin, deshalb hatte ich seit meiner frühsten Kindheit viel zu tun mit klassischer Musik, Sinfonien und Opern – und da eben speziell Mozarts Werken. Über das große Feld der stilistischen Annäherung und den vielen Dingen, die man darum herum noch wissen kann, habe ich ganz früh ganz viel von meinem Vater gelernt. Seitdem begleitet mich Mozarts Musik und war für mich immer schon das Wichtigste und Schönste.

Welche besondere Herausforderung stellt nun dieses C-Dur-Konzert für Sie als Pianistin dar?
Es ist tatsächlich nicht so einfach zu spielen! (lacht) Speziell der erste Satz weist für mich einige pianistische Schwierigkeiten auf – er hat das ja für sich selbst geschrieben und wollte sich als fantastischer Pianist auch darin austoben können. Der zweite Satz geht dann unheimlich in die Tiefe. Die Lebensfreude der Ecksätze zu empfinden und darzustellen – das ist ein langer Prozess und auf der Bühne auch eine echte Herausforderung, genau in diese Stimmung zu kommen. Den Mut zu haben, diesen Weg bis ans Äußerste mitzugehen und für das Publikum darzustellen, das ist bei Mozart das Schwierige.

Wie bringen Sie sich in diese spezifische Stimmung? Pflegen Sie, abgesehen von den üblichen pianistischen Aufwärmroutinen, spezielle Rituale?
Nein. Ich spiele auch ungern einzelne Stellen vorher an. Wichtiger ist mir, das Stück in seiner Gesamtheit zu rekapitulieren und mich darauf zu fokussieren. Man versucht, sich sozusagen auf das Treffen mit dem Komponisten auf der Bühne einzustellen. Wenn man abends ein Konzert spielt, verläuft der Tag sowieso unter anderen Vorzeichen – wenn man weiß, dass man abends Mozart spielt, ist das etwas anderes, als wenn man weiß, dass man abends Schostakowitsch spielt. Das färbt meine Tage schon eindeutig ein. Deswegen bin ich grundsätzlich bereits in einer anderen Stimmung, aber die versuche ich vor dem Auftritt einfach noch mal zu konzentrieren.

Bei der Musik welcher Epoche würden Sie Ihren Schwerpunkt sehen?
Momentan bin ich noch in einem Alter, wo ich versuche, mich breit aufzustellen – also mich möglichst vielem aus möglichst vielen Epochen anzunähern. Aber es ist trotzdem so, dass ich merke, dass mir das deutsche Repertoire besonders nahe steht – nicht, weil mir anderes weniger wichtig wäre, sondern, weil es aus der Kultur kommt, mit der ich aufgewachsen bin, und gewissermaßen meine Sprache spricht. Dementsprechend beschäftige ich mich tatsächlich relativ viel mit Wiener Klassik – Mozart, Beethoven, Schubert, Haydn –, versuche aber auch, immer mehr zeitgenössische Musik mit reinzunehmen.

Wenn Sie sich auf drei beschränken müssten: Welches wären Ihre Lieblingskomponisten?
Schwierig zu beantworten. Ich würde sagen: Mozart nimmt die ersten drei Plätze ein. (lacht)

Gibt es Pianisten, die Sie nachhaltig geprägt haben?
Das ist auch gar nicht so leicht zu beantworten. Ich hätte keinen Pianisten im Kopf, der in seiner Gesamtheit für mich stilistisch prägend war. Aber ich bin ja mit Igor Levit vor der Nase aufgewachsen, weil seine Mutter meine Lehrerin war. Das war sicher ein Fixpunkt für mich, ich habe mich immer mit ihm verglichen – was für mich natürlich nicht sehr gesund war. (lacht) Pianistisch und musikalisch ist wirklich einzigartig, was er kann – mit den Händen, aber auch mit dem Kopf. Diese Erfahrung begleitet mich schon mein ganzes Leben und ich verfolge ihn – wir kennen uns ganz gut – nach wie vor. Diese Begegnungen sind auf jeden Fall Dinge, die für mich wichtig waren und nach wie vor sind.

Harry Schmidt

Ein ungeheures Hörvergnügen

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begeistert beim Sommerkonzert


Brillant: Peter Wallingers Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim bei ihrem Auftritt Sachsenheim
Foto: Alfred Drossel

SACHSENHEIM. Obwohl das ursprünglich als Open-Air-Veranstaltung geplant Sommerkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) angesicht der ungewissen Wetterlage ins Foyer des Lichtensterngymnasium verlegt weden musste, wurde den100 Besuchern am Samstagabend tatsächlich ein besonderes Konzerterlebnis zuteil.

Dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, als Programmgestalter stets darum bemüht ist, Vertrautes neu und Neues vertraut klingen zu lassen und inmitten von Höhepunkten klassischer Musikliteratur auch Entdeckungen zu ermöglichen, ist weithin bekannt. Mit dem Programm des „Sommerlichen Serenadenkonzerts“, das am Folgetag nochmals als Matinee bei seinem Festival „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche gegeben wurde, hat sich der Maulbronner Dirigent allerdings schlicht selbst übertroffen.

Bereits der Auftakt mit Benjamin Brittens „Serenade für Tenor, Horn und Streicher“ (Op. 31) bereitete ungeheures Hörvergnügen: Selten gespielt und nach wie vor unterschätzt, gehört dieser 1943 im Umfeld seiner Oper „Peter Grimes“ entstandene Orchesterliedzyklus mit zu den eindringlichsten Werken des britischen Komponisten. Ein ausgesprochener Glücksfall, dass mit dem jungen, lyrischen Tenor Kai Kluge und dem Solohornisten Reimer Kühn, beide an der Staatsoper Stuttgart beschäftigt, zwei exzellente Solisten zur Verfügung standen.

Gerahmt von einem fanfarenartigen Prolog, auf die Naturtonreihe des Horns beschränkt, und dessen Reprise als Epilog, den Kühn, der Anweisung des Komponisten folgend „aus der Ferne“ -in diesem Fall aus einem Aufenthaltsraum im Rücken des Publikums erklingen ließ, hat Britten eine Miniaturanthologie altenglischer Lyrik vertont, die das Thema der Nacht aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Hinreißend, wie Kluge die Texte von Charles Cotton, Lord Tennyson, William Blake, Ben Jonson und John Keats in ausgezeichneter Artikulation und mühelos ansprechender Intonation zum Klingen brachte. Sensibel gestaltete Liegetöne in der getragenen Pastorale, atemberaubend die dynamische Behandlung der zentralen, auch in sich symmetrischen Elegy wie die dramatische Emphase der Dirge, brillant die Koloraturen der Hymne, Seelenbalsam die offenen Vokale im Sonett.

Die immense Qualität des SKB kam dann nach der Pause in Dvoráks E-Dur-Serenade (Op. 22) voll zum Tragen: Fünf Sätze, in denen jede einzelne Musikerin, jeder einzelne Musiker über sich hinauswuchs – kleines Orchester, ganz groß.

Als kammermusikalische Perle dazwischen Schuberts „Arpeggione“-Sonate (D 821), exzellent dargeboten von Solocellistin Chihiro Saito, begeleitet lediglich von einem Streichquartett mit Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine) und Tomoko Yamasaki (Viola), ein Dreiviertel des Lotus String Quartets auf der Bühne. Dass Wallinger und die SKB nach fulminantem Beginn die Spannung aufrecht zu halten wussten, gehört mit zur Erfolgs- geschichte dieses Sternstundenserenadenabends.

Harry Schmidt

Mir geht es um das Innenleben der Musik

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Seit über drei Jahrzehnten bereichert Peter Wallinger mit seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Klassikmusiklandschaft der Region. Ein Gespräch mit dem Maulbronner Dirigenten über prägende Erfahrungen, Klangideale und Zukunftspläne.

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Vor 35 Jahren gründete Peter Wallinger mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ein Orchester, dessen Name mittlerweile weit über die Region hinaus einen außerordentlich guten Klang besitzt. Fünf- bis sechsmal im Jahr versammeln sich bis zu 40 Musikerinnen und Musiker um den 1950 in Mühlacker geborenen Dirigenten. Die Qualität des Projektorchesters hat sich herumgesprochen – längst sind Auftritte wie ihre Neujahrskonzerte in Bietigheim, Mühlacker und Murr zu Konstanten im Veranstaltungskalender musikinteressierter Kreise geworden. Auch die am Wochenende in Sachsenheim und Lienzingen anstehenden „Sommerlichen Serenaden“ haben Tradition. Wir haben uns im Vorfeld mit dem rührigen Kapellmeister unterhalten.

Herr Wallinger, was hat dazu geführt, dass Sie Dirigent geworden sind?
PETER WALLINGER: 
Musik war von Kindesbeinen an meine Leidenschaft. Meine Eltern waren Musikliebhaber, aber keine Musiker. Schon in der Schulzeit ging ich meine ganz eigenen Wege, lernte Geige und Klavier. Als ich nach einem recht guten Abitur Musik studieren wollte, war mein Vater nicht besonders glücklich darüber. Aber mein Entschluss, dass es für mich nur die Musik gibt, stand früh fest. Ich hatte damals gar nicht vor, unbedingt Dirigent zu werden; die Musik hat mich erst mal in ihrer gesamten Breite interessiert. Nachdem ich in Stuttgart das Studium der Schulmusik und Mathematik relativ schnell absolviert hatte, habe ich die Kapellmeisterklasse bei Professor Thomas Ungar besucht und mich parallel dazu für Musikwissenschaften in Tübingen eingeschrieben.

Welche einschneidenden Erfahrungen aus dieser Zeit klingen bis heute nach?
Das waren vor allem die Dirigierkurse von Sergiu Celibidache, als er in den Siebzigerjahren nach Stuttgart kam. Während der Zeit, als Celibidache das RSO Stuttgart leitete, habe ich regelmäßig daran teilgenommen. Obwohl ich kein hundertprozentiger Fan gewesen bin, waren das doch ausgesprochen prägende Erlebnisse. Celibidache hatte eine enorme Aura. In diesen Kursen hat er seine Jünger um sich geschart und eigentlich mehr philosophiert als dirigierpraktische Arbeit geleistet. Dort war ich einer der wenigen, die auf diesem Gebiet bereits erste Erfahrungen gemacht hatten. Am meisten habe ich davon profitiert, bei den Proben zuzuhören: Wie nuanciert er mit Streichern und Bläsern geschliffen hat, um einen möglichst homogenen Klang zu erzielen, an Feinheiten wie Vibrato und Agogik gearbeitet hat – das war wirklich beeindruckend. Er war allerdings auch sehr autoritär, hat Musiker und Schüler vor der ganzen Mannschaft abgekanzelt – das war absolut nicht nach meinem Geschmack. Aber er war ein echter Klangmagier.

Was war sonst noch prägend für Ihre Klangauffassung?
Es gab seinerzeit an der Stuttgarter Hochschule ein Ensemble für Neue Musik, unter Professor Erhard Karkoschka, der seinerzeit Komposition unterrichtet hat. Dort habe ich zwei Jahre als Geiger mitgewirkt, in kleiner Besetzung wurden viele Uraufführungen realisiert. Das war manchmal ganz schön anstrengend – etwa wenn man stundenlang nur geräuschhafte, wenn auch sehr raffinierte Klänge erzeugt –, aber für mich eine un- gemein interessante, sehr wertvolle Er- fahrung. Auch die Zeit als Bratscher im Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter Wolfgang Gönnewein möchte ich nicht missen: 1988 habe ich an der legendären Inszenierung des „Frei- schütz“ mit Loriot mitwirken dürfen, war bei Orchesterreisen nach China oder zum Schleswig-Holstein Musik Festival dabei.

Auch als Musikerzieher am Bietig- heimer Ellentalgymnasium haben Sie einiges bewirkt. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Lehrtätigkeit?
Neben Orchesterreisen mit dem Schulorchester unter anderem nach Frankreich und Italien war eine der Sternstunden die Aufführung von Beethovens Streichquartett Nr. 4 mit der damals zwölfjährigen Ursula Schoch als Primgeigerin. Rund 80 ehemalige Schülerinnen und Schüler aus dieser Zeit haben ihren beruflichen Weg zur Musik gefunden.

Welche Klangvorstellungen verfolgen Sie mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, die Sie 1984 gegründet haben?
Große sinfonische Werke in reduzierter Besetzung zu spielen, ist schon mein Ideal, weil damit ein viel größeres Augenmerk auf Artikulation und Differenzierung einhergeht. Jede Phrasierung, jeder Ton muss bewusst gestaltet werden. Bei 100-köpfigen Sinfonieorchestern, wie ich sie auch dirigiert habe, geht es um die große Fläche. Aber mit einem Ensemble wie der Kammersinfonie geht es um das Innenleben der Musik. Und natürlich ist jeder einzelne Musiker dabei in höchstem Maße gefordert. Ich glaube auch, dass man mit einem kleinen Orchesterapparat dem Originalklang, den sich die Komponisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vorgestellt haben, viel näher kommt.

Welchen Leitgedanken folgen Sie bei der Programmgestaltung?
Es gibt kein Prinzip, wichtig ist die Stimmigkeit der Konzeption. Mal stehen Kontraste im Vordergrund, mal mehr die Idee des Brückenschlags, wobei für mich oftmals Tonarten und Tonartenverhältnisse maßgebend sind. Dann geht es wieder um außermusikalische Themen, die sich in der Musik unterschiedlich spiegeln.

Für das anstehende Sommerkonzert kombinieren Sie Benjamin Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streicher (Op. 31) mit Dvoráks E-Dur-Serenade (Op. 22) und Schuberts „Arpeggione“- Sonate (D 821). Von welchen Überlegungen haben Sie sich dabei leiten lassen?
Diese zwei Serenaden wollte ich schon immer mal zusammenbringen. Von der Atmosphäre her sind beide durchaus ähnlich, und doch besitzt jede eine eigene Charakteristik, auch weil sie aus verschiedenen Epochen stammen. Mit dem jungen lyrischen Tenor Kai Kluge und dem Solohornisten Reimer Kühn, beide von der Staatsoper Stuttgart, konnte ich zwei exzellente Solisten für die Britten-Serenade gewinnen. Und mit der „Arpeggione“-Sonate – ein Traum für jeden Cellisten, den bei uns Chihiro Saito, die Cellistin des Lotus String Quartetts, realisieren wird – möchte ich einen mehr intimen, romantischen Akzent setzen.

Wie bereiten Sie sich auf so eine Aufführung vor?
Oft ziehe ich mich in mein Refugium im Berner Oberland zurück. Auf fast 2000 Meter Höhe betreibt ein befreundetes Paar einen Berggasthof, dessen Gesindestube mir jederzeit offensteht. Diese Abgeschiedenheit wirkt sehr inspirierend auf mich. Auch viele Programmideen entstehen dort oben in Gletschernähe.

Harry Schmidt

Ein ungetrübtes Vergnügen

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt mit Solistinnen im Kronenzentrum


Sorgsam abschattierte Transparenz: Die Süddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum. Foto: Oliver Bürkle

Bietigheim-Bissingen. „Licht und Dunkel“, so hat Peter Wallinger das traditionelle Frühjahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) überschrieben. Viel Helligkeit und nur wenig Schatten war am Samstagabend im Kronensaal beim ersten der beiden Konzerte dieses ersten wirklichen Frühlingswochenendes zu verzeichnen. Anderntags wurde das Programm nochmals in Mühlacker gegeben. Ein Großteil des Abends war indes Mozart gewidmet – nachdem Verena Guthy-Homolka, die Solo-Flötistin der SKB, bei der letzten SKB-Zusammenarbeit mit der französisch-amerikanischen Harfenistin Anne-Sophie Bertrand dessen Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299) ins Gespräch gebracht hatte. Mit der 36. Sinfonie, die unter dem Beinamen „Linzer Sinfonie“ bekannt geworden ist, hat Wallinger eine Auswahl getroffen, mit der das glanzvolle Doppelkonzert von 1778 nicht nur den Komponisten, sondern auch die Tonart C-Dur teilt.

Für den Grafen de Guines, einen ambitionierten Amateurflötisten, und dessen Harfe spielende Tochter geschrieben, stellt es bezüglich der Harfenstimme mehr noch als spieltechnische Anforderungen, derer es freilich nicht mangelt. Der Part gilt als hochanspruchsvoll, meldet jedoch gleichzeitig gemeinhin mit dem Instrument verbundene Spielweisen wie Glissandi oder vollflächige Akkorde. Aufgrund dieser Ablehnung eines sich durch plakative Effekte legitimierenden Virtuosentums liegt die ungleich größere Herausforderung im Bereich der musikantischen Gestaltungsmöglichkeiten und Ausdrucksfähigkeit. Kurzum: Verhältnismäßig schwer zu spielen, bietet es dennoch vergleichsweise wenig Gelegenheit zu glänzen. Vor allem aber darf darüber – denn darin besteht, gerade bei Mozart, nahezu die ganze Kunst – die elegante Leichtigkeit dieser Musik nicht abhanden kommen. So hochkonzentriert wie gelöst nahm sich Bertrand dieser heiklen Aufgabe an.

Innige Klangschmelze trifft auf andächtige Stille

Insbesondere begeistere die ungeheuer klare Artikulation, mit der die Musikerin intonierte. Mit Guthy-Homolka stand ihr eine Solistin auf Augenhöhe zur Seite. Nicht so komplex, dafür häufiger als die Harfe in der Führungsrolle ihre Flötenstimme – in Guthy-Homolkas Legato flossen die Töne zu einer innigen Klangschmelze zusammen. Andächtige Stille herrschte im bedauerlicherweise nur mäßig besuchten Saal während der Flothuis-Kadenzen. Maßgeblich zum überaus gelungenen Eindruck, den diese Wiedergabe des Doppelkonzerts hinterlässt, hat auch Wallingers Interpretation mit der SKB beigetragen, sorgsam abschattierte Transparenz auf die fragile Harfenstimme. Das ungemein harmonische Duo der Solistinnen auf sich allein gestellt in der vom enthusiastischen Beifall erzwungenen Zugabe: Berückend gestaltete Melancholie, als mitten in Astor Piazzollas „Café 1930“ die Perspektive umbricht, aus Präsens im nächsten Takt schon Perfekt geworden ist. Der Abend dieses Tages, an dem der Frühling erwacht ist – Magnolienblüten öffnen sich, am Enzufer chillen Horden von Halbwüchsigen zu den neusten Cloud-Rap-Hits, Grillgut sei ausverkauft, hört man im Bus -, er war von ungetrübten vertrüben geprägt.

Welch exquisites Projektorchester Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat und im 35. Jahr ihres Bestehens leitet, in dieser Zeit geformt hat, davon legte bereits der Auftakt mit Jean Sibelius’ „Schwan von Tuonela“, dem zweiten Satz aus dessen „Lemminkäinen-Suite“ (Op. 22), Zeugnis ab, wundervoll das solistische Englischhorn von Andreas Vogel im Dialog mit Chihiro Saito, Stimmführerin der Celli (das Lotus String Quartet komplett in Reihen der SKB an diesem Abend). Ausgedehnte Horizontalität, dunkel grundiert, Paukengrollen knapp oberhalb der Hörschwelle. Gleich einem zarten Gesang der Ensembleklang, den Wallinger seinem Orchester dann im Kopfsatz der „Linzer Sinfonie“ entlockte. Lebendige, atmende Pausen und seine vielgestaltige Schlagtechnik weisen ihn als exzellenten, an Differenzierung und Kontrastbildung interessierten Klanggestalter von großem Formgefühl aus. Locker aus Handgelenk geschüttelt: die Stretta des Finales.

Harry Schmidt

Neujahrskonzert wird zur Sternstunde

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Gleich dreimal präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende ihr „Wintermärchen“, eines davon in der heimischen Kelter


Im Mittelpunkt: SKB-Mitglied und Solo-Cellistin Chihiro Saito. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Außerordentliches Vergnügen bereitete das Neujahreskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) bereits auf dem Papier: Angekündigt war ein „Wintermärchen“ mit Bach, Mozart, Grieg, Tschaikowsky, dazu Sibelius, Pärt und „El cant dels ocells“, ein katalanisches Weihnachtslied, das Pablo Casals weltbekannt gemacht hat – vielversprechender kann ein Programm für solch einen Anlass kaum klingen. Davon, dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, nicht nur hochinteressante, ausgesprochen durchdachte Spielpläne zu konzipieren versteht, sondern diese mit einer sich verjüngenden SKB – das Projektorchester besteht aus professionellen Musikern sowie engagierten Studierenden und wird für jeden fünf bis sechs Konzertblöcke neu zusammengestellt – auch auf die Bühne zu bringen weiß, konnten sich am Sonntagabend rund 160 Besucher in der Bietigheimer Kelter überzeugen. Mit einer überaus gelungenen Aufführung, der dritten innerhalb von 20 Stunden – zuvor im Bürgersaal des Murrer Rathauses sowie vormittags in Mühlacker – wurden die hohen Erwartungen nicht nur eingelöst, sondern stellenweise noch übertroffen: In ihrer Mittelstellung zwischen Kammermusikensemble und Sinfonieorchester hat sich Wallingers Formation im Lauf der Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet, aber nur selten gelingt eine derart befriedigende, von lediglich minimalen Ungenauigkeiten nahezu unbehelligte Darbietung.

Quicklebendig und beschwingt bereits der Auftakt mit Bachs 3. Brandenburgischem Konzert (BWV 1048), in dem Wallinger ein straffes Tempo vorgab, brillant und wendig realisiert durch eine blutjunge SKB. Was Bach durch die Permutation von Motivketten erreichte, steuerte der lettische Komponist Arvo Pärt rund 250 Jahre später mittels einer eigenen Kompositionstechnik names „Tintinnabuli“ an, die aus der Beschäftigung mit gregorianischen Gesängen herrührt: In seiner Kontemplativen Anmutung steht sein Werk „Fratres“ zwar in einem formalen Kontrast zu Bachs Kontrapunktstil, nimmt jedoch gleichermaßen auf eine tief empfundene Spiritualität Bezug. Wie ein Refrain kehrt zwischen den hypnotisierenden Streicherflächen ein Element wieder, der Puls einer Trommel und einer Clave. Nicht gleichermaßen zwingend waren die Moderationsbeiträge von Hatto Zeidler, der zwar interessante Hintergründe und passende Gedichte von Rilke, Kästner und Schwab beisteuerte, aber unnötigerweise auch die Form eitlen, überheblichen Altherren-Dünkels transportierte, der für die Überalterung des Publikums klassischer Konzertveranstaltungen mitverantwortlich ist.

Edward Griegs „Varen“, zu Deutsch „Letzter Frühling“, entstammt den 1881 veröffentlichten „Zwei elegischen Melodien“ (Op. 34) – die SKB begeisterte mit einer empfindsamen Wiedergabe dieser hochromantischen Literatur. Exzellent musiziert auch die Romanze in C-Dur (Op. 42) des finnischen Komponisten Jean Sibelius, uraufgeführt 1904 in Turku: Ausgezeichnet das Fugato der Streichergruppen, gekonnt verwaltet Wallinger hier Sinfonik auf engstem Raum. Dennoch warteten die Höhepunkte jenseits der Pause. Lernte man in Chihiro Saito, Cellistin des renommierten Lotus String Quartets und seit vielen Jahren in der SKB, bereits in Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ für Violoncello und Streicher eine einfühlsame Solistin kennen (bemerkenswert die Leichtigkeit, mit der sich ihr lyrisches Legato vom Orchester löste), geriet ihre Interpretation von „El cant dels ocells“ („Der Gesang der Vögel“) schlicht und einfach ergreifend. Ein Neujahrskonzert als Sternstunde.

Harry Schmidt

Episch, nordisch, kurios

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert im Kronenzentrum ihr Adventskonzert

Sorgfältig ausgewählte Werke: Wolfgang Bauer und die Kammersinfonie

Bietigheim-Bissingen. Für manches Ohr gehören Trompetenklänge zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Spekulatius, Bratäpfel und Zimtsterne, Adventskranz und Kerzenlicht. Dass die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) zu ihrem diesjährigen Adventskonzert mit Wolfgang Bauer einen Virtuosen der Trompete eingeladen hat, fügt sich also ins jahreszeitliche Bild. Das Trompetenkonzert Es-Dur (Hob VIIe:1) von Joseph Haydn hat der langjährige Professor an der Musikhochschule Stuttgart bereits 2006 mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn aufgenommen, von souveräner Geläufigkeit zeugte auch seine Wiedergabe mit der SKB am Samstagabend. Der demonstrative Charakter der Musik kommt nicht von ungefähr: Anton Weidinger hat die drei Sätze 1796 in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten der von ihm erfundenen Klappentrompete aufzuzeigen; bis heute zählt das erste Konzert für dieses Instrument zum Standardrepertoire der Trompetenliteratur. Erweitert um Halb- und Ganztonschritte jenseits der Naturtonreihe, präsentiert sich die Trompete darin als vollwertiges Melodieinstrument, bis hin zu chromatischen Durchgängen im Allegro und fast streicherartigem Legato im kantablen Andante. Ohne oberflüssige Exaltation gestaltete Bauer diese technisch anspruchsvollen Passagen, was die plakativen Züge in Haydns Demo-Konzert wohltuenderweise moderierte.

Nun wäre dies kein Adventskonzert der SKB, hätte sich die Darbietung im Rahmen des Erwartbaren erschöpft. Ihr Dirigent Peter Wallinger ist ein Freund überraschender Kombinationen: Stets verbinden seine Programme sorgfältig ausgewählte Schlüssel und Gipfelwerke der Klassik mit weniger bekannten oder auch obskuren Stücken. Nicht allzu viel weiß man über den böhmischen Violinisten und Komponisten Johann Baptist Georg Neruda (1707 – 1780), das „Concerto per Corno Primo“ gilt als das heute populärste Werk des Dresdner Hofkapellmeisters. Im galanten Stil gehalten, fordert es einen Meister des Clarinspiels, müssen die hohen Lagen auf diesem Diskanthorn doch wie bei der Barocktrompete vollständig mittels der Ansatztechnik realisiert werden. Indes blieb Bauer diesbezüglich zu mindest bei der Aufführung im Kronensaal – das Konzert wurde tags darauf in Mühlacker wiederholt – unterhalb des Möglichen, wirkte sowohl hinsichtlich der Intonation als auch der Präzision seiner Einsätze gehemmt. Dies fiel umso mehr ins Gewicht , als die SKB seine Soloexpositionen, die tendenziell wie instrumentale Opernarien angelegt sind, unter Wallingers konziser Stabführung lebendig, transparent und klar konturiert einzubetten bemüht war.

So aber wurde das zwischen den beiden Konzerten platzierte Moderato aus Peteris Vasks’ „Musica adventus“, so auch der Titel des Adventskonzerts, zum heimlichen Höhepunkt des Abends: In höchster kammermusikalischer Konzentration und Sammlung durch die Streichergruppen, allen voran Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, exzellent realisiert, evozieren lang gehaltene Liegetöne in der 1996 vollendeten Bearbeitung des 3. Streichquartetts des lettischen Komponisten die Weite nordischer Landschaften, während im Pianissimo knackende Pizzicati und mit dem Bogenholz erzeugte Klänge vor diesem Horizont Bilder kristalliner Kälte aufziehen lassen, irgendwo zwischen Sibelius Pärt.

Im langen Schatten der Neunten steht von heute aus gesehen Beethovens 1814 uraufgeführte Sinfonie Nr. 8 in F-Dur, ihre vermeintliche Konventionalität, der Eindruck heiterer Lebensfreude, ist pure Fassade. Vielmehr wirkt der Umgang des ertaubenden Komponisten mit der Tradition hier vielfach gebrochen, nachgerade von bitterem, sardonischen Lachen erfüllt. Mal auf engstem Raum, mal mit ausgebreitetem Schwung schäfte Wallinger die enormen gestischen und dynamischen Kontraste der ausladenden Ecksätze wie des kuriosen „Allegretto scherzando“ und des parodistischem „Tempo di Menuetto“. Epische Sinfonik als kammermusikalisches Kondensat. Auch wenn an ein, zwei heiklen Anschlussstellen noch Luft nach oben bestand, eine höchst ansprechende, eindrucksvolle Vorstellung dieses gleichermaßen ambitionierten wie qualifizierten Kammerochesters.

Harry Schmidt

Akustischer Blütenstaub

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Sebastian Manz brilliert mit Klarinettenliteratur der ersten Stunde und Interpretationen

Hochdekorierter Ausnahmevirtose: Der Klarinettist Sebastian Manz. Foto: Holm Wolschendorf

SACHSENHEIM. Nachdem die Premiere 2017 aufgrund der unsicheren Wetterlage ausfallen musste, hat es nun geklappt mit dem Open Air des Sommerkonzerts der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB). Mit rund 140 Besuchern präsentiert sich der Serenadenhof des Lichtenstern-Gymnasiums am frühen Samstagabend lediglich passabel gefüllt. Ein wenig verwunderlich, ist mit Sebastian Manz doch ein Klarinettist zu Gast, mit dem die SKB bereits häufiger zusammengearbeitet hat, zuletzt im vergangenen Jahr bei einem gefeierten Auftritt im Kronensaal mit Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur (KV 622). Zudem ist er ein hochdekorierter Ausnahmevirtose, der unter anderem 2008 mit dem seit 40 Jahren zum ersten mal wieder vergebenen ersten Preis des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD sowie mit drei Echo-Klassik-Preisen ausgezeichnet wurde.

Mit Werken von Johann und Carl Stamitz hatte Manz Klarinettenliteratur der ersten Stunde mitgebracht. Das Klarinettenkonzert des böhmischen Komponisten Johann Stamitz (1717-1757), der zum Gründer der Mannheimer Schule wurde, zählt zu den frühesten in der Musikgeschichte. In seiner einheitlich den Affekt pastoraler Zuversicht ausstrahlenden Wirkung besitzt das B-Dur Konzert deutlich erkennbar noch barocke Züge. Mit butterweichem Ansatz, vogelleichten Trillern und jubilierendem Diskant gestaltet Manz seinen Part im Allegro moderato, ein schwirrendes Ostinato in der Kadenz. Langgezogene Haltetöne eröffnen das Adagio, gefolgt von lyrischem Legato. Hauchzart der extemporierte Teil.

Sympathische und verbindliche Künstlerperönlichkeit

Im rasanten Walzer des Poco presto geht Manz federnd in die Knie, wendet sich nach links, nach rechts – schon die Publikum wie Orchester gleichermaßen zugewandte Körpersprache erzählt viel über diese so sympathische wie verbindliche Künstlerpersönlichkeit. Noch mehr erfährt man zwischen den Werken von Manz persönlich: Von Carl Stamitz, dem Sohn des Mannheimer Hofkapellmeisters, seien elf Klarinettenkonzerte überliefert, denen bereits eine ganz andere Virtuosität eigne. Vieles bleibe darin der individuellen Ausgestaltung des Interpreten überlassen. Dies zeigt sich im Rondeau, dem dritten Satz des siebten der elf Klarinettenkonzerte von Stamitz jr. Mehr als 70 Prozent dessen, was er spielt, habe er den kantablen Themen hinzugefügt, hochindividuell seine Ad-lib-Passagen, akustischer Blütenstaub und fließende Akkordbrechungen, in einer fulminant zugespitzten Strettaendend. Den Applaus der Zuhörer quittiert Manz mit einer wundervollen Zugabe: süßholzatemdurchströmt eine Bearbeitung von Mozarts Adagio (KV 580a), die ferne Antwort der Violinen, Vogelgezwitscher in den Bäumen des umliegenden Parks.

Bei alldem agiert die SKB, das von Peter Wallinger vor mehr als 30 Jahren gegründete Projektorchester, so feinfühlig und diskret, dass man ihre Anwesenheit fast vergessen könnte. Und doch garantiert ihr souveräner, sorgfältiger und sensibler Zugriff, ihr schlanker und wendiger Ensembleklang dem Solisten ein stabiles Parkett. Dafür wurde die Qualität der SKB bereits in dem zur Eröffnung gegebenen Orchesterquinetett in Es-Dur des tschechischen Mozartzeitgenossen Josef Myslivecek (1734-1781) – auf Spitze getanzt hebt das Allegrio con brio an, auch das Largo metrisch durchpulst, berückend das Presto – und im Anschluss mit Leoš Janàceks 1877 entstandener „Suite für Streicher“ nochmals vollends deutlich. Bei dem zwischen Spätromantik und Vormoderne changierenden Werk des Mähren gelingt Wallinger und der SKB eine durchgehend pointierte, in den Ecksätzen und im Presto streckenweise sensationelle Wiedergabe.

Harry Schmidt

Gelungene Klanggemälde

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Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Pianist Markus Bellheim


Pianist Markus Bellheim mit der Sueddeutschen Kammersinfonie beim Frühjahrskonzert in Bietigheim. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Wie aus einem Guss präsentierte sich das Programm des traditionellen Frühjahrskonzerts der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) im Kronenzentrum. Mit vier Werken von Claude Debussy und Maurice Ravel konzentrierte sich der mit „Suite française“ überschriebene Abend ganz auf das Wirken der beiden Hauptvertreter des Impressionismus.

Die „Prélude à l’ aprés-midi d’un faune“ markierte bei ihrer Uraufführung 1894 in Paris nicht nur den künstlerischen Durchbruch von Claude Debussy als Komponist, sondern auch den Beginn eines neuen Zeitalters: Während Camille Saint-Saëns in der symphonischen Dichtung, die auf ein Gedicht von Stéphane Mallarmé Bezug nimmt, „nicht die geringste ausgesprochen musikalische Idee“ zu erkennen vermochte und meinte, die „Prélude“ sei so viel Musikstück wie die Palette eines Malers Gemälde, kam Pierre Boulez ein gutes halbes Jahrhundert später zu einer ganz anderen Einschätzung: Mit dem einleitenden Faunmotiv der Traversflöte, aus dem sich hier alles weitere entwickelt, beginne auch die Geschichte der modernen Musik.

Keine Geringe Aufgabe also, zumal dieser zarte Pianissimo-Auftakt überaus heikel ist, sowohl für Flötistin Verena Guthy-Homolka als auch für ihre Mitstreiter von der SKB. Denn nichts ist für die Musik des Impressionismus wichtiger als ihr fließender Charakter. In der flimmernden Luft verschwimmen Licht und Schatten, Traum und Wirklichkeit, Lust und Ermattung, Narration und Atmosphäre. Mit präzisen, abgezirkelten Bewegungen, Atemzügen gleich, animierte Peter Wallinger sein 1984 gegründetes Ensemble zu einer gelungenen Wiedergabe dieses Schlüsselwerks der Moderne.

Bescheinigte die zeitgenössische Musikkritik um die vorletzte Jahrhundertwende Ravels Werk noch eine direkte Abhängigkeit von Debussy, wird die Musik des 13 Jahre jüngeren doch deutlich mehr durch die Entwicklung konkreter Themen und Rhythmen geprägt. Im zwischen 1929 und 1931 entstandenen „Konzert für Klavier und Orchester“ in G-Dur hallen Eindrücke von Ravels Amerikatournee nach. Mit Markus Bellheim hat Wallinger bereits vor zwei Jahren Bartóks Klavierkonzert Nr. 3 gegeben. Sublim gestaltete der 44-Jährigen die Jazz-Themen, Ragtime-Motive und Blues-Skalen, ohne Überschwang, weder mutwillig noch mechanisch, vielmehr mit einer überlegenen Ausgeglichenheit, die ihresgleichen sucht. Das brachte insbesondere die pastorale Ruhe des Adagio assai bestens zur Geltung. Die Ecksätze wiederum profitierten von der Wendigkeit der um Posaune und Trompete verstärkten SKB. Mit einem Ragtime aus dem Umfeld von Scott Joplin verabschiedete sich Bellheim vom vom begeisterten Publikum im Kronensaal.

Formidabel gerieten auch Ravels einsätzige „Pavane pour une infante défunte“, eine weitere Ikone des Impressionismus, sowie dessen „Valses nobles et sentimentales“: Faszinierend, wie viel Farbigkeit und Transparenz in der Tiefenstafflung die 38-köpfige Kammersinfonie aufzubieten hat, welch feine dynamische und klangliche Nuancen und Differenzierungen der SKB zu Gebote stehen. Das blieb auch dem Bietigheimer Publikum nicht verborgen. Obgleich lediglich rund 200 Besucher an diesem fast schon sommerlichen Frühlingsabend den Weg ins Kronenzentrum gefunden hatten, wurde das Orchester enthusiastischer gefeiert denn je: Applaus mit den Füßen ist hier eher selten und besonderen Momenten des Musikerlebens vorbehalten. Ein erzitterndes Parkett unterstrich, dass es sich bei dem anderentags in Mühlacker wiederholten (und aufgezeichneten) Konzert um einen solchen gehandelt hat.

Harry Schmidt

Sehnsucht nach dem Licht des Südens

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Ungeschnitten dokumentiert die neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ das Programm der vergangenen Adventskonzerte mit der Geigerin Ursula Schoch.

VON HARRY SCHMIDT

BIETIGHEIM-BISSINGEN. In Rekordzeit hat Peter Wallinger die jüngste CD seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim (skb) realisiert. Kaum ein Monat ist vergangen seit dem Konzert am 10. Dezember, dessen Mitschnitt nun als fünfzehnte Ausgabe der Reihe „Kammersinfonie live“ vorliegt. Dass auf „Live 2017 – Faszination Klassik“ das komplette Konzertprogramm dieses Abends in unveränderter Reihenfolge und ohne tontechnische Kosmetik dokumentiert ist, belegt sowohl das spieltechnische Niveau, auf dem das vor mehr als 30 Jahren von Wallinger gegründete Orchester musiziert, als auch die Qualität der Programmarbeit seines Leiters.

Im strahlenden Mittelpunkt der Aufnahme steht Mozarts drittes Violinkonzert (KV 216), das, 1775 geschrieben, in seiner Gestaltungshöhe das Erklimmen eines neuen Plateaus in der Produktion des seinerzeit 19-Jährigen markiert. „Wenn es ein Wunder in Mozarts Schaffen gibt, so ist es die Entstehung dieses Konzertes“, stellt Alfred Einstein in seiner Monografie „Mozart. Sein Charakter. Sein Werk“ fest. Nicht Virtuosität, sondern anmutige Eleganz und delikaten Spielwitz verlangt das G-Dur-Konzert seinem Solisten ab, was der in Ludwigsburg geborenen und in Sachsenheim aufgewachsenen Ursula Schoch hier glänzend gelingt.

Transparent und entstaubt

Diese gab 1990 bei den Schlossfestspielen ihr solistisches Debüt, ist nach Jahren bei den Berliner Philharmonikern seit 2000 Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw Orchesters Amsterdam und hat mit der skb bereits Mozarts viertes Violinkonzert aufgenommen. Das intensivierte Verhältnis von Solo- und Orchesterstimme berücksichtigend, macht die Kammersinfonie ihrem sprechenden Namen auf „Live 2017“ mit transparentem, entstaubtem Mozart-Klang alle Ehre.

Stimmig auch die Umrahmung durch die „Mozartiana“ genannte Orchestersuite Nr. 4 (op. 61), ebenfalls in G-Dur, von Tschaikowsky, 1887 anlässlich des 100. Jahrestags von „Don Giovanni“ komponiert, sowie Felix Mendelssohn Bartholdys 1833 uraufgeführte Sinfonie Nr. 4 in A-Dur (op. 90), in der wie in Mozarts Violinkonzert die Erfahrungen einer Italienreise nachhallen. In der Sehnsucht nach dem Licht des Südens findet sich der rote Faden dieser gelungenen Einspielung.

INFO: Die CD „Live 2017. Faszination Klassik“ der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim in der Reihe „Kammersinfonie live“ kann unter der Telefonnummer (0 70 43) 4 04 10 oder über cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de bestellt werden.

Harry Schmidt

Eine prachtvolle Symbiose

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert dreimal ihr Neujahrskonzert

Bietigheim-Bissingen. Dass das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) stets einen Besuch lohnt, wissen die Bürger in Murr genauso wie die Einwohner von Mühlacker, zwei der drei traditionellen Spielstätten der Jahreswechselauftritte des 1984 von Peter Wallinger gegründeten Orchesters. Der Bürgersaal des Murrer Rathauses sei wie der Uhlandbau in Mühlacker so gut wie ausverkauft gewesen, freute sich der Dirigent im Gespräch mit unserer Zeitung über den dortigen Zuspruch. Dagegen blieben in der Bietigheimer Kelter am Sonntagabend beim dritten und letzten Konzert der Veranstaltungsfolge noch ein paar Plätze frei.

Nachdenkliche bis humoristische Gedichte zwischen den Werken

Das mag ein wenig der im Winter doch etwas zugigen Örtlichkeit geschuldet gewesen sein: Manch ein Besucher zog es vor, Mantel oder Jacke anzubehalten. Obwohl es also auch für die Instrumente wie für die Finger ihrer Spieler eine Spur zu kalt war, geriet der in 16-köpfiger Besetzung angetretenen SKB der Auftakt ihres mit „Zauber der Natur“ überschriebenen Programms fabelhaft.

Mit kammermusikalischer Finesse ausgehört die folkloristischen Motive von „Im Volkston“ der Nr. 1 aus Edvard Griegs „Nordische Weisen“ (op. 63), berückende Schwebeklänge der Streicher, gekrönt von einem erblühenden Tutti im Finale, lustvoll ausgekostet der rustikale Überschwang im „Bauerntanz“.

Als Kleinod erwiesen sich Giacomo Puccinis „Chrysanthemen“: Das dreiteilige Andante mesto, musikalisch dem Opernliebhaber aus dem vierten Akt von „Manon Lescaut“ vertraut, ist eine Blaupause für hochemotionale melancholische Rückblenden, die Heerscharen von Hollywood-Filmmusikkomponisten inspiriert hat.

In „Der Winter“, dem vierten Konzert aus Antonio Vivaldis Zyklus „Vier Jahreszeiten“, beeindruckte Sachiko Kobayashi, Konzertmeisterin der SKB und Primgeigerin des international renommierten Lotus String Quartet, mit souveräner, unaufgeregt in sich gekehrter Gestaltung der bekannten Partitur.

Den strahlenden Mittelpunkt der zweiten Konzerthälfte bildeten die Darbietungen von Anne-Sophie Bertrand, der Solo-Harfenistin im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, einmal mit, einmal ohne Orchesterbegleitung. Wie ein Kompendium der Spieltechniken der chromatischen Harfe wirken die beiden Tänze der „Danses pour Harpe et Orchestre“, die Claude Debussy 1904 geschrieben hat. Wundervoll sanft wogend die perlenden Arpeggien, gezupften und gestrichenen Figurationen der „Danse sacrée“; statt eines Ringens zwischen Solostimme und Orchester, feiern beide in der „Dance profane“ ihre Symbiose. So wie die goldene Harfe von Bertrand das Zentrum der Bühne einnahm, wirkte ihre Partie wie ein teurer Kristall in der Mitte eines prächtig funkelnden Colliers. Solistisch interpretiert dann „La source“ von Alphonse Hasselmans sowie „Introduction, Cadenza & Rondo“ von Elias Parish-Alvars, zwei Werke zeitgenössischer französischer Komponisten, die den romantischen und impressionistischen Tönen huldigen, für die dieses Instrument so enorm prädestiniert scheint.

Zum Ausklang frühlingshafte Farben mit dem „Lied der Lerche“ aus „Die Jahreszeiten“ von Peter Tschaikowsky, ein Hauch von Wiener Neujahrsatmosphäre dann beim finalen „Walzer“.

Von nachdenklich über vergnüglich bis humoristisch reichte die Ausdruckspalette der Gedichte von Rainer Maria Rilke, Henrik Ibsen und anderen, die Frank Albrecht, Schauspieler am Theater Freiburg, zwischen den musikalischen Preziosen so pointiert wie klangvoll rezitierte.

Harry Schmidt