Pforzheimer Zeitung
Begeisternde Instrumentalsolisten
Sommerfrische und Sonnenschein am idyllischen Spielort steigerten die Erwartungsfreude beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche. Zudem wartete das Matinee-Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntagvormittag mit Programm-Raritäten und Solisten auf, die ein musikalisches Stimmungshoch herbeizauberten.

Chihiro Saito, die Cellistin des „Lotus String Quartets“, interpretierte zusammen mit der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung Antonio Vivaldis Violoncello-„Concerto in h-Moll“, RV 424 und beeindruckte mit unerhört akkuratem, klangsattem Solospiel. Flüssig über die Saiten gleitend präsentierte sie das einleitende „Allegro non molto“, das sich im Satzzentrum zu einer chromatisch auf- und absteigenden Klanglinie verdichtete. Nur vom Basso continuo und Cembalo-Geglitzer begleitet, entfaltete sich im „Largo“ farbintensiv dunkler Cello-Gesang. Das abschließende „Allegro“ zeichnete sich nochmals durch barocken Concerto-Stil mit dynamischen Lautstärke-Abstufungen und temperamentvollem Wechselspiel zwischen Orchester und Soli aus.
Danach öffnete Daniel Koschitzki, der international renommierte Blockflöten-Solist, mit seinem Charme und seiner mitreißenden Musizierlust alle Schleusen der Fröhlichkeit. Welche Klangfülle, welchen Zierrat aus Trillern, Vorhalten, Ton-Hüpfern und wirbelnden Läufen vermochte er dem kleinen Holzblasinstrument zu entlocken! Die Wiedergabe des Concerto G-Dur für Sopranblockflöte und Violinen von Leonardo Leo, einem neapolitanischen Barockmeister, malte facettenreiche Klangbilder aus – rasant pulsierend im ersten, stimmungsvoll klagend im zweiten, mit Silberstift filigran gezeichnet im letzten Satz. Im Anschluss folgte die Aufführung einer Suite für Flöten und Orchester des bei uns nahezu unbekannten englischen Komponisten Gordon Jacob (1895–1984), die kontrastreiche tänzerische Genres aufzubieten hatte: Altblockflöten-Töne wie Ausrufezeichen im „English Dance“, bittersüße Melancholie im „Lament“, akzentuierte Rhythmen in „Burlesca alla Rumba“, Träumereien in der „Pavane“, schneidende Piccoloflöten-Kaskaden und höchste Spitzentöne in der „Tarantella“.
An dieser virtuosen Demonstration des Meister-Flötisten hätte sogar Hirtengott Pan seine Freude gehabt – das Publikum jedenfalls jubelte und applaudierte begeistert.
Frische, Transparenz und romantischer Klangsinn waren die Markenzeichen einer Interpretation von Antonín Dvoráks Serenade E-Dur op.22, mit der Peter Wallinger und sein Orchester-Ensemble die musikalische Matinee schwungvoll ausklingen ließen.
Eckehard Uhlig
Musik aus der Region: Peter Wallingers neueste Klassik-CD „live 2012“
Mühlacker. Nach wie vor finden sich im überreichen Medien-Angebot der Sparte „klassische Musik“ Überraschungen und Kostbarkeiten, beispielsweise CD-Aufnahmen mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim. In ungeschminkten Konzert-Mitschnitten ist die origina-le Raumklang-Atmosphäre der Aufführungsorte zu erleben – des „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche und der „Concerto“-Reihe im Mühlacker Uhlandbau. Auf Wallingers neuester Silberscheibe, die unter dem lapidaren Titel „live 2012“ Aufnahmen der Highlights seiner Konzertprogramme des letzten Jahres wiedergibt, wird zudem etwas ganz Besonderes dokumentiert – gewissermaßen der „Entwicklungsstand“ der 1992 in Pforzheim geborenen und inzwischen inter-national erfolgreichen Pianistin Magdalena Müllerperth aus Maulbronn-Schmie. Die Musikfreunde in der Region haben ihre erstaunliche Karriere von Kindesbeinen an miterlebt und begleitet.
„live 2012“ präsentiert Müllerperth als Solistin in Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op.54, das sie unter Wallingers versierter Leitung mit der sueddeutschen kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau interpretierte. Eine ausgereifte Wiedergabe, die Schumann als Inbegriff romantischer Musik zur Geltung bringt: kraftvoll-zackig die Eröffnungskaskade, melodisch beseelt die eleganten Läufe und figurativen Verzweigungen des Passagenwerkes, alle Soli einfühlsam mit dem Orchester verwoben. Zauberhafte Klangpoesie bietet ihre Zugabe, Schumanns selten zu hörendes Fantasie-stück „Des Abends“ (aus op.12).
Auch eine andere Solistin spielt sich in die Herzen der Hörer: Anne-Sophie Bertrand, Solo-Harfenistin beim HR-Sinfonieorchester Frankfurt, musiziert mit Wallingers Kammersinfonie Maurice Ravels „Introduktion und Allegro“ für Harfe, Flöte, Klarinette und Streicher in der Lienzinger Frauenkirche. Die irisierende Farbigkeit ihres Saitenspiels findet sich aufgehoben im süchtig machenden Sound der naturhaft einstimmenden Bläser (Verena Guthy-Homolka, Flöte; Martin Nitschmann, Klarinette) und Streicher.
Und dann gibt es noch Edvard Griegs Suite für Streichorchester op.40 „Aus Holbergs Zeit“, die von Wallinger und seinem Ensemble mit feinem Erzählton, facettenreichem Kolorit und wohltuender Schwerelosigkeit ausgestattet wird. Sergej Prokofjews Symphonie Classique op.25 bildet den Abschluss der CD-Einspielung, die für zwölf Euro über das Büro „Musikalischer Sommer“, Graf Zaisolf Straße 20, 75433 Maulbronn (Tel 07043-40410) bzw. über cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de zu beziehen ist.
Eckehard Uhlig für PZ-Kultur
Überraschende Glücksmomente
MühlackerConcerto wartet mit einem außergewöhnlichen Konzert der sueddeutschen kammersinfonie mit dem Alliage-Quartett auf.

Mühlacker. In der Kategorie „Das besondere Konzert“ hätte Peter Wallingers Concerto-Reihe längst einen Preis verdient. Beim gemeinsamen Musizieren seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim mit dem Echo-Klassik-preisgekrönten Alliage-Saxofon-Quartett im Mühlacker Uhlandbau ging es nicht nur um die außergewöhnliche Begegnung zweier verschiedenartiger Klangkörper, sondern um die wundersame Verschmelzung völlig gegen-sätzlicher musikalischer Farben und Stile. Dabei löste die prächtige Klang-Melange überraschende Glückserlebnisse aus.
Das gilt vor allem für den Höhepunkt des denkwürdigen Konzertabends, die im Auftrag beider Ensembles von Jun Nagao erstellte, uraufgeführte Fassung einer „Carmen“-Rhapsodie mit Melodien und Motiven aus George Bizets gleichnamiger Oper. Carmens Habanera und Tanzlieder leuchteten in den satten Farbtönen der von Daniel Gauthier und Eva Barthas gespielten Sopran- und Altsaxofone. Josés Blumenarie funkelte in der sonoren Stimmlage von Koryun Asatryans Tenorsaxofon, Torero Escamillo brillierte als Saxofon-Bass mit Sebastian Pottmeier. Die chorischen Stimmungen im Zigeunerlager wurden von sinfonischen Streichern atmosphärisch dicht eingefangen, die Kampf- und Tanzszenen von illustrem Schlagwerk begleitet. Punktgenau sorgte Wallinger am Dirigentenpult für die charakteristisch zackigen Rhythmen der Bizet’schen Vorlage, für schmissige Tempo-Steigerungen und Forteakzente von durchschlagender Wucht.
Auch bei der Wiedergabe einer arrangierten „Sonata pian e forte“ des Renaissance-Komponisten Giovanni Gabrieli glänzte das neue instrumentale Gewand in aufregendem Sound.
Selbstverständlich stellten Orchester und Quartett auch ihr Eigenleben in versierten Interpretationen vor. Die Kammersinfonie beeindruckte mit Mozarts „Serenata Notturna“ (KV 239) und der facettenreich fein ausgearbeiteten Suite für Streichorchester von Leos Janácek.
Und die vier Saxofonisten wurden mit ihren Zwitterinstrumenten aus Klarinetten-Mundstück, Oboen-Mechanik und Brass-Korpus dem Ruf gerecht, jazzig angehauchte Farbmischer der Träume zu sein. Jedenfalls dürfte das begeisterte Publikum „Summertime“, den Hit aus der gebotenen „Porgy and Bess“-Suite von George Gershwin, noch nie mit solch sanften oder elegant schrillen Schwingungen gehört haben.
Eckehard Uhlig
Zu einer erlesenen Tradition geworden: Peter Wallingers Neujahrskonzerte
Mühlacker. Die meist ein Feuerwerk geistreicher Laune versprühenden Konzerte zum Jahreswechsel – eine Erfindung der 1940er-Jahre in Wien – leben von Strauß’schen Walzern und Polka-Tänzen. Peter Wallingers inzwischen zur Tradition gewordene Neujahrskonzerte sind anders, besonders, ausgefallen, erlesen.

Ein im Rahmen klassischer Musik eher selten zu hörendes Instrument steht im Mittelpunkt, vor allem bestimmen intime Klänge das Konzertgeschehen. In diesem Jahr präsentiert der Dirigent zusammen mit seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter dem Motto „Passione italiana“ den sizilianischen Gitarristen Santy Masciarò. Eine exemplarische Interpretation des „Concerto D-Dur für Gitarre und Orchester“ (RV 93) von Vivaldi (1678-1741) eröffnet die musikalischen Neujahrsgrüße in Mühlacker. Masciarò zupft ganz zart die Saiten, wirbelt mit der linken Spielhand über das Griffbrett und erzeugte mit gleitenden Fingerkuppen lieblich silberhellen Gesang. Temperamentvoll im Ton oder mit den Solo-Passagen zärtlich verschlungen, umspielen die Streicher unter Wallingers einfühlsamer Leitung die Gitarre, geben Einsatzimpulse und sorgten für instrumentalen Farben-Glanz.
Noch venezianischer dann der Soloauftritt Masciaròs mit der Komposition „Carnevale di Venezia“ von Francisco Tárrega (1852-1909), einem Variationen-Stück über ein Thema von Nicolo Paganini, dessen Melodie auch als Gassenhauer „Mein Hut, der hat drei Ecken“ bekanntgeworden ist. Delikater Klangsinn und raffinierte Virtuosität kommen zum Vorschein, mit Sprüngen über mehrere Oktaven, lustvoll akzentuierten Skalen, Wehmutsklängen, die an zarte Lauten-Poesie erinnern, oder – im Kontrast dazu – Ton-Salven mit rauschenden Arpeggien-Folgen. Außerdem kam Dante Alighieri mit Gesängen aus seiner „Divina Commedia“ zu Wort, die Santy Masciarò italienisch-melodiös auswendig rezitierte. Konzertstücke von Rossini (1792-1868), Mauro Giuliani (1781-1829) und Nino Rota (1912-1979) runden die vom Publikum bejubelte Matinee im ausverkauften Uhlandbau-Saal ab.
Eckehard Uhlig
Viel Lob für musikalischen Leckerbissen
Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim erfreut im Uhlandbau Mühlacker – Trompetenensemble der Meisterklasse tritt auf
Mit einem ansprechenden Konzert hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Leitung von Peter Wallinger im Uhlandbau Mühlacker zahlreiche Besucher erfreut. „Es war ein wunderschönes Konzert“, lobte die Senderstädterin Renate Jakob das Orchester, das mit dem Trompetenensemble Saleem Khan, Eline Beumer und In-Hyeok Choi der Meisterklasse Reinhold Friedrich auftrat. Vor dem Konzert fand außerdem eine Einführung in die Werke von Christina Dollinger statt.
Zu Gehör kamen das „Konzert D-Dur“ für drei Trompeten von Georg Philipp Telemann, „Musica adventus“ von Peteris Vasks, die „Orchestersuite Nr. 3 D-Dur“ von Johann Sebastian Bach und Joseph Haydns „Sinfonie Nr. 94 G-Dur“. „Das war ein sehr ansprechendes Programm und schönes Konzert“, war Christine Harendt aus Enzberg begeistert. Jedes Jahr zu den Konzerten von Peter Wallinger kommen nach eigenem Bekunden Ursula und Klaus Ziemer aus Dürrmenz.
Seit vergangenem Jahr hat der Förderverein „Musikalischer Sommer Frauenkirche Lienzingen“ unter dem Namen „Mühlacker Klassik“ die Sommerkonzerte in der Lienzinger Frauenkirche und die Winterkonzerte im Uhlandbau Mühlacker zusammengeführt. Sechs bis sieben Konzerte finden im Sommer in der Frauenkirche statt und im Winter knüpft das „Mühlacker Concerto“ mit drei bis vier Konzerten an eine alte Tradition an.
Ilona Prokoph
Gezupfte Todesschreie, sinnliches Glitzern
Der „Musikalische Sommer“, Peter Wallingers Matinée-Konzertreihe in der Lienzinger Frauenkirche, stand diesmal im Zeichen der exzellenten Solo-Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und der von ihr interpretierten Kompositionen, die dem französischen Impressionismus zugerechnet werden.

Edgar Ellen Poe erzählt in „The Masque Of The Red Death“ von einem grauenhaft makaberen Totentanz. André Caplet (1879–1925) hat diese Horrorgeschichte in seiner „Conte fantastique“ für Harfe und Streichquartett mit lautmalerischen Mitteln genial umgesetzt. Man hörte in der Lienzinger Wiedergabe die Todesschreie und Totenglocken aus den mit flinken Händen gezupften, basstief gerissenen und geklopften Silbersaiten der Harfe, spürte die Tänze auf dem Vulkan und die Angst der Menschen zwischen den wellenförmig aufschreienden Glissandi und blutrot-wolkigen Arpeggien, die zur düsteren Streicherbegleitung (Sachiko Kobayashi und Katja Rohde-Paulich Violinen; Tomoko Yamasaki Viola; Gen Yokosaka Violoncello) geboten wurden. Freilich war alles von den wie stets in der Spielpause frohgemut zwischen Gräberfeldern lustwandelnden Konzertbesuchern bald wieder verdrängt.
Anne-Sophie Bertrand, die ihr Instrument mit funkelnder Präzision und unverwechselbarem Kolorit zum Singen brachte, hatte aber auch aparte Klanggebilde im Programm. Maurice Ravels „Introduktion und Allegro“ für Harfe, Flöte (Verena Guthy-Homolka), Klarinette (Martin Nitschmann) und Streicher („sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung von Peter Wallinger) erfreute mit zartem Saitenspiel und irisierender Farbigkeit. Klangsinnliches Schäumen und Glitzern dann in der (als Zugabe) meisterlich interpretierten Konzertetüde für Harfe solo „La Source“ (Die Quelle) von Alphonse Hasselmans (1845–1912).
Umrahmt wurde das Harfen-Konzert von engagiert wiedergegebenen Streichorchester-Stücken aus dem beliebten Repertoire von Wallingers „Bietigheimern“, dem Brandenburgischen Konzert Nr.3 G-Dur von J.S. Bach und der Suite für Streichorchester „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg.
Eckehard Uhlig
Fulminantes Heimspiel
Pianistin Magdalena Müllerperth spielt im Uhlandbau
Mühlacker. Magdalena Müllerperth wird im Mühlacker Uhlandbau schon von ihrer Fan-Gemeinde erwartet: Die Meisterschülerin von Jérome Rose am Mannes College in New York ist extra zum Konzert mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie aus den USA eingeflogen. Da geben sich selbstverständlich die lokalen Honoratioren und Sponsoren die Ehre. Am CD-Tisch – es liegen Müllerperth-Einspielungen für die „Edition Kloster Maulbronn“ zum Verkauf aus – ist die Nachfrage nach persönlich von der Künstlerin signierten Exemplaren groß.
Im Konzert selbst beweist die 20-jährige, aus Maulbronn-Schmie stammende Solistin Mut. Während andere Jungpianisten sich im gnadenlosen Konzertgeschäft eine Nische suchen, um mit selten gespielten Komponisten und Werken auf sich aufmerksam zu machen, präsentiert Müllerperth die großen Klassiker.
Große Gefühlsintensität
In Mühlacker spielt sie Schumanns von außerordentlicher Gefühlintensität geprägtes a-Moll-Klavierkonzert op.54, den Inbegriff der musikalischen Romantik. Großartig die Musizierkunst der Solistin: kraftvoll-zackig die Eröffnungskaskade, melodisch beseelt die figurativen Verzweigungen und eleganten Läufe des Passagenwerkes. Im ersten Satz („Allegro affettuoso“) werden die beiden Seiten Schumanns, der Stürmer und der sinnende Träumer, glänzend herausgearbeitet. Und auch das berühmte Diktum Clara Schumanns, dass nämlich das Klavier „auf das feinste mit dem Orchester verwebt“ sei, wird von den Interpreten mit Sorgfalt beachtet. Hörenswert, wie die Streicher und insbesondere die Holzbläser unter Wallingers Stabführung ein wechselvolles Spiel von Umgarnen und Umgarnt-Werden mit dem Klavier entfalten. Herrlich der vitale Elan und die klanglich-orchestralen Weitungen im Finalsatz. Mit den Zugaben zeigt Müllerperth, was noch alles zu ihrem Metier gehört. Beispielsweise lyrisch zarte Poesie in Schumanns filigranem Klavier-Fantasiestück „Des Abends“. Oder die zirzensische Virtuosität von Liszts „Campanella“, deren fulminante Bravour Beifallsstürme auslöst.
Was im zweiten Konzertabschnitt folgt, gerät unter solchen Umständen fast zur Nebensache. Im anfangs voll besetzten Saal zeigen sich leere Stuhlreihen. Obwohl Wallingers Orchester eine lebhaft-lebendige Wiedergabe von Serge Prokofieffs „Symphonie Classique“ in D-Dur (op.25) abliefert und wie schon im Konzert-Eingangsstück, der Ouvertüre zu Mozarts „Don Giovanni“, dem Motto des Abends, der „Magie der Töne“, vollauf gerecht wird.
Eckehard Uhlig
Neujahrskonzert in Mühlacker: Silberner Glitzerklang
Die Harfe, das uralte Kult-Instrument, zelebriert seit eh und je Stimmungen und Glückszustände. Ist in der Oper für das Überreichen silberner Rosen zuständig, im Ballett für Feen-Flüge und sterbende Schwäne, im Orchesterkonzert für sprühende Fontänen und Meeresrauschen.
Auch beim Mühlacker Neujahrs-„Concerto“, das wieder im angestammten Uhlandbau stattfand, begeisterte der Glitzerklang des poesievollen Saiten-Instruments. Und zwar gespielt von der exzellenten Solo-Harfenistin Anne-Sophie Bertrand, die von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim mit einfühlender Verve begleitet wurde.

Sinnliches Vergnügen
Die in den Allegro-Ecksätzen luftig schwungvoll und im Andante wunderbar zart interpretierte, in den Solopassagen wie von einem Silberstift nachgezeichnete Harfen-Bearbeitung des Klavierkonzertes A-Dur (KV 414) von Wolfgang Amadeus Mozart verzauberte die Zuhörer im vollbesetzten Saal. Geradezu kongenial dem Wunderklanginstrument angepasst, präsentierten sich Claude Debussys Tänze für Harfe und Orchester („Danse sacrée“ und „Danse profane“), wobei nicht nur die von den Streichern fein untermalten Glissandi und Arpeggien mit leuchtend hin getupfter, impressionistischer Farbigkeit sinnliches Vergnügen bereiteten. Eine Ahnung von paradiesischen Freuden vermittelte die Wiedergabe von Gabriel Faurés „Impromtu op.86“ für Harfe solo, das von Anne-Sophie Bertrand virtuos entfaltet wurde – ein musikalisch funkelndes, kostbares Juwel.
Musikantisch aufgelegt
Das ganz dem Leichten und Heiteren zugetane, unter das Motto „Orient-Okzident“ gestellte Neu-jahrskonzert wurde von Wallinger am Dirigentenpult und seinem musikantisch aufgelegten En-semble markant eingerahmt. Zum Konzertauftakt gab es Christoph Willibald Glucks schmissige Ouvertüre zu „Die Pilger von Mekka“, ein Allegro-Stück, das mit seinen hellen Piccolo-Flöten, Trommeln und Schellengeklingel wie der Aufzug einer Janitscharen-Kapelle anmutete. Den Abschluss bildeten arabische Tänze aus Edvard Griegs „Peer Gynt“. Edgar Wipf steuerte moderierend geistvolle Anmerkungen bei.
Eckehard Uhlig
Musikfest der Extraklasse
Kompositionen “à la française“ in Ötisheim beim „MühlackerConcerto“. Solist Sebastian Manz verströmt pulsierende Tonkaskaden. Ötisheim. Vordergründige Effekthascherei ist seine Sache nicht. Die akrobatische Virtuosität, die der junge Meisterklarinettist Sebastian Manz an den Tag legt, bleibt in jedem Moment zwar lustvolle, aber hauptsächlich dem musikalischen Werk dienende Gestaltungsarbeit. So jedenfalls präsentierte sich der diesjährige „ECHO-Klassik“-Preisträger beim Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der historischen Kelter Ötisheim.
Ötisheim. Vordergründige Effekthascherei ist seine Sache nicht. Die akrobatische Virtuosität, die der junge Meisterklarinettist Sebastian Manz an den Tag legt, bleibt in jedem Moment zwar lustvolle, aber hauptsächlich dem musikalischen Werk dienende Gestaltungsarbeit. So jedenfalls präsentierte sich der diesjährige „ECHO-Klassik“-Preisträger beim Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der historischen Kelter Ötisheim. Das von Peter Wallinger mit Verve geleitet, vielfach verstärkte Bietigheimer Ensemble und Manz interpretierten das Klarinettenkonzert des 1997 verstorbenen Komponisten Jean Françaix als eine in reichen instrumentalen Farben leuchtende Klangfantasie. Rasante Tempi und tänzerische Rhythmik (in den Allegro-Ecksätzen), aber auch ausgelassene Heiterkeit und Ironie (im Scherzando) oder von melancholischer Zartheit geprägte Passagen (im Andantino) bestimmten die Wiedergabe. Vor allem der Solist verströmte mit pulsierenden Tonkaskaden, Schwüngen und Schlenkern, überraschenden Akzenten und abenteuerlich über den Orchesterklangwellen hüpfenden Akkorden spielerische Freude. Dabei zeichnete sich Sebastian Manz durch unerhörte Klarheit, spielerisch lockere, aber kernig fokussierte Tongebung aus, wie man sie selbst bei renommierten Klarinettisten selten erlebt. Überhaupt erfreute der unter das Motto „à la française“ gestellte Konzertabend mit unkonventionell moderner Musik aus Frankreich, die mehrfach in ein unterhaltsam-kultiviertes Crossover oder, um es in der Sprache ihrer Autoren zu formulieren, in eine „Musique sérieuse sans gravité“ einmündete. Mit Harfen-Clustern einerseits und jazzig schrillen Einwürfen der Bläser auf der anderen Seite schäumten die von den Streichern in mitreißendem Walzertakt angefachten „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel. Und nach der Konzertpause gelang es Wallinger und seinem Orchester, das bereits verwöhnte Publikum mit Darius Milhauds bizarrer, in vielerlei Hinsicht lustig verquerer Ballet-Suite „Le Boeuf sur le toit“ (op.58) zu begeistern. Das muss man sich vorstellen: Die Musiker ließen nicht nur die Puppen“, sondern einen „Ochsen auf dem Dach“ in südamerikanisch hitzigen Tango-Rhythmen tanzen. Ein komödiantisch befeuertes, in scheinbar „falschen“ Tönen lärmendes Musik-Fest der Extraklasse.
Eckehard Uhlig
Zum Start ein Klassiker
„Mühlacker Concerto“ eröffnet die Saison herbstlich. Vivaldis „Herbst“ und „Winter“ erklingen in der Historischen Kelter. Ötisheim. Erfrischendes Musizieren ist man von Peter Wallinger und seiner „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ gewohnt. Und auch die Solo-Auftritte der exzellenten Geigerin Ursula Schoch, Konzertmeisterin beim Amsterdamer Concertgebouw-Orchester, gehören zu seinen Musikprogrammen. Diesmal eröffnete die „Mühlacker Concerto“-Reihe in der ausverkauften Historischen Kelter Ötisheim mit einem barocken Klassiker-Hit, der schon mehrere Geiger(innen) berühmt gemacht hat: Antonio Vivaldis „Der Herbst“ und „Der Winter“ (aus „Die Vier Jahreszeiten“ op.8) umrahmte (auch titelgebend) das kurzweilige Konzert. Unter Wallingers motivierender Leitung wählten das Ensemble und Ursula Schoch für ihre Interpretation eine sinnfällige Mischung aus ruhiger Gelassenheit und expressivem Temperament. Wenig war zu sehen und zu hören von den gravitätischen Allüren, wie man sie etwa von Anne-Sophie Mutter kennt. Auch die Rabiatheiten eines Nigel Kennedy oder gar die vibratolos-rauhe Klangsprache der „Originalisten“ – Fehlanzeige. Herbst und Winter ereigneten sich in der einladend restaurierten Kelter als erzählende Bilder mit fein differenzierten musikalischen Farben und Formen.
Stimmungsvolle Poesie Faszinierend dabei der glanzvoll durchgearbeitete, entweder konturscharf klare oder sinnlich weich gleitende Ton der Solistin: technisch virtuos, aber jederzeit kontrolliert die Tempo-Läufe der „Allegro“-Sätze; getragen von stimmungsvoller Poesie die betörend schön ausgesungenen Kantilenen im „Largo“ des Winters. Weniger hitverdächtig ein dafür umso originelleres Stück: die Wiedergabe der „Fratres“ für Solo-Violine, Streichorchester und Schlagzeug von Arvo Pärt fügte sich zu einem Klanggemälde der starken Kontraste. Da gab es zarte Violin-Cluster und in unglaubliche Flageolett-Höhen entfliehende Töne. Oder kraftvoll-rasante Doppelgriffpassagen über Streicher-Teppichen, dazu Bordun-Bässe und dumpfe Schlagwerkakzente. Schließlich sorgte Edvard Griegs Komposition „Varen – Letzter Frühling“ (aus op. 34), die vom Orchester mit Spielfreude zelebriert wurde, für romantisch-elegische Melodien. Auch luden die Bietigheimer mit Peter Iljitsch Tschaikowsky zu Walzertakt und allerlei jahreszeitlichen Reigen ein („Dezember“, „Schneeglöckchen“ und „Barkarole“ aus „Die Jahreszeiten“, op.37a).
Eckehard Uhlig