Zum Inhalt springen

Pforzheimer Zeitung

Festkonzert „40 Jahre Musikalischer Sommer“ in Lienzingen

  • von
Herausragend: der Auftritt des Blockflötisten Daniel Koschitzki. Foto: Fotomoment

Mühlacker-Lienzingen. Solisten und Orchester musizierten furios. Das herausragende Ereignis beim Festkonzert „40 Jahre Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche war natürlich der Auftritt des Blockflötisten Daniel Koschitzki, seines Zeichens Echo-Klassik-Preisträger, der schon mehrfach in Konzerten mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim begeisterte.

In Antonio Vivaldis Concerto „Il Gardellino“ (Der Distelfink) für Sopranino-Flöte und Orchester op. 10 Nr. 3 entzündete der Solist in den Allegro-Ecksätzen ein musikantisches Brillantfeuerwerk an Farben und Formen, an kunstvoll verzierten Sprüngen und Läufen oder nachhallend „schlagenden“ Rufen, eben lautmalerisch silberhell trillernden und zwitschernden Vogel-Liedern – passend zum gleichnamigen Bild des Barockmalers Carel Fabritius. Im langsamen, sehr zart intonierten und nur von Cembalo und Cello begleiteten „Cantabile“-Mittelsatz erinnerte die Sopranino-Vogelstimme mit Wehmutsgesang an die verlorene Freiheit des domestizierten kleinen Distelfinken, denn er bleibt mit einer Kettchen-Schnur an seinen Hochsitz gefesselt. Ein zauberhaft-fantastisches Klangfest ging von dieser Interpretation aus.

Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 4 G-Dur (BWV 1049) war in Originalbesetzung mit solistischer Violine (Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi) und zwei solistischen Barockflöten (Koschitzki und Andrea Ritter) zu hören. Gleich der erste Satz eröffnete mit wiegender Flötenmelodik, dann übernahm die Geige die Führung. Immer wieder standen sich Streicher-Tutti und Solistengruppe im Dialog gegenüber. Alle Stimmen und Linien blieben unerhört transparent, auch in temperamentvollen Aufschwüngen oder feinen Echo-Wirkungen. Gewohnt stilsicher, mit sauberen Phrasierungen und facettenreichen Klangfarben interpretierte das Orchester unter Wallingers aufmerksam-motivierender Leitung auch zwei weitere Werke des Festprogramms. Nicht zum ersten Mal überraschten Wallinger und sein Ensemble mit Werken von Carl Philipp Emanuel Bach. Diesmal beeindruckten in dessen Sinfonie A-Dur, Wq 184, vor allem die konzertante Strahlkraft, Dynamik und Rasanz der Komposition, deren Aufführung wie eine Fest-Ouvertüre wirkte. Und Nino Rotas „Concerto per Archi“ erfreute trotz einiger schmerzhaft-moderner Dissonanzen mit wellenförmigem Fluss der Klangströme und leidenschaftlichen Steigerungen. Eine musikalische Matinee mit Glücksmomenten in würdigem Ambiente.

Eckehard Uhlig

In der Reihe „MühlackerConcerto“ kriegt Bach Händel mit Händel

  • von

Mühlacker. Wer war denn nun der bessere Komponist, Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel? Im Musiktheaterstück „Krach mit Bach“ für Kinder werden sich die beiden Streithähne darüber einfach nicht einig. Das gemeinsame Schülerkonzert der Pyrmonter Theater Companie mit Musikern der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim bildete den Abschluss der laufenden Saison 2016/2017 der Reihe „MühlackerConcerto“.

Kindern klassische Musik vorzustellen sei ihm ein großes Anliegen, betont Peter Wallinger, Veranstalter und Leiter der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim. Auf lustige und kindgerechte Weise passierte das in dem Stück. Der Schauspieler Carl-Herbert Braun spielte dabei Georg Friedrich Händel und Jörg Schade mimte Johann Sebastian Bach.

Zwei ganz unterschiedliche Typen, die um Mitternacht in einem Museum von Museumsführerin Meike Leluschko (Sopran) zum Leben erweckt werden. Verena Guthy-Homolka (Flöte), Frank Lehmann (Fagott) und Hannah Pfeiffer (Harfe) von der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim begleiteten das Theaterstück musikalisch. Viele Stücke der beiden Komponisten wurden gespielt, bis sie am Ende wieder in Freundschaft in ihren in dem Museum aufgehängten Bildern verschwanden.

Über 600 Kinder der Grundschulen in Diefenbach, Illingen, Lomersheim, Mühlhausen, Ötisheim und Sternenfels kamen zu den beiden Vorstellungen am Donnerstagvormittag.

Volker Henkel

Klarinettist Sebastian Manz im Mühlacker Uhlandbau

  • von
ARD-Preisträger Sebastian Manz mit Mozarts Klarinettenkonzert Foto: Fotomoment

Mühlacker. Es war ein Abend mit „konzertantem Bühnenzauber“. Schon die Eröffnungsmusik löste das ambitionierte Programm-Motto im nahezu ausverkauften Mühlacker Uhlandbau ein. Denn die von Peter Wallinger geleitete „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ präsentierte kein verzopftes Frühwerk von Joseph Haydn – sondern dessen sechste Sinfonie „Le matin“ (der Morgen) als charaktervolles, farbenfrohes Klanggemälde.

Zu Beginn seiner Kapellmeistertätigkeit auf Schloss Esterházy in Eisenstadt hatte Haydn ein kleines, aber feines Orchester vorgefunden, in dem exzellente Instrumentalsolisten saßen. Für sie hat er die Sinfonie geschrieben – also auch eine passende Komposition für Wallingers Kammersinfonie. Im Crescendo der kurzen Adagio-Einleitung malte das Ensemble einen prächtigen Sonnenaufgang, um dann in den Folgesätzen mit melodiegesättigten Soli von Violine, Kontrabass, Flöte und Fagott zu brillieren, die jeweils aus den Tutti-Gruppen hervortraten.

Mozart als Höhepunkt

Der Konzerthöhepunkt freilich war einem Großmeister vorbehalten – dem Klarinettisten Sebastian Manz, der den renommierten ARD-Wettbewerb mit einem ersten Preis gewonnen hatte und mehrfach von „ECHO-Klassik“ ausgezeichnet wurde. Entsprechend sensationell interpretierte der Solist – von der Kammersinfonie geradezu hingebungsvoll umrahmt und begleitet – Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinetten-Konzert. Selten hörte man die Bassettklarinette so entspannt und frisch, in allen verschiedenartigen Registern ihres großen Klangumfangs mit so intensiv leuchtender Ausdruckskraft, mit solch spielerischer Beweglichkeit. Geradezu lebenslustige Musikfreude prägte die beiden „Allegro“-Ecksätze mit den munter servierten, in sonore Tiefen ab- und helle Höhen aufsteigenden Achtel-Skalen. Und die auf einem Atem getragenen Melodiebögen des berühmten „Adagio“-Mittelsatzes entfalteten einen sehnsüchtigen, oft hauchig zarten Sologesang von großartiger Klangschönheit.

Der jubelnde Applaus des Publikums wurde von Manz mit zwei der „Drei Stücke für Klarinette“ von Igor Strawinsky belohnt – auch eine sinnfällige Überleitung zum letzten Teil des Konzerts, der ein ganz anderes Klang-Tableau offerierte. Mit Strawinskys Orchestersuite „Pulcinella“ lieferten Wallinger und sein Orchester ein musikantisches Feuerwerk ab, das mit seinen bunten Pointen in der rasanten „Tarantella“ und komödiantischen Schleifern von Posaune und Bass im „Vivo“ ein heiteres Abbild der ränkereichen Commedia-dell’arte-Figur nachzeichnete.

Eckehard Uhlig

Klassikgenuss zum Nachhören – Neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ ist erhältlich

  • von

Höhepunkt der CD: Magdalena Müllerperth als Solistin in Beethovens 5.Klavierkonzert im Mühlacker Uhlandbau.

Bietigheim. Rasant und rhythmisch akzentuiert der Auftakt, schwelgerisch narkotisierend das Folgestück – mit diesem musikalischen Kontrapunkt steigen Peter Wallinger und die von ihm geleitete „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ in ihre neue CD mit Konzert-Ausschnitten „live 2016“ ein.

Denn die ersten beiden Nummern, mit denen die Platte eröffnet, sind der slawische Tanz „Furiant“ (op. 46, Nr.8) von Antonin Dvorák mit seinen temperamentvollen Folklore-Farben (Mitschnitt vom 19. März) sowie das melancholische „Adagietto“ aus Gustav Mahlers 5. Symphonie (Mitschnitt vom 4. Dezember).

Die Viola singt Schubert

Als drittes Stück ist Franz Schuberts „Deutscher Tanz“ Nr. 3 D-Dur (aus D 90) zu hören. Dann folgen als Uraufführung die von Simon Wallinger für Streicher und solistische Viola originell bearbeiteten Lieder aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ – mit der exzellenten Bratscherin Hiyoli Togawa. Und ebenfalls von Schubert das Streicher-Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89), in dem der solistische Part bei der Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi liegt (Mitschnitte vom 17. Januar).

Das Großereignis der Concerto-Reihe 2016 im Mühlacker Uhlandbau (und im Konzertzentrum Bietigheim-Bissingen), die Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur mit der jungen, aus Maulbronn-Schmie stammenden Meisterpianistin Magdalena Müllerperth, ist der zweiten Hälfte der CD-Aufnahme vorbehalten (Mitschnitt vom 4. Dezember). Wobei dieser Teil mit rund 40 Minuten Spieldauer mehr Zeit beansprucht als alle vorausgegangenen Kompositionen zusammen, die deshalb auf der CD wie ein facettenreiches Musikvorspiel wirken.

Geboten werden die Aufnahmen in solider Ton-Qualität. Der außerordentliche Rang der Interpretationen wurde schon seinerzeit in Pressekritiken hervorgehoben – sie sind ausschnittweise im Booklet nachzulesen. Der Reiz des Albums liegt auch im Atmosphären technisch ungeschönter Live-Musik. Mit der CD kann man Musikerlebnisse erinnernd nachvollziehen und beispielsweise die klangschönen Viola-Kantilenen der Togawa oder die von Müllerperth locker über das Klaviermanual gewirbelten Skalen und ihren verträumten „Adagio“-Gesang im Beethoven-Konzert immer wieder neu genießen. Auch der dokumentarische Wert sollte nicht vergessen werden. Diese Jahres-CD ist eine Bereicherung für jede Diskothek.

Eckehard Uhlig

Das überraschend andere Neujahrskonzert: „MühlackerConcerto“

  • von

· Originelles Programm unter dem Motto „Europäischer Frühling“
· Viel Beifall für Matinee der „MühlackerConcerto“- Reihe im Uhlandbau

Peter Wallinger dirigiert seine sueddeutsche kammersinfonie beim heiter-besinnlichen Konzert im Uhlandbau Foto: Fotomoment

Mühlacker. Die vom Wiener Walzertakt geprägten traditionellen Neujahrskonzerte sind verklungen, wenn Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie in der MühlackerConcerto-Reihe ihre Neujahrsgrüße überbringen. Wobei die musikalisch- literarische Sonntagsmatinee im Uhlandbau inzwischen zu einer schönen Tradition geworden ist – mit einem bunt-kreativ zusammengestellten Programm.

Diesmal gab es unter dem Motto „Europäischer Frühling“ Musikstücke und Texte aus allen Himmelsrichtungen Europas, aus England, Finnland, Italien und Ungarn. Für die eingängig fein artikulierten Rezitationen der Textbeiträge war Johann-Michael Schneider vom Reutlinger Theater „Die Tonne“ zuständig.

Rezitator Johann-Michael Schneider

Einleitend sorgte der Sprecher mit Elias Canettis heiteren Anmerkungen zur erstaunlichen Verhaltensweise des Konzert-Publikums für Aufmerksamkeit – „die Menschen sitzen still da und reagieren auf das laute Treiben des Orchesters mit körperlichen Restbewegungen, dem Beifall“. Zu Benjamin Brittens „Boisterous Bourrée“ aus dessen „Simple Symphony“, die vom Kammerorchester rhythmisch markant mit tonalen Kanten und Haken interpretiert wurde, passte Wystan Hugh Audens eigenwilliger Text „Das Geheimnis ist endlich gelüftet“, genauso wie zum geheimnisvoll raunenden Saiten-Gezupfe des „Playful Pizzicato“ aus derselben Sinfonie der Kurzessay „Sag mir die Wahrheit über die Liebe“.

Für Völkerverständigung

Andere sinnfällig kombinierte Collagen aus Text und Musik waren dem Thema „Reisen“ gewidmet. Suvi Vaarlas Erzählung „Die Busfahrt“, die von einer irrwitzigen Reisebegegnung in einer einsamen Gegend Finnlands berichtet, kommentierten Wallinger und seine Streicher klangfarben- und facettenreich mit „Vier Spielmanns-Porträts“ von Pehr Henrik Nordgren. Zu Kindheitserinnerungen aus Elio Vittorinis „Gespräche in Sizilien“ musizierte das Kammerensemble Sätze aus Ottorino Respighis „Antiche Danze ed Arie“, zu Leseabschnitten aus „Ein Held seiner Zeit“ des Schriftstellers Dezsö Kosztolányi „Rumänische Volkstänze“ von Béla Bartók. Die Idee der Völkerverständigung, für die sich beide ungarische Künstler leidenschaftlich einsetzten, fand in diesem Konzertarrangement einen nachhaltigen Ausdruck. Die Zuhörer honorierten das überraschend „andere Neujahrskonzert“ mit reichlich Applaus.

Eckehard Uhlig

Magdalena Müllerperth und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim begeistern in Mühlacker

  • von
Einfühlsamer Beethoven, virtuoser Liszt. Magdalena Müllerperth spielt mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: fotomoment

Peter Wallinger hatte sein hauptsächlich Ludwig van Beethoven gewidmetes Orchesterkonzert am Samstag im Mühlacker Uhlandbau programmatisch mit einem Vers des Romantikers Eichendorff überschrieben: „ … und die Welt hebt an zu singen.“

Neben der damit angesprochenen lyrischen Klangpoesie gab es aber auch Musik mit Wucht und dramatischer Glut zu hören, die in vibrierenden Brennpunkten kulminierte.

Die Wiedergabe von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur (op. 73) präsentierte das Musterbeispiel einer imponierend gelungenen Interpretation, die beide Elemente des musikalischen Ausdrucks wie zwei sich anziehende Pole mit großer Intensität zusammenführte. Dabei bewältigte die Pianistin Magdalena Müllerperth ihren Part mit klanglicher Frische, kraftvoll und virtuos – bruchlos eingebettet in die kompakt und einfühlsam agierenden Orchesterstimmen, die Wallinger am Dirigentenpult seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim zu großer Eindringlichkeit motivierte.

Spielfreude und Charme

Fantastisch gleich zu Beginn des Allegro-Einleitungssatzes die durch mächtige Tutti-Akkorde aufgerufenen, frei kadenzierenden Klavier-Solopassagen mit locker über das Manual gewirbelten, perlenden Skalen. Eine prächtige Klangentfaltung des Orchesters schloss sich an, in die sich bald das Soloinstrument in führender Rolle mit facettenreichen Spielfiguren einfügte. Im zweiten Satz dann weich strömender, von Innigkeit getragener Adagio-Gesang, den Müllerperth romantisch verträumt und feinfühlig in zart gleitenden Melodielinien entfaltete. Der Finalsatz zeichnete sich durch ungestümen Vorwärtsdrang aus, die mitgerissenen Zuhörer erlebten noch einmal die Hochspannung des Musizierens. Die Solistin begeisterte zudem mit ihrer Spielfreude und ihrem Charme. In Pforzheim geboren, erfreute die Pianistin in Mühlacker gewissermaßen mit einem Heimspiel. Ihre Zugabe, ein hochvirtuoses Bravourstück von Franz Liszt, löste jedenfalls lautstarken, anhaltenden Jubel aus.

Nach der Konzertpause widmete sich die Kammersinfonie zunächst der spätromantisch „singenden Welt“. Das Adagietto aus Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5 wurde von den Orchester-Streichern in weit ausholenden Melodiebögen mit klangsatter Sehnsuchts-Melancholie vorgetragen, fein umspielt von silbrigem Harfen-Gezirpe. Schlussendlich ging es mit Beethovens Sinfonie Nr. 4 B-Dur (op. 60) noch einmal lebhaft zur Sache. Wallinger und sein Orchester musizierten energiegeladen akzentuiert. Die Bläsersektion und eine schlag- und wirbelfreudige Pauke traten in den Fortissimi-Ausbrüchen des ersten und letzten Satzes plastisch hervor. Abgesehen vom geheimnisvoll wirkenden, von den Interpreten in extremer Breite ausgeführten zweiten Satz, herrschte eine muntere Grundstimmung vor. Wilde Tutti mündeten in ein effektvolles Finale.

Eckehard Uhlig

Musikalisch duftende Sommerblüten

  • von

Flötenkonzert in der Frauenkirche

Verena Guthy-Homolka zeigt die vielfältigen Facetten der Flöte. Foto: Fotomoment

Lienzingen. Bei der stimmungsvollen „Sommerlichen Matinée“ in der Lienzinger Frauenkirche passte alles. Sommerfrische und friedvolles Ambiente umrahmten das 3.Konzert des diesjährigen „Musikalischen Sommers“ und verliehen den Qualitäten der gastierenden sueddeutschen kammer-sinfonie bietigheim und dem Spiel der Flöten-Solistin Verena Guthy-Homolka zusätzlichen Glanz.

Unter Peter Wallingers Leitung punktete das Orchester mit sorgfältig ausgearbeiteten Phra-sierungen. Das Streicherensemble war eben nicht nur Begleiter, sondern maßgeblicher Gestalter des Konzertgeschehens. Besonders deutlich in der einleitend musizierten Orchestersuite Nr.2 in h-Moll von Johann Sebastian Bach: Die Kammersinfonie sorgte in den facettenreichen Suiten-Sätzen für prächtig barockes Klangvolumen, für federnd austarierte Lautstärke-Kontraste, für dynamische Tempo-Varianten und zum Abschluss (in der „Badinerie“) für rasante Akzente. Mittendrin der Flötenton – in silberhellen, tollkühnen Skalen, zuweilen sehr zart in der Höhe, manchmal auch dunkel verhangen.

Mit welch herausragender Technik und mit welch feinem Klangsinn Guthy-Homolka zu spielen vermag, zeigte sich in der Wiedergabe von Charles Griffes‘ impressionistischem „Poem“ für Flöte und Orchester. Über Flageolett-Geflirre der Geiger oder solistischen Linien von Cello und Bratsche schwebte der Flöten-Gesang und formte ein verzauberndes Klang-Gedicht.

Süße Melancholie bestimmte die Interpretation von Samuel Barbers „Adagio für Streichorchester“ und nach der Konzertpause die eher kantige Rhythmik das „Concerto in Re“ von Igor Strawinsky. Mit deutlichen Duftnoten fügte sich auch dieses Stück in den Strauß musikalischer Sommerblüten.

Eckehard Uhlig

Bebend vor Ausdruckswillen

  • von

Béla Bartóks 3.Klavierkonzert mit Markus Bellheim im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. Für ihr „Impressionen aus Ost“ betiteltes Orchesterkonzert wählten Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit zwei „Slawischen Tänzen“ von Antonín Dvorák (aus op. 46 und op. 72) eine sinnfällige Eröffnung. Die explodierenden Akzente der mitreißenden „Furiant“ und die schwelgerischen Folklore-Farben des „Starodávný“ stimmten im Mühlacker Uhlandbau auf das Hauptereignis des Abends ein – Béla Bartóks Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 mit dem renommierten Pianisten und Münchner Musikhochschulprofessor Markus Bellheim.

Rhythmische Finessen
Nach wie vor spiegelt Bartóks Musik eine eigene Welt, die beim Hören einem kurzweiligen Abenteuer gleicht und wegen rhythmischer Finessen, eigenwilliger Farben und komplexer Spieltechniken eine Herausforderung für die Interpreten darstellt, die in Mühlacker bravourös gemeistert wurde. Mit Triller-Wirbeln, glasklar gehämmerten Oktavgängen und konturscharfen Skalen präsentierte Bellheim den ersten Satz („Allegretto“), bebend vor Ausdruckswillen, kühn und entschlossen. Einfühlsames Orchester-Geflirre füllte die Oktav-Abstände des zupackend vorgetragenen Klavier-Themas aus.

Das innere Zentrum der Bartók-Wiedergabe bildete der langsame Mittelsatz („Adagio“) mit dem Zusatz „religioso“ – von Wallinger am Pult, dem Pianisten und dem Orchester einer Andacht gleich zelebriert. Fließenden Streicherpassagen antwortete das Klavier mit Fragmenten einer Choralmelodie. In Einschüben verstärkten vor allem von Blasinstrumenten lautmalerisch nachempfundene Vogelrufe die ergreifende Klangmagie. Energisch und spannungsgeladen folgte der dritte Satz („Allegro vivace“) als ein lebensprühendes Finale.

„Die Moldau“ zum Abschluss
Zum Konzertabschluss erfreuten Wallinger und sein Ensemble mit abwechslungsreichen musikalischen Bilder-Folgen. Alexander Borodins „Steppenskizze aus Mittelasien“ und Friedrich Smetanas Tondichtung „Die Moldau“ entfalteten mit feiner Einfühlung die romantisch-lyrischen Liedschönheiten des slawischen Genres und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen.

Eckehard Uhlig

Wiederhörens-Freude

  • von

Neue CD „live 2015“ präsentiert Aufnahmen aus der Region

Auf der CD sind Aufnahmen aus dem Mühlacker Uhlandbau oder der Lienzinger Liebfrauenkirche zu hören. pm.

Konzertbesucher dürfen sich doppelt freuen, wenn sie dank nachgelieferter Live-Aufnahme das Erlebte mit Erinnerungen bereichern können. Die Doppel-CD „live 2015“ von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim bietet mit Aufnahmen aus den Veranstaltungsreihen „MühlackerConcerto“ im Mühlacker Uhlandbau, „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche und im Kronenzentrum Bietigheim diesen Reiz. Ein weiterer regionaler Bezug kommt hinzu, denn die in Maulbronn-Schmie beheimateten Pianistinnen Magdalena und Marina Müllerperth präsentieren sich auf der CD von ihren besten Seiten.

Zusammen mit der Kammersinfonie interpretiert Marina Müllerperth Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur mit einem herrlich frischen, im Klavierpart lebhaft perlenden ersten Satz, mit verträumten, vom Orchester weich umspielten Linien des Soloinstruments im langsamen Satz und mehrfach temperamentvoll einsetzenden, dynamisch vorwärtsdrängenden Skalen im rasanten Finale.

In der Wiedergabe von Mendelssohn-Bartholdys Klavierkonzert Nr.2 d-Moll (op.40) mit Magdalena Müllerperth ist auch in den dialogischen Abschnitten zwischen Klavier und Orchester zu spüren, wie sich Wallinger und sein Orchester bemühen, die Meisterpianistin ins rechte Licht zu rücken. Und das strahlt hell: Spannungsgeladen-federnder Anschlag, leidenschaftliches Auftrumpfen, zarte Melodiebögen und geschmeidig modellierte Übergänge sowie kraftvolle Attacken sind ihre Markenzeichen.

Den Höhepunkt der Doppel-CD bildet freilich die Aufnahme des Klarinettenkonzerts B-Dur von Carl Maria von Weber mit dem herausragenden Klarinettisten Sebastian Manz, der 2008 in München beim ARD-Wettbewerb einen sensationellen ersten Preis gewann. Das Allegro gleicht einem zur Orchester-Untermalung wild gewirbelten Bläser-Reigen. Im Adagio zelebriert Wallinger mit seinem Orchester und dem Solisten schwermütig verdämmernden Liedgesang. Das Menuett kommt überaus fröhlich daher, das Rondo mit virtuos tänzerischem Solopart. Zudem bietet Heinrich Josef Baermanns Adagio Des-Dur für Klarinette und Streicher romantische Klangpoesie.

Drei vom Orchester mit Folklore-Akzenten ausgestattete Ungarische Tänze von Johannes Brahms, Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento B-Dur (KV 137), Othmar Schoecks selten gespielte „Sommernacht“ (Intermezzo nach dem Gedicht von Gottfried Keller) und Mendelssohns Sommernacht-Ouvertüre sorgen für musikalisch bunte Farben. Die gute Tonqualität der CD garantiert ungetrübten Hörgenuss.

Eckehard Uhlig

Von Bratschen-Soli gekrönt: Stimmungsvolle Neujahrs-Matinee

  • von

mit Gedichten und virtuos gespielter Musik

Herausragend: Hiyoli Togawa Foto: Henkel

Mühlacker. Peter Wallinger und seine Mitstreiter sind originell. Die Neujahrs-Matinee der von ihm geleiteten sueddeutschen kammersinfonie führte nicht in das Reich der Walzer, Polkas und Operetten, vielmehr wurde im Mühlacker Uhlandbau für das begeisterte Publikum ein Poesie-Strauß aus stimmungsvollen Gedichten und musikantischen Orchester-Stücken gebunden.

Jahreszeitlich passend dem Winter gewidmet, wobei auch im übertragenen Sinn frühlingshafte Sonnenstrahlen die Kälte aufmischten. Elegant musizierte das Streichorchester und stattete nicht nur die „Deutschen Tänze“ von Franz Schubert (aus D 90) und dessen Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89) mit spielfreudig herausgearbeiteten Akzenten aus. Kunstvoll rezitierte das Schauspieler-Duo Nathalie Cellier und Peter Steiner vom deutsch-französischen Xenia-Theater dazu Winter-Lyrik von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin, Gottfried Keller, Georg Trakl, Hilde Domin, Droste-Hülshoff und Hermann Hesse – auch mimisch-gestisch begleitet und von zauberhaften Überleitungen zu den Musiknummern ergänzt. Zudem hatte Simon Wallinger vier Lieder aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ sinnfällig für Soloviola und Streicher bearbeitet, die nun mit faszinierendem Bratschen-Gesang Wirkung erzielten.

Ohnehin war Solistin Hiyoli Togawa mit ihrer Viola das Ereignis der Konzert-Matinee. Nachdem die beiden Vortragskünstler mit Erich Kästners karnevaleskem „Februar“-Gedicht für heitere Pointen gesorgt hatten, interpretierte die exzellente Bratschistin zusammen mit der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung Schuberts „Arpeggione“-Sonate (D 821). Die schwebende Klarheit des Orchesters und der sangliche, samtweich-dunkle Ton der Viola erzeugten einen Klang wie aus einem Guss, der auch in rasanten Passagen von virtuosen Bratschen-Soli gekrönt wurde.

Eckehard Uhlig