Pforzheimer Zeitung
Musikalischer Hochgenuss: Ursula Schoch interpretiert das Brahms-Violinkonzert
Mühlacker. „Lieben Sie Brahms?“ Wenn er so interpretiert wird wie sein Violinkonzert in D-Dur (op.77) von der Geigerin Ursula Schoch und der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter Peter Wallingers Leitung, dann muss man ihn lieben.

So wurde das in romantische Sehnsucht gehüllte Konzert zum Auftakt der MühlackerConcerto-Reihe selbst im ziemlich nüchternen Uhlandbau-Saal mit Klangfarbenfülle, Ausdruck und Emotion zu einem Fest. Im einleitenden „Allegro“ bauten anfangs verhaltene, später mächtige Orchester-Tutti die Spannung auf. Endlich trat die Solo-Geige herein und entfaltete mit feinem Diskant ihr Thema, bezauberte im eng verwobenen Dialog mit dem Orchester in Akkord-Brechungen, virtuosen Doppelgriff-Passagen und soghaft mitreißenden Steigerungen, die zum Abschluss des ausgedehnten Satzes in eine kunstvoll ausgestaltete Kadenz einmündeten. Da hielten nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Musiker den Atem an.
Es folgten das breit ausgezogene „Adagio“, dessen klangseligen Violingesang die Solistin mit strahlend reinen, samtig weichen Linien ausstattete. Und der rhythmisch rasant musizierte Finalsatz mit brillanten Solo-Abschnitten.
Freilich bewegte sich Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters, auf vertrautem Terrain. Sie hat Brahms’ Violinkonzert schon mehrfach auch auf CD eingespielt. Zudem hat Wallinger, ihr einstiger Musiklehrer am Bietigheimer Ellental-Gymnasium, Schochs Karriere begleitet. Kein Wunder, dass ihr mit makelloser Technik und hoher Spielkultur absolvierter, von Virtuosengehabe sympathisch freier Auftritt abgeklärt und vollendet wirkte.
Im ersten Programmteil des unter das Motto „Zauber der Romantik“ gestellten Konzerts präsentierte das Ensemble frisch und temperamentvoll die bekanntesten Sätze aus Mendelssohn Bartholdys Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ und sehr einfühlsam den dunkel eingefärbten „Valse triste“ aus op.44 von Jean Sibelius. Es war ein großer Abend.
Eckehard Uhlig
Meisterlich interpretierte Klavierkonzerte
Pianisten-Schwestern Marina und Magdalena Müllerperth gefeiert
Strahlend schönes Klavierkonzert Nr. 2 von Mendelssohn Bartholdy

Selten erlebt man ein Orchester, das sich mit solcher Hingabe in den Dienst der Solisten stellt, wie die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung ihres Chefs Peter Wallinger. Freilich konzertierte in Mühlacker nicht irgendwer, sondern die Pianisten-Schwestern Marina (19) und Magdalena (22) Müllerperth, die – als geborene Pforzheimerinnen in Maulbronn-Schmie aufgewachsen und in der Senderstadt zur Schule gegangen – in der Region einen herausgehobenen Stellenwert genießen.
Feurig flott, die Folklore-Akzente rhythmisch betont, stimmte die Kammersinfonie im restlos ausverkauften Uhlandbau mit Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms auf das Festkonzert ein. Dann interpretierte Marina Müllerperth zusammen mit dem Ensemble Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur (Hob XVIII:11). Mit lebendiger Dynamik aber nicht aufdringlich hämmernd, gab sie den ersten Satz („Vivace“), lyrisch-nachdenklich, mit schön ausgearbeiteter eigener Kadenz den zweiten („Un poco adagio“). Im Finale („Rondo all’ Ungarese“) brillierte die Jungpianistin mit Tempo und flüssigem, teils gezacktem Laufwerk sowie einem fulminanten Abschluss.
Ihre Zugabe, Maurice Ravels „Alborada del gracioso“, erwies sich als farbintensives, mit versierter Technik vorgetragenes Virtuosenstück.
Nach der Pause spielte Magdalena Müllerperth Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert Nr. 2 in d-Moll (op.40), wobei Peter Wallinger am Pult und das Orchester alles daran setzten, die attraktive Meisterpianistin auch musikalisch ins rechte Licht zu rücken. Und das strahlte in Mühlacker besonders hell: spannungsgeladen-federnd ihr Anschlag, leidenschaftliches Auftrumpfen im „Allegro appassionato“, geradezu romantisch verträumt die in geschmeidigen Übergängen modellierte Klangstruktur im „Adagio. Molto sostenuto“. Schließlich steigerte sich Magdalena Müllerperth nach explodierendem Orchesterauftakt kraftvoll attackierend in die wuchtige Stretta des abschließenden „Presto scherzando“ hinein.
Dass sie es auch ganz anders kann, ohne dramatischen Impetus, demonstrierte die Solistin mit Johann Sebastian Bachs ruhig fließender „Gigue“ (aus der Französischen Suite Nr. 5). Am Ende dankte das Publikum mit begeistertem Applaus.
Eckehard Uhlig
Jubiläumsedition 2014
Konzertsaison der „sueddeutschen kammersinfonie“ auf Doppel-CD festgehalten
Mühlacker. Live-Mitschnitte von Konzerten haben einen besonderen, auch atmosphärischen Reiz – vor allem dann, wenn das eigene Erlebnis der auf Schallplatten festgehaltenen Ereignisse hinzu-kommt. Die vielen Besucher der Konzerte von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim und natürlich auch andere Musikfreunde werden deshalb für die vorgelegte Doppel-CD dankbar sein, die Höhepunkte der Konzertsaison 2014 dokumentiert und gleichzeitig das Doppel-Jubiläum „30 Jahre Kammersinfonie“ und „10 Jahre MühlackerConcerto“ gebührend würdigt.
Zu hören sind auf den von Wallinger in Eigenregie produzierten Tonträgern Gioacchino Rossinis „Sonata per archi Nr.1 G-Dur“ mit Chihiro Saito (Solo-Cello) und Simon Wallinger (Kontrabass). Als Raritäten gibt es „Nordische Impressionen“ – ein Marsch aus Max Bruchs Serenade nach schwedischen Volksmelodien, Edvard Griegs „Nordische Weisen“ (op.63,2), eine „Humoreske“ (op. 89b) von Jan Sibelius für Solovioline und Orchester (mit Sachiko Kobayashi), Carl Nielsens „Suite für Streichorchester“ (op.1) und Pehr Henrik Nordgrens „Des Spielmanns Lieblingsmusik“ (op.26). Dieser Programmteil aus dem Neujahrskonzert 2014 spiegelt die Vorliebe der Interpreten für skandinavische Komponisten wieder. Freilich ist auch ein anderer Lieblingsautor, nämlich Antonín Dvorák, mit drei Sätzen aus seiner „Böhmischen Suite op.39“ (Adventskonzert) vertreten.
Die Highlights aber sind die Einspielungen von Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (op.64) mit der Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters Ursula Schoch sowie Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr.3 Es-Dur op.55 („Eroica“). Das Mendelssohn-Konzert wird in einer klangschönen, im Solo spieltechnisch makellosen Interpretation geboten, die mit jeder Star-Besetzung konkurrieren kann. Mit der „Eroica“ stemmen Wallingers Orchestermusiker ein klassisch-sinfonisches Meisterwerk in einer originell und frisch wirkenden Wiedergabe, die ihre Überzeugungskraft gerade aus der reduzierten, aber auch konzentrierten kammerphilharmonischen Besetzung des Orchesters bezieht.
Also eine empfehlenswerte Doppel-CD, die beim Hören rundum Freude bereitet.
Die CD ist für 15 EUR über cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de oder Tel 07043-7512 erhältlich.
Eckehard Uhlig
„Voyage fabuleux“ – eine fabelhafte Reise
Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau
Mühlacker. Oft gleichen Neujahrskonzerte einem sich wiederholenden Ritual: Hier Strauß-Walzer-Träume samt Radetzky-Marsch, dort Beethovens „Neunte“. Etwas einfallsreicher präsentieren Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie ihrem Mühlacker Publikum Neujahrsgrüße – in Form einer spritzigen Melange aus Text und Musik. Zusammen mit den Schauspielern Nathalie Cellier & Peter Steiner vom deutsch-französischen Xenia-Theater servierten die Musiker heuer eine „Voyage fabuleux“, eine fabelhafte Reise in Wort und Ton.
In meisterlicher Deklamation, aufgelockert durch dialogisches Spiel, rezitierten die beiden Theater-leute teils in kristallklarem Französisch, teils in deutscher Übersetzung vier berühmte Fabeln von Jean de La Fontaine. Darunter „La Cigale et la Fourmi“ (Die Grille und die Ameise), wobei Cellier die Stimme der singenden Cigale im heiteren Stil französischer Chansons nachahmte, und „Le Corbeau et le renard“ (Der Rabe und der Fuchs). Hier setzte sich der Rabenvogel, der aus Eitelkeit seinen duftenden Käse verspielt, mit Glitzerschmuck, Perücke und Rüschenbluse verkleidet, charmant in Szene.
Mit Wallinger am Pult musizierte die Kammersinfonie zu der Fabel „Das Huhn mit den goldenen Eiern“ Jean-Philippe Rameaus barock-lautmalerisch sehr lustig auf das Hühnergegacker anspielen-des G-Moll-Konzert „La Poule“. Zur Fabel „Der Tod und der Holzfäller“ interpretierte das mit 16 Streichern besetzte Ensemble den zeitgenössischen, zuweilen schrill-dissonanten, in manchen Passagen aber auch klangschön mit feinem Violin-Gesang durchsetzten „Furuenes Sang“ (Gesang der Tannen) des norwegischen Komponisten Halvor Haug. Zu den beiden anderen Fontaine-Fabeln erklangen tänzerisch ausgefeilte Barkarolen und Walzer von Peter Tschaikowsky aus dessen „Jahreszeiten““ (op.37a).
Ein Ohrwurm-Rausschmeißer, Wolfgang Amadeus Mozarts „Kleine Nachtmusik“, rundete das Mühlacker Neujahrskonzert im ausverkauften Saal des Uhlandbaus musikalisch schwungvoll ab.
Eckehard Uhlig
Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim wartet mit fulminanter „Eroica“ auf
Mühlacker. Peter Wallingers frei finanzierte sueddeutsche kammersinfonie bietigheim hat nichts mit dem üblichen Tarif-Orchesterbeamtentum gemein. Das erfordert auf der einen Seite viel Mut und Risikofreude, andererseits bietet sein Ensemble Chancen für junge Musiker sich zu profilieren.

So am Samstag im Mühlacker Uhlandbau, wo Trompetenprofessor Reinhold Friedrichs Meisterschüler Eline Beumer und Saleem Khan mit erfrischendem Elan aufspielten und Petronio Franceschinis Konzert D-Dur für zwei Trompeten und Orchester mit metallisch gleißendem Bläserglanz ausstatteten. Das „Adagio“ leuchtete in sehr zarten Farben, in den „Allegro“-Sätzen pulsierte barock prächtiges Klanggepräge.
Folkloristisch ausgelassen kam dann Edvard Griegs „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ (op.65, 6) daher. Passend dazu die im Programm folgende „Böhmische Suite op.39“ von Antonín Dvorák, deren „Polka“ einen munteren Tanz präsentierte, in der „Romance“ mit Holz- und Blechbläser-gesättigten Tonmalereien aufwartete und mit rauschhaften Paukenwirbeln in ein rhythmisch schwungvolles, fulminantes „Furiant-Finale“ einmündete.
Nach der Pause waren die Zuhörer Zeugen einer aufwühlenden musikalischen Großtat, die Wallinger am Dirigentenpult und seine Kammersinfonie mit Hingabe und Leidenschaft ins Werk setzten. Ludwig van Beethovens „Eroica“ (Sinfonie Nr.3 in Es-Dur, op.55) ist kein orchestraler Spaziergang, sondern fordert die Interpreten bis an ihre Grenzen. In Mühlacker erlebte man – trotz der kleinen (aber sehr ausgewogenen) kammerphilharmonischen Orchesterbesetzung – eine klare, neue Art, Beethovens Symphonik intelligent durchgeformt anzugehen, eine Wiedergabe, die bemerkenswerte Energien entfesselte, aber auch kraftvolle Sammlung und Ruhe ausstrahlte. Die Interpretation des einleitenden „Allegro con brio“ zeichnete sich durch dynamisch spannungsreich akzentuierte, straff durchgezogene Tempi aus. Der Trauermarsch („Marcia funebre. Adagio assai“) entfaltete sich mit singender Oboenstimme elementar und heroisch, im „Scherzo“ bereiteten verlangsamte Formteile auf triumphale Crescendi vor. Die zwingend entwickelten Final-Variationen im letzten Satz entfachten mit ihrer Kühnheit und Wucht „Feuer im Geiste“, wie es Beethoven selbst formulierte. Über dieses Konzert lässt sich sagen: Die Begeisterung höret nimmer auf.
Eckehard Uhlig
Sensationelles Kontrabasskonzert beim „Musikalischen Sommer“
Mühlacker-Lienzingen. Der Kontrabass gilt wegen seiner Korpulenz und Behäbigkeit als Elefant unter den Musikinstrumenten. Sprichwörtlich ist die musikalische Dickfelligkeit der Bassgeige vielleicht ein Grund, weshalb Solo-Auftritte und Solokonzerte mit ihr selten sind.

Der „Musikalische Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche präsentierte jetzt unter dem Motto „Mediterrane Streifzüge“ einen sensationellen Bändiger des widerspenstigen Streichinstruments. Der 1980 geborene Deutsch-Ägypter Nabil Shehata, der als erster Kontrabassist in der Geschichte den ARD-Wettbewerb gewann, zeigte den Konzertbesuchern, was im „Elefanten“ steckt.
Gemeinsam mit der Süddeutschen Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger interpretierte Shehata das Konzert h-Moll für Kontrabass und Orchester von Giovanni Bottesini (1821–1889) und brillierte in den mit atemberaubend rasantem Laufwerk, extremen Sprüngen und delikaten Flageolett-Tänzchen gespickten „Allegro“-Ecksätzen. Ein Wunder ereignete sich im Melodie-seligen „Andante“-Mittelsatz: So elegant schön kann die Bassgeige singen, mit zartem Belcanto-Schmelz in herrlich gebundenen, hohen Bögen und mit einer warmen, samtig weichen Stimme, für die „Sinnlichkeit“ ein untertreibender Ausdruck ist.
Da war natürlich eine Zugabe fällig, die der sympathische Meister mit einer für Kontrabass und Streicher bearbeiteten „Habanera“ von Maurice Ravel gewährte.
Im Strahlenkranz dieses musikalischen Leuchtturms offerierten Wallinger und sein Ensemble weitere Kostbarkeiten. So Gioacchino Rossinis „Sonata per archi“ Nr. 1 in G-Dur mit drei Sätzen und passend dazu Ottorino Respighis III.Suite aus „Antiche Danze ed Arie“ mit ihren farbenreichen, fein ausdifferenzierten italienischen Tänzen. Und dann ein zusätzliches Highlight: die Wiedergabe des Orchesterstücks „La Oración del Torero“ (Das Gebet des Torero) von Joaquín Turina (1882–1949), von andalusischer Leidenschaft befeuert, mit melodisch funkeln-dem Charme.
Eckehard Uhlig
Reiche Klanglandschaften
Jubiläumskonzert: 30 Jahre „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“. Es ist immer wieder ein Glück, Ursula Schoch, die exzellente Geigerin und Konzertmeisterin des weltberühmten Concertgebouw Orchesters Amsterdam, hören zu dürfen. Sie ist sich nicht zu schade, in ihrer Heimatregion auch vor vergleichsweise kleinem Publikum zusammen mit Peter Wallinger und seiner „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau zu musizieren.

Virtuos: Ursula Schoch und die „süddeutsche kammersinfonie“. Foto: Fotomoment
Beim Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen der Kammersinfonie spielte Schoch Felix Mendelssohn-Bartholdys anspruchsvolles e-moll Violinkonzert op.64. Die temperamentvolle Präsenz, mit der die Solovioline gleich im zweiten Takt des ersten Satzes (Allegro molto appassionato) hervortritt, meisterte Schoch souverän: Klangfarbe und Phrasierung weiteten sich in Dreiklangsbrechungen zu Sehnsuchtsseufzern über flirrenden Orchester-Streichern und lockenden Pauken. Dann glühte ihr satter Geigenton, um in rasanten Skalen bis in höchste Lagen aufzusteigen. Die überraschende Kadenz in der Satzmitte schien von sinnlicher Poesie erfüllt, um schließlich, Tempo aufnehmend, kraftvoll in die Orchestertutti einzumünden. Solopassagen des sich unmittelbar anschließenden zweiten Satzes (Andante) verzauberten mit zart verschwebendem Schmelz. Ausdrucksstarke Doppelgriff-Sequenzen folgten. Im Finalsatz (Allegro molto vivace) lösten sich die Spannungen solistisch in musikantischen Ausrufezeichen, wunderbar schwerelos gebotenem Laufwerk und federnden Springbögen bis zum auftrumpfenden Abschluss.
Wallinger und sein Ensemble hatten das Konzert mit dem dramatischen Gestus der Egmont-Ouvertüre op.84 von Ludwig van Beethoven eingeleitet. Nach dem gemeinsamen Auftritt mit Ursula Schoch beeindruckte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und ihr ungewohnt leidenschaftlich am Pult agierender Dirigent mit der Wiedergabe von Franz Schuberts h-moll-Sinfonie D 759, der „Unvollendeten“. Das im Einleitungssatz geheimnisvoll und dunkel einsetzende Unisono der Bassgruppe oder das in den Holzbläsern über vibrierenden Streicherteppichen singende Hauptthema zelebrierten die Interpreten mit unerhörter Emotionalität. Im zweiten Satz bestimmten synkopische Unruhe, später auch ein strahlender Bläsersatz den einfühlsam zu struktureller Geschlossenheit überführten harmonischen Reichtum. Wallinger hielt die Aufführung unter nie nachlassender Spannung und zeichnete mit seinen Musikern fantastische Klanglandschaften. Würdiger hätte das begeistert aufgenommene Jubiläums-Musikfest kaum begangen werden können.
Eckehard Uhlig
Mit Musiktheater Neugier auf Klassik geweckt
„Herr Buffo und der Notendieb“ im Uhlandbau Mühlacker überzeugt junge Hörerschar Mühlacker. Seit vielen Jahren verfolgen die Musiker der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung von Peter Wallinger mit der Pyrmonter Theater Companie von Jörg Schade in erfolgreicher Zusammenarbeit das Konzept „Klassik für Kinder“ als Musiktheater. „Herr Buffo und der Notendieb“ ist der Titel eines spannenden Musik-Krimis aus der Feder des Theaterleiters, mit dem das Ensemble am vergangenen Donnerstag erstmals auch im Uhlandbau Mühlacker innerhalb der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ gastierte und in zwei ausverkauften Vorstellungen weit über fünfhundert Schüler der Klassenstufen eins bis fünf aus Mühlacker und Nachbargemeinden begeisterte.

Antonio Buffo, meisterhaft verkörpert durch Jörg Schade, ist ein vielbeschäftigter Komponist und Notentüftler, der gemeinsam mit seinem „musikalischen Spitzenteam“ Stücke zu besonderen Anlässen komponiert und Noten repariert.
Da hat zum Beispiel der Hund von Herrn Suppengrün beim letzten Gartenfest ein Notenblatt zerfetzt, wobei der wichtige vierte Ton des Motivs von Beethovens Schicksalssinfonie verloren ging. Dieser muss ebenso gefunden werden wie ein rhythmischer Effekt zu Lortzings Holzschuhtanz oder eine Geburtstagsmusik im Auftrag von Fräulein Bockmüller.
Bei alledem wurden die klassenweise angereisten jungen Besucher geschickt in die Handlung mit einbezogen. Mit viel Spaß und großem Eifer beteiligten sie sich klatschend, singend und aufmerksam zuhörend. Denn viele bekannte Musikstücke wurden passgenau in das Bühnengeschehen eingeflochten, so Ausschnitte aus Smetanas „Moldau“, Griegs „Peer Gynt“, Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ oder Schumanns „Träumerei“.
Mit sichtlichem Vergnügen und schauspielerischem Engagement waren auch die Musiker der Kammersinfonie bei der Sache: Georg F. Meyer an der Klarinette, Michael Makarov an der Violine, Patrick Burkhardt am Violoncello und Simon Wallinger am Klavier.
Eine Tages geschehen in Herrn Buffos bunter Dachkammer äußerst mysteriöse Dinge: Noten geraten durcheinander oder verschwinden ganz. Eine Detektivin – hervorragend gespielt von Dorit Meyer-Gastell -, die zufällig eine Etage tiefer wohnt und Musik eigentlich nicht besonders liebt, wird eingeschaltet. Zu aller Überraschung entpuppt sie sich selbst als schlafwandelnde Täterin, die am Ende doch noch der Musik etwas abgewinnen kann und sich sogar zu einem Duett mit Herrn Buffo bewegen lässt. Das junge Publikum stimmt in auf Tafeln gezeigten Refrains freudig mit ein.
Eine Stunde spannendes Musiktheater vor kunstvoll gestalteter Dachkammerkulisse, mit exzellent vorgetragener auf die jungen Hörer fein abgestimmter Musik, gespickt mit vielen, ganz ungezwungenen pädagogischen Einfällen vergeht wie im Flug und hinterlässt hell begeisterte Kinderherzen.
Klartext funkelt in jeder Note Wallingers sueddeutsche kammersinfonie stellt ihre Jahres-CD vor
Seit Jahrzehnten beschenken Maestro Peter Wallinger und die sueddeutsche kammersin-fonie bietigheim die Region mit facettenreichen Konzertprogrammen – beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche und mit der „Concerto“-Reihe im Mühlacker Uhlandbau. Seit 2005 dokumentieren Wallinger und sein Orchester jeweils auf einer Jahres-CD Höhepunkte der Konzertsaison mit live-Aufnahmen. Die CD „live 2013“ ist soeben erschienen und erfreut die Lien-zinger und Mühlacker Konzertbesucher mit musikalischen „Wiederbegegnungen“, andere Klassik-Freunde mit der Qualität einer renommierten Kammersinfonie und herausragenden Solisten.

Diesmal wurden das Programm des Adventskonzertes 2013, das im Uhlandbau zu hören war, sowie die beim „Musikalischen Sommer“ gespielte Serenade für Streichorchester in E-Dur op.22 von Anto-nín Dvorák ausgewählt.
Jubilierende adventliche Festfreude in Antonio Vivaldis C-Dur-Konzert für 2 Trompeten und Streicher (op.46, Nr.1) eröffnet den Live-Mitschnitt. Mit erfrischendem Bläser-Glanz brillieren die beiden jungen Trompeter Eline Beumer und Saleem Khan (aus Reinhold Friedrichs Meisterklasse) und zeigen ihr Können in den virtuos entzündeten, strahlenden Allegro-Ecksätzen. Stimmungsvolle Melancholie bestimmt die von Mezzo-Sopranistin Maria Rebekka Stöhr sehr zart und andächtig gesungene Arie „When I am laid in earth“ aus Henry Purcells Oper „Dido und Äneas“. Dieser me-lancholische Grundton findet eine feierliche Ausgestaltung in Georg Friedrich Händels Instrumen-tal-Ode zum Geburtstag von Queen Anne (1713) mit dem Titel „Eternal source of Light divine“. Das „Alleluja“ aus Exsultate, jubilate“ (KV 165) von Wolfgang Amadeus Mozart – vokal-affekten-reich wiederum von Stöhr ausgeführt – leitet zum festlichen Konzertanlass zurück.
Das Hauptstück der CD, Mozarts Sinfonie Nr.41 in C-Dur (KV 551), auch als „Jupiter-Sinfonie“ bekannt, ist eine interpretatorische Meisterleistung. Zügig und gezügelt gleichermaßen bestreiten Dirigent Wallinger und sein Ensemble ihren Part, Klartext funkelt in jeder Note. Insbesondere fällt die traumhafte Transparenz in den dynamisch ausdifferenzierten vier Sätzen auf: Klassizismus, der weder langweilt noch einschüchtert, sondern mit intensivem Musizieren beglückt. Die Interpretation der populären Dvorák-Serenade zeichnet sich durch die Betonung volkstümlich-tänzerischer Klang-Stimmungen aus. Das Süße und das Bittere der liedhaften Melodielinien halten auf wunderbare Weise Balance. Insgesamt ist die solide Wiedergabe-Qualität der CD auch in technischer Hinsicht zu loben.
Die CD ist für 12€ über E-Mail cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de zu beziehen und in den Buchhandlungen Elser (Bahnhofstraße Mühlacker) und Krüger (Klosterhof Maulbronn) erhältlich. Hörbeispiele gibt es auf der Website www.sueddeutsche-kammersinfonie.de
Eckehard Uhlig
Prüfstein für einen Dirigenten
Konzert unter Leitung von Peter Wallinger erweist sich als Leckerbissen Weit weg vom üblichen Kaufhaus-Weihnachtslieder-Gedudel präsentierten Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie unter dem Motto „Jubilate“ ein Orchesterkonzert, das im Mühlacker Uhlandbau mit Musik zum Advent erfreute.

Mit Temperament musizierten Ensemble und die beiden jugendlichen Solisten Salem Khan und Eline Beumer das einleitende populäre C-Dur-Konzert für zwei Trompeten und Orchester (op.46, Nr.1) von Antonio Vivaldi: ein forsch angegangener musikantischer Jubel, spritzig und lustbetont, barockes Instrumental-Feuerwerk auf der Ebene von Glanz- und Schmetterparaden.
Dann folgte ein von Wolfgang Amadeus Mozarts Solo-Motette „Exsultate, jubilate“ (KV 165) um-rahmter Programmabschnitt, in dem sich die Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr mit dunkel tremolierendem Timbre in kontrastreichen Vokalkompositionen auszeichnete. Überlegt die Dosie-rung der virtuosen Koloraturen bei Mozart, festlich jubelnd der „Alleluja“-Satz. Mit Henry Purcells „When I am laid in earth“ (aus „Dido und Äneas“) fügte die Solistin der Jubel-Orgie melancholische Trauerstimmung hinzu.

Orchester wurde mitgerissen
Ihre spielerisch-mitreißende Wiedergabe der Kavatine „Cruda sorte“ („Grausames Schicksal“), in der Stöhr als die gefangen genommene, feurige Isabella (aus Gioacchino Rossinis „Die Italienerin in Algier“) äußerlich und belcantistisch überzeugte löste viel Beifall aus. Und auch das Orchester wurde förmlich von der Solisten mitgerissen.
Eine meisterliche Interpretation von Mozarts Sinfonie C-Dur KV551 („Jupiter-Sinfonie“) lieferte das Orchester unter der engagierten Leitung Wallingers im zweiten Programmteil des Adventskonzertes ab. Das in den Ohren der Musikfreunde ein wenig abgenutzte und dennoch großartige Werk ist ein Prüfstein für das Besondere, das der Akteur am Dirigentenpult zu leisten vermag. Mit Leidenschaft zelebrierte Wallinger den „Vivace“-Charakter des Eröffnungs-Allegros, mit unerhörtem Tempo das „Molto Allegro“ des Finalsatzes.
Zwischen diesen vielfarbig strahlenden Ecksätzen gab es in abgeklärter Ruhe zauberhafte Klangpoesie mit schönen Bläser-Anteilen im „Andante cantabile“ und ein graziös-schwereloses „Menuetto“. Insgesamt war das Konzert ein musikalischer Leckerbissen, ein Mozart-Geschenk zur Vorweihnachtszeit.
Eckehard Uhlig