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admin

Solisten fesseln mit ihrem Vortrag

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim trat im Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium vor 100 Zuhörern auf. Drei Solisten prägten die Darbietungen der Musiker ganz besonders.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim trat Leitung von Peter Wallinger in Sachsenheim auf.
Foto: Martin Kalb

Das 25. Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim bracht am vergangenen Samstag Stücke von Benjamin Britten, Franz Schubert und Antonín Dvorák in das Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim. Ab 19 Uhr füllte sich dort die Aula, in die das Konzert wegen des unsicheren Wetters verlegt worden war, mit gut 100 Besuchern.

Drei Solisten überzeugen
Unter der Leitung von Peter Wallinger, Gründer und Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, waren auch diesmal wieder drei Solisten dabei, dieses Jahr Chihiro Saito mit dem Violoncello, Tenor Kai Kluge und Hornist Reimer Kühn. Alle überzeugten beim Auftritt in Sachsenheim mit ihrem Können. Kühn studierte in Hamburg an der Hochschule für Musik und Theater und, nach Erhalt seines Diploms, an der Musikhochschule Köln. Schon während dem Studium spielte er in dem Kieler Philharmonischen Orchester und bei den Hamburger Philharmonikern Nach dem Studium war er stellvertretender erster Hornist am Nationaltheaterorchester Mannheim. Seit 1992 ist er Solohornist des Staatsorchesters Stuttgart. Kühn, der im Alter von Jahren begann, Horn zu spielen, ist zudem Gründungsmitglied des Mannheimbrass Quintetts, einem der führenden Blechbläserquintette des Landes. Kluge begann seine musikalische Ausbildung bei den Aurelius Sängerknaben in Calw. Während dem Studium wurde er vom Opernstudio des Staatstheaters Karlsruhe engagiert, er wechselte 2016/17 ans Opernstudio des Staatstheaters Stuttgart und wurde im Jahr darauf fest im Ensemble angestellt. 2014 gewann er den ersten Preis der Opernakademie Baden-Baden, 2015 kam er beim Internationalen Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ im Lied-Duo mit seiner Schwester ins Finale.

Chihiro Saito ist schon seit vielen Jahren Solocellistin bei der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Nach dem Studium in Tokio an der University of Fine Arts and Music und in Stuttgart an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst gewann sie sowohl als Solocellistin und als Mitglied des Lotus String Quartetts international Preise, etwa in Japan und Italien. Bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen trat sie bereits auf, ebenso wie beim Schleswig-Holstein Musikfestival, beim Davos International Music Festival, bei den Mecklenburg-Vorpommern Festspielen, beim Luzern Festival, bei den Schwetzinger Festspielen und beim Rheingau-Musikfestival.

Vier Streicher begleiten Saito
Den Beginn des Konzerts machten Kluge und Kühn mit der Serenade op. 31 für Horn, Tenor und Streicher von Benjamin Britten. Den zweiten Teil der gut einstündigen ersten Hälfte bestritt Saito mit der,,Arpeggione“- Sonate D 821 von Franz Schubert. während im ersten Teil das ganze Orchester spielte, begleiteten Saito vier Streicher. In der zweiten Hälfte des einmal mehr überzeugenden Konzerts der Kammersinfonie stand Dvoráks Serenade E-dur op. 22 auf dem Programm.

Bei der Gestaltung des Programms wählt Peter Wallinger zuerst das Thema und die entsprechenden Stücke aus, an diesem Abend eben die beiden Serenaden und die Sonate. Davon abhängig wurden dann die Solisten gewählt. Saito und Kühn sind bereits im Orchester, der Kontakt zu Kluge kam über Kühn zustande. Das Talent des jungen Tenors beeindruckt Wallinger, der ihm eine enorme Karriere prophezeit, „warten Sie nur ein halbes Jahr.“ Wer in Sachsenheim dabei war, möchte ihm da kaum widersprechen.

Jonathan Lung

Ein ungeheures Hörvergnügen

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begeistert beim Sommerkonzert


Brillant: Peter Wallingers Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim bei ihrem Auftritt Sachsenheim
Foto: Alfred Drossel

SACHSENHEIM. Obwohl das ursprünglich als Open-Air-Veranstaltung geplant Sommerkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) angesicht der ungewissen Wetterlage ins Foyer des Lichtensterngymnasium verlegt weden musste, wurde den100 Besuchern am Samstagabend tatsächlich ein besonderes Konzerterlebnis zuteil.

Dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, als Programmgestalter stets darum bemüht ist, Vertrautes neu und Neues vertraut klingen zu lassen und inmitten von Höhepunkten klassischer Musikliteratur auch Entdeckungen zu ermöglichen, ist weithin bekannt. Mit dem Programm des „Sommerlichen Serenadenkonzerts“, das am Folgetag nochmals als Matinee bei seinem Festival „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche gegeben wurde, hat sich der Maulbronner Dirigent allerdings schlicht selbst übertroffen.

Bereits der Auftakt mit Benjamin Brittens „Serenade für Tenor, Horn und Streicher“ (Op. 31) bereitete ungeheures Hörvergnügen: Selten gespielt und nach wie vor unterschätzt, gehört dieser 1943 im Umfeld seiner Oper „Peter Grimes“ entstandene Orchesterliedzyklus mit zu den eindringlichsten Werken des britischen Komponisten. Ein ausgesprochener Glücksfall, dass mit dem jungen, lyrischen Tenor Kai Kluge und dem Solohornisten Reimer Kühn, beide an der Staatsoper Stuttgart beschäftigt, zwei exzellente Solisten zur Verfügung standen.

Gerahmt von einem fanfarenartigen Prolog, auf die Naturtonreihe des Horns beschränkt, und dessen Reprise als Epilog, den Kühn, der Anweisung des Komponisten folgend „aus der Ferne“ -in diesem Fall aus einem Aufenthaltsraum im Rücken des Publikums erklingen ließ, hat Britten eine Miniaturanthologie altenglischer Lyrik vertont, die das Thema der Nacht aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Hinreißend, wie Kluge die Texte von Charles Cotton, Lord Tennyson, William Blake, Ben Jonson und John Keats in ausgezeichneter Artikulation und mühelos ansprechender Intonation zum Klingen brachte. Sensibel gestaltete Liegetöne in der getragenen Pastorale, atemberaubend die dynamische Behandlung der zentralen, auch in sich symmetrischen Elegy wie die dramatische Emphase der Dirge, brillant die Koloraturen der Hymne, Seelenbalsam die offenen Vokale im Sonett.

Die immense Qualität des SKB kam dann nach der Pause in Dvoráks E-Dur-Serenade (Op. 22) voll zum Tragen: Fünf Sätze, in denen jede einzelne Musikerin, jeder einzelne Musiker über sich hinauswuchs – kleines Orchester, ganz groß.

Als kammermusikalische Perle dazwischen Schuberts „Arpeggione“-Sonate (D 821), exzellent dargeboten von Solocellistin Chihiro Saito, begeleitet lediglich von einem Streichquartett mit Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine) und Tomoko Yamasaki (Viola), ein Dreiviertel des Lotus String Quartets auf der Bühne. Dass Wallinger und die SKB nach fulminantem Beginn die Spannung aufrecht zu halten wussten, gehört mit zur Erfolgs- geschichte dieses Sternstundenserenadenabends.

Harry Schmidt

Mir geht es um das Innenleben der Musik

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Seit über drei Jahrzehnten bereichert Peter Wallinger mit seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Klassikmusiklandschaft der Region. Ein Gespräch mit dem Maulbronner Dirigenten über prägende Erfahrungen, Klangideale und Zukunftspläne.

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Vor 35 Jahren gründete Peter Wallinger mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ein Orchester, dessen Name mittlerweile weit über die Region hinaus einen außerordentlich guten Klang besitzt. Fünf- bis sechsmal im Jahr versammeln sich bis zu 40 Musikerinnen und Musiker um den 1950 in Mühlacker geborenen Dirigenten. Die Qualität des Projektorchesters hat sich herumgesprochen – längst sind Auftritte wie ihre Neujahrskonzerte in Bietigheim, Mühlacker und Murr zu Konstanten im Veranstaltungskalender musikinteressierter Kreise geworden. Auch die am Wochenende in Sachsenheim und Lienzingen anstehenden „Sommerlichen Serenaden“ haben Tradition. Wir haben uns im Vorfeld mit dem rührigen Kapellmeister unterhalten.

Herr Wallinger, was hat dazu geführt, dass Sie Dirigent geworden sind?
PETER WALLINGER: 
Musik war von Kindesbeinen an meine Leidenschaft. Meine Eltern waren Musikliebhaber, aber keine Musiker. Schon in der Schulzeit ging ich meine ganz eigenen Wege, lernte Geige und Klavier. Als ich nach einem recht guten Abitur Musik studieren wollte, war mein Vater nicht besonders glücklich darüber. Aber mein Entschluss, dass es für mich nur die Musik gibt, stand früh fest. Ich hatte damals gar nicht vor, unbedingt Dirigent zu werden; die Musik hat mich erst mal in ihrer gesamten Breite interessiert. Nachdem ich in Stuttgart das Studium der Schulmusik und Mathematik relativ schnell absolviert hatte, habe ich die Kapellmeisterklasse bei Professor Thomas Ungar besucht und mich parallel dazu für Musikwissenschaften in Tübingen eingeschrieben.

Welche einschneidenden Erfahrungen aus dieser Zeit klingen bis heute nach?
Das waren vor allem die Dirigierkurse von Sergiu Celibidache, als er in den Siebzigerjahren nach Stuttgart kam. Während der Zeit, als Celibidache das RSO Stuttgart leitete, habe ich regelmäßig daran teilgenommen. Obwohl ich kein hundertprozentiger Fan gewesen bin, waren das doch ausgesprochen prägende Erlebnisse. Celibidache hatte eine enorme Aura. In diesen Kursen hat er seine Jünger um sich geschart und eigentlich mehr philosophiert als dirigierpraktische Arbeit geleistet. Dort war ich einer der wenigen, die auf diesem Gebiet bereits erste Erfahrungen gemacht hatten. Am meisten habe ich davon profitiert, bei den Proben zuzuhören: Wie nuanciert er mit Streichern und Bläsern geschliffen hat, um einen möglichst homogenen Klang zu erzielen, an Feinheiten wie Vibrato und Agogik gearbeitet hat – das war wirklich beeindruckend. Er war allerdings auch sehr autoritär, hat Musiker und Schüler vor der ganzen Mannschaft abgekanzelt – das war absolut nicht nach meinem Geschmack. Aber er war ein echter Klangmagier.

Was war sonst noch prägend für Ihre Klangauffassung?
Es gab seinerzeit an der Stuttgarter Hochschule ein Ensemble für Neue Musik, unter Professor Erhard Karkoschka, der seinerzeit Komposition unterrichtet hat. Dort habe ich zwei Jahre als Geiger mitgewirkt, in kleiner Besetzung wurden viele Uraufführungen realisiert. Das war manchmal ganz schön anstrengend – etwa wenn man stundenlang nur geräuschhafte, wenn auch sehr raffinierte Klänge erzeugt –, aber für mich eine un- gemein interessante, sehr wertvolle Er- fahrung. Auch die Zeit als Bratscher im Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter Wolfgang Gönnewein möchte ich nicht missen: 1988 habe ich an der legendären Inszenierung des „Frei- schütz“ mit Loriot mitwirken dürfen, war bei Orchesterreisen nach China oder zum Schleswig-Holstein Musik Festival dabei.

Auch als Musikerzieher am Bietig- heimer Ellentalgymnasium haben Sie einiges bewirkt. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Lehrtätigkeit?
Neben Orchesterreisen mit dem Schulorchester unter anderem nach Frankreich und Italien war eine der Sternstunden die Aufführung von Beethovens Streichquartett Nr. 4 mit der damals zwölfjährigen Ursula Schoch als Primgeigerin. Rund 80 ehemalige Schülerinnen und Schüler aus dieser Zeit haben ihren beruflichen Weg zur Musik gefunden.

Welche Klangvorstellungen verfolgen Sie mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, die Sie 1984 gegründet haben?
Große sinfonische Werke in reduzierter Besetzung zu spielen, ist schon mein Ideal, weil damit ein viel größeres Augenmerk auf Artikulation und Differenzierung einhergeht. Jede Phrasierung, jeder Ton muss bewusst gestaltet werden. Bei 100-köpfigen Sinfonieorchestern, wie ich sie auch dirigiert habe, geht es um die große Fläche. Aber mit einem Ensemble wie der Kammersinfonie geht es um das Innenleben der Musik. Und natürlich ist jeder einzelne Musiker dabei in höchstem Maße gefordert. Ich glaube auch, dass man mit einem kleinen Orchesterapparat dem Originalklang, den sich die Komponisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vorgestellt haben, viel näher kommt.

Welchen Leitgedanken folgen Sie bei der Programmgestaltung?
Es gibt kein Prinzip, wichtig ist die Stimmigkeit der Konzeption. Mal stehen Kontraste im Vordergrund, mal mehr die Idee des Brückenschlags, wobei für mich oftmals Tonarten und Tonartenverhältnisse maßgebend sind. Dann geht es wieder um außermusikalische Themen, die sich in der Musik unterschiedlich spiegeln.

Für das anstehende Sommerkonzert kombinieren Sie Benjamin Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streicher (Op. 31) mit Dvoráks E-Dur-Serenade (Op. 22) und Schuberts „Arpeggione“- Sonate (D 821). Von welchen Überlegungen haben Sie sich dabei leiten lassen?
Diese zwei Serenaden wollte ich schon immer mal zusammenbringen. Von der Atmosphäre her sind beide durchaus ähnlich, und doch besitzt jede eine eigene Charakteristik, auch weil sie aus verschiedenen Epochen stammen. Mit dem jungen lyrischen Tenor Kai Kluge und dem Solohornisten Reimer Kühn, beide von der Staatsoper Stuttgart, konnte ich zwei exzellente Solisten für die Britten-Serenade gewinnen. Und mit der „Arpeggione“-Sonate – ein Traum für jeden Cellisten, den bei uns Chihiro Saito, die Cellistin des Lotus String Quartetts, realisieren wird – möchte ich einen mehr intimen, romantischen Akzent setzen.

Wie bereiten Sie sich auf so eine Aufführung vor?
Oft ziehe ich mich in mein Refugium im Berner Oberland zurück. Auf fast 2000 Meter Höhe betreibt ein befreundetes Paar einen Berggasthof, dessen Gesindestube mir jederzeit offensteht. Diese Abgeschiedenheit wirkt sehr inspirierend auf mich. Auch viele Programmideen entstehen dort oben in Gletschernähe.

Harry Schmidt

Dunkler Einstieg, lichtheller Ausklang

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Peter Wallinger

Mühlacker. Mit dunklem Kolorit malte und gestaltete das Orchester die fantastische Klanglandschaft. Jean Sibelius’ Stück „Der Schwan von Tuonela“ (op. 22, Nr. 2), eine an das Totenreich aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ erinnernde Tondichtung, setzte mit nebulösem Piano ein, um sich dann in breit ausgezogenen Bögen mit schwerblütiger Poesie zu entfalten. Da leuchteten Cello und Englischhorn, da flirrten die Geigen im Tremolo – musikalische Verläufe, den weiten finnischen Seen und dem Flug des mythischen Schwans nachempfunden.

Mit großer Empathie

Sibelius erlebt, gerade auch in der Pforzheimer Region, eine Renaissance, nachdem der Komponist wegen seiner Glorifizierung im „Dritten Reich“ lange gemieden wurde. Und Peter Wallingers sueddeutsche kammersinfonie bietigheim, die das Werk bei ihrem „Frühjahrskonzert“ im ausverkauften Mühlacker Uhlandbau mit großer Empathie aufführte, hat einen gewichtigen Anteil daran.

Danach kontrastierte die Kammersinfonie unter Wallingers Leitung das düstere Sibelius-Gemälde mit Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart in lichthellem C-Dur. Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begeisterten mit Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299), das zu Recht als eines der schönsten Solokonzerte des Wiener Klassikers gilt. Der einführende „Allegro“-Satz, in dem beide Soloinstrumente in parallelem und alternierendem Spiel dominierten, erfreute mit reichen musikantischen Einfällen.

Wunderschön dann das „Andantino“ mit melodienseligem Gesang der Flöte, vom Saiten-Geglitzer der Harfe umzirpt und von zarten Orchester-Einwürfen begleitet. Im abschließenden „Rondo. Allegro“ zeichneten sich die Solistinnen auch durch originelle Kadenzen aus. Ihre Zugabe, ein Stück aus Astor Piazzollas „Café 1930“, bestätigte ihr hohes künstlerisches Niveau.

Festliche Tanzeslust

Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Ensemble Mozarts „Linzer Sinfonie“ (KV 425). Das vielgestaltige und abwechslungsreiche sinfonische Werk wurde in mitreißender Frische geboten, wobei sowohl die sinnlich zelebrierten Momente (in der „Adagio“-Einleitung) und die festliche Tanzeslust (im „Menuett“) als auch der furios-temperamentvolle Jubelton (im finalen „Presto“) voll zur Geltung kamen. Mit solcher Musik kann der Frühling Einzug halten.

Eckehard Uhlig

Klangkörper präsentiert sich in Bestform

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim lässt zum Abschluss der Winter-Konzertreihe Sibelius und Mozart erklingen


Die Solistinnen Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begeistern das Publikum im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

Das Licht und Dunkel zwei Seiten einer Medaille sind, hat ein Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Uhlandbau in Mühlacker gezeigt.

Mühlacker. Der Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, Peter Wallinger, ist bekannt für seine intelligenten und durchdachten Programmzusammenstellungen, die stets einem übergeordneten Motto folgen.

Das Frühjahrskonzert, das gleichzeitig den Schlusspunkt der diesjährigen Winter-Konzertreihe markierte, trug die Überschrift „Licht und Dunkel“. Dies seien keine Gegensätze, sondern zwei sich ergänzende Seiten einer Medaille, sagte Dr. Christina Dollinger in ihrer gut besuchten Einführung vor dem Konzert. Nicht nur das Leben ist gefangen in dialektischen Wechselspielen, auch die Ausdrucksformen der Künste sind ohne Anspannung und Entspannung, Werden und Vergehen, Freude und Trauer nicht denkbar. In der abendländischen Musik spiegeln sich diese formstiftenden Parameter etwa in der Kadenz-Harmonik, der Dur-Moll-Tonalität und der Klangdynamik wider. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zeigte sich am Sonntag in Bestform.

Allem Anschein nach hatten sich die Musiker mit ihrem Dirigenten Peter Wallinger akribisch auf das Konzert, das mitgeschnitten wurde, vorbereitet. Als erstes Stück erklang „Der Schwan von Tuonela“ des finnischen Komponisten Jean Sibelius, der infolge seiner intensiven kompositorischen Auseinandersetzung mit den Heldensagen und dem Volksgut als Nationalkomponist Finnlands verehrt wird. Der Schwan, hinreißend auf dem Solo-Englischhorn vom Ensemble-Mitglied Andreas Vogel gespielt, lebt in Tuonela, dort, wo in der finnischen Mythologie die Hölle liegt. Das eher dunkel gehaltene Klanggemälde erhielt durch die singenden Streicher eine mystisch-weiche Färbung.

Deutlich heller wurde es im „Konzert für Flöte, Harfe und Orchester“ C-Dur KV 299, einem Juwel in Mozarts Schaffen. Die Aufführung des selten gespielten Werks wurde zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die Solistinnen Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begegneten sich musikalisch auf Augenhöhe. Im Mittelpunkt des technisch anspruchsvollen Doppelkonzerts steht das Zwiegespräch der beiden Soloinstrumente. Mehrere Kadenzen von sublimer Schönheit und virtuoser Eleganz eröffneten den beiden Künstlerinnen ausgiebig Gelegenheiten, ihr Können zu zeigen. Das Orchester begleitete dabei angemessen zurückhaltend und sensibel. Bei genauem Hinhören ist das Werk trotz sprühender Lebensfreude nicht heiter und gefällig in einem oberflächlichen Sinn. Mozart, der das Stück als Auftragswerk für einen Flöte spielenden französischen Aristokraten und seine Tochter komponiert hat, lässt „zwischen den Tönen“ durchaus erkennen, in welch verzweifelter Lage er sich 1778 in Paris befand. Diese Reise, auf der tragischerweise noch seine Mutter starb, führte zu keiner Anstellung und keinen nennenswerten Erfolgen. Guthy-Homolka und Bertrand erhielten langanhaltenden Applaus und gaben vor der Pause noch eine Zugabe.

Die „Linzer Sinfonie“ Mozarts aus dem Jahr 1783 war das stilistisch gut gelungene Abschlussstück des Konzerts. In dieser späten Sinfonie erweist sich das Genie Mozart als Meister subtiler, verborgener Nuancen, die es zu entdecken gilt. Inmitten strahlenden Lichts erklingen zweifelnde Töne, in den fragenden Überleitungen hemmen Synkopen einen allzu glatten melodischen Fluss und in kurzen Moll-Momenten verdunkelt Mozart die vermeintlich heile Welt. Yehudi Menuhin, der große Geiger, meinte einmal, niemand hätte so trauriges Dur und so heiteres Moll wie Mozart komponieren können. Tatsächlich hatte Mozart in seinen letzten Sinfonien, der „Linzer“, der „Prager“, der großen g-Moll-Sinfonie und der „Jupitersinfonie“ längst eine vollendete Meisterschaft erreicht. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Peter Wallinger spielte die „Linzer“ mit rasantem Schwung und großem Bogen, gleichzeitig detailverliebt, etwa bei der Herausarbeitung von Echostellen oder Überleitungen. Die rasenden Zweiunddreißigstel in den hohen Streichern jagten das halbstündige Werk zum strahlenden C-Dur-Schlussakkord. Der überaus herzliche Applaus am Ende zeigte, dass die mehr als zweihundert Zuhörer, die ihren Frühlingsspaziergang wegen des Konzerts verkürzt hatten, ihre Entscheidung nicht bereut haben.

Dietmar Bastian

Ein ungetrübtes Vergnügen

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt mit Solistinnen im Kronenzentrum


Sorgsam abschattierte Transparenz: Die Süddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum. Foto: Oliver Bürkle

Bietigheim-Bissingen. „Licht und Dunkel“, so hat Peter Wallinger das traditionelle Frühjahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) überschrieben. Viel Helligkeit und nur wenig Schatten war am Samstagabend im Kronensaal beim ersten der beiden Konzerte dieses ersten wirklichen Frühlingswochenendes zu verzeichnen. Anderntags wurde das Programm nochmals in Mühlacker gegeben. Ein Großteil des Abends war indes Mozart gewidmet – nachdem Verena Guthy-Homolka, die Solo-Flötistin der SKB, bei der letzten SKB-Zusammenarbeit mit der französisch-amerikanischen Harfenistin Anne-Sophie Bertrand dessen Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299) ins Gespräch gebracht hatte. Mit der 36. Sinfonie, die unter dem Beinamen „Linzer Sinfonie“ bekannt geworden ist, hat Wallinger eine Auswahl getroffen, mit der das glanzvolle Doppelkonzert von 1778 nicht nur den Komponisten, sondern auch die Tonart C-Dur teilt.

Für den Grafen de Guines, einen ambitionierten Amateurflötisten, und dessen Harfe spielende Tochter geschrieben, stellt es bezüglich der Harfenstimme mehr noch als spieltechnische Anforderungen, derer es freilich nicht mangelt. Der Part gilt als hochanspruchsvoll, meldet jedoch gleichzeitig gemeinhin mit dem Instrument verbundene Spielweisen wie Glissandi oder vollflächige Akkorde. Aufgrund dieser Ablehnung eines sich durch plakative Effekte legitimierenden Virtuosentums liegt die ungleich größere Herausforderung im Bereich der musikantischen Gestaltungsmöglichkeiten und Ausdrucksfähigkeit. Kurzum: Verhältnismäßig schwer zu spielen, bietet es dennoch vergleichsweise wenig Gelegenheit zu glänzen. Vor allem aber darf darüber – denn darin besteht, gerade bei Mozart, nahezu die ganze Kunst – die elegante Leichtigkeit dieser Musik nicht abhanden kommen. So hochkonzentriert wie gelöst nahm sich Bertrand dieser heiklen Aufgabe an.

Innige Klangschmelze trifft auf andächtige Stille

Insbesondere begeistere die ungeheuer klare Artikulation, mit der die Musikerin intonierte. Mit Guthy-Homolka stand ihr eine Solistin auf Augenhöhe zur Seite. Nicht so komplex, dafür häufiger als die Harfe in der Führungsrolle ihre Flötenstimme – in Guthy-Homolkas Legato flossen die Töne zu einer innigen Klangschmelze zusammen. Andächtige Stille herrschte im bedauerlicherweise nur mäßig besuchten Saal während der Flothuis-Kadenzen. Maßgeblich zum überaus gelungenen Eindruck, den diese Wiedergabe des Doppelkonzerts hinterlässt, hat auch Wallingers Interpretation mit der SKB beigetragen, sorgsam abschattierte Transparenz auf die fragile Harfenstimme. Das ungemein harmonische Duo der Solistinnen auf sich allein gestellt in der vom enthusiastischen Beifall erzwungenen Zugabe: Berückend gestaltete Melancholie, als mitten in Astor Piazzollas „Café 1930“ die Perspektive umbricht, aus Präsens im nächsten Takt schon Perfekt geworden ist. Der Abend dieses Tages, an dem der Frühling erwacht ist – Magnolienblüten öffnen sich, am Enzufer chillen Horden von Halbwüchsigen zu den neusten Cloud-Rap-Hits, Grillgut sei ausverkauft, hört man im Bus -, er war von ungetrübten vertrüben geprägt.

Welch exquisites Projektorchester Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat und im 35. Jahr ihres Bestehens leitet, in dieser Zeit geformt hat, davon legte bereits der Auftakt mit Jean Sibelius’ „Schwan von Tuonela“, dem zweiten Satz aus dessen „Lemminkäinen-Suite“ (Op. 22), Zeugnis ab, wundervoll das solistische Englischhorn von Andreas Vogel im Dialog mit Chihiro Saito, Stimmführerin der Celli (das Lotus String Quartet komplett in Reihen der SKB an diesem Abend). Ausgedehnte Horizontalität, dunkel grundiert, Paukengrollen knapp oberhalb der Hörschwelle. Gleich einem zarten Gesang der Ensembleklang, den Wallinger seinem Orchester dann im Kopfsatz der „Linzer Sinfonie“ entlockte. Lebendige, atmende Pausen und seine vielgestaltige Schlagtechnik weisen ihn als exzellenten, an Differenzierung und Kontrastbildung interessierten Klanggestalter von großem Formgefühl aus. Locker aus Handgelenk geschüttelt: die Stretta des Finales.

Harry Schmidt

Blütenlese einer starken Saison

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Die neue CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim überzeugt

Mit fünf bis sechs Programmen im Jahr bereichern Peter Wallinger und seine 1984 gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) den Konzertkalender der Region. „Live 2018“, die nun vorliegende sechzehnte CD der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“, ist ein bedacht zusammengestellter Querschnitt der Konzerte des vergangenen Jahres und zeichnet das Bild einer ausgezeichneten Saison. Von Barock und Vorklassik, hier vertreten mit Johann Baptist Georg Nerudas „Concerto per Corno Primo“, über Wiener Klassik und Romantik bis hin zur E-Musik der Gegenwart reicht das Spektrum von Wallingers Projektensemble mit seinen hochmotivierten, oftmals jungen Instrumentalisten in seinen Reihen.

Sein Schwerpunkt liegt jedoch auf der Musik der Mozartzeit. Auch die namhaften Solisten der jüngsten Blütenlese künden vom technischen Anspruch und Niveau sowie der ungeheuren Spielfreude dieser Formation. Im strahlenden Mittelpunkt steht Sebastian Manz mit einer quecksilbrigen Interpretation des Rondeaus aus dem Klarinettenkonzert Es- Dur von Carl Stamitz – unwahrscheinlich die Leichtigkeit seiner Tonbildung und die Chuzpe seiner Phrasierung – und Mozarts Adagio KV 580a, in dem Manz seine empfindsame Seite zeigt.

Einen exzellenten Eindruck hinterlässt auch Markus Bellheim im Adagio assai und Presto aus Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur, ebenso Chihiro Saito im Adagio der „Suite für Streicher“ von Leoš Janácek. Lediglich im Fall von Wolfgang Bauer, an Trompete und Diskanthorn zu hören, ist keine spürbare Beziehung zur SKB wahrzunehmen. Umso erhebender ist daher die so profunde wie entschlackte Wiedergabe der 8. Sinfonie Ludwig van Beethovens.

INFO: Die CD kann unter der Telefonnummer (0 70 43) 4 04 10 oder cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de bestellt werden.

Harry Schmidt

Stile und Genres konkurrieren: Peter Wallingers Jahres-CD „live 2018“ ist erschienen.

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Foto: Uta Süße-Krause

Mühlacker. Die von Peter Wallinger mit eigenen Ensembles und Gästen veranstalteten Musikreihen sind in der Region zur unverwechselbaren Marke geworden.

Seit 1977 erfreut der Musikalische Sommer in der Lienzinger Frauenkirche zahlreiche Besucher, seit 1984 ist Wallinger regelmäßig am Pult seines Projekt-Orchesters sueddeutsche kammersinfonie bietigheim zu erleben, seit 2005 in der winterlichen Jahreszeit auch bei MühlackerConcerto im Uhlandbau (oder in der Historischen Kelter Ötisheim). In vorzüglichen Live-Mitschnitten dokumentieren Jahres-CDs das überaus lebendige Konzertgeschehen.

Auch auf der neuen CD „live 2018“ wird mit großem Ausdrucksspektrum musiziert. Stile und Genres konkurrieren miteinander. Konzerthöhepunkte mit Wallingers Kammersinfonie und gastierenden Solisten werden in sehr guter technischer Klangqualität dargeboten.

Eine Herausforderung

Aus dem Konzert vom 28. April 2018 im Uhlandbau ist die Wiedergabe von Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur zu hören – eine Herausforderung für Pianisten und Orchester, die der renommierte Markus Bellheim am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meistern. Mit pianistischer Frische bewältigt Bellheim den stimmungsvollen „Adagio“-Satz und das mit Schwung tobende finale Klangfeuerwerk.

Ausschnitte aus dem MühlackerConcerto vom 8. Dezember 2018 im Uhlandbau bieten Peteris Vasks’ einfühlsam interpretierte „Musica adventus“ für Kammerorchester sowie die spannungsreich akzentuierte und straff durchgezogene Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 8 in F-Dur (op. 93). Joseph Haydns populäres Trompetenkonzert in Es-Dur (Hob. VIIe: 1) ist (wohl aus urheberrechtlichen Gründen) leider nur mit dem Finalsatz vertreten, den der exzellente Trompeter Wolfgang Bauer mit strahlendem Fanfaren-Forte ausführt. Aus Johann Baptist Nerudas „Concerto per Corno Primo“ sind (mit demselben vielfach preisgekrönten Solisten) die Sätze „Largo“ und „Vivace“ eingespielt.

Einfühlsames Zusammenspiel

Auch das schöne Lienzinger Sommerkonzert vom 8. Juli 2018 fehlt auf der CD „live 2018“ nicht. Beim Wiederhören des „Rondeaus“ aus Carl Stamitz’ Klarinettenkonzert in Es-Dur und des „Adagio“ für Klarinette und Streicher (KV 580a) von Wolfgang Amadeus Mozart sind die Meisterschaft des Interpreten Sebastian Manz und das auf genaue Tempi achtende einfühlsame Zusammenspiel des Klarinettisten mit dem von Wallinger geleiteten Orchester erneut zu bewundern.

Musikliebhaber, nicht zuletzt die regelmäßigen Besucher dieser Konzerte, werden an der Silberscheibe ihre Freude haben.

Eckehard Uhlig

Spielfreude auf CD gebannt

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Neuer Tonträger mit Live-Mitschnitten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erschienen

Das Cover der neuen CD. Foto: privat

Mühlacker. Renommierte Solisten haben im vergangenen Jahr ihre Visitenkarte bei der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim abgegeben und gemeinsam mit dem Orchester vielbeachtete Konzerte gestaltet. Eine neu erschienene CD vereint Höhepunkte aus den Reihen „MühlackerConcerto“ und „Musikalischer Sommer“. Sie markiert die Nummer 16 in der Reihe „Kammersinfonie live“ und bietet Musikfreunden ein breites Portfolio an Kostbarkeiten aus unterschiedlichen Stilepochen.

Der Raum spielt mit; das gilt sowohl für die Konzerte, die unter Peter Wallingers Leitung in der Lienzinger Frauenkirche stattfinden, als auch für jene, in denen der Mühlacker Uhlandbau das Publikum von seiner exquisiten Akustik überzeugt. Und so fühlt sich der Klassikfreund beim Hören der CD unmittelbar in die Atmosphäre der Spielstätten hineinversetzt. Der Elan der Musiker tut sein Übriges, um eine Sogwirkung zu erzeugen. Schon das eröffnende Orchester-Quintett Es-Dur von Josef Mysliveček, aufgenommen am 8. Juli 2018 in der Frauenkirche, legt Zeugnis davon ab, weshalb die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim den Live- Mitschnitt ohne Netz und doppelten Boden nicht scheuen müssen: Differenziert und den pulsierenden Rhythmus aufnehmend gehen sie zu Werke, überzeugen als homogener Klangkörper, der in allen Stimmen hochklassig besetzt ist. Doch die Musiker beherrschen auch das delikate Begleiten, etwa wenn sie Wolfgang Bauer und seinem Diskanthorn in Johann Baptist Georg Nerudas „Concerto per Corno Primo“ den Teppich ausbreiten, auf dem der vielfach ausgezeichnete Professor an der Musikhochschule Stuttgart souverän und beweglich agieren kann. Mit Joseph Haydns Trompetenkonzert Es-Dur, dessen Allegro ebenfalls auf der CD enthalten ist, unterstreicht der Solist seine Qualitäten als Interpret, der rasende Sechzehntelketten, offen daliegende Oktavsprünge und rasch gebrochene Akkorde meistert, als wären sie nicht technische Herausforderung, sondern pure Freude.

Eingebettet in diese Werke findet sich auf der CD ein Gegen- und Ruhepol mit Peteris Vasks’ „Musica adventus“. Hier leitet Peter Wallinger das Orchester zu übergangslos ineinandergreifenden sphärischen Klanggemälden an und fordert schier endlose Bögen einerseits, effektvolle Tontupfer andererseits. Warm und innig gestaltet das Orchester mit Solo-Cellistin Chihiro Saito das Adagio aus Leos Janaceks Suite für Streicher, um dafür in Ludwig van Beethovens achter Sinfonie umso stärker das rhythmische Element zu betonen. Feurig kommt das Eröffnungsmotiv daher, und es liefert den Impuls für schwungvolles, heiteres, ausgefeiltes Musizieren.

Nur gut fünf Minuten dauert das Rondeau aus dem Klarinettenkonzert in Es-Dur von Carl Stamitz, und dennoch stellt es einen der Höhepunkte der CD dar. Solist Sebastian Manz, der bereits mehrfach mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim auftrat, unterstreicht auch in diesem Mitschnitt aus der Frauenkirche, weshalb er beim ARD-Wettbewerb mit dem Ersten Preis ausgezeichnet wurde. Er lässt sein Instrument so selbstverständlich volltönend singen, akzentuiert sprechen, frech lachen, dass es dem Zuhörer als eigenständige Persönlichkeit gegenübertritt.

Beim Konzert am 28. April 2018 im Uhlandbau wurden die Sätze Adagio assai und Presto aus Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur für die Nachwelt festgehalten. Solist Markus Bellheim, der weit über Europa hinaus Konzerte gibt, breitet im langsamen Satz die ganze Palette der Gefühle von düster bis sehnsuchtsvoll, von zaghaft bis zupackend aus. Solistisch beginnend, tritt er ein in den ausdrucksstarken Dialog mit dem Orchester, der sich im Schlusssatz zu einem Feuerwerk nach Noten steigert, wobei die Bläser nicht nur durch fanfarenartige Signale aufhorchen lassen.

Die CD „live 2018“ ist zu beziehen bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße in Mühlacker und über das Sekretariat „MühlackerConcerto“, telefonisch unter der Nummer 07043/958393 oder per E-Mail an susanne@boekenheide.net.

Carolin Becker

Beeindruckende Musikalität und innovatives Programm

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Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Bürgersaal Murr

Wenig bekannte Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen – selten wohl ist dieses Motto der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ schöner und beseelter mit Leben erfüllt worden als beim traditionellen Neujahrskonzert der Veranstaltungsreihe „Kulturprisma Murr“ am 12. Januar 2019 im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses. Vor etwa 160 Gästen bewiesen Peter Wallinger, Dirigent, Gründer und Leiter des Orchesters, und die Musikerinnen und Musiker des Orchesters im Laufe eines gleichermaßen kontrastreichen wie harmonischen Konzertabends ein ganz besonderes Klangerlebnis – geprägt von Frische und Spielfreude fern von jeglicher erstarrten Routine, jedoch auf höchst professionellem Niveau.

Wie in den Jahren zuvor hatte Wallinger mit dem Orchester ein innovatives und anregendes Konzertprogramm jenseits ausgetretener Pfade erarbeitet. Unter der Überschrift „Wintermärchen“ ließen Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3, Arvo Pärt, Edvard Grieg, Jan Sibelius, Tschaikowsky, Pablo Casals mit seinem „Gesang der Vögel“ und die Serenade Nr. 6 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart einen vielversprechenden Musikgenuss erwarten.

Frisch, schwungvoll und temporeich der Auftakt mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach, bei dem das Orchester gleich seine engagierte, jugendlich frische und höchst talentierte Spielweise bewies. Ganz anders im Anschluss das Werk „Fratres“ des 1935 geborenen estnischen Komponisten Arvo Pärt für Streicher mit Percussion. Schwebend, fast hypnotisch die Klänge der Streicher, getragen von einem durchgehenden Kontrabass und gegliedert durch regelmäßige Akzente von großer Trommel und Klangstäben. Unwillkürlich meinte man, nordische Weiten mit Nebelschwaden und Birkenwäldern vor Augen zu haben, so eindringlich die Interpretation des Stückes, das auch von gregorianischen Gesängen inspiriert ist.

Mit dem Norweger Edvard Grieg blieb das Orchester in nördlichen Gefilden. Sein Werk „Våren“ oder „Letzter Frühling“ aus der Zeit zwischen 1877 und 1880 entstammt der Hochromantik und wurde äußerst einfühlsam und hoch sensibel gespielt. Der silbrig-seidige Streicherton des Orchesters kommt in solchen Stücken besonders zur Geltung. Gleichermaßen feinfühlig und mit viel Gefühl für die Nuancen wurde als letztes Stück vor der Pause die Romanze C-Dur des finnischen Komponisten Jan Sibelius interpretiert.

Ein Höhepunkt des Konzertes war sicherlich gleich nach der Pause Tschaikowskys „Andante cantabile“, arrangiert für Violoncello und Streicher… Als Solistin brillierte hier Chihiro Saito, Mitglied des äußerst renommierten „Lotus String Quartet“ und seit vielen Jahren auch in der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim dabei. Ihr gelang es, vor dem Hintergrund des differenzierten Orchesterklangs der nahezu schwelgerischen, einprägsamen Melodie viel Gefühl und Ausdruck zu verleihen. Gleich anschließend folgte „Der Gesang der Vögel“ („El Cant dels Ocells“) des weltberühmten katalanischen Cellisten und Komponisten Pablo Casals (1876 bis 1973). Das Stück ist ein altes Weihnachtslied aus Katalonien, in dem mehr als dreißig Vogelarten die Geburt Christi feiern. Casals, der sich für Menschenwürde, Brüderlichkeit und Frieden einsetzte, emigrierte 1936 nach Frankreich und beendete alle seine Exilkonzerte seit 1939 mit diesem Lied, wie auch beispielsweise ein Konzert im November 1961 im Weißen Haus vor Jackie und John F. Kennedy oder vor der UN-Vollversammlung. Chihiro Saito gelang eine überaus schlichte und ergreifende Interpretation, die der Intention des Werkes eindrucksvoll gerecht wurde.

Schlusspunkt des Konzertabends bildete die Serenade Nr. 6 in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, bei der das Orchester seine ganze Versiertheit und Klasse noch einmal unter Beweis stellte. Als Solisten setzten Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, Violonist Sorin Capatina, Bratschistin Tomoko Yamasaki und Kontrabassist Simon Wallinger im Solo- und Zusammenspiel strahlende und virtuose Glanzpunkte.

Bereichert wurde der Konzertabend von den Wortbeiträgen des Bildhauers und Autors Hatto Zeidler aus Knittlingen bei Maulbronn. In frei vorgetragenen Reflexionen zu einzelnen Werken trug er Erhellendes und Aufschlussreiches über Entstehung und Hintergründe einiger Stücke vor, so zum Beispiel wie Johann Sebastian Bach viele seiner Werke im kleinen Haushalt mit sechs Kindern geschaffen hat. Auch mit den Gedichten von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner setzte Zeidler mit seiner humorvollen, lebendigen Vortragsweise thematisch passende Akzente zur Musik der Kammersinfonie. Am Schluss des Abends machte sich die Begeisterung des Publikums in langanhaltendem, lebhaftem Beifall Luft, mit dem Dirigent, Musiker und Vortragender für einen begeisternden Konzertabend belohnt wurden. Für Dirigent, Solisten und für alle Musiker gab es Blumen. Dafür und für den warmen Applaus bedankten sich die Musiker bei den Zuhörerinnen und Zuhörern mit einer Zugabe.