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Von der Klassik, die aus dem Märchen kommt

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Hörgenuss zum neuen Jahr: In Murr haben rund 150 Gäste das Neujahrskonzert genossen. Foto: avanti

Die Süddeutsche Kammersinfonie hat ihr Publikum in ein Wintermärchen entführt.

Murr – Vereiste Fenster, Minusgrade und jede Menge Schneeflocken – der Winter hat auch das Bottwartal am Wochenende in Weiß gehüllt. Da liegt die Idee von klassischen Tönen, die das Herz erwärmen sollen, nicht allzu fern. Das Neujahrskonzert im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses Murr hat diesen Wunsch am vergangenen Samstag Wirklichkeit werden lassen: Gegen 19.30 Uhr gab das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Gründer Peter Wallinger ihr Können zum Besten und lockte etwa 150 Gäste aus Murr und Umgebung an. Die Karten konnte man sich bereits im Vorfeld sichern. Für Spontane gab es die Möglichkeit der Abendkasse.

Mit dem Bietigheimer Orchester hat man sich keine Amateure ins Haus geholt – im Gegenteil: 35 Jahre liegt seine Gründung zurück. Dennoch begeistern die Musiker mit jungem Elan und professioneller Erfahrung auf ganzer Höhe… Leidenschaft und die Liebe zur Klassik transportierte das Orchester nun auch auf der Bühne Murrs. Unter einem allumfassenden Motto machten es sich die Musiker zur Aufgabe, das Publikum an diesem Abend in ein „Wintermärchen“ zu entführen. Mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach gelang dem Orchester der passende Einstieg ins Programm. Hatto Zeidler begrüßte die Gäste mit einer Anekdote aus Bachs Leben und gestand dem Publikum sogleich, dass er noch nie in Murr gewesen sei. „Aber ich komme ursprünglich aus Eberbach am Neckar, und wer schon mal im Neckar gebadet hat, war auch schon in der Murr, schließlich fließt die ja in den Neckar“, witzelte Zeidler und kündigte „Fratres“ von Arvo Pärt an.

Die Zuhörerschaft war gefesselt von dem Klangkörper des Orchesters. Aus den Musikinstrumenten kamen Töne, aus den Tönen wurden Melodien und aus den Melodien ganze Stücke, die einen mitrissen in die märchenhafte Welt der Klassik. Jan Sibelius „Romanze C-Dur op. 42“ läutete die halbstündige Pause ein, um sich im Foyer des Rathauses eine Stärkung zu genehmigen. Neben Sekt, Wein und Orangensaft sorgten passend zur Veranstaltung Neujahrsbrezeln für das leibliche Wohl… Nachdem der kleine Hunger gestillt war, ging es für die Musikfans erneut in die märchenhafte Welt der Klassik. Im Repertoire der Bietigheimer fanden sich zudem Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ und Pablo Casals „El Cant dels Ocells“, welches das Zwitschern der Vögel sogar in den Wintermonaten zurückbrachte. Mozarts „Serenade Nr. 6 D-Dur“ rundete den Abend ab und bescherte dem Konzert einen würdigen Abschluss.

Helena Hadzic

Klassiker der Musikgeschichte

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Klassik Die „sueddeutsche kammersinfonie“ präsentierte in der Bietigheimer Kelter ein Neujahrskonzert.

Bietigheim-Bissingen. Am Sonntagabend ereignete sich ein klangvolles „Wintermärchen“ in der Kelter in der Bietigheimer Altstadt. Die „süddeutsche kammersinfonie“ präsentierte dort das traditionelle Neujahreskonzert 2019 unter der künstlerischen Leitung von Peter Wallinger. Das 17-köpfige Streichorchester mit Percussion präsentierte Klassiker der Musikgeschichte, die sich zwischen 1700 und 2000 ereigneten, vor rund 120 Besuchern.

Das Konzert begann mit dem dritten Brandenburgischem Konzert von Johann Sebastian Bach. Textlich unterstrichen wurde das musikalische Programm von Dr. Hatto Zeidler, Bildhauer und Autor aus Maulbronn. Er lieferte Hintergrundinformationen zu den Künstlern und trug freie Texte und Literatur der Zeitgeschichte vor. „Man muss sich vorstellen; die sechs Brandenburgischen Konzerte Bachs brauchten zwei Jahre bis zu ihrer Fertigstellung. Zu jener Zeit hatte Bach sechs kleine Kinder und vermutlich nie seine Ruhe“, berichtete Sprecher Zeidler. Humorvoll und informativ gestaltete der ehemalige Hochschulprofessor das literarische Programm des Abends.

Anschließend stellte das Orchester „Fratres“ (estländisch: Brüder) den Zeitgenossen Arvo Pärt vor. Laut Zeidler habe Pärt sich sehr für die russisch-orthodoxe Kirche und die gregorianischen Gesänge interessiert und diese in seine musikalischen Werke einfließen lassen. In dem speziellen Werk verbergen sich viele Akzente der gregorianischen Musik. Vor allem der starke Bass ließ das Stück in der kalten Akustik der rustikalen Kelter sehr mystisch und düster klinken. „Wenn all das, was heute als Schnee fallen würde, dann hätten wir gewiss ein Wintermärchen“, scherzte der Sprecher.

Das dritte Werk trug den Namen „Erinnerungen an den vergangenen Frühling“ von Evard Grieg. Sich bei dem regnerischen Wetter von Sonntag an die warmen Frühlingssonne und die erblühende Landschaft zu erinnern, fiel bei den musikalischen Meisterwerken, die die Kammersinfonie vorstellte, nicht schwer. Die Streicher harmonierten, die neun Violinen, drei Violas, drei Violoncellos zusammen mit Kontrabass und Percussion-Elementen begeisterten dem lautstarken Applaus nach zu urteilen das Publikum in hohem Maß.

Katalanisches Weihnachtslied

Nach einer kurzen Pause begann Solistin Chihiro Saito, mir ihrem Violoncello in Solos zu zaubern: Mit Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ zog sie das Publikum in den Bann ihrer Musik. Chihiro Saito studierte unter anderem in Tokio an der University of fine Arts and Music und in Stuttgart in der Solistenklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik. Sie gewann als Solocellistin und als Mitglied des Weltweit konzertierenden „Lotus String Quartets“ mehrfach Preise in verschiedenen Ländern. „Frau Saito und auch unsere Solo- Violonistin Frau Kobayashi sind bereits seit vielen Jahren in unserer Kammersinfonie. Sie sind in jeder Hinsicht eine Bereicherung für unser Orchester“, schwärmte Gründer und künstlerischer Leiter Peter Wallinger. Das zweite Solo-Stück, das Chihiro Saito mit ihrem Violoncello vortrug, war Pablo Casels „El cant dels ocells“ (katalanisch: Der Gesang der Vögel). „Das katalanische Weihnachtslied handelt von 30 verschiedenen Vögeln, die die Geburt Christi besingen und ihm Glückwünsche aussprechen. Für dieses Meisterwerk imitierte Casels die verschiedenen Vögel und vereinte sie mit den Klängen seines Violoncellos“, erklärte Hatto Zeidler.

Das Streichorchester beschloss sein Konzert mit Mozarts sechster Serenade „serenata notturna“, in der Violinistin Sachiko Kobayashi ein bezauberndes Solo zum Besten gab. Nach dem lautstarken Applaus spielte die Kammersinfonie noch eine Zugabe.

Vivien Staib

Konzert spannt Bogen von Estland bis Spanien

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die Cellistin Chihiro Saito verzaubern ihr Publikum im Uhlandbau


Beeindruckender Auftritt: Solistin Chihiro Saito am Violoncello. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ hatte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zu ihrem Neujahrskonzert am Sonntag in den Uhlandbau eingeladen. Am Pult stand Peter Wallinger, der künstlerische Leiter, der vor 35 Jahren diesen Klangkörper gegründet hat.

Dieser Ruf verpflichtet, und so wurden die Erwartungen der rund 160 Musikfreunde auch nicht enttäuscht. Fast zwei Stunden erfreuten die mit großer Spielfreude aufspielenden Streicher, Trommler und ein Paukist ihre Zuhörer mit einem „Wintermärchen“. Und wahrlich märchenhaft schön gestaltete sich das äußerst abwechslungsreiche, mit vielen Überraschungen gespickte Programm.

Brücken zwischen den einzelnen Vorträgen baute Dr. Hatto Zeidler, der sich als Sprecher vorstellte und mit „Reflexionen“ über Leben und Werke der Komponisten und mit passender Lyrik von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner das Publikum erfreute.

Weit hatte Wallinger den Bogen gespannt von Johann Sebastian Bach mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 als Auftakt bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart, der mit der Serenade Nr. 6 D-Dur berauschende Schlussakkorde setzte.

Die musikalische Reise begann im sächsischen Köthen, wo Bach seine sechs Brandenburgischen Konzerte schrieb. Die Musiker präsentierten schwungvolle barocke Prachtentfaltung mit der Wiedergabe des Dritten. Der Kontrast könnte kaum größer sein als mit Arvo Pärts – einem estländischen Komponisten – „Fratres“, mit Anklängen an mittelalterlich-gregorianische Klostergesänge. Romantisch gestimmt erinnerte dann der Norweger Edvard Grieg an den letzten Frühling, und mit einer kurzen Romanze des finnischen Komponisten Jan Sibelius endet der erste Teil.

Nach der Pause ein Sprung zu dem Katalanen Pablo Casals und seinem Gesang der Vögel, einem Weihnachtslied. 32 verschiedene Vögel begrüßen Christus in der Krippe. Endstation war Wien mit der „Serenata notturna“ von Mozart, die sich als musikalisches Kleinod erwies, folgte man der Interpretation der Kammersinfoniker.

Variantenreich spielten die Musiker auf: Geigen, Bratschen und Celli lieferten sich sprühend vor Lust einen Wettstreit, Töne schienen hin und her zu fliegen, strebten mit Crescendi einem Höhepunkt zu. Und als ob sich ein Knoten gelöst hätte, vereinten sich alle Instrumente in Harmonie. Lebhaft bis furios, mit großer Klangfülle gestalteten die Musiker die so unterschiedlichen Werke. Da fielen Claves-Töne wie zarte Tropfen, hauchzarter Streichklang betörte, verhalten war eine Trommel zu hören – eine bewegende Klangfülle in einem Auf und Ab der Gefühle. Spiritualität war spürbar, Sehnsüchte wurden geweckt, Zarte Töne weiteten sich wie Sonnenstrahlen, die durch das Geäst der gerade erblühenden Bäume drängten. Die kurze Romanze C-Dur von Sibelius entließ die begeisterten Zuhörer in die Pause.

Im zweiten Teil war die Cellistin Chihiro Saito der Star auf der Bühne. Mit samtenem Strich, gefühlvoll interpretiert erklang das Andante Cantabile von Tschaikowsky, sehr einfühlsam vom Orchester begleitet. Cantabile verlangte der Komponist – und ihr Cello sang, zum Dahinschmelzen schön. Von Casals Vögeln gab sie dem Buchfinken eine Stimme, federleicht und beschwingt. Saito ist eine vielfach preisgekrönte Cellistin, Mitglied des Lotus String Quartetts und seit vielen Jahren schon Solistin der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.

Zum Schluss des Konzertes gab es nochmals einen Höhepunkt: Die Serenata notturna hat Mozart für zwei Violinen solo, Viola solo, Kontrabass solo, Pauken und Orchester geschrieben. Eine ungewöhnliche Besetzung, fast wie zwei Orchester in einem Stück: Einmal trumpfen die Solisten auf, dann wieder alle Streicher gemeinsam. Reizvolle Gegensätze tun sich auf, wenn nur Pauken und Pizzicati zu hören sind oder die Solisten allein spielen. Marsch, Menuett und Rondo-Allegretto bestimmen die lebhaften Tempi. Mit großer Hingabe und Spielfreude bis zu den letzten Takten agierten die Musiker und ihr Dirigent. Sie alle hatten Kammermusik vom Allerfeinsten geboten.

Eva Filitz

Neujahrskonzert wird zur Sternstunde

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Gleich dreimal präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende ihr „Wintermärchen“, eines davon in der heimischen Kelter


Im Mittelpunkt: SKB-Mitglied und Solo-Cellistin Chihiro Saito. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Außerordentliches Vergnügen bereitete das Neujahreskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) bereits auf dem Papier: Angekündigt war ein „Wintermärchen“ mit Bach, Mozart, Grieg, Tschaikowsky, dazu Sibelius, Pärt und „El cant dels ocells“, ein katalanisches Weihnachtslied, das Pablo Casals weltbekannt gemacht hat – vielversprechender kann ein Programm für solch einen Anlass kaum klingen. Davon, dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, nicht nur hochinteressante, ausgesprochen durchdachte Spielpläne zu konzipieren versteht, sondern diese mit einer sich verjüngenden SKB – das Projektorchester besteht aus professionellen Musikern sowie engagierten Studierenden und wird für jeden fünf bis sechs Konzertblöcke neu zusammengestellt – auch auf die Bühne zu bringen weiß, konnten sich am Sonntagabend rund 160 Besucher in der Bietigheimer Kelter überzeugen. Mit einer überaus gelungenen Aufführung, der dritten innerhalb von 20 Stunden – zuvor im Bürgersaal des Murrer Rathauses sowie vormittags in Mühlacker – wurden die hohen Erwartungen nicht nur eingelöst, sondern stellenweise noch übertroffen: In ihrer Mittelstellung zwischen Kammermusikensemble und Sinfonieorchester hat sich Wallingers Formation im Lauf der Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet, aber nur selten gelingt eine derart befriedigende, von lediglich minimalen Ungenauigkeiten nahezu unbehelligte Darbietung.

Quicklebendig und beschwingt bereits der Auftakt mit Bachs 3. Brandenburgischem Konzert (BWV 1048), in dem Wallinger ein straffes Tempo vorgab, brillant und wendig realisiert durch eine blutjunge SKB. Was Bach durch die Permutation von Motivketten erreichte, steuerte der lettische Komponist Arvo Pärt rund 250 Jahre später mittels einer eigenen Kompositionstechnik names „Tintinnabuli“ an, die aus der Beschäftigung mit gregorianischen Gesängen herrührt: In seiner Kontemplativen Anmutung steht sein Werk „Fratres“ zwar in einem formalen Kontrast zu Bachs Kontrapunktstil, nimmt jedoch gleichermaßen auf eine tief empfundene Spiritualität Bezug. Wie ein Refrain kehrt zwischen den hypnotisierenden Streicherflächen ein Element wieder, der Puls einer Trommel und einer Clave. Nicht gleichermaßen zwingend waren die Moderationsbeiträge von Hatto Zeidler, der zwar interessante Hintergründe und passende Gedichte von Rilke, Kästner und Schwab beisteuerte, aber unnötigerweise auch die Form eitlen, überheblichen Altherren-Dünkels transportierte, der für die Überalterung des Publikums klassischer Konzertveranstaltungen mitverantwortlich ist.

Edward Griegs „Varen“, zu Deutsch „Letzter Frühling“, entstammt den 1881 veröffentlichten „Zwei elegischen Melodien“ (Op. 34) – die SKB begeisterte mit einer empfindsamen Wiedergabe dieser hochromantischen Literatur. Exzellent musiziert auch die Romanze in C-Dur (Op. 42) des finnischen Komponisten Jean Sibelius, uraufgeführt 1904 in Turku: Ausgezeichnet das Fugato der Streichergruppen, gekonnt verwaltet Wallinger hier Sinfonik auf engstem Raum. Dennoch warteten die Höhepunkte jenseits der Pause. Lernte man in Chihiro Saito, Cellistin des renommierten Lotus String Quartets und seit vielen Jahren in der SKB, bereits in Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ für Violoncello und Streicher eine einfühlsame Solistin kennen (bemerkenswert die Leichtigkeit, mit der sich ihr lyrisches Legato vom Orchester löste), geriet ihre Interpretation von „El cant dels ocells“ („Der Gesang der Vögel“) schlicht und einfach ergreifend. Ein Neujahrskonzert als Sternstunde.

Harry Schmidt

Kurzweiliges Neujahrskonzert mit Peter Wallingers Kammersinfonie in Mühlacker

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Cellistin Chihiro Saito begeisterte mit Tschaikowskys schönem „Andante cantabile“ für Cello und Streicher und der einfühlsamen Interpretation der eher traurigen Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“. fotomoment

Mühlacker. Musik und Poesie sind eine charmante Kombination, zumal wenn sie in heiterer Atmosphäre, zusammenfinden. Beim Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau war ein solcher Rahmen gegeben.

Peter Wallingers Ensemble musizierte in kleiner Besetzung stimmungsvolle Kompositionen und Virtuosenstücke. Der Bildhauer und Autor Hatto Zeidler aus Maulbronn moderierte in lockerem Plauderton und trug teils amüsante, teils tragisch endende Lyrik vor.

Für den musikalischen Auftakt und für den Konzertabschluss hatte Wallinger galant-höfische Serenaden-Musik ausgewählt. Die Wiedergabe von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 in G-Dur (BWV 1048) zeichnete sich durch klare Phrasierungen, sauber herausgearbeitete Akzente und eine schwungvolle Gangart in den Allegro-Sätzen aus. Wolfgang Mozarts populäre Serenade Nr. 6 in D-Dur (KV 239) präsentierte sich tänzerisch elegant, vor allem die solistischen Passagen zweier Violinen, der Bratsche und des Kontrabasses erfreuten mit lebendigem Figurenwerk.

Arno Pärts Komposition „Fratres“ für Streicher und Percussion entfaltete über einer bordunartig gehaltenen Quinte meditativ zarte, von sanft klöppelndem Schlagwerk begleitete Melodien. Edvard Griegs „Váren“ (op. 34) zauberte märchenhaft-nordische Klänge hervor, die Romanze C-Dur (op. 42) von Jan Sibelius blieb – trotz der eigentlich hellen Tonart – dunkel verhangen.

Die in der Region auch von Aufführungen des Lotus String Quartet bekannte Cellistin Chihiro Saito stellte mit breitem Bogenstrich und feinem Vibrato Tschaikowskys klanglich wunderschönes „Andante cantabile“ für Cello und Streicher (op. Posthum) vor und und zelebrierte mit großer Einfühlung die eher traurige Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“ (Gesang der Vögel“), ein Stück, mit dem der berühmte Cello-Spieler alle seine Konzerte beschloss.

Nicht nur davon erzählte Hatto Zeidler und rezitierte sinnfällig zur Jahreszeit passende Gedichte von Rainer Maria Rilke („Legende“), Gustav Schwab („Der Reiter über den Bodensee“) und Erich Kästner („Der Januar“). Die kurzweilige Konzert-Matinee sorgte für gute Laune und herzlichen Applaus.

Eckehard Uhlig

Erhabener Glanz, zarte Innerlichkeit

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Der Ausnahme-Trompeter Wolfgang Bauer und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielten unter der Leitung von Peter Wallinger im Kronenzentrum. Von Dr. Dietmar Bastian


Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielte mit Stargast Wolfgang Bauer ein Konzert unter dem Titel „Musica Adventus“ im Kronenzentrum. Foto: Martin Kalb

Zweierlei Horizonte verbinden sich mit dem Wort Advent (Ankunft): Das von den Römern geknechtete jüdische Volk hoffte auf die Ankunft des Messias, eines Königs, Erlösers und Befreiers. Das in einer Futterkrippe im Stall geborene Knäblein hingegen, von dem die Evangelisten im Neuen Testament berichten, entsprach nun ganz und gar nicht dieser Vorstellung, sondern offenbarte den Willen Gottes, dass das Starke im Schwachen Gestalt annehmen und mächtig werden sollte. Genau diese Widersprüchlichkeit griff das Programm „Musica Adventus“ auf, das der Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, Peter Wallinger, am Samstagabend im Kronenzentrum zur Aufführung brachte.

Wallinger hatte den grandiosen Trompeter Wolfgang Bauer engagiert, der gleich zwei Solokonzerte spielte: Johann Baptist Georg Nerudas „Concerto für Diskanthorn und Streichorchester“ sowie das bekannte Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn, dessen „Ohrwurmthemen“ wohl viele Zuhörer schon auf den Lippen führten. Die optisch sehr jung wirkende Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musizierte auf gewohnt hohem Niveau, begleitete klangschön und transparent und hob den heiter-festlichen Charakter der Werke hervor.

Strahlend und eindringlich

Kein Zweifel, dass der vielfach ausgezeichnete Wolfgang Bauer, der weltweit unterwegs ist und eine Professur in Stuttgart inne hat, ein Großer seines Fachs ist. Beim Konzert von Neruda, das noch heute als einziges Werk des ansonsten fast vergessen Frühklassikers aufgeführt wird, traf Bauer genau jenen galanten Ton, den der damalige Zeitgeist evoziert hatte. Den Haydn spielte er auswendig, mit großer Strahlkraft und Eindringlichkeit. Hier hätte man sich vielleicht gewünscht, dass Bauer die Nebenthemen und Überleitung zurücknimmt und nicht durchgängig forciert.

Doch genau die leiseren Töne, die ebenso zum Advent gehören, gab es auch: Peteris Vasks‛ „Musica Adventus I“ war die eigentliche Überraschung des Abends. In eindrucksvoll-zarten Klanggesten und fein gesponnenen Tongeweben nimmt das Stück des zeitgenössischen lettischen Komponisten jene geheimnisvollen Vorgänge auf, die das Geschehen im Stall ausmachen. Im Choralzitat „Vom Himmel hoch“ macht Vasks deutlich, das er jenem inneren Licht nachspürt, das uns im Advent erreichen möchte. Sehr gerne hätte man nicht nur den 1. Satz, sondern die komplette etwa 25-minütige „Musica Adventus“ gehört, doch dies hätte den Rahmen gesprengt.

Die bekanntesten der neuen Sinfonien Beethovens werden sehr häufig gespielt, die anderen leider viel zu wenig. Dieses Schicksal ist auch dem Schlussstück des Abends, der achten Sinfonie in F-Dur, beschieden. Dabei muss man dieses an überraschenden Modulationen und harmonischen Experimenten so reiche Werk eigentlich im Zusammenklang mit der Neunten hören, in der Beethoven endgültig eine musikalische Zeitenwende herbeiführt. Man hätte der Kammersinfonie und Bauer volle Reihen gewünscht, denn es war ein denkwürdiger Musikabend, der wunderbar in ein Adventwochenende hineingepasst hat.

Trompeter Wolfgang Bauer begeistert beim Concerto im Mühlacker Uhlandbau

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Interpret mit makelloser Technik: Wolfgang Bauer. Privat

Mühlacker. In höchsten Lagen säuseln und zupfen die Streicher. Man meint, ferne sphärische Engelsstimmen zu hören und fühlt sich bestätigt, als bei stärker werdendem Streicherton Melodie-Fragmente des Weihnachtschorals „Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her“ zu vernehmen sind.

Peteris Vasks „Musica adventus“, die unter Peter Wallingers Leitung von der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim zart und einfühlsam interpretiert wird, gibt dem Auftakt der neuen Cocerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau sein Motto und stimmt sinnfällig auf die Vorweihnachtszeit ein.

Im Mittelpunkt des Konzertgeschehens steht freilich der exzellente Stuttgarter Trompeter und Echo-Klassik-Preisträger Wolfgang Bauer mit virtuos-festlicher Bläser-Musik. Im Concerto per Corno Primo von Johann Baptist Neruda für kleines Diskanthorn und Streicher entfaltet der Solist barocke Klangpracht in ihrer ganzen Farbigkeit: Im rasanten Wiegeschritt wirbeln die Skalen und Läufe des einleitenden Allegro-Satzes. Das breit ausgezogene Largo bestimmen fließende Linien. Im Vivace glänzt das Horn mit jagdlichen Tonfolgen.

Eines der beliebtesten Trompetenkonzerte ist Joseph Haydns Es-Dur-Konzert (Hob. VII e 1). Alle bedeutenden Trompeter haben es im Repertoire. Dabei nimmt Bauers meisterliche Interpretation in Mühlacker gewiss eine Spitzenposition ein. Die chromatischen Gänge, Triller und staccatierten Figurationen im ersten Satz (Allegro) werden mit makelloser Technik und Klarheit bewältigt. Von der Kammersinfonie sanft untermalt, singt im Andante eine empfindungsreich galante Bläser-Melodie, die im Piano lyrischen Charakter aufzeigt. Im Finale strahlt fanfarenartiges Forte. Die begeisterten Zuhörer erklatschen sich eine Zugabe: eine Berceuse des seinerzeit berühmten russischen Trompeters Wassili Brandt (1869-1923).

Ratternde Rhythmen

Bemerkenswerte Klangenergien entwickelt Wallingers Ensemble bei der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens achter Sinfonie (in F-Dur, op. 93). Die Interpreten verzichten auf übertriebenes Pathos und konzentrieren sich in dem kontrastreichen Werk mit dynamischer Wucht auf einen von Fall zu Fall energisch gesteigerten Ausdruck. Fast solistisch agieren immer wieder die Bläsergruppen. Im Finale wird die Pauke mit ratternden Rhythmen und drängenden Tempi in den instrumentalen Diskurs eingebunden. So formen Wallinger und seine Instrumentalisten eine tönende Architektur, spannungsreich akzentuiert und straff durchgezogen. Der heftige Applaus ist überfällig.

Eckehard Uhlig

Die volle Bandbreite ausgelotet

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert am zweiten Adventssonntag ein festliches Programm im Uhlandbau

In der Reihe „Mühlacker Concerto“ erlebt der Uhlandbau ein weiteres bemerkenswertes Konzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: Willimek

Mit dem Konzert für Diskanthorn und Streicher von Johann Baptist Georg Neruda war wohl mit Bedacht ein fulminanter Einstieg gewählt worden, als die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am vergangenen Sonntag im Uhlandbau konzertierte.

Mühlacker. Der Solist des Werkes, der mehrfach ausgezeichnete Trompeter Wolfgang Bauer, verstand es, seinem Instrument einen energischen und doch weichen Klang zu entlocken, ja ihm fast schon eine Stimme zu verleihen, die in ihrem melodischen Fluss den Streichern um nichts nachstand und mit dem differenzierten Orchesterklang überzeugend harmonierte.

Einen reizvollen Kontrast im Programm der Reihe „Mühlacker Concerto“ bildete das Moderato aus der „Musica adventus“ des zeitgenössischen lettischen Komponisten Peteris Vasks. Der zarte Einsatz der Streicher wirkte geradezu schüchtern und zurückhaltend. Fließend und dynamisch illustrierte das Orchester auf dieser Basis eine ausgedehnte Entwicklung. Immer wieder schien sich vor den leisen Streicherklängen im Hintergrund eine organische Bewegung gleich einem leisen Protest zu erheben, der jedoch gleich wieder verebbte. Das fast schon perkussive Spielen mit dem Bogenholz rief dabei den Eindruck einer kalten und einsamen Winterlandschaft hervor. Erst in Verbindung mit Fragmenten des Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, die sich zunehmend herauskristallisierten, entlud sich das Stück in einem vielschichtigen, eigentümlichen Höhepunkt.

Lebhafter wurde es wieder mit dem Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn. In drei Sätzen bewies Wolfgang Bauer auch in diesem Stück sein hohes Niveau als Trompeter. Mal kraftvoll, fanfarenhaft oder musikalische Kapriolen schlagend, mal mit ruhiger Linienführung präsentierte er die volle Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments. Das Finale glich einem prächtigen Feuerwerk. Mit der Berceuse des russischen Komponisten und Trompeters Vassily Brandt verabschiedete der Solist sich und das Publikum in die Pause.

Im zweiten Teil folgte dann Ludwig van Beethovens 8. Sinfonie. Hier überzeugte das Orchester mit vollem Klang und stimmiger Dynamik – beste Voraussetzungen für eine gelungene Interpretation des heiteren, vielschichtigen Werks in vier Sätzen. Der Wechsel zwischen dramatischen Spannungsbögen und ruhigeren Passagen gelang fließend. Durch das dynamische, expressive Dirigat von Peter Wallinger erhielt das Orchester entscheidende rhythmische Impulse. Für den stürmischen Beifall bedankte sich das Ensemble mit einer kurzen Zugabe, ehe es das Publikum in den Abend entließ.

Sina Willimek

Episch, nordisch, kurios

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert im Kronenzentrum ihr Adventskonzert

Sorgfältig ausgewählte Werke: Wolfgang Bauer und die Kammersinfonie

Bietigheim-Bissingen. Für manches Ohr gehören Trompetenklänge zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Spekulatius, Bratäpfel und Zimtsterne, Adventskranz und Kerzenlicht. Dass die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) zu ihrem diesjährigen Adventskonzert mit Wolfgang Bauer einen Virtuosen der Trompete eingeladen hat, fügt sich also ins jahreszeitliche Bild. Das Trompetenkonzert Es-Dur (Hob VIIe:1) von Joseph Haydn hat der langjährige Professor an der Musikhochschule Stuttgart bereits 2006 mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn aufgenommen, von souveräner Geläufigkeit zeugte auch seine Wiedergabe mit der SKB am Samstagabend. Der demonstrative Charakter der Musik kommt nicht von ungefähr: Anton Weidinger hat die drei Sätze 1796 in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten der von ihm erfundenen Klappentrompete aufzuzeigen; bis heute zählt das erste Konzert für dieses Instrument zum Standardrepertoire der Trompetenliteratur. Erweitert um Halb- und Ganztonschritte jenseits der Naturtonreihe, präsentiert sich die Trompete darin als vollwertiges Melodieinstrument, bis hin zu chromatischen Durchgängen im Allegro und fast streicherartigem Legato im kantablen Andante. Ohne oberflüssige Exaltation gestaltete Bauer diese technisch anspruchsvollen Passagen, was die plakativen Züge in Haydns Demo-Konzert wohltuenderweise moderierte.

Nun wäre dies kein Adventskonzert der SKB, hätte sich die Darbietung im Rahmen des Erwartbaren erschöpft. Ihr Dirigent Peter Wallinger ist ein Freund überraschender Kombinationen: Stets verbinden seine Programme sorgfältig ausgewählte Schlüssel und Gipfelwerke der Klassik mit weniger bekannten oder auch obskuren Stücken. Nicht allzu viel weiß man über den böhmischen Violinisten und Komponisten Johann Baptist Georg Neruda (1707 – 1780), das „Concerto per Corno Primo“ gilt als das heute populärste Werk des Dresdner Hofkapellmeisters. Im galanten Stil gehalten, fordert es einen Meister des Clarinspiels, müssen die hohen Lagen auf diesem Diskanthorn doch wie bei der Barocktrompete vollständig mittels der Ansatztechnik realisiert werden. Indes blieb Bauer diesbezüglich zu mindest bei der Aufführung im Kronensaal – das Konzert wurde tags darauf in Mühlacker wiederholt – unterhalb des Möglichen, wirkte sowohl hinsichtlich der Intonation als auch der Präzision seiner Einsätze gehemmt. Dies fiel umso mehr ins Gewicht , als die SKB seine Soloexpositionen, die tendenziell wie instrumentale Opernarien angelegt sind, unter Wallingers konziser Stabführung lebendig, transparent und klar konturiert einzubetten bemüht war.

So aber wurde das zwischen den beiden Konzerten platzierte Moderato aus Peteris Vasks’ „Musica adventus“, so auch der Titel des Adventskonzerts, zum heimlichen Höhepunkt des Abends: In höchster kammermusikalischer Konzentration und Sammlung durch die Streichergruppen, allen voran Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, exzellent realisiert, evozieren lang gehaltene Liegetöne in der 1996 vollendeten Bearbeitung des 3. Streichquartetts des lettischen Komponisten die Weite nordischer Landschaften, während im Pianissimo knackende Pizzicati und mit dem Bogenholz erzeugte Klänge vor diesem Horizont Bilder kristalliner Kälte aufziehen lassen, irgendwo zwischen Sibelius Pärt.

Im langen Schatten der Neunten steht von heute aus gesehen Beethovens 1814 uraufgeführte Sinfonie Nr. 8 in F-Dur, ihre vermeintliche Konventionalität, der Eindruck heiterer Lebensfreude, ist pure Fassade. Vielmehr wirkt der Umgang des ertaubenden Komponisten mit der Tradition hier vielfach gebrochen, nachgerade von bitterem, sardonischen Lachen erfüllt. Mal auf engstem Raum, mal mit ausgebreitetem Schwung schäfte Wallinger die enormen gestischen und dynamischen Kontraste der ausladenden Ecksätze wie des kuriosen „Allegretto scherzando“ und des parodistischem „Tempo di Menuetto“. Epische Sinfonik als kammermusikalisches Kondensat. Auch wenn an ein, zwei heiklen Anschlussstellen noch Luft nach oben bestand, eine höchst ansprechende, eindrucksvolle Vorstellung dieses gleichermaßen ambitionierten wie qualifizierten Kammerochesters.

Harry Schmidt

Wirkungsvolle Tongemälde

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim tritt in der Lienzinger Frauenkirche gemeinsam mit dem Klarinettisten Sebastian Manz auf


Klarinettist Sebastian Manz. Foto: Filitz

Mühlacker-Lienzingen. Am Sonntagvormittag war die Lienzinger Frauenkirche erneut ein Anziehungspunkt für viele Musikfreunde. In ihrer Reihe „Musikalischer Sommer“ hatte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit ihrem Dirigenten Peter Wallinger zum Konzert geladen. Als Gast sorgte Sebastian Manz für wahre Beifallsstürme, der mit seiner Klarinette alles machte, was mit diesem sensiblen Instrument überhaupt nur anzustellen ist. Das Programm bot jedoch auch den Streichern reiche Möglichkeiten, ihr Können, ihr harmonisches Zusammenspiel unter dem einfühlsamen, aber auch zwingenden Diktat ihres Dirigenten zu beweisen. Solopassagen der ersten Geige, von Viola und Violoncello ließen allemal aufhorchen.

Eröffnet wurde die vormittägliche Konzertstunde mit einem Orchester-Quintett Es-Dur in drei Sätzen von Josef Mysliveček. Dieser Komponist kam 1734 in Prag zur Welt und starb 1781 völlig verarmt in Rom. Nachzulesen ist, dass Mysliveček in Italien einst der bestbezahlte Opernkomponist war und als „il divino Boemo – der göttliche Böhme“ gefeiert wurde. Er war Zeitgenosse Mozarts, mit dem er freundschaftliche Kontakte gepflegt haben soll. Unter beschwingter Führung setzte das Orchester zu einem heiteren Allegro con brio an, im nachfolgenden Largo dann mit dominierenden Passagen der ersten Geige. Der Beginn des dritten Satzes Presto schien sich in den ersten Takten ein wenig an Mozart zu orientieren. Mit beherzten Tempi, melodischen Dialogen zwischen erster Geige und Viola, furiosem Aufspielen des Orchesters mit starken Bässen, dann wiederum mit dem Ausloten der dynamischen Möglichkeiten bis hin zu zartem Piano endete dieser „böhmische Teil“ des Konzerts und hinterließ beste Eindrücke. Allein 28 Opern hat Mysliveček komponiert, dazu ein reiches Werk an Vokalmusik aus Messen, Oratorien, Kantaten. Er hat Sinfonien, vielseitige Konzerte, umfangreiche Kammermusikwerke, dazu noch Werke für Klavier und Violine geschaffen. Heute sind sein Name und seine kaum zu zählenden Kompositionen vergessen. Dankenswert, dass es Orchester gibt, die sich dieses reichen Erbes annehmen.

Dann betrat der Star des Konzerts die Bühne. Was soll man über einen Künstler schreiben, der in seinem Metier alle Preise und höchste Auszeichnungen, die es zu gewinnen gibt, gehortet hat? War der Beifall für das Orchester schon herzlich und anhaltend, so wurde Sebastian Manz bereits gefeiert, ehe nur ein Ton aus seiner Klarinette erklang. Viele der Zuhörer hatten ihn wohl bereits bei seinen Auftritten in Mühlacker im Dezember 2011, dann im Juli 2015 und im März 2017 gehört, verteilten also keine Vorschusslorbeeren, sondern sie wussten, was sie von diesem Tonkünstler erwarten durften. Und er enttäuschte sie nicht. Er vertiefte sich mit Hingabe in das Klarinettenkonzert B-Dur von Johann Stamitz, ebenfalls Zeitgenosse Mozarts. Mit lebhaftem Körpereinsatz unterstrich er die Wirkung seiner Tongemälde. Es entfaltete sich ein harmonisches Zusammenspiel mit dem Orchester, mal fragend, mal fordernd, wechselnd zwischen hellstrahlendem Klang und dunklen, warmen Akkorden. Dann gab es eine längere Solopassage, in der die große Meisterschaft nicht nur durch die Geschwindigkeit seiner Finger sicht- und hörbar wurde, auch die exakte Atemtechnik war dem vollendeten Klangbild dienlich. Das Orchester zeigte seine Brillanz in einer stets einfühlsamen Begleitung.

Nicht auf dem Programm stand eine kleine Einführung vom fachlich bestens vertrauten Solisten in „Klarinettenkunde“ des 18. Jahrhunderts. „Die damalige Klarinette hatte nur fünf Klappen, nicht wie die heutige 24“, erklärte Manz, „Es musste viel improvisiert werden, und es bleibt letztlich den Interpreten überlassen, was am Ende dabei herauskommt. Da kann ich mich so richtig austoben auf meinem Instrument. Gut 70 Prozent der Töne sind so im ersten Darmstädter Konzert von Carl Stamitz im Original nicht vorhanden“, lautete eine kleine Vorwarnung ans Publikum. Den dritten Satz, ein Rondo aus besagtem Klarinettenkonzert Es-Dur, interpretierte Manz dann auch so, dass es einen vom Hocker reißen konnte. Da schaute er kaum auf sein „Notenblatt“, denn dies war ohnehin ein zeitgemäßes Tablett, und umgeblättert wurde mit einem Kick auf ein Fußplättchen. Als Dank für den nicht enden wollenden Beifall stimmte er seelenvoll ein Adagio von Mozart an. Noch einmal ließ er die Zuhörer an der ganzen Klangschönheit seiner Klarinette teilhaben.

Mit Leoš Janacek stimmte die Kammersinfonie einen vierten böhmischen Komponisten an. Sechs Sätze aus der „Suite für Streicher“ boten den Musikern Gelegenheit, das Publikum ein weiteres Mal von der Fülle, der Präzision, der Harmonie und der lebhaften Spielfreude, gepaart mit fundiertem Können an den Instrumenten, zu überzeugen. Eine Konzertstunde ging zu Ende, die lange nachklang.

Eva Filitz