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Rafael Wallinger

Vom Gedanken hin zum Gefühl

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und Tjeerd Top im Kronenzentrum

BIETIGHEIM-BBISSINGEN. Traditio­nell feiert das Frühjahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) im Kro­nenzentrum seine Premiere, anderntags wird das Programm im Uhlandbau in Mühlacker wiederholt und aufgezeichnet. Wie bereits 2022 wird das Konzert komplett von Simon Wallinger dirigiert, diesmal allerdings vor allem, weil sein Vater Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, durch die nahezu zeitgleich stattfindenden Schulkonzerte gebunden war.

Tjeerd Top ist für Freunde der SKB kein Unbekannter, bereits mehrfach hat der erste Konzert­meister des Königlichen Con­certgebouw Orchester Amsterdam mit dem renommierten Klangkörper zusammengearbeitet. Genau genommen hat er den Anstoß zu diesem Programm gegeben, indem er vor zwei Jahren Mieczyslaw Weinbergs „Concer­tino für Violine und Streichorchester“ (Op. 42) einbrachte. Daraus ist der Plan entstanden, alle vier Kammersinfonien des polnischen Komponisten und Schos­takowitsch-Weggefährten aufzu­führen. Den Auftakt des Weinberg-Zyklus bildete nun die Kammersinfonie Nr. 3 (Op. 151) von 1991, deren vier Sätze nach der Pause zu Gehör kamen.

Angeregt durch deren in Teilen spätromantische Klangsprache hat Simon Wallinger für die erste Hälfte eine Art Gegenpol konzipiert, der den Beginn der Romantik in den Fokus rückt. Trotz seines ungeklärten Entstehungs­zusammenhangs ist das Frag­ment gebliebene „Violinkonzert C-Dur“ (WoO 5) von Ludwig van Beethoven, vermutlich zwischen 1790 und 1792 entstanden, alles andere als eine Fingerübung: In seiner dramatischen, von vielen Generalpausen zerklüfteten Entwicklung, den Dialogen mit dem Orchester, insbesondere mit den Bläsern, ist bereits der komplette Beethoven voll ausgeprägt erkennbar. Top spielt die Vervollständigung der 259 überlieferten Takte durch Josef Hellmesberger (1879) auf einer Stradivari von 1713, virtuos und inspiriert in einem ungemein schlanken, honigtaufarben singend hellen Instrumentalklang.

Wallinger sucht nicht die große Geste, ist eher ein Mann kleinteiliger Präzision und bettet Tops Kantilenen behutsam wie eine Singstimme, wobei er dem Ensembleklang der SKB eine geradezu sinfonische Tiefe entlockt. Als langsamer „Mittelsatz“ folgt Beethovens „Romanze F­ Dur“ (Op.50) – klar, dass eine solche trotz aller gebotenen zärtlichen Poesie bei Beethoven nicht ohne Pathos abgeht. In Sachen emotionaler Affirmation und Ge­mütsbewegung steht der Titan der Wiener Klassik hier mit einem Bein eben schon in der Ro­mantik, die – aus Gedanken wer­ den Gefühle – mit Franz Schuberts „Polonaise B-Dur“ (D 580) dann schon fast erreicht ist. Für den Beifall bedankt sich Top mit einem Wiegenlied der Red Hot Chili Peppers, „Porcelain“ ver­blüfft durch mit der Griffhand ausgeführte Pizzicati.

Für Weinbergs dritte Kammer­sinfonie teilt Top sich das erste Pult der ersten Geigen mit Swantje Asche-Tauscher, Wallin­gers Interpretation dieser wundervoll introvertierten, wie durch das 20. Jahrhundert hindurchgegangenen Musik ist höchst aufmerksam gegenüber ihrer Fragilität, auf der sprich­wörtlichen Stuhlkante musiziert das expressive Allegro molto. Bravos für Wallinger, Top und die SKB im leider nur mäßig besuch­ten Kronensaal. Diesem vorzüglichen Konzert wären weit mehr als die anwesenden 120  Besucher zu wünschen gewesen.­

Autor: Harry Schmidt

Auf der Schwelle zur Romantik

Am Wochenende stehen die traditionellen Früh­jahrskonzerte der Süd­deutschen Kammersinfo­nie Bietigheim an. Erneut liegt die Leitung komplett in den Händen von Simon Wallinger. Ein direk­tes Signal in Sachen Stab­übergabe sei dies aber noch nicht, heißt es.

BIETIGHEIM/MÜHLACKER. Bereits zum zweiten Mal liegt die Lei­tung der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) komplett in Händen von Simon Wallinger: Während das beim Frühjahrskonzert 2022 noch dem zufälligen Umstand ge­schuldet war, dass Orchester­gründer Peter Wallinger vor dem Konzertwochenende erkrankt war und der junge Musiker kurz­fristig auch das Dirigat für den Programmteil seines Vaters übernommen  hatte,  machten die in diesem Jahr nahezu zeitgleich stattfindenden Schüler­konzerte in Bietigheim und Mühlacker es naheliegend, für die am Wochenende ebenda an­stehen den Frühjahrskonzerte 2023 von Beginn an mit Simon Wallinger am Pult zu planen. Mit einer Stabübergabe sei dies in­ des (noch) nicht gleichzusetzen, heißt es von Wallinger senior und junior gleichermaßen: Peter Wallinger spricht von einer „Übergangszeit“, Simon Wallin­ger davon, „Erfahrungen zu sam­meln und Perspektiven zu entwi­ckeln“. Eine direkte Botschaft in Sachen Stabübergabe verbinde sich damit jedenfalls noch nicht.

Ausgangspunkt des Programms war der Wunsch, alle vier Kammersinfonien von Mieczyslaw Weinberg mit der SKB aufzuführen, die 1991 veröffentlichte Kammersinfonie Nr. 3 (Op.151) zählt zum Spätwerk des polnischen Komponisten, der aufgrund seiner jüdischen Her­kunft 1939 über Minsk und Taschkent nach Moskau emig­riert ist, wo er ein enger Wegge­fährte Schostakowitschs wurde, und markiert nun den Auftakt zum Weinberg-Zyklus der SKB. Bereits vor zwei Jahren hatte man dessen „Concertino für Violine und Streichorchester“ (Op.42) auf den Spielplan ge­setzt, seinerzeit auf Initiative des für Vivaldis „Violinkonzert e­-Moll“ (RV 278) einge­ladenen Solisten Tjeerd Top. „Für mich ist Weinberg als Komponist eine wahnsinnige Entde­ckung gewesen“, so Simon Wallinger, „ein völlig unterschätztes Werk, das neben Mahler, auch neben Bruckner be­stehen kann. Was mich an den Kam­mersinfonien faszi­niert, ist, dass man am Ende des 20. Jahrhunderts immer noch tonal kompo­nieren kann und damit wirklich überzeugt.“ Ein weiteres Mo­mentum für die Konzeption ei­nes Weinberg-Zyklus war das 100-jährige Bestehen des von der jüdischen Familie Emrich gestif­teten, von der SKB regelmäßig bespielten Uhlandbaus in Mühlacker, das 2021 gefeiert wurde.

„Die riesengroßen Bögen, die Weinberg schafft, nehmen manchmal schon fast sinfonische Dimensionen an – das ist auch für mich und die Musiker eine Herausforderung.“ Beim Er­arbeiten seiner Interpretation habe er durchaus auch Aufnah­men wie die vorzügliche von Gi­don Kremer für ECM studiert, schlussendlich gelte es dann aber, sich auch wieder davon zu lösen, so Wallinger junior. Während Weinbergs dritte Kammer­sinfonie nach der Pause erklingt, wirkt der erste Teil des Pro­gramms heterogener. Lediglich als Fragment erhalten ist Beethovens „Violinkonzert C-Dur“ (WoO 5), gespielt wird die Vervollständigung von Josef Hellmesberger (1879). Darauf folgen Beethovens „Romanze F-Dur“ (Op. 50) und  die „Polonaise B-Dur“ (D 580) von Franz Schubert. Im Wechsel von schneller und langsamer Bewegung entspricht die Zusammenstellung ihrerseits der Satzfolge eines Con­certos.

Entstanden sind die drei Werke in relati­ver zeitlicher Nähe zueinander, an der Schwelle von der Wiener Klassik zur Romantik. Insofern bewege man sich mit dem Frühjahrskon­zert vom Beginn dieser Epoche bis zu ih­ren letzten Ausläu­fern in der spätromantischen Klangsprache Weinbergs, so Wallinger. Als Solist im ersten Teil wird erneut Tjeerd Top mit seiner Stradivarius aus dem Jahre 1713 zu hören sein, im zwei­ten wird der erste Konzertmeis­ter  des  Königlichen  Concertge­bouw Orchester Amsterdam sich das erste Pult mit Swantje Asche-Tauscher teilen.

Autor: Harry Schmidt

Virtuos, mitreißend und voller Lebensfreude

Jahres-CD „live 2022“ der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim erschienen.

Freude über ein gelungenes Konzert: Das Klezmer-Medley „Israel-Suite“ mit Sebastian Manz (rechts) ist einer der Höhepunkte der neuen CD. Foto: Theresa Mammel

Wer die rund 20 Jahres-CDs von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim gesammelt hat und damit eine abgerundete kleine Diskothek besitzt, kann sich vielgestaltige Klassikkonzerte zusammenstellen – nach Epochen von der Renaissance (John Dowland) bis zur Moderne (Sergej Prokofjew), vom Barock (Johann Sebastian Bach) bis zum Expressionismus (Maurice Ravel). Oder nach Komponisten, denn unter den Aufnahmen finden sich großartige Konzerte für Soloinstrumente von Mozart, Beethoven und Brahms sowie Sinfonien von Mendelssohn, Schubert und anderen Meistern.

Eine Besonderheit der qualitätsvollen CDs ist, dass die Interpreten, das Orchester, die Dirigenten (Peter und Simon Wallinger) und mehrere der hochkarätigen Solisten wie die Geigerin Ursula Schoch oder die Pianistin Magdalena Müllerperth in der Region beheimatet sind. Die Konzertreihen, denen die Livemitschnitte zu verdanken sind, der „Musikalische Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche und „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau, atmen ebenfalls regionales Flair.

Auch die jetzt erschienene neue Jahres-CD „live 2022“ bietet solche lebendigen Konzertmitschnitte. Im Zentrum steht das Adventskonzert mit einer Aufnahme von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 in G.-Dur (Hob.I:1), womit Peter Wallingers Sohn Simon sein Debüt als sinfonischer Dirigent gegeben hat. Die Interpretation nicht nur des ersten Satzes (Vivace) wirkt erstaunlich lebhaft, und auch die Folgesätze haben nichts von einem angeblich verzopft-behäbigen Altmeister-Komponisten, sondern pulsieren in frischen, kontrastreichen Tempi und Farben.

Als Höhepunkt bietet die Silberscheibe Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622) mit dem renommierten Solisten Sebastian Manz. Die beiden schnellen Ecksätze sind solistisch im Dialog mit dem Orchester fein ausgearbeitet, das berühmte „Adagio“ in der Mitte ist mit seiner langgezogenen, sinnlich-verträumten Sehnsuchtsmelodie hinreißend schön. Das Orchester unter Peter Wallinger musiziert auf gleicher Wellenlänge und höchstem Niveau.

Als dritter Programmpunkt des Adventskonzerts ist auf der CD ein kurzes „Moderato“ aus Mieczyslaw Weinbergs Kammersinfonie Nr. 2 (op. 147) zu hören. Der fast unbekannte, aber inspirierende jüdische Komponist soll in künftigen Konzerten mit weiteren Aufführungen gewürdigt werden, haben die Wallingers angekündigt.

Um diese Kompositionen haben die CD-Programmgestalter einen überraschend musikantischen Rahmen gelegt. Einleitend ist Ursula Schoch präsent mit einer hochvirtuosen Wiedergabe der lustvollen „Humoreske III“ für Violine und Orchester (op. 89) von Jean Sibelius. Und zum Abschluss trumpft Sebastian Manz auf, der hier – voller Lebensfreude sprühend – mit seiner Klarinette eins zu werden scheint und begleitet vom Orchesterensemble das stimmungsvolle Klezmer-Medley „Israel-Suite“ von Helmut Eisel spielt.

Zu beziehen ist die CD für zwölf Euro über das Sekretariat „MühlackerConcerto“, Telefon (0 70 43) 95 83 93 oder E-Mail susanne@boekenheide.net

Autor: Eckehard Uhlig

Komprimierte Schätze der Klassik-Welt

„Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim live 2022“:

Neue CD fasst Höhepunkte zweier Konzertreihen zusammen.

Interessante Perspektiven bietet nicht nur das Cover der neuen CD. Auch die enthaltenen Stücke ermöglichen einen spannenden Blick auf bekannte und unbekannte Werke.

Mühlacker. Nummer 20 ist da! Die Reihe der Live-Mitschnitte von Konzerten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ist um eine weitere CD gewachsen. Der Silberling „live 2022“ ist jetzt erhältlich und fasst Aufnahmen aus dem Uhlandbau in Mühlacker und der Frauenkirche Lienzingen zusammen. Beim Abspielen der CD kann der Musikfreund also eintauchen in die Höhepunkte der Konzertsaison 2022 des „Musikalischen Sommers“ und der Reihe „Mühlacker Concerto“. Wie immer werden die Darbietungen ungeschminkt dokumentiert. Ohne Netz und doppelten Boden agieren die engagierten Musiker im 1984 von Peter Wallinger gegründeten Orchester, und ihre stilistische und technische Sicherheit sorgen dafür, dass neben dem Live-Erlebnis auch das Nachhören im heimischen Wohnzimmer zur ungetrübten Freude wird.

Zumal auf der CD Werke enthalten sind, für die die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit renommierten Solisten wie der Geigerin Ursula Schoch und dem Klarinettisten Sebastian Manz zusammengearbeitet hat. Ursula Schoch begegnet dem Hörer gleich zu Beginn in Jean Sibelius’ Humoreske III g-moll für Solovioline und Orchester. Sie transportiert das im Kern schlichte Grundmotiv durch alle technischen Raffinessen mit Witz, Eleganz und Leichtigkeit.

Wie Schoch ist auch Sebastian Manz nicht zum ersten Mal Partner der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Der preisgekrönte Klarinettist zeigt auf der CD ganz unterschiedliche Aspekte seines Könnens. Da wäre das Klarinettenkonzert schlechthin – Mozarts Meisterwerk, in dem Sebastian Manz in Konkurrenz zu treten hat mit so vielen anderen Klarinettisten, die dem Hörer im Lauf der Zeit als Interpreten des Konzerts begegnet sein mögen. Er punktet nicht nur mit einem wunderbar wandlungsfähigen Ton, sondern auch mit der Fähigkeit, selbst in tiefen Lagen stets erkennbar zu bleiben, ohne forcieren zu müssen. Fast unwirklich leise schwebend lässt er die Melodie im langsamen Satz in die Seelen seiner Zuhörer dringen. So sanft sein Instrument hier klingt, so frech, so jubelnd, so wild setzt Sebastian Manz im die CD abschließenden Klezmer-Medley Akzente.

Das Orchester, dessen Leitung in den ausgewählten Stücken Peter und Simon Wallinger innehatten, ist stets mehr als nur Begleiter. Die Qualität des Klangkörpers zeigt sich deutlich in Joseph Haydns Sinfonie Nummer 81 in G-Dur. Akzentuiert, schwingend, fröhlich beginnt der Eingangssatz, doch wird in der Interpretation der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim schnell klar, dass Haydn weit mehr kann, als heiter daherzukommen. Emotional vielschichtig klingen die vier Sätze, in denen die Streicher mit gut koordinierten Läufen sowie perlenden Pizzicati und die Bläser mit exakten Einwürfen einerseits, gesanglichen Linien andererseits überzeugen.

Zählt Haydn zu den bekannten Namen, so ist der 1919 in Warschau geborene Komponist Mieczyslaw Weinberg sicher für viele Klassik-Freunde noch ein Geheimtipp. Das Moderato aus seiner Kammersinfonie Nummer 2 entfaltet einen magischen Sog, getrieben vom reizvollen Wechsel aus Dissonanzen und konventionelleren Harmonien.

Zu beziehen ist die neue CD über das Sekretariat „Mühlacker Concerto“, Telefon 07043/958393, E-Mail susanne@boekenheide.net, und bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße in Mühlacker. Für Mitglieder des Fördervereins „Mühlacker Klassik e.V.“ ist sie als Jahresgabe kostenfrei. Hörbeispiele gibt es auf der Website des Orchesters www.sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Autorin: Caroline Becker

Kammersinfonie live 2025



Neue Doppel-CD „live 2025“ erscheint am 5. Dezember 2025

Live 2025 wirft einen Blick zurück auf großartige Konzertereignisse der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim der letzten 20 Jahre – und zugleich auf Solisten, die das Orchester partnerschaftlich begleiteten und den Konzerten besondere Glanzlichter verliehen.

CD1 präsentiert Solisten aus den eigenen Reihen: Die Geigerinnen Ursula Schoch und Sachiko Kobayashi, die Bratschistin Tomoko Yamasaki, die Flötistin Verena Guthy-Homolka, den Oboisten Nikola Stolz und als Gäste den Pianisten Markus Bellheim, die Trompeterin Laura Vukobratović und das Alliage Saxophonquartett.

Auf CD2 stellt sich die Kammersinfonie mit einer Auswahl an reinen Orchesterwerken vor und vermittelt aus dem über 300 Werke umfassenden Repertoire ihre spezifische Klangkultur und Interpretationsweise, ihre Vielfalt und Spielfreude, die in jedem der ganz ungeschminkten live-Mitschnitte zu vernehmen ist.

Die beigefügten Pressestimmen spiegeln die stetig positive Resonanz über 41 Jahre seit der Gründung des Orchesters.

Die Doppel-CD ist zum Preis von 20 Euro zu beziehen über das Sekretariat „Musikalischer Sommer“: 
Telefon 07043/958393 bzw.
susanne[at]boekenheide.net



Exklusive Hörproben

Hier können Sie in die neue CD hineinhören.

Johann Sebastian Bach 1685 – 1750
Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047

Laura Vukobratović Trompete
Nikola Stolz Oboe
Verena Guthy-Homolka Flöte
Ursula Schoch Violine

Allegro


Béla Bartók 1881 – 1945
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3

Markus Bellheim Klavier

Allegretto
Adagio religioso
Allegro vivace


Giovanni Gabrieli 1557 – 1613
aus „Sacrae symphoniae“ 1597

mit dem ALLIAGE Saxophonquartett

Sonata pian e forte – in neuem Gewand


Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791
Sinfonia concertante Es-Dur KV 364

Sachiko Kobayashi Violine
Tomoko Yamasaki Viola
Leitung Simon Wallinger

Andante
Presto


Gioacchino Rossini 1792 – 1868

Ouvertüre zu „Die seidene Leiter“

Nikola Stolz Oboe


Franz Schubert 1797 – 1828
aus „Rosamunde, Fürstin von Zypern“

Ballettmusik Nr. 2 D 797


Wolfgang Amadeus Mozart 1756 – 1791
Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504
„Prager Sinfonie“

Adagio – Allegro
Andante
Finale. Presto


Peter Iljitsch Tschaikowsky 1840 – 1893
Serenade C-Dur Op. 48

Pezzo in forma di Sonatina
Walzer
Élégie
Finale (Tema Russo)




„Berühmte Arien, entfesseltes Cello“

Neujahrskonzerte der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Nils Wanderer

Die SKB beim Neujahrskonzert, hier in Murr.              Foto: Holm Wolschendorf

MÜHLACKER. Neben Bietigheim ­Bissingen und Murr kommt traditionell Mühlacker in den Genuss eines SKB-Neujahrskonzerts. Seit 2004 bereichert Orchesterleiter Peter Wallinger dort mit seiner Initiative „Mühlacker Concerto“ das Kulturleben der Großen Kreisstadt im Enzkreis. Der Uhlandbau könnte kaum besser besucht sein: Keiner der 200 Plätze im Saal bleibt unbesetzt, auf der Empore haben sich weitere Musikliebhaber verteilt. Vergangenheit und Zukunft überschneiden sich, der Blick geht zurück wie nach vorn: Das ist das janusköpfige Profil der Neujahrszeit, der Jahreswechsel als Gegenwart par excellence gewissermaßen – „… es wird einmal“ hat Wallinger sein diesjähriges Programm überschrieben.

Das überspannt einen Bogen von rund drei Jahrhunderten und reicht von der Renaissance über das Barock bis in die Moderne. Claudio Monteverdi steht am Übergang der beiden erstgenannten Epochen, seine „Favola in Musica“ namens „L’Orfeo“, uraufgeführt 1607 am Hof des Herzogs von Mantua, gilt als eine der ältesten Opern überhaupt und markiert (mit „La Daphne“ und „Euridice“ von  Jacopo  Peri) die Geburtsstunde der Gattung. Text und Musik stehen hier gleichwertig nebeneinander – ein Konzept, das Wallinger auf seine Neujahrskonzerte übertragen hat. Wieder ist der Berliner Schauspieler Johann-Michael Schneider mit von der Partie und trägt durch pointierten Vortrag poetischer Texte zum positiven Gesamteindruck der Matinee bei.

Und so erklingen zwischen der einleitenden „Toccata“ mit der Fanfare der Gonzaga-Familie und dem ersten „Ritornell“, das den Auftritt der Musik höchstpersönlich ankündigt, kurze Verse des bengalischen Literaturnobelpreisträgers Rabindranath Tagore. Insbesondere die „Sinfonia“ aus dem 5. Akt geht mit schmerzlichem Melos unter die Haut. Ähnlich, wenn auch ohne Zwischentexte, verfährt Wallinger mit Henry Purcells Semi-Oper „The Fairy-Queen“ (1692) und verzichtet auf Singstimmen, um stattdessen Instrumentalmusikteile zu einer kurzen Suite zu verbinden.

Ensemble hat Luft nach oben

Als Ausgleich für das Fehlen von Arien und Chören des auf Shakespeares „Sommernachtstraum“ beruhenden Librettos darf Schneider zuvor als Puck durch den Mittelgang geistern. Schwungvoll und präzise animiert Wallinger seine SKB, differenziert in Zeichen- und Körpersprache hält der 72-Jährige alle Fäden in der Hand. Viele neue Gesichter sind unter den 13 Musikerinnen und Musikern auszumachen, überaus präsent wirkt Konzertmeisterin Rebecca Raimondi, doch in Sachen Ensembleklang bleibt etwas Luft nach oben: Es mangelt an Resonanz und Blending, die Einzelstimmen schließen sich noch nicht zum kammersinfonischen Chor zusammen.

Mit Nils Wanderer ist das Neujahrskonzert dann tatsächlich in der Oper angekommen: Einem silberhell überfangenen Sich-Verströmen gleicht die Stimme des Countertenors in Antonio Vivaldis „Sovente il Sole“ (aus der Pasticcio-Serenata „Andromeda liberata“, 1726). Ganz zurückgenommen und verinnerlicht gestaltet ist dann Purcells „When I am laid in earth“ aus „Dido and Aeneas“ (1688/1689) – die schönste, die traurigste Arie der Musikgeschichte wirkt unweigerlich berührend. Dass mit Händels „Lascia ch’io pianga“ (aus „Rinaldo“, 1711)  als Zugabe eine weitere berühmte Barockarie folgt, ist da fast schon zu viel des Guten.

Nach der Pause verblüfft, zu welch entfesselter Raserei der vermeintlich so gemütliche „Papa Haydn“ Anlass geben kann: Was Arthur Cambreling in dessen erstem Cello-Konzert veranstaltet, mutet wie ein expressives Klangfeuerwerk an. Mit der Streichorchesterfassung von Béla Bartóks „Rumänischen Volkstänzen“ (1917) schließt sich der Kreis zu den Suiten des ersten Teils. Euphorischer Beifall für Wallinger, die SKB und die Solisten.

Autor: Harry Schmidt

Publikum feiert Künstler wie Popstars

Ein märchenhaftes Neujahrskonzert im Uhlandbau in Mühlacker: Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger begeistert erneut mit einem höchst fantasievollen Programm und herausragenden Solisten.

Mit einer außergewöhnlichen Stimme und einer bemerkenswerten Bühnenpräsenz punktet der Countertenor Nils Wanderer. Foto: Bastian

Mühlacker. Der Andrang zum diesjährigen Neujahrskonzert der Reihe „Mühlacker Concerto“ war – trotz des nasskalten Wetters – enorm. Dies ist aus mindestens zwei Gründen allerdings nicht weiter verwunderlich: Zum einen sind die Konzerte Anfang Januar längst im kulturellen Gedächtnis der Stadt verankert, und zum anderen wussten die Zuhörerinnen und Zuhörer, dass Peter Wallinger immer wieder für pfiffige Ideen und musikalische Überraschungen gut ist.

Gelungen war die Matinee ebenfalls in mehrfacher Hinsicht: Das Programm „…es wird einmal“ beinhaltete traumhaft schöne Musik aus Fantasieopern wie „Orfeo“ von Claudio Monteverdi, „The Fairy Queen“ und „Dido and Eneas“ von Henry Purcell und „Andromeda liberata“ von Antonio Vivaldi.

Die Ausführenden, die 13-köpfige Kammersinfonie, der umwerfende Altus/Countertenor Nils Wanderer und der großartige Cellist Arthur Cambreling, waren so glänzend disponiert und musizierten derart brillant, dass sie vom Publikum wie Popstars gefeiert wurden. Wer die Konzerte Wallingers schon eine Weile verfolgt, kennt den Sprecher Johann-Michael Schneider bereits, der in diesem Format schon öfter zu erleben war. Ihm oblag am Sonntag die angenehme und mit großem Erfolg gemeisterte Aufgabe, in das rätselhafte Motto des Konzerts „…es wird einmal“ einzuführen und zwischen den sechs gespielten musikalischen Werken sinnfällige Lyrik einzuflechten.

Die Musik und die ausgewählten Texte widmeten sich – so der gemeinsame Nenner – dem Mysterium der Natur und der Jahreszeiten und rückten Fantasiegeschichten und märchenhafte Musik in einen metaphorischen Zeithorizont des Seins, Vergehens und Werdens. Aus der Formel „…es war einmal“ wurde deshalb ein „…es wird einmal“, weil es ewige Muster sind, die der Musik, der Poesie und der Geschichte zugrunde liegen und den Fortlauf der Zeit gleichsam aufheben.

Die musikalisch-literarische Programmfolge begann mit Tänzen aus Monteverdis „L‘Orfeo“, der ersten Oper der Musikgeschichte überhaupt, und aus Purcells „The Fairy Queen“ nach Shakespeares Sommernachtstraum. Die Süddeutsche Kammersinfonie, diesmal als reiner Streicherapparat, spielte verheißungsvoll, mit einem wunderbar austarierten Klang. Die 13 Streicherstimmen gingen nicht in nebulösen Klangsümpfen unter, sondern gewährten einen glasklaren Durchblick. Peter Wallinger wagte extreme, besonders eindrucksvolle Pianostellen.

Wer den Altus/Countertenor Nils Wanderer auf der Bühne live erlebt hat, wird dies so schnell nicht wieder vergessen. Nicht nur seine Stimme ist einzigartig und technisch makellos, seine gesamte Bühnenpräsenz ist – fast möchte man sagen – magisch. Er versinkt geradezu in einer Rolle und wird eins mit ihr und der Musik. In berauschender Schönheit erklang der wundervolle Dialog zwischen der Solovioline (brillant gespielt von der Konzertmeisterin Rebecca Raimondi) und dem vielfach ausgezeichneten Nils Wanderer in Vivaldis „Sovente il Sole“. Auch der Todesgesang der Dido aus Purcells Oper gelang so großartig, dass Wanderer dem Publikum, das völlig aus dem Häuschen geraten war, Händels „Lascia ch’io pianga“ zugeben musste. Doch das war am Sonntag noch nicht alles. Als weitere handfeste Überraschung folgte nach der Pause der französische Cellist Arthur Cambreling, der einer Familie mit weltweit angesehenen Musikern entstammt, mit Joseph Haydns Cellokonzert in C-Dur. Der junge, ebenfalls vielfach ausgezeichnete Cellist spielte das dreisätzige Opus mit virtuos-anpackendem Zugriff, technisch tadellos und mit einer herrlichen Tongebung. Glänzende Solokadenzen mit gewagten Flageolett-Tönen ließen das Publikum den Atem anhalten. Begeisterte Bravorufe erhielt auch er. Zum Schluss gab es noch die rasanten Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók. Nicht nur die Natur war am Ende der Matinee glücklich wie in dem Gedicht von Rainer Maria Rilke „Natur ist glücklich“ – wunderbar rezitiert von Johann-Michael Schneider –, auch das Publikum war es.

Autor: Dr. Dietmar Bastian

Musikalischer Juwelen-Glanz

• Herausragende Solisten begeistern im Uhlandbau bei „Mühlacker Concerto“.
• Fein aufeinander abgestimmtes Programm in ausverkauftem Saal.

Ein besonderes Neujahrskonzert spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter Peter Wallingers Leitung.
FOTOS:  PETER  HENNRICH

Peter Wallingers Neujahrskonzerte im Mühlacker Uhlandbau sind anders. Da gibt es weder Wiener Walzer-Seligkeit noch pompöse, von donnerndem Schlagwerk begleitete Bläserfanfaren. Stattdessen erfreut ein fein aufeinander abgestimmtes literarisch-musikali­ sches Programm, das diesmal besonderen musikalischen Glanz ausstrahlte. Denn mit Nils Wanderer war ein Ausnahmesänger zu Gast: ein Countertenor, der ganz zart zu singen und in Sopran-Höhen aufzusteigen vermag, aber dennoch eine männlich kraftvolle, durchdringende Stimme besitzt.

Ein Ausnahmesänger: Nils Wanderers staunenswert bewegliche
Stimme leuchtete in Spitzentönen.

Zuerst interpretierte Wanderer die Arie „Sovente, il sole risplende in cielo“ (häufig erstrahlt die Sonne am Himmel) aus dem Pasticcio „Andromeda liberata“ von  Antonio Vivaldi, das die Hochzeit der befreiten Andromeda mit Perseus feiert. Danach folgte der Klagegesang „When I am laid in earth“ aus Henry Purcells Oper „Dido and Eneas“, mit dem die vom trojanischen Helden Eneas verlassene, in Verzweiflung sterbende Königin Dido ihr Lamento anstimmt.

Das faszinierende Timbre der falsettierenden, staunenswert beweglichen Männerstimme leuchtete in Spitzentönen , verzierte Silben und Wörter mit schönsten Koloratur-Melismen, und bot mit weich veredelter Vokalität sehnsüchtige Melancholie. Oder sank im langgezogenen Ton einer illusionslosen Zärtlichkeit in tief reichende Trauer hinab. Exzellent getragen und grundiert wurden die vokalen Klangjuwelen von den Streichern der sueddeutschen kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung – wobei sich die neue Konzertmeisterin Rebecca Raimondi in der Vivaldi-Arie solistisch mit herrlich echohaft intonierender Violinstimme auszeich­ nete. Nicht nur Wanderers Zugabe, die populäre Arie „Lascia ch’io pianga“ (Lass mich weinen!) aus Georg Friedrich Händels Oper „Rinaldo“ wurde vom atemlos lauschenden Publikum mit jubelndem Beifall belohnt.

Aber das war im ausverkauften Uhlandbau-Saal noch lange nicht alles. Einleitend vom Orchester gebotene, rhythmisch kunstvoll ausgefeilte barocke Tanzsätze von Claudia Monteverdi (aus „Orfeo“) und Henry Purcell (aus „The Fairy Queen“) wurden von dem rezitierenden und heiter schauspielernden Vortragskünstler Johann-Michael Schneider mit lyrischen Versen sinnfällig kommentiert. Poesievolle Texte von Rabindranath Tagore und William Shakespeare (aus „Ein Sommernachtstraum“) waren vor und zwischen den Konzertstücken zu hören, auch Rainer Maria Rilkes Gedicht „Natur ist glücklich“ und der lustige Reim-Text „Wenn’s Winter wird“ von Christian Morgenstern.

Mit sensationeller Virtuosität und technisch perfekter Bogenführung: der frisch aufspielende Cellist Arthur Cambreling.

Der zweite Höhepunkt in Peter Wallingers Neujahrs-Konzertmatinee folgte nach der Pause. Der jugendlich frisch aufspielende Cellist Arthur Cambreling wartete in Joseph Haydn’s Violoncello- Konzert C-Dur (Hob VIIb:l) mit sensationeller Virtuosität in den abenteuerlich rasanten Spiccato-Skalen der Ecksätze auf. Er musizierte nicht nur mit brillant lockerer Fingerfertigkeit und technisch perfekter Bogenführung, sondern auch mit einer von innen herausdrängenden, gespannten Expressivität. Die fantasievolle eigene Kadenz zeugte von musikalischer Kopfarbeit, die Wiedergabe des langsamen Mittelsatzes von der Fähigkeit, Melodielinien kantilen auszusingen.

Zu preisen sind schließlich das Orchester-Ensemble und sein Dirigent, die mit den „Rumänischen Tänzen“ von Bela Bartók für einen folkloristisch farbintensiven Konzertabschluss sorgten.

Im Frühjahr stehen in der „Mühlacker Concerto“-Reihe im Uhlandbau auf dem Programm: „Rossinis Notenküche ein Komponist tischt auf: Musiktheaterstück der Pyrmonter Theater Companie für Kinder der Klassen 1bis 5 am 11. und 12. Mai jeweils um 9 und 10.30 Uhr, sowie das Frühjahrskonzert mit Werken von Weinberg, Schubert und Beethoven unter der Leitung von Peter und Simon Wallinger (Solist: Tjeerd Top, Violine) am 14. Mai um 17 Uhr.

Starke Solisten, souveräne Streicher

Es gab nicht nur klassische Musik: Beim traditionellen Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim wurden auch Texte von Shakespeare bis Rilke rezitiert. Es war das erste Konzert nach der Corona-Pause.

Das Ensemble entführte ihre Zuhörer unter anderem in die Welt der barocken Opern. Foto: Ralf Poller/Avanti

Zwei Mal hatte es wegen Corona ausfallen müssen, jetzt fand es endlich wieder statt: das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in Murr. Dreizehn Streicherinnen und Streicher unter der bewährten Leitung von Peter Wallinger setzten eine beliebte, nun schon mehr als 15-jährige Tradition fort. Waltraut Menzel vom Kulturamt würdigte zur Eröffnung die stets „innovativen und anregenden Konzertprogramme“ des Ensembles.

Dieser Anspruch wurde auch diesmal wieder eingelöst. Das gewählte Motto – „…es wird einmal“ – schien zwar zunächst etwas rätselhaft. Doch der Schauspieler Johann-Michael Schneider, der die Stücke mit kurzen Texten begleitete, gab Hinweise. In all seinen Rezitationen, verfasst von Shakespeare, Morgenstern, Rilke und Tagore, ginge es um den Menschen in der Natur. Die Natur wiederum sei, wie die Musik, beständig im Werden, so würde aus dem „Es war einmal“ und dem „Es ist“ das „Es wird einmal“. Schneider betonte, Offenheit sei wichtig in einer Zeit der Katastrophen und Krisen.

Ausgesprochen schöne Musik spielte dann das Ensemble aus Bietigheim. Im ersten Teil entführten die Künstlerinnen und Künstler ihre Zuhörer in die Welt der barocken Opern. Den Auftakt bildeten Sätze aus dem „Orfeo“ von Claudio Monteverdi, lebhafte und schwungvolle Melodien, in denen die hellen, fröhlichen Stimmen von Violinen und Bratschen mit den tiefen Tönen von Celli und Kontrabass reizvoll zusammenwirkten. Schnell und dynamisch, dabei immer souverän und mit großer Spielfreude vorgetragen auch „The Fairy Queen“ von Henri Purcell nach Shakespeares bekanntem Sommernachtstraum.

Opernmusik wurde an diesem Abend nicht nur gespielt, sondern auch gesungen. Der Countertenor Nils Wanderer stimmte, begleitet vom Orchester, Stücke aus „Andromeda liberata“ von Antonio Vivaldi und „Dido and Eneas“ von Henri Purcell an. Ein Countertenor zeichnete sich dadurch aus, dass er seine männliche Stimme im ungewöhnlichen Bereich von Alt erklingen lassen konnte, also in einer hohen Stimmlage unterwegs war.

Sehr eindrücklich gelang das Wanderer, als er den Part der sterbenden karthagischen Königin Dido sang, die verzweifelte Klage einer verratenen Liebe, getragen vom melancholischen Klangteppich der Streicher. Das Publikum war berührt, und Wanderer, eine imposante, sympathische Erscheinung, gab eine gefühlvolle Zugabe, „Lascia chio pianga“, etwa: Lass mich mein Schicksal beweinen, aus Händels Oper „Rinaldo“. Wanderer, ein gebürtiger Ludwigsburger, ist erster Preisträger des Bundeswettbewerbes Gesang 2022, er gewann auch als erster Deutscher einen 2. Preis bei Operalia 2022, dem wichtigsten internationalen Wettbewerb für Oper.

Ein weiterer Höhepunkt leitete den zweiten Teil des Konzerts ein. Im Violoncello-Konzert C-Dur von Joseph Haydn zeigte Arthur Cambreling als Solist sein ganzes Können. Der Franzose spielt seit seinem vierten Lebensjahr Violoncello, und er ist mit diesem vielseitigen Instrument geradezu verwachsen.

Der junge, schalkhaft wirkende Künstler ging völlig in seiner Musik auf. Mit Hingabe entlockte er dem Violoncello ebenso nachdenkliche wie forsche, dominante Töne, rief sogar kurze Klanggewitter hervor. Über ein abwechslungsreiches Moderato und ein getragenes Adagio spielte sich das Ensemble zu einem furiosen Allegro molto, in dem Cambreling die Melodie nicht nur aufnahm, sondern verstärkte, variierte, die ganze Streicherrunde anregte, seinem vibrierenden Bogen zu folgen. Sein Violoncello war buchstäblich die erste Stimme, machte Tempo, unterstrich, setzte akustische Ausrufezeichen. Begeisterter, stürmischer Beifall belohnte die starke Leistung des Solisten und des Orchesters.

Für einen schwungvollen Ausklang sorgten die Rumänischen Volkstänze von Bela Bartok. Die Mischung aus schönen rhythmischen Tänzen, Märschen und auch melancholischen, fast an jiddische Kompositionen erinnernden Stücken waren noch einmal ein Spiegelbild des gesamten Abends: gut anzuhören und höchst abwechslungsreich. Die Zuhörerinnen und Zuhörer dürften sich weitgehend einig gewesen sein: Das war die gelungene Fortsetzung einer Tradition.

Autor: Arno Bäucker

Musik mit Gansehautfeeling

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim überzeugt in Mühlacker beim Neujahrskonzert

Begeistern das Publikum: Musiker der Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger spielen in Mühlacker. Foto: Eva Filiz

Erneut ist Mühlackers Uhlandbau ‚Treffpunkt zahlreicher Musikfreunde gewesen, die sich das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim nicht entgehen lassen wollten. Am Pult stand, nunmehr seit 39 Jahren, der Gründer dieses Orchesters, das nach fast vier Jahrzehnten für sich in Anspruch nimmt, eine besondere Art des Musizierens und Konzentrierens verinnerlicht zu haben. Musiker und Musikerinnen beeindrucken einerseits als Projektorchester durch ihr professionelles Auftreten und werkgerechte Interpretationen. Doch darüber hinaus erfreuen sie ihr Publikum immer wieder durch ihr herzerfrischendes Spiel, das sie mit so viel Freude zelebrieren, dass der Funke schnell in die Zuhörerreihen überspringt.

„… es wird einmal“ war das Programmmotto. Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart hatte Wallinger Werke verschiedenster Genres ausgewählt und so eine höchst abwechslungsreiche Konzertstunde gestaltet. Mit vier Sätzen aus Monteverdis ,,Orfeo“ und fünf aus Henry Purcells ,,The Fairy-Queen“ gelang dem Orchester ein klangprächtiger Auftakt. Doch einer redete dazwischen: Schauspieler und Theatermusiker Johann-Michael Schneider sorgte für verbalen Schmuck und rezitierte zwischen den einzelnen Auftritten stimmige Texte von Tagore, Shakespeare, Rilke und Morgenstern. ,,Alle Texte handeln von der Natur und dem Menschen in der Natur und seinem Erleben darin, ist er doch selbst ein Stück Natur“, sagte er. Besinnliche und nachdenklich stimmende Verse trug er vor, aber auch Heiteres, über das geschmunzelt und gelacht wurde.

Die Auftritte von Countertenor Nils Wanderer und Cellist Arthur Cambreling markierten zwei Höhepunkte in dem knapp zweistündigen Konzert. Wanderer brillierte mit seiner Interpretation ,,So- vente il Sole“ aus Vivaldis (1678—1741) Oper ,,Andromeda liberata“ und mit der Arie ,,When I Am Laid In Earth“ aus Purcells ,,Dido und Eneas“.

Die Zuhörer lauschten ergriffen. Besonders das fast schwermütige ,,When I am Laid In Earth“ ging unter die Haut und gar Gänsehautfeeling bescherte Wanderer mit seiner ,,Seelenarie ,,Lascia chi’io planga“ aus Händels Rinaldo. Als begehrter Countertenor ist er auf vielen Bühnen der Welt zu Hause. ,,Meine Heimat aber wird immer hier in Württemberg sein“ , sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion. Und noch etwas verriet er von seinen Zukunftsplänen. Neben seinen Tätigkeiten als Opernsänger, Schauspieler, Choreograph und Regisseur werde er ein eigenes Festival ,,Wanderer zwischen den Welten“ gründen. Seine Fans dürfen also gespannt sein.

Großen Beifall erhielt auch Arthur Cambreling, der mit der Wiedergabe von Haydns Violoncello-Konzert C-Dur sein Instrument singen ließ. Mit viel Vehemenz und Furore sprang der Bogen über die Saiten, aber gleichzeitig ließ er auch mit viel Herzblut und tiefem Empfinden, wie sein lebhaftes Mienenspiel verriet, Klangbogen lebendig werden.

Mit sechs ,,Rumänischen Tänzen“ von Bartók (1881—1945), feinsinnig intoniert, still in sich gekehrt oder mit so viel Elan, dass Stillsitzen schwerfiel, verabschiedete sich die Kammersinfonie und Dirigent Wallinger. Das Publikum feierte alle Akteure mit kaum enden wollendem jubelndem Beifall und dankte so für dieses Konzert.

Autorin: Eva Filiz