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Rafael Wallinger

Programm 2024


Samstag 13. Januar 2024 19.30 Uhr
Bürgersaal, Rathaus Murr

Neujahrskonzert 2024

Leitung:       
Peter Wallinger 
Solistinnen: 
Juliane Brittain · Sopran 
Barbora Hulcová · Laute & Theorbe

„Hört dieses. Hier ist Musik.“

Unterhaltsames und Anregendes in Wort
und Ton – mit Pausenausschank

J.S. Bach · Aria
aus den Goldberg-Variationen BWV 988
Prolog
J. Dowland · Zwei Tanzsätze
Galliarde – dem König von Dänemark
Allemande – George Witehead
aus Lachrimae:
“Flow my tears”
„Bach? Meer sollte er heißen“
J.S. Bach · Ricercare á 6
aus dem “Musikalischen Opfer” BWV 1079
H. Purcell · “Music for a while“
„If music be the food of love”
J.S. Bach · Brandenburgisches Konzert Nr.6 BWV 1051
Solistinnen: Andrea Lamoca & Lilia Rubin
J. Sibelius · Impromptu op. 5
– Epilog –
J.S. Bach · Aria
aus den Goldberg-Variationen BWV 988



Sonntag 14 Januar 2024 11.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“

Neujahrskonzert 2024

Leitung:       
Peter Wallinger 
Solistinnen: 
Juliane Brittain · Sopran 
Barbora Hulcová · Laute & Theorbe

„Hört dieses. Hier ist Musik.“

Unterhaltsames und Anregendes in Wort
und Ton – mit Pausenausschank

J.S. Bach · Aria
aus den Goldberg-Variationen BWV 988
Prolog
J. Dowland · Zwei Tanzsätze
Galliarde – dem König von Dänemark
Allemande – George Witehead
aus Lachrimae:
“Flow my tears”
„Bach? Meer sollte er heißen“
J.S. Bach · Ricercare á 6
aus dem “Musikalischen Opfer” BWV 1079
H. Purcell · “Music for a while“
„If music be the food of love”
J.S. Bach · Brandenburgisches Konzert Nr.6 BWV 1051
Solistinnen: Andrea Lamoca & Lilia Rubin
J. Sibelius · Impromptu op. 5
– Epilog –
J.S. Bach · Aria
aus den Goldberg-Variationen BWV 988



Sonntag 14. Januar 2024 17.00 Uhr
Kelter Bietigheim-Bissingen

Neujahrskonzert 2024

Leitung:       
Peter Wallinger 
Solistinnen: 
Juliane Brittain · Sopran 
Barbora Hulcová · Laute & Theorbe

„Hört dieses. Hier ist Musik.“

Unterhaltsames und Anregendes in Wort
und Ton – mit Pausenausschank

J.S. Bach · Aria
aus den Goldberg-Variationen BWV 988
Prolog
J. Dowland · Zwei Tanzsätze
Galliarde – dem König von Dänemark
Allemande – George Witehead
aus Lachrimae:
“Flow my tears”
„Bach? Meer sollte er heißen“
J.S. Bach · Ricercare á 6
aus dem “Musikalischen Opfer” BWV 1079
H. Purcell · “Music for a while“
„If music be the food of love”
J.S. Bach · Brandenburgisches Konzert Nr.6 BWV 1051
Solistinnen: Andrea Lamoca & Lilia Rubin
J. Sibelius · Impromptu op. 5
– Epilog –
J.S. Bach · Aria
aus den Goldberg-Variationen BWV 988



Donnerstag 02. Mai 20.00 Uhr
Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen
Einführung 19.15 Uhr

Festkonzerte 2024

„40 Jahre Kammersinfonie“

Solistin:
Ursula Schoch · Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Peter Wallinger

A. Dvorak · Slawische Tänze

J. Sibelius · Valse triste

J. Brahms · Ungarische Tänze

L.v. Beethoven · Violinkonzert D-Dur



Freitag 03. Mai 19.00 Uhr
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“

Festkonzerte 2024

„40 Jahre Kammersinfonie“
„20 Jahre Konzerte im Uhlandbau“

Solistin:
Ursula Schoch · Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Peter Wallinger

A. Dvorak · Slawische Tänze

J. Sibelius · Valse triste

J. Brahms · Ungarische Tänze

L.v. Beethoven · Violinkonzert D-Dur



Samstag 06. Juli 18.30 Uhr
Kloster Bebenhausen

Sommerliche Serenade 2024

Solistin:
Maryana Osipova · Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Simon Wallinger · Vita anzeigen

M. Weinberg · 
Aus: Kammersinfonie Nr. 1 0p. 145 – Allegro

D. Schostakowitsch · 
Kammersinfonie c-moll op. 110a

F. Schubert · 
Rondo A-Dur D 438                         

C. Nielsen · 
Suite für Streicher op.1 a-moll



Sonntag 07. Juli 11.00 Uhr
Frauenkirche Lienzingen
Festival „Musikalischer Sommer“

Sommerliche Serenade 2024

Solistin:
Maryana Osipova · Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Simon Wallinger · Vita anzeigen

M. Weinberg · 
Aus: Kammersinfonie Nr. 1 0p. 145 – Allegro

D. Schostakowitsch · 
Kammersinfonie c-moll op. 110a

F. Schubert · 
Rondo A-Dur D 438                         

C. Nielsen · 
Suite für Streicher op.1 a-moll



Sonntag 07. Juli 18.00 Uhr
Schlosshof Sachsenheim – Open Air
.

Sommerliche Serenade 2024

Solistin:
Maryana Osipova
· Violine Vita anzeigen

Leitung: 
Simon Wallinger · Vita anzeigen

M. Weinberg · 
Aus: Kammersinfonie Nr. 1 0p. 145 – Allegro

D. Schostakowitsch · 
Kammersinfonie c-moll op. 110a

F. Schubert · 
Rondo A-Dur D 438                         

C. Nielsen · 
Suite für Streicher op.1 a-moll



Sonntag 03. November 17.00 Uhr
Historische Kelter Ötisheim

Herbstkonzert 2024

Ensemble
sueddeutsche kammersinfonie bietigheim

Lilian Heere · Violine
Annette Köhler · Violine
Dimitry Hahalin · Viola
Nikola Zesch · Violoncello
Simon Wallinger · Kontrabass

„Schubertiade im Herbst“

Kammermusik von Couperin, Rossini u.a.
F. Schubert · 
Streichquintett C-Dur D 956      

-> weitere Informationen                   



Samstag 07. Dezember 19.00 Uhr
Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen
Einführung 18.15 Uhr

Adventskonzert 2024

sueddeutsche kammersinfonie bietigheim
In Kooperation mit der LIENZINGENAkademie                           

Solisten:
Mónica Soto-Gil Salas · Mezzosopran
Santiago Bürgi · Tenor                 

Künstlerische Leitung:
Simon Wallinger   

Maria de Buenos Aires

Astor Piazzolla ·
„María de Buenos Aires“
„Tango-Operita“ in Kammerfassung

-> weitere Informationen

-> Plakat



Sonntag 08. Dezember
Uhlandbau Mühlacker „MühlackerConcerto“
Entfällt wegen Renovierungsarbeiten!

Adventskonzert 2024

Romantische Tendenz bei Barockevergreens

„All’Italiana“ hat Peter Wallinger die beiden „Sommerlichen Serenaden“ der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, in Sachsenheim und Lienzingen am Wochenende überschrieben. In zwei der vier Violinkonzerte von Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ gab Maryana Osipova ihr umjubeltes Debüt als Solistin der SKB.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim beim Auftritt in Sachsenheim Foto: Alfred Drosse

SACHSENHEIM/BIETIGHEIM/LIENZINGEN. Besser hätten die Bedingungen kaum sein können: Das aktuelle Hochdruckgebiet Cigdem sorgte dafür, dass die beiden als „Sommerliche Se­renade“ angekündigten Konzerte der Süd­deutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) am vergangenen Wochenende zumindest dem ersten Teil des Formattitels vollumfäng­lich gerecht wurden: Mehr Sommer geht kaum. Dem entsprechend präsentierte sich der Innenhof des Sachsenheimer Wasser­schlosses am Samstagabend komplett aus­verkauft, gut besucht war auch die Matinee in der Lienzinger Frauenkirche tags darauf.
lm Vergleich zum trutzigen Turm der Pe­terskirche ragt deren schlanker Dachreiter wie ein Zahnstocher empor: Als Friedhofska­pelle am Ortsrand hat die einstige Marien­wallfahrtskirche den wechselhaften Lauf der Zeiten relativ unbeschadet überdauert – zur weitgehend im Originalzustand erhaltenen spätgotischen Bausubstanz gehört auch die auf 1482 datierte, mit einem Gebet, Ranken und Girlanden geschmückte Holzdecke des Tonnengewölbes über dem Kirchenschiff, die zu den bemerkenswerten akustischen Quali­täten des außerordentlich stimmungsvollen Raums nicht unwesentlich beiträgt.
Passgenau zur Hitzewelle hat Peter Wallin­ger zwei der als „Die vier Jahreszeiten“ über­aus bekannten Violinkonzerte auf den Spiel­plan gesetzt, in denen Antonio Vivaldi 1725 beredte musikalische Bilder für das Anstei­gen der Temperaturen (und Temperamente) gefunden hat. Bravourös gestaltet Maryana Osipova das Vogelstimmgezwitscher im Kopfsatz von „Der Frühling“ im Dialog mit Konzertmeisterin Swantje Asche-Tauscher und den weiteren 14 Musikerinnen und Mu­sikern der SKB – die ungemein mitteilsame, konzise Körpersprache der in Moskau und Karlsruhe ausgebildeten Primgeigerin des Frankfurter Eliot Quartetts habe ihn dazu be­wogen, hier auf ein Dirigat zu verzichten, so der Orchestergründer im Gespräch mit dieser Zeitung.
Nichts deutet indes darauf hin, dass dieses Konzert um ein Haar ausgefallen wäre: Akute Rückenbeschwerden zwangen die italieni­sche Violinistin Rebecca Raimondi am Don­nerstagabend, ihre Auftritte mit der SKB ab­zusagen. Binnen weniger Stunden war es Wallinger daraufhin gelungen, mit Osipova eine hinreichend qualifizierte Einspringerin für die erkrankte Solistin zu rekrutieren. In­nig zelebriert die Russin das Frühjahrsschä­feridyll im „Largo e pianissimo“, ausgelassen den Hirtentanz im finalen „Allegro“. Die Sommergewitterstretta im „Allegro non mol­to“ entlockt einer einzelnen Besucherin ei­nen wohltemperierten Jubelruf. Dass Osipova sich für den großen Beifall mit einer Repri­se des Largos bedankt, unterstreicht eine zwar eher zwischen Wiener Klassik und Romantik zu verortende, aber dennoch reizvolle Tendenz in ihrer Interpretation dieser Ba­rockevergreens.
Hellwach und hochkonzentriert musizierte Wallinger mit einer ausgezeichnet disponier­ten SKB auch den entsprechenden Rahmen des „All’ltaliana“ überschriebenen Pro­gramms: Sowohl Ottorino Respighis „Antiche Danze ed Arie“ (1931) als auch Nino Rotas „Concerto per Archi“ (2007) erklangen in nicht nur (weitestgehend) makelloser, son­dern vor allem auch lebendig-inspirierter Wiedergabe. Bestechend insbesondere die Homogenität und Transparenz des Ensemb­leklangs in der neoklassizistisch-impressio­nistischen Partitur von Respighi, grandios ge­steigert die „Siciliana“, fulminant das Fortis­simo-Crescendo der „Passacaglia“. Wallin­gers Deutungen vereinen exquisites Form­empfinden mit differenzierter, geistreicher Durchdringung des Materials zu einer stets originellen, frischen Lesart. Pauschalklang­angebote gibt es ja ohnehin bereits mehr als genug.

Autor: Harry Schmidt

Sommerfrisch-heiterer Serenaden-Ton

Zweite Matinee beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche

Ergötzlicher Instrumental-Gesang:
Die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger                    Foto: Fotomoment

Mühlacker. Barocke Musikmeister statteten ihre für die höfische Unterhaltung bestimmten Kompositionen häufig mit einladenden Überschriften aus. In diesem Sinne „Ergötzliches“ bot auch die zweite Matinee des „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche. Das Konzert mit Peter Wallingers Sueddeutscher Kammersinfonie Bietigheim zelebrierte den sommerfrisch-heiteren Serenaden-Ton, insbesondere mit der Wiedergabe des „Frühlings“ und des „Sommers“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (op. 8 Nr. 1 und 2).

Nun ist dieser Konzert-Hit als Prüfstein für Sologeiger alles andere als eine Rarität. Anne Sophie Mutter begann damit ihre Karriere. Und der wild aufspielende Nigel Kennedy erzielte mit seinen „Jahreszeiten“ das meistverkaufte Klassikalbum aller Zeiten. Weit ab von solchem Star-Getöse leistete auch die in Lienzingen auftretende Violinistin und Primgeigerin des Eliot Quartetts, Maryana Osipova, die für die erkrankte Solistin Rebecca Raimondi eingesprungen war, mit ihrem erfrischend unkonventionellen Spiel Erstaunliches.

Weder romantisierende Gravität noch technische Rabiatheiten prägten Osipovas Interpretation. Stattdessen spürte man beim Zuhören den Frühling und den Sommer wie in einem impressionistisch hingetupften, fein differenzierten Farbenrausch. Ihr glänzend durchgestalteter Geigenton erzählte von Stimmungen und Befindlichkeiten, mit deutlichen Register-Brüchen beispielsweise von der lamentoreichen Hirtenklage über die sengende Mittagssonne und den befürchteten, folgenden Gewitter-Sturm im ersten Satz des „Sommers“. Die von der Solistin selbst angeleiteten Orchester-Ritornells sorgten mit lebendig atmender Phrasierungskunst für Tiefenschärfe in dem bekannten Musikgemälde der „Quattro Stagioni“. Die Allegro-Ecksätze wurden in sportlichen Tempi angegangen, oft ganz zart dagegen die „Largo“-Lyrik. Die gemeinsamen Tutti mit dem Orchester waren farbintensiv-füllig angelegt.

Eingeleitet wurde die Matinee, die Wallinger unter das Motto „All’Italiana“ gestellt hatte, mit den „Antiche Danze ed Arie“ (III. Suite) von Ottorino Respighi. Der Orchester-Chef sorgte für kontrastreiche Klangvarianten in den „Arie di Corte“, für fröhlich-schwungvolle Klangentfaltung der „Siciliana“ und eine tänzerisch betonte „Passacaglia“ zum Abschluss. Respighis Koloristik und virtuose Verwendung alter italienischer Instrumentalmusik kam dabei hervorragend zur Geltung.

Nachdem sich die vielen Zuhörer in der Pause im parkähnlichen Friedhof bei Lindenblütenduft „ergötzlich“ erholt hatten, offerierte die Süddeutsche Kammersinfonie noch das „Concerto per Archi“ des Filmmusik-Komponisten Nino Rota: ein aufmunternder, im Sound etwas schriller, mit maschinenhaften Rhythmen durchpulster instrumentaler Schluss-Gesang. Auch hierbei erfreute musikalischer Überschwang das begeisterte Publikum.

Autor: Eckehard Uhlig

Barocke Hits und ein roter Faden

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt „Sommerliche Serenaden“

Peter Wallinger Foto: privat

BIETIGKEIM·BISSINGEN. Es ist ein geradezu idealtypisches Peter­ Wallinger-Programm, das am Wochenende bei den beiden Konzer­ten der Süddeutschen Kammer­sinfonie Bietigheim (SKB) auf dem Spielplan steht: Antonio Vivaldis 1725 publizierte „Die vier Jahreszeiten“ sind mit das populärste, was sich in der Barockmusik finden lässt, weit über den Kreis der dezidierten Klassikhörerschaft hinaus geläufiges Reper­toire. Demgegenüber müssen Ottorino Respighis „Antiche Danze ed Arie“ (1931) und Nino Rotas „Concerto per Archi“ (2007) in diesem Kontext als vergleichswei­se unbekannte (Gegen-)Stücke angesprochen werden – tendenziell unterschätze Preziosen, deren (Wieder-)Entdeckung überreich belohnt wird.
Die „Sommerliche Serenade“ ist einer der fünf Fixbausteine im Konzertkalenderjahr der SKB, traditionell wird das Programm zweimal aufgeführt: Am Samstag als Open-Air im Schlosshof in Sachsenheim (bei schlechter Wit­terung in der Mensa des Lichten­stern-Gymnasiums), tags darauf dann beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauen­kirche. „All’Italiana“ überschrie­ben, ist der rote Faden ltalianita mühelos erkennbar. Ausgangs­punkt war der ausgesprochen positive Eindruck, den die junge ita­lienische Geigerin Rebecca Rai­mondi bei ihrem SKB-Debüt als Konzertmeisterin bei den Neu­jahrskonzerten des Ensembles hinterlassen hat: „Daraufhin hab ich gesagt: Gut, wir machen mal ein Programm, das ganz auf Rebecca zugeschnitten ist“, erklärt Peter Wallinger die Genese des diesjährigen Serenadenkonzerts. Dementsprechend wird die 1996 in Rom geborenen Raimondi nun als Solistin in zwei der vier Violin­konzerten zu hören sein – Wallin­ger beschränkt sich hier auf „Der Frühling“ (Op. 8 Nr. 1, RV 269) und „Der Sommer“ (Op. 8 Nr. 2, RV 315): „an dieser Nahtstelle be­wegen wir uns ja gerade“ -, während Swantje Asche-Tauscher ih­ren Platz als Konzertmeisterin einnimmt, bei Respighi und Rota teilen sie sich das erste Pult, wobei Raimondi dann wieder Stimmführerin der 1. Violinen ist.
Der Kontakt zu Raimondi kam über Peter Wallingers Sohn Simon zustande, der wie Raimondi an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt stu­dierte, an der die Italienerin heute auch einem Lehrauftrag für Barockvioline nachkommt. Simon Wallinger, der mit Raimondi auch als künstlerisches Leitungsduo der „Lienzingen Akademie“ fun­giert und zuletzt beim Frühjahrs­konzert der SKB am Pult stand, wird nun wieder am Kontrabass in den Reihen des Ensembles zu finden sein. Eine weitere Klammer im Programm ist das neo­klassizistische Motiv des Rückbezugs: Sowohl Respighis „Antiche Danze ed Arie“ als auch Rotas „Concerto per Archi“ sind in Anlehnung an „antike Vorbilder“ (Wallinger) entstanden: „Beide schauen zurück und kleiden Alte Musik neu ein – bei aller Unterschiedlichkeit: Respighi mehr spätromantisch-impressionistisch, Rota sehr rhythmisch-kraftvoll.“ Für den Vivaldi hätte sie gern das 1732 in Neapel ge­baute lnstrument von Gennaro Gagliano eingesetzt, das eine Stif­tung ihr zur Verfügung stellt, sagt die auf historische Aufführungspraxis spezialisierte Violinistin, doch Darmsaiten in einem Open-Air-Konzert seien eine wenig vorteilhafte Kombination. Entscheidender für den „Barockklang“ ist ohnehin der Bogen, weiß Raimondi und betont, dass es bei aller Bildlichkeit dieser Programmmusik darauf ankomme, die „zweite Ebene„ der „Idee dahinter“ mitzugestalten.

INFO: Die Konzerte finden am Samstag, 24. Juni. um 19.30 Uhr im Schlosshof Sachsenheim, am Sonntag, 25. Juni um 11:00 Uhr in der Frauenkirche in Lienzingen statt. Weitere Infos gibt es unter www.sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Autor: Harry Schmidt

Vivaldi und Raimondi im Schlosshof

Sommerkonzert – Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ bringt italienische Leichtigkeit nach Sachsenheim.

.All’ltaliana“ Ist das diesjährige Motto der Sommerkonzerte der „su­eddeutschen kammersinfonie bietigheim“. Am 24. Juni ist sie in Sachsenheim zu hören. Fotos: sueddeutsche kammersinfonie

Sachsenheim. Am Samstag, 24. Juni gibt die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ ein Kon­zert im Innenhof des Wasserschlosses. ,,All’ltaliana“ – italie­nisch und im heiteren Serenadenton – so lässt sich das Open-Air­ Konzert der Kammersinfonie überschreiben.

Vivaldi, Rota und Respighi

Im Mittelpunkt stehen „Der Frühling“ und „Der Sommer“ aus Vi­valdis „Vier Jahreszeiten“ mit der vielfach ausgezeichneten Geige­rin Rebecca Raimondi als Solistin. Die gebürtige Römerin studierte am Conservatorio Respighi in Latina (Italien) und an der Guildhall School of Music & Drama in London. Seit 2018 lebt sie in Frankfurt, wo sie bei Professorin Petra Müllejans Barockvioline studiert. Auf dem Programm stehen außerdem zwei weitere Werke italienischer Meister, die in unter­schiedlicher Weise die Atmosphä­re des Südens hör- und erlebbar machen: So werden in Ottorino Respighis „Antiche Danze ed Arie“ alte Tänze und Weisen in ein zauberhaftes, neues Klangge­wand gekleidet. Dagegen wählt Nino Rota kraftvollere Farben in Tönen und Rhythmen für sein mitreißendes „Concerto per Ar­chi“.

Die ltallenlsche Geigerin Rebec­ca Ralmondl trltt als Solistin bei den Konzerten auf.


Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ gilt in ihrer Arbeitsweise als modellhaft für eine besondere Art des Musizie­rens und Konzertierens abseits der etablierten Berufsorchester.
Das Resultat dieser engagier­ten und konsequenten, projektbezogenen Orchesterarbeit mit qua­lifizierten Musikerinnen und Musikern ist – über die Professionalität hinaus – ein von Frische und jugendlichem Elan geprägtes, klangdifferenziertes Spiel. So ist die Kammersinfonie seit ihrer Gründung im Jahre 1984 unter der künstlerischen Leitung des Celi­bidache-Schülers Peter Wallinger zu einem hoch qualifizierten Klangkörper mit großer Ausstrah­lung gewachsen. Zahlreiche CDs innerhalb der Editionsreihe „Kammersinfonie live“ belegen den erreichten Standard.
Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Einlass ab 18.30 Uhr (bei schlechter Witterung in der Mensa beim Schulzentrum). Karten gibt es im Vorverkauf für 18 Euro bei Schreibwaren Bader, beim Bürgerservice der Stadt, unter www.sachsenheim.de oder für 21 Euro an der Abendkasse. Wer das Sachsenheimer Konzert verpasst, hat am Sonntag, 25. Juli, um 11 Uhr eine zweite Chance. Dann gastiert das „sueddeutsche kammeror­chester bietigheim“ in der Lien­zinger Frauenkirche. bz

„Live 2022“: Exquisites mit hochkarätigen Solisten

Mit der 20. Ausgabe der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ legt Peter Wallinger mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erneut eine hervorragende Visitenkarte vor.

Die CD „Live 2022“ der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Foto: privat

Mit der 20. Ausgabe der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ legt Peter Wallinger mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erneut eine hervorragende Visitenkarte vor.

Bietigheim-Bissingen. Die Qualität eines Orchesters lässt sich nicht zuletzt daran bemessen, wie es um die Karatzahl der Solisten bestellt ist, die sich ihnen anvertrauen. Für Fans von Sebastian Manz sollte die CD „live 2022“, die 20. Ausgabe der Dokumentationsreihe der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB), ein Pflichtkauf sein: Denn die „Israeli Suite“, die der Soloklarinettist des SWR- Symphonieorchesters sich als Medley dreier Klezmer des Giora-Feidmann-Wegbegleiters Helmut Eisel auf den Leib geschrieben hat, liegt hiermit als Ersteinspielung vor.

Regelmäßig krönt der 37-jährige Virtuose seine Auftritte mit dieser alle Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme auf die Klarinette übertragenden Partitur als Zugabe. Doch bereits in W. A. Mozarts Klarinettenkonzert (KV622) bringt Manz sein Instrument zum Sprechen, wahlweise mit vorwitziger, funkensprühender Brillanz oder im vertraulichsten Flüsterton. Dazu kommt, dass Manz das A-Dur-Konzert auf einer Bassettklarinette spielt – dem Instrument, für das Mozart wohl ursprünglich geschrieben hat.

Ein Glücksfall ähnlicher Art auch der Auftakt des Albums: Ursula Schoch, seit mehr als 20 Jahren Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouworkest, blickt wie Manz auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Peter Wallinger und der SKB zurück. Mit überbordender Spielfreude gestaltet die Violinistin die „Humoreske III“ von Jean Sibelius, auch hier produziert das Einverständnis von Solistin und Orchester ein exquisites Ergebnis, das mehr ist als die Summe der Teile.

Für Joseph Haydns Sinfonie Nr. 81 hat Peter Wallingers Sohn Simon Wallinger die Stabführung übernommen – eine ungemein plastische, lebendige, gleichwohl formbewusste Interpretation dieses landläufig etwas unterschätzten Werks. Als einen Vorgeschmack auf einen Mieczyslaw-Weinberg-Zyklus, bei dem alle vier Kammersinfonien des jüdischen Komponisten polnischer Herkunft aufgeführt werden, komplettiert das „Moderato“ der 2. Kammersinfonie die Blütenlese der Saison 2022.

INFO: Die CD „live 2022“ ist über das Sekretariat „MühlackerConcerto“, Telefon (07043) 958393 oder per E-Mail an susanne@boekenheide.net zu beziehen. Für Mitglieder der Fördervereine „Süddeutsche Kammersinfonie“ und „Mühlacker Klassik“ ist sie als Jahresgabe kostenfrei.

Autor: Harry Schmidt

Tjeerd Top lässt die Violine singen

Reihe „Mühlacker Concerto“ endet mit fulminanter Zusammenstellung

Das begeisterte Publikum feiert mit großem Beifall und Jubelrufen den Solisten des Konzer­tes: der Starviolinist Tjeerd Top mit seiner Stradivari. Foto: Eva Filitz

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammer­sinfonie Bietigheim hat am vergangenen Sonntag zu einem Konzert in den Uh­landbau eingeladen. Es war der Schluss­punkt der Konzertreihe „Mühlacker Concerto“. Mancher Freund „traditio­neller“ Klassik“ mag sich zweifelnd ge­fragt haben: Passt das zusammen? Ein Violinkonzert von Beethoven und eine Polonaise von Schubert wurden geboten, jeweils mit Solo-Violine. Dazu dann eine Kammersinfonie von Mieczyslaw Wein­berg? Wer aber war Weinberg?

Dirigent Simon Wallinger baute Brü­cken. Er überzeugte mit seinem klaren, unmissverständlichen Dirigat zunächst seine Musikerinnen und Musiker, die auch seinem kleinsten Fingerzeig folgten und so mit ihren facettenreichen Inter­pretationen das Publikum begeisterte. Mit dabei Tjeerd Top, Erster  Konzert­ meister im Königlichen Concertgebouw Orchester Amsterdam, der mit seiner Stradivari wahrlich zaubern konnte.

Zum Auftakt erklang Beethovens C-Dur-Violinkonzert. Nur 259 Takte hat er selbst komponiert – 1870 wurde das Fragment entdeckt, und war Anreiz für zahlreiche Komponisten, es zu vervoll­ständigen. Wallinger hatte die meistgespielte Version von Josef Hellmesberger (1879) gewählt, aus der das Allegro con brio erklang. Ganz still wurde es im Saal. Denn der Maestro an der Violine bot alles auf, was überhaupt mit diesem Instru­ment möglich ist furiose Tempi in mächti­gem Fortissimo, knackige Pizzicati, berauschende Klangfolgen, in die zartestes Piano einfloss, kaum noch hörbar, aber bis zum letzten Bogenstrich kristallklar und transparent. Das Cantabile in der Roman­ze verstand Top wörtlich und ließ seine Violine singen. Beschwingt und heiter lud er dann zum Tanz der Polonaise ein.

Ebenfalls staunenswert war das stets harmonische Zusammenspiel mit dem Orchester,das mitsichtbarer Spielf reude seinem Dirigenten „gehorchte“.

Wallinger tat gut daran die Zuhörer auf die nun folgende „Zeitenwende“ im Pro­gramm mit einführenden Worten vorzu­bereiten. „Weinberg hat viele Extreme ausgereizt. Seien Sie gefasst auf wilde Kampfszenen neben leisen Passagen bis hin zur Hörgrenze“, so der Dirigent. Es war tatsächlich ein enormer Kontrast zum bisherigen Programm. Weinberg ging neue Wege. Die Art, wie er die Stim­men, nur Streicher, ohne Bläser, nach und nach zu einem harmonischen Ganzen zu­sammenfügte, ließ sich dennoch erstaun­lich gut verstehen und ist dem Dirigenten zu verdanken, der behutsam, aber auch mit der vom Komponisten geforderten Kraft die mal fließenden, dann abrupten Klangfolgen entschlüsselte.

„Weinberg war heute unser Favorit“, äußerte sich ein Ehepaar aus Maulbronn, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Die Klangfarben der ein­zelnen Instrumente empfand ich viel prägnanter. Für mich war es ein völlig neues, ganz intensives Hörerlebnis“, er­klärte begeistert die Ehefrau.

Gemessen an dem Riesenbeifall zum Schluss, kann Mühlacker Concerto die­ses Konzert als großen Erfolg buchen. Warum nur rund 100 Musikfreunde den Weg in den Uhlandbau fanden, stimmt dennoch traurig.

Autorin: Eva Filitz

Saisonabschluss bietet unerhörte Klangwelten

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt unter der Leitung von Simon Wallinger und mit Tjeerd Top als Solisten.

Beeindruckender Solist mit beeindruckendem Instrument: Tjeerd Top.
Foto: Fotomoment

Mühlacker. Musikalische Raritäten standen am Sonntag im Mittelpunkt des Frühjahrskonzerts der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Uhlandbau mit Simon Wallinger am Dirigentenpult.

Ludwig van Beethoven schuf als Zwanzigjähriger ein selten zu hörendes, erstes Violinkonzert in C-Dur, das nur als einsätziges Fragment erhalten ist, das aber als Frühwerk bereits alle charakteristischen Eigenschaften des Komponisten erkennen lässt. Eine brillante Interpretation des Soloparts lieferte Tjeerd Top, Erster Konzertmeister im renommierten Concertgebouw Orchester Amsterdam, auf seiner Stradivarius-Violine aus dem Jahre 1713. Insbesondere die Kantilenen in hoher Lage erklangen auf diesem edlen Instrument in vollendeter Schönheit.

Wie ein langsamer, intimer „Mittelsatz“ erklang im direkten Anschluss die Romanze in F-Dur opus 50 für Violine und Orchester von Beethoven. Ohne Unterbrechung durch Applaus, wie ein heiterer „Schlusssatz“ eines Violinkonzerts, folgte die Polonaise in B-Dur von Franz Schubert. Mit einem Wiegenlied der „Red Hot Chili Peppers“ bedankte sich Tjeerd Top für den reichen Beifall und verblüffte dabei das Publikum mit dem kunstvollen, gleichzeitigen Streichen und Zupfen der Saiten.

Eine weitere Besonderheit war nach der Pause, jetzt ohne Bläser, mit Mieczysław Weinbergs Kammersinfonie Nummer 3 von 1990 zu hören – einem faszinierenden Spätwerk von höchster Expressivität, in dem sich die bewegte Biografie des jüdischen Komponisten eindrucksvoll niederschlägt. Unerhörte Klangwelten eröffnen sich in dem 35-minütigen Werk in reiner Streicherbesetzung. Die Extreme reichen von leisesten Unisono-Passagen an der Hörschwelle bis zu gewaltigen, hochexpressiven Klanggebilden. Doch inmitten dieser bisweilen exzessiv bizarren Klangmassen offenbart sich immer wieder versöhnlicher Schönklang im reinen Streicherton.

Simon Wallinger hat sich mit spürbar großem Engagement dem anspruchsvollen Werk gewidmet und mit den hochmotiviert spielenden Musikern des Orchesters eine beeindruckende Interpretation gemeistert. Ein eher nachdenkliches Menuett von Schubert als Zugabe beschloss den eindrucksvollen Konzertabend. pm

Frühlingskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie in Mühlacker

Beeindruckender Auftritt bot einige Besonderheiten.

Nachwuchsdirigent Simon Wallinger, Sohn des Orchesterchefs Peter Wallinger, leitet die Sueddeutsche Kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau. Fotos: Fotomoment
Exzellenter Solist: Tjeerd Top spielt seine Stradivarius-Geige mit Elan.

Geschickte Überlegung bei der Programmgestaltung am Sonntagabend: Drei Orchesterstücke mit Violin-Solopart wurden sinnfällig wie ein dreisätziges Violinkonzert mit lebhaften Ecksätzen und langsamem Mittelsatz zu einer Einheit gefügt und ohne Pausenapplaus interpretiert. Zudem veredelte ein exzellenter Solist die Wiedergabe. Tjeerd Top, der in Mühlacker dank mehrerer Gastauftritte gut bekannte Konzertmeister des Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, spielte mit Elan und klangschöner Klarheit auf seiner Stradivarius-Geige. Nicht das geringste Nebengeräusch oder Krätzerchen waren zu hören.

Das Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau hatte freilich weitere Besonderheiten zu bieten. Nachwuchsdirigent Simon Wallinger, der Sohn des Orchesterchefs Peter Wallinger, leitete den gesamten Konzertabend. Vor der Pause die erwähnten, in ihrer Dynamik so unterschiedlichen Kompositionen: Ludwig van Beethovens selten zu hörendes, schwungvolles Violinkonzert-Fragment in C-Dur (Wo 05), von dem nur ein „Allegro con brio“ existiert. Anschließend Beethovens populäre Romanze F-Dur (op. 50), ein romantisches Bravourstück mit samtweichem Solopart, und zum Schluss Franz Schuberts tänzerische Polonaise B-Dur (D 580). Eine Bläsergruppe bereicherte die frühlingshaft hellen Klanglandschaften. Als Zugabe offerierte Top das kunstvoll-virtuose, zerbrechlich-zarte Solostück „Porcelain“ aus seiner neuen CD „Fragile“.

Leidenschaftliches Engagement

Nach der Pause präsentierten sich das Orchester, das nun als reines Streicherensemble agierte, und sein jugendlicher Dirigent mit spürbar leidenschaftlichem Engagement für das musikalische Extreme ausreizende Werk des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919-1996). Der wenig bekannte Meister ist – wie Wallinger einleitend bemerkte – eine Entdeckung und besitzt eine bewegte, sich in seinen Kompositionen niederschlagende Biografie. Sein Oeuvre umfasst auch vier Kammersinfonien, von denen beim Frühlingskonzert die 1990 entstandene Nr. 3 (op. 151) als Fortsetzung des angekündigten „Weinberg-Zyklus“ geboten wurde.

Der schwermütige erste Abschnitt „Lento“ setzte mit Unisonogesang der Violinen ein, dunkles Bass-Geraune folgte. Einen starken Kontrast dazu bildete der zweite Satz. Das rasante „Allegro molto“ rauschte mit kämpferisch-wildem Klanggetümmel vorbei und mündete in dreifaches Fortissimo ein. Ein klangseliges „Adagio“ und ein „Andantino“ mit eingeschobenem Violinsolo, das sich wie eine intensive Erlösungssuche anhörte, fügten sich an. Eine rätselhafte Musik, die auch das herzlich applaudierende Publikum tief beeindruckte.

Autor: Eckehard Uhlig

Minutenlanger Applaus für Geigenvirtuosen

Mit Tjeerd Top aus Holland gestaltet die Süddeutsche Kammersinfonie ein Konzertbonbon in Bietigheim.

Solist Tjeerd Top beim Konzert im Kronenzentrum. Foto: /Oliver Bürkle

Aus der Fülle von Literatur für Geige solo mit Orchester stellte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eine eigene „Symphonie“ in drei Teilen zusammen und gestaltete ein charmantes Frühlingskonzert am Samstagabend im Kronenzentrum.

Beethovens selten gehörtes Violinkonzert in C-Dur stellt die Geige als selbstbewusste Energieträgerin vor. Die F-Dur-Romanze Beethovens zeigt ihr sinnliches, schwärmerisches Wesen. Die Polonaise in B-Dur von Franz Schubert entwirft das Bild einer Tänzerin von ihr. Der Geiger des Abends Tjeerd Top küsst all diese Seiten bei der hölzernen Lady wach. Beethoven hat für sie sogar eine eigene Gattung kreiert, die Romanze.

Tjeerd Top als Konzertmeister des Amsterdamer Concertgebouw kommt strahlend auf die Bühne und wird mit warmem Applaus willkommen geheißen. In Holland hat er einen großen Namen, in Bietigheim lernen ihn Kenner und Liebhaber klassischer Musik gerade erst kennen. Der Geiger mit dem Schmunzeln im Gesicht geht in einen lebendigen Dialog mit dem Bietigheimer Orchester. Das Ensemble besteht aus klangstarken Charakteren in jeder Stimme. Deshalb hat die Besetzung auch einen Stab von Fans, die kaum eines der Konzerte im Bietigheimer Kronensaal ausfallen lassen.

Besonders nach der Pandemie wird das Angebot des Bietigheimer Streicherensembles dankbar angenommen. Jedem dieser Konzerte der Süddeutschen Kammersinfonie schickt Flötistin Christiane Dollinger eine kleine Einführung voraus, diesmal flimmert diese über die Leinwand. Sie ist mit ihrer Begabtenklasse der Musikschule bei einem Probenwochenende.

Programme von der Stange gibt es bei der Bietigheimer Kammersinfonie nicht, sondern „einzigartige Designerstücke“ wie das seltene Fragment eines C-Dur- Violinkonzerts von Beethoven. Drei Werke für Violine solo sorgen dafür, dass sich im ersten Teil der Geigenhimmel öffnet und die Zuhörer den holländischen Virtuosen in jeder Facette kennenlernen. Er wird gefeiert mit minutenlangem Applaus.

Programme von der Stange gibt es bei der Bietigheimer Kammersinfonie nicht, sondern „einzigartige Designerstücke“ wie das seltene Fragment eines C-Dur- Violinkonzerts von Beethoven. Drei Werke für Violine solo sorgen dafür, dass sich im ersten Teil der Geigenhimmel öffnet und die Zuhörer den holländischen Virtuosen in jeder Facette kennenlernen. Er wird gefeiert mit minutenlangem Applaus.

Im zweiten Teil nimmt Tjeerd Top als Konzertmeister bei den ersten Geigen Platz. Das Orchester setzt den „Weinbergzyklus“ fort, den es 2022 schon gestartet hat. Es geht dem Leiter und Gründer der Süddeutschen Kammersinfonie, Peter Wallinger, darum, dass der erst 1996 gestorbene sowjetische Komponist polnischer Herkunft Mieczysław Weinberg nicht in Vergessenheit gerät. Mit der Aufführung seiner Werke soll er nach seinem Tod ins Licht der Öffentlichkeit gestellt werden.

In seinem Werk reizt Weinberg Extreme aus, und stellt lange homogene Passagen direkt neben Kampfesszenen im zweiten Satz. Auch in der Dynamik geht der 1919 geborene Komponist extreme Wege und kreiert viele leise Passagen, die an der Hörgrenze liegen im sich auflösenden tonalen System. Weinberg ist kein Schönberg. Er lässt Dissonanzen pointiert einfließen und erspart seinem Publikum bewusst schrille Schräglagen.

Am Ende tobt minutenlang der Applaus, und das Kammerorchester zaubert noch einmal die Polonaise von Schubert heraus. Einfach deshalb, weil man selten die Geige als Solistin in einem tänzerischen Satz, einer Polonaise hört.  

Autorin: Susanne Yvette Walter