Bietigheimer Zeitung
Die wahre Leidenschaft der Töne
Virtuose Klavierkunst hat in Bietigheim einen Namen: Müllerperth. Das zeigte sich wieder beim Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie. Zu hören war ein brillanter Soloakt.

Die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger im Kronenzentrum.
Foto: Martin Kalb
Am Freitagabend gab es ein Wiedersehen mit Magdalena und Marina Müllerperth, zwei Konzertpianistinnen, die auf internationalem Niveau in die Tasten greifen – und das voll Temperament und Leidenschaft. Im Kronenzentrum konzertierten sie mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.
Das Konzert im Kronenzentrum war mit „Leidenschaft der Töne“ überschrieben und genau das traf den Kern. Kaum ein berühmter Komponist stünde dafür besser Pate als Johannes Brahms. Mit seinen ungarischen Tänzen eröffnete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ein leidenschaftliches Konzert. Unter den Händen ihres Dirigenten Peter Wallinger wurde eine Interpretation daraus, die Brahms sicher auch gefallen hätte. Teils gehen die Tänze schon in Richtung „ungarische Zigeunermusik“, und dieses Feuer entfachte das versierte Kammerorchester, das, gut aufeinander eingespielt, wieder einmal eine Glanzleistung vollbracht hat.
Mit Joseph Haydns Klavierkonzert in D-Dur potenzierte sich diese Leidenschaft noch einmal.
Beide Pianistinnen haben als ganz kleine Mädchen angefangen und sind die Karriereleiter traumhaft hinaufgeklettert.
Nach der Pause gab es eine knisternde Begegnung mit Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert Nr. 2 in d-Moll. Erstaunlich, dass keine Funken flogen bei jedem rasanten Lauf, den die versierten Finger von Magdalena Müllerperth in den Flügel einmassierten. Da war trotz robustem Tempo die Nuance jedes Anschlags pointiert zu hören. Auswendig zauberte die Pianistin wahre Wunder auf die Tasten, wendig, leicht und doch energisch – eine Meisterin ihres Fachs. Natürlich brandete der Applaus und wollte kein Ende nehmen. Wer die Leidenschaft weckt, muss damit rechnen, dass man ein aufgewühltes Publikum erst einmal wieder besänftigen und abkühlen muss. Das tat die Pianistin schließlich auch gewissenhaft. Zum Abschied servierte sie Bach, die Gigue und die Sarabande aus der fünften Französischen Suite – schlicht, schlank und schön.
Susanne Yvette
Doppel-CD stimmt auf Konzert ein
Die „sueddeutsche kammersinfonie“ hat im Vorfeld eines Konzertes im Kronenzentrum am 6. März eine CD mit dem Titel „Jubiläumsedition 2014“ veröffentlicht. Eine Einstimmung auf das Programm „Leidenschaft der Töne“.

Foto: Martin Kalb.
Kennzeichnend für die Kammersinfonie Bietigheim ist ihr Mut, Kompositionen mit einer gewissen Leichtigkeit anzugehen, um ihnen so den Schrecken der Schwere zu nehmen. Rund um den künstlerischen Leiter Peter Wallinger hat sich ein Ensemble versammelt, das in seiner Spielfreude ein hohes Niveau erreicht hat.
Beleg dafür mag die neue Doppel-CD sein, die als ersten Höhepunkt das „Gebet des Torero“ von Joaquin Turina enthält. Das Stück besteht aus einer dramatischen Einleitung, einem Pasodoble, einem bewegenden lyrischen Andante, einem Lento und die Reprise des Pasodoble, die im Lento schließt. Erzählt wird die Geschichte eines Torero, der nach dem Trubel in der Arena und dem Lärm der Zuschauer am Ende Ruhe und Trost im Gebet findet. Der Kammersinfonie gelingt es auf beeindruckende Weise, die Musik bis hin zur mystischen Verklärung zu steigern.
Wie ein Kontrast dazu sind die „Nordischen Weisen“ von Edvard Grieg und „Des Spielmanns Lieblingsmusik“ von Pehr Henrik Nordgren anzuhören. Leicht präsentiert, wird der Hörer in rasch wechselnde Gefühlslagen hineingestoßen und musikalisch wird dies von der Kammersinfonie kräftig in Szene gesetzt. Diese spielerische Einfärbung der ersten CD endet mit Johann Sebastian Bachs „Gavotte“. „Soli Deo Gloria“, Gott allein zum Ruhm, wie der Komponist gesagt hätte – und dem Hörer zum Wohlgefallen. Auf der zweiten CD wurde bei der Auswahl der Stücke, die alle zwischen Juli und Dezember 2014 aufgezeichnet wurden, Ludwig van Beethoven in den Mittelpunkt gerückt. Die Ouvertüre von Goethes Trauerspiel „Egmont“, op. 84, ist ein Orchesterwerk von Beethoven, wobei die Ouvertüre besonders bekannt wurde. Zu empfehlen ist das komplette Stück bis hin zum pompösen Finale und der Hinrichtung des freiheitsliebenden Grafen Egmont. Mit einer Spielzeit von insgesamt rund 45 Minuten bietet die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ mit der Sinfonie Nr. 3 aus „Eroica“ dann Beethoven satt. Die erste öffentliche Aufführung fand am 7. April 1805 im Theater an der Wien statt. Mit „Eroica“ gelang Beethoven der Schritt von der „klassischen“ Symphonie des 18. Jahrhunderts zur „großen“ Symphonie des 19. Jahrhunderts. Musikalisch in einem ungewöhnlichen Ausmaße, kühn klingenden Instrumentation und eine damit hergehende weltbürgerliche Sprache. „Eroica“ ist der Schlusspunkt der CD – übrigens gar nicht im Sinne des großen Komponisten. Man möge diese Symphonie, die über das gewohnte Maß ausgedehnt sei, doch bitte lieber kurz nach Beginn, als gegen das Ende einer musikalischen Veranstaltung ansetzen. „Sie würde sonst, wenn der Zuhörer von dem Vorhergegangenen bereits ermüdet ist, von ihrer Wirkung verlieren“, schrieb Beethoven 1806 in der Erstausgabe der Partitur. Bei der Kammersinfonie Bietigheim wurde „Eroica“ ganz ans Ende gesetzt, was der Anordnung der insgesamt höchst gelungenen Einspielung jedoch nicht schadet.
Am Freitag, 6. März, können sich Zuhörer der „Leidenschaft der Töne“ der Kammersinfonie ab 20 Uhr im Bietigheimer Kronenzentrum völlig hingeben. Eine Einführung in das Konzert findet um 19.15 Uhr mit Christina Dollinger statt. Das Orchester spielt Johannes Brahms „Ungarische Tänze“, Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur und Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierkonzert Nr. 2 d-moll op. 40. Solistinnen sind Marina und Magdalena Müllerperth am Klavier.
Info: Vorverkauf bei der Stadtinformation, Hauptstraße 65, in Bietigheim-Bissingen und im Internet.
Die CD kann auf der Homepage der Kammersinfonie bestellt werden: www.sueddeutsche-kammersinfonie.de
Jörg Palitzsch
Eine reise in Wort und Ton
Beim Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der Bietigheimer Kelter standen am Sonntag sowohl französische Fabeln als auch ein norwegischer Klagegesang auf dem Programm.

Mit freudigem Applaus bedankten sich die Besucher des traditionellen Neujahrskonzerts der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntag in der Bietigheimer Kelter für ein heiteres, im wahrsten Sinne fabelhaftes Programm, das Orchesterleiter Peter Wallinger arrangierte.
Musik und Wort, in diesem Fall waren es Fabeln aus der Feder des französischen Dichters Jean de la Fontaine, der bis 1695 lebte, verbanden sich darin zu einem Gesamtkunstwerk.
Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater in Karlsruhe rezitierten in deutscher und französischer Sprache die originellen, lehrreichen, aber auch amüsanten Fabeln des französischen Dichters. Sie verstanden es, die Texte lebendig vorzutragen.
Passend zur jeweilig dargebotenen Fabel hatte Peter Wallinger für das Konzert mit dem Titel „Voyage fabuleux – eine fabelhafte Reise in Wort und Ton“ Kompositionen aus verschiedenen Epochen ausgewählt, die von den Musikern der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im gewohnt hell leuchtenden Streicherklang aufgeführt wurden. Auf die Fabel „Das Huhn mit den goldenen Eiern“ folgte zum Beispiel die Komposition „La Poule“, einem Konzert in g-moll von Jean Philippe Rameau, dem französischen Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach.
Sehr ernst war der Charakter des Tongedichts für Streichorchester mit dem Titel „Furuenes Sang“, zu Deutsch „Gesang der Tannen“, des 1952 geborenen norwegischen Komponisten Halvor Haug. Er schrieb das elegische, keineswegs leicht zu erfassende Werk im Jahr 1987, als er mit ansehen musste, wie vor den Fenstern seines Hauses ein ganzer Tannenwald gerodet wurde. „Es sind die im Sterben begriffenen Bäume, die den Gedanken hinter dem Werk bilden“, notierte Haug dazu. Das in äußerst verhaltenen Tempi musizierte, noch im tonalen Bereich angesiedelte Stück wirkte düster und weltentrückt und wurde vom Orchester geradezu andachtsvoll, jedoch in warmer, dichter Klangpracht ausgeführt. Davor hörten die Besucher die Fabel „Der Tod und der Holzfäller“.
Nach der heiteren, von dem Sprecherduo ungemein fröhlich und mit dem Gesang eines Chansons aus Paris umrahmten Rezitation der Fabel „Die Grille und die Ameise“ standen zwei Sätze aus „Die Jahreszeiten“, Opus 37a, von Peter Iljitsch Tschaikowsky auf dem Programm, die von der Kammersinfonie bewegt und in vollendetem Streicherglanz dargeboten wurden. Im „Lied der Lerche“ konnte sich Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi als feinstimmig musizierende Violinvirtuosin einbringen. Nach der szenischen Darstellung der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ erklang aus dem Tschaikowsky-Zyklus noch ein beschwingt und unbeschwert gespielter Walzer.
Mit einer delikaten, beglückend nuancenreichen Interpretation der Serenade in G-Dur, KV 525, von Wolfgang Amadeus Mozart, weithin bekannt als „Eine kleine Nachtmusik“, schloss das Neujahrskonzert unter lang anhaltendem Beifall.
Dafür hörten die Besucher noch je eine musizierte und gesprochene Zugabe. Nathalie Cellier bekundete ihre Solidarität mit den Opfern des Terroranschlages auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris, indem sie erklärte, die Freude über diese kulturelle Veranstaltung widme sie ihnen. Der spontane Applaus ließ erkennen, dass sich die Besucher diesem Gedenken anschlossen.
Rudolf Wesner
Ein künstlerischer Quantensprung
Reihe „MühlackerConcerto“: Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim bietet sinfonische Glanzleistung
Mühlacker. Das Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Samstag im Uhlandbau trug den bescheidenen Titel „Musik zum Advent“. Was die zahlreichen Besucher jedoch erlebten, kann als künstlerischer Quantensprung dieses Klangkörpers unter der Leitung seines Gründers Peter Wallinger bezeichnet werden. Die Aufführung der dritten Sinfonie, der „Eroica“, von Ludwig van Beethoven, war in seiner hoch ausgereiften Gestaltung eine neue Glanzleistung.

Die Trompetensolisten Eline Beumer und Saleem Khan. Foto: Fotomoment
Doch das Konzertprogramm enthielt darüber hinaus weitere musikalische Kostbarkeiten, mit denen die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihre Vielseitigkeit beweisen konnte und ihre Souveränität dokumentierte, mit der die Musiker Werke aus verschiedenen Musikepochen und mit unterschiedlichen landestypischen Charakteristiken glutvoll interpretieren können. Zunächst waren es festlich stimmende Klänge, die sich im gut besetzten Saal ausbreiteten. Zwei Schüler der Meisterklasse des Trompetenvirtuosen Reinhold Friedrich von der Hochschule für Musik in Karlsruhe, Saleem Khan und Eline Beumer, führten mit Bravour und in leuchtender Strahlkraft des Barock die Soli im Konzert D-Dur für zwei Trompeten und Streichorchester des italienischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, Petronio Franceschini, aus. Die hell schimmernden, lupenrein intonierten Trompetenklänge verbanden sich in den vier recht kurzen Sätzen mit der beglückenden Streicherfülle der Streicher. Überaus bewegt und in bestechender Virtuosität führten die beiden jungen, hoch talentierten Könner auf ihren Instrumenten ihre solistischen Aufgaben aus. Sie wirkten bereits zum dritten Mal an Konzerten dieses Orchesters mit.
Beliebt und bekannt ist das Konzertstück von Edvard Grieg „Hochzeitstag auf Troldhaugen“. Ein heiteres, elegantes, beschwingtes Musizieren setzte mit den ersten Takten des 1896 ursprünglich als Klavierstück veröffentlichten, vielfarbigen Werks ein. Rhythmisch kraftvoll kamen die tänzerischen Elemente zur Geltung, die nur kurz von einer lyrischen, verträumten Melodie unterbrochen wurden. Mit der „Böhmischen Suite“, Opus 39, von Antonín Dvorák breitete das Orchester Lebensgefühl und Lebensfreude der Menschen jener Landschaft mit Wäldern und romantischen Flussläufen aus. Warm und wohlig fließende Melodik mit schwärmerischem Ausdruck, tänzerische Beschwingtheit, pure Romantik prägten die ersten vier Sätze der im Jahr 1879 komponierten Suite. Doch der abschließende „Furiant“ war reich bestückt mit höchst vertrackten, anspruchsvollen, unerwartet eintretenden Rhythmuswechseln und plötzlichen Generalpausen, die vom Dirigenten wie auch von den Musikern höchste Konzentration verlangten. Schon da zeigte sich, dass die Süddeutsche Kammersinfonie künstlerische Reife hohen Grades erlangt hat und mit Bravour zu musizieren versteht.
Ludwig van Beethoven hatte seine dritte Sinfonie in Es-Dur, Opus 55, ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmet, wovon er jedoch wutentbrannt Abstand nahm, als er erfuhr, dass dieser sich zum Kaiser hatte krönen lassen. Mit seinem Werk brachte er seinen Wunschtraum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Europa zum Ausdruck, der sich nun nicht mehr erfüllen ließ. Beethoven ging völlig neue Wege in seiner Sinfonie, denn allein schon deren Umfang, die eine Aufführungsdauer von rund 50 Minuten erforderte, übertraf im Jahr 1817 alle bis dahin in dieser Gattung veröffentlichte Kompositionen.
Die Süddeutsche Kammersinfonie leitete den ersten Satz mit vibrierender Spannung ein, die aber schon sehr schnell zu eruptivem Ausbruch drängte. Peter Wallinger wählte ein straffes Tempo für die Aufführung, die vom glitzernden Spiel der Streicher und der brillanten Klangentfaltung der Bläser geprägt war. Der Satz „Marcia funèbre“ erklang elegisch, ohne jedoch in schmerzerfüllter Larmoyanz zu versinken. Urweltlich emotional führte das Orchester das Scherzo mit seinen aufregenden Kontrasten zwischen wirbelnden Staccatopassagen und tief romantisch wirkenden Klängen auf. Das Finale fesselte mit seinem heroischen Klang, den Peter Wallinger bei drängenden Tempi wachsen ließ, und in dem die dramatischen Verdichtungen und Verknüpfungen der beiden den Satz beherrschenden Themen transparent zum Ausdruck kamen. Diese Glanzleistung der Süddeutschen Kammersinfonie wird langfristig im Gedächtnis haften bleiben, wie der anhaltende Schlussbeifall belegte.
Rudolf Wesner
Bei Haydn gehen fast alle
Sehr gutes Konzert der Kammersinfonie Bietigheim mit altem Ritual
Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ glänzte bei ihrem Konzert in Ludwigsburg. Vor allem aber die Solistin Anne-Sophie Bertrand an der Harfe beeindruckte mit ihrem feinfühligen, virtuosen Spiel.

Im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse Ludwigsburg musizierte am Freitag erneut die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“. Die Qualität des Konzerts hätte allerdings eine größere Zahl an Zuhörern verdient.
Neben seinen insgesamt 41 Sinfonien schrieb Wolfgang Amadeus Mozart unter anderem auch eine Fülle von Divertimenti, die als Gelegenheitskompositionen entstanden sein dürften. Aus dem Jahr 1775 stammt beispielsweise das elfte Divertimento in D-Dur, KV 251. Das Werk umfasst sechs Sätze und sieht die solistische Mitwirkung einer Oboe und zweier Hörner vor. Einen heftig bewegten Anfang ließ Peter Wallinger von den Musikern der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ mit dem einleitenden Allegro Molto erklingen, dem in feierlich schreitendem Tempo ein Menuett folgte. Elegant und die zarte Melodik auskostend wurde das Andantino zu einer Delikatesse. Im zweiten Menuett-Satz erhielten die drei Solisten an der Oboe und den Hörnern viel Gelegenheit, mit ihrem virtuosen Spiel zu bestechen. Vital, burlesk und voller Esprit führte das Orchester das Rondo aus. Mit einem pompös klingenden „Marcia Alla Francese“ gestalteten die Musiker unter Peter Wallingers anregender Leitung ein bravouröses Finale.
Der französische Komponist Francois-Adrien Boieldieu lebte von 1775 bis 1834 und hatte eigentlich eher mit seinen Opern Erfolg, von denen „Die weiße Dame“ bis heute die bekannteste geblieben ist. Doch er schrieb auch ein Konzert für Harfe und Orchester in C-Dur, das Peter Wallinger für das Konzert in Ötisheim aus einem Notenarchiv ausgegraben hatte. Zur glanzvollen Aufführung dieser musikalischen Rarität gewann er die in Paris geborene und seit dem Jahr 2000 dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks angehörende Harfenvirtuosin Anne-Sophie Bertrand.
Die junge Künstlerin begeisterte mit der brillanten Interpretation der anspruchsvollen Soli des dreisätzigen Werks. Schon im ersten Satz bestach sie mit Virtuosität und breitete zusammen mit dem feinstimmig und in angemessener Zurückhaltung musizierenden Orchester ein zartes Klanggewebe aus. Anne-Sophie Bertrand beglückte mit ihrem feinfühlig nuanciertem Spiel, das sie auch im Andante hören ließ. Im Rondeau bewies sie noch einmal filigrane Klangentfaltung.
Zu den besonders häufig aufgeführten Sinfonien von Joseph Haydn zählt die mit dem Beinamen „Abschiedssinfonie“ versehene 45. in Fis-Moll aus dem Jahr 1772. Die Kammersinfonie ließ bei der Aufführung der ersten drei Sätze zunächst den gewohnten sinfonischen Glanz aufleuchten. Doch im Finale kam Bewegung in die Reihen der Musiker, denn, und darauf warteten die Kenner des Werks bereits, nach und nach packten sie ihre Instrumente ein und verließen leise das Podium, bis nur noch zwei Violinisten übrig blieben, die den Satz und damit die Aufführung ausklingen ließen.
Auch in diesem Konzert war einmal mehr die vollendete und hell schimmernde Pracht des Klangkörpers zu erleben. Als Zugabe wurde noch ein Pizzicato-Stück aus der Ballettmusik „Don Juan“ von Christoph Willibald Gluck dargeboten.
Rudolf Wesner
Streifzüge durch mediterrane Musik „Kammersinfonie Bietigheim“ im Kulturhaus
„Mediterrane Streifzüge“ – so lautete der Titel eines Konzerts der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Samstag im Sachsenheimer Kulturhaus. Mit dabei: der herausragende Solist Nabil Shehata.

Ein Markenzeichen der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ ist deren schimmernder Streicherklang, wie dieser vom Orchestergründer und seitherigen Dirigenten Peter Wallinger entwickelt wurde. Davon konnten sich am Samstagabend auch die Besucher des Konzerts mit dem Titel „Mediterrane Streifzüge“ überzeugen. Weil die Witterung an diesem Abend jedoch nicht mediterran war, musste das heiter gestimmte Konzert in den Saal des Sachsenheimer Kulturhauses verlegt werden.
Zu den beliebtesten Kompositionen für Streichensembles zählen auch die Sonaten, die der damals gerade mal zwölfjährige Gioacchino Rossini schrieb. Mit der ersten aus diesem Zyklus in G-Dur leitete die „Kammersinfonie“ ihr Programm ein. Die drei Sätze wurden spritzig, im ersten Satz auch überaus graziös und in glitzernder Streicherpracht aufgeführt. Verträumt, in bewegt schreitendem Tempo musiziert, erklang das kurze Andantino mit seinem köstlichen Melodiebogen. Auch der Schlusssatz ist kurz, aber voller heiterer Akzente, welche die Musiker mit Glanz auskosteten.
Mit dem Kontrabassisten Nabil Shehata aus München war es Wallinger wieder gelungen, einen herausragenden Solisten für das Konzertprogramm zu gewinnen. Eine Rarität ist das Konzert in h-Moll für Kontrabass und Orchester von Giovanni Bottesini, der im 19. Jahr-hundert lebte. Nabil Shehata, 1980 als Sohn deutsch-ägyptischer Eltern in Kuwait geboren, spielt das Streichinstrument seit seinem neunten Lebensjahr und scheint mit diesem regelrecht verwachsen zu sein.
Die Soli in den an Melodien reichen drei Sätzen führte Shehata in dunklen, aber betörend warmen Tönen virtuos aus. Er musizierte mit geschmeidigem Bogenstrich und bestach am Ende des ersten Satzes mit einer unübertrefflich kunstvoll dargebotenen Kadenz. Beseelt führte Nabil Shehata das Andante aus, und im temporeich interpretierten Schlusssatz wurde deutlich, dass er ein Musiker ist, der dem Kontrabass die wunderbarsten Klangebenen zu entlocken weiß. Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ begleitete ihn in angemessen zurückhaltender Intensität.
Hier zu Lande selten gespielt werden Werke des spanischen Komponisten Joaquin Turina, der von 1882 bis 1949 lebte. Von ihm führte das Ensemble die Komposition „La Oración del Torero“ („Das Gebet des Toreros“) auf. Das vom französischen Impressionismus beeinflusste Werk wird maßgeblich von andalusischem Klangkolorit geprägt, das das Orchester unter Peter Wallingers Leitung markant und impulsiv ausbreitete.
Häufiger zu hören sind dagegen die Suiten „Antiche Danze ed Arie“ des italienischen Komponisten Ottorino Respighi (1879 bis 1936). Die glänzend instrumentierten vier Sätze der dritten Suite gestaltete die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ feinstimmig und in hell leuchtendem Streicherglanz. Sie entführte die Konzertbesucher in lang zurückliegende Epochen der Musikgeschichte, die Respighi auf diese Weise mit den Klangformen des frühen 20. Jahrhunderts verband und zu neuem Leben erweckte. Einen Satz aus der Suite führte das Orchester noch als Zugabe auf.
Rudolf Wesner
Feierliche Klänge für feine Ohren
Zum 30-jährigen Bestehen sorgen die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ und die Sachsenheimer Geigerin Ursula Schoch im Kronenzentrum in Bietigheim für bleibende Impressionen.

Bietigheim-Bissingen. Die Erwartunshaltung lag hoch. Doch das sind Orchester und die Solistin gewohnt. Das Bietigheimer Stammpublikum wiederum weiß längst um die Qualität ihres Zusammenspiels. Schon öfter haben die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ und die international erfolgreiche Violinvirtuosin Ursula Schoch, geboren in Ludwigsburg und aufgewachsen in Sachsenheim, gemeinsam konzertiert und die großen Violinkonzerte von Johannes Brahms, Felix Medelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven, Max Bruch und Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt. Weil diese musikalische Begegnung zu den Sternstunden im Orchester zählt und sich die Geigerin Ursula Schoch mit ihrer Heimat immer noch sehr verbunden fühlt, übernahm sie den Solistenpart beim großen Jubiläumskonzert am Freitagabend im Bietigheimer Kronensaal.
Ihre musikalischen Wurzeln liegen in Bietigheim. Ursula Schoch, heute Konzertmeisterin des Concertgebouw Orchesters in Amsterdam, hat als Schülerin der Gymnasien im Ellental in dem von Peter Wallinger gegründeten Orchester ihre ersten Schritte unternommen. Sie pflegt gern bis heute die vertrauten Beziehungen zu ihrem Heimatorchester.
Beim Festkonzert im Kronensaal funktionierte die Kommunikation zwischen Dirigent und Solistin spielerisch vertraut. Ursula Schoch ließ das Violinkonzert in e-Moll opus 64 von Mendelsohn Bartholdy natürlich auswendig hören und ging leicht und mühelos durch schwierigste Passagen Rasant schnell nahm sie Läufe, Arpeggien mit ruhiger Disziplin und schenkte ihre Aufmerksamkeit dabei immer dem expressiven Ton, dem leisen, der sich im Flagolett verliert, ebenso wie dem intensiven, der vor allem in den Extremlagen Gänsehaut macht.
Facettenreich ist das Werk: romantisch und ekstatisch, aber auch lyrisch und bescheiden, nicht immer alles, was möglich technisch wäre, ausreizend. Es entspricht dem Stil von Ursula Schoch, die ihr virtuoses Können sicher nicht zur Schau stellt, sondern vielmehr im Stile der großen Meister Disziplin und eine ruhige Stärke walten lässt. Die vielen Seiten, die lyrischen wie die expressiven im Mendelssohns Meisterwerk arbeitete sie sauber heraus. Nichts verschwamm trotz straffem Tempo und am Ende wollte sie in Bietigheim natürlich keiner gehen lassen.
Erst als sie zur Zugabe vor der Pause ansetzte mit der letzten Partita von Johann Sebastian Bach, beruhigte sich der Applaus, und Ursula Schoch zauberte erneut melodisch klar, ohne Schnörkel, ohne Schnickschnack ihren schönen Ton in den Saal. Die passende Grundlage für derart besonderen Hörgenuss schuf das Orchester mit der Egmont-Overtüre von Ludwig van Beethoven – die Wiener Klassik mit Jubelkomponist Beethoven an der Spitze ist für Aufgaben wie diese doch geradezu prädistiniert. Dem Publikum gab das Werk Gelegenheit, das Orchester gleich ganz in Fahrt zu erleben. Romantisch wurde es im zweiten teil.
Das Drängen und der Aufbruch im Hauptthema von Schuberts „Unvollendeter“ symbolisieren das gemeinsame Durchstarten in die nächsten 30 Jahre. Eine Stärke des beliebten Bietigheimer Klangkörpers ist das Niveau, auf dem hier klassische Musik ausgelebt wird, konstant und verlässlich. Das ist bekannt, und deshalb war der Kronensaal mit 350 Besuchern auch voll. So mancher im Publikum ist seit Jahrzehnten Stammhörer und erinnerte sich noch daran, wie 1084 die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ von Peter Wallinger und rührigen Musikerkollegen aus Bietigheim-Bissingen und dem Stuttgarter Raum ihre ersten Fährten legte.
Wallinger geht es explizit darum, immer wieder neu eine Brücke zu schlagen zwischen Werk und Publikum. Im Kronensaal gelang sein Vorhaben einmal mehr.
Susanne Yvette Walter
Die seltsamen Erlebnisse des Herrn Buffo in der Kelter
Süddeutsche Kammersinfonie führt mit Pyrmonter Theater Companie Musik-Krimi für Kinder auf – Die süddeutsche Kammersinfonie führt in der Kelter noch bis Mittwoch das Stück „Herr Buffo und der Notendieb“ für Schüler auf – und die sind begeistert. Seit zehn Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen dem Kulturamt der Stadt und der süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zur Veranstaltung von bunt gemischten Konzerten für Schüler. Aktuell auf dem Programm in der Kelter steht der Musik-Krimi „Herr Buffo und der Notendieb“.

Vier Musiker von der süddeutschen Kammersinfonie gestalteten zusammen mit Jörg Schade und Dorit Meyer-Gastell von der Pyrmonter Theater Companie das Stück, das der Darsteller auch selber schrieb. Während Georg Meyer (Klarinette), Michael Makarov (Violine), Patrick Burkhardt (Violoncello) und Simon Wallinger (Klavier) Teile aus bekannten Kompositionen etwa von Claude Debussy, Ludwig van Beethoven, Albert Lortzing, Antonin Dvorák oder Robert Schumann brillant musizierten, stellte sich Jörg Schade als sehr eifriger Musikerfinder und Notenreparierer Antonio Buffo den Kindern in der voll besetzten Kelter vor. Am Montagvormittag besuchten alle fünften Klassen der Ellental-Gymnasien eine der beiden Vorstellungen. Die Jungen und Mädchen hatten riesigen Spaß daran und machten auch freudig und lautstark mit. Immerhin ging es um merkwürdige Ereignisse im Haus des Herrn Buffo, denn da verschwanden plötzlich Noten, auch die Lackritzen des Cellisten. Die Lage wurde für Herrn Buffo sehr prekär, weil sogar die Noten für eine von ihm gerade fertiggestellte Auftragskomposition, die er als „Kuchenduett“ bezeichnete, des Bäckermeisters Krapfmeyer unauffindbar war. Deshalb entschlossen sich Herr Buffo und die vier Musiker die im Haus wohnende Privatdetektiv Mathilda Clearwater zu engagieren. Diese ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie mit Musik eigentlich nichts anfangen könne, dass sie beim Anhören sogar müde werde und einschlafe. Die Detektivin machte sich dennoch auf die Suche nach einem Täter. Dabei verdächtigte sie auch die Kinder in der Kelter, was auf deren heftigen Protest stieß. Als Mathilda Clearwater dann doch ein von dem Quartett feinstimmig gespieltes Musikstück anhören musste, schlief sie prompt ein. Und nun passierte Unerwartetes, denn es stellte sich heraus, dass die Frau während sie fest schlief aufstand, über die Bühne tappte und alles stibitzte, was ihr in die Finger kam – auch die Noten des „Kuchenduetts“.
Weil ihr diese Missetat aber niemand übel nehmen konnte, war sie sogar bereit, zusammen mit Herrn Buffo und den vier Musikern das „Kuchenduett“ aufzuführen, und die Kinder in der Kelter konnten sich daran kräftig beteiligen. Alle Vorstellungen waren für die kleinen Zuschauer außerordentlich unterhaltsam und wurde von den beiden Darstellern sehr spannend gestaltet. Die vier Musiker spielten nicht nur sehr klangschön auf ihren Instrumenten, sie erwiesen sich auch als versierte Schauspieler.
Rudolf Wesner
„Forte subito“ erklingt mit Bravour Neue Live-CD der Kammersinfonie Bietigheim
Die neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ bietet den Auftakt zum Jubiläumsjahr 2014, in dem das Orchester sein 30-jähriges Bestehen feiert. Alles rankt sich um Mozart.
Bietigheim-Bissingen. Mit Werken aus der Saison 2013 wird die Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ bereits in der elften Folge fortgesetzt. Unter der Leitung von Peter Wallinger, Schüler des rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache, rückt das Orchester für die CD – wieder einmal – die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart in den Mittelpunkt. Zum Jubiläumsjahr 2014 kann es folgerichtig dann auch nur die „Jupiter-Sinfonie“ sein, jener musikalische Kontrapunkt zur barocken Schule. Sie wird als eines der gelungensten Stücke der Sinfonik angesehen und als „höchster Triumph der Instrumentalkomposition“ gefeiert. Die Kammersinfonie Bietigheim spielt die vier Sätze der Sinfonie in einer eigenen klassischen Sprache und mit beeindruckender Leichtigkeit. Alles glänzt und ist musikalischer Ausdruck für Optimismus.
Der österreichische Dirigent und Musikwissenschaftler Kurt Pahlen schrieb über das Finale: „Hier kann uns Mozart selbst als Gott erscheinen, der nach freiem Willen Sternbilder in der Unendlichkeit des Weltraums schafft. Die Großartigkeit entgeht keinem Hörer; aber sein volles Verständnis erschließt sich nur den Eingeweihten.“ Hörbar wird dies beim zweiten Satz. „Andante cantabile“ überzeugt durch inniges Spiel, eine expressive Harmonik und den Wechsel zwischen Streichern und starken Holzbläsern. Das „ forte subito“, die Veränderung der Dynamik und Lautstärke, der Wechsel zwischen dem vollen Orchesterklang und den „piano“ gespielten Passagen, beherrscht das Ensemble mit Bravour.
Freilich darf man die neue CD nicht auf Mozart reduzieren, wenngleich noch ein Blick auf die lateinische Solo-Motette „Exsultate, jubilate“ gerichtet werden muss. Das Allegro mit der Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr berührt tief: „Jauchzet, jubelt, o ihr glücklichen Seelen, singt süße Lieder“.
Eingebettet ist dies alles in Antonio Vivaldis Trompetenkonzert C-Dur op. 46 , dessen berührendes Largo den musikalischen Himmel viel zu kurz öffnet, sowie Antonín Dvoraks Serenade in E-Dur, op. 22 für Streichorchester… Voll brillanter Schönheit ragt das Larghetto hervor. Dieser Satz hat zum Auftakt einen zerbrechlichen Charme, eine spätromantische Harmonie, die über Moll dem funkelnden Höhepunkt in Dur entgegenfiebert. Ein musikalischer Leuchtturm am Ende der CD. Diese kostet zwölf Euro und kann im Internet bestellt werden.
Jörg Palitzsch
Eine musikalische Delikatesse nach der anderen
Der Programmtitel „Jubilate“, mit dem die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihr Konzert zum Advent überschrieb, entsprach der Qualität der Aufführungen, die im fast voll besetzten Kronensaal am Sonntag geboten wurden.

Bereits mit der Aufführung des Konzerts in C-Dur für zwei Trompeten und Streichorchester, Opus 46, Nummer eins, von Antonio Vivaldi begeisterten die Musikerinnen und Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie am Sonntag unter der Leitung von Peter Wallinger die Besucher. Zumal als Solisten zwei exzellente, noch recht junge Virtuosen aus der Meisterklasse von Reinhold Friedrich an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe daran mitwirkten.
Saleem Khan und Eline Beumer, beide kommen aus den Niederlanden, beglückten vom ersten Takt an mit ihrer kristallklaren Intonation in den beiden schnellen Sätzen. Zusammen mit dem vom Orchester entfalteten edlen Streicherklang, der besonders warm und dicht im Mittelsatz, einem kurzen Largo, zu hören war, verbreitete sich mit der Vivaldi-Komposition eine festlich freudige Stimmung im Saal, wie sie zum Advent nicht besser passen könnte.
Das Trompeten-Duo trat später noch einmal mit der weihevollen, ruhigen Komposition „Eternal source of light devine“ auf, einer Ode zum Geburtstag der englischen Königin Anne im 18. Jahrhundert von Georg Friedrich Händel. Im Original war dies ein Stück für Sopran und Trompete.
Der 24-jährige Saleem Khan hatte jedoch die Idee, die Sopranstimme auf der Trompete zu spielen. Begleitet von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim entstand damit eine musikalische Delikatesse.
Von glanzvoller Ausstrahlung der Interpretin, der Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr, geprägt, waren die Gestaltungen sowohl des ersten als auch des letzten Satzes aus Mozarts weithin bekannter und beliebter Solo-Motette „Exsultate – Jubilate“ sowie zweier Opernarien. Die in Tübingen geborene Künstlerin, die bereits auf eine beachtlich umfängliche und erfolgreiche Karriere zurückblicken kann, führte die beiden Mozart-Sätze mit ihrer überaus hellen, biegsam geschmeidigen Stimme, die in tieferen Lagen auch ausgewogen warm klang, temporeich, zugleich auch sehr andachtsvoll auf. Tief berührend war die Wiedergabe der schmerzerfüllten Klage der Dido „When I am laid to earth“ aus der Oper „Dido and Äneas“ von Henry Purcell. Im Gegensatz dazu stand die dramatische, deshalb auch vitales Tempo verlangende Arie „Grässliches Schicksal“ aus der Oper „Die Italienerin in Algier“ von Gioacchino Rossini, die von Maria Rebekka Stöhr mit Bravour dargeboten wurde. Das nun auch mit Bläsern besetzte Orchester musizierte unter Peter Wallingers Leitung überaus transparent und farbenreich.
Ein Grund zum Jubeln war ohne Zweifel die Aufführung der 41. und damit letzten Sinfonie, C-Dur, KV 551, von Wolfgang Amadeus Mozart, die etliche Jahre später den Zusatz „Jupitersinfonie“ erhielt, durch die sprühend und funkelnd musizierende Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim. Das war eine Glanzleistung des Dirigenten Peter Wallinger, der zusammen mit seinen hoch motivierten Musikerinnen und Musiker alle in der Partitur eingeschlossenen leuchtend strahlenden, von vitaler Emotionalität getragenen und daher mächtige sinfonische Steigerungen entfaltenden Themen und Motive in voluminöse Klangbilder verwandelte. Die im Jahr 1788 komponierte Sinfonie wurde damit zum unübertrefflichen Hörgenuss dieses Konzerts. Für den von Bravorufen durchzogenen Schlussbeifall erklang noch einmal eine kurze Passage aus dem Menuett-Satz.
Rudolf Wesner