Pforzheimer Zeitung
Blütenlese einer starken Saison
Die neue CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim überzeugt

Mit fünf bis sechs Programmen im Jahr bereichern Peter Wallinger und seine 1984 gegründete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) den Konzertkalender der Region. „Live 2018“, die nun vorliegende sechzehnte CD der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“, ist ein bedacht zusammengestellter Querschnitt der Konzerte des vergangenen Jahres und zeichnet das Bild einer ausgezeichneten Saison. Von Barock und Vorklassik, hier vertreten mit Johann Baptist Georg Nerudas „Concerto per Corno Primo“, über Wiener Klassik und Romantik bis hin zur E-Musik der Gegenwart reicht das Spektrum von Wallingers Projektensemble mit seinen hochmotivierten, oftmals jungen Instrumentalisten in seinen Reihen.
Sein Schwerpunkt liegt jedoch auf der Musik der Mozartzeit. Auch die namhaften Solisten der jüngsten Blütenlese künden vom technischen Anspruch und Niveau sowie der ungeheuren Spielfreude dieser Formation. Im strahlenden Mittelpunkt steht Sebastian Manz mit einer quecksilbrigen Interpretation des Rondeaus aus dem Klarinettenkonzert Es- Dur von Carl Stamitz – unwahrscheinlich die Leichtigkeit seiner Tonbildung und die Chuzpe seiner Phrasierung – und Mozarts Adagio KV 580a, in dem Manz seine empfindsame Seite zeigt.
Einen exzellenten Eindruck hinterlässt auch Markus Bellheim im Adagio assai und Presto aus Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur, ebenso Chihiro Saito im Adagio der „Suite für Streicher“ von Leoš Janácek. Lediglich im Fall von Wolfgang Bauer, an Trompete und Diskanthorn zu hören, ist keine spürbare Beziehung zur SKB wahrzunehmen. Umso erhebender ist daher die so profunde wie entschlackte Wiedergabe der 8. Sinfonie Ludwig van Beethovens.
INFO: Die CD kann unter der Telefonnummer (0 70 43) 4 04 10 oder cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de bestellt werden.
Harry Schmidt
Stile und Genres konkurrieren: Peter Wallingers Jahres-CD „live 2018“ ist erschienen.

Mühlacker. Die von Peter Wallinger mit eigenen Ensembles und Gästen veranstalteten Musikreihen sind in der Region zur unverwechselbaren Marke geworden.
Seit 1977 erfreut der Musikalische Sommer in der Lienzinger Frauenkirche zahlreiche Besucher, seit 1984 ist Wallinger regelmäßig am Pult seines Projekt-Orchesters sueddeutsche kammersinfonie bietigheim zu erleben, seit 2005 in der winterlichen Jahreszeit auch bei MühlackerConcerto im Uhlandbau (oder in der Historischen Kelter Ötisheim). In vorzüglichen Live-Mitschnitten dokumentieren Jahres-CDs das überaus lebendige Konzertgeschehen.
Auch auf der neuen CD „live 2018“ wird mit großem Ausdrucksspektrum musiziert. Stile und Genres konkurrieren miteinander. Konzerthöhepunkte mit Wallingers Kammersinfonie und gastierenden Solisten werden in sehr guter technischer Klangqualität dargeboten.
Eine Herausforderung
Aus dem Konzert vom 28. April 2018 im Uhlandbau ist die Wiedergabe von Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur zu hören – eine Herausforderung für Pianisten und Orchester, die der renommierte Markus Bellheim am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meistern. Mit pianistischer Frische bewältigt Bellheim den stimmungsvollen „Adagio“-Satz und das mit Schwung tobende finale Klangfeuerwerk.
Ausschnitte aus dem MühlackerConcerto vom 8. Dezember 2018 im Uhlandbau bieten Peteris Vasks’ einfühlsam interpretierte „Musica adventus“ für Kammerorchester sowie die spannungsreich akzentuierte und straff durchgezogene Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 8 in F-Dur (op. 93). Joseph Haydns populäres Trompetenkonzert in Es-Dur (Hob. VIIe: 1) ist (wohl aus urheberrechtlichen Gründen) leider nur mit dem Finalsatz vertreten, den der exzellente Trompeter Wolfgang Bauer mit strahlendem Fanfaren-Forte ausführt. Aus Johann Baptist Nerudas „Concerto per Corno Primo“ sind (mit demselben vielfach preisgekrönten Solisten) die Sätze „Largo“ und „Vivace“ eingespielt.
Einfühlsames Zusammenspiel
Auch das schöne Lienzinger Sommerkonzert vom 8. Juli 2018 fehlt auf der CD „live 2018“ nicht. Beim Wiederhören des „Rondeaus“ aus Carl Stamitz’ Klarinettenkonzert in Es-Dur und des „Adagio“ für Klarinette und Streicher (KV 580a) von Wolfgang Amadeus Mozart sind die Meisterschaft des Interpreten Sebastian Manz und das auf genaue Tempi achtende einfühlsame Zusammenspiel des Klarinettisten mit dem von Wallinger geleiteten Orchester erneut zu bewundern.
Musikliebhaber, nicht zuletzt die regelmäßigen Besucher dieser Konzerte, werden an der Silberscheibe ihre Freude haben.
Eckehard Uhlig
Kurzweiliges Neujahrskonzert mit Peter Wallingers Kammersinfonie in Mühlacker

Cellistin Chihiro Saito begeisterte mit Tschaikowskys schönem „Andante cantabile“ für Cello und Streicher und der einfühlsamen Interpretation der eher traurigen Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“. fotomoment
Mühlacker. Musik und Poesie sind eine charmante Kombination, zumal wenn sie in heiterer Atmosphäre, zusammenfinden. Beim Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau war ein solcher Rahmen gegeben.
Peter Wallingers Ensemble musizierte in kleiner Besetzung stimmungsvolle Kompositionen und Virtuosenstücke. Der Bildhauer und Autor Hatto Zeidler aus Maulbronn moderierte in lockerem Plauderton und trug teils amüsante, teils tragisch endende Lyrik vor.
Für den musikalischen Auftakt und für den Konzertabschluss hatte Wallinger galant-höfische Serenaden-Musik ausgewählt. Die Wiedergabe von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 in G-Dur (BWV 1048) zeichnete sich durch klare Phrasierungen, sauber herausgearbeitete Akzente und eine schwungvolle Gangart in den Allegro-Sätzen aus. Wolfgang Mozarts populäre Serenade Nr. 6 in D-Dur (KV 239) präsentierte sich tänzerisch elegant, vor allem die solistischen Passagen zweier Violinen, der Bratsche und des Kontrabasses erfreuten mit lebendigem Figurenwerk.
Arno Pärts Komposition „Fratres“ für Streicher und Percussion entfaltete über einer bordunartig gehaltenen Quinte meditativ zarte, von sanft klöppelndem Schlagwerk begleitete Melodien. Edvard Griegs „Váren“ (op. 34) zauberte märchenhaft-nordische Klänge hervor, die Romanze C-Dur (op. 42) von Jan Sibelius blieb – trotz der eigentlich hellen Tonart – dunkel verhangen.
Die in der Region auch von Aufführungen des Lotus String Quartet bekannte Cellistin Chihiro Saito stellte mit breitem Bogenstrich und feinem Vibrato Tschaikowskys klanglich wunderschönes „Andante cantabile“ für Cello und Streicher (op. Posthum) vor und und zelebrierte mit großer Einfühlung die eher traurige Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“ (Gesang der Vögel“), ein Stück, mit dem der berühmte Cello-Spieler alle seine Konzerte beschloss.
Nicht nur davon erzählte Hatto Zeidler und rezitierte sinnfällig zur Jahreszeit passende Gedichte von Rainer Maria Rilke („Legende“), Gustav Schwab („Der Reiter über den Bodensee“) und Erich Kästner („Der Januar“). Die kurzweilige Konzert-Matinee sorgte für gute Laune und herzlichen Applaus.
Eckehard Uhlig
Trompeter Wolfgang Bauer begeistert beim Concerto im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. In höchsten Lagen säuseln und zupfen die Streicher. Man meint, ferne sphärische Engelsstimmen zu hören und fühlt sich bestätigt, als bei stärker werdendem Streicherton Melodie-Fragmente des Weihnachtschorals „Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her“ zu vernehmen sind.
Peteris Vasks „Musica adventus“, die unter Peter Wallingers Leitung von der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim zart und einfühlsam interpretiert wird, gibt dem Auftakt der neuen Cocerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau sein Motto und stimmt sinnfällig auf die Vorweihnachtszeit ein.
Im Mittelpunkt des Konzertgeschehens steht freilich der exzellente Stuttgarter Trompeter und Echo-Klassik-Preisträger Wolfgang Bauer mit virtuos-festlicher Bläser-Musik. Im Concerto per Corno Primo von Johann Baptist Neruda für kleines Diskanthorn und Streicher entfaltet der Solist barocke Klangpracht in ihrer ganzen Farbigkeit: Im rasanten Wiegeschritt wirbeln die Skalen und Läufe des einleitenden Allegro-Satzes. Das breit ausgezogene Largo bestimmen fließende Linien. Im Vivace glänzt das Horn mit jagdlichen Tonfolgen.
Eines der beliebtesten Trompetenkonzerte ist Joseph Haydns Es-Dur-Konzert (Hob. VII e 1). Alle bedeutenden Trompeter haben es im Repertoire. Dabei nimmt Bauers meisterliche Interpretation in Mühlacker gewiss eine Spitzenposition ein. Die chromatischen Gänge, Triller und staccatierten Figurationen im ersten Satz (Allegro) werden mit makelloser Technik und Klarheit bewältigt. Von der Kammersinfonie sanft untermalt, singt im Andante eine empfindungsreich galante Bläser-Melodie, die im Piano lyrischen Charakter aufzeigt. Im Finale strahlt fanfarenartiges Forte. Die begeisterten Zuhörer erklatschen sich eine Zugabe: eine Berceuse des seinerzeit berühmten russischen Trompeters Wassili Brandt (1869-1923).
Ratternde Rhythmen
Bemerkenswerte Klangenergien entwickelt Wallingers Ensemble bei der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens achter Sinfonie (in F-Dur, op. 93). Die Interpreten verzichten auf übertriebenes Pathos und konzentrieren sich in dem kontrastreichen Werk mit dynamischer Wucht auf einen von Fall zu Fall energisch gesteigerten Ausdruck. Fast solistisch agieren immer wieder die Bläsergruppen. Im Finale wird die Pauke mit ratternden Rhythmen und drängenden Tempi in den instrumentalen Diskurs eingebunden. So formen Wallinger und seine Instrumentalisten eine tönende Architektur, spannungsreich akzentuiert und straff durchgezogen. Der heftige Applaus ist überfällig.
Eckehard Uhlig
Bläser-Laufwerk im Affenzahn: Klarinettist Sebastian Manz
Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Pianist Markus Bellheim

Sebastian Manz
Mühlacker-Lienzingen. Am 3. Dezember 1778 schrieb Mozart an seinen Vater: „Ach, wenn wir nur (für die fürstbischöfliche Kapelle in Salzburg) auch Clarinetti hätten! Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Clarinetten einen herrlichen Effect macht.“
Er hatte das Blasinstrument zum ersten Mal in Mannheim bei der dortigen Hofkapelle in Kompositionen von Johann Stamitz und dessen Sohn Carl kennengelernt und war begeistert. Begeistert waren auch die Besucher des „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche, wo Peter Wallingers „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ einen Teil dieser Werke zusammen mit dem preisgekrönten Ausnahme-Klarinettisten Sebastian Manz aufführte.
Das dreisätzige Klarinettenkonzert B-Dur von Stamitz Vater (1717-1757) eröffnete mit solistischen Skalen im „Allegro moderato“ und einer facettenreichen Solo-Kadenz. Dann folgte ein „Adagio“, das mit weichen Haltetönen und leuchtenden Klangbögen über der Orchester-Grundierung stimmungsvollen Klarinetten-Sologesang zelebrierte – der war so schön wie im langsamen Satz von Mozarts (Jahre später komponierten) Klarinettenkonzert. Im Finalsatz des Stamitz-Werke („Poco presto“) beeindruckten die fein ausdifferenzierten Lautstärke-Abstufungen und – wie in den voraufgegangenen Sätzen – das auf genaue Tempi achtende, einfühlsame Zusammenspiel des Solisten mit dem von Wallinger geleiteten Streichorchester. Im tänzerischen „Rondeau“ aus dem Es-Dur-Klarinettenkonzert von Stamitz Sohn (1745-1801) ging Manz bis an alle spielerisch-technischen Grenzen, denn der Affenzahn mit dem er wirbelnde Läufe absolvierte, war geradezu überirdisch.
Als Zugabe für die „Klatscharbeit“ des Publikums musizierten er und die Kammersinfonie Wolfgang Amadeus Mozarts zauberhaftes „Adagio“ KV 580A, eine Vorarbeit zum Klarinettenkonzert – auch, um nochmals das Mannheimer Bekehrungs-Erlebnis des späteren Wiener Meisterklassikers zu illustrieren. Eingerahmt wurden die solistischen Höhepunkte mit der Wiedergabe des Orchester-Quintetts Es-Dur von Josef Mysliveček (1734–1781), dem „Divino Boemo“, den auch Mozart schätzte. Und von einer temperamentvollen Interpretation der Suite für Streicher von Leos Janáček (1854-1928), wobei unter Wallinger am Dirigentenpult die kontrastreichen Charaktere der sechs Suitensätze mit feinem Gespür für unterschiedlichste Rhythmen und Farben exzellent herausgearbeitet wurden.
Eckehard Uhlig
Finales Klangfeuerwerk bei Mühlacker Concerto-Reihe
Mühlacker. Eine „Suite française“ mit betörenden Musiken von Claude Debussy und Maurice Ravel hat für einen begeisternden Saisonabschluss der Mühlacker Concerto-Reihe im Uhlandbau gesorgt.

Klaviersolist Markus Bellheim und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim spielen im Uhlandbau Mühlacker. Foto: Fotomoment
Das zum Konzertauftakt musizierte Prélude à „l’après-midi d’un faune“ demonstrierte nicht nur ein weiteres Mal die Souveränität Peter Wallingers am Dirigentenpult und die Versiertheit seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim (das Orchester schreibt sich selbst so), sondern präsentierte vor allem einen Debussy vom Feinsten.
Ätherisch schwebend bezauberte das einleitende (Pan-)Flötensolo, das die sinnliche Schwüle des musikalisch umgesetzten gleichnamigen Mallarmé-Gedichtes spüren ließ. Dann faszinierte das Wogen und Wallen der naturidyllischen, hitzig aufgeladenen Nachmittagsstimmungen des lüstern-faunischen Halbgotts, ausgedrückt auch in Harfengezirpe und Geisterglöckchen. Rauschhafte Crescendi mündeten in leuchtende Klangflächen ein.
Der Höhepunkt des Konzertabends war freilich die Wiedergabe von Ravels G-Dur-Konzert für Klavier und Orchester – eine Herausforderung für den Pianisten und die Kammersinfonie, die der Münchener Musikhochschulprofessor Markus Bellheim als Solist am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meisterten. Mit kühlem Kopf, ja mit erstaunlicher Frische und scheinbarer Leichtigkeit bewältigte Bellheim den motorischen Schwung mancher Passagen, die Klang-Raffinements, die jähen Umschwünge der Dynamik, die Farbkontraste.
Mit Zirkuspferdchen-Peitschenknall legte das Ravel-Konzert los, dann folgten nach Klaviertremoli energisch lärmende Skalen, auch ein zackig-jazziger Piccoloflöten-Marsch. Im zweiten Satz zelebrierte ein gedehntes Klaviersolo stimmungsvolle Melancholie. Im letzten Satz entfaltete sich nach vorwärtstreibenden, scharf konturierten Rhythmen ein musikantisch tobendes, finales Klangfeuerwerk. Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Orchester Ravels „Pavane pour une infante défunte“ als gemächlichen Schreittanz mit kapriziösen Bläsereinwürfen sowie Ravels ursprünglich für Klavier komponierte „Valses nobles et sentimentales“ mit heftig durchgezeichneten Strukturen, lebhaften Klanggesten und fesselnder Expression. Das Publikum im Mühlacker Uhlandbau reagierte mit jubelndem Applaus.
Eckehard Uhlig
Eine musikalische Rätselreise

Herr Kruse (ganz rechts) von der Pyrmonter Theater Company nimmt das Publikum auf eine fantastische Reise mit. Foto: Gonzalez
Herr Kruse putzt gerne die Konzerthalle, da kann er nämlich seinem geliebten Quartett während seiner Arbeit zuhören. Dass seine Kollegin Frau Freitag nichts mit Musik anfangen kann, ist für ihn unverständlich.
Als jedoch Frau Freitag bei einem Musik-Rätsel Hilfe braucht, um eine Reise zu gewinnen, nutzt Herr Kruse die Gunst der Stunde, um sie vielleicht doch noch von der Musik überzeugen zu können. Kurzerhand bastelt er ein großes Schiff aus Notenblättern und segelt gemeinsam mit ihr und dem begeisterten Publikum auf eine musikalische Rätselreise.
Etwa 450 Schüler und 50 Lehrer aus verschiedenen Schulen der Region haben die Vorstellungen im Mühlacker Uhlandbau der Pyrmonter Theater Company in Zusammenarbeit mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ bestaunt.
Seit vielen Jahren kooperieren beide Institutionen erfolgreich unter dem Motto „Klassik für Kinder“, um ein junges Publikum für die Musik und das Theater zu begeistern.
Maximo Gonzalez
Fünfzehnte CD der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“
Mühlacker. Alle bisherigen 14 CDs der „Kammersinfonie live“-Reihe, mit der Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ in Mühlacker präsentierte Programme durch Konzert-Mitschnitte dokumentieren, boten eine Auswahl aus den jährlich bis zu sechs „Concerto“-Abenden. Die nun erschienene 15. Jahres-CD „live 2017“ konzentriert sich auf das „Faszination Klassik“ überschriebene Konzert, das am 9. Dezember 2017 im Mühlacker Uhlandbau viele Zuhörer erfreute.
Im Zentrum steht die dem Orchester und seinem Dirigenten verbundene Geigerin Ursula Schoch, die häufig solistisch auftretende Konzertmeisterin des Concertgebouw Orchesters Amsterdam. Sie hatte ihre Karriere als Solistin bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen unter Wolfgang Gönnenwein mit Wiedergaben der Violinkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts eingeläutet.
Der Wiener Klassiker ist der Violinistin von früh an vertraut. Die interpretatorische Souveränität, die ihre mit Wallingers Ensemble erarbeitete, auf der CD zu hörende Ausgestaltung von Mozarts Violinkonzert KV 216 auszeichnet, profitiert von diesen Erfahrungen und ist bestechend. Virtuoser Glanz und makellose Konturen sind die Kennzeichen des einfühlsam in den Orchesterpart eingebetteten Solospiels. Auch in Peter Iljitsch Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“, der Zugabe Ursula Schochs, faszinieren wunderschön ausformulierte Melodielinien.
Zwei Mozart-Verehrer kommen auf der CD musikalisch zu Wort. Einleitend der bereits genannte russische Komponist. Tschaikowskys Orchestersuite Nr. 4 G-Dur (op. 61) „Mozartiana“ wird von Wallingers Ensemble stimmungsvoll heiter, tänzerisch verspielt und besonders im Hauptstück „Thème et Variations“ mit Violin-Passagen, die Sachiko Kobayashi bravourös bietet, klangfarbenreich „mozartantisch“ dargeboten. Der andere Komponist, Felix Mendelssohn Bartholdy, ist mit seiner „italienischen“ Sinfonie Nr. 4 A-Dur (op. 90) vertreten. Wallinger, der Gründer und künstlerische Leiter der Kammersinfonie, demonstriert, zu welch außerordentlichen Leistungen er sein Ensemble anzuspornen vermag. Die Aufnahme ist herausragendes Beispiel für das hohe künstlerische Niveau, auf welchem auch in der Region musiziert wird.
Die CD ist für zwölf Euro über das Sekretariat „MühlackerConcerto“ erhältlich: 07043/95 83 93; E-Mail: susanne@boekenheide.net
Eckehard Uhlig
„MühlackerConcerto“: Kammersinfonie Bietigheim beim Neujahrskonzert

Im Rahmen der „Winter-Konzertreihe“ im Uhlandbau Mühlacker, bestens etabliert unter dem Namen „MühlackerConcerto“, gab sich einmal mehr die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim als „Orchester in Residence“ mit einem ebenso reizvollen Programm wie auch Soloinstrument, der Harfe, ein Stelldichein.
Der Zauber der Natur
Zu dem Neujahrskonzert konnte die renommierte Solistin Anne-Sophie Bertrand gewonnen werden. Sie ist Soloharfenistin beim hessischen Radiosymphonieorchester. Die musikalische Leitung hatte Peter Wallinger inne, als Sprecher der morgendlichen Aufführung fungierte Frank Albrecht.
„Zauber der Natur“ – unter diesem Thema kamen gestern Werke von Vivaldi aus den „Vier Jahreszeiten“, Grieg („Nordische Weisen“) sowie solche Perlen wie Puccinis „Chrysanthemen“, Debussys „Jardins sous la pluie“, Tschaikowskys „Lied der Lerche“ sowie Gedichtvertonungen unter anderem von Rainer Maria Rilke und Henrik Ibsen zur Aufführung.
Legendärer Konzertraum
Der geschichtsträchtige Konzertraum im Herzen Mühlackers, der schon in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts musikalische Größen wie Rudolf Serkin, Fritz Busch und Carl Orff anzog, ist aufgrund seiner beeindruckenden Akustik auch heute noch prädestiniert für Aufführungen in unterschiedlichster Besetzung bis hin zu großer Symphonik.
Geigerin Ursula Schoch beim MühlackerConcerto im Uhlandbau

Mühlacker. Betont temperamentvoll setzt die Orchester-Exposition ein und geht mit drängender Spiel-Rasanz zügig voran. Wenig später tritt der Ton der Sologeige energisch mit demselben Klang-Schlenker herein, wendet sich elegant und leuchtet in subtilen Figuren über dem Orchester, deklamiert charaktervoll kurz vor der Reprise und glänzt in virtuoser Kadenz. Mit Verve eröffnen auf diese Weise Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim sowie die Solistin Ursula Schoch das Violinkonzert G-Dur, KV 216, von Wolfgang Amadeus Mozart im Mühlacker Uhlandbau.
Nach diesem mitreißenden Allegro-Auftaktsatz zelebriert Schoch in lang durchgezogen, weichen Legatobögen das Adagio, lässt ihre Geige mit sinnlichem Timbre zu gezupften Streicherbässen und Bläsern singen und entfaltete ein betörend sehnsüchtiges Melos zum fließend vibrierenden Orchesterklang. Der Schlusssatz mündet mit Spiellaune und befreiendem Humor in ein tänzerisches Allegro ein.
Musikalischer Leckerbissen
Die fällige Zugabe offeriert einen musikalischen Leckerbissen, eine stimmungsvoll melancholische Melodie aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“ für Violine und Orchester.
Tschaikowsky trifft Mozart
Wie im „Faszination Klassik“ überschriebenen zweiten Programm der MühlackerConcerto-Spielzeit Mozart und Tschaikowsky zusammenfinden, demonstrieren Wallinger und sein Ensemble mit der Orchestersuite Nr. 4, op. 61 des russischen Meisters. Denn Tschaikowskys auch „Mozartiana“ genannte Suite, die den Konzertabend einleitete und in der auch eine Harfe mit silbrigem Klang-Geglitzer und trillernde „Zauber“-Flöten zum Einsatz kommen, zeigt vor allem im abschließenden Variationen-Satz ein von allerhand Mozart-Zitaten durchsetztes, musikantisches Klangfarbenspiel.
Nach der Pause setzt sich die von Wallinger motivierend geleitete Kammersinfonie mit einer fulminanten Wiedergabe der 4. Sinfonie in A-Dur, op. 90, der „Italienischen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy in Szene. Schwungvolle Klang-Wucht prägt den ersten Satz (Allegro vivace). Eindringlich wirken im d-Moll-Andante die akzentuiert punktierten Unisono-Linien, lieblich-schmeichelnd eine Lied-Melodie im dritten Satz, durchschlagend von der Pauke begleitet der dahin strömende Volkstanz des Finales. Auch dafür gibt es vom Publikum begeisterten Applaus.
Eckehard Uhlig