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Mühlacker Tagblatt

Musikalische Höhenflüge in der Frauenkirche Lienzingen

„sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ – Spielfreude im kollegialen Miteinander
Foto von privat

Mühlacker-Lienzingen. Eine bunte Sommerliche Serenade bot die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ am Sonntag als dritte Matinee des diesjährigen „Musikalischen Sommers“ in Lienzingen.

Zwei unterschiedliche Solokonzerte – das eine aus Italien, das andere aus Schweden – standen auf dem Programm neben zwei Orchesterwerken, die ebenfalls den Süden und hohen Norden Europas repräsentierten.

Gleich zu Beginn begeisterte Simon Wallinger mit Bottesinis Concertino für Kontrabass und Orchester in der Originaltonart c-moll und auf einem Drei-Saiter ohne Bass-Saite, wie vom Komponisten zugunsten eines helleren, brillanteren Klanges gefordert.  Tatsächlich bewältigte er die halsbrecherischen Passagen mit Doppelgriffen und rasanten Läufen bis in allerhöchste Regionen dermaßen souverän, brachte aber sein Instrument v.a. im langsamen Mittelsatz auch so betörend schön zum Singen, dass man nur staunen konnte über die ungeheuer breite Klangpalette des vermeintlich schwerfälligen Bass-Instrumentes. 

In eine ganz andere Klangwelt verführten Maryana Osipova und Dmitry Hahalin als Solisten in Kurt Atterbergs Suite für Violine, Viola und Orchester. Eingebettet in nordisch gefärbte Klangteppiche erhoben sich traumhafte Kantilenen der Violine und dunkelsatte Bratschentöne, mal im innigen Dialog, mal im tänzerischen Überschwang. Eine hübsche Entdeckung des hierzulande wenig bekannten Werkes in einer überzeugenden Interpretation der beiden Mitglieder des Eliot-Quartetts.

Hugo Wolfs „Italienische Serenade“ führte äußerst lebhaft wieder in das quirlig bunte Treiben des Südens. Gewichtige, solistische Dialoge zwischen Violoncello und Viola brachten den Wirbel der Instrumente für kurze Momente zum Stillstand – und das amüsierte Publikum zum Schmunzeln. Ganz hervorragend meisterte das Orchester das in allen Stimmen recht anspruchsvolle Stück unter der Stabführung von Simon Wallinger.

Eine weitere Entdeckung aus Skandinavien gab es nach der Pause mit „Vier Spielmanns-Porträts aus Finnland“, betitelt mit dem Zungenbrecher „Pelimannimuotokuvia“, von Pehr Hendrik Nordgren. Gespickt mit vielen originellen Klangeffekten und mancherlei Anklängen an die ganz eigene finnische Folklore reihen sich die abwechslungsreichen Szenarien. In der ersten, mit „Saitenhupfer“ überschriebenen Szene dominieren verschiedene Pizzikato-Effekte. Der „Grübler“ im zweiten Bild versinkt über Flageolett-Geflimmer und langgezogenen Kantilenen von Violine und Viola in seiner Schwermut.  Und im „Menuett des alten Mannes“ ertönt klangschön der sonore Gesang der Solo-Bratsche. Ausgelassene Spielfreude dann in der vierten Szene „Des Spielmanns Lieblingsstück“, wo der Übermut überbordend in allerhand schrägen Tönen ausartete und das Publikum zu stürmischem Beifall hinriss. Dass das Orchester hierbei im Stehen spielte, unterstrich das kollegiale Miteinander der Musiker, in das sich auch die Solisten wie selbstverständlich einreihten und das die ganze Matinee belebend durchzog.  

Autor: pw

Wenn die Klarinette zu singen beginnt

Das Frühjahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallinger bringt eine Wiederbegegnung mit Sebastian Manz.

Klarinetten-Zauberer Sebastian Manz. Foto: Bastian



Mühlacker. Wie unterscheiden sich gute und exzellente Klarinettisten? Gute beherrschen ihr Instrument, spielen alle Töne richtig und verfügen über einen runden Ton. Exzellente hingegen lassen die Klarinette sprechen und singen und formen den Klang – je nach Stil, Raum, Ensemble und beabsichtigter Wirkung; der Ton bleibt in allen Lagen und Registern über vier Oktaven hinweg stabil und kraftvoll. Bei Spitzenklarinettisten wirkt die Luft fast „endlos“; Phrasen besitzen Richtung, Spannung und zugleich Ruhe.

Man hört nicht nur einzelne Töne, sondern den Atem selbst als musikalische Energie. Spontan denkt man an Sabine Meyer in der Kunstmusik, an Benny Goodman im Jazz oder an Giora Feidman im Klezmer. In diese prominente Reihe darf man mit Fug und Recht auch den jungen Ausnahmeklarinettisten Sebastian Manz aufnehmen, der im Raum Mühlacker bereits mehrfach zu hören war – im Juni 2025 bei den Maulbronner Klosterkonzerten mit dem Programm „Quasi Cool“ sowie gemeinsam mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger (2017 mit Mozarts Klarinettenkonzert, 2022 beim Neujahrskonzert mit Werken für Soloklarinette von Weber und Piazzolla sowie beim Adventskonzert 2022 mit Werken von Mozart und Haydn).

Der 1986 in Hannover geborene Manz war am Samstagabend erneut zu Gast im Uhlandbau. Im Rahmen des Frühjahrskonzerts von „Mühlacker Concerto“ spielte er mit der Süddeutschen Kammersinfonie unter Peter Wallinger am Pult zwei eher selten zu hörende Werke für Soloklarinette: Gottfried Hendrik Manns (1858 bis 1904) „Klarinettenkonzert c-moll opus 90“ sowie Heinrich Joseph Baermanns (1784 bis 1847) „Adagio Des-Dur“. Von Nervosität keine Spur. Was für ein beseeltes, leichtes Spiel!

Manz trifft den opernhaft-dramatischen Ton des Mann-Konzerts, das er übrigens auf CD eingespielt hat, mit dem Instinkt eines Vollprofis. Mühelos meistert er die starken Registerunterschiede des Rohrblattinstruments von der Tiefe über die Mittellage bis in die höchste Höhe, integriert sie musikalisch und nutzt sie als klangliche Farbe. Wunderbar die sanglichen Linien, beeindruckend leise die Tongebung in der höchsten Lage. Ein kontrolliertes Pianissimo mit perfekter Intonation im Flageolett-Bereich gehört zur höchsten Kunst, die ein Klarinettist erreichen kann.

Im Dialog mit dem voll besetzten Orchesterapparat bleibt es nicht Wallinger allein, der die rhythmische Autorität wahrt; Manz versteht es, Spannung vor und hinter dem Puls zu formen, ohne je instabil zu wirken. Technik wird gleichsam unsichtbar und dient nur noch der – leider viel zu selten aufgeführten – Werke. In den Kadenzen zeigt sich Manz‘ Gespür für musikalische Proportionen und Linienführung.

Den einladenden Gesten des Orchesters im Finale „Tempo di Polacca“ folgt der Klarinettist nur zu gern und „setzt“ sich gleichsam auf das Orchestertutti. In leiseren Passagen entstehen jene glückseligen Momente, in denen Orchesterpartitur und Solostimme zu einem großen Ganzen verschmelzen – Augenblicke, in denen die Zeit stillzustehen scheint.

Das Adagio des mit Weber und Mendelssohn befreundeten Baermann erinnert an vielen Stellen an den langsamen Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert, ist ebenso sanglich und einschmeichelnd. Auch in diesem Kabinettstückchen stellt Manz technische Perfektion und agogische Naturbegabung ganz in den Dienst des musikalischen Ausdrucks.

Eingerahmt wurden die Solowerke von der durch Holz- und Blechbläser verstärkten Kammersinfonie mit Franz Schuberts (1797 bis 1828) Rosamunde-Ballettmusik Nummer 2 sowie Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nummer 4 A-Dur, der „Italienischen“. Federleicht-tänzerisch erklingt der Schubert, fröhlich-optimistisch der Mendelssohn. Tadellos das Zusammenspiel des hochambitionierten Streicherapparats, kleinere Abstriche hinsichtlich Intonation und Präzision bei den Bläsern, feinsinniges und erfahrenes Dirigat Peter Wallingers, des Spiritus Rector der Reihe „MühlackerConcerto“ – das Publikum im fast voll besetzten Saal des Uhlandbaus dankt es mit herzlichem Applaus. So wunderbare Musik in einer derart feingeistigen Ausführung zu hören, ist Geschenk und Genuss für alle Sinne. Der Sommer kann kommen!

Autor: Dietmar Bastian

Winterklänge voller Farben und Emotionen

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnet das Jahr mit einem Neujahrskonzert voller musikalischer Wärme und feiner Kontraste. Solistinnen setzen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente und begeistern das Publikum im Uhlandbau.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und ausgewählte Solistinnen glänzen im Uhlandbau bei einem faszinierenden Neujahrskonzert. Fotos: Müller


Mühlacker. Vor etwa 150 Besucherinnen und Besuchern hat am Sonntagvormittag die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger im Uhlandbau ein Neujahrskonzert gestaltet, das seinem Anspruch voll gerecht wurde.

Von Beginn an überzeugten Orchester und Solistinnen gleichermaßen. Das Ensemble präsentierte sich in bestechender Form – klanglich ausgewogen, aufmerksam und mit feinem Gespür für Farben und Stimmungen –, während die Solistinnen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente setzten. Schauspieler Frank Albrecht führte mit lebhafter Darstellung durch das Programm und stimmte das Publikum auf die musikalische Reise ein. Mit textlichen Erläuterungen verband er Musik und Wort zu einem stimmigen Gesamterlebnis, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen. Franz Schuberts „Deutsche Tänze“ (D 90) eröffneten das Programm im Saal mit einer angenehmen Mischung aus heiterer Leichtigkeit und Charme. Die kurzen Stücke wirkten wie kleine musikalische Szenen: mal beschwingt, mal etwas nachdenklicher, aber klar und eingängig. Das Kammerorchester spielte diese Miniaturen mit viel Gefühl für Rhythmus und Klang, sodass die Musik dadurch frisch und sehr zugänglich wirkte.

Frank Albrecht führt durch das Programm und stimmt das Publikum auf die musikalische Reise ein.


Einen reizvollen Gegenpol bildeten vier Lieder aus Schuberts „Winterreise“, die in einer Fassung für Streichensembles von Simon Wallinger erklangen. Die Auswahl – „Wetterfahne“, „Gefrorne Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ – bündelte in kurzer Form die prägenden Stimmungen des berühmten Zyklus’.

Bekannte Schubert-Lieder
auf neue Art interpretiert.

Viele kennen die „Winterreise“ vor allem in der klassischen Besetzung für Tenor oder Bariton mit Klavier, doch Schubert schrieb keine feste Stimmlage vor. Wie sehr der Zyklus reine Ausdruckskunst ist, zeigte Sopranistin Juliane Brittain eindrucksvoll: Mit klarer Tongebung und nuancierter Gestaltung traf sie die musikalischen Schattierungen präzise, ohne je zu überzeichnen. Die gelungene Bearbeitung für Streicher eröffnete zusätzlich einen frischen Blick auf die bekannten Lieder, die Musik gewann eine kammermusikalische Nähe, die dem Charakter der „Winterreise“ ausgesprochen gut stand. Das Orchester musizierte homogen und mit klar gezeichnetem Ton – und schuf einen tragenden Rahmen für die Stimme.

Einen Ruhepunkt setzte Jean Sibelius’ „Romanze C-Dur“ (op. 42). Mit warmem, innigem Ton entfaltete sich der typisch nordische Charakter des Werkes: eine Mischung aus stiller Melancholie und weiten Klangräumen. Das Orchester ließ diese Atmosphäre mit großer Sensibilität entstehen und schuf einen sanften Klangteppich, der die lyrische Grundhaltung des Stücks eindrucksvoll hervorhob. Mit der Barkarole aus Peter I. Tschaikowskys „Jahreszeiten“ (op. 37a) öffnete sich der musikalische Horizont noch einmal spürbar. Die Komposition mit ihrem ruhigen, schaukelnden Fluss entfaltete eine Atmosphäre wie beim Blick auf eine sommerliche Wasserlandschaft: warm, weit und von träumerischer Leichtigkeit durchzogen. Das Orchester nahm diesen Charakter sensibel auf und gab dem Programm eine zusätzliche Nuance.

Den krönenden Abschluss bildete Felix Mendelssohn Bartholdys „Violinkonzert d-Moll“, ein Werk voller jugendlicher Energie, virtuoser Brillanz und melodischer Schönheit. Maryana Osipova, Primgeigerin des renommierten Eliot-Quartetts, stellte sich dieser anspruchsvollen Partitur mit beeindruckender Souveränität. Ihre Technik wirkte mühelos, doch nie selbstzweckhaft. Besonders im lyrischen Mittelsatz zeigte sie große Ausdruckstiefe, während das Finale mit seiner sprühenden Lebendigkeit und rhythmischen Präzision begeisterte. Das Orchester reagierte aufmerksam und flexibel, so dass ein lebendiger Dialog entstand, den Peter Wallinger mit sicherem Gespür für Balance und Dramaturgie leitete.

Der langanhaltende Schlussapplaus zeigte, wie stark dieser musikalische Jahresauftakt beim Publikum ankam – ein Konzert, das einen bleibenden Eindruck hinterließ. Als Zugabe erklang das Largo aus Vivaldis „Winter“. Mit dem gelungenen Neujahrskonzert setzte die Kammersinfonie gleich ein Zeichen für die neue Saison: künstlerisch anspruchsvoll, aber immer nah am Publikum. Unterstützt wurde das Konzert von der Initiative „MühlackerConcerto“.

Autor: Manfred Müller

Musizieren mit spielerischer Leichtigkeit

Eine neu erschienene Doppel-CD ermöglicht einen spannenden Streifzug durch die Geschichte der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Klassik-Fans können Höhepunkte aus teilweise lange zurückliegenden Konzerten und jüngeren Auftritten genießen.

Peter Wallinger in seinem Element. Foto: Archiv


Mühlacker. „Der will nur spielen“, lautet ein klassischer Ausspruch aus dem Mund des Hundebesitzers, dessen Liebling gerade auf einen skeptischen Dritten losstürmt. Der Ausgang – ungewiss. „Die wollen nur spielen“: So könnte eine kurze Beschreibung der Musikerinnen und Musiker lauten, die unter der Leitung des Dirigenten und Festivalchefs Peter Wallinger in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten für hochkarätige Konzerte in Mühlacker und Umgebung gesorgt haben. Der Ausgang: dank der unbändigen Spielfreude ganz gewiss ein Hörgenuss. Einen klingenden Beweis dafür liefert die neue CD „live 2025“.

Das Cover der neuen Doppel-CD. Foto: privat


Soeben erschienen, können sich die Freunde der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim über eine Sonderausgabe in Form einer Doppel-CD mit Live-Mitschnitten überwiegend aus dem Uhlandbau und der Frauenkirche Lienzingen freuen, die bis ins Jahr 2006 zurückreichen und ganz besondere Aufführungen wieder ins Gedächtnis rufen. Ob Bach oder Bartók, Mozart oder Rossini: „giocavano“ – italienisch für „sie spielten“ – heißt es im Booklet der CD über die Kammersinfonie und zahlreiche Solistinnen und Solisten, die beim „Musikalischen Sommer“ in der Frauenkirche, in der Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau oder bei Auftritten im Kronenzentrum Bietigheim für musikalische Glanzlichter gesorgt haben. Dabei versammeln sich auf der ersten der beiden CDs Solisten aus den eigenen Reihen und renommierte Gäste. CD zwei ist reinen Orchesterwerken vorbehalten und vermittelt einen Eindruck vom breiten Repertoire, das Peter Wallinger mit seinem Orchester erarbeitet hat. Alle Aufnahmen sind Live-Mitschnitte.

Umso bemerkenswerter ist, wie sich alle Beteiligten in den hochkomplexen Klanggeflechten des 2. Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach oder des dritten Klavierkonzerts von Béla Bartók zu einem homogenen Ganzen zusammenfinden und die technischen Herausforderungen mit galanter Selbstverständlichkeit meistern. Stilistisch sind die Musikerinnen und Musiker, gleich ob Peter Wallinger oder sein Sohn Simon am Dirigentenpult steht, ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Präzision und das Hören aufeinander bilden die Grundlage für Interpretationen von Werken aus den unterschiedlichsten Epochen. Da klingt eine bearbeitete und mit dem Alliage-Saxophon-Quartett vorgetragene Sonate des im 16. Jahrhundert geborenen Giovanni Gabriele genau so leichtfüßig wie Rossinis Ouvertüre zu „Die seidene Leiter“. Im Schweren schwingt eine Ahnung von Trost und Leichtigkeit mit, und im scheinbar Leichten bringen die Musikerinnen und Musiker die nötige Ernsthaftigkeit auf, um ungeahnte Facetten auch bekannter Literatur an die Oberfläche zu holen.

Die Frage, wie sich der Orchesterklang über die Jahre entwickelt hat – die jüngste Aufnahme stammt aus dem Jahr 2022 –, lädt den Hörer, die Hörerin der Doppel-CD ein auf einen spannenden Streifzug durch die Historie der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Gewisse Kennzeichen wie rhythmische Prägnanz und die Ausgewogenheit der Register bilden den roten Faden. Ausgezeichnete Solisten wie beispielsweise der Pianist Markus Bellheim, die Geigerin Ursula Schoch oder die Trompeterin Laura Vukobratovic haben aus gutem Grund mit diesem Ensemble zusammengewirkt. Sie alle haben mit Freude gespielt – und niemand würde sie zurückpfeifen wollen.

Die Doppel-CD ist über die Telefonnummer 07043/958393 oder per E-Mail an
susanne@boekenheide.net beziehbar, ebenso über die Buchhandlung Elser an der Bahnhofstraße in Mühlacker.

Autorin: Carolin Becker

Heitere Sommer-Serenade mit Stargeigerin

Klassikreihe in der Lienzinger Frauenkirche: Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger und die Solistin Ursula Schoch beglücken ihr Publikum in einer zauberhaften Matinee mit Werken von Mozart, Offenbach und Saint-Saëns.

Geigerin Ursula Schoch und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim beim Konzert in der Frauenkirche. Foto: Bastian

Mühlacker-Lienzingen. Es war ein sommerleichtes Programm, das Peter Wallinger für die Serenade am Sonntagvormittag zusammengestellt hatte. In der ersten Hälfte erklangen drei Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, nach der Pause Werke von Jacques Offenbach und Camille Saint-Saëns. Mit dabei die fabelhafte Geigerin Ursula Schoch, mit der Wallinger seit 30 Jahren eng verbunden ist.

In der Kunst erweist sich das vermeintlich Leichte am Ende als das wirklich Schwere. Mozart ist das beste Beispiel dafür. Hier hört man buchstäblich alles: jede Verzögerung oder Verlängerung, jede Unebenheit, etwa bei Trillern, und jeden falschen Ton, mag er auch noch so nebensächlich erscheinen. Und tatsächlich hatten die 16 Streicherinnen und Streicher der Kammersinfonie beim Divertimento B-Dur KV 137 und der für Streichinstrumente bearbeiteten Fantasie f-Moll KV 594 an einigen Stellen Mühe, alles auf einen Punkt zu bringen.

Und dann änderte sich alles fast schlagartig. Das selten gespielte Violinkonzert B-Dur KV 207, ein durch und durch positives, freundliches Werk, geriet unter den Händen der herausragenden Ursula Schoch zu einem herrlichen Sommervergnügen. Ihre Energie und Spiellust inspirierten spontan ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Schoch, die als gefragte Solistin weltweit unterwegs ist und als Konzertmeisterin im Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam wirkt, betont die großen Bögen, ohne dabei Details zu vernachlässigen. Wunderbar gelingen Tutti-Solo-Abstufungen und drei federleicht herausgespielte Kadenzen mit sensiblen Forte-Piano-Schattierungen und anspruchsvollen Doppelgriffen. Im zweiten Satz Adagio klingt ihre Violine von Guadagnini aus dem Jahr 1755 silbern, um beim Schlusssatz Presto dann mächtig aufzutrumpfen. Die fünf Geigenkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart darf man mit Fug und Recht als Therapeutikum für das menschliche Gemüt bezeichnen.

Nach der Pause blieb der „Flow“ weiterhin spürbar. Die 16 Geigen, Bratschen, Celli und der Kontrabass hatten ihre Freude an der feinnervigen Serenade C-Dur von Jacques Offenbach. Peter Wallinger arbeitete zielstrebig die Höhepunkte in den schnellen Ecksätzen heraus und trieb seine Kammersinfonie einer strahlenden Schlussapotheose entgegen.

Am Ende erklang dann noch ein musikalischer Leckerbissen: „Introduktion und Rondo Capriccioso“ opus 28 für Violine und Orchester aus der Feder des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns. Dieser hat ein derart suggestives Rondo-Thema gefunden, das man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt, so sehr man sich auch bemühen mag. Ursula Schoch scheint das Stück auf den Leib beziehungsweise auf ihre Guadagnini geschneidert zu sein. Elegant stuft sie die Couplet-Teile gegenüber dem Rondo-Thema ab. Während das Orchester das Thema übernimmt, lässt sie sich auf waghalsige Umspielungen ein. Sie kann es sich leisten, denn ihre Technik ist schlichtweg superb. Bei der Stretta gibt es kein Halten mehr. Da ist der „point of no return“ längst überschritten.

Viel Applaus für eine exzellente Geigerin und ein Orchester, das gegen Ende über sich hinausgewachsen ist. Und einmal mehr die dankbare Feststellung, dass ohne das visionäre Engagement Peter Wallingers niemals so große Musik in der Lienzinger Frauenkirche erklingen würde.

Autor: Dr. Dietmar Bastian

Klangfreude, Virtuosität und Leidenschaft

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und Trio Vivente begeistern mit Werken von Grieg, Borodin, Dvořák und Beethoven im Uhlandbau.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallinger begeistert mit einem Konzertabend voller Leichtigkeit, klanglicher Finesse und musikalischer Poesie. Foto: Müller

Mühlacker. Am Freitagabend wurde der Uhlandbau zur Bühne eines besonderen musikalischen Erlebnisses. Mit einem Frühjahrskonzert feierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gemeinsam mit dem Trio Vivente den krönenden Abschluss ihrer Jubiläumssaison „40 Jahre Kammersinfonie“. Veranstaltet vom Förderverein „Mühlacker Klassik e.V.“, bot das Programm den etwa 150 Besucherinnen und Besuchern eine stilistisch vielfältige Reise durch Romantik, Volksnähe und Virtuosität – dargeboten mit beeindruckender Musikalität.

Unter der Leitung von Peter Wallinger entfaltete sich ein Konzertabend voller Leichtigkeit, klanglicher Finesse und musikalischer Poesie. Wallinger führte das Orchester mit präziser Hand und formte das Zusammenspiel zu einer ausdrucksstarken Einheit. Seine klare musikalische Gestaltung half, die Struktur des Konzerts aufzufächern und die klangliche Vielfalt zur Geltung zu bringen.

Bereits vor Konzertbeginn bereitete Dr. Christina Dollinger das Publikum mit einer Einführung auf den Abend vor. Ihre Erläuterungen beleuchteten die verbindenden Motive der ausgewählten Werke – allesamt geprägt von Heiterkeit, tänzerischer Energie und klanglicher Eleganz. Besonders interessant war dabei der Einblick in die künstlerische Entwicklung und die Inspirationsquellen der einzelnen Komponisten.

Edvard Griegs „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ eröffnete das Konzert mit Leichtigkeit und nordischem Charme. Ursprünglich als Hommage an die glücklichen Jahre in seinem Haus Troldhaugen komponiert, fängt das Stück die unbeschwerte Freude eines besonderen Tages ein. Der schwungvolle Beginn, geprägt von tänzerischen Rhythmen und lebendigen Harmonien, vermittelt eine Atmosphäre ausgelassener Feierlichkeit. Im Mittelteil entfaltet sich Griegs feinfühlige Melodieführung, bevor das Werk zu seinem mitreißenden Abschluss zurückkehrt. Diese geschickte Balance zwischen Festlichkeit und Melancholie macht das Stück zu einem ausdrucksstarken Charakterbild. Die Musikerinnen und Musiker der Kammersinfonie interpretierten die Komposition mit stilistischer Präzision und verliehen den tänzerischen Elementen Leichtigkeit: Sie schufen eine warme Klangatmosphäre, die das Publikum in Griegs Erinnerungswelt eintauchen ließ.

Musiker nehmen ihr Publikum mit auf eine klangvolle Reise durch die Steppen Mittelasiens.

Mit Borodins „Steppenskizze aus Mittelasien“ öffnete sich eine weitläufige Klanglandschaft voller sanfter Übergänge und atmosphärischer Tiefe. Das Werk zeichnet die langsame Reise einer Karawane durch die weite Steppe nach, wobei russische und orientalische Musiktraditionen kunstvoll miteinander verflochten werden. Die einprägsame Melodie der Holzbläser, die die Karawanenführer symbolisiert, wird von einer sanften Begleitung in den Streichern getragen, welche die unendliche Weite der Landschaft unterstreicht. Mit fein abgestimmten Phrasierungen führte das Orchester die Zuhörer auf eine eindrucksvolle musikalische Reise. Besonders die feinen Abstufungen in Dynamik und Ausdruckskraft trugen zur intensiven Wirkung der Komposition bei.

Dvořáks „Böhmische Suite“ op. 39 ist eine Hommage an die Volksmusik seiner Heimat und verbindet schlichte Schönheit mit tänzerischer Eleganz. Die fünf Sätze spiegeln die böhmische Landschaft und ihre musikalischen Traditionen wider: mal leichtfüßig und verspielt, mal lyrisch und voller Wärme. Besonders charakteristisch ist Dvořáks feinsinniger Umgang mit Melodien und Rhythmen, die sich lebendig entfalten und eine folkloristische Atmosphäre schaffen. Er kombiniert volkstümliche Tänze mit klassischen Formen und verleiht ihnen eine raffinierte Orchestrierung, die die einzelnen Instrumentengruppen harmonisch miteinander verwebt. Die Suite fängt die Essenz böhmischer Musik mit natürlichem Fluss und musikalischer Ausdruckskraft ein. Das Orchester setzte diese feinen stilistischen Nuancen gekonnt um und schuf ein lebendiges Klangbild.

Nach der Pause erklang Ludwig van Beethovens Tripelkonzert C-Dur op. 56, ein selten aufgeführtes Werk mit einer ungewöhnlichen Besetzung. Beethoven kombiniert hier Violine, Violoncello und Klavier zu einem gleichberechtigten solistischen Trio, das in intensivem Austausch mit dem Orchester steht. Die Komposition zeichnet sich durch ihre feinsinnige Verzahnung der Soloinstrumente aus, wodurch ein facettenreicher musikalischer Dialog entsteht.

Das Trio Vivente – bestehend aus Anne Katharina Schreiber (Violine), Kristin von der Goltz (Violoncello) und Jutta Ernst (Klavier) – überzeugte mit präziser Abstimmung und tiefem musikalischem Verständnis. Vom ersten Einsatz an wirkte ihr Zusammenspiel harmonisch und geschmeidig, jede Stimme wurde klar herausgearbeitet, ohne das Gesamtbild aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das Orchester spielte dabei nur im ersten Satz (Allegro) eine tragende Rolle. Im Largo des zweiten Satzes zeigte sich die lyrische Tiefe des Werkes, und im abschließenden Rondo alla polacca brachte das Trio Vivente die Virtuosität und das tänzerische Moment des Werkes zur Geltung. Lebhafte Rhythmen und dynamische Akzente sorgten für eine mitreißende Interpretation, die den festlichen Charakter des Satzes unterstrich. Beethoven verbindet hier klassische Eleganz mit spielerischer Leichtigkeit.

Das Publikum zeigte seine Begeisterung für einen rundum gelungenen Konzertabend mit langanhaltendem Applaus und Beifallsrufen. Besonders herzlich wurde das Trio Vivente gefeiert, dessen fein abgestimmte Interpretation und Bühnenpräsenz beeindruckte. Mit einer besonderen Zugabe – Beethovens erstem Klaviertrio – verabschiedete es sich vom Publikum und setzten einen stimmungsvollen Schlussakzent.

Autor: Manfred Müller

Gefühl trifft Geist beim Neujahrskonzert

Die Klassikreihe „Mühlacker Concerto“ beginnt das neue Jahr mit einem exzellenten Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie. Das Publikum in der voll besetzten historischen Kelter in Ötisheim bejubelt den Weltklasse-Cellisten Mikael Samsonov.

Beeindruckend: Die Kammersinfonie Bietigheim spielt beim Neujahrskonzert gemeinsam mit dem Weltklasse-Cellisten Mikael Samsonov. Foto: Bastian

Ötisheim. Vernunft und Gefühl schließen einander aus, lehrte der französische Denker René Descartes, denn klug handele ein Mensch nur dann, wenn er sich nicht von Emotionen beeinflussen lässt. Dies mag vielleicht für Naturwissenschaften zutreffen, aber wer versucht, die Künste mit der Kraft des messerscharfen Verstandes zu ergreifen, kommt nicht weit. Leib, Seele und Geist, Bauch und Kopf bilden vielmehr ein perfektes Ensemble, das uns Menschen von allen anderen Geschöpfen unterscheidet. Dass Geist und Gefühl eine innige Allianz eingehen und sich gegenseitig bereichern können, durften die zahlreichen Besucherinnen und Besucher des Neujahrskonzertes der Reihe „Mühlacker Concerto“ am Sonntagvormittag in der Historischen Kelter Ötisheim in beeindruckender Weise erleben. Auf dem Programm mit der vielsagenden Überschrift „GrenzenLos – LebensWert“ standen Werke aus der Zeit der Romantik. Der Sprecher Martin Stolz rezitierte intermittierend Gedichte von Hilde Domin.

Wer die Programmzusammenstellungen des „Spiritus Rector“ der Reihe, Peter Wallinger, über die Jahre verfolgt hat, weiß, wie viele Gedanken er sich macht, wie sorgsam er abwägt und schließlich Werk-Abfolgen findet, die sinnhafter und klüger kaum sein könnten. Das Konzert am Sonntagmorgen begann slawisch mit der Suite für Streichorchester von Leoš Janáček – und endete slawisch mit zwei Juwelen der Literatur für Violoncello und Orchester von Peter Tschaikowsky: den Rokokovariationen und dem Nocturne aus dem Jahr 1888. Dazwischen standen zwei Miniaturen von Anton Webern und zwei Stücke der skandinavischen Komponisten Jean Sibelius und Edvard Grieg. Martin Stolz trug dazu Verse der deutsch-jüdischen Dichterin Hilde Domin (1909-2006) vor. Ihre Miniaturen sind lebensbejahende und durchaus mutige Impulse zur Freiheit der Entscheidung.

Leoš Janáčeks (1854-1928) einfallsreiche „Suite“ vereinigt tänzerische Leichtigkeit mit anrührenden Kantilenen und der typisch slawischen Schwermut. Dem 16-köpfigen Ensemble gelingt eine sorgfältige, sensible Wiedergabe. Anton Webern (1883-1945) haftet noch heute das Urteil seiner Zeitgenossen an, seine Musik sei zu konstruiert, zu intellektuell und unschön. Doch wer sich ohne Vorbehalte und innere Widerstände auf sie einlässt, wird in Wahrheit reich belohnt. Der Finne Jean Sibelius (1865-1957) beschreibt – anders als sein norwegischer Kollege Edvard Grieg (1843-1907) – nicht die Landschaft und Natur Skandinaviens, er erzählt Geschichten. Mit der Konzertmeisterin der Süddeutschen Kammersinfonie, Sachiko Kobayashi, erklingt Sibelius’ beredte Humoreske IV in warmem und lyrischem Ton. Danach Griegs hochdynamisches Frühlingssehnen „Våren“. Auch bei einer Wiedergabe der höchst virtuosen Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowsky (1840-1893) finden Geist und Emotion zu einer beeindruckenden Symbiose zusammen.

Der belarussische, vielfach ausgezeichnete Cellist Mikael Samsonov spielt Cello, so wie andere Leute spazieren gehen. Seine Technik ist atemberaubend und voll sprühender Leichtigkeit, sein Ton und sein Gespür für Form und Struktur sind vollendet. Die Variationen-Folge über ein Thema im Stil des 18. Jahrhunderts ist ein feines, bezauberndes Kammerspiel zwischen der Solostimme, die dem Interpreten musikalisch alles abverlangt, und einem raffiniert durchkomponierten Orchestersatz. Sie gehört zum Schönsten, was die Celloliteratur überhaupt zu bieten hat. Das Publikum zeigte sich fasziniert von der hohen Kunst des Flageolett-Spiels des Belarussen und applaudierte zur Unzeit, mitten in einer Phrase – woraufhin Samsonov, vollkommen zurecht, energisch-abweisend reagiert. Er bewältigte die aberwitzig schwere Stretta am Ende mit einer Leichtigkeit, die fast an Zauberei glauben lässt.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit ihren vielen sehr jungen Musikerinnen und Musikern hinterlässt den besten Eindruck. Noch über ein Zugabe-Stück von Ennio Morricone hinweg klingen die Worte Hilde Domins nach: „Weil ein neuer Anfang möglich ist: Wer den ersten Schritt in die Zukunft wagt, dem sei gesagt: Fürchte dich nicht, es blüht hinter uns her.“

Autor: Dr. Dietmar Bastian

Wie einst im Mai: CD bietet gute Laune pur

Das Jubiläumskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim vom Mai 2024 ist jetzt als Livemitschnitt auf CD erschienen.

Das Cover der neuen CD. Foto: privat

Mühlacker. Noch erklingt im Uhlandbau keine Musik. Die Renovierungsphase dauert, wie berichtet, länger als geplant. Wer sich die Wartezeit bis zur nächsten kulturellen Veranstaltung im Saal mit der viel gelobten Akustik verkürzen möchte, hat die Chance, eine neue CD der Reihe „Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim Live“ zu erleben. Frisch auf dem Markt ist der Mitschnitt des Festkonzerts „20 Jahre Konzerte im Uhlandbau Mühlacker – 40 Jahre Kammersinfonie“ vom 3. Mai 2024 im Uhlandbau. Damals erklangen, nun auch im heimischen Wohnzimmer nachzuhören, Werke von Dvorak, Sibelius und Brahms sowie das Violinkonzert von Beethoven mit der renommierten Solistin Ursula Schoch, einer langjährigen Begleiterin des Orchesters.

„Furiant“ ist der Slawische Tanz von Dvorák überschrieben, mit dem die CD eröffnet wird, und es ist ein furioser Beginn: Farbenreich, die nicht immer eingängigen Rhythmen genießend, präsentiert sich das Orchester unter seinem Leiter Peter Wallinger, wenig später dann schwelgerisch träumend im mit „Starodávný“ (aus alten Zeiten) überschriebenen Satz. Und tänzerisch geht es weiter mit Sibelius’ „Valse triste“. Da sieht man förmlich vor dem inneren Auge die elegant gekleideten Tänzerinnen und Tänzer ihre Schritte setzen, man hört den Walzerrhythmus und kann sich ausmalen, wie die Röcke ausschwingen, die Damen selbstbewusst die Köpfe hin und her drehen, die Herren energisch voranschreiten.

Die Energie, die Peter Wallinger seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in stets stilgerechter Form zu entlocken vermag, bricht sich auch in den weltbekannten „Ungarischen Tänzen“ von Brahms Bahn. Doch wie soll man Stücke neu interpretieren, die jedes Kind kennt, die, obwohl technisch und vom Zusammenspiel her höchst anspruchsvoll, dem Zuhörer als etwas Selbstverständliches erscheinen? Peter Wallinger erfindet die Tänze eins, fünf und sechs nicht neu. Aber er präsentiert sie gut durchhörbar und lässt die Musik für sich sprechen. Das Ergebnis ist gute Laune pur.

Auch Beethovens Violinkonzert D-Dur ist Klassikfreunden bestens bekannt. In ihrer wohlüberlegten gemeinsamen Interpretation setzen die in den hohen Lagen besonders überzeugende Geigerin Ursula Schoch und der sein Orchester als gleichberechtigten Partner führende Peter Wallinger einen bemerkenswerten Schwerpunkt auf die rhythmischen Elemente. Denn dass ein Violinkonzert von vier Paukenschlägen eröffnet wird, ist ungewöhnlich genug, um das im Verlauf des ersten Satzes in unterschiedlichen Registern wiederkehrende Motiv ins Schaufenster zu stellen und auch in den Spielfiguren der Solovioline auf akzentuierte Elemente zu setzen. Diese stehen dann in wunderbarem Kontrast zu den scheinbar schwerelosen Melodien, die Ursula Schoch in perfekter Intonation darbietet.

Die CD ist zu beziehen über die Buchhandlung Elser in Mühlacker beziehungsweise per E-Mail an susanne@boekenheide.net oder unter der Telefonnummer 07043/958393. Für Mitglieder des Fördervereins der Kammersinfonie ist die CD als Jahresgabe kostenfrei.

Autorin: Carolin Becker

Sommerliche Serenade zeigt viele musikalische Facetten

Konzert der „Sueddeutschen Kammersinfonie“ in der Lienzinger Frauenkirche wird zum besonderen Erlebnis für das begeisterte Publikum.

Simon Wallinger dirigiert die „Sueddeutsche Kammersinfonie“. Foto: Filitz

Mühlacker-Lienzingen. Die Matinee am Sonntag im Rahmen des „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche ist zu einem musikalischen Hochgenuss geworden. Die „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“ unter Leitung von Junior-Dirigent Simon Wallinger erfreute die Gäste mit einem auserlesenen Programm. Die „Sommerliche Serenade“, so der Titel, führte auch in neue Gefilde konzertanter Musik.

Zum Auftakt erklang das Allegro aus der Kammersinfonie Nr. 1 op 145 von Mieczyslaw Weinberg (1919 bis 1986), einem jüdisch-polnischen Komponisten. „Wer ihn hört, ist begeistert von den großartigen Melodien, von der Vielfalt an Klängen und musikalischen Ideen“, ist in der Konzertliteratur nachzulesen. Diese Meinung teilt Simon Wallinger. Er hat sich auf Entdeckungsreisen begeben und ist fündig geworden. Seither ist es ihm ein wichtiges Anliegen, Werke dieses Komponisten bekannt zu machen.

Schon beim Adventskonzert 2022 im Uhlandbau hatte er einen Weinberg-Zyklus angekündigt und mit einer abwechslungsreichen und pointierten Interpretation des „Moderato“ aus der Kammersinfonie Nr. 2, op. 147 eine erste Kostprobe geliefert. Zur Eröffnung der Sommer-Serenade erklang das Allegro aus der Kammersinfonie Nr. 1 op. 145 von Weinberg. Zunächst fast behutsam und weich angestimmt, wusste der Komponist doch schnell aufregende Akzente zu setzen, die bereits ein umfangreiches Können der Musikerinnen und Musiker forderten. Mit der Folge von lieblich melodiösen Passagen hin zu mächtigen Tongemälden in höchsten Lagen und furiosem Aufspiel, dann wieder Hinabgleiten in tiefe düstere Klang-Ebenen war mehr Kontrast kaum möglich. Am Ende schien ein leises Fragezeichen zu stehen: Prägen die Kriegserlebnisse, die Ermordung der Familie, sein eigener Überlebenskampf die Kompositionen?

Trotz der sommerlichen Ankündigung bewegte sich auch die nachfolgende Kammersinfonie von Dimitri Schostakowitsch (1906 bis 1975) (Bearbeitung Rudolph Barschai) in dunkel gefärbtem C-moll. Das beginnende Largo ergeht sich in tiefer Klage, der das Allegro molto mit temperamentvoller Klangwucht ein Ende setzt. Fröhlich hüpft ein Allegretto dazwischen, ehe nach eruptiven Klangbildern weitschwingendes, singendes Legato in den beiden abschließenden Largo-Sätze einen im Pianissimo unendlich sanft entschwindenden Schlusspunkt setzt. Auch dieser russische Komponist hat seine ganz persönliche Handschrift. Er hatte, wie sein Freund Weinberg, unter politischen Repressalien zu leiden, musste zeitweise auch um sein Leben fürchten. Still blieb es im Kirchenraum nach diesem berührenden Finale und es dauerte eine Weile, ehe Wallinger den Taktstock senkte. Das Publikum hatte verstanden, was er damit sagen wollte und wartete mit dem Beifall, bis die Haltung des Dirigenten den Applaus erlaubte. Dieser fiel dann umso begeisterter aus.

Zurück in gewohnt klassische Klangwelten eines Franz Schubert (1797 bis 1828) nahm Konzertmeisterin Maryana Osipova die Zuhörer mit, heiter klangen die beiden Sätze des Rondos A-Dur D 438. Osipova ist die Primaria des renommierten Eliot-Quartetts. Heiter klangen die beiden Sätze des Rondos A-Dur D 438. Allein die Dur-Tonlage sorgte schon für hellere Färbung. Innig, mit zartem Bogenstrich intonierte die Solistin das Adagio. Klangprächtig schwang sie sich im Allegro giusto zu schwindelnden Höhen auf. Ihr durch und durch exzellentes Spiel unterstrich das Orchester noch mit seiner einfühlsamen Begleitung. Die Matinee endete mit der Suite für Streicher op. 1 a-moll des dänischen Komponisten Carl Nielsen (1865 bis 1931). Im zweifachen Andante und Allegro, Intermezzo und Finale konnten die Musikerinnen und Musiker nochmals ihr Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Intentionen des Komponisten präsentieren. Jubelnder Applaus füllte das Kirchenschiff. War es da verwunderlich, dass die Solistin nochmals zu ihrer Violine griff und der Dirigent nach seinem Taktstock? Alles in allem: Ein in allen Facetten beglückendes Konzerterlebnis. Schöner kann ein Sonntag nicht beginnen.

Autorin: Eva Filitz

Weltklasse-Geigerin krönt Jubiläumskonzert

Peter Wallinger begeht am Freitag gleich zwei Jubiläen auf einmal. Ursula Schoch, Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam, glänzt mit einer hinreißenden Wiedergabe von Beethovens Violinkonzert in D-Dur.

Geigerin Ursula Schoch und Dirigent Peter Wallinger sind ein eingespieltes Team. Foto: Bastian

Mühlacker. Was Peter Wallinger in Bietigheim und Mühlacker künstlerisch auf die Beine gestellt hat, ist überaus beeindruckend. Dr. Johannes Bastian vom Förderverein „Mühlacker Klassik“ nannte in seiner Begrüßung den Musiker einen „herausragenden Kulturträger in der Region“ und bescheinigte ihm „enormes Durchhaltevermögen und Energie“. Wallinger habe vor 20 Jahren den Uhlandbau aus dem Dornröschenschlaf erweckt und die im frühen 20. Jahrhundert begründete Konzerttradition neu belebt.

Mit Gründung der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Jahr 1984 war der Grundstein für zahllose Konzerte im Raum Bietigheim-Bissingen gelegt. 2004 kam zur Konzertreihe „Musikalischer Sommer in der Frauenkirche Lienzingen“ die Reihe „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau hinzu, Initiativen, die der Region wunderbare Veranstaltungen beschert haben, ohne die die vergangenen Jahrzehnte um vieles ärmer verlaufen wären.

Das Festkonzert am Freitagabend lag Peter Wallinger wohl sehr am Herzen. Dies war im ausverkauften Uhlandbau atmosphärisch deutlich zu spüren. Das mit über 30 Musikerinnen und Musikern groß besetzte Orchester, darunter Doppelholz (jeweils zwei Querflöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte) und Doppelblech (zwei Trompeten, zwei Hörner) und Schlagwerk, war bestens vorbereitet und ließ erahnen, wie viel Freude es macht, unter Wallinger zu musizieren.

Dem bestens vernetzten Musiker gelingt es immer wieder, vielversprechende junge Talente und Preisträger zu verpflichten. Und wenn es besonders glücklich verläuft, treten diese mehrfach in Erscheinung – so wie die großartige, aus dem Raum Bietigheim stammende Geigerin Ursula Schoch, die als Solistin der Solokonzerte von Johannes Brahms, Felix Mendelssohn, Ludwig van Beethoven, Max Bruch und Wolfgang Amadeus Mozart immer wieder zu erleben war. Neben zahlreichen Soloauftritten auf den großen Bühnen der Welt ist sie seit der Saison 2000/2001 Konzertmeisterin des berühmten Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam.

„Peter Wallinger ist ein herausragender Kulturträger der Region mit enormem Durchhaltevermögen.“ Dr. Johannes Bastian, Förderverein „Mühlacker Klassik“

Wallingers Motto und künstlerische Zielsetzung, „Neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen“ lässt in Konzerten einmal stärker das Neue, das andere Mal mehr das Vertraute hervortreten. Beim Jubiläumskonzert am Freitag dominierte eindeutig das Vertraute, Bekannte. Eine Konzerteinführung konnte aufgrund von Baumaßnahmen nicht stattfinden, war aber auch nicht notwendig, denn die zur Aufführung gelangenden Werke waren bestens bekannt.

Vor der Pause gab es Tänze – von Antonin Dvořák, Jean Sibelius und Johannes Brahms. Sinfonische Tänze sind beim Publikum besonders beliebt, denn sie vereinen schlichte, leicht eingängige Melodien, die zu kreisen scheinen, reizvolle Rhythmen, starke Kontraste und immer wieder überraschende Klangfarben. Im slawischen Duktus spielte die Kammersinfonie zwei herrliche Tänze des „böhmischen Musikanten“ Antonin Dvořák, einen tiefgründigen „Valse triste“ des Finnen Jean Sibelius und drei sattsam bekannte „Ungarische Tänze“ von Johannes Brahms, die orchestrierte Übertragungen von Klavierstücken sind und ihm einst zu Weltruhm verholfen haben.

Wallingers Interpretation trumpfte nicht auf, sondern suchte nach einer transparenten Wiedergabe, einem feinsinnigen Herausschälen der Höhepunkte und einer Betonung des tänzerischen Charakters. Es gab schalkhafte Passagen, den warmen Sound der tiefen Streicher und eine hurtige Stretta am Ende des sechsten Tanzes.

Nach der Pause folgte eines der gewichtigsten Violinkonzerte der Literatur, das Konzert in D-Dur opus 61 von Ludwig van Beethoven. Das dreisätzige Werk ist per se kein typisches Solokonzert, sondern eher eine Sinfonie mit obligater Violinstimme. Doch es fehlt nicht an geigerischem Glanz und großer Geste, an einem kecken Widerspiel zwischen Solo und Tutti, an hochvirtuosen Kadenzen mit exponierten Doppelgriffen, die der Solistin beziehungsweise dem Solisten alles abverlangen.

Ursula Schoch spielte ganz wunderbar, fernab jeder Effekthascherei. Sie verfügt über einen exquisiten, farben- und obertonreichen Ton mit Wärme in der Höhe und Substanz in der Tiefe.

Ihr Spiel erinnert an keine Geringere als an Ann-Sophie Mutter. Nichts spielt Schoch flüchtig, alles hat Format, Leichtigkeit und Schwere zugleich, nichts ist vordergründig. Das ist Geigenspiel auf Weltniveau, woran auch ihr Instrument, eine Violine von Guadagnini aus dem Jahr 1755, einen nicht unwesentlichen Anteil trägt. Das Publikum war begeistert und spendete im Stehen Applaus, der mit einer Zugabe, einem Largo von Johann Sebastian Bach, belohnt wurde.

Autor: Dr. Dietmar Bastian