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Mühlacker Tagblatt

Klassik bewegt und begeistert Kinder

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„Herr Buffo und der Notendieb“: Rund 500 Schüler verfolgen die neue musikalische Reihe im Mühlacker Uhlandbau Mühlacker (an). Peter Wallinger fühlt sich wohl im Uhlandbau. Der musikalische Leiter der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ zieht mit seiner Reihe „Mühlacker Concerto“ seit Jahren Musikliebhaber aus nah und fern an. Am gestrigen Donnerstag folgte nun ein deutlich jüngeres Publikum seiner Einladung, einen spannenden Musik-Krimi im Uhlandbau zu erleben. Insgesamt 500 Schüler aus Mühlacker und Diefenbach sahen und hörten das Stück „Herr Buffo und der Notendieb“, das Mitglieder der „kammersinfonie“ zusammen mit dem Autor und Darsteller Jörg Schade und Dorit Meyer-Gastell von der Pyrmonter Theater Companie auf die Bühne brachten.

„Die zwei Vorstellungen in Mühlacker waren schnell ausverkauft“, freut sich Peter Wallinger, der seit 2004 diese musikalische Kinder-Klassik-Reihe in Bietigheim anbietet. „Es ist wertvoll, Kinder an die klassische Musik heranzuführen“, so der „kammersinfonie“-Leiter, dessen Ensemble-Mitglieder Georg Mayer (Klarinette), Michael Makarov (Violine), Patrick Burkhardt (Violoncello) und Simon Wallinger (Klavier) den musikalischen Rahmen für den Musik-Krimi lieferten. Die Kinder, die nicht stumm in den Reihen sitzen mussten, sondern aktiv mit Bewegungen, Gesang und Beiträgen am Geschehen beteiligt wurden, begegneten in den je 50-minütigen Aufführungen Komponisten wie zum Beispiel Claude Debussy, Ludwig van Beethoven oder Robert Schumann.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Komponist und Musiktüftler Antonio Buffo, dem bei seiner Arbeit mysteriöse Dinge zustoßen. Noten geraten zunächst durcheinander, schließlich verschwindet ein von ihm komponiertes „Kuchenduett“, das er eigentlich schnell abliefern muss. Eine Detektivin wird engagiert, die dem Notendieb zusammen mit dem jungen Publikum auf die Schliche kommen soll. Und die Kinder sind natürlich mit Feuereifer dabei, den Täter zu finden.

„Mir hat die Musik sehr gut gefallen“, sagt der zehnjährige Paul von der Heidenwäldle-Schule, der daheim eher moderne Musik hört. Der gleichaltrigen Annabel wird ihr Auftritt auf der Uhlandbau-Bühne mit der Triangel in Erinnerung bleiben.

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim legt neue CD vor – Live-Mitschnitte aus Lienzingen und Bietigheim-Bissingen

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Ein simpler, absteigend gebrochener C-Dur-Dreiklang steht am Beginn des Vivaldi-Konzerts für zwei Trompeten, das dem Hörer der neuen CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zuerst begegnet. So festlich, schwebend, gelöst, wie das eröffnende Motiv interpretiert wird, so souverän präsentieren sich Solisten und Orchestermitglieder unter der Leitung von Peter Wallinger auch in den weiteren Stücken, die als Konzertmitschnitte festgehalten wurden. Dokumentiert sind auf der neuen CD „Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim live 2013“ Ausschnitte aus dem Adventskonzert, das am 8. Dezember im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen stattfand, und aus dem Konzert vom 7. Juli, das die Fans der Reihe „Musikalischer Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche erfreute.

Festlichen Charakter trägt neben dem berühmten Trompetenkonzert, in dem sich Eline Beumer und Saleem Khan als virtuose, auch in der hohen Lage nicht forcierende Solisten profilieren, auch Georg Friedrich Händels Ode für Queen Anne „Eternal source of light divine“. Als stilsichere Begleiter bereiten die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie in Henry Purcells berührender Arie „When I am laid in earth“ aus der Oper „Dido und Äneas“ der Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr den wohltönenden Boden, auf dem sie ihre warme Stimme klagend und tragend ausbreitet. Dass sie auch Koloraturen makellos gestalten kann, beweist die Sängerin in Wolfgang Amadeus Mozarts „Alleluja“ aus „Exsultate, jubilate“.

Der viel gespielten „Jupiter-Sinfonie“ des Meisters neue Seiten abzugewinnen, stellt eine Herausforderung dar. Peter Wallinger setzt in seiner Interpretation auf feine dynamische Abstufungen, präzisen Rhythmus und reizvolle Kontraste zwischen energiegeladenen und entspannt-lyrischen Passagen. Warm, fließend, selbstverständlich in den Übergängen und sauber intoniert erklingt Antonin Dvoráks Serenade E-Dur für Streichorchester, deren Finale den Reigen der ausgewählten Stücke furios beschließt.

Das Erscheinen der elften CD der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ bildet den Auftakt zum Jubiläumsjahr „30 Jahre Kammersinfonie“. Der Tonträger ist erhältlich bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße und per E-Mail an die Adresse cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Carolin Becker

Nordische Klassik in Musik und Text

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Mit dem vielschichtigen Programm „Nordische Impressionen“ hat die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter Leitung ihres Gründers Peter Wallinger die Besucher des Neujahrskonzerts im voll besetzten Uhlandbau in den Norden Europas, nach Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark, entführt.

Abwechslungsreich: Zur Musik der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim rezitieren Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth aus dem finnischen Volksepos „Kalevala“. Foto: Fotomoment

Der besondere Reiz des Programms lag in dessen Erweiterung durch die Sprache. Aus dem finnischen Volksepos „Kalevala“ rezitierten Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth etliche Verse, sogenannte Runen.

Rhythmisch akzentuiert und tänzerisch bewegt erklangen zu Beginn des Konzerts „Kuhreigen und Bauerntanz“ aus Opus 63 von Edward Grieg. Diese heiteren, folkloristisch wirkenden Stücke gaben der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim erste beeindruckende Gelegenheiten, mit gewohnt klarem, dichtem und warmem Streicherklang zu erfreuen. Auch drei Sätze aus einer Serenade nach schwedischen Volksweisen von Max Bruch musizierte das Orchester beschwingt und in sehr fein nuancierter Ausführung.

Der finnische Komponist Pehr Henrik Nordgren lebte von 1944 bis 2008. Peter Wallinger hatte ihn noch selbst kennengelernt und deshalb in der Vergangenheit immer wieder einzelne Stücke des Künstlers aufgeführt. Aus seiner im Jahr 1976 entstandenen Suite „Pelimannimuotokuvia“, Opus 26, waren zwei lebhafte und regelrecht fröhlich wirkende Sätze zu hören.

Auch die bekannte „Sentimental Saraband“ aus der „Simple Symphonie“ von Benjamin Britten wurde zu einem musikalischen Glanzstück. Mit großer Einfühlsamkeit und Sensibilität interpretierte die Konzertmeisterin der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim, Sachiko Kobayashi, auf der Violine den Solopart von Sibelius‘ Humoreske op.89b.

Den burlesken „Bauerntanz“ von Edward Grieg spielte das Orchester am Ende des Programms noch einmal in schnellem Tempo. Danach folgte noch eine Zugabe als Dank für den anhaltenden, freudigen Schlussapplaus im Uhlandsaal.

Hervorzuheben ist nicht zuletzt die Rezitation aus dem finnischen Epos „Kavelava“ durch die beiden fabelhaften Sprecher Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth. Mit einem vom Versrhythmus bestimmten, angemessenen Pathos und in überaus klarer Artikulation trugen sie die ausgewählten Runen vor. Darin wurde von den Abenteuern dreier Helden aus Kalevala-Land im Süden Finnlands berichtet, die sie bei ihrer Werbung um die schöne Nordlandjungfrau erleben. Außerdem spielt ein magisches Gefäß mit der Bezeichnung „Sampo“ eine wesentliche Rolle, um das es einen wilden Kampf gibt, bei dem es zerbricht. Doch seine geretteten Scherben bringen den Helden schließlich Glück.

Der Inhalt dieses Epos ist außerordentlich spannend und wirkte in der deutschen Übersetzung sehr authentisch und ursprünglich, wozu die Vortragskunst der beiden Sprecher wesentlich beitrug.

Rudolf Wesner

Musiker entfalten sinfonische Pracht

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und Solisten begeistern ihr Publikum im Mühlacker Uhlandbau


Die jungen Trompeter und Solisten Eline Beumer und Saleem Khan bestechen im Uhlandbau mit ihrer kristallklaren Intonation. Foto: Fotomoment

Der Programmtitel „Jubilate“, mit dem die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihre Musik zum Advent überschrieben hatte, entsprach in vollem Umfang der Qualität der Aufführungen, die im fast voll besetzten Saal des Uhlandbaus von den ambitionierten Mitwirkenden geboten wurden.

Mühlacker. Bereits mit der Aufführung des Konzerts in C-Dur für zwei Trompeten und Streichorchester, Opus 46, Nummer eins, von Antonio Vivaldi begeisterten die Musiker unter der Leitung von Peter Wallinger die Besucher, zumal als Solisten zwei exzellente, noch recht junge Virtuosen aus der Meisterklasse von Reinhold Friedrich von der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe mitwirkten.

Die jungen Trompeter Saleem Khan und Eline Beumer, beide kommen aus den Niederlanden, beglückten in den beiden schnellen Sätzen vom ersten Takt an mit ihrer kristallklaren Intonation. Zusammen mit dem vom Orchester entfalteten edlen Streicherklang, der besonders warm und dicht im Mittelsatz, einem kurzen Largo, zu hören war, verbreitete sich mit der Vivaldi-Komposition eine festliche und freudige Stimmung im Saal, wie sie zum Advent nicht besser passen könnte. Das Trompeten-Duo trat später noch einmal mit der weihevollen, ruhigen Komposition „Eternal source of light devine“ auf, einer Ode zum Geburtstag der englischen Königin Anne aus dem 18. Jahrhundert von Georg Friedrich Händel. Im Original war das Werk als Stück für Sopran und Trompete angelegt. Der 24-jährige Saleem Khan hatte jedoch die Idee, die Sopranstimme auf der Trompete zu spielen. Begleitet von der Süddeutschen Kammersinfonie entstand eine musikalische Delikatesse.

Wallingers Orchester musiziert transparent und farbenreich

Von glanzvoller Ausstrahlung der Interpretin, der Mezzosopranistin Maria Rebekka Stöhr, geprägt, waren die Gestaltungen sowohl des ersten und des letzten Satzes aus Mozarts weithin bekannter und beliebter Solo-Motette „Exsultate – Jubilate“ sowie zweier Opernarien.

Die in Tübingen geborene Künstlerin, die bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken kann, führte die beiden Mozart-Sätze mit ihrer überaus hellen, biegsam geschmeidigen Stimme, die in tieferen Lagen auch ausgewogen warm klang, temporeich, zugleich auch sehr andachtsvoll auf. Tief berührend war die Wiedergabe der schmerzerfüllten Klage der Dido „When I am laid to earth“ aus der Oper „Dido and Äneas“ von Henry Purcell. Im Gegensatz dazu stand die dramatische, deshalb auch vitales Tempo verlangende Arie „Grässliches Schicksal“ aus der Oper „Die Italienerin in Algier“ von Gioacchino Rossini, die von Stöhr mit Bravour dargeboten wurde. Das nun auch mit Bläsern besetzte Orchester musizierte unter Peter Wallingers Leitung überaus transparent und farbenreich.

Ein Grund zum Jubeln war ohne Zweifel die Aufführung der 41. und damit letzten Sinfonie, C-Dur, KV 551, von Wolfgang Amadeus Mozart, die etliche Jahre später den Zusatz „Jupitersinfonie“ erhielt. Sprühend und funkelnd musizierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim. Dirigent Wallinger bot mit seinen hoch motivierten Musikern eine Glanzleistung. Er verstand es, alle in der Partitur eingeschlossenen, von vitaler Emotionalität getragenen und daher mächtige sinfonische Steigerungen entfaltenden Motive, in voluminöse Klangbilder zu verwandeln.

Die im Jahr 1788 komponierte Jupitersinfonie stellte zweifellos den Höhepunkt des Konzertabends dar. Für den verdientermaßen freudigen Schlussbeifall erklang im Uhlandbau folgerichtig noch einmal eine kurze Passage aus dem Menuett-Satz der Komposition.

Rudolf Wesner

Musikalische Delikatessen serviert

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„sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ gestaltet sommerliches Konzert in der Lienzinger Frauenkirche

Cellistin Chihiro Saito überzeugt mit Virtuosität und ihrer nuancenreichen Interpretation. Foto: Fotomoment

Mühlacker-Lienzingen. Für das Konzert mit der von ihm gegründeten „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntagvormittag in der Lienzinger Frauenkirche traf Orchesterleiter Peter Wallinger eine geschickte Auswahl mit heiteren Werken aus dem Barock, der böhmischen Romantik und aus dem 20. Jahrhundert.

Die herausragenden Solisten des Programms, die Cellistin Chihiro Saito und der Meister des Blockflötenspiels, Daniel Koschitzki, bereicherten die sommerliche Matinee außerordentlich.

Schon das einleitende Concerto h-moll für Violoncello und Streicher, RV 424, von Antonio Vivaldi erklang als wundervolle Delikatesse, denn die Solistin Chihiro Saito beglückte nicht nur mit ihrer hochrangigen Virtuosität, sondern auch mit dem Nuancenreichtum, den sie bei der Ausführung ihrer Solopartien in den drei Sätzen auf dem Violoncello entfaltete.

Regelmäßigen Besuchern der Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ in der Frauenkirche ist die Künstlerin auch als Mitglied des Lotus String Quartet bekannt. Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ begleitete ihre sonst ihr angehörende Solocellistin mit edlem, wohl ausgewogenem Streicherklang.

Der zweite Solist war der exzellente Blockflötenvirtuose Daniel Koschitzki. Erst kürzlich trat er mit seinem Ensemble „Spark – Die klassische Band“ im Rahmen der Klosterkonzerte Maulbronn auf und bestach die Konzertbesucher mit seinem rasanten, durchaus als artistisch zu bezeichnenden Spiel auf dem zu Unrecht wenig beachteten Instrument.

Damit begeisterte er auch am Sonntag die Besucher. Von einer kleinen Streicherbesetzung begleitet, führte er auf der Sopranblockflöte ein Concerto in G-Dur von Leonardo Leo, einem jüngeren italienischen Zeitgenossen von Vivaldi, aus. Dieses Ensemble musizierte ohne Peter Wallinger am Dirigentenpult.

Daniel Koschitzki ist der absolute Meister der Blockflöte, der mit größter Leichtigkeit und in rasanten Tempi jeden einzelnen Ton fein intoniert hörbar macht. Dabei entwickelt er noch brodelndes Musikertemperament, das ihn zur gelegentlichen Ausführung tänzerischer Schritte regelrecht anzutreiben scheint.

War diese Darbietung schon ein fast unübertrefflicher Genuss, so steigerte der Ausnahmemusiker Daniel Koschitzki seine einzigartige Virtuosität noch einmal, als er zusammen mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter Peter Wallingers Leitung eine Suite für Altblockflöte und Orchester von Gordon Jacob, die dieser im Jahr 1957 komponierte, interpretierte. In den sechs Sätzen sind es unterschiedliche, stets auch gegensätzliche Rhythmen und Stimmungen, die dem Werk einen mitreißenden Farbenreichtum schenken. Diese Kontraste und die expressive Rhythmik gaben Daniel Koschitzki beste Möglichkeiten, noch einmal seine lebendige Gestaltungskraft, verbunden mit von Energieströmen durchdrungener, vollkommener Virtuosität, auszubreiten und damit die Zuhörer fast von den Stühlen zu reißen. Davon ließen sich auch die Orchestermitglieder animieren, die den Solisten mit impulsivem, brillantem Streicherklang begleiteten.

Die sommerliche Matinee konnte nicht glanzvoller und stimmungsreicher als mit der Serenade in E-Dur, Opus 22, von Antonín Dvorák abgeschlossen werden. Dieses Werk nimmt im Repertoire der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ einen herausgehobenen Rang ein, denn Peter Wallinger fügte es häufig in ein Konzertprogramm ein.

Die wandlungsreiche Beschwingtheit der fünf Sätze, die weit gespannte, eingängige Melodik und überhaupt die in den schnellen Sätzen aufblitzende böhmische Lebensfreude vermochte der Dirigent mit seinem Orchester überaus unbeschwert, in blühendem Streicherglanz zum Ausdruck zu bringen. Der Walzer aus dieser Komposition wurde noch einmal als Zugabe kurz angestimmt.

Rudolf Wesner

Zeitreise durch die Musikgeschichte

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Konzert mit dem Saxophonensemble Alliage und der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger und das Saxophonensemble Alliage nahmen die Zuhörer am Samstagabend mit auf eine packende Zeitreise durch fast 300 Jahre Musikgeschichte. Die aufgeführten Werke standen allesamt unter dem Thema „Neues in der Musik“.

Eröffnet wurde das Konzert von der Kammersinfonie mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Serenata Notturna“. Die beiden Orchestergruppen kamen in dem engagiert vorgetragenen Werk gut zur Geltung und nahmen das Publikum sofort gefangen. Die Solisten taten sich dabei durch feinfühlige, geschmeidige Finger hervor und spielten sich mit dem Tutti gekonnt die Bälle zu. Der erste Auftritt des Alliage-Quartetts erfolgte in Giovanni Gabrielis „Sonata pian e forte“, in der die Musiker die Rolle der von Gabrieli eigentlich vorgeschriebenen Soloinstrumente übernahmen. Es erhoben sich wunderbar volle Klänge, die ein erstes Mal die Möglichkeiten und die große Klasse von Musikern und Instrumenten aufzeigten. Obwohl das Ensemble räumlich nicht vom Orchester getrennt war, konnte man sich doch bei geschlossenen Augen in den Markusdom von Venedig, den Ausgangspunkt der Venezianischen Mehrchörigkeit, entführt fühlen.

Einer der Höhepunkte des Abends war Leos Janáceks „Suite für Streichorchester“. Hier entwickelten Wallinger und seine Kammersinfonie ein tiefes Verständnis für die Musik und schafften auf faszinierende Weise den Spagat zwischen Romantik und Schmalz. Die lyrischen Passagen erklangen farbig leuchtend und strahlend, in den kraftvollen fehlte es nicht an mitreißender Wirkung. Die in der Konzerteinführung von Dr. Christina Dollinger erwähnte Verwandtschaft zu Richard Wagners Musik, vor allem zum „Lohengrin“, trat deutlich zutage. Auch eine Hommage an den Jubilar dieses Jahres.

Das Paradestück des Abends für das Ensemble Alliage war die Fassung für Saxophonensemble von George Gershwins „Porgy and Bess“. Hier zeigten die vier Musiker ihre wahre Meisterklasse und entlockten ihren Instrumenten in blindem Verständnis füreinander die zartesten Flötenklänge bis hin zu fast schon aggressiven Blechbläserfarben. Dabei kam ihnen das gelungene Arrangement der Originalfassung entgegen, das auf kunstvolle Weise alle vier Musiker in das Erzählen des Musicals einbezog. Durch die fantastische Aufführung durch Alliage wurden Charaktere und Ereignisse fast greifbar.

Zum Abschluss erlebten die Zuhörer im Uhlandbau die erst zweite Aufführung des Arrangements der Oper „Carmen“ von Jun Nagao. Die Uraufführung fand einen Tag zuvor in Bietigheim statt. Die im Auftrag von Alliage und der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim entstandene Fassung unterstrich ein weiteres Mal den wandlungsfähigen Klang des Saxophons und verdeutlichte durch reichen Schlagwerkeinsatz den Charakter von Georges Bizets Original auf einmalige Weise. Alliage und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zauberten so unter der verständigen Leitung von Peter Wallinger Bizets komplette Oper nuancenreich auf die Bühne. Ein gelungener Abend, an dem einen die Extraklasse des Alliage-Ensembles gefangen nahm und es seine einmalige Stellung in den Konzertsälen dieser Welt unter gerne hörbaren Beweis stellte.

Irene Schallhorn

Komprimierte Spielfreude

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„Live 2012“: Neue CD mit Konzertmitschnitten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erschienen.

Die Konzertreihen „Musikalischer Sommer“ und „Mühlacker Concerto“ bescheren der Region regelmäßig kulturelle Highlights. Wer Ausschnitte der Konzerte bequem auf dem heimischen Sofa genießen möchte, kann sich jetzt über eine neue CD freuen.

Mühlacker. „Kammersinfonie Live“ heißt die Reihe der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, die jetzt um den zehnten Silberling angewachsen ist und regelmäßig Zeugnis von der Qualität des von Peter Wallinger geleiteten Ensembles ablegt. Die neu erschienene CD „Live 2012“ enthält Mitschnitte, die im vergangenen Jahr bei Konzerten am 3. März im Mühlacker Uhlandbau und am 8. Juli in der Lienzinger Frauenkirche entstanden sind. Sie transportieren auf authentische, ehrliche und ungeschminkte Art das Konzerterlebnis, fast ohne merkliche Abstriche am hohen technischen und künstlerischen Anspruch des Produkts hinnehmen zu müssen. Dafür sorgen die immensen Fertigkeiten der Orchestermitglieder und Solisten sowie das Gespür des Dirigenten für die inneren Spannungsbögen der Werke.

Renommierte Solisten glänzen gemeinsam mit der Kammersinfonie

Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ eröffnet den Reigen der für die CD ausgesuchten Kompositionen und gibt der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim reichlich Gelegenheit, mit Stilsicherheit, gut gewählten Tempi, warmem Streicherklang, rhythmischer Präzision und detailreichem Spiel zu überzeugen – besonders eindringlich gelungen im rasanten Tanz-Satz Rigaudon. Farben- und lebensfroh interpretiert Peter Wallinger Maurice Ravels Introduktion und Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streicher von Maurice Ravel. Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand, die Flötistin Verena Guthy-Homolka und der Klarinettist Martin Nitschmann sorgen hier für glitzernde Klangakzente.

Mit Magdalena Müllerperth tritt in Schumanns bekanntem a-moll-Klavierkonzert eine Solistin auf den Plan, die aus der Region stammt, mittlerweile aber weit darüber hinaus bekanntgeworden ist. In einem vielgespielten Klassiker der Klavierliteratur, an dem kein bedeutender Pianist vorbeikommt, gelingt es der jungen Frau aus Schmie, eigenständige interpretatorische Ansätze zu finden. Markant im Anschlag und vielfältig im Ausdruck, erliegt sie nicht der Versuchung, sich im romantischen Klangrausch zu verlieren, sondern arbeitet auch Details heraus – stets sprechend begleitet vom Orchester.

Sergej Prokofjews Symphonie Classique D-Dur komplettiert die CD. Die Spielfreude, mit der die Musiker die vier Sätze Allegro, Larghetto, Gavotta und Finale zu charaktervollen Klanggemälden werden lassen, macht Lust auf mehr. Lange warten müssen die Fans des Ensembles nicht: Am Samstag, 20. April, folgt im Uhlandbau das nächste Konzert der Reihe „Mühlacker Concerto“. Auf dem Programm steht dann eine spannende Begegnung der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit dem Alliage-Saxophonquartett.

Die CD ist für 12 Euro zu beziehen bei Buch-Elser (ab dem 8. April), über das Büro „Musikalischer Sommer“, Telefon 07043/40410 beziehungsweise per E-Mail an cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Carolin Becker

Gitarrist rezitiert die „Göttliche Komödie“

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Mühlacker. Seiner Leidenschaft für Italien gab Orchesterleiter Peter Wallinger während des Neujahrskonzerts am Sonntagvormittag im Uhlandsaal nach. Werke italienischer Komponisten waren zu hören und Rezitationen aus Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“.

Gitarrist Santy Masciarò sowie Peter Wallinger und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim bieten ein besonderes Kulturereignis.Foto: Fotomoment

Das außerordentlich gut besuchte Konzert gewann seinen spezifischen Reiz durch die Mitwirkung von Santy Masciarò, einem herausragenden Virtuosen an der Gitarre, der sich zugleich auch als ausdrucksstarker Rezitator der 700 Jahre alten Dichtung erwies. Im ersten Teil des Programms sprach er Auszüge aus zwei Gesängen der „Göttlichen Komödie“, die insgesamt 33 Gesänge zu je 15000 Versen umfasst, und von denen er mehrere einstudierte, um sie in seinen Konzerten vorzutragen.

Die Konzertbesucher erhielten mit dem Programmzettel die Texte des fünften Gesangs „Von der Hölle von Dante“ sowie des 33. „Paradies von Dante“ sowohl in italienischer Sprache als auch in deutscher Übersetzung. Santy Masciarò sprach diese selbstverständlich in seiner Muttersprache Italienisch und überzeugte mit seiner in ruhigem Fluss ausgeführten, nicht von Pathos belasteten Rezitation.

Doch auch als Gitarrenvirtuose bestach Santy Masciarò – er wurde in Syrakus auf Sardinien geboren – nicht weniger. Im Concerto D-Dur für Gitarre und Streichorchester RV 93 von Antonio Vivaldi führte er die Soli mit Eleganz und Leichtigkeit überaus virtuos aus. Insbesondere im Largo beglückte Masciarò mit wie gehaucht und damit unvergleichlich seelenvoll dargebotenem Spiel. Unter der Leitung von Peter Wallinger begleitete die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim den Solisten in gewohnt feinstimmig und silbrig hell gestaltetem Streicherklang.

Seine vollendete Kunst in der Beherrschung der sechs Saiten seiner Gitarre breitete Santy Masciarò bei der Wiedergabe der von Franciso Tárrega zur Aufführung mit diesem Instrument bearbeiteten Variationen über ein weithin bekanntes Thema aus „Carneval in Venedig“ des Teufelsgeigers Nicolo Paganini aus. Mit perfekt angewandter, raffinierter Grifftechnik interpretierte der Solist scheinbar mühelos die kompliziertesten Passagen des ursprünglich für die Violine komponierten Werks. Es war geradezu atemberaubend, ihm dabei zuzuhören.

Die Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, ein Jugendwerk von Gioacchino Rossini, erlebte eine spritzige, tempobetonte Aufführung voller Esprit durch die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim. Außerdem musizierten Santy Masciarò und das warm und füllig klingende Streichorchester ein Konzert für Gitarre und Orchester in A-Dur, Opus 30, von Mauro Giuliani, einem italienischen Zeitgenossen von Beethoven und Schubert. In den zwei Sätzen der Komposition betonten Solist und Orchester die deutlichen Kontraste zwischen der sanft dahinschreitenden Siciliana und dem graziös-heiteren Allegretto.

Das Neujahrskonzert schloss mit einem Streicherkonzert von Nino Rota. Dieser Komponist schuf unter anderem auch die Musik zu dem Kultfilm „Der Pate“, wie er überhaupt insgesamt 150 Filme mit seinen Kompositionen bereicherte. Sein „Concerto per Archi“ ist daher durchaus als konzertante Filmmusik zu empfinden, die allerdings auch von den Mitgliedern der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim ein hohes Maß an virtuoser, nuancierter und impulsiver Gestaltung verlangte. Sie führten unter der Leitung von Peter Wallinger die vier Sätze in leuchtendem und vitalem Streicherklang aus.

Rudolf Wesner

Trompetenklang und Paukenwirbel

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Die Reihe „MühlackerConcerto“ beschert erneut brillante Klänge im Uhlandbau.

Vom Angebot, die Adventszeit mit Pauken und Trompeten festlich und freudig zu erleben, machten am Samstagabend im Uhlandbau zahlreiche Musikfreunde gerne Gebrauch.

Unter der Leitung von Peter Wallinger musizieren gemeinsam mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Trompeter In-Hyeok Choi, Eline Beumer und Saleem Kham (hinten v.re.). Foto: Fotomoment

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltete unter der Leitung von Peter Wallinger und zusammen mit drei hochbegabten, noch sehr jungen Trompetenvirtuosen ein mit vielen musikalischen Delikatessen ausgestattetes Programm.

Georg Philipp Telemann, Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach, schöpfte eine große Zahl von Kompositionen, die leicht verständlich, zudem sehr abwechslungsreich und farbig waren und die es nicht an pompösen Klangeffekten missen ließen. Ein markantes Beispiel für diese Gattung von im besten Sinne unterhaltsamer Musik voller barocker Lebensfreude ist sein Konzert in D-Dur für drei Trompeten, Pauken und Orchester, mit dem das Programm eingeleitet wurde. Drei Meisterschüler des international hoch geachteten Trompetenvirtuosen Reinhold Friedrich von der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe hatte Peter Wallinger eingeladen, um der Aufführung jenen funkelnden Glanz zu geben, mit dem das Telemann-Werk seine vollkommene, mitreißend freudige Wirkung bei den Zuhörern erzielen kann. Saleem Kham, Eline Beumer und In-Hyeok Choi, alle gerade erst 23 Jahre jung, führten ihren Solopart im ersten und dritten Satz bravourös, klar intoniert und energiegeladen aus.

Im Mittelsatz, einem Largo, glänzte anstelle der Trompete die Oboistin des Orchesters mit ihrem feinstimmig und virtuos dargebotenen Solo. Und auch der Paukist hatte bei der Aufführung des Telemann-Konzerts sehr viel zu tun, um mit großer Sorgfalt sein Instrumentarium nuanciert, aber jederzeit nachdrücklich zum Klingen zu bringen. Insgesamt beglückte die Aufführung der Komposition aus dem 18. Jahrhundert, weil sie von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zusammen mit den Solisten an Trompeten und Pauken tempofreudig und voller üppiger Musizierfreude gestaltet wurde. Bevor sich mit der Orchestersuite Nummer drei in D-Dur BWV 1068 von Johann Sebastian Bach erneut barocke Klangpracht ausbreiten konnte, setzte Orchesterleiter Peter Wallinger mit der Wiedergabe der Komposition „Musica adventus I“ des lettischen Tonschöpfers Peteris Vasks, geboren 1946, einen ruhevollen, von Weltentrücktheit geprägten Akzent. Das in den Jahren 1995 und 1996 entstandene Werk enthält mehrfach kurze Zitate aus der Kirchenliedmelodie „Vom Himmel hoch“, die in ein zartes, warm klingendes Geflecht von Streicherstimmen eingewoben wurden.

Die um 1750 vom Thomaskantor komponierte Orchestersuite Nummer drei zählt zu dessen beliebtesten Werken. Allein schon die Ouvertüre ist in ihrer Opulenz eine einzigartige musikalische Delikatesse, der Peter Wallinger mit seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim strahlenden Glanz verlieh.

Ein Stück himmlischer Musik stellt die „Air“ dar, mit dessen Aufführung erneut die betörend silbrig-seidige Klangpracht der Streichergruppe innerhalb des Orchesters zur Geltung kam. Temperamentvoll, tänzerisch heiter und beschwingt musizierte das Orchester auch die drei weiteren Sätze der Suite.

In einem von Trompetenklang und Paukenwirbel getragenen Programm durfte natürlich die berühmte Sinfonie mit dem Paukenschlag, das ist die 94. Sinfonie in G-Dur von Joseph Haydn, nicht fehlen. Sie ist ohne Zweifel seine populärste Komposition. Hinter der Schlichtheit der Melodik insbesondere des Andantes, in welchem der berühmte Paukenschlag die Zuhörer aus den Träumen reißt, verbergen sich höchst beeindruckende kompositorische Raffinessen. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim leuchtete unter Peter Wallingers eingebungsvoller Leitung die musikalischen Köstlichkeiten und Feinheiten der vier Sätze mit bravourösem, in allen Registern prachtvoll glitzerndem Spiel aus. Dafür gab es von Bravo-Rufen durchzogenen, anhaltenden Schlussapplaus, der erst nach einer Zugabe endete.

Rudolf Wesner

Lebensfreude trifft auf Düsternis

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltet eine sommerliche Matinee in der Lienzinger Frauenkirche

Einen weiten Bogen vom heiteren Barock aus Leipzig bis zur skandinavischen romantischen Erinnerung an dortige barocke Zeiten spannte Peter Wallinger mit seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in der Frauenkirche.

Mühlacker-Lienzingen. Während eines sehr gut besuchten Konzerts der Reihe „Musikalischer Sommer“ erklangen am Sonntag in einer sommerlichen Matinee Werke von Bach, André Caplet, Maurice Ravel und Edvard Grieg.

Überaus erfrischend war es, zu Beginn des Programms das dritte Brandenburgische Konzert in D-Dur (BWV 1048) von dem Streichorchester zu hören. In belebtem Tempo wurde im ersten Satz unbeschwertes barockes Lebensgefühl deutlich. Vom silbrig-zarten Cembaloklang, ausgeführt von Eva Janssen, geprägt war der kurze Mittelsatz, der nur als sehr kurzes Intermezzo zum dritten Satz, einem funkelnden Allegro, überleitete, das mit warmer Streicherfülle vital dargeboten wurde.

Immer wieder überraschend und höchst erfreulich ist, dass Peter Wallinger Kompositionen in das Repertoire der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim aufnimmt, die hierzulande eher unbekannt sind oder nur äußerst selten aufgeführt werden. Am Sonntag standen gleich zwei solcher Raritäten auf dem Programm. Zunächst war „Conte fantastique“ des französischen Komponisten André Caplet zu hören. Dieses im Jahr 1919 entstandene Werk für Harfe und Streichquartett basiert auf einer Erzählung von Edgar Allen Poe, jenem amerikanischen Autor, der das Unheimliche und Dämonische in seinen Werken liebte. Der Komponist lebte von 1879 bis 1925 und bewegte sich in seinem Schaffen gerne auch im Bereich der Avantgarde. Seine Komposition ist deshalb auch deutlich geprägt von der Tonsprache, wie sie beispielsweise Arnold Schönberg artikulierte.

Für die in Paris geborene Harfensolistin Anne-Sophie Bertrand bot das Caplet-Werk vielfältige Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer hochrangigen Virtuosität und wandlungsreich einsetzbaren Spieltechnik. Der Klang der Harfe musste in dieser Komposition oft hart, rau und wenig geschmeidig sein. Schon die einleitenden Takte hatten in ihren düsteren Tonfolgen eine unheimliche Wirkung, die auch die vier in orchestraler Fülle musizierenden Streicher Sachiko Kobayashi und Katja Rohde-Paulich (Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Gen Yokosaka (Violoncello) nachdrücklich ausbreiteten.

Das zweite selten gespielte Werk war Introduktion und Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streicher, von Maurice Ravel im Jahr 1908 komponiert. Darin wirkten neben Anne-Sophie Bertrand an der Harfe die Flötistin Verena Guthy-Homolka und der Klarinettist Martin Nitschmann als Solisten mit. Das impressionistische Werk lebt von seinem Kontrastreichtum, der sich zunächst in verklärten Tonfolgen offenbart und sich dann aus bewegten Klangfiguren in dynamischen Steigerungen zu großer, farbenreicher Pracht verändert. Die drei Solisten beeindruckten mit virtuosem Spiel, das sich mit der dichten Streicherfülle zu einem spannungsreichen Hörerlebnis entfaltete.

Die Suite „Aus Holbergs Zeit“ ist eines der beliebtesten Werke von Edvard Grieg. Komponiert wurde es im Jahr 1884 aus Anlass des 200. Geburtstages des dänisch-norwegischen Dichters Ludwig Holberg. Barocke Stilelemente prägen die fünf Sätze. Die Musiker führten das Werk unter der Leitung von Peter Wallinger nuancenreich aus. Im Prelude bestach das Orchester mit temperamentvoller Gestaltung, leuchtete die träumerische Stimmung der Sarabande empfindungsreich aus, interpretierte die Gavotte anmutig und galant und kostete die weit gespannte Melodik des Andante religioso seelenvoll aus.

Der Schlusssatz „Rigaudon“ gab den Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, noch einmal in allem Glanz und voller Impulsivität zu musizieren.

Rudolf Wesner