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Mühlacker Tagblatt

Vom Schneeglöckchen bis zum Walzer

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Ein musikalisches Jahr, auf CD gebannt, können die Freunde der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim jetzt bequem zu Hause Revue passieren lassen.

Die neu erschienene neunte CD in der Reihe „Kammersinfonie live“ legt erneut Zeugnis von der technischen Professionalität und interpretatorischen Vielseitigkeit jenes Orchesters ab, mit dem der Gründer und Dirigent Peter Wallinger auch im Vorjahr zahlreiche Konzerte in der Region gestaltet hat. So speist sich der CD-Inhalt aus Live-Mitschnitten der Auftritte vom 28. Oktober in der Ötisheimer Kelter, vom 10. Juli in der Leinzinger Frauenkirche und vom 4. Dezember im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen

So unterschiedlich wie die Konzertorte sind die Programme: Der Musikfreund darf beim Hören der CD unter anderem in französischen Klängen schwelgen, die das Konzertmotto „à la française“ in Gestalt der „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel, des Konzerts für Klarinette und Orchester von Jean Francaix und eines Ausschnitts aus „Le Boef sur le toit“ von Darius Milhaud mit sich brachte. Der Klassik-Fan bekommt darüber hinaus eine Art musikalischen Kalender zu hören, der von Taschaikowskys „Schneeglöckchen“ über die zauberhaften Frühlingsgefühle aus Edvard Griegs „Varen – letzter Frühling“ bis zu Vivaldis „Herbst“ und dem langsamen „Winter“-Satz aus den „Jahreszeiten“ reicht. Auch Teile des Programms einer „Sommerlichen Serenade“ in der Frauenkirche sind enthalten.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim weiß sowohl als einfühlsame, zurückhaltende, jedoch immer präsente Begleiterin in Solokonzerten zu überzeugen als auch – selbst in der Hauptrolle – die Qualitäten im Zusammenspiel sowie die Klasse jedes einzelnen Mitwirkenden zu demonstrieren. Reich an Klangfarben gestaltet das Ensemble den Grieg’schen Frühling, um dann genüsslich in den Walzerrythmen zu schwelgen, die ihnen Tschaikowsky und Ravel anbieten.

Ob elegisch, schmachtend oder feurig – der Hörer wird Zeuge hochkarätiger Darbietungen, die ohne Netz und doppelten Boden auskommen. Live ist live, und so gelangt via Lautsprecher zwar mitunter ein Takt ins heimische Wohnzimmer, der bei einer Studioaufnahme wiederholt worden wäre, dem Musikgenuss tut dies aber keinen Abbruch. Zu spielfteudig, zu frisch klingt das Orchester, zu engagiert und virtuos agieren die Solisten.

Namenhafte Künstler sind es, die Peter Wallinger hat gewinnen können. So zeichnet sich die Geigerin Ursula Schoch in Vivaldis „Jahreszeiten“ als Interpreting aus, die der bekannten Komposition durchaus neue Facetten abzugewinnen weiß und mit ihrer Tempogestaltung die verschiedenen Szenen konturenscharf abbildet. Die Cellisten Chihiro Saito („Lotus String Quartet“) und Gen Yokosaka erfreuen smit stilsicherer Artikulation in Händels Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester, un der Klarinettist Sebastian Manz zaubert nicht nur wohlig weiche lyrische Passagen hervor, sondern erweist sich auch als wahrer Aktrobat auf seinem Instrument.

Carolin Becker

Pianistin verzaubert ihr Publikum

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Magdalena Müllerperth und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musizieren bravourös im Mühlacker Uhlandbau

Von der Magie der Töne ließen sich die Besucher des Konzerts der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Samstag im voll besetzten Saal des Uhlandbaus gerne verzaubern.

Mühlacker. Daran hatte nicht zuletzt die junge Solistin des Abends, die Pianistin Magdalena Müllerperth, mit ihrer Interpretation des Schumann-Klavierkonzerts in a-moll hohen Anteil.

Einmal mehr war es auch die wohlig warme Akustik des renovierten, auch optisch ansprechenden Saales, mit der die drei aufgeführten Werke in ihrer klanglichen Vielfalt zu vernehmen waren.

Die 19-jährige Nachwuchsmusikerin Magdalena Müllerperth studiert seit 2007 an renommierten Hochschulen in den USA, aktuell in New York, und ist seit dem Jahr 2004 Stipendiatin der Theodor-und-Ursula-Mayer-Stiftung in Bietigheim-Bissingen. Schon im Herbst 1997 begann sie mit dem Klavierunterricht an der Jugendmusikschule Gutmann in Mühlacker, den sie dort drei Jahre lang erhielt.

Mit Peter Wallinger, dem Gründer und Dirigenten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, verbindet Magdalena Müllerperth, die in Maulbronn-Schmie aufwuchs, eine enge künstlerische Freundschaft. Bereits zum dritten Mal musizierte sie nun mit ihm und seinem hoch geschätzten Orchester zusammen.

Nach Beethovens zweitem Klavierkonzert im Jahr 2006 sowie Chopins erstem Konzert dieser Gattung zwei Jahre danach brillierte die Pianistin am Samstag mit dem äußerst anspruchsvollen Klavierkonzert in a-moll, Opus 54, von Robert Schumann. Es sei schon lange ihr großer Wunsch gewesen, dieses Werk einzustudieren, sagte Magdalena Müllerperth im Gespräch mit unserer Zeitung nach ihrem Auftritt. Doch habe sie vor den ersten öffentlichen Aufführungen sowohl am Freitagabend in Bietigheim-Bissingen als auch am darauffolgenden Samstag in Mühlacker enormes Lampenfieber gehabt.

Davon war vom ersten Anschlag des Eröffnungssatzes Allegro affettuoso allerdings nichts zu spüren. Die prägnante Akkordfolge erklang bereits überaus glutvoll und emotional, und so führte Magdalena Müllerperth ihre Gestaltung der von romantischem Grundton geprägten Soli in allen drei Sätzen auch weiterhin aus.

Mit Bravour stürzte sie sich in die machtvollen Klangstrudel des 1845 veröffentlichten Werks und ließ dabei die vitalen Stimmungskontraste durchaus auch rauschhaft aufleuchten. Das war eine große Herausforderung, die die junge Virtuosin an sich selbst stellte, der sie voll gewachsen war.

Nach Verklingen des letzten Taktes des Finalsatzes war allen Zuhörern klar: Man muss wohl so jung sein wie Magdalena Müllerperth, um das populäre, von der Elite der Pianisten oft gespielte Klavierkonzert von Robert Schumann in solch glutvoller Virtuosität erklingen zu lassen.

Getragen wurde die Solistin allerdings auch vom blühenden sinfonischen Klang der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallingers engagierter Leitung. Schumann hatte dem Begleitorchester eine breitgefächerte Eigenständigkeit eingeräumt, die von dem dicht, kraftvoll leuchtend und brillant musizierenden Klangkörper opulent hörbar gemacht wurde. Magdalena Müllerperth bedankte sich für den tosenden Beifall noch mit zwei virtuos dargebotenen Zugaben. Von Robert Schumann erklang die ruhige Komposition „Der Abend“ , danach folgte als wahres Bravourstück „La Campanella“ von Franz Liszt.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnete das Konzert mit der Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die düstere Stimmung des einleitenden Andantes ließ Orchesterleiter Peter Wallinger eindringlich hervortreten. Farbenreich und nuanciert wurden die atmosphärisch gegensätzlichen Themen der Ouvertüre, die den zwielichtigen Charakter des Don Juan andeuten sollen, temporeich und impulsiv wiedergegeben.

Nach dem Schumann-Konzert stand noch die „Symphonie Classique“ in D-Dur, Opus 25, von Sergej Prokofjew aus dem Jahr 1918 auf dem Programm. Dieses neoklassizistische Kleinod ist voller heiter beschwingter Bezüge zum sinfonischen Schaffen von Joseph Haydn und schenkte den Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim eine wunderbare Gelegenheit, mit tänzerischer Eleganz, feurigem Elan und sprühender Musizierfreude eine delikate, glitzernde und anregende Ausführung darzubieten, bei der insbesondere die Holzbläser und hier vor allem die beiden Flötistinnen wahre Bravourleistungen vollbrachten. Die kurze Gavotte der Komposition war als Zugabe für den anhaltenden Beifall zu hören.

Rudolf Wesner

„Ich bin stolz auf meine Heimat“

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Die junge Pianistin Magdalena Müllerperth aus Schmie, die derzeit in den USA studiert, ist heute im Mühlacker Uhlandbau zu hören

Lampenfieber? Die Gefahr, dass Magdalena Müllerperth heute beim Konzert im Uhlandbau von dieser Bühnenkrankheit befallen wird, scheint eher gering. Zu gut vorbereitet ist sie, zu souverän meistert die 19-jährige Pianistin die musikalischen Herausforderungen, die ihr zwischen Studium in New York und Heimspiel im Enzkreis begegnen.

Nicht erst, seit Sie in Amerika studieren, geben Sie auf internationalem Parkett Konzerte. Was bedeutet da das „Heimspiel“ im Uhlandbau für Sie?

Das Konzert ist auf jeden Fall etwas Besonderes für mich. Ich gehe auf die Bühne, wissend, dass im Saal viele Bekannte sitzen, Nachbarn, Freunde. Und wenn man das Publikum so deutlich vor Augen hat, hat man irgendwie das Gefühl, mit noch mehr Liebe als sonst zu spielen, zumal auch viele Menschen da sein werden, die ich seit längerer Zeit nicht gesehen habe.

Ist der Erwartungsdruck größer als bei anderen Auftritten?

Nein, die Erwartungen sind immer hoch. Spiele ich irgendwo in der Fremde, muss ich das Publikum dort ganz neu überzeugen, habe ich einen Auftritt in der Region, so möchte ich diejenigen, die mich früher schon bei guten Konzerten gehört haben, nicht enttäuschen. Auf jeden Fall finde ich es besonders schön, in meiner Heimat zu spielen. Das ist mir wichtig.

Seit rund zwei Jahren studieren Sie in New York. Wie würden Sie Ihre eigene Entwicklung in dieser Zeit einschätzen?

Ich denke, ich bin selbstständiger geworden in Bezug auf die Interpretation. Ich gestalte meine Programme eigenverantwortlich und habe durch den Unterricht in Musiktheorie, Musikgeschichte und anderen Fächern, durch Konzertbesuche und den Kontakt mit anderen Musikern ein größeres Verständnis für die Stücke und die vielen, vielen Ebenen der Musik gewonnen. Darüber hinaus habe ich stark am Klang und an der Technik gearbeitet. Sicher habe ich noch einen Weg zu gehen, aber ich glaube, viel gelernt zu haben, um eine eigenständige Künstlerin zu werden.

Waren Sie es, die das Schumann-Konzert für den Auftritt im Uhlandbau ausgesucht hat?

Ja, das war meine Idee, über die sich der Dirigent Peter Wallinger aber auch sehr gefreut hat. Ich finde, das Schumann-Klavierkonzert ist in seiner Idee das romantischste Konzert der Romantik, das unheimlich viele Emotionen und Pathos enthält, wobei die Gefühle nie aufgesetzt wirken. Mir gefällt die Kommunikation mit dem Orchester, die manchmal fast kammermusikalische Züge trägt, und dann gibt es natürlich wunderschöne Melodien.

Schöne Musik werden Sie aber nicht nur in Mühlacker präsentieren. Welche Projekte stehen in den kommenden Monaten an?

Im Sommer sind viele Rezitals geplant, für die ich jetzt anfangen werde, das Repertoire einzustudieren. Außerdem werde ich zusammen mit der George-Enescu-Philharmonie erneut Schumann spielen – unter anderem in der Liederhalle in Stuttgart.

Wenn Sie nicht gerade Konzerte geben, sind Sie Musikstudentin in New York. Wie sieht Ihr Leben dort aus?

Ich wohne direkt in Manhattan und teile mir dort eine kleine Wohnung mit einer Sängerin. Das hat sich alles recht gut eingespielt. Ich telefoniere häufig mit meinen Eltern und mit meiner Schwester, und in den Semesterferien und auch sonst, wenn es sich ergibt, komme ich heim nach Schmie.

Was vermissen Sie am meisten?

Die Ruhe. In New York ist das Leben schnell, hektisch, die Straßen sind gerade zur Rushhour unglaublich voll. Manhattan und Maulbronn – das sind in gewisser Weise schon Extreme.

Apropos Maulbronn: Sie sind Musikbotschafterin der Stadt. Wie lässt sich diese Funktion über einen Ozean hinweg aufrechterhalten? Stehen Sie in Kontakt mit Bürgermeister Felchle?

Ja, ich schicke ihm manchmal E-Mails und berichte ihm, wie es mir geht. Und wenn in Maulbronn festliche Veranstaltungen anstehen, spiele ich, wenn möglich, für die Stadt. Darüber hinaus verstehe ich meine Rolle als Botschafterin auch so, dass ich in New York von meiner Heimat erzähle. Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, erzähle ich vom Kloster und zeige Bilder. Es gibt so viel zu berichten über diese tolle Stadt. Ich bin stolz auf meine Heimat und finde, dass wir hier in einer der schönsten Regionen Deutschlands leben.

Sie feiern im September Ihren 20. Geburtstag. Empfinden Sie dies als Einschnitt in Ihrer Entwicklung vom vielzitierten Wunderkind zur erwachsenen Künstlerpersönlichkeit?

Als Wunderkind habe ich mich nie gesehen, denn zum einen bin ich mit anderen jungen Musikern aufgewachsen, die auch sehr gute Leistungen bringen. Zum anderen war mir schon immer bewusst, dass es viel gibt, an dem ich noch arbeiten möchte. Insofern empfinde ich mich auch heute nicht als „Wunder“. Das Ende der Teenager-Zeit bedeutet zwar, dass jetzt kein Schüler mehr auf der Bühne steht, sondern ein erwachsener Mensch, der mehr Verantwortung trägt, aber ich habe auch einen größeren Erfahrungsschatz als früher, weiß mehr und kann deshalb selbstbewusst auftreten.

Wie behält die Künstlerin, die stundenlang übt und sich mit anderen Künstlern austauscht, den Bezug zum ganz normalen Leben?

Den Bezug zum Alltag verliere ich nicht, dafür sorgt schon beispielsweise das Schleppen der Einkaufstüten hoch in den sechsten Stock, wo meine Wohnung liegt. Auch Sport mache ich ab und zu gern, und an den Wochenenden findet sich durchaus auch einmal Zeit und Gelegenheit, um auszugehen. Ansonsten übe ich, gehe zur Schule, höre mir Konzerte an, lese, singe. Ich führe ein sehr musikalisches Leben, und ich habe das Gefühl, dass ich, je mehr Musik ich mache, desto mehr Spaß daran habe, weil ich in vielen Bereichen spannende neue Einblicke gewinne.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie schon als 15-Jährige nach Amerika gegangen sind?

Mir war früh klar, dass ich irgendwann ein Jahr im Ausland verbringen wollte. Das Klavierspielen solange aufzugeben, kam aber nicht infrage. Also hat meine Karlsruher Klavierlehrerin, Professor Sontraud Speidel, den Kontakt zu Professor Alexander Braginsky hergestellt, der in Minnesota unterrichtet und ein Projekt betreut, in dessen Rahmen Nachwuchsmusiker gefördert werden. Ich war dann vor Ort, um mir für einen späteren Zeitpunkt die Schule und das Umfeld anzusehen, aber im Grunde war alles schon für mich vorbereitet. Ich erhielt sofort ein Stipendium, so dass ich früher als eigentlich geplant, noch während der zehnten Klasse, in die USA gegangen bin. Ich war dann zunächst auf einer Privatschule und konnte dort einen Abschluss erwerben, der es mir auch in Deutschland ermöglicht, ein Studium aufzunehmen.

Hätte ich dann nicht meinen heutigen Lehrer Jerome Rose getroffen, wäre ich möglicherweise nach dem Ende der Schulzeit nach Deutschland zurückgekommen. So aber wollte ich unbedingt bei ihm in New York studieren, denn er hat mich bei einem Sommerkurs tief beeindruckt.

Wie weit ist Ihr Studium gediehen?

Ich bin jetzt im zweiten Jahr. Da die konzeptionelle Ausrichtung mittlerweile in Deutschland ähnlich ist, habe ich die Option, nach dem Bachelor-Abschluss hier weiterzustudieren.

War für Sie von Anfang an klar, dass Sie Musikerin werden wollen?

Ja. Meine Eltern erzählen, dass ich, als ich drei Jahre alt war, einmal in die Küche kam und verkündete, Pianistin werden zu wollen. Sie haben das damals natürlich nicht sonderlich ernst genommen. Ich war aber hartnäckig und habe mir zu meinem fünften Geburtstag ein Klavier gewünscht, was mir dann auch zugesagt wurde. Eine Woche vorher habe ich meinen Vater an sein Versprechen erinnert, und er besorgte auf die Schnelle ein altes Klavier, auf dem ich dann tatsächlich angefangen habe zu spielen. Und bis heute habe ich damit nicht aufgehört.

Im Gegenteil: Sie arbeiten jetzt sogar mit einem professionellen Management zusammen . . .

Ja, eine große Agentur hat mich unter Vertrag genommen, was ich als große Ehre für mich einordne. Für mich bedeutet diese Zusammenarbeit ein Plus an Verantwortung, denn es geht nun bei meinen Konzerten nicht nur um mich selbst, sondern ich repräsentiere auch den guten Namen meiner Agentur. Und diese hat mir bereits einmalige Auftrittschancen ermöglicht, etwa im Festspielhaus in Baden-Baden, was ein großartiges Erlebnis für mich war. So etwas ist ohne eine professionelle Agentur nicht möglich.

Wenn Sie nun die ganz großen Bühnen erobern, muss sich der Musikfreund aus dem Enzkreis dann Sorgen machen, dass Ihr Auftritt heute Abend im Uhlandbau möglicherweise auf lange Sicht das letzte Heimspiel gewesen sein könnte?

Nein, ich werde sicher in absehbarer Zeit wieder in der Nähe auftreten. Beispielsweise wird es Konzerte in Karlsruhe und Stuttgart geben. In der Region leben so viele Musikinteressierte, dass ich auch in der Zukunft immer wieder hierher zurückkehren werde. Aber nichtsdestotrotz: Ein Konzertbesuch heute Abend lohnt sich bestimmt. Nicht nur für mich ist der Auftritt etwas Besonderes. Auch Schumanns Klavierkonzert ist einfach einzigartig.

Zur Person

Magdalena Müllerperth

Die Pianistin wurde 1992 in Pforzheim geboren und erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Im Alter von acht Jahren wurde sie zunächst Schülerin, ab 2003 Jungstudentin von Professor Sontraud Speidel an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Ab November 2007 studierte sie bei Professor Alexander Braginsky an der Hamline University, St. Paul/Minnesota. Seit September 2010 setzt sie ihre Studien bei Professor Jerome Rose am Mannes College in New York fort. Die junge Künstlerin errang zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Seit 2007 ist sie Jugendmusikbotschafterin der Stadt Maulbronn.

Magdalena Müllerperth konzertierte bereits in ganz Deutschland sowie in Dänemark, Belgien, Italien, Österreich, Tschechien, Russland, Frankreich, Schweiz, in der Ukraine und den USA. 2008 gab sie sechs Konzerte mit dem Minnesota Orchestra. Im selben Jahr wurde sie als Solistin zu den Stuttgarter Philharmonikern eingeladen. 2009 gab sie ihr Debüt bei den Klosterkonzerten Maulbronn und im Dezember 2009 in der Liederhalle in Stuttgart. (pm)

Carolin Becker

Neujahrskonzert „Orient – Okzident“

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Zauberhafte Klänge im Uhlandbau: Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim bietet reizvolle musikalische Kontraste

Ein Neujahrskonzert voller reizvoller musikalischer Kontraste, die mit einem vollendeten Hörgenuss verbunden waren, bot die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung ihres Gründers Peter Wallinger am Wochenende in drei Aufführungen. Der vielversprechende Titel: „Orient – Okzident“.

Mühlacker. Am Sonntagvormittag war das Programm im Uhlandbau in Mühlacker zu hören. In diesem Jahr lockte das inzwischen zur Tradition gewordene Neujahrskonzert dieses immer wieder glanzvoll musizierenden Orchesters besonders viele Musikfreunde an, denn es war ausverkauft, und in letzter Minute wurden noch zusätzliche Stühle bereitgestellt, um allen Besuchern einen Sitzplatz bieten zu können.

Foto: Fotomoment

Wer dabei war, kam voll auf seine Kosten, denn in diesem Programm stand die Harfe im Mittelpunkt. Die französisch-amerikanische Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Peter Wallinger für die diesjährigen Neujahrskonzerte gewinnen. Sie vermochte mit den zarten Klängen auf ihrem Instrument die Besucher regelrecht zu verzaubern. Doch für das Programm „Orient – Okzident“ hatte der Orchesterleiter auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben: Von Christoph Willibald Gluck, dem Komponisten, der maßgeblich den Übergang vom Barock zur Klassik im 18. Jahrhundert prägte, war das kaum bekannte Werk „Die Pilger von Mekka“ zu hören. In dem recht kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim die Komposition aus.

Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1783 komponiert, erklang während der diesjährigen Neujahrskonzerte der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt, wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart wesentlich filigraner, auch zauberischer, und wurde von Anne-Sophie Bertrand mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe interpretiert. Dabei entfaltete sie bei einfühlsamem Spiel ihre beeindruckende Virtuosität. Diese zeigte sich insbesondere in den kunstvoll ausgeführten Kadenzen der drei Sätze. Das Orchester begleite die Solistin mit brillant entfalteter Streicherfülle.

Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglücke das ungemein feinstimmige Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Streichorchester. Elegische Stimmung beherrschte den „Danse sacrée“, dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der „Danse profane“ von bewegten Klangfiguren geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Diesen Kontrast ließ Peter Wallinger zusammen mit seiner Harfensolistin aus Paris in subtiler Klangpracht hervortreten. Ein Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft und auch ihr überaus einfühlsames Spiel auf der Harfe nachdrücklich auszubreiten. Das verträumte Werk ist von mystischer Stimmung geprägt, und der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer seelenvollen Interpretation Ausdruck zu verleihen. Noch einmal entführten die Musikerinnen und Musiker der sueddeutschen kammersinfonie die Konzertbesucher in den märchenhaften Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama „Peer Gynt“ von Edvard Grieg waren die Sätze „Anitras Tanz“ und „Arabischer Tanz“ zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im „Arabischen Tanz“ zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe und als Dankeschön für den anhaltenden Applaus gespielt wurde.

Orchester und Solistin spielen vor der Bühne

Die Bühne im Uhlandbau blieb am Sonntagvormittag leer, die sueddeutsche kammersinfonie Bietigheim und ihr musikalischer Gast Anne-Sophie Bertrand spielten ihre Matinee im Bereich vor der Bühne auf der Saalebene. Grund dafür ist, wie der musikalische Leiter Peter Wallinger erklärt, die fehlende Beleuchtung im vorderen Bereich der Bühne. „Es wäre in diesem Fall auch ohne gegangen, weil die Sonne schien, aber das konnten wir bei den Vorbereitungen noch nicht wissen.“ Nun bemüht sich der Initiator der Konzertreihe in Zusammenarbeit mit der Stadt um eine Lösung für die Bühnenbeleuchtung, die spätestens bis zum 3. März greifen sollte. Dann steht in der Reihe „Mühlacker Concerto“ ein abendliches Konzert mit der Pianistin Magdalena Müllerperth auf dem Programm. (the)

Rudolf Wesner

Mit sprühender Musizierfreude

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Konzertreihe „Mühlacker Concerto“: Ausgelassen aufspielendes Orchester begleitet jungen Klarinettenakrobaten. Schillernde Klangfarben erfreuten die Besucher der beiden Konzerte der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim sowohl in der Historischen Kelter von Ötisheim als auch am Sonntagnachmittag im Bietigheimer Kronensaal.

Bietigheim-Bissingen/Ötisheim. Unter dem Titel „à la française“ wählte Orchesterleiter Peter Wallinger für die Fortsetzung der Reihe „Mühlacker Concerto“ Werke französischer Komponisten des 20. Jahrhunderts aus. So fröhlich und locker hörte man die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim noch nie musizieren. Schon mit „Valses nobles et sentimentales“, einem der köstlichsten Werke von Maurice Ravel, wurde dieser Eindruck vom ersten Takt an bestätigt. Acht in den Stimmungen sehr unterschiedliche Stücke im Dreivierteltakt hatte der Komponist 1911 zunächst für das Klavier geschrieben, die 1914 in der Orchesterfassung uraufgeführt wurden. Seither zählen sie neben dem „Bolero“ zu den besonders beliebten Kompositionen Ravels. Auf einen furiosen Auftakt mit einem keineswegs gemütlichen Walzer folgen Walzerepisoden, die wie ein kurzes, hell flackernd aufleuchtendes Blitzlicht durch den Raum zucken. Sie sind mal, wie der Titel besagt, „nobel“, dann wieder vital beschwingt, aber auch überaus empfindungsreich oder sehnsuchtsvoll. Peter Wallinger hielt, entgegen sonst weitläufig verbreitetem Brauch, zwischen den einzelnen Sätzen kurze Pausen ein. Aber damit erreichte er eine wundervolle Transparenz der Komposition, die von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit enormem Schwung nuanciert und leichthin fließend ausgeführt wurde.
Das Konzert für Klarinette und Orchester von Jean Français erschien wie für den hinreißend musizierenden Solisten des Abends, den 25-jährigen Klarinetten-Virtuosen Sebastian Manz aus Hannover, „auf den Leib geschrieben“. Im Jahr 1967 wurde das technisch unfassbar anspruchsvolle Werk uraufgeführt. In der Tat verlangt die Ausführung des Soloparts geradezu akrobatisches Können, und eben dies vermochte der Ausnahmemusiker auf faszinierende Weise hörbar zu machen. Facettenreich sind die Stimmungen darin, denn auf ein keckes Allegro, in dem Manz seine überragende Virtuosität, unter anderem auch in einer brillanten Kadenz, erstmals glanzvoll ausbreiten konnte, folgte ein rhythmisch pointiertes Scherzando, in das Jean Français allen erdenklichen musikalischen Witz verpackte. Verträumte Melodik prägte das Andantino, in dem auch der Solist mit zart intoniertem Spiel im Duett mit der Flöte empfindsame Lyrik verbreitete. Sprudelnde Klangkaskaden rissen im Allegrissimo auch den ohnehin mit pantomimischem Körpereinsatz musizierenden Sebastian Manz offensichtlich mit, so dass er ein bunt glitzerndes Brillantfeuerwerk auf der Klarinette mit unübertrefflicher Bravour ausführte. Das riss die Konzertbesucher förmlich von ihren Sitzen, wie der jubelnde Beifall bewies, für den sich der sympathische Musiker noch mit einem nicht minder virtuos dargebotenen Solostück von Igor Strawinsky bedankte. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begleitete den Klangzauberer auf seinem Instrument mit akzentreichem, außerordentlich unbeschwert dahinströmendem Spiel.
Um die Heiterkeit, den musikalischen Humor regelrecht auf die Spitze zu treiben, entlockte Peter Wallinger seinen Musikerinnen und Musikern emotionale und lodernde Musizierfreude bei der Aufführung einer sehr selten zu hörenden Komposition von Darius Milhaud mit dem Titel „Le Boeuf sur le Toit“ (Der Ochse auf dem Dach), Opus 58. Das nur etwa 20 Minuten dauernde, scherzoähnliche Stück basiert auf einem brasilianischen Volkslied, das zunächst als Klavierkomposition im Jahr 1919 geschrieben wurde. Südamerikanische Folklore und Rhythmik bestimmen das Werk, das die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim rasant, temperamentvoll und regelrecht übermütig ausführte. Darius Milhaud ließ es in seiner glutvollen Komposition manchmal auch reichlich schräg klingen, aber genau das machte deren spezifischen Reiz für die Ohren der Zuhörer aus. Eine Tango-Passsage aus dem Ochsen auf dem Dach erklang als Zugabe.

Rudolf Wesner

Musikalische Reise durch den Kalender

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Reihe „Mühlacker Concerto“ ist mit einem Programm zum Thema Jahreszeiten zu Gast in der Ötisheimer Kelter. Es dauert noch ein knappes Vierteljahr, ehe wieder im Uhlandbau die Mühlacker Concerti erklingen können. Bis dahin hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter ihrem Dirigenten Peter Wallinger in der historischen Kelter in Ötisheim eine Spielstätte gefunden, wo das Publikum ein anspruchsvolles Programm serviert bekam.

Ötisheim. Moderne Architektur mit historischen Wurzeln auf einen stimmigen Nenner gebracht – so ließe sich in etwa auch das Programm des Abends umreißen. Die Solovioline spielte die Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam Ursula Schoch, die in der Region bestens bekannt und geschätzt ist und sich großer Beliebtheit erfreut. Welchem Klassikfan sind sie nicht vertraut, die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi? Mit vier Violinkonzerten mit den Titeln Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchwandert der Barockkomponist das Jahr in stimmungsvollen Wechseln, indem er lautmalerisch in Tongemälden den sprießenden Frühling, den heiteren Sommer, einen segensreichen Herbst und den eisigen Winter nachzeichnet. Passend zum derzeitig sonnigen Oktober eröffnete der „Tanz der Landleute“ aus dem Herbstkonzert den Abend. Orchester und Solistin gewannen an harmonischem Zusammenspiel, ehe sie mit dem Andante aus den Elegischen Melodien opus 34 von Edvard Grieg die andächtig lauschenden Zuhörer auf einer breiten Woge musikalischen Wohlklangs in Thors Reich davontrugen. „Varen – letzter Frühling“ hatte der norwegische Komponist diesen Satz genannt. Zeichnet man die Konzertfolge als zeitliche Kurve nach, so beginnt diese im Barockzeitalter, steigt mit Grieg ins 19. Jahrhundert an, erreicht mit einem Violin-Solokonzert des noch lebenden estnischen Komponisten Arvo Pärt den Gipfel, kehrt mit dem Walzer „Dezember“ und dem „Schneeglöckchen“ im April und einer Juni-Barcarole von Tschaikowsky ins 19. Jahrhundert zurück und endete mit einer nun souverän aufspielenden Ursula Schoch wiederum im Barock mit Vivaldis „Der Winter“. In allen Zeitläufen hat der Gang des Jahres Komponisten bewegt. Wie unterschiedlich sie sich in Stil und Ausdruck damit auseinandersetzten, erlebten die Zuhörer an diesem Abend durch überzeugende und gelungene Interpretationen von Orchester und Solistin. Nicht in den Jahresablauf hineinzupassen schien das Konzert von Arvo Pärt für Solovioline, Orchester und Schlagzeug. Einen Moment der Stille im Zentrum des Programms zu gestalten, hatte sich Dirigent Peter Wallinger vorgenommen. Pärt, einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten, wurde vielfach ausgezeichnet. In der Begründung für die Verleihung des Internationalen Brückepreises heißt es unter anderem: „Sein Werk macht das menschliche Grundbedürfnis nach einer Verbindung von Ästhetik, Ethik und Spiritualität, die in unserer überwiegend säkularisierten Gesellschaft so oft der Politik und der Ökonomie untergeordnet werden, deutlich und erlebbar.“ Pärt selbst erklärt seine Musik so: „Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich.“ Er strebt in seiner fast ausschließlich religiös motivierten Musik nach einem Ideal der Einfachheit. Einfache Harmonien, meist Dreiklänge und überlagernde Tonleitern bestimmen seine rhythmisch bewusst einfach gehaltenen Kompositionen (Quelle: Wikipedia). Nun, einfach klang es in den Ohren der Zuhörer nicht, als die „Fratres“ ein sehr genaues Hinhören forderten. Das Werk bringe die Menschen zurück zu ihren Ursprüngen, heißt es. Eingebettet zwischen Griegs Andante und dem Tschaikowsky-Walzer mahnten die Interpreten eine Auseinandersetzung mit dem „einfachen Klang“ an, der durchaus mit Dissonanzen aufschreckt und wachrüttelt. „Ist das jetzt meine Musik“, lautete so manche Frage. „Die Kammersinfonie lässt immer wieder mit interessanten und anregenden Programmkonzeptionen aufhorchen“, ist eine der Prämissen für Wallingers intensive Orchesterarbeit der letzten 27 Jahre. Ohne Zugabe durften die Musiker und die Solistin ihre Instrumente nicht einpacken. Großer Applaus begleitete Schoch und Wallinger, als die Begeisterung der 200 Zuhörer – das Konzert war ausverkauft – sie wiederholt aufs Podium führte. Beim nächsten Mühlacker Concerto am 3. Dezember, nochmals in der Ötisheimer Kelter, heißt es „à la francaise“ – ein Programm, das nur so sprüht von Originalität, verspricht Peter Wallinger schon jetzt.

Eva Filitz

Helle Streicherpracht

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Ihren edlen, stets ausgewogenen Streicherklang breitete am Sonntagvormittag in der Frauenkirche von Lienzingen die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger aus. Damit wurde die Reihe „Musikalischer Sommer“ sehr klangvoll und qualitätsreich fortgeführt.

Der erste Teil stand unter dem Titel „Freundschaft mit Japan“, der an diesem Wochenende eine besonders aktuelle Bedeutung hatte. Zwei japanische Cellisten interpretierten meisterhaft die Solopartien in Werken von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel. Die Cellistin Chihiro Saito und ihr Landsmann Gen Yokosaka entfalteten in Vivaldis Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester vom ersten Takt an kraftvolles Spiel und verströmten auf ihren Instrumenten warmen Wohlklang. Im Allegro boten sie dynamische Steigerungen der Intensität in ihrer interpretatorischen Gestaltung, beglückten mit delikater Ausführung der melodiösen Passagen des Largos und ließen ein spannungsreiches Allegro hören, das sie mit von Energie angetriebenem Tempo spielten. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begleitete in anmutiger Klangfrische. Als Zwischenspiel führte das Orchester ein sakral wirkendes Werk von Arvo Pärt auf. Sehr besinnlich und voller Andacht dargeboten, konnte es als musikalisches Gebet empfunden werden.

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Das Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester von Georg Friedrich Händel erlebte durch die beiden Cellisten aus Japan eine farbenreiche Ausführung. Dank des verhaltenen Tempos konnte das einleitende Grave seine meditative Wirkung ausbreiten. Im lebhaften Kontrast dazu musizierten Chihiro Saito und Gen Yokosaka, von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in heller Streicherpracht begleitet, das Allegro voller barocker Opulenz, wobei sie mit ihrer hochrangigen Virtuosität beeindruckten. Der Schlusssatz, eine Fuge, wurde von Solisten und Orchester transparent und klar gegliedert als brillantes Finale aufgeführt.

Von Wolfgang Amadeus Mozart stand mit Adagio und Fuge, KV 546, eine Komposition auf dem Programm, die in der Darbietung durch die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim von erhabenem Ausdruck in der langsamen Introduktion zu einem dichten Klanggeflecht emporwuchs. Die populäre Serenade in C-Dur, Opus 48, von Peter Iljitsch Tschaikowsky war jedoch der vollendete Höhepunkt des Konzerts, denn hier bewies Peter Wallinger, dass er im Lauf der Jahre seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im Klangvolumen und in der Dichte ihrer Gestaltungskraft auf eine vergleichbare Ebene mit anderen in unserem Land hohes Ansehen genießenden Kammerorchestern emporheben konnte. Die vier Sätze erklangen voller Farbe, in wechselnden Stimmungen und doch immer wieder angereichert mit emotionaler Musizierfreude. Ganz besonders glutvoll und bravourös erklang dabei das Finale mit dem russischen Tanzthema.

Rudolf Wesner

Farbig und differenziert Neue CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim

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Von Gluck bis Brahms, von Mozart bis Debussy reicht die Palette der Komponisten, derer sich die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung Peter Wallingers im Jahr 2010 angenommen hat. Nachzuhören ist dies nun auf einer neu erschienenen CD.

Das Publikum in der Lienzinger Frauenkirche, im Mühlacker Uhlandbau oder zuletzt während der Umbauphase im Mühlehof, der Ötisheimer Kelter und in der Pauluskirche weiß längst, was es von den engagierten Musikern der Süddeutschen Kammersinfonie zu erwarten hat: Spielfreude, die nichts an Disziplin vermissen lässt, Detailreichtum, der sich nicht im Akademischen verliert, und die Gabe, sich – und damit dem Publikum – Werke unterschiedlichster Stilrichtungen zu eigen zu machen. Garant dafür ist der Dirigent und Gründer des Ensembles, Peter Wallinger aus Zaisersweiher, der zudem immer wieder namhafte Solisten für seine Konzerte gewinnen kann. Davon legt die jetzt erschienene achte CD innerhalb der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ Zeugnis ab. Auf dem Silberling zusammengefasst sind Konzertmitschnitte aus dem Vorjahr, entstanden unter anderem im Uhlandbau Mühlacker, dessen Akustik der Dirigent besonders schätzt.

Die ebenso schwungvoll wie elegant vorgetragene Sinfonia aus der Ballettmusik zu „Don Juan“ von Christoph Willibald Gluck eröffnet den Reigen der Interpretationen, unter denen als besonders farbig und differenziert in der Tongebung Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ hervorsticht.

Als Solisten glänzen der Pianist Bernard d’Ascoli mit Mozarts Klavierkonzert A-Dur, KV 488, und einer ebenso auf der CD festgehaltenen Chopin-Zugabe sowie die aus Sachsenheim stammende Geigerin Ursula Schoch und der holländische Cellist Johan van Iersel, die gemeinsam mit dem Orchester Johannes Brahms‘ Doppelkonzert für Violine und Violoncello in spätromantischer Klangfülle erstrahlen lassen.

Carolin Becker

Unbeschwerter Ohrenschmaus

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Ein „Konzertantes Vergnügen“ kündigte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in der Pauluskirche an – und dieses Versprechen löste das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger ohne Einschränkung ein. Dazu trugen auch die Solisten Ursula Schoch und Michael Gieler bei.

Ein eingespieltes „Tête-à-tête“ zweier Hochkaräter also, die in minutiöser gegenseitiger Feinabstimmung das Doppelkonzert als typischen Mozart ausgestalteten – heiter und fröhlich im Grundcharakter, mit eingeblendeten düsteren, abgründig dunklen Seiten.

Mit der Sinfonie Nummer sechs in D-Dur und dem Beinamen „Le Matin“ von Joseph Haydn eröffnete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim vor zahlreichen Zuhörern das Programm mit heiterem, unbeschwertem, in den Dialogen zwischen Streichern und Bläsern ungemein lebendigem und farbenfreudigem Musizieren. Das im Jahr 1761 entstandene viersätzige Werk beschreibt voller Lyrik einen Sonnenaufgang und wirkt insgesamt wie eine musikalische Huldigung der Natur. Doch auch heiter-ländliche, mithin tänzerische Motive klingen darin an, und immer wieder erhalten außer der Ersten Violine auch einzelne weitere Instrumente wie Flöte, Fagott oder Violincello reizvolle solistische Aufgaben. Unter der Leitung von Peter Wallinger entstand damit eine hell leuchtende, facettenreich und transparent gestaltete Aufführung der Komposition.

Den beiden exzellenten Solisten des Abends Ursula Schoch an der Violine und ihrem Kollegen aus dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam Michael Gieler an der Viola zuzuhören, war ein weiteres konzertantes Vergnügen. Zusammen mit der glanzvoll und nuancenreich begleitenden Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim gestalteten sie die Sinfonia Concertante Es-Dur, KV 364, von Wolfgang Amadeus Mozart zu einem delikaten Ohrenschmaus. Das Orchester brillierte in dem markanten Auftakt des ersten Satzes, indem es eine dynamische Steigerung des Ausdrucks vollzog. Einmal mehr beglückte Ursula Schoch mit ihrem seidig-schimmernden Geigenspiel und ließ damit eine weitere künstlerische Reifung unüberhörbar erkennen. Ihr zur Seite entfaltete Michael Gieler auf der Viola warmen, wohl ausgewogenen Klang.

Das Solistenpaar bestach mit einem vital ausgeführten Dialog ihrer Instrumente. Das Andante breiteten Ursula Schoch und Michael Gieler beseelt aus und hoben einen stimmungsmäßigen Kontrast im Schlusssatz, einem Presto, hervor, indem sie sich bei straffen, keineswegs jedoch überzogenen Tempi kurze, prägnante Motive übermütig zuwarfen. In den Kadenzen des ersten und zweiten Satzes breiteten die Solisten darüber hinaus ihre überragende Virtuosität aus. Für den lebhaften, mit Bravorufen vermischten Applaus spielten sie noch voller Elan eine Paraphrase für Violine und Viola über die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“.

Von kammermusikalischen Delikatessen wird Igor Strawinskys Suite für Orchester „Pulcinella“ geprägt. Für die Musikerinnen und Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallingers stets die feinen Details einer Komposition auslotenden Leitung war die Aufführung des 1920 uraufgeführten Werks ganz offensichtlich ein künstlerisches Vergnügen. In den neun Sätzen, von denen einige auf den nächsten ohne Pause übergingen und die zum Teil auf Kompositionen des italienischen Barockmeisters Giovanni Battista Pergolesi basieren, konnte das Orchester seine glitzernde Klangpracht entwickeln. Lebhafte Kontraste aus kammermusikalischen Elementen und großem Orchesterunisono sowie rhythmisch akzentuierte Passagen ließen bunt schillernde Farbwirkungen wachsen.

Besonders vergnüglich war die Aufführung des von kompositorischem Witz getragenen Satzes „Vivo“, in welchem sich Posaune und Kontrabass zu einem unbeschwerten Duett miteinander verbanden. Dieser Satz wurde als Zugabe noch einmal wiederholt.

Rudolf Wesner

Funkensprühender Genuss nach Noten

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Blockflötist Daniel Koschitzki und die Süddeutsche Kammersinfonie überzeugen das Publikum beim Gastspiel in Ötisheim

Auf eine musikalische Reise nach Venedig und Prag hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Besucher des Neujahrskonzerts mitgenommen, das zum ersten Mal in der großzügig restaurierten Kelter in Ötisheim stattfand.

Foto: Fotomoment

Unter der Leitung von Peter Wallinger musizierte das Orchester in fülliger, hell leuchtender Klangpracht. Es versprühte regelrecht und in hohem Maß musikalische Funken. Durch das Programm führte sachkundig Edgar Wipf. Die Matinee am Sonntagvormittag stieß bei Musikfreunden aus nah und fern auf enormes Interesse, sodass noch in letzter Minute zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Der große Raum im Erdgeschoss der Ötisheimer Kelter weist, wie schon von den ersten Takten des Konzerts erkennbar war, eine warme Akustik auf, die insbesondere einem Konzert mit erlesenem Streicherklang außerordentlich gut tut. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltete zur Einleitung ein Concerto in G-Dur, Opus 51, Nummer vier von Antonio Vivaldi, das den Zusatz „alle rustica“ trägt voller Schwung in wohl dosierten Tempi. Auch zwei Sätze der Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, einem genialen Jugendwerk von Gioacchino Rossini, und schließlich das Konzertstück für Streicher mit dem Titel „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini wurden als musikalische Kostbarkeiten von den Musikern unter Peter Wallingers Leitung dargeboten.

Den Programmteil „Venedig“ bereicherte mit der Aufführung von Kompositionen von Giuseppe Sammartini und Antonio Vivaldi der exzellente Virtuose auf der Sopranblockflöte Daniel Koschitzki. Dieser junge Könner auf seinem Instrument interpretierte ein Concertino in F-Dur von Sammartini, einem jüngeren Zeitgenossen von Vivaldi, mit virtuoser Bravour. Die kompliziertesten, geradezu verwegen angelegten schnellen Passagen sowohl dieses Werks als auch im weiteren Verlauf des Neujahrskonzerts in Ötisheim erst recht des Concertos in C-Dur für Flöte und Streicher von Vivaldi führte Daniel Koschitzki in rasantem Tempo und in unvergleichlich präziser Intonation, dazu auch überaus nuanciert im Ausdruck aus. Er musizierte förmlich mit dem ganzen Körper und zuweilen schien es so, als wollte der sein Spiel noch mit tänzerisch anmutenden Bewegungen ergänzen. Für den frenetischen Beifall nach dem Vivaldi-Concerto bedankte sich Daniel Koschitzki noch mit einer brillant ausgeführten Zugabe. In ähnlicher Weise waren auch die Besucher des Neujahrskonzerts, das am Sonntagnachmittag noch einmal in der Kelter in Bietigheim-Bissingen zu hören war, von diesem temperamentvollen und energiegeladenen Feuerwerk nach Noten begeistert.

Im zweiten Programmteil waren Kompositionen der tschechischen Komponisten Josef Myslivecek, der im 18. Jahrhundert lebte, sowie Antonin Dvorák und Leo_ Janácek zu hören. Ein Quintetto in Es-Dur von Myslivecek ließ die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sehr elegant und in der Melodik feinstimmig erklingen. Der Komponist lebte hauptsächlich in Italien, weshalb seine Kompositionen vom dortigen farbenreichen Stil geprägt sind. Zwei Walzer aus Opus 54 von Antonin Dvorák erlebten schwebend leichte und delikate Wiedergaben und auch drei Sätze des Zyklus „Idylle“ von Janácek waren in der Ausführung durch das in zart schimmernden Klangfarben musizierende Streichorchester ein Genuss. Nach anhaltendem, freudigen Schlussapplaus spielte die Süddeutsche Kammersinfonie noch eine kurze Zugabe. Nach dem Konzert meinte Peter Wallinger im Gespräch mit unserer Zeitung, er sei von dem Ambiente und der Akustik der Kelter so angetan, dass er beabsichtige, auch in Zukunft hier mit der Kammersinfonie aufzutreten.

Rudolf Wesner