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Mühlacker Tagblatt

Wenn Bach und Händel Theater machen

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Junges Publikum hört im Mühlacker Uhlandbau kindgerecht dargebotene klassische Klänge und erlebt einen Komponistenwettstreit.

Händel und Bach sind ihren Gemälden entstiegen und quicklebendig. Foto: Filitz

Mehrere hundert Schüler haben am Donnerstagmorgen bei zwei Aufführungen in der Reihe „MühlackerConcerto“ eine spannende Reise in die Welt der klassischen Musik erlebt.

Mühlacker. „Krach mit Bach“ war das Stück überschrieben, das im Uhlandbau mit einer hübschen Kulisse mit „Gemälden“ von drei berühmten Komponisten aufwartete: Telemann, Händel und Bach.

Finster war es zunächst auf der Bühne. Auf einmal rumpelte etwas. Aus dem mittleren Rahmen stieg Händel. Stöhnend, schimpfend ging er hinüber zum rechten Bild, stieß mit der Hand hinein, und auch da regte sich etwas. Bach, sein Zeitgenosse und, wie sich schnell zeigen sollte, Rivale auf dem Musikparkett zu ihrer Zeit, entstieg ebenfalls grollend dem Rahmen. Des Rätsels Lösung? Die Bilder hängen in einem Schlossmuseum, in dem es spukt. Und jeweils um Mitternacht werden für eine Stunde die Gemälde lebendig, und die Menschen darauf kehren in ihr Erdendasein zurück. Sofort gab es so richtig Zoff. Händel und Bach stritten ganz erbittert, wessen Musik denn nun die bessere sei, und sie waren sich auch nicht zu schade, sich teils mit recht gehässigen Bemerkungen zu attackieren und sich mit ihren Taktstöcken ein erbittertes Gefecht zu liefern. Als Zeugen mussten Fräulein Hannah an der Harfe, Fräulein Verena (Flöte) und Monsieur Frank (Fagott) musische Beweistücke jeweils mal für, mal gegen die Kontrahenten liefern. Stolz erzählte Händel von der Bootsfahrt auf der Themse, wo die Königlichen Hoheiten zum ersten Mal seine Wassermusik gehört hätten. „Und ich habe meine großen Werke in Köthen geschrieben“, konterte Bach. Dazu Händel bissig: „So klingen sie auch.“

Zunächst vergeblich bemühte sich Fräulein Constanze, die Museumsleiterin, darum, den Streit zu schlichten. Sie entpuppte sich als hervorragende Sopranistin und brachte es mit Geduld fertig, die Streithähne zu einen. Die Zuhörer bekamen Gelegenheit, mitzuentscheiden, wer denn nun der Beste sei. Am Ende klang es von der Bühne: „Wir machen jetzt alles gemeinsam, zusammen ist man nie einsam, dann gibt es auch nie wieder Streit.“ Auch diese Erkenntnis konnten, neben dem Einblick in das Werk von zwei der bedeutendsten deutschen Komponisten, die Kinder mit nach Hause nehmen.

„In einem Theater mit Musik waren wir noch nie“, erzählten vor Beginn Celine, Malin und Lena aus der Klasse 2 der Sternenfelser Schule. „Wir wollen mit dem Besuch hier den Kindern Musik nahebringen“, ergänzte Lehrerin Andrea Malzer. Fünf ihrer Schülerinnen spielen Flöte, ein Schüler hat Klavierunterricht.

Flötistin Verena Guthy-Homolka, Hannah Pfeiffer an der Harfe und Frank Lehmann von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim intonierten transparent bekannte Stücke der beiden Streithähne, jeweils der „Stimmung“ angepasst. Ihnen zuzuhören, war ein Genuss. Auch die kleinen Zuhörer lauschten gespannt. Etwas fremdelten sie wohl mit den Liedern der Museumsdirektorin, alias Sopranistin Meike Leluschko. Da zeigten sich die Großen im Saal mehr angetan. Aber am Applaus ließen es auch die Kleinen nicht fehlen und äußerten lautstark ihre Begeisterung, wenn Bach und Händel sie um Rat fragten oder sie abstimmen sollten, wer denn nun der bessere Künstler von beiden sei.

Von der Pyrmonter Theater Companie schlüpften Jörg Schrade und Carl-Herbert Braun in die Rollen der Komponisten und ließen beider Museumsschlaf vergessen. Die Dritte in ihrem Bunde war Meike Leluschko.

Bereits seit über zehn Jahren organisiert Peter Wallinger, Dirigent der Kammersinfonie, die Zusammenarbeit mit ihnen und bietet „Klassik für Kinder“ als Musiktheater an. Die zweite Vorstellung gestern Vormittag besuchten Illinger Stromberg-Schüler, Kinder aus Ötisheim und von der Lomersheimer Blumhardt-Schule, zusammen wieder 300 an der Zahl. Beide Aufführungen waren ausverkauft.

Eva Filitz

Beeindruckende Gemälde aus Noten

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Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und Solist Sebastian Manz bieten im Uhlandbau einen „Konzertanten Bühnenzauber“.

Der Klarinettist Sebastian Manz ist als Solist beim Frühlingskonzert im Uhlandbau zu hören. Rechts Dirigent Peter Wallinger. Foto: Fotomoment

Am Samstag zog mit den 30 Musikern der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ unter ihrem Dirigenten Peter Wallinger der Frühling in den Uhlandbau ein. „Konzertanter Bühnenzauber“ war das Programm überschrieben, das die Zuhörer zu Beifallsstürmen hinriss.

Mühlacker. Die Sinfonie Nummer 6 in D-Dur „Le Matin“ von Joseph Haydn bietet an diesem Abend einen wunderbaren Auftakt, um auf die zu erwartenden musikalischen Genüsse einzustimmen. Mit den weit ausholenden Klangbildern der Streicher drängt sich im ersten Satz Adagio förmlich das Bild auf, wie die Sonne strahlend über den Horizont aufsteigt. Beschwingte Flötentöne lassen Vogelgezwitscher erklingen, die Natur wird wach, untermalt und getragen vom warmen Klang der Holzbläser. Immer wieder lassen in den nachfolgenden Sätzen Adagio, dem heiteren Menuett und dem äußerst lebhaft und mit großer Spielfreude dargebotenen Allegro Soli einzelner Instrumente aufhorchen, virtuos perlende Flöten, heiter und kokett, dazu eine singende Oboe, Fagott und Cello kaum weniger souverän in den tieferen Lagen. Mit kräftigem Applaus belohnt das Publikum nach diesem erfrischenden Beginn die Musiker, die gleich zu Beginn mit ihrer mitreißenden Art zu musizieren verdeutlichen, dass sie den Zuhörern an diesem Abend ein musikalisches Kleinod bieten wollen.

Zwei weitere Perlen sind im Programm zu finden. Wenn sich auch alles um den Star des Abends reißt, den Ausnahmeklarinettisten Sebastian Manz, der in Mühlacker eines der bekanntesten und beliebtesten Solokonzerte von Mozart spielt, nämlich das Klarinettenkonzert A-Dur, so verdienen doch alle Musiker im Orchester eine Würdigung ihrer Leistung.

Schon das Instrument des Solisten ist eine Besonderheit. Selten nur ist die Bassettklarinette in so vollendet gespielter Manier zu hören. Sebastian Manz ist ein Künstler mit Ausstrahlung. Die Art, wie er sein Instrument handhabt, mit dem Körper mitschwingt, seinen Tongemälden so Nachdruck verleiht, einfach eins ist mit sich und seiner Klarinette, hat ihm höchste Auszeichnungen eingebracht. Mit einer Leichtigkeit, die Ihresgleichen sucht, erklingen in seiner Mozart-Interpretation perlende Läufe, ein gehauchtes Pianissimo, aufreizende Crescendi. Weit reicht der Atem und zaubert berauschend lange Klangbögen in die totale Stille im Saal. Beim zweiten Satz, dem innig geblasenen Adagio, möchte man nur noch die Augen schließen und sich auf einer Woge des Wohlklangs davontragen lassen. Von warmem, sensiblem Streicherklang umrahmt, kehrt der Solist von Höhenflügen zurück, greift hauchzart das Anfangsthema wieder auf, ehe er nach einem zweiten lebhaften Allegro frisch und lebenslustig den Vortrag beenden will. Mitnichten! Das Publikum überschüttet den Künstler mit Beifall, lässt ihn nicht gehen. Und so kann Manz nicht anders, als noch eine Zugabe zu bieten. Sinnigerweise wählt er zwei der „Drei Stücke für Klarinette“ von Igor Strawinsky, wieder mit Elan und Verve dargeboten, beweist damit erneut seine Virtuosität und leitet zum dritten Komponisten des Abends über, eben jenem Strawinsky.

Dessen Suite für Orchester „Pulcinella“, dem Gnom der italienischen Commedia dell arte“ gewidmet, rundet das Programm des Frühlingskonzerts mit spannenden Klanggebilden in acht Sätzen mit reichlich Abwechslung im Hinblick auf Tempi, Tonlagen und Ausdruck sehr gelungen ab. Posaune und Kontrabass liefern sich ein kleines musikalisches Scharmützel, das mit leiser Heiterkeit vom Publikum registriert wird. Dieses letzte Musizieren macht die Vielseitigkeit der Bietigheimer Musiker vollends transparent.

Die Visitenkarte, die sie mit diesem Konzert hinterlassen, hat Gewicht. Ihr Dirigent Peter Wallinger hat den Uhlandbau einmal mehr zum Musentempel erhoben.

Eva Filitz

Von sphärisch bis furios

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Neue CD mit den Konzerthöhepunkten der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ aus dem Jahr 2016 erschienen

Die Bratschistin Hiyoli Togawa hat mit ihrem ausdrucksstarken Spiel beim Neujahrskonzert 2016 der Süddeutschen Kammersinfonie begeistert. Klassikfreunde können ihre Darbietungen und weitere Stücke, die das Orchester im vergangenen Jahr im Rahmen verschiedener Konzerte auf die Bühne gebracht hat, nun zu Hause auf CD nachhören. Foto: Appich

Die Sammlung wächst: Fans der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ können die Bestände in ihrem CD-Regal um eine Neuerscheinung erweitern.

Enzkreis. „Kammersinfonie live 2016“ heißt der Tonträger, der jetzt erschienen ist. Auch die 14. Auflage der Reihe enthält Konzertmitschnitte, die das Wirken des Orchesters unter seinem Gründer und Leiter Peter Wallinger dokumentieren. Aufgenommen wurden die Werke im Mühlacker Uhlandbau und im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen.

„Furiant“ ist das furiose Eröffnungsstück von Antonin Dvorák überschrieben. Diesen seinen Slawischen Tanz opus 46 Nummer 8 interpretiert die Kammersinfonie bei aller rhythmischen Vehemenz klangschön und fein austariert.

Gustav Mahlers Adagietto aus der Sinfonie Nummer 5 folgt und legt Zeugnis ab von einer großen Leistung der Streicher. Ihnen gelingt es, die zerbrechliche Melodik intensiv auszusingen, ohne kurzatmig oder gar rührselig zu werden. Sphärisch schweben sie über Harfenklängen, als gäbe es keine Bogen-, Saiten-, Lagenwechsel oder sonstige Störenfriede der auskomponierten Ruhe.

Umso zupackender gehen die Musiker unter Peter Wallingers Leitung bei Franz Schuberts Deutschem Tanz Nummer 3 in D-Dur zu Werke. Das kurze Werk mit seiner klaren Metrik erklang am 17. Januar 2016 im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau. Das Publikum bekam damals noch mehr von Schubert zu hören und kann die außergewöhnlichen Erlebnisse nun noch einmal auf sich wirken lassen. Außergewöhnlich deshalb, weil die Lieder „Wetterfahne“, Gefrorne Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ statt von einer menschlichen von der warmen Stimme einer Bratsche gesungen werden und statt eines Klaviers ein Streichensemble begleitet. Braucht es Worte, um die tiefen Gefühle zu transportieren? Simon Wallingers Arrangement spricht für sich und findet in der Solistin Hiyoli Togawa eine empfindungsreich und technisch versiert agierende Botschafterin des Textes. Besonders eindrucksvoll wirkt die Kälte, die sich in „Gefrorne Tränen“ hörbar über die Klänge legt. Eisig lassen die Orchestermusiker ihre Tränen auf die Saiten perlen, ehe die Solistin im „Frühlingstraum“ ihr Instrument neu erblühen lässt.

Franz Schuberts Menuett Nummer 3 in d-moll, vom Orchester delikat und schwingend gespielt, bietet zusätzlich zum ausgewogenen Orchesterklang edle Violintöne von Solistin Sachiko Kobayashi.

Das Finale der CD ist Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nummer 5 in Es-Dur und damit einer in der Region und längst weit darüber hinaus bekannten Solistin vorbehalten: Wer Magdalena Müllerperths furiosen Auftritt im Rahmen des Adventskonzerts verpasst hat, kann sich nun mit Hilfe der CD von ihren außergewöhnlichen Möglichkeiten überzeugen. Den einleitenden Akkorden des Orchesters im ersten Satz lässt sie perlende Läufe folgen, die sie frei gestaltet. Kraftvoll und markant interpretiert sie ihren Part, überzeugt aber auch in lyrischen Passagen. Das Orchester weiß beispielsweise im Frage- und Antwort-Spiel der Bläser eigene Akzente zu setzen. Alle Beteiligten gleichermaßen beweisen im zweiten Satz langen Atem und Freude am Ausgestalten, ehe ein ausgelassener Tastenwirbel im dritten Satz hinführt zum triumphalen Schlusspunkt.

Erhältlich ist die CD bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße und über das Sekretariat von „MühlackerConcerto“, Telefon 07043/958393, E-Mail: susanne@boekenheide.net.

Carolin Becker

Europäische Klangwelten dienen als Mutmacher

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Neujahrskonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ spannt einen breiten musikalischen Bogen.


Britten, Nordgren, Respighi und Bartók: Peter Wallinger dirigiert vier Werke aus vier Regionen Europas. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Ein Neujahrskonzert mit Musik aus allen Himmelsrichtungen hat am Sonntag die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau geboten. Ein Konzept, das gerade in stürmischen Zeiten das Augenmerk wieder darauf legt, dass wir durchaus nicht alleine stehen, da sich rings um uns herum Nachbarn befinden, die uns bereichern.

Mühlacker. Ein Neujahrskonzert mit Musik aus allen Himmelsrichtungen hat am Sonntag die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau geboten. Ein Konzept, das gerade in stürmischen Zeiten das Augenmerk wieder darauf legt, dass wir durchaus nicht alleine stehen, da sich rings um uns herum Nachbarn befinden, die uns bereichern.

Allzu fern schweifte die Kammersinfonie dabei nicht in die Ferne, lag das Gute doch, wie so oft, so nah. So konzentrierte sich Peter Wallinger als musikalischer Leiter auf Werke aus vier allerdings sehr unterschiedlich geprägten Ländern Europas. In einer Zeit, die von Brexit und aufkommendem Nationalismus auf der einen und von großer Hilfsbereitschaft, Offenheit und europäischen Idealen auf der anderen Seite geprägt ist, stellte das grenzüberschreitende Programm wieder einen kleinen Baustein dar, um daran zu erinnern, wie reich die Welt gemeinsam sein kann und wie vielfältig sie trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede doch ist.

So machte das Programm schon beim Lesen neugierig auf die Musik. Als besonderen Gast hatte sich Peter Wallinger Johann-Michael Schneider eingeladen, der als studierter Germanist und Violinist das Bindeglied zwischen Musik und Wort darstellte. In ruhiger Stimmlage ergriff er das Wort und sprach die Hoffnung aus, dass es trotz aller Dunkelheit und schweren Zeiten wieder frühlingshell werden möge. Aus Elias Canettis „Auftakt …“ zitierte er ein paar mahnende und zugleich vorab lobende Worte an das Publikum, denn kein Publikum sei so wohlerzogen wie ein Konzertpublikum, das ruhig und aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne folge. Wobei „ruhig“ in der Erkältungszeit ein nicht ganz einfaches Unterfangen ist.

Dann aber ließ die sueddeutschen kammersinfonie ihre Instrumente mit Benjamin Brittens „Simple Symphony“ und damit einem Werk aus einem Land erklingen, das eher dem europäischen Westen zugeordnet werden kann. Energisch forsch ging es das Orchester an, während der zweite Satz zart, mal an Regentropfen, mal an ein Gitarrenensemble erinnernd, durch den Saal tanzte. Der dritte Satz schloss das Werk in lyrisch schönem Ernst ab.

Finnland stand Pate für den Norden Europas. Ein trotz der Vorwarnung durch Schneider sehr langer Text über eine Busfahrt in Finnland bereitete dennoch gut auf die nordische Weite vor. Pehr Nordgrens „Spielmannsporträts“ bereiteten der Kammersinfonie sichtbar Freude, kamen in der Ausführung aber nicht über die finnische Seenplatte hinaus und blieben eher blass. Ganz anders der feurige Süden. Auch hier führte Schneider literarisch in die ländlichen Gegebenheiten ein und zitierte aus einem Text Vittorinis, der mit einem Augenzwinkern von dem Besuch eines heimkehrenden Sohnes bei seiner Mutter in Italien berichtet. Schwärmerisch und in vollem Klang, gefühlvoll und warm rundet die Kammersinfonie mit einer Folge von Arien aus der dritten Suite der „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi den Ausflug nach Südeuropa ab.

Der Osten darf zum Schluss seine geheimnisvolle Schönheit enthüllen. Schneider liest aus Deszö Kosztolányis „Ein Held seiner Zeit“ die wunderbare Begegnung des fiktiven Dichters Kornél Esti mit einer erblühenden türkischen Schönheit. Béla Bartóks Rumänische Volkstänze daran anzuschließen, führt den Gedanken des Hörers quasi weiter, konnten doch der Dichter und seine türkische Schönheit gemeinsam das Tanzbein schwingen. Und zugleich rundet es den Gedanken des Konzerts ab. Denn die Verbrüderung der Völker sei, so zitiert Schneider den Komponisten, die eigentliche Idee, der er in seiner Musik dienen wolle.

Und wenn diese Idee so schön und zugleich klangvoll durch die Soloviolinistin Sachiko Kobayashi und die energisch und doch tänzerisch aufspielende sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter Peter Wallinger erklingt, kann man wahrhaft auf den „Europäischen Frühling“ hoffen.

Irene Schallhorn

Kaskaden von Klavier-Oktaven

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Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ gastiert gemeinsam mit Magdalena Müllerperth im Uhlandbau

Klavier trifft Orchester: Magdalena Müllerperth und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim gastieren im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

„… und die Welt hebt an zu singen“. Unter diesem Motto gastierte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ am Vorabend des zweiten Advents im Uhlandsaal in Mühlacker.

Mühlacker. Es wurde aber nicht gesungen, sondern musiziert und das auf höchstem Niveau, so dass sozusagen die Instrumente sangen. Zur Aufführung kamen in diesem Orchesterkonzert Werke von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler.

Zum Auftakt erklang das 1808/09 entstandene, dem Erzherzog Rudolph von Österreich gewidmete 5. Klavierkonzert Es-Dur op. 73. Bei der Uraufführung, die 1811 in Leipzig stattfand, hatte den Komponisten seine Taubheit daran gehindert, dieses letzte Klavierkonzert als Solist selbst zu spielen. In Mühlacker übernahm jetzt der Star des Abends, die erst 24-jährige Magdalena Müllerperth, aus Maulbronn-Schmie diesen Part.

Damit kehrte eine inzwischen international gefeierte Pianistin wieder einmal in die Heimat zurück. Im Alter von fünf Jahren erhielt sie ihren ersten Klavierunterricht. Mit acht Jahren begann sie ihr Studium als Schülerin bei Sontraud Speidel an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, das sie später bei Alexander Braginsky an der Hamline University in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota, bei Jerome Rose am Mannes College in New York und dann bei Klaus Hellwig an der Universität der Künste in Berlin fortsetzte.

Zum fünften Mal trat nun Magdalena Müllerperth in einem Konzert der „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ auf und setzte damit eine Zusammenarbeit fort, die vor zehn Jahren mit dem 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19 von Ludwig van Beethoven begonnen hatte. Und jetzt also sein 5. Klavierkonzert, das komplementäre Gegenstück zum 4. Klavierkonzert G-Dur op. 58. Wie sein Vorgänger dreisätzig angelegt, wird bei ihm jede der drei Kadenzpassagen durch einen mächtigen Tutti-Akkord des Orchesters angekündigt.

In den rund 35 Minuten der Spieldauer ist das Klavier fast immer beschäftigt, vielfach in führender Rolle. Ein Höhepunkt ist ein Zusammentreffen des Orchesters mit dem Klavier, bei dem sich die Gewalt der Fortissimo-Blöcke in einer langen Kaskade von gehämmerten Klavier-Oktaven entlädt. Doch nicht nur da zeigte Magdalena Müllerperth mit hartem Anschlag und expressiver Wirkung ihr meisterhaftes Können.

Vielmehr interpretierte sie auch eher verhaltene, aber nicht minder intensiv-emphatische Passagen behutsam, mit viel Gefühl und ebenso ausdrucksstark. In einer Fünf-Minuten-Zugabe stellte sie dann noch ihre Virtuosität unter Beweis, indem sie die Etüde „La Campanella“, ursprünglich eine Komposition für Violine von Niccolò Paganini, in der Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt, im eigentlichen Wortsinn zum Besten gab.

Zum Auftakt des zweiten Teils spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der umsichtigen Leitung ihres Gründers Peter Wallinger das Adagietto aus der 1901/03 entstandenen, 1904 im Kölner Gürzenich unter der Leitung des Komponisten uraufgeführten 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Dieser von geradezu übersteigert romantisierender Klanglichkeit der Streicher und der Harfe getragene 4. Satz mit seltener Bezeichnung wurde nicht zuletzt als Musik zu Luchino Viscontis Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“ 1970 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Zu den heute eher selten gespielten Werken gehört die 1806 entstandene, dem Grafen Franz von Oppersdorff gewidmete, 1807 unter der Leitung des Komponisten im Palais des Fürsten Lobkowitz in Wien uraufgeführte 4. Sinfonie B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven. Mit dieser freundlichen, hellen, idyllischen Sinfonie, die Robert Schumann als die „romantischste aller Sinfonien Beethovens“ bezeichnete, als „eine griechische schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“, wobei er die 3. als „Eroica“ und die 5. als „Schicksalssinfonie“ bezeichnete im Blick hatte, endete das Adventskonzert. Dieses Werk absoluter Musik – was wohl auch der Grund seiner geringen Popularität ist –, dessen Hauptcharakterzug „der des Suchens und Umkreisens, des Unbestimmten und Geheimnisvollen“ ist, und in dem der Klarinette eine herausragende Rolle zukommt, wurde unter der nuancenreichen musikalischen Leitung von Peter Wallinger von dem Orchester ebenso heiter und beschwingt wie tempogeladen und ausdrucksvoll wiedergegeben.

Dieter Schnabel

Beflügelt am Flügel

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Die Pianistin Magdalena Müllerperth ist Solistin beim Adventskonzert der Reihe MühlackerConcerto und freut sich auf ihr Heimspiel.

Magdalena Müllerperth. Foto: p

Beim Adventskonzert der Reihe MühlackerConcerto, das am Samstag, 3. Dezember, um 20 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker stattfindet, ist als Solistin die Pianistin Magdalena Müllerperth aus Schmie zu hören. Im Interview verrät sie, was ein Heimspiel für sie bedeutet.

Ihnen steht am 3. Dezember ein weiteres Heimspiel in Mühlacker bevor. Was wird das Publikum von Ihnen hören?

Dieses Mal spielen wir das wunderbare 5. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven.

Was macht den Reiz des Stücks für Sie aus?

Die symphonische Art. Als Beethovens letztes Klavierkonzert zeigt es, wie weit er dieses Genre der Wiener Klassik entwickelt hat. Das Klavier ist hier nicht mehr unabhängiger Solist, der vom Orchester mehr oder weniger begleitet wird, sondern das Ganze ist ein Zusammenwirken aller Musiker wie bei einer großen Symphonie. Ziemlich passend wird es im englischsprachigen Raum auch „Emperor Concerto“ genannt – so majestätisch ist es komponiert, dass man manchmal einfach nur Gänsehaut bekommt.

Im Publikum werden vermutlich viele Menschen sitzen, die Sie persönlich kennen. Wirkt sich das auf das Nervenkostüm aus?

Ja, klar – immer sehr positiv. Wenn ich mich über Freunde im Publikum freue, spiele ich ganz für sie und bin umso mehr beschwingt und beflügelt.

Sie sind schon in vielen Konzertsälen aufgetreten. Wie schätzen Sie den Uhlandbau ein?

Was ich am Uhlandbau sehr schätze, ist die warme Atmosphäre im Saal. Ich fühle mich dort sehr wohl auf der Bühne. Das liegt bestimmt auch an der besonderen Akustik, die sehr vorteilhaft für das Klavier ist, vor allem in Zusammenarbeit mit einem Orchester.

Sie studieren derzeit in Berlin. Wie erleben Sie die dortige Kulturszene?

Berlin ist unglaublich kreativ. Es gibt hier ein riesiges Angebot an Kultur und klassischer Musik im Speziellen. Und im Vergleich zu New York, wo ich ja vorher war, geht man in Berlin viel weniger konservativ mit Musik um, und das ist sehr inspirierend. Da es hier extrem viele junge Musiker gibt, werden lauter neue Ensembles gegründet, alte Brauereien und Diskotheken in Konzertsäle umgewandelt, um dann ganz skurrile Musik zu machen. Diese Atmosphäre ist im Moment genau das Richtige für mich.

Wann steht Ihr Abschluss an, und was haben Sie danach vor?

Mein Masterabschluss in Berlin steht 2018 an, da habe ich also noch ein bisschen vor mir. Was danach kommen wird, kann ich noch nicht so recht sagen, ich werde natürlich weiterhin viel Musik machen.

Wo soll Ihr Lebensmittelpunkt einmal sein: Großstadt oder ländliche Region?

Oh, das ist eine gute Frage. Im Moment fühle ich mich sehr wohl in Städten, wo es viel kulturellen Input gibt. Aber manchmal fehlt mir das Leben auf dem Land, insbesondere die Weinberge, schon sehr. Das Schöne an unserer Region in Süddeutschland ist ja auch, dass man die ländliche Atmosphäre genießen kann, ohne ganz ab vom Schuss zu sein. Ich könnte mir also schon vorstellen, dort zu leben.

Sind Sie in nächster Zeit noch einmal in der näheren Umgebung zu hören?

Ja – und zwar am 4. Dezember in Bietigheim-Bissingen mit demselben Beethoven-Konzert und dann auch am 29. Januar 2017 in Bretten mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim.

Weitere Infos zu MühlackerConcerto gibt es unter www.muehlacker-klassik.de/konzerte/uhlandbau. Kartenbestellungen sind möglich per E-Mail an susanne@boekenheide.net und unter 07043/958393.

Das Adventskonzert ist überschrieben mit „…und die Welt hebt an zu singen“ und beinhaltet Werke von Beethoven und Mahler. Es spielt die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim. Dr. Christina Dollinger bietet um 19.15 Uhr eine Konzerteinführung an.

Carolin Becker

Stilsicher von Bach bis Strawinsky

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Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim bietet bei ihrer Matinee in der Frauenkirche ein anspruchsvolles Programm.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit Solistin Verena Guthy-Homolka. Foto: Filitz

Mühlacker-Lienzingen. Heiter und unbeschwert sollte diese Matinee werden, zu der die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in die Lienzinger Frauenkirche eingeladen hatte. Und viele Zuhörer kamen, die eben dies erwarteten und angesichts eines Programms von Bach bis Strawinsky nicht enttäuscht wurden.

Als „Gipfelstürmer“, gemessen am Beifallssturm des Publikums, erwies sich bereits der Beginn mit der Orchestersuite Nummer 2 h-moll, BWV 1067, für Flöte, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach. Die Sätze tragen die Titel Rondeau, Sarabande, Bourrée, Polonaise-Double, Menuet und Badinerie. Aus dem Französischen übersetzt bedeutet Letzteres so viel wie Spaß oder Neckerei und ist ein tanzähnliches Stück, oft gebracht in Suiten zu Bachs Zeit. Was mag den sonst so ernsten Kantor dazu gebracht haben, sich auf dieses Parkett zu wagen?

Nicht gescheut hat sich Verena Guthy-Homolka, mit ihrer Flöte auf diesem Parkett souverän zu tanzen. Die Soloflötistin ist mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, ist bei renommierten Orchestern gefragt, wirkt als Pädagogin, Jurorin und Dozentin. Seit langen Jahren konzertiert sie mit der Kammersinfonie. Dass da ein harmonisch aufeinander eingestimmtes Team miteinander musizierte, bewies diese Aufführung. Mitunter hätten vielleicht die taktweise doch recht dominant aufspielenden Streicher der Flöte ein wenig mehr den Vortritt lassen sollen. Doch so wunderbare Passagen mit Flöte, dem ersten Cello und dem Cembalo wie in der Badinerie machten auch die noch so kleinste Trübung wieder wett. Beifall ohne Ende animierte Guthy-Homolka zu einer Zugabe, was so mitten im Konzert auch nicht allzu häufig geschieht.

Mit einem verhaltenen Crescendo setzte das Adagio von Samuel Barber ein. Es ist das bekannteste Werk des amerikanischen Komponisten, der 1981 starb. Einen breitgefächerten Klangteppich breitete das Orchester unter der Leitung von Dirigent Peter Wallinger aus, auf dem unter anderem auch das Cello weite, singende Bögen zeichnete, konträr zu den gelegentlich dissonant klingenden Violinen in fast rauschhafter Höhe, ehe die Bässe führend übernahmen und das Stück in sanfter Harmonie, vielleicht auch in Melancholie endete.

Wie die Malerei so hat auch die Musik eine impressionistische Phase durchlaufen. Einer ihrer bekanntesten amerikanischen Vertreter ist Charles Griffes, der es in trauriger Weise großen europäischen Komponisten gleichtat, nämlich bereits 36-jährig 1920 verstorben ist. „Poem“ für Flöte und Orchester heißt das Stück, in dem die Solistin des Abends nochmals mit virtuos geblasenen Solotakten hervorstach. Lange Klangfolgen wechselten mit exaltierten Ausbrüchen, dominierend die Bässe, wie singend nahm das erste Cello ein Thema auf, reichte es an das zweite weiter. Lange Triller beflügelten, glitten hinein in ein Piano, in das tiefere Flötentöne einen wie gehauchten Schlusspunkt setzten.

Nach der Pause stand auf dem Programmzettel nur noch ein Werk, das überzeugend zu gestalten war: Igor Strawinskys „Concerto in Re“. Der russische Komponist gilt als Vertreter des Neoklassizismus in der Musik. Ihn zog es weg von der Süßlichkeit der Romantik, zurück zu barocken, klaren Formen. An die Bach’schen Brandenburgischen Konzerte gedachte der Russe anzuknüpfen. Ob ihm das mit dem Vivace, Andante und Allegro gelungen ist, mag der Zuhörer entscheiden. Der dem Neuen eher Zugewandte wird den Gesamtaufbau sehr interessant finden. Keinen Zweifel hinterließ die Kammersinfonie mit ihrer nahezu aufreizenden Wiedergabe, eine veritable Herausforderung, die Wallinger mit seinen Musikern meisterte. Hier ein transparentes, klar akzentuiertes, ausdrucksstarkes Spiel zu Gehör zu bringen, zeugte von Könnern an den Pulten.

Muss noch erwähnt werden, dass auch am Ende dieser morgendlichen Konzertstunde der Beifall nicht enden wollte? So gefeiert, konnten Solistin und Orchester gar nicht anders, als ihr begeistertes Publikum mit zwei Zugaben zu verwöhnen.

Eva Filitz

Kinder helfen „Papa Haydn“

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Mühlacker. „Papa Haydns kleine Tierschau“ oder „Wie klingt eigentlich eine Giraffe?“. Intensiv haben rund 450 Schüler der Klassenstufen eins bis fünf die Aufführungen dieses Musiktheaterstücks im Uhlandbau mit verfolgt und den Komponisten bei der Fertigstellung einer neuen Sinfonie unterstützt.


Ohne Publikum läuft es nicht bei dem Komponieren. Foto: Rainer Appich

Joseph Haydn hat ein Problem: Im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia soll er ein Musikstück über die Giraffe verfassen. Doch der von seinem Orchester liebevoll „Papa Haydn“ genannte Komponist kennt weder dieses Tier, noch will ihm etwas Vernünftiges dazu einfallen. Er hat zwar schon den Takt einer Uhr vertont, dem Jagen und auch verschiedenen Tieren, wie dem Bären, einer Lerche oder der Henne, klingende Denkmale gesetzt, aber an der Giraffe droht das musikalische Genie vom Schloss Esterhazy zu scheitern. Zu allem Übel huscht immer wieder eine freche Maus durch sein Studierzimmer und verspeist genüsslich seine beschriebenen Notenblätter. Da ist dringend die Hilfe der jungen Zuhörer gefragt. Sie warnen den Komponisten vor der gefräßigen Schlossmaus „Louise“. Der fleißigen Mitarbeit der Kinder hat es Haydn letztlich zu verdanken, dass er nun weiß, wo die Giraffe zu Hause ist, wie das Tier aussieht und welches Instrument mit seiner Klangfarbe den staksigen und langhalsigen Steppenbewohner musikalisch am besten abbildet.

Erfolgreiche Arbeit mit zwei Aufführungen fortgesetzt


Mit dieser spannenden Geschichte haben die von Peter Wallinger geleitete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die Pyrmonter Theater Companie, vertreten durch Jörg Schade als „Papa Haydn“ und Christiane Schoon als „Schlossmaus Louise“, ihre seit Jahren bestehende erfolgreiche Arbeit im Bereich des Musiktheaters „Klassik für Kinder“ fortgesetzt. In Bietigheim gebe es solche Vorstellungen seit langem und in Mühlacker nun zum dritten Mal, erklärte Wallinger. „Es ist immer wieder interessant, wie die Kinder reagieren“, sagte der Orchesterleiter, aus dessen Ensemble Flötistin Verena Guthy-Homolka, Oboist Nikola Stolz, Klarinettistin Stefanie Faber, Hornistin Gunilla Kühn und Frank Lehmann mit dem Fagott mitwirkten. Die beiden Vorstellungen wurden am gestrigen Vormittag von Schülern aus Illingen, Ötisheim, Ölbronn, Bretten, Diefenbach, Großglattbach, von der Johann-Christoph-Blumhardt-Schule, der UvD- und der Heidenwäldleschule besucht.

Rainer Appich

Markus Bellheim brilliert am Flügel

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Glanzstücke im Uhlandbau

Mühlacker. Vier bekannte Komponisten des Ostens hatte Peter Wallinger bei seinem Frühjahrskonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ auf dem Programm versammelt. Wer mitreißende Melodien auf dem Weg zum Konzert im Ohr hatte, wurde im Verlauf des Samstagabends im Uhlandbau bestätigt. Furios gestaltete Wallinger auch den Programmauftakt, in dem er im ersten der beiden Slawischen Tänze op. 46, Nr. 8 Presto (Furiant) von Antonin Dvorák ein furioses Tempo vorlegte. Der zweite Tanz op. 72, Nr. 2 geriet gemäßigter, dennoch wollte Wallinger auch hier nicht zu schwärmerisch werden.

Glanzstück des Abends war der Auftritt des Pianisten Markus Bellheim. Bereits die ersten Töne des dritten Klavierkonzerts von Béla Bartók ließen aufhorchen. Mit größter Selbstverständlichkeit verwandelte Bellheim die Gedanken des Komponisten in Klang, mit schwebender Leichtigkeit glitten seine Finger über die Tastatur. Immer wieder suchte er dabei den Kontakt zu den Orchestermitgliedern: Motive und Gedanken wurden beantwortet und weitergetragen, so dass ein plastisch schönes Tongemälde entstand, in dem es viele Farben und Stimmungen zu entdecken gab. Der Wunsch, mehr vom Pianisten zu hören, wurde dem Publikum erfüllt. Noch einmal trat er an den Flügel und faszinierte die Zuhörer mit einem schmissigen Ragtime von Edward Elzear „Zez“ Confrey.

Der zweite Teil des Abends war der Programmmusik gewidmet. Alexander Borodins Auftragswerk zum 25. Thronjubiläum des Zaren Alexander entführte in die Steppe Mittelasiens. Bedrich Smetanas Vertonung der „Moldau“ schloss den Abend ab. Quirlig sprudelten die beiden Querflöten als frisch entsprungene Bächlein, bald erschienen vor den Augen die bekannten Szenen entlang des Flusses. Hier konnten die elegischen Streicher, das warme Holz und die strahlenden Blechbläser noch einmal in voller Schönheit glänzen. Mit warmem Applaus dankte das Publikum den Musikern für einen ohrenöffnenden Abend.

Irene Schallhorn

Sternstunden auf CDs gebannt „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ veröffentlicht weiteres Doppelalbum mit den Highlights aus dem Jahr 2015

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„Leidenschaft der Töne“, „Sommerliche Matinee“ und „Zauber der Romantik“: Schon die Titel der Konzerte klingen gut. Noch besser tönt die jetzt erschienene Doppel-CD, auf der Highlights der Auftritte der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim enthalten sind.

Konzertabend im Uhlandbau mit Erinnerungswert: Im März haben die Schwestern Magdalena (Foto) und Marina Müllerperth gemeinsam mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Dirigent Peter Wallinger das Jubiläumskonzert des Mühlacker Tagblatt zu einem Erlebnis gemacht. Foto: Fotomoment

Enzkreis. Es ist eine bewährte Tradition: Die Freunde der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim dürfen sich jedes Jahr aufs Neue auf eine CD-Dokumentation freuen, die Live-Mitschnitte aus Konzerten des Ensembles enthält, mit denen die Musiker ihr Publikum in der Lienzinger Frauenkirche, im Uhlandbau in Mühlacker und im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen in die Welt der klassischen Musik entführen. Die Nummer 13 der Reihe fasst nun zusammen, was das Jahr 2015 an außergewöhnlichen musikalischen Leckerbissen zu bieten hatte.

Wer am 7. März das im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ dargebotene Jubiläumskonzert der Elser Gruppe im Uhlandbau erlebt hat, der wird seine Erinnerung gern mit dem auf Teil eins der Doppel-CD verewigten Mitschnitt auffrischen. Zu hören sind die ebenso spritzig wie präzise gespielten Ungarischen Tänze Nummer 1, 5 und 6 von Johannes Brahms sowie die Klavierkonzerte D-Dur von Joseph Haydn und d-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Als Solistinnen legen die aus Schmie stammenden Pianistinnen Marina und Magdalena Müllerperth weitere Kostproben ihres Könnens ab. Dank ihrer technischen Souveränität und interpretatorischen Reife brauchen sie die Aufnahmesituation nicht zu fürchten, die keinerlei Netz und doppelten Boden bereithält.

Ebenfalls über jeden Zweifel erhaben sind die Fähigkeiten des 1986 geborenen Klarinettisten Sebastian Manz, der sich bei der „Sommerlichen Matinee“ im Juli 2015 im Rahmen des „Musikalischen Sommers“ mit dem Klarinettenkonzert in B-Dur von Carl Maria von Weber und dem Adagio in Des-Dur von Heinrich Josef Baermann vorstellte. Die Wandlungsfähigkeit seines Tons beeindruckte das Publikum und fasziniert auch den Hörer der CD, der im Klang des Blasinstruments immer wieder neue Facetten der menschlichen Stimme zu erkennen scheint.

Die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim erweist sich als ausdrucksstarke Begleiterin, überzeugt aber auch, wenn sie selbst die Hauptrolle spielt. Makelloser Streicherklang kennzeichnet das Divertimento in B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, das ebenfalls in der Frauenkirche zur Aufführung kam. Als Tonmaler betätigen sich die Musiker in Othmar Schoecks Intermezzo „Sommernacht“, das dank der ausgefeilten Ausdeutung Bilder vor dem inneren Auge wachruft. Spielfreudig und mit imponierender Leichtigkeit träumt das Orchester unter seinem Leiter Peter Wallinger Felix Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“. Aufgeführt wurde die Ouvertüre im Dezember in Bietigheim-Bissingen unter der Überschrift „Zauber der Romantik“, und beim Hören der CD könnte die Schwere der kalten Jahreszeit wie von Zauberhand einem Gefühl sommerlicher Lebensfreude weichen.

Die Doppel-CD „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim live 2015“ ist ab sofort erhältlich in der Buchhandlung Krüger Maulbronn, über das Sekretariat „MühlackerConcerto“, Sternenfelser Straße 13, 75447 Diefenbach, Telefon 07043/7512, E-Mail susanne@boekenheide.net, und bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße. Abonnenten des Mühlacker Tagblatt erhalten die Doppel-CD dort um zwei Euro günstiger.

Carolin Becker