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Mühlacker Tagblatt

Musiker laden Zuhörer zu Winterreise ein

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Süddeutsche Kammersinfonie und eine herausragende Bratschistin begeistern das Publikum

Die Bratschistin Hiyoli Togawa begeistert mit ihrem ausdrucksstarken Spiel beim Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie. Foto: Appich

Ein erfrischender Klangkörper, eine herausragende Bratschistin und zwei sprachgewandte Vortragskünstler haben am Sonntag mit mehr als 150 Gästen eine musikalisch-literarische „Winterreise“ unternommen.

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger hatte im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ zu einer Matinee mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáček geladen, und zum winterlichen Melodienreigen passten sowohl die Gedichte, die Nathalie Cellier und Peter Steiner vortrugen, als auch die Schneeflocken, die draußen leise rieselten.

Mit erfrischenden, beschwingten Tanzliedern eröffnete das Streichorchester das vormittägliche Klangerlebnis, und die beiden Schauspieler des Karlsruher Xenia-Theaters rezitierten deutsche und französische Texte von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin und Elodie Santos und betrachteten Winternacht und Winterabend in Worten von Gottfried Keller und Georg Trakl. In einer eigens für diese Matinee verfassten Bearbeitung von vier Liedern aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ verzückte die mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Solobratschistin Hiyoli Togawa das Mühlacker Publikum. Sie verstand es, den Konzertbesuchern den besonderen Charakter des lyrischen „Ichs“ im Stück „Wetterfahne“ nahezubringen und die stakkatohaft symbolisierten „Gefrorenen Tränen“ zu versinnbildlichen, das tempogeladene Erwachen des Frühlings musikalisch darzustellen und ein ergreifendes Abbild des schlichten, wunderlichen „Leiermanns“ mit Tönen zu malen. Ihr zweiter Auftritt nach drei von der Kammersinfonie in Perfektion vorgetragenen Sätzen der Suite für Streichorchester von Leos Janáček erinnerte die Solistin musikalisch an ein Kuriosum des Instrumentenbaus, dem Franz Schubert mit der „Arpeggione-Sonate“ ein bleibendes Andenken schuf, und Togawa spielte dessen Part in der Fassung für Viola und Streichorchester mit einem melodisch-warmen Ton.

Das nächste Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau findet am 19. März statt und steht im Zeichen von „Impressionen aus Ost“.

Rainer Appich

Romantischer Zauber zur Adventszeit

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Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ gastiert im Uhlandbau – Ursula Schoch als Solistin an der Violine

Solistin Ursula Schoch im musikalischen Zwiegespräch mit Dirigent Peter Wallinger. Foto: Fotomoment

„MühlackerConcerto“ heißt die musikalische Reihe, in deren Rahmen die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ ein Adventskonzert im Uhlandbau in Mühlacker gab. Passend zu dieser vorweihnachtlichen Zeit hieß das Programm „Zauber der Romantik“.

Mühlacker. Das Konzert begann mit dem wohl bekanntesten Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy: „Ein Sommernachtstraum“, Musik zu Shakespeares gleichnamiger Komödie. Erst 17 Jahre alt war der 1809 in Hamburg geborene Komponist, als er im Sommer 1826, nach der Lektüre von Shakespeares gleichnamiger Komödie, in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel, als op. 21 die einsätzige Ouvertüre schrieb. Nach der Uraufführung in Abraham Mendelssohns Wohnhaus, dem ehemaligen Preußischen Herrenhaus in Berlin, im Rahmen der sogenannten „Sonntagsmusiken“, fand die öffentliche Erstaufführung im Februar 1827 in Stettin, unter der Leitung von Carl Loewe, statt. Danach vergingen rund eineinhalb Jahrzehnte, bis der Komponist 1842, auf Wunsch des preußischen Königs Wilhelm IV., als op. 61 die mehrsätzige Bühnenmusik zu der Shakespeare-Komödie schrieb. Dieser Teil wurde dann im Oktober 1843 in Potsdam uraufgeführt.

Im Uhlandbau in Mühlacker erklang jetzt die mit vier Bläserakkorden beginnende Ouvertüre, in der Felix Mendelssohn Bartholdy sozusagen die ganze Welt dieses „Sommernachtstraums“ ausschreitet, in der man Elfen und Oberon begegnet, in der Lyrisches ebenso wenig fehlt wie eher Derbes, und dazu vier Teile der Bühnenmusik, Scherzo – Allegro vivace, Intermezzo – Allegro appassionato, Notturno – Andante di molto und ein Tanz von Rüpeln – Allegro di molto. Locker, beschwingt wurde der erste Satz interpretiert, erzählend, etwas aufwühlend, aber auch dahinplätschernd der zweite. Der dritte Satz erinnerte an die Jagd, und im vierten sah man sich mit einer Art Bauerntanz konfrontiert.

Peter Wallinger, der in der Kapellmeisterklasse von Thomas Unger ausgebildete Gründer und Leiter des Orchesters, der im In- und vor allem im osteuropäischen Ausland als Gastdirigent tätig ist, erwies sich als ein ebenso einfühlsamer wie ausdrucksstarker Interpret der „Sommernachtstraum“-Musik.

Vor der Pause kam noch der rund fünf Minuten dauernde „Valse triste“ von Jean Sibelius zur Aufführung. Nachdem der finnische Komponist eine Bühnenmusik zu Arvid Järnefelts Drama „Kuolema“ geschrieben hatte, bearbeitete er 1904, zwei Jahre nach der Uraufführung, drei Stücke aus seinem op. 44 neu. Eines davon ist der so entstandene Konzertwalzer, ein getragenes, fast schwermütig klingendes Stück Musik, was nicht wundert, wenn man weiß, dass „Der Tod“ der Titel des ursprünglichen Dramas ist.

Der zweite Teil des Orchesterkonzerts gehörte dem Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms. Entstanden im Sommer 1878 in Pörtschach, uraufgeführt am 1. Januar 1879 in Leipzig, unter der Leitung des Komponisten, mit Joseph Joachim als Solist, dem das Werk auch gewidmet ist, handelt es sich dabei um das einzige Violinkonzert von Brahms, mit dem sich wieder einmal das Problem der Beethoven-Nachfolge stellte.

Verwandte Bezüge gibt es zu der am selben Ort, ein Jahr früher entstandenen 2. Symphonie op. 73 von Johannes Brahms. Doch nicht genug damit, in beiden Werken stehen alle Sätze in Dur. Die Grundtonart ist D-Dur, der langsame Satz der Symphonie greift zur kleinen Unterterz H-Dur aus, der des Violinkonzerts zur kleinen Oberterz F-Dur. Gestaltenreich ist der 1. Satz, Allegro non troppo. Einer „unendlichen Melodie“, wie Richard Wagner meinte, gleicht der 2. Satz, Adagio, der sich in „einem engen gedanklichen Rahmen bewegt“. Am meisten trägt der 3. Satz, Allegro giocoso, ma non troppo vivace, dem Anspruch solistischen Konzertierens Rechnung.

Dabei besonders, aber auch ganz allgemein, wurde die in Ludwigsburg geborene Ursula Schoch, die bei Sascha Gawriloff an der Kölner Musikhochschule studierte, 1990 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen als Solistin debütierte und seit fünf Jahren Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam ist, mit klangreinem, nuancenreichem, ebenso bewegtem wie präzis klarem und expressivem Spiel auf ihrer von Giovanni Battista Guadagnini im 18. Jahrhundert gebauten Violine gerecht. Als Zugabe zum Romantik-Orchesterkonzert spielte sie virtuos ein barockes Bach-Adagio.

Dieter Schnabel

Klarinette auf Vogeljagd

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Sebastian Manz begeistert in der Lienzinger Frauenkirche.

Solist Sebastian Manz und die „sueddeutsche kammersinfonie“ in Aktion. Foto: Fotomoment

Mühlacker-Lienzingen. Zahlreich erschienen die Zuhörer zur Matinee am Sonntag in der Frauenkirche in Lienzingen. Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ eröffneten das sommerliche Konzert mit Mozarts Divertimento KV 137. Runde, volle Klänge erfüllten den Kirchenraum, und die gut aufeinander abgestimmte Kammersinfonie folgte wachsam den dezenten Vorgaben ihres Dirigenten Wallinger. Frisch und lebhaft spielten sie zum zweiten Satz auf, warfen sich die musikalischen Motive wie imaginäre Bälle zu und hatten sichtbar Freude daran, miteinander zu spielen. Der dritte Satz geriet dann gar zu einem sommerlichen Tanz. Federnd erklang die Musik und wiegend bewegten sich die Tanzpartner in den dahin getupften Sommerfarben.

Ein Moment der Ruhe – dann erschien Sebastian Manz. Ein Mann mit einem verschmitzten Lächeln und strahlenden Augen, der auf Anhieb sympathisch wirkte. Wenige Takte Vorspiel des Weberschen Klarinettenkonzerts füllten den Raum, dann erklang ein unglaublich feiner, reiner Klarinettenton, der die ganze Kirche in noch wärmeres, goldeneres Licht tauchte. Manz spielte sein Instrument auf natürlichste Weise, sehr klar und stellte sich dabei doch nicht in den Vordergrund. Er nahm die Kammersinfonie Wallingers mit und übertrug seine unbändige Lust an der Musik auf das Orchester und das Publikum. Gemeinsam trieben sich die Musiker zu Höhenflügen an, die das Publikum zum berechtigten Zwischenapplaus hinriss. Manz faszinierte durch seine äußerst lebendige Spielweise, sein Instrument fügte sich nur allzu willig seinen Fingern. Trotzdem blieb dem Virtuosen die Zeit, mit Dirigent Wallinger und der Konzertmeisterin Sachiko Kobayshi in Kontakt zu bleiben, sich mit kleinen Gesten abzusprechen und das Konzert dadurch zu einem Gesamtkunstwerk gelingen zu lassen. Der letzte Satz geriet dann gar zu einem furiosen Ritt über Sommerwiesen, die noch mit frischem Morgentau überzogen waren – ein wahrer Genuss für alle Zuhörer, die nach Lienzingen in die Kirche gekommen waren.

Das Adagio Des-Dur von Heinrich Josef Baermann sollte, so Manz in seiner kurzen Ansprache, eigentlich die Zugabe sein. Er erklärte auch, dass das Werk wegen seines eigenwilligen, melodramatischen, harmonisch extravaganten Mittelteils irrtümlich Richard Wagner zugeschrieben wurde. Nachdem die Ohren durch den Experten so angespitzt waren, war es natürlich ein leichtes, den in wunderbarerer Weise vorgetragenen Beweis dann auch zu hören.

Als Zugabe spielte Manz, nicht unvorbereitet wie er augenzwinkernd zugab, zwei Kompositionen aus den Klarinettenstücken von Igor Strawinsky. Unprätentiös und ganz der Musik dienend ließ er die Hirtenmelodie erklingen und erzählte schelmisch von der Katze auf morgendlicher Vogeljagd. Manz’ Art zu spielen beseelte seine Klarinette und ließ sie lebendig werden. Die Kammersinfonie gestaltete den zweiten Teil des Konzerts im Alleingang. Othmar Schoecks „Sommernacht“, dem das gleichnamige Gedicht von Gottfried Keller zugrunde liegt, katapultierte die Zuhörer mühelos in eine sternklare Sommernacht und ließ die schwere und zugleich leichte Arbeit auf dem Feld spürbar werden. Chihiro Saito spielte das Solocello beruhigend schön, bevor die Burschen wie die Musik heimlich in den Sommermorgen entflohen. Zum Abschluss der fulminanten Matinee erklang die engagiert vorgetragene Streichersinfonie Nr. 10 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dem Konzert einen runden Ausklang gab.

Irene Schallhorn

Don Quijote für die Jüngsten

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„Klassik für Kinder“ im Uhlandbau

Foto: Schröder

Mühlacker (an). Mit einem unterhaltsamen Stück für Kinder hat Peter Wallinger gestern Vormittag die Reihe „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau für diese Saison abgeschlossen. Der Einladung des musikalischen Leiters der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim waren insgesamt 550 Schüler gefolgt, die in zwei Vorstellungen das Musiktheater „Don Quijote oder die Macht der Fantasie“ erlebten.

Die noch junge Konzertreihe für Kinder hat Wallinger erst im vergangenen Jahr in Mühlacker etabliert. Seit 2004 feiert das Konzept in Bietigheim große Erfolge, und auch in Mühlacker steht der Termin für die Fortsetzung im kommenden Jahr schon fest. In Kooperation mit der Pyrmonter Theater Companie entführten Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die jungen Zuhörer in die Welt des Don Quijote. Mit fantasievollen Requisiten, Wortwitz, kindgerechten Elementen und einer Prise Klamauk gelang es den Schauspielern Jörg Schade, Carl-Herbert Braun und Judith Guntermann, die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren an die klassische Musik heranzuführen.

Zwei Stars und eine Sternstunde

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125 Jahre Elser Gruppe: Jubiläumskonzert des Mühlacker Tagblatt im Uhlandbau bietet ein besonderes klassisches Highlight

Zwei Schwestern, ein musikalischer Genuss: Die Ausnahmepianistinnen Magdalena (li.) und Marina Müllerperth werden beim Jubiläumskonzert der Elser Gruppe begeistert gefeiert.
Foto: Fotomoment

„Der Anblick des lichterprangenden Saales war herrlich. Die Musik war eine Erquickung. Die Stimmung der Gäste war festlich gehoben.“ Sätze wie diese aus dem Artikel zur Uhlandbau-Eröffnung, den der Dürrmenz-Mühlacker Bote am 29. Oktober 1921 seinen Leser präsentierte, könnten in etwas schlankeren Worten auch heute in seiner Nachfolger-Zeitung Mühlacker Tagblatt stehen. Den vielen Sternstunden, die die Besucher seither im Gebäude erlebt haben, hat die Elser Gruppe mit ihrem Jubiläumskonzert eine weitere hinzugefügt.

Mühlacker. Fritz und Adolf Busch, Rudolf Serkin und Carl Orff: Der Uhlandbau hat in seiner Geschichte große Stars der Musikszene gesehen. Stars der Zukunft gehörte am Samstagabend die Bühne.

Die aus Schmie stammenden Pianistinnen Marina und Magdalena Müllerperth, längst auf internationaler Ebene erfolgreich, wurden bei ihrem mit Spannung erwarteten Heimspiel von rund 450 Zuhörern gefeiert. Niemand freute das mehr als Hans-Ulrich Wetzel, den Geschäftsführer der Elser Gruppe Druck und Medien, der den Auftritt der Künstlerinnen im Rahmen der Reihe „Mühlacker Concerto“ von langer Hand vorbereitet hatte. Das Jubiläumskonzert, der Auftakt zu weiteren Veranstaltungen zum 125-jährigen Bestehen der Elser Gruppe, finde nicht zufällig im Uhlandbau statt, verwies Wetzel auf die bedeutende Rolle, die das Haus von Beginn an in der Berichterstattung gespielt habe. Im Artikel zur Eröffnung hatte der Geschäftsführer zudem einen ganz persönlichen Bezug entdeckt: Hedwig Händle, die Schwester seines Großvaters, habe damals einen dichterischen Festgruß vorgetragen.

Gedichte bekamen die Gäste im ausverkauften Haus, darunter Oberbürgermeister Frank Schneider, Bürgermeister Winfried Abicht und Regierungsdirektor Karl-Heinz Zeller vom Enzkreis, nicht zu hören, dafür aber die „Leidenschaft der Töne“. Dieses Konzertmotto hatte Dirigent Peter Wallinger ausgerufen, der mit der Unterstützung engagierter Sponsoren den Uhlandbau vor rund einem Jahrzehnt aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat. Für diesen „überaus wichtigen kulturellen Anstoß“ gebühre Wallinger „ein außerordentlich großer Dank“, betonte Hans-Ulrich Wetzel.

Der Initiator der Festivals „Musikalischer Sommer“ und „MühlackerConcerto“ gab den Dank umgehend in Gestalt dreier Perlen der romantischen Musik zurück. Die „Ungarischen Tänze“ Nummer 1, 5 und 6 von Johannes Brahms werden wegen ihres Ohrwurm-Potenzials häufig gespielt. Ihnen mehr als die bekannten Facetten zu entlocken, gleicht einer Herausforderung, der sich Peter Wallinger und seine in allen Stimmen hochkarätig besetzte Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim vom ersten Takt an gewachsen zeigten. So fielen die präzise platzierten Einwürfe der Holzbläser ebenso angenehm auf wie die Freude der Streicher am exotisch anmutenden Kolorit, für das Brahms etwa mit Akzenten auf unbetonten Taktzeiten, übermäßigen Intervallen oder der Anweisung sorgt, entgegen gängiger Spielkonventionen den Ton auf der zweiten Bogenhälfte stark anschwellen zu lassen. Bei allem Temperament, das die Musiker unter Wallingers Leitung entfalteten, blieb der Klang durchlässig genug, um die zarten Töne der Triangel vernehmen zu können.

Ähnlich gut disponiert agierte das Orchester in Joseph Haydns D-Dur-Klavierkonzert Hob XVIII:11. Dem frischen, von einem Quartsprung geprägten Hauptmotiv des ersten Satzes wussten die Streicher als Gegenpol fragende und von überbordendem Vibrato freie Töne entgegenzusetzen. Der Boden für die Solistin Marina Müllerperth, die im Herbst ihr Studium an der Karlsruher Musikhochschule aufgenommen hat, war bereitet. Sie griff das Thema ebenso zupackend wie bewusst artikulierend auf und kostete das Wechselspiel mit dem Orchester aus. Rasante Läufe in der rechten Hand gestaltete sie so transparent, dass das häufig in der linken Hand angesiedelte Quartmotiv genügend Raum gewinnen konnte. Von Souveränität, Selbstverständlichkeit, organischen Bewegungen und dem Verzicht auf große Gesten waren auch die beiden von der jungen Künstlerin selbst komponierten Kadenzen im ersten und zweiten Satz gekennzeichnet.

Konnte Marina Müllerperth im abschließenden Satz „Rondo all’ Ungarese“, der sich schon zu Haydns Lebzeiten großer Beliebtheit erfreute, bereits mit spritzigen Vorschlagsnoten, dynamischer Differenzierung auch in höchstem Tempo und sicher gesetzten Akzenten überzeugen, so ließ sie nach dem lange anhaltenden Beifall des Publikums in einer Zugabe ihrer Virtuosität endgültig freien Lauf. In Maurice Ravels „Alborada del Gracioso“ wirbelten die Finger wie entfesselt über die Tasten des Steinway-Flügels. Für die Fähigkeit, atemberaubend schnelle Tonrepetitionen sowohl mit unbestechlicher Präzision als auch mit der Fröhlichkeit eines aufgeweckten Singvogels umzusetzen, erntete sie erneut Bravorufe.

Sein zweites Klavierkonzert schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy während seiner Flitterwochen. Kein Wunder, dass der erste Satz die Bezeichnung „Allegro appassionato“ trägt. Die vom Komponisten geforderte Leidenschaft ließen vom ersten dunkel gefärbten D-Moll-Takt an weder die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim noch die Solistin Magdalena Müllerperth vermissen. Die 22-Jährige präsentierte sich als reife Interpretin eines anspruchsvollen Werks, die – vom Orchester mal dezent begleitet, mal ausdrucksstark angefeuert – die Emotionen in Töne fasste und dabei die technischen Anforderungen fast vergessen machte. Ihr wandlungsfähiger Anschlag erlaubte ihr ein schwebendes Legato ebenso wie harfenähnlich gezupfte Töne, perlende Läufe und wuchtig gehämmerte Oktaven. Gleichsam ein Lied ohne Worte sang die Solistin im langsamen Satz gemeinsam mit dem Orchester, in dessen Reihen die Flötistin Dr. Christina Dollinger zu finden war. Sie hatte zuvor im bis auf den letzten Platz gefüllten Turmzimmer die Werke des Konzerts vorgestellt und für den dritten Satz ein „Klavierfeuerwerk“ angekündigt. Ein solch feuriges und dennoch mit allen Vorgaben des Brandschutzes im Einklang stehendes Ereignis krönte den Abend. Magdalena Müllerperth, die nach Jahren in den USA ihre Studien nun in Berlin fortsetzt, nahm das energiegeladene Motiv des Orchesters auf und ließ wahrhaft die Funken sprühen. Dabei vergaß sie nicht, auch lyrische Passagen so zu gestalten, wie es sich der frisch verheiratete Mendelssohn vermutlich gewünscht hätte. Zu erfüllen galt es nun nur noch den Wunsch des ausdauernd applaudierenden Publikums nach einer Zugabe. Die Solistin überraschte mit Bach, aus dessen fünfter französischer Suite sie Gigue und Sarabande vortrug.

Die begeisterten Besucher nahmen mehr mit nach Hause als einen Faksimile-Druck des Dürrmenz-Mühlacker Boten vom 29. Oktober 1921: die Gewissheit, dass auch im 21. Jahrhundert Sternstunden der Musik in Mühlacker zu erleben sind.

Carolin Becker

Konzerterlebnis im Wohnzimmer

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Neue Doppel-CD erschienen

Mühlacker. Auch bei einem umjubelten Konzert sind irgendwann der letzte Ton und der begeisterte Beifall verklungen. Was im Optimalfall bleibt, ist die Erinnerung – und im allerbesten Fall wird diese auf eine silbern glänzende Scheibe gebannt. Freunde der Klassikreihen „Musikalischer Sommer“ und „MühlackerConcerto“ dürfen sich jetzt auf ein Wiederhören freuen, ist doch jüngst eine Doppel-CD mit Live-Mitschnitten entstanden.

Unter dem Titel „Jubiläumsedition 2014 live“ sind Werke von Rossini bis Beethoven vereint, die im vergangenen Jahr in der Lienzinger Frauenkirche, im Uhlandbau in Mühlacker und im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen erklungen sind. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sowie die Solistinnen Ursula Schoch und Sachiko Kobayashi (Violine) haben bei den zwischen Januar und Dezember gegebenen Konzerten in stimmungsvoller Atmosphäre die Zuhörer begeistert. Sie halten aber auch auf das pure Hörerlebnis reduziert mit ihrer Leistung dem kritischen Urteil des Klassikliebhabers stand. Zu professionell ist der Klangkörper in allen Registern besetzt, zu souverän bewegt sich der Dirigent in den Epochen und Genres, um das ungeschminkte Abbilden durch das digitale Aufnahmegerät fürchten zu müssen.

Auf eine 30-jährige Geschichte blickt das Orchester zurück, seit zehn Jahren hat sich mit der Reihe „MühlackerConcerto“ ein weiteres Podium aufgetan, und beide Jubiläen werden dank der neuen CD das Jahr 2014 überdauern. Über einen Zeitraum von mehreren Hundert Jahren erstreckt sich der Entstehungszeitraum der enthaltenen Werke. Ludwig van Beethoven ist unter anderem mit seiner „Egmont“-Ouvertüre vertreten, Johann Sebastian Bach hat mit seiner Gavotte aus der E-Dur-Partita für Violine Eingang gefunden, und dazu gesellen sich Glanzstücke der Romantik wie das Violinkonzert in e-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy und die „Böhmische Suite“ von Antonín Dvorák. Die bunte Zusammenstellung der Höhepunkte aus verschiedenen Konzertprogrammen führt eine der großen Qualitäten der Kammersinfonie vor Ohren: die Fähigkeit, ganz unterschiedliche Stimmungen vom „Gebet des Toreros“ bis zur Spielmannsmusik fein auszuloten.

Geradezu gefeiert wurde die Interpretation von Beethovens dritter Sinfonie. Nicht zu Unrecht: Die vier Sätze der „Eroica“ erklingen in einer Gestaltungsvielfalt, die wie ein Versprechen auf die nächsten anspruchsvollen Konzertprogramme wirkt.

Verkaufsstellen sind Buch-Elser, die Buchhandlung Krüger in Maulbronn und das Büro Musikalischer Sommer, Telefon 07043/40410. Auch per E-Mail an cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de können CDs bestellt werden.

Carolin Becker

Ein künstlerischer Quantensprung

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Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ ist im Bietigheimer Kronenzentrum aufgetreten. Mit Beethovens „Eroica“ verzauberte sie das Publikum musikalisch.

Peter Wallinger (links) und die „sueddeutsche kammersinfonie“ begeisterten am Sonntag im Kronenzentrum. Foto: Martin Kalb

Das Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntag im Kronensaal trug den bescheidenen Titel „Musik zum Advent“. Was die zahlreichen Besucher jedoch erlebten, kann als künstlerischer Quantensprung dieses Klangkörpers unter der Leitung von Peter Wallinger bezeichnet werden. Die Aufführung der dritten Sinfonie, der „Eroica“, von Ludwig van Beethoven, war in seiner hoch ausgereiften Gestaltung eine neue Glanzleistung.

Das Programm enthielt darüber hinaus weitere musikalische Kostbarkeiten. Zunächst waren dies festlich stimmende Klänge, die sich im gut besetzten Kronensaal ausbreiteten. Zwei Schüler der Meisterklasse des Trompetenvirtuosen Reinhold Friedrich von der Hochschule für Musik in Karlsruhe, Saleem Khan und Eline Beumer, führten mit Bravour und in leuchtender Strahlkraft des Barock die Soli im Konzert D-Dur für zwei Trompeten und Streichorchester des italienischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, Petronio Franceschini, aus. Die lupenrein intonierten Trompetenklänge verbanden sich in den vier recht kurzen Sätzen mit der beglückenden Streicherfülle. Überaus bewegt und in bestechender Virtuosität führten die beiden talentierten Könner auf ihren Instrumenten ihre solistischen Aufgaben aus.

Beliebt und bekannt ist das Konzertstück von Edvard Grieg, „Hochzeitstag auf Troldhaugen“. Ein heiteres, elegantes Musizieren setzte mit den ersten Takten des 1896 ursprünglich als Klavierstück veröffentlichten, vielfarbigen Werks ein. Kraftvoll kamen die tänzerischen Elemente zur Geltung, die nur kurz von einer lyrischen, verträumten Melodie unterbrochen wurden. Mit der „Böhmischen Suite“, Opus 39, von Antonín Dvorák breitete das Orchester Lebensgefühl und -freude der Menschen jener Landschaft mit Wäldern und romantischen Flussläufen aus. Warm und wohlig fließende Melodik mit schwärmerischem Ausdruck, schwelgerisch tänzerische Beschwingtheit, pure Romantik prägten die ersten vier Sätze der Suite. Doch der abschließende „Furiant“ war reich bestückt mit höchst vertrackten, anspruchsvollen Rhythmuswechseln und plötzlichen Generalpausen, die vom Dirigenten wie auch von den Musikerinnen und Musikern höchste Konzentration und präziseste Einsätze verlangten. Schon da zeigte sich, dass die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ künstlerische Reife hohen Grades erlangt hat.

Ludwig van Beethoven hatte seine dritte Sinfonie in Es-Dur, Opus 55, ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmet, wovon er jedoch wutentbrannt Abstand nahm, als er erfuhr, dass dieser sich zum Kaiser hatte krönen lassen. Mit seinem Werk brachte er seinen Wunschtraum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Europa zum Ausdruck. Beethoven ging völlig neue Wege in seiner Sinfonie, denn allein schon deren Umfang – Aufführdauer: 50 Minuten -, übertraf 1817 alle bis dahin in dieser Gattung veröffentlichte Kompositionen.

Die „sueddeutsche kammersinfonie“ leitete den ersten Satz Allegro con brio mit vibrierender Spannung ein, die aber schon sehr schnell zu eruptivem Ausbruch drängt. Wallinger wählte ein straffes Tempo für die Aufführung, die vom glitzernden Spiel der Streicher und der brillanten Klangentfaltung der Bläser geprägt war. Der Satz „Marcia funèbre“ erklang elegisch, ohne jedoch in schmerzerfüllter Larmoyanz zu versinken. Urweltlich emotional führte das Orchester das Scherzo mit seinen aufregenden Kontrasten auf.

Das Finale fesselte mit seinem heroischen Klang, den Wallinger bei drängenden Tempi wachsen ließ, und in dem die dramatischen Verdichtungen und Verknüpfungen der beiden den Satz beherrschenden Themen transparent zum Ausdruck kamen. Diese Glanzleistung der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ wird bei Musikfreunden langfristig im Gedächtnis haften bleiben, wie der anhaltende Schlussbeifall belegte. Eine Zugabe wäre nach diesem Hörerlebnis geradezu unpassend gewesen.

Rudolf Wesner

Sinfonische Pracht und zarte Harfenklänge

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Ötisheimer Publikum erlebt die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ mit Gaststar Anne-Sophie Bertrand

Eindrucksvoller Musikabend: In der Ötisheimer Kelter genießt das Publikum eine gut aufgelegte „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und die virtuos spielende Anne-Sophie Bertrand vom hr-Sinfonieorchester als Gaststar. Foto: Fotomoment

Ötisheim. Ein unterhaltsames Programm haben die Besucher des Konzerts der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ in der voll besetzten historischen Kelter von Ötisheim erlebt. Die gute Stube der Gemeinde weiß Orchesterleiter Peter Wallinger wegen ihrer warmen Akustik sehr zu schätzen. Der Klangkörper des Dirigenten führte Werke von Mozart, Boieldieu und Haydn auf und konnte dabei auf die beeindruckende Solistin Anne-Sophie Bertrand vom Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks an der Harfe zählen.

Neben seinen 41 erhaltenen Sinfonien schrieb Wolfgang Amadeus Mozart unter anderem auch eine Fülle von Divertimenti. Im Jahr 1775 entstand beispielsweise das elfte Divertimento in D-Dur, KV 251. Das Werk umfasst sechs Sätze und sieht die solistische Mitwirkung einer Oboe und zweier Hörner vor. Einen heftig bewegten Anfang ließ Wallinger mit dem einleitenden Allegro molto erklingen, dem ein Menuett in feierlich schreitendem Tempo folgte. Die zarte Melodik auskostend wurde das elegant gespielte Andantino zu einer Delikatesse für die Ohren. Im zweiten Menuett-Satz erhielten die drei Solisten an der Oboe und den Hörnern Gelegenheit, mit ihrem virtuosen Spiel zu bestechen. Vital, burlesk und voller Esprit führte das Orchester das Rondo aus. Mit einem pompös klingenden „Marcia alla francese“ gestalteten die Musiker unter Wallingers anregender Leitung ein bravouröses Finale.

Der französische Komponist Francois-Adrien Boieldieu lebte von 1775 bis 1834 und hatte eigentlich eher mit seinen Opern Erfolg, von denen „Die weiße Dame“ aus dem Jahr 1825 bis heute die bekannteste geblieben ist. Doch er schrieb auch ein Konzert für Harfe und Orchester in C-Dur, das Wallinger für das Konzert in Ötisheim aus einem Notenarchiv ausgegraben hatte. Zur glanzvollen Aufführung dieser musikalischen Rarität gewann er die in Paris geborene und seit dem Jahr 2000 in Frankfurt am Main tätige Harfenvirtuosin Anne-Sophie Bertrand. Die junge Künstlerin vermochte mit der brillanten Interpretation der anspruchsvollen Soli des dreisätzigen Werks zu begeistern. Nach einer längeren Introduktion des Orchesters setzte sie im ersten Satz mit der Bezeichnung „Allegro brillante“ mit herausragender Virtuosität ein und breitete zusammen mit dem feinstimmig und in angemessener Zurückhaltung musizierenden Orchester ein zartes Klanggewebe aus, das in tänzerisch-bewegtem Tempo ausgeführt wurde. Bertrand beglückte mit ihrem feinfühlig-nuanciertem Spiel, das sie auch im nachfolgenden Andante hören ließ, wobei sie die darin lebende verklärte Stimmung mit sanften Klangfolgen hervortreten ließ. Im Rondo entfalteten die Solistin und das Orchester ein leichthin beschwingtes Musizieren, wobei noch einmal die Virtuosität der Harfenistin deutlich wurde, mit der sie bei den Konzertbesuchern langanhaltenden Applaus auslöste. Als Zugabe führte Bertrand das Harfensolo „La Source“ in zart schillernder Farbigkeit auf.

Zu den besonders häufig aufgeführten Sinfonien Joseph Haydns zählt ohne Zweifel die mit dem Beinamen „Abschiedssinfonie“ versehene 45. in fis-moll aus dem Jahr 1772. Die Mitglieder der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ ließen bei der Aufführung dieses Werks zunächst den von ihnen gewohnten sinfonischen Glanz aufleuchten. Im Adagio verbreitete das Orchester melodiösen Wohlklang und interpretierte das Menuett mit Allegretto und Trio elegant, unbeschwert und in verhaltenem Tempo. Doch im Finale kam dann Bewegung in die Reihen der Musiker, denn, und darauf warteten die Kenner des Werks bereits, nach und nach packten sie ihre Instrumente ein und verließen leise das Podium, bis schließlich nur noch zwei Violinisten übrigblieben, die den Satz und damit die Aufführung harmonisch ausklingen ließen. Der in dem Werk wahrzunehmende augenzwinkernde Humor kam glanzvoll zum Ausdruck, überhaupt war auch in diesem Konzert einmal mehr die vollendete und hell schimmernde Klangpracht des Klangkörpers zu erleben. Als Zugabe wurde ein Pizzicato-Stück aus der Ballettmusik „Don Juan“ von Christoph Willibald Gluck dargeboten.

Rudolf Wesner

Mediterrane Stimmungen entfaltet

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Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musiziert beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche

Der Kontrabassist Nabil Shehata bildet eine Einheit mit seinem Instrument. Foto: Fotomoment

Mühlacker-Lienzingen. Ein Markenzeichen der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ist deren schimmernder Streicherklang, wie dieser vom Orchestergründer und Dirigenten Peter Wallinger entwickelt wurde. Davon konnten sich am Sonntag auch die Besucher des Konzerts mit dem Titel „Mediterrane Streifzüge“ überzeugen, das im Rahmen der Reihe „Musikalischer Sommer“ in der Frauenkirche von Lienzingen zu hören war.

Zu den beliebtesten Kompositionen für Streichensembles zählen auch die Sonaten, die der damals gerade mal zwölfjährige Gioacchino Rossini schrieb. Mit der ersten aus diesem Zyklus in G-Dur leitete die Süddeutsche Kammersinfonie ihr Programm ein. Die drei Sätze sind musikalische Delikatessen, die vom Orchester sehr spritzig, im ersten Satz auch überaus graziös und in glitzernder Streicherpracht aufgeführt wurden. Verträumt und dennoch in einem bewegt schreitenden Tempo musiziert, erklang das sehr kurze Andantino mit seinem köstlichen, weit gespannten Melodiebogen. Auch der Schlusssatz ist kurz, aber voller heiterer Akzente, die Peter Wallinger von seinen Musikerinnen und Musikern mit Glanz auskosten ließ.

Mit dem Kontrabassisten Nabil Shehata aus München war es Wallinger wieder gelungen, einen herausragenden Solisten für das Konzertprogramm zu gewinnen. Eine Rarität dürfte wohl das Konzert in h-moll für Kontrabass und Orchester von Giovanni Bottesini sein, der im 19. Jahrhundert lebte. Er war selbst Kontrabassist, aber auch Dirigent und leitete im Jahr 1871 die Uraufführung der Verdi-Oper „Aida“ in Kairo. Nabil Shehata, 1980 als Sohn deutsch-ägyptischer Eltern in Kuwait geboren, spielt das markante Streichinstrument schon seit seinem neunten Lebensjahr und ist, wie sich während seines Auftritts erwies, mit diesem regelrecht verwachsen. Seine Soli in den an Melodien reichen drei Sätzen führte er in dunklen, aber betörend warmen Tönen sehr virtuos und klangprächtig aus. Er musizierte mit geschmeidigem Bogenstrich und bestach am Ende des ersten Satzes mit einer unübertrefflich kunstvoll und virtuos dargebotenen Kadenz. Beseelt führte Nabil Shehata, der auch als Professor für Kontrabass an der Musikhochschule München tätig ist, das Andante aus, und im temporeich interpretierten Schlusssatz wurde deutlich, dass er ein Musiker ist, der dem Kontrabass die wunderbarsten Klangebenen zu entlocken weiß. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begleitete ihn in angemessen zurückhaltender Intensität. Für den lang anhaltenden Applaus bedankte sich Nabil Shehata mit einer „Habanera“ und wurde dabei vom Orchester begleitet.

Hierzulande selten gespielt werden Werke des spanischen Komponisten Joaquin Turina, der von 1882 bis 1949 lebte. Von ihm führte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Komposition „La Oración del Torero“ (Das Gebet des Toreros) auf. Das vom französischen Impressionismus beeinflusste Werk wird maßgeblich von andalusischen Klangfarben geprägt, die das Orchester unter Peter Wallingers Leitung markant und impulsiv ausbreitete.

Häufiger zu hören sind dagegen die Suiten „Antiche Danze ed Arie“ des italienischen Komponisten Ottorino Respighi (1879 bis 1936). Seine dritte Suite wählte Peter Wallinger als ein weiteres köstliches Beispiel für „mediterrane Streifzüge“ aus. Die glänzend instrumentierten vier Sätze des Werks gestaltete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim feinstimmig und in hell leuchtendem Streicherglanz. Sie entführten die Konzertbesucher zugleich in lang zurückliegende Epochen der Musikgeschichte, die Respighi auf diese Weise mit den Klangformen des frühen 20. Jahrhunderts verband und zu neuem Leben erweckte. Einen Satz aus der Suite führte das Orchester noch als Zugabe auf.

Rudolf Wesner

Musikalische Sternstunde im Uhlandbau

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Festkonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ – Orchester und Solistin überzeugen. Mühlacker. Das Frühlingskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Uhlandbau war ein festliches Jubiläumskonzert. Die Musiker unter Dirigent Peter Wallinger feierten das 30-jährige Bestehen ihres Orchesters und zugleich „Zehn Jahre Konzerte im Uhlandbau“. Der Uhlandbau ist sozusagen das Mühlacker Winterdomizil des Orchesters, während es in den Sommermonaten in der Lienzinger Frauenkirche musiziert.

Peter Wallinger dirigiert die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim. Foto: Filitz

Ein Besucher war unter den Gästen, der das allererste Konzert vor 30 Jahren miterlebt hat. „Damals in der Frauenkirche ging es ganz unkompliziert zu“, berichtete Albrecht Brunner aus Aurich, heute 91 Jahre alt, „die Leute kamen mit ihren Kinderwagen ins Konzert, wenn die Kleinen laut wurden und sich nicht beruhigen ließen, wurde der Wagen eben wieder rausgeschoben. Anliegen von Peter Wallinger – an den Pulten saßen Schüler und Studenten – war es seinerzeit, klassische Musik in die Familien zu bringen.“

Kinderwagen waren 2014 nicht zu entdecken, und auch sonst hat sich einiges im Orchester getan. Heute vertreten die Musiker den Anspruch, nicht nur mit alter, sondern auch mit „neuer“ Musik möglichst viele Menschen zu erreichen. Der hohe Standard dieses Klangkörpers erfüllt inzwischen jeden professionellen Anspruch. International gefeierte Solisten schätzen die Begleitung der Kammersinfonie und spielen in ihren Konzerten auf.

Das Festkonzert im Uhlandbau kann mit Fug und Recht als eine Sternstunde in der langen musikalischen Geschichte des Hauses bezeichnet werden. Schon der fulminante Beginn mit Beethovens „Egmont-Ouvertüre“ mit triumphalen Klangbildern begeisterte die Zuhörer. Warum aber gerade die Musik zu einem Trauerspiel den Festabend eröffnete, wo es doch Grund zum Jubel gab, bleibt ein Geheimnis der Programmgestalter.

Die Geigerin Ursula Schoch brillierte mit dem Violinkonzert e-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ihre Violine erklang mit wunderbar weichem Ton, auch in den hohen Lagen. Auch die zartesten Flageolettöne waren, einfühlsam von den Streichern begleitet, deutlich zu vernehmen. Die Violine bestimmt schon früh im ersten Satz das Thema, das ohne Unterbrechung in den zweiten Satz, das Andante, hinüber leitet, der eingangs die Holzbläser wie aus einer anderen Welt erklingen lässt. Nach rasanten Läufen und wirbelnden Tonfolgen wollte die Künstlerin mit dem dritten Satz, einem Allegro molto vivace, ihren Auftritt beenden, aber der tobende Beifall des Publikums ließ sie nicht gehen. Mit einer Gavotte aus der E-Dur-Partita von Bach, in einer Weise intoniert, dass es ganz still in den Reihen wurde, verabschiedete sie sich.

Schuberts „Unvollendete“, ein Werk, das Musikwissenschaftler noch immer beschäftigt, wurde in einer reifen, sehr berührenden Art aufgeführt. Die beginnenden Bässe stimmen den Zuhörer erwartungsvoll ein, wie ein Spielball werden Themen zwischen Streichern und Bläsern hin und hergeworfen, Kontraste zwischen strahlend hellem Klang und düsterem Dunkel hörbar gemacht.

Auch das Orchester musste sich dem dankbaren Beifall beugen und beschenkte eine glückliche Besucherschar mit einer kleinen Ballettmusik aus „Rosamunde“, ebenfalls von Franz Schubert.

Eva Filitz