Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

03.05.18, Vaihinger Kreiszeitung

Klavierkonzert mit finalem Klangfeuerwerk

Umjubelter Abschluss der Reihe Concerto Mühlacker

Mühlacker (eu). Eine „Suite française“ mit betörenden Stücken von Claude Debussy und Maurice Ravel sorgte jüngst für einen begeisternden Saisonabschluss der MühlackerConcerto-Reihe im Uhlandbau. Das zum Konzertauftakt präsentierte „Prélude à l’après-midi d’un faune“ demonstrierte nicht nur erneut die Souveränität Peter Wallingers als Dirigent und die Versiertheit seiner Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, sondern präsentierte vor allem einen Debussy vom Feinsten.

Ätherisch schwebend bezauberte das einleitende Flötensolo, das die sinnliche Schwüle des gleichnamigen Mallarmé-Gedichtes spüren ließ. Dann faszinierte das Wogen und Wallen der naturidyllischen, hitzig aufgeladenen Nachmittagsstimmungen des lüsternen Halbgotts, ausgedrückt auch in Harfengezirpe und Geisterglöckchen. Rauschhafte Crescendi mündeten in leuchtende Klangflächen. Der Höhepunkt des Konzertabends war die Wiedergabe von Ravels G-Dur-Konzert für Klavier und Orchester – eine Herausforderung für den Pianisten und die Kammersinfonie, die der Münchener Musikhochschulprofessor Markus Bellheim als Solist am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meisterten. Mit kühlem Kopf, ja mit erstaunlicher Frische und scheinbarer Leichtigkeit bewältigte Bellheim den motorischen Schwung mancher Passagen, die Klang-Raffinements, die jähen Umschwünge der Dynamik, die Farbkontraste.

Mit einem Peitschenknall begann das Ravel-Konzert, dann folgten nach Klaviertremoli energisch lärmende Skalen, auch ein zackig-jazziger Piccoloflöten-Marsch. Im zweiten Satz zelebrierte ein gedehntes Klaviersolo stimmungsvolle Melancholie. Im letzten Satz entfaltete sich nach vorwärtstreibenden, scharf konturierten Rhythmen ein musikantisch tobendes, finales Klangfeuerwerk.

Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Orchester Ravels „Pavane pour une infante défunte“ als gemächlichen Schreittanz mit kapriziösen Bläsereinwürfen, sowie Ravels ursprünglich für Klavier komponierte „Valses nobles et sentimentales“ mit heftig durchgezeichneten Strukturen, lebhaften Klanggesten und fesselnder Expression. Das Publikum im Mühlacker Uhlandbau reagierte mit jubelndem Applaus.

Eckehard Uhlig

02.05.18, Ludwigsburger Kreiszeitung

Gelungene Klanggemälde

Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Pianist Markus Bellheim

Pianist Markus Bellheim mit der Sueddeutschen Kammersinfonie beim Frühjahrskonzert in Bietigheim. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Wie aus einem Guss präsentierte sich das Programm des traditionellen Frühjahrskonzerts der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) im Kronenzentrum. Mit vier Werken von Claude Debussy und Maurice Ravel konzentrierte sich der mit „Suite française“ überschriebene Abend ganz auf das Wirken der beiden Hauptvertreter des Impressionismus.

Die „Prélude à l’ aprés-midi d’un faune“ markierte bei ihrer Uraufführung 1894 in Paris nicht nur den künstlerischen Durchbruch von Claude Debussy als Komponist, sondern auch den Beginn eines neuen Zeitalters: Während Camille Saint-Saëns in der symphonischen Dichtung, die auf ein Gedicht von Stéphane Mallarmé Bezug nimmt, „nicht die geringste ausgesprochen musikalische Idee“ zu erkennen vermochte und meinte, die „Prélude“ sei so viel Musikstück wie die Palette eines Malers Gemälde, kam Pierre Boulez ein gutes halbes Jahrhundert später zu einer ganz anderen Einschätzung: Mit dem einleitenden Faunmotiv der Traversflöte, aus dem sich hier alles weitere entwickelt, beginne auch die Geschichte der modernen Musik.

Keine Geringe Aufgabe also, zumal dieser zarte Pianissimo-Auftakt überaus heikel ist, sowohl für Flötistin Verena Guthy-Homolka als auch für ihre Mitstreiter von der SKB. Denn nichts ist für die Musik des Impressionismus wichtiger als ihr fließender Charakter. In der flimmernden Luft verschwimmen Licht und Schatten, Traum und Wirklichkeit, Lust und Ermattung, Narration und Atmosphäre. Mit präzisen, abgezirkelten Bewegungen, Atemzügen gleich, animierte Peter Wallinger sein 1984 gegründetes Ensemble zu einer gelungenen Wiedergabe dieses Schlüsselwerks der Moderne.

Bescheinigte die zeitgenössische Musikkritik um die vorletzte Jahrhundertwende Ravels Werk noch eine direkte Abhängigkeit von Debussy, wird die Musik des 13 Jahre jüngeren doch deutlich mehr durch die Entwicklung konkreter Themen und Rhythmen geprägt. Im zwischen 1929 und 1931 entstandenen „Konzert für Klavier und Orchester“ in G-Dur hallen Eindrücke von Ravels Amerikatournee nach. Mit Markus Bellheim hat Wallinger bereits vor zwei Jahren Bartóks Klavierkonzert Nr. 3 gegeben. Sublim gestaltete der 44-Jährigen die Jazz-Themen, Ragtime-Motive und Blues-Skalen, ohne Überschwang, weder mutwillig noch mechanisch, vielmehr mit einer überlegenen Ausgeglichenheit, die ihresgleichen sucht. Das brachte insbesondere die pastorale Ruhe des Adagio assai bestens zur Geltung. Die Ecksätze wiederum profitierten von der Wendigkeit der um Posaune und Trompete verstärkten SKB. Mit einem Ragtime aus dem Umfeld von Scott Joplin verabschiedete sich Bellheim vom vom begeisterten Publikum im Kronensaal.

Formidabel gerieten auch Ravels einsätzige „Pavane pour une infante défunte“, eine weitere Ikone des Impressionismus, sowie dessen „Valses nobles et sentimentales“: Faszinierend, wie viel Farbigkeit und Transparenz in der Tiefenstafflung die 38-köpfige Kammersinfonie aufzubieten hat, welch feine dynamische und klangliche Nuancen und Differenzierungen der SKB zu Gebote stehen. Das blieb auch dem Bietigheimer Publikum nicht verborgen. Obgleich lediglich rund 200 Besucher an diesem fast schon sommerlichen Frühlingsabend den Weg ins Kronenzentrum gefunden hatten, wurde das Orchester enthusiastischer gefeiert denn je: Applaus mit den Füßen ist hier eher selten und besonderen Momenten des Musikerlebens vorbehalten. Ein erzitterndes Parkett unterstrich, dass es sich bei dem anderentags in Mühlacker wiederholten (und aufgezeichneten) Konzert um einen solchen gehandelt hat.

Harry Schmidt

02.05.18, Mühlacker Tagblatt

„Suite française“ zum Abschluss

Saisonfinale der Klassikreihe „MühlackerConcerto“: Musiker meistern höchst anspruchsvolle Aufgaben.

Mit Leidenschaft und Esprit begeistern die „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ und Klaviersolist Markus Bellheim. Foto: Fotomoment

Ein Programm „voller Farben, voller Leidenschaft und Esprit“ war zum Saisonende der Klassikreihe „MühlackerConcerto“ angekündigt. Tatsächlich erlebten die Besucher am vergangenen Samstagabend im Uhlandbau Mühlacker einen faszinierenden Konzertabend, betitelt mit „Suite française“.

Mühlacker (pm). Den Titel hat der Veranstalter der Konzertreihe gewählt in Anlehnung an den lesenswerten, gleichnamigen Roman von Irène Némirovsky; gespielt wurden Werke von Claude Debussy und Maurice Ravel, die als die Hauptvertreter des französischen Impressionismus gelten.

38 Musikerinnen und Musiker der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ und Markus Bellheim, der sich als hervorragender Klaviersolist zeigte, haben sich unter der Leitung von Peter Wallinger dieser höchst anspruchsvollen Aufgabe angenommen – und sie bravourös gemeistert. Eine Einführung in die hierzulande nicht eben geläufigen Werke gab in gewohnt kurzweiliger und zugleich kompetenter Weise die Musikwissenschaftlerin und Flötistin Dr. Christina Dollinger.

Ein betörendes Flötensolo, klangschön zelebriert von Verena Guthy-Homolka, eröffnete den Abend und führte hinein in die Sinneswelt eines Panflöte-spielenden Fauns an einem schwülen Sommertag. 1894 schreib Debussy sein „Prélude à l’après-midi d’un faune“, angeregt von der Atmosphäre des gleichnamigen Mallarmé-Gedichts, und läutete mit nie zuvor gehörten, farbig-schillernden, von der Harfe unterstützten Klangschattierungen den musikalischen Impressionismus ein.

Völlig andere Töne werden in Ravels Klavierkonzert G-Dur angeschlagen. Ein Peitschenknall zu Beginn des ersten Satzes löst ein buntes an eine Zirkusarena erinnerndes Treiben aus mit Klangkaskaden und allerhand folkloristischen Anspielungen, auch solchen des Jazz. Meisterhaft bewältigte Markus Bellheim, der als Professor an der Münchner Musikhochschule lehrt, den hochvirtuosen Solopart. Im Wechsel mit dem Klavier mischten die Musiker der Kammersinfonie, insbesondere die Bläser, mit halsbrecherischen Soloeinlagen in den rasanten Ecksätzen kräftig mit. In stärkstem Kontrast dagegen der schwerelos schwebende zweite Satz, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Ein ausdrucksvoll vorgetragenes Englischhorn-Solo gesellt sich zur fast schon gläsern wirkenden Melancholie des ausgedehnten Klavierparts hinzu. Ein Feuerwerk wird schließlich von Solist und Orchester im furiosen letzten Satz entfacht. Ein Ragtime folgte als Zugabe und demonstrierte noch einmal die pianistischen Qualitäten von Markus Bellheim.

Wieder andere Färbungen zeigten zwei Werke Ravels nach der Pause: In eine imaginäre, längst versunkene Märchenwelt führte die „Pavane pour une infante défunte“. Wunderschön vorgetragen wurde das Solo-Horn von Reimer Kühn über den würdevollen Schritten der Pizzicato-Begleitung.

Eine letzte französische Delikatesse servierte das Orchester mit Feinsinn und Verve mit Ravels „Valses nobles et sentimentales“, dessen Titel auf Schuberts 1825 und 1827 veröffentlichte Walzerfolgen anspielt. Der Tonfall der acht Walzer reicht von „sehr zart und ein wenig schmeichelnd“ bis hin zu kühn auftrumpfenden Klangeruptionen in Ravels meisterhaft raffinierter Instrumentierung und oftmals mit maskenhaft parodistischen Zügen.

Begeisterter Beifall und als Zugabe noch mal den ersten Ravel’schen Walser beschlossen den beeindruckenden Konzertabend.

30.04.18, Pforzheimer Zeitung

Finales Klangfeuerwerk bei Mühlacker Concerto-Reihe

Mühlacker. Eine „Suite française“ mit betörenden Musiken von Claude Debussy und Maurice Ravel hat für einen begeisternden Saisonabschluss der Mühlacker Concerto-Reihe im Uhlandbau gesorgt.

Klaviersolist Markus Bellheim und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim spielen im Uhlandbau Mühlacker. Foto: Fotomoment

Das zum Konzertauftakt musizierte Prélude à „l’après-midi d’un faune“ demonstrierte nicht nur ein weiteres Mal die Souveränität Peter Wallingers am Dirigentenpult und die Versiertheit seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim (das Orchester schreibt sich selbst so), sondern präsentierte vor allem einen Debussy vom Feinsten.

Ätherisch schwebend bezauberte das einleitende (Pan-)Flötensolo, das die sinnliche Schwüle des musikalisch umgesetzten gleichnamigen Mallarmé-Gedichtes spüren ließ. Dann faszinierte das Wogen und Wallen der naturidyllischen, hitzig aufgeladenen Nachmittagsstimmungen des lüstern-faunischen Halbgotts, ausgedrückt auch in Harfengezirpe und Geisterglöckchen. Rauschhafte Crescendi mündeten in leuchtende Klangflächen ein.

Der Höhepunkt des Konzertabends war freilich die Wiedergabe von Ravels G-Dur-Konzert für Klavier und Orchester – eine Herausforderung für den Pianisten und die Kammersinfonie, die der Münchener Musikhochschulprofessor Markus Bellheim als Solist am Flügel und das Wallinger-Ensemble bravourös meisterten. Mit kühlem Kopf, ja mit erstaunlicher Frische und scheinbarer Leichtigkeit bewältigte Bellheim den motorischen Schwung mancher Passagen, die Klang-Raffinements, die jähen Umschwünge der Dynamik, die Farbkontraste.

Mit Zirkuspferdchen-Peitschenknall legte das Ravel-Konzert los, dann folgten nach Klaviertremoli energisch lärmende Skalen, auch ein zackig-jazziger Piccoloflöten-Marsch. Im zweiten Satz zelebrierte ein gedehntes Klaviersolo stimmungsvolle Melancholie. Im letzten Satz entfaltete sich nach vorwärtstreibenden, scharf konturierten Rhythmen ein musikantisch tobendes, finales Klangfeuerwerk. Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Orchester Ravels „Pavane pour une infante défunte“ als gemächlichen Schreittanz mit kapriziösen Bläsereinwürfen sowie Ravels ursprünglich für Klavier komponierte „Valses nobles et sentimentales“ mit heftig durchgezeichneten Strukturen, lebhaften Klanggesten und fesselnder Expression. Das Publikum im Mühlacker Uhlandbau reagierte mit jubelndem Applaus.

Eckehard Uhlig

09.03.18, Mühlacker Tagblatt

Der junge Mann und das Notenmeer

Im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ tauchen 450 Schüler in die Welt der klassischen Musik ein

Jörg Schade und Judith Guntermann alias Kurt Kruse und Frieda Freitag erleben auf dem Meer der Musik spannende Abenteuer, die sie auch mit Hilfe der jungen Zuhörer bestehen. Foto: Fotomoment

Werke von Wagner, Tschaikowski und Schubert richten sich an ein reifes Publikum – könnte man meinen. Die Begeisterung der rund 450 sehr jungen Zuhörer, die am Donnerstag Kinderkonzerte in der Reihe „MühlackerConcerto“ besucht haben, beweist, dass klassische Klänge kein Alterslimit kennen.

Mühlacker. Die Sternenfelser Delegation kann gar nicht genug bekommen. Längst ist das Schiff von „Käpt’n Kruso“ vor Anker gegangen, und die übrigen Leichtmatrosen in Gestalt von rund 200 weiteren Schülern der Klassenstufen eins bis fünf haben den Uhlandbau verlassen, da umringen die Schützlinge von Klassenlehrerin Iris Teichmann immer noch die beiden Darsteller Jörg Schade und Judith Guntermann. „Ich hätte das auch gewusst mit Mozart“, sagt einer der Zweitklässler. Ehrfurchtsvoll berührt ein anderer das Kostüm des im Laufe 50 unterhaltsamer Minuten vom Reinigungsfachmann Kurt Kruse zum melodiensturmerprobten Kapitän mutierten Schauspielers und Sängers. Noten über Noten zieren das papierene Gewand. Und Noten über Noten, die sich ins Ohr eingeschlichen haben, werden die Kinder auch mit nach Hause tragen.

Seit einigen Jahren beherzigt Peter Wallinger, Gründer und Leiter der Reihe „MühlackerConcerto“, was Freunde klassischer Musik mit Blick auf den Altersdurchschnitt des Publikums immer wieder anmahnen: Es gilt, aktiv die junge Generation mit dem Mozart-und-Co.-Virus zu infizieren. „Die Kinderkonzerte werden sehr gut angenommen“, freut sich Wallinger über die große Nachfrage, die sich an diesem Donnerstagvormittag in zwei ausverkauften Vorstellungen von „Käpt’n Kruso – Furioso!“ widerspiegelt.

Insgesamt etwa 450 Schüler aus Lomersheim, Dürrmenz, Ötisheim, Sternenfels, Diefenbach und Bretten werden in den Genuss einer ganz besonderen Darbietung kommen, die auf spielerische, aber nicht oberflächliche Weise die Brücke zu klassischen Werken und den Instrumenten, die diese hervorbringen, schlägt. Von Distanz ist keine Spur, als Trompeterin Lucy Kraszlan, Posaunistin Tabea Hesselschwerdt, Klarinettist Michael Reich und Fagottist Frank Lehmann in Alltagskleidung ihre Plätze auf der Bühne einnehmen.

Die Musiker, die der von Peter Wallinger dirigierten sueddeutschen kammersinfonie bietigheim angehören, werden nicht nur ihre Instrumente zum Klingen bringen und damit die Handlung vorantreiben, sondern als Co-Schauspieler auch den beiden Akteuren der Pyrmonter Theater Companie zur Seite stehen.

Eigentlich haben sie sich zu einer Probe getroffen – Schubert, aber dieses Mal bitte ohne Fehler –, doch da gesellt sich Jörg Schade in der Rolle des musikbegeisterten Herrn Kruse vom Reinigungsdienst Ratzeputz zu ihnen und schwingt seinen Besen. Das geht geräuschlos vonstatten, wohingegen der Staubsauger der im Dienstplan verrutschten Kollegin Frieda Freitag (Judith Guntermann) den Wohlklang erheblich stört. Als die Kunstbanausin auch noch Notenblätter einsaugt, deren Verschwinden im Inneren des Geräts von den Blechbläsern durch den Einsatz ihrer Dämpfer versinnbildlicht wird, muss Herr Kruse einschreiten.

Ein paar delikat gespielte Takte aus Tschaikowskis „Nussknacker“ zur Beruhigung, und der Putzmann ermuntert seine Kollegin zu einer imaginären Reise in die Welt der Musik. Reisen – dieser Sehnsucht hängt Frieda schließlich nach und hofft, ihrem Traum Südfrankreich mit der Lösung eines Kreuzworträtsels näherzukommen. Da dieses ausgerechnet die von ihr ungeliebte Musik als Sujet hat, lässt sie sich auf das Abenteuer ein und steigt an der Seite „Käpt’n Krusos“ in ein Segelschiff aus Notenpapier. Unfallfrei vorbei an den „Untiefen der volkstümlichen Musik“ und den „Klippen des Schlagers“ gleitet das Boot „Furioso“ dahin auf dem Meer aus Noten, immer wieder beflügelt vom gepusteten Wind der Kinder und den Melodien der vier Musiker. Ob es darum geht, Wagners Geisterschiff aus dem „Fliegenden Holländer“ heraufzubeschwören oder den Kindern einfache musikalische Begriffe wie Tonleiter und Akkord vor Ohren zu führen: Die Instrumentalisten werden allen an sie gestellten Anforderungen mit sichtlichem Spaß an der Sache gerecht.

Und Spaß haben auch die Kinder, die immer wieder dazu aufgerufen sind, den kreuzworträtselnden Seefahrern auf die Sprünge zu helfen. Sie singen mit, sie klatschen mit, und aus einem Haufen unruhiger Schüler, die sich während der kurzen Wartezeit vor Beginn noch gegenseitig Hasenohren gezeigt und kleine Kraftproben ausgetragen haben, ist ein Konzertpublikum geworden, das selbst komplexere Begriffe als Antwort auf entsprechende Fragen zu geben vermag.

Ihre Begeisterung überträgt sich letztlich auch auf Frieda Freitag, die über Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ beinahe das eigentliche Ziel ihrer Reise vergisst. Mozart, das Lösungswort, muss sie telefonisch durchgeben, um ihre Chance auf den ersehnten Gewinn zu wahren, und die Musiker helfen rasch mit einem Smartphone aus. Ja, ihr gehöre der Hauptpreis, erfährt Frieda unter dem Jubel der Kinder. Doch – oh nein – nicht nach Südfrankreich geht es, sondern sie kommt in den Genuss eines Hauses. „Wer soll das bloß putzen?“, stöhnt sie, eine adäquate Nutzung ist allerdings rasch gefunden. Die Musiker werden dort ihr neues Probenquartier beziehen, und im Gegenzug laden sie Frieda mitsamt dem Kollegen ein auf ihre nächste Konzertreise. „Hast du Töne“, besingen sie im gemeinsamen Finale den Schlüssel zu ihrer nun geteilten Leidenschaft.

Die Kinder sind längst mit im Boot – und reif für klassische Musik – egal, was das Geburtsdatum sagt.

Carolin Becker

09.03.18, Pforzheimer Zeitung

Eine musikalische Rätselreise

Herr Kruse (ganz rechts) von der Pyrmonter Theater Company nimmt das Publikum auf eine fantastische Reise mit. Foto: Gonzalez

Herr Kruse putzt gerne die Konzerthalle, da kann er nämlich seinem geliebten Quartett während seiner Arbeit zuhören. Dass seine Kollegin Frau Freitag nichts mit Musik anfangen kann, ist für ihn unverständlich.

Als jedoch Frau Freitag bei einem Musik-Rätsel Hilfe braucht, um eine Reise zu gewinnen, nutzt Herr Kruse die Gunst der Stunde, um sie vielleicht doch noch von der Musik überzeugen zu können. Kurzerhand bastelt er ein großes Schiff aus Notenblättern und segelt gemeinsam mit ihr und dem begeisterten Publikum auf eine musikalische Rätselreise.

Etwa 450 Schüler und 50 Lehrer aus verschiedenen Schulen der Region haben die Vorstellungen im Mühlacker Uhlandbau der Pyrmonter Theater Company in Zusammenarbeit mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ bestaunt.

Seit vielen Jahren kooperieren beide Institutionen erfolgreich unter dem Motto „Klassik für Kinder“, um ein junges Publikum für die Musik und das Theater zu begeistern.

Maximo Gonzalez

16.01.18, Ludwigsburger Kreiszeitung

Eine prachtvolle Symbiose

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert dreimal ihr Neujahrskonzert

Bietigheim-Bissingen. Dass das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) stets einen Besuch lohnt, wissen die Bürger in Murr genauso wie die Einwohner von Mühlacker, zwei der drei traditionellen Spielstätten der Jahreswechselauftritte des 1984 von Peter Wallinger gegründeten Orchesters. Der Bürgersaal des Murrer Rathauses sei wie der Uhlandbau in Mühlacker so gut wie ausverkauft gewesen, freute sich der Dirigent im Gespräch mit unserer Zeitung über den dortigen Zuspruch. Dagegen blieben in der Bietigheimer Kelter am Sonntagabend beim dritten und letzten Konzert der Veranstaltungsfolge noch ein paar Plätze frei.

Nachdenkliche bis humoristische Gedichte zwischen den Werken

Das mag ein wenig der im Winter doch etwas zugigen Örtlichkeit geschuldet gewesen sein: Manch ein Besucher zog es vor, Mantel oder Jacke anzubehalten. Obwohl es also auch für die Instrumente wie für die Finger ihrer Spieler eine Spur zu kalt war, geriet der in 16-köpfiger Besetzung angetretenen SKB der Auftakt ihres mit „Zauber der Natur“ überschriebenen Programms fabelhaft.

Mit kammermusikalischer Finesse ausgehört die folkloristischen Motive von „Im Volkston“ der Nr. 1 aus Edvard Griegs „Nordische Weisen“ (op. 63), berückende Schwebeklänge der Streicher, gekrönt von einem erblühenden Tutti im Finale, lustvoll ausgekostet der rustikale Überschwang im „Bauerntanz“.

Als Kleinod erwiesen sich Giacomo Puccinis „Chrysanthemen“: Das dreiteilige Andante mesto, musikalisch dem Opernliebhaber aus dem vierten Akt von „Manon Lescaut“ vertraut, ist eine Blaupause für hochemotionale melancholische Rückblenden, die Heerscharen von Hollywood-Filmmusikkomponisten inspiriert hat.

In „Der Winter“, dem vierten Konzert aus Antonio Vivaldis Zyklus „Vier Jahreszeiten“, beeindruckte Sachiko Kobayashi, Konzertmeisterin der SKB und Primgeigerin des international renommierten Lotus String Quartet, mit souveräner, unaufgeregt in sich gekehrter Gestaltung der bekannten Partitur.

Den strahlenden Mittelpunkt der zweiten Konzerthälfte bildeten die Darbietungen von Anne-Sophie Bertrand, der Solo-Harfenistin im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, einmal mit, einmal ohne Orchesterbegleitung. Wie ein Kompendium der Spieltechniken der chromatischen Harfe wirken die beiden Tänze der „Danses pour Harpe et Orchestre“, die Claude Debussy 1904 geschrieben hat. Wundervoll sanft wogend die perlenden Arpeggien, gezupften und gestrichenen Figurationen der „Danse sacrée“; statt eines Ringens zwischen Solostimme und Orchester, feiern beide in der „Dance profane“ ihre Symbiose. So wie die goldene Harfe von Bertrand das Zentrum der Bühne einnahm, wirkte ihre Partie wie ein teurer Kristall in der Mitte eines prächtig funkelnden Colliers. Solistisch interpretiert dann „La source“ von Alphonse Hasselmans sowie „Introduction, Cadenza & Rondo“ von Elias Parish-Alvars, zwei Werke zeitgenössischer französischer Komponisten, die den romantischen und impressionistischen Tönen huldigen, für die dieses Instrument so enorm prädestiniert scheint.

Zum Ausklang frühlingshafte Farben mit dem „Lied der Lerche“ aus „Die Jahreszeiten“ von Peter Tschaikowsky, ein Hauch von Wiener Neujahrsatmosphäre dann beim finalen „Walzer“.

Von nachdenklich über vergnüglich bis humoristisch reichte die Ausdruckspalette der Gedichte von Rainer Maria Rilke, Henrik Ibsen und anderen, die Frank Albrecht, Schauspieler am Theater Freiburg, zwischen den musikalischen Preziosen so pointiert wie klangvoll rezitierte.

Harry Schmidt

15.01.18, Marbacher Zeitung

Seelenvolle Musik ergreift Zuhörer

Der „Zauber der Natur“, so der Titel des Konzerts, überträgt sich auf die Gäste. Foto: avanti

Murr - Mit innovativen und anregenden Konzert-Programmen hat sich Peter Wallinger, der Dirigent und Gründer der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, in den vergangenen 30 Jahren einen guten Namen geschaffen und bei den Neujahrskonzerten in Murr immer wieder gefestigt.

Mit „Zauber der Natur“ war das 24.  Murrer Neujahrskonzert betitelt, das die Besucher wieder mit jubelndem Beifall quittiert haben. Der Idee, neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen, ist das Bietigheimer Ensemble in den 33 Jahren seines Bestehens treu geblieben und hat mit dem Neujahrskonzert 2018 einmal mehr aufgezeigt, wie Musik und Sprache dazu beitragen können, die Welt etwas aufzuhellen.

Das Publikum zeigte sich begeistert und ließ sich gefangen nehmen vom Klangzauber der Musik und von der stillen Wucht poesievoller Kunst der Worte namhafter Dichter wie Henrik Ibsen oder Rainer Maria Rilke. Ob „nordische Weisen“ von Edvard Grieg oder „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini, ob Claude Debussy oder Peter Tschaikowskys „Jahreszeiten“ – es war absolut seelenvolle Musik, von der sich die Zuhörer ergreifen ließen.

Für zwei absolute musikalische Höhepunkte sorgten die Solistinnen Anne-Sophie Bertrand (Harfe) und die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine). Schon einmal hat die französisch-amerikanische Harfenistin vor gut fünf Jahren bei einem Konzert in Murr gastiert. Ihre reiche Erfahrung aus großen Konzertsälen der Welt ist unüberhörbar. Dass ihr der Titel „Associate“ von der Royal Academy of Music verliehen wurde – wer möchte das bei ihrem Umgang mit dem königlichen Instrument bestreiten. Dass sie Debussy zu interpretieren weiß – ihr Solo „Jardins sous la pluie“ lässt keine Zweifel offen.

So wurde „der Winter“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ noch selten interpretiert – so delikat und glasklar, einfach fantastisch. Die Kälte war zu spüren, das träumerische Largo „am Kamin“ zu fühlen, die „Schritte auf dem Eis“ und die streitenden Winde im Allegro-Satz deutlich auszumachen. Besser kann man die Meisterklasse der Interpretation kaum zum Ausdruck bringen. Dirigent, Orchester und Solistin waren einfach grandios – der Beifall verdient.

Was die einzelnen Instrumentalsolisten unter der Leitung von Peter Wallinger an Musizierkunst geleistet haben, verdient höchste Anerkennung. Und so ganz nebenbei vermochte der Wortakrobat Frank Albrecht mit seinen Rezitationen die musikalisch großartigen Darbietungen mit seinen Vers-Jonglagen noch zu verzieren. Wie er „gefrorne Tränen“ oder von der Vrings „Nachtkonzert“ und „Finkengezwitscher beim Aufbrechen der Knospen“ vermittelte – Hut ab!

Der Kulturprisma-Chef Matthias Bader kann mit dem Auftakt seiner Veranstaltungsreihe zufrieden sein. Die Konzertbesucher jedenfalls waren es, wie der Beifall erkennen ließ.

Helmut Schwarz

16.01.18, Bietigheimer Zeitung

Naturgewaltige Musik in der Kelter

Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Leitung von Peter Wallinger spielte in der Kelter. Foto: Martin Kalb

Zauber der Natur“ lautete der Programmtitel des diesjährigen Neujahrskonzerts der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“. Unter der Leitung von Peter Wallinger hörten die Besucher in der Alten Kelter „naturgewaltige“ Musik aus dem Barock bis hin zum Impressionismus. Für die gesprochene Sprache zeichnete der Schauspieler und Sprecher Frank Albrecht verantwortlich, der zwischen den Orchesterwerken mit akzentuierter Stimme Gedichte las.

Den musikalischen Natur-Reigen eröffnete das Kammerorchester mit zwei Stücken aus Edvard Griegs „Nordischen Weisen“. Getragen, melancholisch, fast düster das erste, leichtfüßig daherkommend das zweite präsentierten sich die Musikerinnen und Musiker des von Peter Wallinger gegründeten Projektorchesters gewohnt professionell und äußerst spielfreudig. Die abwechslungsreiche, mal karge, mal üppige landschaftliche Schönheit des Landes hoch im Norden transportierten die Instrumentalisten genauso überzeugend in die Bietigheimer Kelter wie die tiefe Trauer in Giacomos Puccinis „Chrysanthemen“, ein Stück, das der italienische Tonsetzer anlässlich des Todes eines nahen Freundes komponiert hatte. Frank Albrecht gelang es dann in seiner Rezitation von Georg von der Vrings „Notenblatt des November“ mühelos, diese feierliche Stimmung zu wahren.

Höchste Ansprüche

Mit Antonio Vivaldi reiste die sueddeutsche kammersinfonie ins südlicher gelegene Italien: Doch sein Violinkonzert „Der Winter“ aus „Vier Jahreszeiten“, bei dem die langjährige Konzertmeisterin des Orchesters, Sachiko Kobayashi, an der Solovioline brillierte, ist alles andere als ein Lobgesang auf Sommer, Sonne und Meer, sondern eine Hommage an die Kraft der Naturgewalten: Mit ihrem virtuosen Spiel zeichnete Sachiko Kobayashi für die Zuhörer in der Alten Kelter gemeinsam mit dem gesamten Klangkörper die Unbarmherzigkeit des Frostes, die Heftigkeit des Windes und die Sanftheit leise herabfallender Schneeflocken nach.

Als zweite Solistin hatte Peter Wallinger mit Anne-Sophie Bertrand eine preisgekrönte Harfenistin verpflichten können, die neben ihrer Tätigkeit beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt als Gastmusikerin viele Ensembles bereichert. Für das Neujahrskonzert in Bietigheim setzte Peter Wallinger auf Claude Debussys „Danses pour Harpe et Orchestre“ und „Jardins sous la pluie“, zwei Kompositionen, die höchste Ansprüche an die Instrumentalisten stellen. Ganz ins Spiel versunken, kaum einen Blick auf das Notenblatt werfend und mit unendlicher Hingabe an ihr Instrument und an die Musik begeisterte Bertrand die Konzertbesucher in einem solchen Maß, dass sie gleich zwei Zugaben vorwegnahm.

Miriam Staudacher

15.01.18, Pforzheimer Zeitung

„MühlackerConcerto“: Kammersinfonie Bietigheim beim Neujahrskonzert

Im Rahmen der „Winter-Konzertreihe“ im Uhlandbau Mühlacker, bestens etabliert unter dem Namen „MühlackerConcerto“, gab sich einmal mehr die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim als „Orchester in Residence“ mit einem ebenso reizvollen Programm wie auch Soloinstrument, der Harfe, ein Stelldichein.

Der Zauber der Natur

Zu dem Neujahrskonzert konnte die renommierte Solistin Anne-Sophie Bertrand gewonnen werden. Sie ist Soloharfenistin beim hessischen Radiosymphonieorchester. Die musikalische Leitung hatte Peter Wallinger inne, als Sprecher der morgendlichen Aufführung fungierte Frank Albrecht.

„Zauber der Natur“ – unter diesem Thema kamen gestern Werke von Vivaldi aus den „Vier Jahreszeiten“, Grieg („Nordische Weisen“) sowie solche Perlen wie Puccinis „Chrysanthemen“, Debussys „Jardins sous la pluie“, Tschaikowskys „Lied der Lerche“ sowie Gedichtvertonungen unter anderem von Rainer Maria Rilke und Henrik Ibsen zur Aufführung.

Legendärer Konzertraum

Der geschichtsträchtige Konzertraum im Herzen Mühlackers, der schon in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts musikalische Größen wie Rudolf Serkin, Fritz Busch und Carl Orff anzog, ist aufgrund seiner beeindruckenden Akustik auch heute noch prädestiniert für Aufführungen in unterschiedlichster Besetzung bis hin zu großer Symphonik.

pz

16.01.18, Mühlacker Tagblatt

Literaturvorträge hinken Musik hinterher

Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Uhlandbau – Dirigent zeigt seine Meisterschaft

Anne-Sophie Bertrand glänzt als Soloharfenistin beim Neujahrskonzert im Rahmen der Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

Im Rahmen der Reihe „Mühlacker Concerto“ hat die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ zu einem Neujahrskonzert in den Uhlandbau eingeladen. Unter dem Titel „Zauber der Natur“ präsentierte das Ensemble unter der Leitung von Peter Wallinger Interessantes und wenig Bekanntes. Der Schwerpunkt lag auf Werken aus dem 19. Jahrhundert.

Mühlacker. Dabei war nicht nur Musikalisches zu hören, sondern auch Literarisches. Diesen Part übernahm der Schauspieler und Regisseur, in Baden-Baden als Logotherapeut arbeitende 58-jährige Frank Albrecht. Mit dem von ihm vorgetragenen Spruch „Einem Komponisten ins Stammbuch“ des Norwegers Henrik Ibsen begann das Programm. Zwischen den Musikstücken machte Albrecht immer wieder, die Worte mit zuweilen theatralischen Bewegungen unterstreichend und komödiantisch deutend, mit unterschiedlichen Texten bekannt. Dabei kam Schriftsteller und Maler Georg von der Vring mit „Notenblatt des November“, „Nachtkonzert“ und mit „Finkengezwitscher beim Ausbrechen der Knospen“ zu Wort. Von Rainer Maria Rilke hörte man „Natur ist glücklich“, von dem nicht zuletzt durch seine gesellschaftskritischen deutschen Volkslieder bekannt gewordenen Wilhelm Müller „Gefrorne Tränen“ und von Conrad Ferdinand Meyer, dem Schweizer Dichter des Realismus, dessen „Möwenflug“.

Interessant nicht nur in programmatischer Hinsicht, vor allem aber besser hinsichtlich des Vortrags war der musikalische Part des Neujahrskonzerts. Zum Auftakt spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ nicht etwa die Peer-Gynt-Suiten 1 und 2 aus der Schauspielmusik „Peer Gynt“ zum gleichnamigen dramatischen Gedicht von Henrik Ibsen, die zu den bekanntesten Orchesterstücken der romantischen Musik gehören, sondern zwei „Nordische Weisen“ op. 63 Nr. 1 und 2 von Edvard Grieg. „Im Volkston“ ist die Bezeichnung der einen, 1896 erschienenen Komposition, „Bauerntanz“ die der anderen. Behutsam, sensibel gespielt erklang die eine Weise, locker und beschwingt die andere. Aus dem Jahr 1890 stammt die Urfassung von „Crisantemi“, ein Andante-Ausflug des Opernkomponisten Giacomo Puccini in die Instrumentalmusik. Bekannt wurde diese Trauermusik, die jetzt in Mühlacker bedächtig und getragen interpretiert wurde, vor allem durch seine drei Jahre später entstandene Oper „Manon Lescaut“, in der sie im vierten Akt die Sterbeszene der Titelheldin begleitet.

Ein Ausflug ins 18. Jahrhundert war „Der Winter“ op. 8,4 aus dem Zyklus „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Im Allegro non molto glaubte man geradezu die klirrende Kälte, den schneidenden Wind und das berstende Eis zu hören. Wohlig war dagegen das Largo („Am Kamin, Regentropfen fallen“). Und im Allegro kamen die „Schritte auf dem Eis“ zum Klingen. In der Interpretation dieser Komposition, bei der Sachiko Kobayashi, die Primgeigerin des „Lotus String Quartet“, als Solistin brillierte, zeigte sich die Meisterschaft des Dirigenten Peter Wallinger.

Wer bislang die Harfe nur als antikes, zuweilen im Orchester eingesetztes Instrument kannte, der wurde eines Besseren belehrt. Schon bei den „Danses pour Harpe et Orchestre“ von Claude Debussy, einer Auftragskomposition des Hauses Pleyel 1904 im Harfenstreit mit dem Konkurrenten Erard, der ein Jahr später Maurice Ravel für eine Komposition gewann, stand die Harfe im Mittelpunkt des Orchesterspiels, als Anne-Sophie Bertrand, Soloharfenistin im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, meisterhaft „Danse sacrée“ und „Danse profane“ interpretierte. Die Klangfülle und die mögliche Breite des Ausdrucks der Harfe kam dann erst recht bei ihrem differenzierten, grandiosen Solospiel von Claude Debussys „Jardins sous la pluie“ zur Geltung.

Mit dem „Lied der Lerche“ – dem März – und dem „Walzer“ – dem Dezember – wurden zwei der zwölf Teile aus dem Zyklus „Die Jahreszeiten“ von Pjotr I. Tschaikowski vorgestellt, wobei dann doch noch ein Walzer, der häufig im Mittelpunkt von Neujahrskonzerten steht, in Mühlacker zu Gehör gebracht wurde, bevor es eine überflüssige textliche und eine hörenswerte musikalische Zugabe gab.

Dieter Schnabel