Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

02.04.19, Ludwigsburger Kreiszeitung

Ein ungetrübtes Vergnügen

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt mit Solistinnen im Kronenzentrum

Sorgsam abschattierte Transparenz: Die Süddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum. Foto: Oliver Bürkle

Bietigheim-Bissingen. „Licht und Dunkel“, so hat Peter Wallinger das traditionelle Frühjahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) überschrieben. Viel Helligkeit und nur wenig Schatten war am Samstagabend im Kronensaal beim ersten der beiden Konzerte dieses ersten wirklichen Frühlingswochenendes zu verzeichnen. Anderntags wurde das Programm nochmals in Mühlacker gegeben. Ein Großteil des Abends war indes Mozart gewidmet – nachdem Verena Guthy-Homolka, die Solo-Flötistin der SKB, bei der letzten SKB-Zusammenarbeit mit der französisch-amerikanischen Harfenistin Anne-Sophie Bertrand dessen Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299) ins Gespräch gebracht hatte. Mit der 36. Sinfonie, die unter dem Beinamen „Linzer Sinfonie“ bekannt geworden ist, hat Wallinger eine Auswahl getroffen, mit der das glanzvolle Doppelkonzert von 1778 nicht nur den Komponisten, sondern auch die Tonart C-Dur teilt.

Für den Grafen de Guines, einen ambitionierten Amateurflötisten, und dessen Harfe spielende Tochter geschrieben, stellt es bezüglich der Harfenstimme mehr noch als spieltechnische Anforderungen, derer es freilich nicht mangelt. Der Part gilt als hochanspruchsvoll, meldet jedoch gleichzeitig gemeinhin mit dem Instrument verbundene Spielweisen wie Glissandi oder vollflächige Akkorde. Aufgrund dieser Ablehnung eines sich durch plakative Effekte legitimierenden Virtuosentums liegt die ungleich größere Herausforderung im Bereich der musikantischen Gestaltungsmöglichkeiten und Ausdrucksfähigkeit. Kurzum: Verhältnismäßig schwer zu spielen, bietet es dennoch vergleichsweise wenig Gelegenheit zu glänzen. Vor allem aber darf darüber – denn darin besteht, gerade bei Mozart, nahezu die ganze Kunst – die elegante Leichtigkeit dieser Musik nicht abhanden kommen. So hochkonzentriert wie gelöst nahm sich Bertrand dieser heiklen Aufgabe an.

Innige Klangschmelze trifft auf andächtige Stille

Insbesondere begeistere die ungeheuer klare Artikulation, mit der die Musikerin intonierte. Mit Guthy-Homolka stand ihr eine Solistin auf Augenhöhe zur Seite. Nicht so komplex, dafür häufiger als die Harfe in der Führungsrolle ihre Flötenstimme – in Guthy-Homolkas Legato flossen die Töne zu einer innigen Klangschmelze zusammen. Andächtige Stille herrschte im bedauerlicherweise nur mäßig besuchten Saal während der Flothuis-Kadenzen. Maßgeblich zum überaus gelungenen Eindruck, den diese Wiedergabe des Doppelkonzerts hinterlässt, hat auch Wallingers Interpretation mit der SKB beigetragen, sorgsam abschattierte Transparenz auf die fragile Harfenstimme. Das ungemein harmonische Duo der Solistinnen auf sich allein gestellt in der vom enthusiastischen Beifall erzwungenen Zugabe: Berückend gestaltete Melancholie, als mitten in Astor Piazzollas „Café 1930“ die Perspektive umbricht, aus Präsens im nächsten Takt schon Perfekt geworden ist. Der Abend dieses Tages, an dem der Frühling erwacht ist – Magnolienblüten öffnen sich, am Enzufer chillen Horden von Halbwüchsigen zu den neusten Cloud-Rap-Hits, Grillgut sei ausverkauft, hört man im Bus -, er war von ungetrübten vertrüben geprägt.

Welch exquisites Projektorchester Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat und im 35. Jahr ihres Bestehens leitet, in dieser Zeit geformt hat, davon legte bereits der Auftakt mit Jean Sibelius’ „Schwan von Tuonela“, dem zweiten Satz aus dessen „Lemminkäinen-Suite“ (Op. 22), Zeugnis ab, wundervoll das solistische Englischhorn von Andreas Vogel im Dialog mit Chihiro Saito, Stimmführerin der Celli (das Lotus String Quartet komplett in Reihen der SKB an diesem Abend). Ausgedehnte Horizontalität, dunkel grundiert, Paukengrollen knapp oberhalb der Hörschwelle. Gleich einem zarten Gesang der Ensembleklang, den Wallinger seinem Orchester dann im Kopfsatz der „Linzer Sinfonie“ entlockte. Lebendige, atmende Pausen und seine vielgestaltige Schlagtechnik weisen ihn als exzellenten, an Differenzierung und Kontrastbildung interessierten Klanggestalter von großem Formgefühl aus. Locker aus Handgelenk geschüttelt: die Stretta des Finales.

Harry Schmidt

02.04.19, Mühlacker Tagblatt

Klangkörper präsentiert sich in Bestform

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim lässt zum Abschluss der Winter-Konzertreihe Sibelius und Mozart erklingen

Die Solistinnen Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begeistern das Publikum im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

Das Licht und Dunkel zwei Seiten einer Medaille sind, hat ein Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Uhlandbau in Mühlacker gezeigt.

Mühlacker. Der Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, Peter Wallinger, ist bekannt für seine intelligenten und durchdachten Programmzusammenstellungen, die stets einem übergeordneten Motto folgen.

Das Frühjahrskonzert, das gleichzeitig den Schlusspunkt der diesjährigen Winter-Konzertreihe markierte, trug die Überschrift „Licht und Dunkel“. Dies seien keine Gegensätze, sondern zwei sich ergänzende Seiten einer Medaille, sagte Dr. Christina Dollinger in ihrer gut besuchten Einführung vor dem Konzert. Nicht nur das Leben ist gefangen in dialektischen Wechselspielen, auch die Ausdrucksformen der Künste sind ohne Anspannung und Entspannung, Werden und Vergehen, Freude und Trauer nicht denkbar. In der abendländischen Musik spiegeln sich diese formstiftenden Parameter etwa in der Kadenz-Harmonik, der Dur-Moll-Tonalität und der Klangdynamik wider. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zeigte sich am Sonntag in Bestform.

Allem Anschein nach hatten sich die Musiker mit ihrem Dirigenten Peter Wallinger akribisch auf das Konzert, das mitgeschnitten wurde, vorbereitet. Als erstes Stück erklang „Der Schwan von Tuonela“ des finnischen Komponisten Jean Sibelius, der infolge seiner intensiven kompositorischen Auseinandersetzung mit den Heldensagen und dem Volksgut als Nationalkomponist Finnlands verehrt wird. Der Schwan, hinreißend auf dem Solo-Englischhorn vom Ensemble-Mitglied Andreas Vogel gespielt, lebt in Tuonela, dort, wo in der finnischen Mythologie die Hölle liegt. Das eher dunkel gehaltene Klanggemälde erhielt durch die singenden Streicher eine mystisch-weiche Färbung.

Deutlich heller wurde es im „Konzert für Flöte, Harfe und Orchester“ C-Dur KV 299, einem Juwel in Mozarts Schaffen. Die Aufführung des selten gespielten Werks wurde zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die Solistinnen Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begegneten sich musikalisch auf Augenhöhe. Im Mittelpunkt des technisch anspruchsvollen Doppelkonzerts steht das Zwiegespräch der beiden Soloinstrumente. Mehrere Kadenzen von sublimer Schönheit und virtuoser Eleganz eröffneten den beiden Künstlerinnen ausgiebig Gelegenheiten, ihr Können zu zeigen. Das Orchester begleitete dabei angemessen zurückhaltend und sensibel. Bei genauem Hinhören ist das Werk trotz sprühender Lebensfreude nicht heiter und gefällig in einem oberflächlichen Sinn. Mozart, der das Stück als Auftragswerk für einen Flöte spielenden französischen Aristokraten und seine Tochter komponiert hat, lässt „zwischen den Tönen“ durchaus erkennen, in welch verzweifelter Lage er sich 1778 in Paris befand. Diese Reise, auf der tragischerweise noch seine Mutter starb, führte zu keiner Anstellung und keinen nennenswerten Erfolgen. Guthy-Homolka und Bertrand erhielten langanhaltenden Applaus und gaben vor der Pause noch eine Zugabe.

Die „Linzer Sinfonie“ Mozarts aus dem Jahr 1783 war das stilistisch gut gelungene Abschlussstück des Konzerts. In dieser späten Sinfonie erweist sich das Genie Mozart als Meister subtiler, verborgener Nuancen, die es zu entdecken gilt. Inmitten strahlenden Lichts erklingen zweifelnde Töne, in den fragenden Überleitungen hemmen Synkopen einen allzu glatten melodischen Fluss und in kurzen Moll-Momenten verdunkelt Mozart die vermeintlich heile Welt. Yehudi Menuhin, der große Geiger, meinte einmal, niemand hätte so trauriges Dur und so heiteres Moll wie Mozart komponieren können. Tatsächlich hatte Mozart in seinen letzten Sinfonien, der „Linzer“, der „Prager“, der großen g-Moll-Sinfonie und der „Jupitersinfonie“ längst eine vollendete Meisterschaft erreicht. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Peter Wallinger spielte die „Linzer“ mit rasantem Schwung und großem Bogen, gleichzeitig detailverliebt, etwa bei der Herausarbeitung von Echostellen oder Überleitungen. Die rasenden Zweiunddreißigstel in den hohen Streichern jagten das halbstündige Werk zum strahlenden C-Dur-Schlussakkord. Der überaus herzliche Applaus am Ende zeigte, dass die mehr als zweihundert Zuhörer, die ihren Frühlingsspaziergang wegen des Konzerts verkürzt hatten, ihre Entscheidung nicht bereut haben.

Dietmar Bastian

02.04.19, Pforzheimer Zeitung

Dunkler Einstieg, lichtheller Ausklang

Peter Wallinger

Mühlacker. Mit dunklem Kolorit malte und gestaltete das Orchester die fantastische Klanglandschaft. Jean Sibelius’ Stück „Der Schwan von Tuonela“ (op. 22, Nr. 2), eine an das Totenreich aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ erinnernde Tondichtung, setzte mit nebulösem Piano ein, um sich dann in breit ausgezogenen Bögen mit schwerblütiger Poesie zu entfalten. Da leuchteten Cello und Englischhorn, da flirrten die Geigen im Tremolo – musikalische Verläufe, den weiten finnischen Seen und dem Flug des mythischen Schwans nachempfunden.

Mit großer Empathie

Sibelius erlebt, gerade auch in der Pforzheimer Region, eine Renaissance, nachdem der Komponist wegen seiner Glorifizierung im „Dritten Reich“ lange gemieden wurde. Und Peter Wallingers sueddeutsche kammersinfonie bietigheim, die das Werk bei ihrem „Frühjahrskonzert“ im ausverkauften Mühlacker Uhlandbau mit großer Empathie aufführte, hat einen gewichtigen Anteil daran.

Danach kontrastierte die Kammersinfonie unter Wallingers Leitung das düstere Sibelius-Gemälde mit Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart in lichthellem C-Dur. Verena Guthy-Homolka (Flöte) und Anne-Sophie Bertrand (Harfe) begeisterten mit Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester (KV 299), das zu Recht als eines der schönsten Solokonzerte des Wiener Klassikers gilt. Der einführende „Allegro“-Satz, in dem beide Soloinstrumente in parallelem und alternierendem Spiel dominierten, erfreute mit reichen musikantischen Einfällen.

Wunderschön dann das „Andantino“ mit melodienseligem Gesang der Flöte, vom Saiten-Geglitzer der Harfe umzirpt und von zarten Orchester-Einwürfen begleitet. Im abschließenden „Rondo. Allegro“ zeichneten sich die Solistinnen auch durch originelle Kadenzen aus. Ihre Zugabe, ein Stück aus Astor Piazzollas „Café 1930“, bestätigte ihr hohes künstlerisches Niveau.

Festliche Tanzeslust

Nach der Pause interpretierten Wallinger und sein Ensemble Mozarts „Linzer Sinfonie“ (KV 425). Das vielgestaltige und abwechslungsreiche sinfonische Werk wurde in mitreißender Frische geboten, wobei sowohl die sinnlich zelebrierten Momente (in der „Adagio“-Einleitung) und die festliche Tanzeslust (im „Menuett“) als auch der furios-temperamentvolle Jubelton (im finalen „Presto“) voll zur Geltung kamen. Mit solcher Musik kann der Frühling Einzug halten.

Eckehard Uhlig

14.01.19, Pforzheimer Zeitung

Kurzweiliges Neujahrskonzert mit Peter Wallingers Kammersinfonie in Mühlacker

Cellistin Chihiro Saito begeisterte mit Tschaikowskys schönem „Andante cantabile“ für Cello und Streicher und der einfühlsamen Interpretation der eher traurigen Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“. fotomoment

Mühlacker. Musik und Poesie sind eine charmante Kombination, zumal wenn sie in heiterer Atmosphäre, zusammenfinden. Beim Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau war ein solcher Rahmen gegeben.

Peter Wallingers Ensemble musizierte in kleiner Besetzung stimmungsvolle Kompositionen und Virtuosenstücke. Der Bildhauer und Autor Hatto Zeidler aus Maulbronn moderierte in lockerem Plauderton und trug teils amüsante, teils tragisch endende Lyrik vor.

Für den musikalischen Auftakt und für den Konzertabschluss hatte Wallinger galant-höfische Serenaden-Musik ausgewählt. Die Wiedergabe von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 in G-Dur (BWV 1048) zeichnete sich durch klare Phrasierungen, sauber herausgearbeitete Akzente und eine schwungvolle Gangart in den Allegro-Sätzen aus. Wolfgang Mozarts populäre Serenade Nr. 6 in D-Dur (KV 239) präsentierte sich tänzerisch elegant, vor allem die solistischen Passagen zweier Violinen, der Bratsche und des Kontrabasses erfreuten mit lebendigem Figurenwerk.

Arno Pärts Komposition „Fratres“ für Streicher und Percussion entfaltete über einer bordunartig gehaltenen Quinte meditativ zarte, von sanft klöppelndem Schlagwerk begleitete Melodien. Edvard Griegs „Váren“ (op. 34) zauberte märchenhaft-nordische Klänge hervor, die Romanze C-Dur (op. 42) von Jan Sibelius blieb – trotz der eigentlich hellen Tonart – dunkel verhangen.

Die in der Region auch von Aufführungen des Lotus String Quartet bekannte Cellistin Chihiro Saito stellte mit breitem Bogenstrich und feinem Vibrato Tschaikowskys klanglich wunderschönes „Andante cantabile“ für Cello und Streicher (op. Posthum) vor und und zelebrierte mit großer Einfühlung die eher traurige Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“ (Gesang der Vögel“), ein Stück, mit dem der berühmte Cello-Spieler alle seine Konzerte beschloss.

Nicht nur davon erzählte Hatto Zeidler und rezitierte sinnfällig zur Jahreszeit passende Gedichte von Rainer Maria Rilke („Legende“), Gustav Schwab („Der Reiter über den Bodensee“) und Erich Kästner („Der Januar“). Die kurzweilige Konzert-Matinee sorgte für gute Laune und herzlichen Applaus.

Eckehard Uhlig

15.01.19, Ludwigsburger Kreiszeitung

Neujahrskonzert wird zur Sternstunde

Gleich dreimal präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende ihr „Wintermärchen“, eines davon in der heimischen Kelter

Im Mittelpunkt: SKB-Mitglied und Solo-Cellistin Chihiro Saito. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Außerordentliches Vergnügen bereitete das Neujahreskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) bereits auf dem Papier: Angekündigt war ein „Wintermärchen“ mit Bach, Mozart, Grieg, Tschaikowsky, dazu Sibelius, Pärt und „El cant dels ocells“, ein katalanisches Weihnachtslied, das Pablo Casals weltbekannt gemacht hat – vielversprechender kann ein Programm für solch einen Anlass kaum klingen. Davon, dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, nicht nur hochinteressante, ausgesprochen durchdachte Spielpläne zu konzipieren versteht, sondern diese mit einer sich verjüngenden SKB – das Projektorchester besteht aus professionellen Musikern sowie engagierten Studierenden und wird für jeden fünf bis sechs Konzertblöcke neu zusammengestellt – auch auf die Bühne zu bringen weiß, konnten sich am Sonntagabend rund 160 Besucher in der Bietigheimer Kelter überzeugen. Mit einer überaus gelungenen Aufführung, der dritten innerhalb von 20 Stunden – zuvor im Bürgersaal des Murrer Rathauses sowie vormittags in Mühlacker – wurden die hohen Erwartungen nicht nur eingelöst, sondern stellenweise noch übertroffen: In ihrer Mittelstellung zwischen Kammermusikensemble und Sinfonieorchester hat sich Wallingers Formation im Lauf der Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet, aber nur selten gelingt eine derart befriedigende, von lediglich minimalen Ungenauigkeiten nahezu unbehelligte Darbietung.

Quicklebendig und beschwingt bereits der Auftakt mit Bachs 3. Brandenburgischem Konzert (BWV 1048), in dem Wallinger ein straffes Tempo vorgab, brillant und wendig realisiert durch eine blutjunge SKB. Was Bach durch die Permutation von Motivketten erreichte, steuerte der lettische Komponist Arvo Pärt rund 250 Jahre später mittels einer eigenen Kompositionstechnik names „Tintinnabuli“ an, die aus der Beschäftigung mit gregorianischen Gesängen herrührt: In seiner Kontemplativen Anmutung steht sein Werk „Fratres“ zwar in einem formalen Kontrast zu Bachs Kontrapunktstil, nimmt jedoch gleichermaßen auf eine tief empfundene Spiritualität Bezug. Wie ein Refrain kehrt zwischen den hypnotisierenden Streicherflächen ein Element wieder, der Puls einer Trommel und einer Clave. Nicht gleichermaßen zwingend waren die Moderationsbeiträge von Hatto Zeidler, der zwar interessante Hintergründe und passende Gedichte von Rilke, Kästner und Schwab beisteuerte, aber unnötigerweise auch die Form eitlen, überheblichen Altherren-Dünkels transportierte, der für die Überalterung des Publikums klassischer Konzertveranstaltungen mitverantwortlich ist.

Edward Griegs „Varen“, zu Deutsch „Letzter Frühling“, entstammt den 1881 veröffentlichten „Zwei elegischen Melodien“ (Op. 34) – die SKB begeisterte mit einer empfindsamen Wiedergabe dieser hochromantischen Literatur. Exzellent musiziert auch die Romanze in C-Dur (Op. 42) des finnischen Komponisten Jean Sibelius, uraufgeführt 1904 in Turku: Ausgezeichnet das Fugato der Streichergruppen, gekonnt verwaltet Wallinger hier Sinfonik auf engstem Raum. Dennoch warteten die Höhepunkte jenseits der Pause. Lernte man in Chihiro Saito, Cellistin des renommierten Lotus String Quartets und seit vielen Jahren in der SKB, bereits in Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ für Violoncello und Streicher eine einfühlsame Solistin kennen (bemerkenswert die Leichtigkeit, mit der sich ihr lyrisches Legato vom Orchester löste), geriet ihre Interpretation von „El cant dels ocells“ („Der Gesang der Vögel“) schlicht und einfach ergreifend. Ein Neujahrskonzert als Sternstunde.

Harry Schmidt

15.01.19, Mühlacker Tagblatt

Konzert spannt Bogen von Estland bis Spanien

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die Cellistin Chihiro Saito verzaubern ihr Publikum im Uhlandbau

Beeindruckender Auftritt: Solistin Chihiro Saito am Violoncello. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ hatte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zu ihrem Neujahrskonzert am Sonntag in den Uhlandbau eingeladen. Am Pult stand Peter Wallinger, der künstlerische Leiter, der vor 35 Jahren diesen Klangkörper gegründet hat.

Dieser Ruf verpflichtet, und so wurden die Erwartungen der rund 160 Musikfreunde auch nicht enttäuscht. Fast zwei Stunden erfreuten die mit großer Spielfreude aufspielenden Streicher, Trommler und ein Paukist ihre Zuhörer mit einem „Wintermärchen“. Und wahrlich märchenhaft schön gestaltete sich das äußerst abwechslungsreiche, mit vielen Überraschungen gespickte Programm.

Brücken zwischen den einzelnen Vorträgen baute Dr. Hatto Zeidler, der sich als Sprecher vorstellte und mit „Reflexionen“ über Leben und Werke der Komponisten und mit passender Lyrik von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner das Publikum erfreute.

Weit hatte Wallinger den Bogen gespannt von Johann Sebastian Bach mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 als Auftakt bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart, der mit der Serenade Nr. 6 D-Dur berauschende Schlussakkorde setzte.

Die musikalische Reise begann im sächsischen Köthen, wo Bach seine sechs Brandenburgischen Konzerte schrieb. Die Musiker präsentierten schwungvolle barocke Prachtentfaltung mit der Wiedergabe des Dritten. Der Kontrast könnte kaum größer sein als mit Arvo Pärts - einem estländischen Komponisten - „Fratres“, mit Anklängen an mittelalterlich-gregorianische Klostergesänge. Romantisch gestimmt erinnerte dann der Norweger Edvard Grieg an den letzten Frühling, und mit einer kurzen Romanze des finnischen Komponisten Jan Sibelius endet der erste Teil.

Nach der Pause ein Sprung zu dem Katalanen Pablo Casals und seinem Gesang der Vögel, einem Weihnachtslied. 32 verschiedene Vögel begrüßen Christus in der Krippe. Endstation war Wien mit der „Serenata notturna“ von Mozart, die sich als musikalisches Kleinod erwies, folgte man der Interpretation der Kammersinfoniker.

Variantenreich spielten die Musiker auf: Geigen, Bratschen und Celli lieferten sich sprühend vor Lust einen Wettstreit, Töne schienen hin und her zu fliegen, strebten mit Crescendi einem Höhepunkt zu. Und als ob sich ein Knoten gelöst hätte, vereinten sich alle Instrumente in Harmonie. Lebhaft bis furios, mit großer Klangfülle gestalteten die Musiker die so unterschiedlichen Werke. Da fielen Claves-Töne wie zarte Tropfen, hauchzarter Streichklang betörte, verhalten war eine Trommel zu hören - eine bewegende Klangfülle in einem Auf und Ab der Gefühle. Spiritualität war spürbar, Sehnsüchte wurden geweckt, Zarte Töne weiteten sich wie Sonnenstrahlen, die durch das Geäst der gerade erblühenden Bäume drängten. Die kurze Romanze C-Dur von Sibelius entließ die begeisterten Zuhörer in die Pause.

Im zweiten Teil war die Cellistin Chihiro Saito der Star auf der Bühne. Mit samtenem Strich, gefühlvoll interpretiert erklang das Andante Cantabile von Tschaikowsky, sehr einfühlsam vom Orchester begleitet. Cantabile verlangte der Komponist – und ihr Cello sang, zum Dahinschmelzen schön. Von Casals Vögeln gab sie dem Buchfinken eine Stimme, federleicht und beschwingt. Saito ist eine vielfach preisgekrönte Cellistin, Mitglied des Lotus String Quartetts und seit vielen Jahren schon Solistin der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.

Zum Schluss des Konzertes gab es nochmals einen Höhepunkt: Die Serenata notturna hat Mozart für zwei Violinen solo, Viola solo, Kontrabass solo, Pauken und Orchester geschrieben. Eine ungewöhnliche Besetzung, fast wie zwei Orchester in einem Stück: Einmal trumpfen die Solisten auf, dann wieder alle Streicher gemeinsam. Reizvolle Gegensätze tun sich auf, wenn nur Pauken und Pizzicati zu hören sind oder die Solisten allein spielen. Marsch, Menuett und Rondo-Allegretto bestimmen die lebhaften Tempi. Mit großer Hingabe und Spielfreude bis zu den letzten Takten agierten die Musiker und ihr Dirigent. Sie alle hatten Kammermusik vom Allerfeinsten geboten.

Eva Filitz

15.01.19, Bietigheimer Zeitung

Klassiker der Musikgeschichte

Klassik Die „sueddeutsche kammersinfonie“ präsentierte in der Bietigheimer Kelter ein Neujahrskonzert.

Bietigheim-Bissingen. Am Sonntagabend ereignete sich ein klangvolles „Wintermärchen“ in der Kelter in der Bietigheimer Altstadt. Die „süddeutsche kammersinfonie“ präsentierte dort das traditionelle Neujahreskonzert 2019 unter der künstlerischen Leitung von Peter Wallinger. Das 17-köpfige Streichorchester mit Percussion präsentierte Klassiker der Musikgeschichte, die sich zwischen 1700 und 2000 ereigneten, vor rund 120 Besuchern.

Das Konzert begann mit dem dritten Brandenburgischem Konzert von Johann Sebastian Bach. Textlich unterstrichen wurde das musikalische Programm von Dr. Hatto Zeidler, Bildhauer und Autor aus Maulbronn. Er lieferte Hintergrundinformationen zu den Künstlern und trug freie Texte und Literatur der Zeitgeschichte vor. „Man muss sich vorstellen; die sechs Brandenburgischen Konzerte Bachs brauchten zwei Jahre bis zu ihrer Fertigstellung. Zu jener Zeit hatte Bach sechs kleine Kinder und vermutlich nie seine Ruhe“, berichtete Sprecher Zeidler. Humorvoll und informativ gestaltete der ehemalige Hochschulprofessor das literarische Programm des Abends.

Anschließend stellte das Orchester „Fratres“ (estländisch: Brüder) den Zeitgenossen Arvo Pärt vor. Laut Zeidler habe Pärt sich sehr für die russisch-orthodoxe Kirche und die gregorianischen Gesänge interessiert und diese in seine musikalischen Werke einfließen lassen. In dem speziellen Werk verbergen sich viele Akzente der gregorianischen Musik. Vor allem der starke Bass ließ das Stück in der kalten Akustik der rustikalen Kelter sehr mystisch und düster klinken. „Wenn all das, was heute als Schnee fallen würde, dann hätten wir gewiss ein Wintermärchen“, scherzte der Sprecher.

Das dritte Werk trug den Namen „Erinnerungen an den vergangenen Frühling“ von Evard Grieg. Sich bei dem regnerischen Wetter von Sonntag an die warmen Frühlingssonne und die erblühende Landschaft zu erinnern, fiel bei den musikalischen Meisterwerken, die die Kammersinfonie vorstellte, nicht schwer. Die Streicher harmonierten, die neun Violinen, drei Violas, drei Violoncellos zusammen mit Kontrabass und Percussion-Elementen begeisterten dem lautstarken Applaus nach zu urteilen das Publikum in hohem Maß.

Katalanisches Weihnachtslied

Nach einer kurzen Pause begann Solistin Chihiro Saito, mir ihrem Violoncello in Solos zu zaubern: Mit Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ zog sie das Publikum in den Bann ihrer Musik. Chihiro Saito studierte unter anderem in Tokio an der University of fine Arts and Music und in Stuttgart in der Solistenklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik. Sie gewann als Solocellistin und als Mitglied des Weltweit konzertierenden „Lotus String Quartets“ mehrfach Preise in verschiedenen Ländern. „Frau Saito und auch unsere Solo- Violonistin Frau Kobayashi sind bereits seit vielen Jahren in unserer Kammersinfonie. Sie sind in jeder Hinsicht eine Bereicherung für unser Orchester“, schwärmte Gründer und künstlerischer Leiter Peter Wallinger. Das zweite Solo-Stück, das Chihiro Saito mit ihrem Violoncello vortrug, war Pablo Casels „El cant dels ocells“ (katalanisch: Der Gesang der Vögel). „Das katalanische Weihnachtslied handelt von 30 verschiedenen Vögeln, die die Geburt Christi besingen und ihm Glückwünsche aussprechen. Für dieses Meisterwerk imitierte Casels die verschiedenen Vögel und vereinte sie mit den Klängen seines Violoncellos“, erklärte Hatto Zeidler.

Das Streichorchester beschloss sein Konzert mit Mozarts sechster Serenade „serenata notturna“, in der Violinistin Sachiko Kobayashi ein bezauberndes Solo zum Besten gab. Nach dem lautstarken Applaus spielte die Kammersinfonie noch eine Zugabe.

Vivien Staib

18.01.19, Nachrichtenblatt Murr

Beeindruckende Musikalität und innovatives Programm:

Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Bürgersaal Murr

Wenig bekannte Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen – selten wohl ist dieses Motto der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ schöner und beseelter mit Leben erfüllt worden als beim traditionellen Neujahrskonzert der Veranstaltungsreihe „Kulturprisma Murr“ am 12. Januar 2019 im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses. Vor etwa 160 Gästen bewiesen Peter Wallinger, Dirigent, Gründer und Leiter des Orchesters, und die Musikerinnen und Musiker des Orchesters im Laufe eines gleichermaßen kontrastreichen wie harmonischen Konzertabends ein ganz besonderes Klangerlebnis – geprägt von Frische und Spielfreude fern von jeglicher erstarrten Routine, jedoch auf höchst professionellem Niveau.

Wie in den Jahren zuvor hatte Wallinger mit dem Orchester ein innovatives und anregendes Konzertprogramm jenseits ausgetretener Pfade erarbeitet. Unter der Überschrift „Wintermärchen“ ließen Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3, Arvo Pärt, Edvard Grieg, Jan Sibelius, Tschaikowsky, Pablo Casals mit seinem „Gesang der Vögel“ und die Serenade Nr. 6 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart einen vielversprechenden Musikgenuss erwarten.

Frisch, schwungvoll und temporeich der Auftakt mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach, bei dem das Orchester gleich seine engagierte, jugendlich frische und höchst talentierte Spielweise bewies. Ganz anders im Anschluss das Werk „Fratres“ des 1935 geborenen estnischen Komponisten Arvo Pärt für Streicher mit Percussion. Schwebend, fast hypnotisch die Klänge der Streicher, getragen von einem durchgehenden Kontrabass und gegliedert durch regelmäßige Akzente von großer Trommel und Klangstäben. Unwillkürlich meinte man, nordische Weiten mit Nebelschwaden und Birkenwäldern vor Augen zu haben, so eindringlich die Interpretation des Stückes, das auch von gregorianischen Gesängen inspiriert ist.

Mit dem Norweger Edvard Grieg blieb das Orchester in nördlichen Gefilden. Sein Werk „Våren“ oder „Letzter Frühling“ aus der Zeit zwischen 1877 und 1880 entstammt der Hochromantik und wurde äußerst einfühlsam und hoch sensibel gespielt. Der silbrig-seidige Streicherton des Orchesters kommt in solchen Stücken besonders zur Geltung. Gleichermaßen feinfühlig und mit viel Gefühl für die Nuancen wurde als letztes Stück vor der Pause die Romanze C-Dur des finnischen Komponisten Jan Sibelius interpretiert.

Ein Höhepunkt des Konzertes war sicherlich gleich nach der Pause Tschaikowskys „Andante cantabile“, arrangiert für Violoncello und Streicher... Als Solistin brillierte hier Chihiro Saito, Mitglied des äußerst renommierten „Lotus String Quartet“ und seit vielen Jahren auch in der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim dabei. Ihr gelang es, vor dem Hintergrund des differenzierten Orchesterklangs der nahezu schwelgerischen, einprägsamen Melodie viel Gefühl und Ausdruck zu verleihen. Gleich anschließend folgte „Der Gesang der Vögel“ („El Cant dels Ocells“) des weltberühmten katalanischen Cellisten und Komponisten Pablo Casals (1876 bis 1973). Das Stück ist ein altes Weihnachtslied aus Katalonien, in dem mehr als dreißig Vogelarten die Geburt Christi feiern. Casals, der sich für Menschenwürde, Brüderlichkeit und Frieden einsetzte, emigrierte 1936 nach Frankreich und beendete alle seine Exilkonzerte seit 1939 mit diesem Lied, wie auch beispielsweise ein Konzert im November 1961 im Weißen Haus vor Jackie und John F. Kennedy oder vor der UN-Vollversammlung. Chihiro Saito gelang eine überaus schlichte und ergreifende Interpretation, die der Intention des Werkes eindrucksvoll gerecht wurde.

Schlusspunkt des Konzertabends bildete die Serenade Nr. 6 in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, bei der das Orchester seine ganze Versiertheit und Klasse noch einmal unter Beweis stellte. Als Solisten setzten Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, Violonist Sorin Capatina, Bratschistin Tomoko Yamasaki und Kontrabassist Simon Wallinger im Solo- und Zusammenspiel strahlende und virtuose Glanzpunkte.

Bereichert wurde der Konzertabend von den Wortbeiträgen des Bildhauers und Autors Hatto Zeidler aus Knittlingen bei Maulbronn. In frei vorgetragenen Reflexionen zu einzelnen Werken trug er Erhellendes und Aufschlussreiches über Entstehung und Hintergründe einiger Stücke vor, so zum Beispiel wie Johann Sebastian Bach viele seiner Werke im kleinen Haushalt mit sechs Kindern geschaffen hat. Auch mit den Gedichten von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner setzte Zeidler mit seiner humorvollen, lebendigen Vortragsweise thematisch passende Akzente zur Musik der Kammersinfonie. Am Schluss des Abends machte sich die Begeisterung des Publikums in langanhaltendem, lebhaftem Beifall Luft, mit dem Dirigent, Musiker und Vortragender für einen begeisternden Konzertabend belohnt wurden. Für Dirigent, Solisten und für alle Musiker gab es Blumen. Dafür und für den warmen Applaus bedankten sich die Musiker bei den Zuhörerinnen und Zuhörern mit einer Zugabe.

16.01.19, Marbacher Zeitung

Von der Klassik, die aus dem Märchen kommt

Hörgenuss zum neuen Jahr: In Murr haben rund 150 Gäste das Neujahrskonzert genossen. Foto: avanti

Die Süddeutsche Kammersinfonie hat ihr Publikum in ein Wintermärchen entführt.

Murr - Vereiste Fenster, Minusgrade und jede Menge Schneeflocken – der Winter hat auch das Bottwartal am Wochenende in Weiß gehüllt. Da liegt die Idee von klassischen Tönen, die das Herz erwärmen sollen, nicht allzu fern. Das Neujahrskonzert im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses Murr hat diesen Wunsch am vergangenen Samstag Wirklichkeit werden lassen: Gegen 19.30 Uhr gab das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Gründer Peter Wallinger ihr Können zum Besten und lockte etwa 150 Gäste aus Murr und Umgebung an. Die Karten konnte man sich bereits im Vorfeld sichern. Für Spontane gab es die Möglichkeit der Abendkasse.

Mit dem Bietigheimer Orchester hat man sich keine Amateure ins Haus geholt – im Gegenteil: 35 Jahre liegt seine Gründung zurück. Dennoch begeistern die Musiker mit jungem Elan und professioneller Erfahrung auf ganzer Höhe… Leidenschaft und die Liebe zur Klassik transportierte das Orchester nun auch auf der Bühne Murrs. Unter einem allumfassenden Motto machten es sich die Musiker zur Aufgabe, das Publikum an diesem Abend in ein „Wintermärchen“ zu entführen. Mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach gelang dem Orchester der passende Einstieg ins Programm. Hatto Zeidler begrüßte die Gäste mit einer Anekdote aus Bachs Leben und gestand dem Publikum sogleich, dass er noch nie in Murr gewesen sei. „Aber ich komme ursprünglich aus Eberbach am Neckar, und wer schon mal im Neckar gebadet hat, war auch schon in der Murr, schließlich fließt die ja in den Neckar“, witzelte Zeidler und kündigte „Fratres“ von Arvo Pärt an.

Die Zuhörerschaft war gefesselt von dem Klangkörper des Orchesters. Aus den Musikinstrumenten kamen Töne, aus den Tönen wurden Melodien und aus den Melodien ganze Stücke, die einen mitrissen in die märchenhafte Welt der Klassik. Jan Sibelius „Romanze C-Dur op. 42“ läutete die halbstündige Pause ein, um sich im Foyer des Rathauses eine Stärkung zu genehmigen. Neben Sekt, Wein und Orangensaft sorgten passend zur Veranstaltung Neujahrsbrezeln für das leibliche Wohl… Nachdem der kleine Hunger gestillt war, ging es für die Musikfans erneut in die märchenhafte Welt der Klassik. Im Repertoire der Bietigheimer fanden sich zudem Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ und Pablo Casals „El Cant dels Ocells“, welches das Zwitschern der Vögel sogar in den Wintermonaten zurückbrachte. Mozarts „Serenade Nr. 6 D-Dur“ rundete den Abend ab und bescherte dem Konzert einen würdigen Abschluss.

Helena Hadzic