Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

14.01.19, Pforzheimer Zeitung

Kurzweiliges Neujahrskonzert mit Peter Wallingers Kammersinfonie in Mühlacker

Cellistin Chihiro Saito begeisterte mit Tschaikowskys schönem „Andante cantabile“ für Cello und Streicher und der einfühlsamen Interpretation der eher traurigen Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“. fotomoment

Mühlacker. Musik und Poesie sind eine charmante Kombination, zumal wenn sie in heiterer Atmosphäre, zusammenfinden. Beim Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau war ein solcher Rahmen gegeben.

Peter Wallingers Ensemble musizierte in kleiner Besetzung stimmungsvolle Kompositionen und Virtuosenstücke. Der Bildhauer und Autor Hatto Zeidler aus Maulbronn moderierte in lockerem Plauderton und trug teils amüsante, teils tragisch endende Lyrik vor.

Für den musikalischen Auftakt und für den Konzertabschluss hatte Wallinger galant-höfische Serenaden-Musik ausgewählt. Die Wiedergabe von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 in G-Dur (BWV 1048) zeichnete sich durch klare Phrasierungen, sauber herausgearbeitete Akzente und eine schwungvolle Gangart in den Allegro-Sätzen aus. Wolfgang Mozarts populäre Serenade Nr. 6 in D-Dur (KV 239) präsentierte sich tänzerisch elegant, vor allem die solistischen Passagen zweier Violinen, der Bratsche und des Kontrabasses erfreuten mit lebendigem Figurenwerk.

Arno Pärts Komposition „Fratres“ für Streicher und Percussion entfaltete über einer bordunartig gehaltenen Quinte meditativ zarte, von sanft klöppelndem Schlagwerk begleitete Melodien. Edvard Griegs „Váren“ (op. 34) zauberte märchenhaft-nordische Klänge hervor, die Romanze C-Dur (op. 42) von Jan Sibelius blieb – trotz der eigentlich hellen Tonart – dunkel verhangen.

Die in der Region auch von Aufführungen des Lotus String Quartet bekannte Cellistin Chihiro Saito stellte mit breitem Bogenstrich und feinem Vibrato Tschaikowskys klanglich wunderschönes „Andante cantabile“ für Cello und Streicher (op. Posthum) vor und und zelebrierte mit großer Einfühlung die eher traurige Melodie der Pablo-Casals-Version des katalanischen Volksliedes „El Cant dels Ocells“ (Gesang der Vögel“), ein Stück, mit dem der berühmte Cello-Spieler alle seine Konzerte beschloss.

Nicht nur davon erzählte Hatto Zeidler und rezitierte sinnfällig zur Jahreszeit passende Gedichte von Rainer Maria Rilke („Legende“), Gustav Schwab („Der Reiter über den Bodensee“) und Erich Kästner („Der Januar“). Die kurzweilige Konzert-Matinee sorgte für gute Laune und herzlichen Applaus.

Eckehard Uhlig

15.01.19, Ludwigsburger Kreiszeitung

Neujahrskonzert wird zur Sternstunde

Gleich dreimal präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende ihr „Wintermärchen“, eines davon in der heimischen Kelter

Im Mittelpunkt: SKB-Mitglied und Solo-Cellistin Chihiro Saito. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Außerordentliches Vergnügen bereitete das Neujahreskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) bereits auf dem Papier: Angekündigt war ein „Wintermärchen“ mit Bach, Mozart, Grieg, Tschaikowsky, dazu Sibelius, Pärt und „El cant dels ocells“, ein katalanisches Weihnachtslied, das Pablo Casals weltbekannt gemacht hat – vielversprechender kann ein Programm für solch einen Anlass kaum klingen. Davon, dass Peter Wallinger, der die SKB 1984 gegründet hat, nicht nur hochinteressante, ausgesprochen durchdachte Spielpläne zu konzipieren versteht, sondern diese mit einer sich verjüngenden SKB – das Projektorchester besteht aus professionellen Musikern sowie engagierten Studierenden und wird für jeden fünf bis sechs Konzertblöcke neu zusammengestellt – auch auf die Bühne zu bringen weiß, konnten sich am Sonntagabend rund 160 Besucher in der Bietigheimer Kelter überzeugen. Mit einer überaus gelungenen Aufführung, der dritten innerhalb von 20 Stunden – zuvor im Bürgersaal des Murrer Rathauses sowie vormittags in Mühlacker – wurden die hohen Erwartungen nicht nur eingelöst, sondern stellenweise noch übertroffen: In ihrer Mittelstellung zwischen Kammermusikensemble und Sinfonieorchester hat sich Wallingers Formation im Lauf der Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet, aber nur selten gelingt eine derart befriedigende, von lediglich minimalen Ungenauigkeiten nahezu unbehelligte Darbietung.

Quicklebendig und beschwingt bereits der Auftakt mit Bachs 3. Brandenburgischem Konzert (BWV 1048), in dem Wallinger ein straffes Tempo vorgab, brillant und wendig realisiert durch eine blutjunge SKB. Was Bach durch die Permutation von Motivketten erreichte, steuerte der lettische Komponist Arvo Pärt rund 250 Jahre später mittels einer eigenen Kompositionstechnik names „Tintinnabuli“ an, die aus der Beschäftigung mit gregorianischen Gesängen herrührt: In seiner Kontemplativen Anmutung steht sein Werk „Fratres“ zwar in einem formalen Kontrast zu Bachs Kontrapunktstil, nimmt jedoch gleichermaßen auf eine tief empfundene Spiritualität Bezug. Wie ein Refrain kehrt zwischen den hypnotisierenden Streicherflächen ein Element wieder, der Puls einer Trommel und einer Clave. Nicht gleichermaßen zwingend waren die Moderationsbeiträge von Hatto Zeidler, der zwar interessante Hintergründe und passende Gedichte von Rilke, Kästner und Schwab beisteuerte, aber unnötigerweise auch die Form eitlen, überheblichen Altherren-Dünkels transportierte, der für die Überalterung des Publikums klassischer Konzertveranstaltungen mitverantwortlich ist.

Edward Griegs „Varen“, zu Deutsch „Letzter Frühling“, entstammt den 1881 veröffentlichten „Zwei elegischen Melodien“ (Op. 34) – die SKB begeisterte mit einer empfindsamen Wiedergabe dieser hochromantischen Literatur. Exzellent musiziert auch die Romanze in C-Dur (Op. 42) des finnischen Komponisten Jean Sibelius, uraufgeführt 1904 in Turku: Ausgezeichnet das Fugato der Streichergruppen, gekonnt verwaltet Wallinger hier Sinfonik auf engstem Raum. Dennoch warteten die Höhepunkte jenseits der Pause. Lernte man in Chihiro Saito, Cellistin des renommierten Lotus String Quartets und seit vielen Jahren in der SKB, bereits in Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ für Violoncello und Streicher eine einfühlsame Solistin kennen (bemerkenswert die Leichtigkeit, mit der sich ihr lyrisches Legato vom Orchester löste), geriet ihre Interpretation von „El cant dels ocells“ („Der Gesang der Vögel“) schlicht und einfach ergreifend. Ein Neujahrskonzert als Sternstunde.

Harry Schmidt

15.01.19, Mühlacker Tagblatt

Konzert spannt Bogen von Estland bis Spanien

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die Cellistin Chihiro Saito verzaubern ihr Publikum im Uhlandbau

Beeindruckender Auftritt: Solistin Chihiro Saito am Violoncello. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ hatte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zu ihrem Neujahrskonzert am Sonntag in den Uhlandbau eingeladen. Am Pult stand Peter Wallinger, der künstlerische Leiter, der vor 35 Jahren diesen Klangkörper gegründet hat.

Dieser Ruf verpflichtet, und so wurden die Erwartungen der rund 160 Musikfreunde auch nicht enttäuscht. Fast zwei Stunden erfreuten die mit großer Spielfreude aufspielenden Streicher, Trommler und ein Paukist ihre Zuhörer mit einem „Wintermärchen“. Und wahrlich märchenhaft schön gestaltete sich das äußerst abwechslungsreiche, mit vielen Überraschungen gespickte Programm.

Brücken zwischen den einzelnen Vorträgen baute Dr. Hatto Zeidler, der sich als Sprecher vorstellte und mit „Reflexionen“ über Leben und Werke der Komponisten und mit passender Lyrik von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner das Publikum erfreute.

Weit hatte Wallinger den Bogen gespannt von Johann Sebastian Bach mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 als Auftakt bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart, der mit der Serenade Nr. 6 D-Dur berauschende Schlussakkorde setzte.

Die musikalische Reise begann im sächsischen Köthen, wo Bach seine sechs Brandenburgischen Konzerte schrieb. Die Musiker präsentierten schwungvolle barocke Prachtentfaltung mit der Wiedergabe des Dritten. Der Kontrast könnte kaum größer sein als mit Arvo Pärts - einem estländischen Komponisten - „Fratres“, mit Anklängen an mittelalterlich-gregorianische Klostergesänge. Romantisch gestimmt erinnerte dann der Norweger Edvard Grieg an den letzten Frühling, und mit einer kurzen Romanze des finnischen Komponisten Jan Sibelius endet der erste Teil.

Nach der Pause ein Sprung zu dem Katalanen Pablo Casals und seinem Gesang der Vögel, einem Weihnachtslied. 32 verschiedene Vögel begrüßen Christus in der Krippe. Endstation war Wien mit der „Serenata notturna“ von Mozart, die sich als musikalisches Kleinod erwies, folgte man der Interpretation der Kammersinfoniker.

Variantenreich spielten die Musiker auf: Geigen, Bratschen und Celli lieferten sich sprühend vor Lust einen Wettstreit, Töne schienen hin und her zu fliegen, strebten mit Crescendi einem Höhepunkt zu. Und als ob sich ein Knoten gelöst hätte, vereinten sich alle Instrumente in Harmonie. Lebhaft bis furios, mit großer Klangfülle gestalteten die Musiker die so unterschiedlichen Werke. Da fielen Claves-Töne wie zarte Tropfen, hauchzarter Streichklang betörte, verhalten war eine Trommel zu hören - eine bewegende Klangfülle in einem Auf und Ab der Gefühle. Spiritualität war spürbar, Sehnsüchte wurden geweckt, Zarte Töne weiteten sich wie Sonnenstrahlen, die durch das Geäst der gerade erblühenden Bäume drängten. Die kurze Romanze C-Dur von Sibelius entließ die begeisterten Zuhörer in die Pause.

Im zweiten Teil war die Cellistin Chihiro Saito der Star auf der Bühne. Mit samtenem Strich, gefühlvoll interpretiert erklang das Andante Cantabile von Tschaikowsky, sehr einfühlsam vom Orchester begleitet. Cantabile verlangte der Komponist – und ihr Cello sang, zum Dahinschmelzen schön. Von Casals Vögeln gab sie dem Buchfinken eine Stimme, federleicht und beschwingt. Saito ist eine vielfach preisgekrönte Cellistin, Mitglied des Lotus String Quartetts und seit vielen Jahren schon Solistin der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.

Zum Schluss des Konzertes gab es nochmals einen Höhepunkt: Die Serenata notturna hat Mozart für zwei Violinen solo, Viola solo, Kontrabass solo, Pauken und Orchester geschrieben. Eine ungewöhnliche Besetzung, fast wie zwei Orchester in einem Stück: Einmal trumpfen die Solisten auf, dann wieder alle Streicher gemeinsam. Reizvolle Gegensätze tun sich auf, wenn nur Pauken und Pizzicati zu hören sind oder die Solisten allein spielen. Marsch, Menuett und Rondo-Allegretto bestimmen die lebhaften Tempi. Mit großer Hingabe und Spielfreude bis zu den letzten Takten agierten die Musiker und ihr Dirigent. Sie alle hatten Kammermusik vom Allerfeinsten geboten.

Eva Filitz

15.01.19, Bietigheimer Zeitung

Klassiker der Musikgeschichte

Klassik Die „sueddeutsche kammersinfonie“ präsentierte in der Bietigheimer Kelter ein Neujahrskonzert.

Bietigheim-Bissingen. Am Sonntagabend ereignete sich ein klangvolles „Wintermärchen“ in der Kelter in der Bietigheimer Altstadt. Die „süddeutsche kammersinfonie“ präsentierte dort das traditionelle Neujahreskonzert 2019 unter der künstlerischen Leitung von Peter Wallinger. Das 17-köpfige Streichorchester mit Percussion präsentierte Klassiker der Musikgeschichte, die sich zwischen 1700 und 2000 ereigneten, vor rund 120 Besuchern.

Das Konzert begann mit dem dritten Brandenburgischem Konzert von Johann Sebastian Bach. Textlich unterstrichen wurde das musikalische Programm von Dr. Hatto Zeidler, Bildhauer und Autor aus Maulbronn. Er lieferte Hintergrundinformationen zu den Künstlern und trug freie Texte und Literatur der Zeitgeschichte vor. „Man muss sich vorstellen; die sechs Brandenburgischen Konzerte Bachs brauchten zwei Jahre bis zu ihrer Fertigstellung. Zu jener Zeit hatte Bach sechs kleine Kinder und vermutlich nie seine Ruhe“, berichtete Sprecher Zeidler. Humorvoll und informativ gestaltete der ehemalige Hochschulprofessor das literarische Programm des Abends.

Anschließend stellte das Orchester „Fratres“ (estländisch: Brüder) den Zeitgenossen Arvo Pärt vor. Laut Zeidler habe Pärt sich sehr für die russisch-orthodoxe Kirche und die gregorianischen Gesänge interessiert und diese in seine musikalischen Werke einfließen lassen. In dem speziellen Werk verbergen sich viele Akzente der gregorianischen Musik. Vor allem der starke Bass ließ das Stück in der kalten Akustik der rustikalen Kelter sehr mystisch und düster klinken. „Wenn all das, was heute als Schnee fallen würde, dann hätten wir gewiss ein Wintermärchen“, scherzte der Sprecher.

Das dritte Werk trug den Namen „Erinnerungen an den vergangenen Frühling“ von Evard Grieg. Sich bei dem regnerischen Wetter von Sonntag an die warmen Frühlingssonne und die erblühende Landschaft zu erinnern, fiel bei den musikalischen Meisterwerken, die die Kammersinfonie vorstellte, nicht schwer. Die Streicher harmonierten, die neun Violinen, drei Violas, drei Violoncellos zusammen mit Kontrabass und Percussion-Elementen begeisterten dem lautstarken Applaus nach zu urteilen das Publikum in hohem Maß.

Katalanisches Weihnachtslied

Nach einer kurzen Pause begann Solistin Chihiro Saito, mir ihrem Violoncello in Solos zu zaubern: Mit Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ zog sie das Publikum in den Bann ihrer Musik. Chihiro Saito studierte unter anderem in Tokio an der University of fine Arts and Music und in Stuttgart in der Solistenklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik. Sie gewann als Solocellistin und als Mitglied des Weltweit konzertierenden „Lotus String Quartets“ mehrfach Preise in verschiedenen Ländern. „Frau Saito und auch unsere Solo- Violonistin Frau Kobayashi sind bereits seit vielen Jahren in unserer Kammersinfonie. Sie sind in jeder Hinsicht eine Bereicherung für unser Orchester“, schwärmte Gründer und künstlerischer Leiter Peter Wallinger. Das zweite Solo-Stück, das Chihiro Saito mit ihrem Violoncello vortrug, war Pablo Casels „El cant dels ocells“ (katalanisch: Der Gesang der Vögel). „Das katalanische Weihnachtslied handelt von 30 verschiedenen Vögeln, die die Geburt Christi besingen und ihm Glückwünsche aussprechen. Für dieses Meisterwerk imitierte Casels die verschiedenen Vögel und vereinte sie mit den Klängen seines Violoncellos“, erklärte Hatto Zeidler.

Das Streichorchester beschloss sein Konzert mit Mozarts sechster Serenade „serenata notturna“, in der Violinistin Sachiko Kobayashi ein bezauberndes Solo zum Besten gab. Nach dem lautstarken Applaus spielte die Kammersinfonie noch eine Zugabe.

Vivien Staib

18.01.19, Nachrichtenblatt Murr

Beeindruckende Musikalität und innovatives Programm:

Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Bürgersaal Murr

Wenig bekannte Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen – selten wohl ist dieses Motto der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ schöner und beseelter mit Leben erfüllt worden als beim traditionellen Neujahrskonzert der Veranstaltungsreihe „Kulturprisma Murr“ am 12. Januar 2019 im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses. Vor etwa 160 Gästen bewiesen Peter Wallinger, Dirigent, Gründer und Leiter des Orchesters, und die Musikerinnen und Musiker des Orchesters im Laufe eines gleichermaßen kontrastreichen wie harmonischen Konzertabends ein ganz besonderes Klangerlebnis – geprägt von Frische und Spielfreude fern von jeglicher erstarrten Routine, jedoch auf höchst professionellem Niveau.

Wie in den Jahren zuvor hatte Wallinger mit dem Orchester ein innovatives und anregendes Konzertprogramm jenseits ausgetretener Pfade erarbeitet. Unter der Überschrift „Wintermärchen“ ließen Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3, Arvo Pärt, Edvard Grieg, Jan Sibelius, Tschaikowsky, Pablo Casals mit seinem „Gesang der Vögel“ und die Serenade Nr. 6 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart einen vielversprechenden Musikgenuss erwarten.

Frisch, schwungvoll und temporeich der Auftakt mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach, bei dem das Orchester gleich seine engagierte, jugendlich frische und höchst talentierte Spielweise bewies. Ganz anders im Anschluss das Werk „Fratres“ des 1935 geborenen estnischen Komponisten Arvo Pärt für Streicher mit Percussion. Schwebend, fast hypnotisch die Klänge der Streicher, getragen von einem durchgehenden Kontrabass und gegliedert durch regelmäßige Akzente von großer Trommel und Klangstäben. Unwillkürlich meinte man, nordische Weiten mit Nebelschwaden und Birkenwäldern vor Augen zu haben, so eindringlich die Interpretation des Stückes, das auch von gregorianischen Gesängen inspiriert ist.

Mit dem Norweger Edvard Grieg blieb das Orchester in nördlichen Gefilden. Sein Werk „Våren“ oder „Letzter Frühling“ aus der Zeit zwischen 1877 und 1880 entstammt der Hochromantik und wurde äußerst einfühlsam und hoch sensibel gespielt. Der silbrig-seidige Streicherton des Orchesters kommt in solchen Stücken besonders zur Geltung. Gleichermaßen feinfühlig und mit viel Gefühl für die Nuancen wurde als letztes Stück vor der Pause die Romanze C-Dur des finnischen Komponisten Jan Sibelius interpretiert.

Ein Höhepunkt des Konzertes war sicherlich gleich nach der Pause Tschaikowskys „Andante cantabile“, arrangiert für Violoncello und Streicher... Als Solistin brillierte hier Chihiro Saito, Mitglied des äußerst renommierten „Lotus String Quartet“ und seit vielen Jahren auch in der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim dabei. Ihr gelang es, vor dem Hintergrund des differenzierten Orchesterklangs der nahezu schwelgerischen, einprägsamen Melodie viel Gefühl und Ausdruck zu verleihen. Gleich anschließend folgte „Der Gesang der Vögel“ („El Cant dels Ocells“) des weltberühmten katalanischen Cellisten und Komponisten Pablo Casals (1876 bis 1973). Das Stück ist ein altes Weihnachtslied aus Katalonien, in dem mehr als dreißig Vogelarten die Geburt Christi feiern. Casals, der sich für Menschenwürde, Brüderlichkeit und Frieden einsetzte, emigrierte 1936 nach Frankreich und beendete alle seine Exilkonzerte seit 1939 mit diesem Lied, wie auch beispielsweise ein Konzert im November 1961 im Weißen Haus vor Jackie und John F. Kennedy oder vor der UN-Vollversammlung. Chihiro Saito gelang eine überaus schlichte und ergreifende Interpretation, die der Intention des Werkes eindrucksvoll gerecht wurde.

Schlusspunkt des Konzertabends bildete die Serenade Nr. 6 in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, bei der das Orchester seine ganze Versiertheit und Klasse noch einmal unter Beweis stellte. Als Solisten setzten Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, Violonist Sorin Capatina, Bratschistin Tomoko Yamasaki und Kontrabassist Simon Wallinger im Solo- und Zusammenspiel strahlende und virtuose Glanzpunkte.

Bereichert wurde der Konzertabend von den Wortbeiträgen des Bildhauers und Autors Hatto Zeidler aus Knittlingen bei Maulbronn. In frei vorgetragenen Reflexionen zu einzelnen Werken trug er Erhellendes und Aufschlussreiches über Entstehung und Hintergründe einiger Stücke vor, so zum Beispiel wie Johann Sebastian Bach viele seiner Werke im kleinen Haushalt mit sechs Kindern geschaffen hat. Auch mit den Gedichten von Rainer Maria Rilke, Gustav Schwab und Erich Kästner setzte Zeidler mit seiner humorvollen, lebendigen Vortragsweise thematisch passende Akzente zur Musik der Kammersinfonie. Am Schluss des Abends machte sich die Begeisterung des Publikums in langanhaltendem, lebhaftem Beifall Luft, mit dem Dirigent, Musiker und Vortragender für einen begeisternden Konzertabend belohnt wurden. Für Dirigent, Solisten und für alle Musiker gab es Blumen. Dafür und für den warmen Applaus bedankten sich die Musiker bei den Zuhörerinnen und Zuhörern mit einer Zugabe.

16.01.19, Marbacher Zeitung

Von der Klassik, die aus dem Märchen kommt

Hörgenuss zum neuen Jahr: In Murr haben rund 150 Gäste das Neujahrskonzert genossen. Foto: avanti

Die Süddeutsche Kammersinfonie hat ihr Publikum in ein Wintermärchen entführt.

Murr - Vereiste Fenster, Minusgrade und jede Menge Schneeflocken – der Winter hat auch das Bottwartal am Wochenende in Weiß gehüllt. Da liegt die Idee von klassischen Tönen, die das Herz erwärmen sollen, nicht allzu fern. Das Neujahrskonzert im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses Murr hat diesen Wunsch am vergangenen Samstag Wirklichkeit werden lassen: Gegen 19.30 Uhr gab das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Gründer Peter Wallinger ihr Können zum Besten und lockte etwa 150 Gäste aus Murr und Umgebung an. Die Karten konnte man sich bereits im Vorfeld sichern. Für Spontane gab es die Möglichkeit der Abendkasse.

Mit dem Bietigheimer Orchester hat man sich keine Amateure ins Haus geholt – im Gegenteil: 35 Jahre liegt seine Gründung zurück. Dennoch begeistern die Musiker mit jungem Elan und professioneller Erfahrung auf ganzer Höhe… Leidenschaft und die Liebe zur Klassik transportierte das Orchester nun auch auf der Bühne Murrs. Unter einem allumfassenden Motto machten es sich die Musiker zur Aufgabe, das Publikum an diesem Abend in ein „Wintermärchen“ zu entführen. Mit dem Brandenburgischen Konzert Nr. 3 von Johann Sebastian Bach gelang dem Orchester der passende Einstieg ins Programm. Hatto Zeidler begrüßte die Gäste mit einer Anekdote aus Bachs Leben und gestand dem Publikum sogleich, dass er noch nie in Murr gewesen sei. „Aber ich komme ursprünglich aus Eberbach am Neckar, und wer schon mal im Neckar gebadet hat, war auch schon in der Murr, schließlich fließt die ja in den Neckar“, witzelte Zeidler und kündigte „Fratres“ von Arvo Pärt an.

Die Zuhörerschaft war gefesselt von dem Klangkörper des Orchesters. Aus den Musikinstrumenten kamen Töne, aus den Tönen wurden Melodien und aus den Melodien ganze Stücke, die einen mitrissen in die märchenhafte Welt der Klassik. Jan Sibelius „Romanze C-Dur op. 42“ läutete die halbstündige Pause ein, um sich im Foyer des Rathauses eine Stärkung zu genehmigen. Neben Sekt, Wein und Orangensaft sorgten passend zur Veranstaltung Neujahrsbrezeln für das leibliche Wohl… Nachdem der kleine Hunger gestillt war, ging es für die Musikfans erneut in die märchenhafte Welt der Klassik. Im Repertoire der Bietigheimer fanden sich zudem Peter Tschaikowskys „Andante cantabile“ und Pablo Casals „El Cant dels Ocells“, welches das Zwitschern der Vögel sogar in den Wintermonaten zurückbrachte. Mozarts „Serenade Nr. 6 D-Dur“ rundete den Abend ab und bescherte dem Konzert einen würdigen Abschluss.

Helena Hadzic