Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

03.03.2012, Mühlacker Tagblatt

„Ich bin stolz auf meine Heimat“

Die junge Pianistin Magdalena Müllerperth aus Schmie, die derzeit in den USA studiert, ist heute im Mühlacker Uhlandbau zu hören

Lampenfieber? Die Gefahr, dass Magdalena Müllerperth heute beim Konzert im Uhlandbau von dieser Bühnenkrankheit befallen wird, scheint eher gering. Zu gut vorbereitet ist sie, zu souverän meistert die 19-jährige Pianistin die musikalischen Herausforderungen, die ihr zwischen Studium in New York und Heimspiel im Enzkreis begegnen.

Nicht erst, seit Sie in Amerika studieren, geben Sie auf internationalem Parkett Konzerte. Was bedeutet da das „Heimspiel“ im Uhlandbau für Sie?

Das Konzert ist auf jeden Fall etwas Besonderes für mich. Ich gehe auf die Bühne, wissend, dass im Saal viele Bekannte sitzen, Nachbarn, Freunde. Und wenn man das Publikum so deutlich vor Augen hat, hat man irgendwie das Gefühl, mit noch mehr Liebe als sonst zu spielen, zumal auch viele Menschen da sein werden, die ich seit längerer Zeit nicht gesehen habe.

Ist der Erwartungsdruck größer als bei anderen Auftritten?

Nein, die Erwartungen sind immer hoch. Spiele ich irgendwo in der Fremde, muss ich das Publikum dort ganz neu überzeugen, habe ich einen Auftritt in der Region, so möchte ich diejenigen, die mich früher schon bei guten Konzerten gehört haben, nicht enttäuschen. Auf jeden Fall finde ich es besonders schön, in meiner Heimat zu spielen. Das ist mir wichtig.

Seit rund zwei Jahren studieren Sie in New York. Wie würden Sie Ihre eigene Entwicklung in dieser Zeit einschätzen?

Ich denke, ich bin selbstständiger geworden in Bezug auf die Interpretation. Ich gestalte meine Programme eigenverantwortlich und habe durch den Unterricht in Musiktheorie, Musikgeschichte und anderen Fächern, durch Konzertbesuche und den Kontakt mit anderen Musikern ein größeres Verständnis für die Stücke und die vielen, vielen Ebenen der Musik gewonnen. Darüber hinaus habe ich stark am Klang und an der Technik gearbeitet. Sicher habe ich noch einen Weg zu gehen, aber ich glaube, viel gelernt zu haben, um eine eigenständige Künstlerin zu werden.

Waren Sie es, die das Schumann-Konzert für den Auftritt im Uhlandbau ausgesucht hat?

Ja, das war meine Idee, über die sich der Dirigent Peter Wallinger aber auch sehr gefreut hat. Ich finde, das Schumann-Klavierkonzert ist in seiner Idee das romantischste Konzert der Romantik, das unheimlich viele Emotionen und Pathos enthält, wobei die Gefühle nie aufgesetzt wirken. Mir gefällt die Kommunikation mit dem Orchester, die manchmal fast kammermusikalische Züge trägt, und dann gibt es natürlich wunderschöne Melodien.

Schöne Musik werden Sie aber nicht nur in Mühlacker präsentieren. Welche Projekte stehen in den kommenden Monaten an?

Im Sommer sind viele Rezitals geplant, für die ich jetzt anfangen werde, das Repertoire einzustudieren. Außerdem werde ich zusammen mit der George-Enescu-Philharmonie erneut Schumann spielen – unter anderem in der Liederhalle in Stuttgart.

Wenn Sie nicht gerade Konzerte geben, sind Sie Musikstudentin in New York. Wie sieht Ihr Leben dort aus?

Ich wohne direkt in Manhattan und teile mir dort eine kleine Wohnung mit einer Sängerin. Das hat sich alles recht gut eingespielt. Ich telefoniere häufig mit meinen Eltern und mit meiner Schwester, und in den Semesterferien und auch sonst, wenn es sich ergibt, komme ich heim nach Schmie.

Was vermissen Sie am meisten?

Die Ruhe. In New York ist das Leben schnell, hektisch, die Straßen sind gerade zur Rushhour unglaublich voll. Manhattan und Maulbronn – das sind in gewisser Weise schon Extreme.

Apropos Maulbronn: Sie sind Musikbotschafterin der Stadt. Wie lässt sich diese Funktion über einen Ozean hinweg aufrechterhalten? Stehen Sie in Kontakt mit Bürgermeister Felchle?

Ja, ich schicke ihm manchmal E-Mails und berichte ihm, wie es mir geht. Und wenn in Maulbronn festliche Veranstaltungen anstehen, spiele ich, wenn möglich, für die Stadt. Darüber hinaus verstehe ich meine Rolle als Botschafterin auch so, dass ich in New York von meiner Heimat erzähle. Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, erzähle ich vom Kloster und zeige Bilder. Es gibt so viel zu berichten über diese tolle Stadt. Ich bin stolz auf meine Heimat und finde, dass wir hier in einer der schönsten Regionen Deutschlands leben.

Sie feiern im September Ihren 20. Geburtstag. Empfinden Sie dies als Einschnitt in Ihrer Entwicklung vom vielzitierten Wunderkind zur erwachsenen Künstlerpersönlichkeit?

Als Wunderkind habe ich mich nie gesehen, denn zum einen bin ich mit anderen jungen Musikern aufgewachsen, die auch sehr gute Leistungen bringen. Zum anderen war mir schon immer bewusst, dass es viel gibt, an dem ich noch arbeiten möchte. Insofern empfinde ich mich auch heute nicht als „Wunder“. Das Ende der Teenager-Zeit bedeutet zwar, dass jetzt kein Schüler mehr auf der Bühne steht, sondern ein erwachsener Mensch, der mehr Verantwortung trägt, aber ich habe auch einen größeren Erfahrungsschatz als früher, weiß mehr und kann deshalb selbstbewusst auftreten.

Wie behält die Künstlerin, die stundenlang übt und sich mit anderen Künstlern austauscht, den Bezug zum ganz normalen Leben?

Den Bezug zum Alltag verliere ich nicht, dafür sorgt schon beispielsweise das Schleppen der Einkaufstüten hoch in den sechsten Stock, wo meine Wohnung liegt. Auch Sport mache ich ab und zu gern, und an den Wochenenden findet sich durchaus auch einmal Zeit und Gelegenheit, um auszugehen. Ansonsten übe ich, gehe zur Schule, höre mir Konzerte an, lese, singe. Ich führe ein sehr musikalisches Leben, und ich habe das Gefühl, dass ich, je mehr Musik ich mache, desto mehr Spaß daran habe, weil ich in vielen Bereichen spannende neue Einblicke gewinne.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie schon als 15-Jährige nach Amerika gegangen sind?

Mir war früh klar, dass ich irgendwann ein Jahr im Ausland verbringen wollte. Das Klavierspielen solange aufzugeben, kam aber nicht infrage. Also hat meine Karlsruher Klavierlehrerin, Professor Sontraud Speidel, den Kontakt zu Professor Alexander Braginsky hergestellt, der in Minnesota unterrichtet und ein Projekt betreut, in dessen Rahmen Nachwuchsmusiker gefördert werden. Ich war dann vor Ort, um mir für einen späteren Zeitpunkt die Schule und das Umfeld anzusehen, aber im Grunde war alles schon für mich vorbereitet. Ich erhielt sofort ein Stipendium, so dass ich früher als eigentlich geplant, noch während der zehnten Klasse, in die USA gegangen bin. Ich war dann zunächst auf einer Privatschule und konnte dort einen Abschluss erwerben, der es mir auch in Deutschland ermöglicht, ein Studium aufzunehmen.

Hätte ich dann nicht meinen heutigen Lehrer Jerome Rose getroffen, wäre ich möglicherweise nach dem Ende der Schulzeit nach Deutschland zurückgekommen. So aber wollte ich unbedingt bei ihm in New York studieren, denn er hat mich bei einem Sommerkurs tief beeindruckt.

Wie weit ist Ihr Studium gediehen?

Ich bin jetzt im zweiten Jahr. Da die konzeptionelle Ausrichtung mittlerweile in Deutschland ähnlich ist, habe ich die Option, nach dem Bachelor-Abschluss hier weiterzustudieren.

War für Sie von Anfang an klar, dass Sie Musikerin werden wollen?

Ja. Meine Eltern erzählen, dass ich, als ich drei Jahre alt war, einmal in die Küche kam und verkündete, Pianistin werden zu wollen. Sie haben das damals natürlich nicht sonderlich ernst genommen. Ich war aber hartnäckig und habe mir zu meinem fünften Geburtstag ein Klavier gewünscht, was mir dann auch zugesagt wurde. Eine Woche vorher habe ich meinen Vater an sein Versprechen erinnert, und er besorgte auf die Schnelle ein altes Klavier, auf dem ich dann tatsächlich angefangen habe zu spielen. Und bis heute habe ich damit nicht aufgehört.

Im Gegenteil: Sie arbeiten jetzt sogar mit einem professionellen Management zusammen . . .

Ja, eine große Agentur hat mich unter Vertrag genommen, was ich als große Ehre für mich einordne. Für mich bedeutet diese Zusammenarbeit ein Plus an Verantwortung, denn es geht nun bei meinen Konzerten nicht nur um mich selbst, sondern ich repräsentiere auch den guten Namen meiner Agentur. Und diese hat mir bereits einmalige Auftrittschancen ermöglicht, etwa im Festspielhaus in Baden-Baden, was ein großartiges Erlebnis für mich war. So etwas ist ohne eine professionelle Agentur nicht möglich.

Wenn Sie nun die ganz großen Bühnen erobern, muss sich der Musikfreund aus dem Enzkreis dann Sorgen machen, dass Ihr Auftritt heute Abend im Uhlandbau möglicherweise auf lange Sicht das letzte Heimspiel gewesen sein könnte?

Nein, ich werde sicher in absehbarer Zeit wieder in der Nähe auftreten. Beispielsweise wird es Konzerte in Karlsruhe und Stuttgart geben. In der Region leben so viele Musikinteressierte, dass ich auch in der Zukunft immer wieder hierher zurückkehren werde. Aber nichtsdestotrotz: Ein Konzertbesuch heute Abend lohnt sich bestimmt. Nicht nur für mich ist der Auftritt etwas Besonderes. Auch Schumanns Klavierkonzert ist einfach einzigartig.

Zur Person

Magdalena Müllerperth

Die Pianistin wurde 1992 in Pforzheim geboren und erhielt mit fünf Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Im Alter von acht Jahren wurde sie zunächst Schülerin, ab 2003 Jungstudentin von Professor Sontraud Speidel an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Ab November 2007 studierte sie bei Professor Alexander Braginsky an der Hamline University, St. Paul/Minnesota. Seit September 2010 setzt sie ihre Studien bei Professor Jerome Rose am Mannes College in New York fort. Die junge Künstlerin errang zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Seit 2007 ist sie Jugendmusikbotschafterin der Stadt Maulbronn.

Magdalena Müllerperth konzertierte bereits in ganz Deutschland sowie in Dänemark, Belgien, Italien, Österreich, Tschechien, Russland, Frankreich, Schweiz, in der Ukraine und den USA. 2008 gab sie sechs Konzerte mit dem Minnesota Orchestra. Im selben Jahr wurde sie als Solistin zu den Stuttgarter Philharmonikern eingeladen. 2009 gab sie ihr Debüt bei den Klosterkonzerten Maulbronn und im Dezember 2009 in der Liederhalle in Stuttgart. (pm)

Carolin Becker

01.03.2012, Bietigheimer Zeitung

Lieblingskonzert der Pianistin

Magdalena Müllerperth spielt Schumann-Klavierkonzert in Bietigheim

Das Klavierkonzert in a-Moll von Robert Schumann ist eines von drei Stücken, die im Konzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am 2. März im Kronenzentrum gespielt werden. Solistin ist die 20-jährige Magdalena Müllerperth.

Magdalena Müllerperth mit ihren gerade mal 20 Jahren kommt ins Schwärmen, wenn sie über das 167 Jahre alte Klavierkonzert von Robert Schumann spricht. "Es ist eines meiner Lieblingsstücke, es ist so romantisch", sagt die junge Maulbronnerin. Für sie sei das Konzert das schönste der Epoche der Romantik, vor allem auch, weil es so gefühlvoll ist und das Klavier einen Dialog mit dem Orchester eingeht, um dann mit ihm zu verschmelzen.

Magdalena Müllerperth ist für das Konzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim extra aus New York gekommen. Seit einer Woche weilt sie wieder bei ihren Eltern in Maulbronn und übt täglich mit dem Dirigenten Peter Wallinger und seinem Orchester. Die junge Musikerin ist ehrgeizig, will nicht nur gut sein, sondern "sehr gut".

Mit fünf Jahren, so erzählt ihre Mutter gerne, kam sie plötzlich in die Küche und sagte: "Ich will Pianistin werden, wenn ich groß bin". Das war der Moment, in dem Papa Müllerperth ein Klavier kaufte und seine Tochter mit dem Unterricht in der Musikschule Maulbronn begann, den sie dann in Pforzheim fort setzte.

Schnell stellte sich heraus, dass die junge Maulbronnerin eine hohe Begabung als Pianistin hat. Im Alter von acht Jahren wurde sie zunächst Schülerin, dann Jungstudentin von Professor Sontraud Speidel an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe. Seit 1999 errang die junge Künstlerin einen Preis nach dem anderen, insgesamt 35. Sie spielte Konzerte, die sich oft nur gestandene Pianisten zutrauen. "Ich will mir den Traum von der Solistenkarriere erfüllen, dafür arbeite ich hart", sagt Magdalena Müllerperth. Die junge Frau weiß, was sie will. Mit 15 wollte sie unbedingt in die USA, wie ihr großer Bruder, aber sie wollte dort auch Klavier spielen. Dafür wurde der bestmöglichste Lehrer gesucht und in Professor Alexander Baginsky gefunden, bei dem Müllerperth drei Jahre an der Hamline University in St. Paul im Bundesstaat Minnesota studierte und - fast nebenher - ihre Hochschulzulassung ablegte. Englisch spricht sie mittlerweile so gut, dass man gar einen amerikanischen Akzent hört, wenn sie in ihrer Muttersprache spricht. Denn schließlich lebt sie nun seit fünf Jahren in den Staaten.

Seit 2010 studiert Magdalena Müllerperth in New York, bei Professor Jerome Rose, einem der besten zeitgenössischen Pianisten, am Mannes College. Rose, in seiner Jugend ebenso früh wie Müllerperth als Talent erkannt - er spielte schon mit 15 Jahren mit der San Francisco Symphony - förderte auch ihre Liebe zur romantischen Musik. "Rose spielt die Werke der Romantik wie ein Deutscher , wie beispielsweise der berühmte Pianist Arthur Schnabel, Rose kann mir viel beibringen", so Müllerperth. Brahms, Beethoven, Liszt, Schubert - diese Komponisten liebt die Musikerin. Auch wenn sie auch gerne Hindemith- oder Barber-Stücke aus der klassischen Moderne spielt, ihr Ding sei die moderne Musik nicht. "Ich spiele beispielsweise nicht gerne Jazz", sagt sie, "in der Klassik, vor allem in der Romantik, geht es um große Poesie, um einen Weltgeist, um den Aufbruch in eine neue Zeit, das gefällt mir".

Mindestens einmal im Jahr kommt sie für eine längere Zeit nach Deutschland, um auch hier zu konzertieren. "Dann gebe ich mir die geballte Ladung an Konzerten", lacht sie. So spielt sie im Herbst in Bukarest, in Stuttgart und beim Schleswig-Holstein-Festival. Jetzt ist sie nur wegen Peter Wallinger und der Süddeutschen Kammersinfonie gekommen - und wegen Schumanns Klavierkonzert.

Gabriele Szczegulski

05.03.2012, Ludwigsburger Kreiszeitung

Schumann als große Herausforderung für junge Interpretin

Magdalena Müllerperth und Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musizieren bravourös - Tosender Beifall und zwei Zugaben

Mit tänzerischer Eleganz, feurigem Elan und sprühender Musizierfreude gestalteten die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger zusammen mit der blutjungen Klaviervirtuosin Magdalena Müllerperth am Freitagabend im fast voll besetzten Kronensaal ihr Konzertprogramm „Magie der Töne“.

Die knapp 20-jährige Nachwuchsmusikerin studiert seit 2007 an renommierten Hochschulen in New York und ist schon seit dem Jahr 2004 Stipendiatin der Theodor und Ursua Mayer-Stiftung in Bietigheim-Bssingen.

Mit dem Gründer und Dirigenten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim verbindet Magdalena Müllerperth, die in Maulbronn-Schmie aufwuchs, eine enge künstlerische Freundschaft. Bereits zum dritten Mal musizierte sie mit ihm und seinem inzwischen hoch geschätzten Orchester zusammen. Den Solopart im Klavierkonzert in a-moll, Opus 54, von Robert Schumann führte sie zum ersten Mal öffentlich auf. Die prägnante Akkordfolge zu Beginn des ersten Satzes erklang glutvoll und emotional und so führte Magdalena Müllerperth ihre Gestaltung der von romantischem Grundton geprägten Soli in allen drei Sätzen auch weiterhin aus.

Mit Bravour stürzte sie sich in die machtvollen Klangstrudel des 1845 veröffentlichten Werks und ließ dabei die vitalen Stimmungskontraste rauschhaft aufleuchten.

Das war eine große Herausforderung, die die junge Virtuosin an sich selbst stellte, der sie voll gewachsen war, wenn es auch einmal so schien, als wollte der ansonsten durchgängig spürbare Spannungsstrom für einen Moment innehalten. Getragen wurde die Solistin allerdings auch vom blühenden Klang der Kammersinfonie. Schumann hatte dem Begleitorchester eine breit gefächerte Eigenständigkeit eingeräumt, die von dem dicht, kraftvoll leuchtend und brillant musizierenden Klangkörper hörbar gemacht wurde.

Magdalena Müllerperth bedankte sich für den tosenden Beifall mit zwei virtuos dargebotenen Zugaben.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnete das Konzert mit der Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die düstere Stimmung des einleitenden Andantes ließ Orchesterleiter Peter Wallinger eindringlich hervortreten. Farbenreich und nuanciert wurden die atmosphärisch gegensätzlichen Themen der Ouvertüre, die den zwielichtigen Charakter des Don Juan andeuten sollen, temporeich und impulsiv wiedergegeben.

Nach dem Schumann-Konzert stand noch die „Symphonie Classique“ in D-Dur, Opus 25, von Sergej Profokjew aus dem Jahr 1918 auf dem Programm. Dieses neoklassizistische Kleinod schenkte den Mitgliedern des Orchesters eine wunderbare Gelegenheit, eine überaus delikate, glitzernde und anregende Ausführung darzubieten. Hohe Anerkennung verdienten dabei die bravourösen Leistungen der Holzbläser, insbesondere der beiden Flötistinnen.

Es gab lang anhaltenden Schlussbeifall, für den sich Peter Wallinger und sein Orchester mit der Gavotte aus der Sinfonie als Zugabe bedankten.

Rudolf Wesner

05.03.2012, Pforzheimer Zeitung

Fulminantes Heimspiel

Pianistin Magdalena Müllerperth spielt im Uhlandbau

Mühlacker. Magdalena Müllerperth wird im Mühlacker Uhlandbau schon von ihrer Fan-Gemeinde erwartet: Die Meisterschülerin von Jérome Rose am Mannes College in New York ist extra zum Konzert mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie aus den USA eingeflogen. Da geben sich selbstverständlich die lokalen Honoratioren und Sponsoren die Ehre. Am CD-Tisch – es liegen Müllerperth-Einspielungen für die „Edition Kloster Maulbronn“ zum Verkauf aus – ist die Nachfrage nach persönlich von der Künstlerin signierten Exemplaren groß.
Im Konzert selbst beweist die 20-jährige, aus Maulbronn-Schmie stammende Solistin Mut. Während andere Jungpianisten sich im gnadenlosen Konzertgeschäft eine Nische suchen, um mit selten gespielten Komponisten und Werken auf sich aufmerksam zu machen, präsentiert Müllerperth die großen Klassiker.

Große Gefühlsintensität

In Mühlacker spielt sie Schumanns von außerordentlicher Gefühlintensität geprägtes a-Moll-Klavierkonzert op.54, den Inbegriff der musikalischen Romantik. Großartig die Musizierkunst der Solistin: kraftvoll-zackig die Eröffnungskaskade, melodisch beseelt die figurativen Verzweigungen und eleganten Läufe des Passagenwerkes. Im ersten Satz („Allegro affettuoso“) werden die beiden Seiten Schumanns, der Stürmer und der sinnende Träumer, glänzend herausgearbeitet. Und auch das berühmte Diktum Clara Schumanns, dass nämlich das Klavier „auf das feinste mit dem Orchester verwebt“ sei, wird von den Interpreten mit Sorgfalt beachtet. Hörenswert, wie die Streicher und insbesondere die Holzbläser unter Wallingers Stabführung ein wechselvolles Spiel von Umgarnen und Umgarnt-Werden mit dem Klavier entfalten. Herrlich der vitale Elan und die klanglich-orchestralen Weitungen im Finalsatz. Mit den Zugaben zeigt Müllerperth, was noch alles zu ihrem Metier gehört. Beispielsweise lyrisch zarte Poesie in Schumanns filigranem Klavier-Fantasiestück „Des Abends“. Oder die zirzensische Virtuosität von Liszts „Campanella“, deren fulminante Bravour Beifallsstürme auslöst.
Was im zweiten Konzertabschnitt folgt, gerät unter solchen Umständen fast zur Nebensache. Im anfangs voll besetzten Saal zeigen sich leere Stuhlreihen. Obwohl Wallingers Orchester eine lebhaft-lebendige Wiedergabe von Serge Prokofieffs „Symphonie Classique“ in D-Dur (op.25) abliefert und wie schon im Konzert-Eingangsstück, der Ouvertüre zu Mozarts „Don Giovanni“, dem Motto des Abends, der „Magie der Töne“, vollauf gerecht wird.

Eckehard Uhlig

06.03.2012, Mühlacker Tagblatt

Pianistin verzaubert ihr Publikum

Magdalena Müllerperth und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musizieren bravourös im Mühlacker Uhlandbau

Von der Magie der Töne ließen sich die Besucher des Konzerts der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Samstag im voll besetzten Saal des Uhlandbaus gerne verzaubern.

Mühlacker. Daran hatte nicht zuletzt die junge Solistin des Abends, die Pianistin Magdalena Müllerperth, mit ihrer Interpretation des Schumann-Klavierkonzerts in a-moll hohen Anteil.

Einmal mehr war es auch die wohlig warme Akustik des renovierten, auch optisch ansprechenden Saales, mit der die drei aufgeführten Werke in ihrer klanglichen Vielfalt zu vernehmen waren.

Die 19-jährige Nachwuchsmusikerin Magdalena Müllerperth studiert seit 2007 an renommierten Hochschulen in den USA, aktuell in New York, und ist seit dem Jahr 2004 Stipendiatin der Theodor-und-Ursula-Mayer-Stiftung in Bietigheim-Bissingen. Schon im Herbst 1997 begann sie mit dem Klavierunterricht an der Jugendmusikschule Gutmann in Mühlacker, den sie dort drei Jahre lang erhielt.

Mit Peter Wallinger, dem Gründer und Dirigenten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, verbindet Magdalena Müllerperth, die in Maulbronn-Schmie aufwuchs, eine enge künstlerische Freundschaft. Bereits zum dritten Mal musizierte sie nun mit ihm und seinem hoch geschätzten Orchester zusammen.

Nach Beethovens zweitem Klavierkonzert im Jahr 2006 sowie Chopins erstem Konzert dieser Gattung zwei Jahre danach brillierte die Pianistin am Samstag mit dem äußerst anspruchsvollen Klavierkonzert in a-moll, Opus 54, von Robert Schumann. Es sei schon lange ihr großer Wunsch gewesen, dieses Werk einzustudieren, sagte Magdalena Müllerperth im Gespräch mit unserer Zeitung nach ihrem Auftritt. Doch habe sie vor den ersten öffentlichen Aufführungen sowohl am Freitagabend in Bietigheim-Bissingen als auch am darauffolgenden Samstag in Mühlacker enormes Lampenfieber gehabt.

Davon war vom ersten Anschlag des Eröffnungssatzes Allegro affettuoso allerdings nichts zu spüren. Die prägnante Akkordfolge erklang bereits überaus glutvoll und emotional, und so führte Magdalena Müllerperth ihre Gestaltung der von romantischem Grundton geprägten Soli in allen drei Sätzen auch weiterhin aus.

Mit Bravour stürzte sie sich in die machtvollen Klangstrudel des 1845 veröffentlichten Werks und ließ dabei die vitalen Stimmungskontraste durchaus auch rauschhaft aufleuchten. Das war eine große Herausforderung, die die junge Virtuosin an sich selbst stellte, der sie voll gewachsen war.

Nach Verklingen des letzten Taktes des Finalsatzes war allen Zuhörern klar: Man muss wohl so jung sein wie Magdalena Müllerperth, um das populäre, von der Elite der Pianisten oft gespielte Klavierkonzert von Robert Schumann in solch glutvoller Virtuosität erklingen zu lassen.

Getragen wurde die Solistin allerdings auch vom blühenden sinfonischen Klang der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallingers engagierter Leitung. Schumann hatte dem Begleitorchester eine breitgefächerte Eigenständigkeit eingeräumt, die von dem dicht, kraftvoll leuchtend und brillant musizierenden Klangkörper opulent hörbar gemacht wurde. Magdalena Müllerperth bedankte sich für den tosenden Beifall noch mit zwei virtuos dargebotenen Zugaben. Von Robert Schumann erklang die ruhige Komposition „Der Abend“ , danach folgte als wahres Bravourstück „La Campanella“ von Franz Liszt.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnete das Konzert mit der Ouvertüre zur Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die düstere Stimmung des einleitenden Andantes ließ Orchesterleiter Peter Wallinger eindringlich hervortreten. Farbenreich und nuanciert wurden die atmosphärisch gegensätzlichen Themen der Ouvertüre, die den zwielichtigen Charakter des Don Juan andeuten sollen, temporeich und impulsiv wiedergegeben.

Nach dem Schumann-Konzert stand noch die „Symphonie Classique“ in D-Dur, Opus 25, von Sergej Prokofjew aus dem Jahr 1918 auf dem Programm. Dieses neoklassizistische Kleinod ist voller heiter beschwingter Bezüge zum sinfonischen Schaffen von Joseph Haydn und schenkte den Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim eine wunderbare Gelegenheit, mit tänzerischer Eleganz, feurigem Elan und sprühender Musizierfreude eine delikate, glitzernde und anregende Ausführung darzubieten, bei der insbesondere die Holzbläser und hier vor allem die beiden Flötistinnen wahre Bravourleistungen vollbrachten. Die kurze Gavotte der Komposition war als Zugabe für den anhaltenden Beifall zu hören.

Rudolf Wesner

17.01.2012, Bietigheimer Zeitung

Zauberhafte Harfenklänge

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in der Kelter

Mit zarten Harfenklängen begleitete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntagnachmittag die Besucher ihres Neujahrskonzerts in der voll besetzten Bietigheimer Kelter auf einer Reise vom Morgenland ins Abendland.

Wer das Konzert erlebte, kam voll auf seine Kosten, denn in diesem Programm stand die Harfe im Mittelpunkt. Die französisch-amerikanische Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Peter Wallinger für das diesjährige Neujahrskonzert gewinnen, das am Samstagabend auch im Bürgersaal der Gemeinde Murr zu hören war.

Sie vermochte mit den feinen Klängen auf ihrem Instrument die Besucher regelrecht zu verzaubern. Doch für das Programm "Orient - Okzident" hatte der Orchesterleiter auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben. Von Christoph Willibald Gluck, dem Komponisten, der maßgeblich den Übergang vom Barock zur Klassik im 18. Jahrhundert prägte, wurde das kaum bekannte Werke "Die Pilger von Mekka" zur Einleitung des Programms aufgeführt. In dem recht kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Komposition aus.

Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1783 komponiert, erklang während der diesjährigen Neujahrskonzerte der Kammersinfonie Bietigheim in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart wesentlich filigraner. Von Anne-Sophie Bertrand wurde dieser mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe interpretiert.

Das Andante war dabei ein besonders hochrangiger Hörgenuss, denn die Solisten und die Kammersinfonie entfalteten mit der sanft dahinfließenden Melodie zauberischen Wohlklang. In den kunstvoll ausgeführten Kadenzen der drei Sätze bestach Anne-Sophie Bertrand bei einfühlsamem Spiel mit ihrer ausgereiften Virtuosität. Das Orchester begleitete die Solistin mit brillant entfalteter Streicherfülle. Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglückte das ungemein feinstimmige Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Streichorchester.

Elegische Stimmung beherrschte den "Danse sacrée", dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der "Danse profane" von bewegten Klangfiguren geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Diesen Kontrast ließ Peter Wallinger zusammen mit seiner Harfensolistin aus Paris in subtiler Klangpracht hervortreten. Ein Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft und auch ihr überaus einfühlsames Spiel auf der Harfe nachdrücklich auszubreiten. Das verträumte Werk ist von mystischer Stimmung geprägt und der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer seelenvollen Interpretation Ausdruck zu verleihen.

Noch einmal entführten die Musikerinnen und Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Konzertbesucher in den märchenhaften Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama "Peer Gynt" von Edvard Grieg waren die Sätze "Anitras Tanz" und "Arabischer Tanz" zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im "Arabischen Tanz" zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe für den anhaltenden, freudigen Applaus gespielt wurde.

Rudolf Wesner

17.01.2012, Vaihinger Kreiszeitung

Seelenvolle Harfenklänge verzaubern

Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim

Mit zarten Harfenklängen begleitete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntag die Besucher ihrer Neujahrskonzerte – sowohl am Vormittag im voll besetzten Saal des Uhlandbaus in Mühlacker als auch am Nachmittag in der ebenfalls gut besetzten Kelter in Bietigheim – auf einer Reise vom Morgenland ins Abendland. „Orient – Okzident“ überschrieb Orchesterleiter Peter Wallinger das reizvolle Programm.

Wer eines der Konzerte erlebte, kam voll auf seine Kosten, denn in diesem Programm stand die Harfe im Mittelpunkt. Die französisch-amerikanische Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Peter Wallinger für die diesjährigen Neujahrskonzerte gewinnen. Sie vermochte mit den feinen Klängen auf ihrem Instrument die Besucher regelrecht zu verzaubern. Doch für das Programm „Orient – Okzident“ hatte der Orchesterleiter auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben. Von Christoph Willibald Gluck, dem Komponisten, der maßgeblich den Übergang vom Barock zur Klassik im 18. Jahrhundert prägte, wurde das kaum bekannte Werk „Die Pilger von Mekka“ zur Einleitung des Programms aufgeführt. In dem recht kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Komposition aus.

Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1783 komponiert, erklang während der diesjährigen Neujahrskonzerte in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt, wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart wesentlich filigraner, auch zauberhafter. Von Anne-Sophie Bertrand wurde dieser mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe interpretiert. Das Andante war dabei ein besonders hochrangiger Hörgenuss, denn die Solisten und die Kammersinfonie entfalteten mit der sanft dahinfließenden Melodie zauberhaften Wohlklang.

In den kunstvoll ausgeführten Kadenzen der drei Sätze bestach Anne-Sophie Bertrand bei einfühlsamem Spiel mit ihrer ausgereiften Virtuosität. Das Orchester begleite die Solistin mit brillant entfalteter Streicherfülle. Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglückte das ungemein feinstimmige Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Streichorchester. Elegische Stimmung beherrschte den „Danse sacrée“, dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der „Danse profane“ von bewegten Klangfiguren geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Diesen Kontrast ließ Peter Wallinger zusammen mit seiner Harfensolistin aus Paris in subtiler Klangpracht hervortreten. Ein Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft und auch ihr überaus einfühlsames Spiel auf der Harfe nachdrücklich auszubreiten. Das verträumte Werk ist von mystischer Stimmung geprägt, und der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer seelenvollen Interpretation Ausdruck zu verleihen.

Noch einmal entführten die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Konzertbesucher in den märchenhaften Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama „Peer Gynt“ von Edvard Grieg waren die Sätze „Anitras Tanz“ und „Arabischer Tanz“ zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im „Arabischen Tanz“ zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe für den anhaltenden, freudigen Applaus gespielt wurde.

Rudolf Wesner

17.01.2012, Ludwigsburger Kreiszeitung

Westöstlicher Diwan aus Harfenklängen

Neujahrskonzert im Murrer Bürgersaal: Ein Neujahrskonzert voller reizvoller musikalischer Kontraste bot die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung ihres Gründers Peter Wallinger am vergangenen Wochenende insgesamt dreimal.

Die Reihe wurde am Samstagabend im Murrer Bürgersaal eröffnet und in diesem Jahr schien es, als hätte das inzwischen in der Gemeinde zur Tradition gewordene Neujahrskonzert besonders viele Musikfreunde angezogen.

Mit Gluck in Mekka

Wer dabei war, kam voll auf seine Kosten, denn zum ersten Mal gab es in Murr ein Programm, in welchem die Harfe im Mittelpunkt stand. Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Wallinger für die Neujahrskonzerte gewinnen. Der Orchesterleiter hatte auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben. Von Christoph Willibald Gluck war das kaum bekannte Werk „Die Pilger von Mekka“ zu hören. In dem kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim diese Komposition aus.

Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart erklang in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt, wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart filigraner und zauberischer. Anne-Sophie Bertrand interpretierte diesen mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe. Dabei entfaltete sie ihre beeindruckende Virtuosität. Diese zeigte sich in den kunstvoll ausgeführten Kadenzen. Das Orchester begleite sie mit brillanter Streicherfülle.

Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglücke das Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Orchester. Elegische Stimmung beherrschte den „Danse sacrée“, dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der „Danse profane“ von bewegten Klangfiguren auf der Harfe geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Das Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft nachdrücklich auszubreiten. Der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer Interpretation Ausdruck zu verleihen.

Auch in Bietigheim

Noch einmal entführten die Musiker die Konzertbesucher in den Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama „Peer Gynt“ von Edvard Grieg waren die Sätze „Anitras Tanz“ und „Arabischer Tanz“ zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im „Arabischen Tanz“ zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe gespielt wurde. Das Konzert wurde am Sonntagvormittag nochmals in Mühlacker und nachmittags in der Bietigheimer Kelter gegeben.

Rudolf Wesner

17.01.2012, Mühlacker Tagblatt

Neujahrskonzert "Orient - Okzident"

Zauberhafte Klänge im Uhlandbau: Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim bietet reizvolle musikalische Kontraste

Ein Neujahrskonzert voller reizvoller musikalischer Kontraste, die mit einem vollendeten Hörgenuss verbunden waren, bot die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter der Leitung ihres Gründers Peter Wallinger am Wochenende in drei Aufführungen. Der vielversprechende Titel: „Orient – Okzident“.

Mühlacker. Am Sonntagvormittag war das Programm im Uhlandbau in Mühlacker zu hören. In diesem Jahr lockte das inzwischen zur Tradition gewordene Neujahrskonzert dieses immer wieder glanzvoll musizierenden Orchesters besonders viele Musikfreunde an, denn es war ausverkauft, und in letzter Minute wurden noch zusätzliche Stühle bereitgestellt, um allen Besuchern einen Sitzplatz bieten zu können.


Foto: Fotomoment

Wer dabei war, kam voll auf seine Kosten, denn in diesem Programm stand die Harfe im Mittelpunkt. Die französisch-amerikanische Harfenistin Anne-Sophie Bertrand aus Paris konnte Peter Wallinger für die diesjährigen Neujahrskonzerte gewinnen. Sie vermochte mit den zarten Klängen auf ihrem Instrument die Besucher regelrecht zu verzaubern. Doch für das Programm „Orient – Okzident“ hatte der Orchesterleiter auch wieder eine Rarität aus einem Notenarchiv ausgegraben: Von Christoph Willibald Gluck, dem Komponisten, der maßgeblich den Übergang vom Barock zur Klassik im 18. Jahrhundert prägte, war das kaum bekannte Werk „Die Pilger von Mekka“ zu hören. In dem recht kurzen Stück ließ es Gluck kräftig orientalisch klingen, weshalb er den Streichern auch zwei Flöten und Schlagwerk hinzugesellte. Spritzig und temporeich führte die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim die Komposition aus.

Das Klavierkonzert A-Dur, KV 414, von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1783 komponiert, erklang während der diesjährigen Neujahrskonzerte der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim in einer interessanten Bearbeitung für Harfe und Streicher. Auf der Harfe gespielt, wirkte der für das Klavier geschriebene Solopart wesentlich filigraner, auch zauberischer, und wurde von Anne-Sophie Bertrand mit überaus sensiblem Anschlag der Saiten elegant als zartes Klanggewebe interpretiert. Dabei entfaltete sie bei einfühlsamem Spiel ihre beeindruckende Virtuosität. Diese zeigte sich insbesondere in den kunstvoll ausgeführten Kadenzen der drei Sätze. Das Orchester begleite die Solistin mit brillant entfalteter Streicherfülle.

Auch in zwei Tänzen für Harfe und Orchester von Claude Debussy beglücke das ungemein feinstimmige Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem Streichorchester. Elegische Stimmung beherrschte den „Danse sacrée“, dem Anne-Sophie Bertrand einen verklärten Ausdruck verlieh. Dagegen war der „Danse profane“ von bewegten Klangfiguren geprägt, die von einem ruhigeren Melodiestrom unterlegt waren. Diesen Kontrast ließ Peter Wallinger zusammen mit seiner Harfensolistin aus Paris in subtiler Klangpracht hervortreten. Ein Impromptu, Opus 86, von Gabriel Fauré, dem Vorreiter des französischen Impressionismus, gab Anne-Sophie Bertrand Gelegenheit, ihre sensible Gestaltungskraft und auch ihr überaus einfühlsames Spiel auf der Harfe nachdrücklich auszubreiten. Das verträumte Werk ist von mystischer Stimmung geprägt, und der Virtuosin gelang es, der Weltentrücktheit und Verklärtheit der Komposition in ihrer seelenvollen Interpretation Ausdruck zu verleihen. Noch einmal entführten die Musikerinnen und Musiker der sueddeutschen kammersinfonie die Konzertbesucher in den märchenhaften Orient. Aus der Musik zum Ibsen-Drama „Peer Gynt“ von Edvard Grieg waren die Sätze „Anitras Tanz“ und „Arabischer Tanz“ zu hören. Mit seidig feinem Klang führten die Streicher das erste Stück aus. Doch im „Arabischen Tanz“ zelebrierten sie noch einmal mit Flöten und Schlagwerk verdichtet morgenländisches Klangkolorit in schönster Vollendung, weshalb daraus noch ein Teil als Zugabe und als Dankeschön für den anhaltenden Applaus gespielt wurde.

Orchester und Solistin spielen vor der Bühne

Die Bühne im Uhlandbau blieb am Sonntagvormittag leer, die sueddeutsche kammersinfonie Bietigheim und ihr musikalischer Gast Anne-Sophie Bertrand spielten ihre Matinee im Bereich vor der Bühne auf der Saalebene. Grund dafür ist, wie der musikalische Leiter Peter Wallinger erklärt, die fehlende Beleuchtung im vorderen Bereich der Bühne. „Es wäre in diesem Fall auch ohne gegangen, weil die Sonne schien, aber das konnten wir bei den Vorbereitungen noch nicht wissen.“ Nun bemüht sich der Initiator der Konzertreihe in Zusammenarbeit mit der Stadt um eine Lösung für die Bühnenbeleuchtung, die spätestens bis zum 3. März greifen sollte. Dann steht in der Reihe „Mühlacker Concerto“ ein abendliches Konzert mit der Pianistin Magdalena Müllerperth auf dem Programm. (the)

Rudolf Wesner

15.01.2012, Pforzheimer Zeitung

Neujahrskonzert in Mühlacker: Silberner Glitzerklang

Die Harfe, das uralte Kult-Instrument, zelebriert seit eh und je Stimmungen und Glückszustände. Ist in der Oper für das Überreichen silberner Rosen zuständig, im Ballett für Feen-Flüge und sterbende Schwäne, im Orchesterkonzert für sprühende Fontänen und Meeresrauschen.

Auch beim Mühlacker Neujahrs-„Concerto“, das wieder im angestammten Uhlandbau stattfand, begeisterte der Glitzerklang des poesievollen Saiten-Instruments. Und zwar gespielt von der exzellenten Solo-Harfenistin Anne-Sophie Bertrand, die von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim mit einfühlender Verve begleitet wurde.


Foto: Henkel

Sinnliches Vergnügen

Die in den Allegro-Ecksätzen luftig schwungvoll und im Andante wunderbar zart interpretierte, in den Solopassagen wie von einem Silberstift nachgezeichnete Harfen-Bearbeitung des Klavierkonzertes A-Dur (KV 414) von Wolfgang Amadeus Mozart verzauberte die Zuhörer im vollbesetzten Saal. Geradezu kongenial dem Wunderklanginstrument angepasst, präsentierten sich Claude Debussys Tänze für Harfe und Orchester („Danse sacrée“ und „Danse profane“), wobei nicht nur die von den Streichern fein untermalten Glissandi und Arpeggien mit leuchtend hin getupfter, impressionistischer Farbigkeit sinnliches Vergnügen bereiteten. Eine Ahnung von paradiesischen Freuden vermittelte die Wiedergabe von Gabriel Faurés „Impromtu op.86“ für Harfe solo, das von Anne-Sophie Bertrand virtuos entfaltet wurde – ein musikalisch funkelndes, kostbares Juwel.

Musikantisch aufgelegt

Das ganz dem Leichten und Heiteren zugetane, unter das Motto „Orient-Okzident“ gestellte Neu-jahrskonzert wurde von Wallinger am Dirigentenpult und seinem musikantisch aufgelegten En-semble markant eingerahmt. Zum Konzertauftakt gab es Christoph Willibald Glucks schmissige Ouvertüre zu „Die Pilger von Mekka“, ein Allegro-Stück, das mit seinen hellen Piccolo-Flöten, Trommeln und Schellengeklingel wie der Aufzug einer Janitscharen-Kapelle anmutete. Den Abschluss bildeten arabische Tänze aus Edvard Griegs „Peer Gynt“. Edgar Wipf steuerte moderierend geistvolle Anmerkungen bei.

Eckehard Uhlig