Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

16.01.18, Ludwigsburger Kreiszeitung

Eine prachtvolle Symbiose

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim präsentiert dreimal ihr Neujahrskonzert

Bietigheim-Bissingen. Dass das Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) stets einen Besuch lohnt, wissen die Bürger in Murr genauso wie die Einwohner von Mühlacker, zwei der drei traditionellen Spielstätten der Jahreswechselauftritte des 1984 von Peter Wallinger gegründeten Orchesters. Der Bürgersaal des Murrer Rathauses sei wie der Uhlandbau in Mühlacker so gut wie ausverkauft gewesen, freute sich der Dirigent im Gespräch mit unserer Zeitung über den dortigen Zuspruch. Dagegen blieben in der Bietigheimer Kelter am Sonntagabend beim dritten und letzten Konzert der Veranstaltungsfolge noch ein paar Plätze frei.

Nachdenkliche bis humoristische Gedichte zwischen den Werken

Das mag ein wenig der im Winter doch etwas zugigen Örtlichkeit geschuldet gewesen sein: Manch ein Besucher zog es vor, Mantel oder Jacke anzubehalten. Obwohl es also auch für die Instrumente wie für die Finger ihrer Spieler eine Spur zu kalt war, geriet der in 16-köpfiger Besetzung angetretenen SKB der Auftakt ihres mit „Zauber der Natur“ überschriebenen Programms fabelhaft.

Mit kammermusikalischer Finesse ausgehört die folkloristischen Motive von „Im Volkston“ der Nr. 1 aus Edvard Griegs „Nordische Weisen“ (op. 63), berückende Schwebeklänge der Streicher, gekrönt von einem erblühenden Tutti im Finale, lustvoll ausgekostet der rustikale Überschwang im „Bauerntanz“.

Als Kleinod erwiesen sich Giacomo Puccinis „Chrysanthemen“: Das dreiteilige Andante mesto, musikalisch dem Opernliebhaber aus dem vierten Akt von „Manon Lescaut“ vertraut, ist eine Blaupause für hochemotionale melancholische Rückblenden, die Heerscharen von Hollywood-Filmmusikkomponisten inspiriert hat.

In „Der Winter“, dem vierten Konzert aus Antonio Vivaldis Zyklus „Vier Jahreszeiten“, beeindruckte Sachiko Kobayashi, Konzertmeisterin der SKB und Primgeigerin des international renommierten Lotus String Quartet, mit souveräner, unaufgeregt in sich gekehrter Gestaltung der bekannten Partitur.

Den strahlenden Mittelpunkt der zweiten Konzerthälfte bildeten die Darbietungen von Anne-Sophie Bertrand, der Solo-Harfenistin im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, einmal mit, einmal ohne Orchesterbegleitung. Wie ein Kompendium der Spieltechniken der chromatischen Harfe wirken die beiden Tänze der „Danses pour Harpe et Orchestre“, die Claude Debussy 1904 geschrieben hat. Wundervoll sanft wogend die perlenden Arpeggien, gezupften und gestrichenen Figurationen der „Danse sacrée“; statt eines Ringens zwischen Solostimme und Orchester, feiern beide in der „Dance profane“ ihre Symbiose. So wie die goldene Harfe von Bertrand das Zentrum der Bühne einnahm, wirkte ihre Partie wie ein teurer Kristall in der Mitte eines prächtig funkelnden Colliers. Solistisch interpretiert dann „La source“ von Alphonse Hasselmans sowie „Introduction, Cadenza & Rondo“ von Elias Parish-Alvars, zwei Werke zeitgenössischer französischer Komponisten, die den romantischen und impressionistischen Tönen huldigen, für die dieses Instrument so enorm prädestiniert scheint.

Zum Ausklang frühlingshafte Farben mit dem „Lied der Lerche“ aus „Die Jahreszeiten“ von Peter Tschaikowsky, ein Hauch von Wiener Neujahrsatmosphäre dann beim finalen „Walzer“.

Von nachdenklich über vergnüglich bis humoristisch reichte die Ausdruckspalette der Gedichte von Rainer Maria Rilke, Henrik Ibsen und anderen, die Frank Albrecht, Schauspieler am Theater Freiburg, zwischen den musikalischen Preziosen so pointiert wie klangvoll rezitierte.

Harry Schmidt

15.01.18, Marbacher Zeitung

Seelenvolle Musik ergreift Zuhörer

Der „Zauber der Natur“, so der Titel des Konzerts, überträgt sich auf die Gäste. Foto: avanti

Murr - Mit innovativen und anregenden Konzert-Programmen hat sich Peter Wallinger, der Dirigent und Gründer der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, in den vergangenen 30 Jahren einen guten Namen geschaffen und bei den Neujahrskonzerten in Murr immer wieder gefestigt.

Mit „Zauber der Natur“ war das 24.  Murrer Neujahrskonzert betitelt, das die Besucher wieder mit jubelndem Beifall quittiert haben. Der Idee, neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen, ist das Bietigheimer Ensemble in den 33 Jahren seines Bestehens treu geblieben und hat mit dem Neujahrskonzert 2018 einmal mehr aufgezeigt, wie Musik und Sprache dazu beitragen können, die Welt etwas aufzuhellen.

Das Publikum zeigte sich begeistert und ließ sich gefangen nehmen vom Klangzauber der Musik und von der stillen Wucht poesievoller Kunst der Worte namhafter Dichter wie Henrik Ibsen oder Rainer Maria Rilke. Ob „nordische Weisen“ von Edvard Grieg oder „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini, ob Claude Debussy oder Peter Tschaikowskys „Jahreszeiten“ – es war absolut seelenvolle Musik, von der sich die Zuhörer ergreifen ließen.

Für zwei absolute musikalische Höhepunkte sorgten die Solistinnen Anne-Sophie Bertrand (Harfe) und die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi (Violine). Schon einmal hat die französisch-amerikanische Harfenistin vor gut fünf Jahren bei einem Konzert in Murr gastiert. Ihre reiche Erfahrung aus großen Konzertsälen der Welt ist unüberhörbar. Dass ihr der Titel „Associate“ von der Royal Academy of Music verliehen wurde – wer möchte das bei ihrem Umgang mit dem königlichen Instrument bestreiten. Dass sie Debussy zu interpretieren weiß – ihr Solo „Jardins sous la pluie“ lässt keine Zweifel offen.

So wurde „der Winter“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ noch selten interpretiert – so delikat und glasklar, einfach fantastisch. Die Kälte war zu spüren, das träumerische Largo „am Kamin“ zu fühlen, die „Schritte auf dem Eis“ und die streitenden Winde im Allegro-Satz deutlich auszumachen. Besser kann man die Meisterklasse der Interpretation kaum zum Ausdruck bringen. Dirigent, Orchester und Solistin waren einfach grandios – der Beifall verdient.

Was die einzelnen Instrumentalsolisten unter der Leitung von Peter Wallinger an Musizierkunst geleistet haben, verdient höchste Anerkennung. Und so ganz nebenbei vermochte der Wortakrobat Frank Albrecht mit seinen Rezitationen die musikalisch großartigen Darbietungen mit seinen Vers-Jonglagen noch zu verzieren. Wie er „gefrorne Tränen“ oder von der Vrings „Nachtkonzert“ und „Finkengezwitscher beim Aufbrechen der Knospen“ vermittelte – Hut ab!

Der Kulturprisma-Chef Matthias Bader kann mit dem Auftakt seiner Veranstaltungsreihe zufrieden sein. Die Konzertbesucher jedenfalls waren es, wie der Beifall erkennen ließ.

Helmut Schwarz

16.01.18, Bietigheimer Zeitung

Naturgewaltige Musik in der Kelter

Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Leitung von Peter Wallinger spielte in der Kelter. Foto: Martin Kalb

Zauber der Natur“ lautete der Programmtitel des diesjährigen Neujahrskonzerts der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“. Unter der Leitung von Peter Wallinger hörten die Besucher in der Alten Kelter „naturgewaltige“ Musik aus dem Barock bis hin zum Impressionismus. Für die gesprochene Sprache zeichnete der Schauspieler und Sprecher Frank Albrecht verantwortlich, der zwischen den Orchesterwerken mit akzentuierter Stimme Gedichte las.

Den musikalischen Natur-Reigen eröffnete das Kammerorchester mit zwei Stücken aus Edvard Griegs „Nordischen Weisen“. Getragen, melancholisch, fast düster das erste, leichtfüßig daherkommend das zweite präsentierten sich die Musikerinnen und Musiker des von Peter Wallinger gegründeten Projektorchesters gewohnt professionell und äußerst spielfreudig. Die abwechslungsreiche, mal karge, mal üppige landschaftliche Schönheit des Landes hoch im Norden transportierten die Instrumentalisten genauso überzeugend in die Bietigheimer Kelter wie die tiefe Trauer in Giacomos Puccinis „Chrysanthemen“, ein Stück, das der italienische Tonsetzer anlässlich des Todes eines nahen Freundes komponiert hatte. Frank Albrecht gelang es dann in seiner Rezitation von Georg von der Vrings „Notenblatt des November“ mühelos, diese feierliche Stimmung zu wahren.

Höchste Ansprüche

Mit Antonio Vivaldi reiste die sueddeutsche kammersinfonie ins südlicher gelegene Italien: Doch sein Violinkonzert „Der Winter“ aus „Vier Jahreszeiten“, bei dem die langjährige Konzertmeisterin des Orchesters, Sachiko Kobayashi, an der Solovioline brillierte, ist alles andere als ein Lobgesang auf Sommer, Sonne und Meer, sondern eine Hommage an die Kraft der Naturgewalten: Mit ihrem virtuosen Spiel zeichnete Sachiko Kobayashi für die Zuhörer in der Alten Kelter gemeinsam mit dem gesamten Klangkörper die Unbarmherzigkeit des Frostes, die Heftigkeit des Windes und die Sanftheit leise herabfallender Schneeflocken nach.

Als zweite Solistin hatte Peter Wallinger mit Anne-Sophie Bertrand eine preisgekrönte Harfenistin verpflichten können, die neben ihrer Tätigkeit beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt als Gastmusikerin viele Ensembles bereichert. Für das Neujahrskonzert in Bietigheim setzte Peter Wallinger auf Claude Debussys „Danses pour Harpe et Orchestre“ und „Jardins sous la pluie“, zwei Kompositionen, die höchste Ansprüche an die Instrumentalisten stellen. Ganz ins Spiel versunken, kaum einen Blick auf das Notenblatt werfend und mit unendlicher Hingabe an ihr Instrument und an die Musik begeisterte Bertrand die Konzertbesucher in einem solchen Maß, dass sie gleich zwei Zugaben vorwegnahm.

Miriam Staudacher

15.01.18, Pforzheimer Zeitung

„MühlackerConcerto“: Kammersinfonie Bietigheim beim Neujahrskonzert

Im Rahmen der „Winter-Konzertreihe“ im Uhlandbau Mühlacker, bestens etabliert unter dem Namen „MühlackerConcerto“, gab sich einmal mehr die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim als „Orchester in Residence“ mit einem ebenso reizvollen Programm wie auch Soloinstrument, der Harfe, ein Stelldichein.

Der Zauber der Natur

Zu dem Neujahrskonzert konnte die renommierte Solistin Anne-Sophie Bertrand gewonnen werden. Sie ist Soloharfenistin beim hessischen Radiosymphonieorchester. Die musikalische Leitung hatte Peter Wallinger inne, als Sprecher der morgendlichen Aufführung fungierte Frank Albrecht.

„Zauber der Natur“ – unter diesem Thema kamen gestern Werke von Vivaldi aus den „Vier Jahreszeiten“, Grieg („Nordische Weisen“) sowie solche Perlen wie Puccinis „Chrysanthemen“, Debussys „Jardins sous la pluie“, Tschaikowskys „Lied der Lerche“ sowie Gedichtvertonungen unter anderem von Rainer Maria Rilke und Henrik Ibsen zur Aufführung.

Legendärer Konzertraum

Der geschichtsträchtige Konzertraum im Herzen Mühlackers, der schon in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts musikalische Größen wie Rudolf Serkin, Fritz Busch und Carl Orff anzog, ist aufgrund seiner beeindruckenden Akustik auch heute noch prädestiniert für Aufführungen in unterschiedlichster Besetzung bis hin zu großer Symphonik.

pz

16.01.18, Mühlacker Tagblatt

Literaturvorträge hinken Musik hinterher

Neujahrskonzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Uhlandbau – Dirigent zeigt seine Meisterschaft

Anne-Sophie Bertrand glänzt als Soloharfenistin beim Neujahrskonzert im Rahmen der Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

Im Rahmen der Reihe „Mühlacker Concerto“ hat die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ zu einem Neujahrskonzert in den Uhlandbau eingeladen. Unter dem Titel „Zauber der Natur“ präsentierte das Ensemble unter der Leitung von Peter Wallinger Interessantes und wenig Bekanntes. Der Schwerpunkt lag auf Werken aus dem 19. Jahrhundert.

Mühlacker. Dabei war nicht nur Musikalisches zu hören, sondern auch Literarisches. Diesen Part übernahm der Schauspieler und Regisseur, in Baden-Baden als Logotherapeut arbeitende 58-jährige Frank Albrecht. Mit dem von ihm vorgetragenen Spruch „Einem Komponisten ins Stammbuch“ des Norwegers Henrik Ibsen begann das Programm. Zwischen den Musikstücken machte Albrecht immer wieder, die Worte mit zuweilen theatralischen Bewegungen unterstreichend und komödiantisch deutend, mit unterschiedlichen Texten bekannt. Dabei kam Schriftsteller und Maler Georg von der Vring mit „Notenblatt des November“, „Nachtkonzert“ und mit „Finkengezwitscher beim Ausbrechen der Knospen“ zu Wort. Von Rainer Maria Rilke hörte man „Natur ist glücklich“, von dem nicht zuletzt durch seine gesellschaftskritischen deutschen Volkslieder bekannt gewordenen Wilhelm Müller „Gefrorne Tränen“ und von Conrad Ferdinand Meyer, dem Schweizer Dichter des Realismus, dessen „Möwenflug“.

Interessant nicht nur in programmatischer Hinsicht, vor allem aber besser hinsichtlich des Vortrags war der musikalische Part des Neujahrskonzerts. Zum Auftakt spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ nicht etwa die Peer-Gynt-Suiten 1 und 2 aus der Schauspielmusik „Peer Gynt“ zum gleichnamigen dramatischen Gedicht von Henrik Ibsen, die zu den bekanntesten Orchesterstücken der romantischen Musik gehören, sondern zwei „Nordische Weisen“ op. 63 Nr. 1 und 2 von Edvard Grieg. „Im Volkston“ ist die Bezeichnung der einen, 1896 erschienenen Komposition, „Bauerntanz“ die der anderen. Behutsam, sensibel gespielt erklang die eine Weise, locker und beschwingt die andere. Aus dem Jahr 1890 stammt die Urfassung von „Crisantemi“, ein Andante-Ausflug des Opernkomponisten Giacomo Puccini in die Instrumentalmusik. Bekannt wurde diese Trauermusik, die jetzt in Mühlacker bedächtig und getragen interpretiert wurde, vor allem durch seine drei Jahre später entstandene Oper „Manon Lescaut“, in der sie im vierten Akt die Sterbeszene der Titelheldin begleitet.

Ein Ausflug ins 18. Jahrhundert war „Der Winter“ op. 8,4 aus dem Zyklus „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Im Allegro non molto glaubte man geradezu die klirrende Kälte, den schneidenden Wind und das berstende Eis zu hören. Wohlig war dagegen das Largo („Am Kamin, Regentropfen fallen“). Und im Allegro kamen die „Schritte auf dem Eis“ zum Klingen. In der Interpretation dieser Komposition, bei der Sachiko Kobayashi, die Primgeigerin des „Lotus String Quartet“, als Solistin brillierte, zeigte sich die Meisterschaft des Dirigenten Peter Wallinger.

Wer bislang die Harfe nur als antikes, zuweilen im Orchester eingesetztes Instrument kannte, der wurde eines Besseren belehrt. Schon bei den „Danses pour Harpe et Orchestre“ von Claude Debussy, einer Auftragskomposition des Hauses Pleyel 1904 im Harfenstreit mit dem Konkurrenten Erard, der ein Jahr später Maurice Ravel für eine Komposition gewann, stand die Harfe im Mittelpunkt des Orchesterspiels, als Anne-Sophie Bertrand, Soloharfenistin im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, meisterhaft „Danse sacrée“ und „Danse profane“ interpretierte. Die Klangfülle und die mögliche Breite des Ausdrucks der Harfe kam dann erst recht bei ihrem differenzierten, grandiosen Solospiel von Claude Debussys „Jardins sous la pluie“ zur Geltung.

Mit dem „Lied der Lerche“ – dem März – und dem „Walzer“ – dem Dezember – wurden zwei der zwölf Teile aus dem Zyklus „Die Jahreszeiten“ von Pjotr I. Tschaikowski vorgestellt, wobei dann doch noch ein Walzer, der häufig im Mittelpunkt von Neujahrskonzerten steht, in Mühlacker zu Gehör gebracht wurde, bevor es eine überflüssige textliche und eine hörenswerte musikalische Zugabe gab.

Dieter Schnabel